Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

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    • Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

      Nachdem bereits der Thread
      Sergei Rachmaninoff - die Klavierkonzerte
      mit Yuja Wang eröffnet wurde und nachdem Don Fatale im Thread
      Pianisten von heute - Capriccios Lieblinge
      vorschlug, ihr einen eigenen Thread zu widmen, übernehme ich es gern, einen solchen zu eröffnen.

      Zu den biografischen Details:

      Yuja Wang wurde am 10. Februar 1987 in Peking geboren, ist also 24 Jahre alt. Sie begann früh mit dem Klavierspiel und gab bereits als Kind erste Konzerte in China, Australien und Deutschland. Im Alter von 7 Jahren nahm sie ein Musikstudium am Zentralen Konservatorium in Peking auf (ihre Lehrer waren dort Ling Yuan und Zhou Guangren). 1998, also mit 11 Jahren, hatte sie ihren ersten Wettbewerbserfolg, indem sie den dritten Platz beim Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten in Ettlingen (Deutschland) errang. Von 1999 bis 2001 war sie Teil eines chinesisch-kanadischen Kulturaustauschprogramms, in dessen Rahmen sie am Morningside Music summer program des Mount Royal College in Calgary (Kanada) teilnahm. 2001 (mit 14 Jahren) übersiedelte sie ganz nach Kanada und studierte am Mount Royal College Conservatory in Calgary (ihre dortigen Lehrer: Hung Kuan Chen und Tema Blackstone). Im selben Jahr gewann sie beim Internationalen Musikwettbewerb in Sendai (Japan) sowohl den 3. Preis als auch den Spezialpreis der Jury für den besten Pianisten in der Altersklasse unter 20 Jahren. 2002 kam der erste Wettbewerbssieg, nämlich der erste Preis bei der Aspen Music Festival Concerto Competition. 2003 nahm sie Gary Graffman unter seine Fittiche, bei welchem sie fortan am Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte. Ihre dortige Ausbildung schloss sie im Mai 2008 ab.

      Ihr Europadebüt mit einem Orchester gab sie bereits 2003 mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von David Zinman (sie spielte Beethovens Klavierkonzert Nr. 4). Im September 2005 erhielt sie den Gilmore-Preis 2006 für den vielversprechendsten Pianisten im Alter bis zu 21 Jahren (Gilmore Young Artist award), welcher - neben dem Preisgeld - mit Auftritten beim Gilmore Festival 2006 sowie der Vergabe einer Auftragskomposition, also eines speziell für sie zu komponierenden Klavierwerks, verbunden war. Ab 2005 festigte sich ihr Ruf in Nordamerika als "Einspringerin" für Pianisten, die einen Konzertauftritt abgesagt haben, beispielsweise Martha Argerich, deren vier Konzerte mit dem Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Charles Dutoit (Tschaikowsky Klavierkonzert Nr. 1) sie im März 2007 übernahm. In den Jahren 2006 und 2007 (also immer noch vor Abschluss ihrer Ausbildung) spielte sie u.a. mit dem New York Philharmonic Orchestra, dem Houston Symphony Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem San Francisco Symphony Orchestra, dem NHK Symphony Orchestra (Tokyo), den St. Petersburger Philharmonikern und dem China Philharmonic Orchestra (Peking). Das New York Philharmonic Orchestra unter Leitung von Lorin Maazel nahm sie auch auf eine Tournee durch Japan und Korea im Jahre 2007 als Solistin mit. Weitere Tourneen folgten, z.B. mit der Academy of St. Martin-in-the-Fields unter der Leitung von Sir Neville Marriner durch die USA im Jahre 2008 und eine größere Solotournee durch die USA im selben Jahr, welche sie vom ursprünglich vorgesehenen, aber verhinderten Murray Perahia übernahm. Die Kritiken waren überschwänglich. Nach ihrem ersten Klavierabend in San Francisco schrieb The San Francisco Chronicle: "The arrival of Chinese-born pianist Yuja Wang on the musical scene is an exhilarating and unnerving development. To listen to her in action is to re-examine whatever assumptions you may have had about how well the piano can actually be played". In Bezug auf ihre Konzerte kamen Begriffe wie "she delivered a knockout performance", "astounding", "a phenom", "a sensation" oder gar "superhuman" auf. Wenn man sich ihre bei youTube abrufbaren Videos aus dieser Zeit ansieht, dann versteht man schon, weshalb diese unvorstellbar virtuose junge Pianistin als fast schon "übermenschlich" beschrieben wird. Ein Video mit dem Titel "the fastest piano player in the world ever: Yuja Wang"
      "http://www.youtube.com/watch?v=6EqBlHyBZtQ"
      auf welchem sie Cziffras Transkription des "Hummelflugs" von Rimsky-Korssakow spielt, mag als Beispiel dienen.

      Atemberaubende Fingerfertigkeit ist aber nur einer von vielen Aspekten ihres Klavierspiels. Sie ist weit davon entfernt, eine Art David Garrett des Klaviers zu sein (nach dem Motto: bildschön und steht im Guiness Book of Records als schnellster Geiger/schnellste Pianistin der Welt). Als ich sie in der letzten Woche live mit dem Royal Philharmonic Orchestra London unter der Leitung von Charles Dutoit erlebte (es gab Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3), habe ich ihr Klavierspiel viel mehr als ausgesprochen poetisch empfunden, mit einer ausgeprägten Binnendifferenzierung (sie holte Nebenstimmen aus dem vertrackten Klavierpart heraus, die ich noch nie zuvor wahrgenommen habe), großer gestalterischer Reife und (was durch ihre intensive Beschäftigung mit Kammermusik kommen mag) völliger Übereinstimmung mit dem sie begleitenden Orchester. Ganz besonders frappierend war, wie schnell und gestochen scharf sie im Pianissimo-Bereich zu spielen vermag. Eine Cziffra-Zugabe gab es übrigens auch, bei welcher sie es gehörig krachen ließ (es war Cziffras Transkription der "Tritsch Tratsch-Polka" von Johann Strauß). Dann aber kam die zweite Zugabe, nämlich Glucks "Reigen seliger Geister" aus "Orfeo ed Euridice" in einer von Yuja Wang selbst erstellten Transkription, welche auf Giovanni Sgambati basiert. Das war so etwas von hauchzart gespielt, so berückend schön. Sie ist wirklich weitaus mehr als nur eine Virtuosin.

      Zurück zur Biografie: im Januar 2009 unterzeichnete Yuja Wang einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft. 2009 gab sie auch ihr Carnegie Hall Debüt mit Orchester (und zwar dem You Tube Symphony Orchestra unter der Leitung von Michael Tilson Thomas), welchem 2011 das Carnegie Hall Debüt als Solistin folgte. 2011 erhielt sie in Berlin den "Echo Klassik"-Preis als beste Nachwuchskünstlerin im Bereich Klavier. Sie lebt inzwischen in New York City, ist aber quasi auf einer Dauer-Tournee durch alle großen Konzertsäle der Welt und demzufolge nach eigener Aussage kaum zu Hause. In einem Interview mit der "BZ"
      "http://www.bz-berlin.de/kultur/musik/die-rasende-yuja-wang-in-berlin-article1209876.html"
      soll sie gesagt haben: „Ich fühle mich nirgendwo zu Hause, nicht mal in New York, wo ich wohne. Meine Heimat ist meine Handtasche“ (Anmerkung der "BZ": So nennt sie ihren Reisetrolley. Anmerkung des Threaderöffners: Sie wird im Interview "bag" gesagt haben. Jeder Flugreisende weiß, was mit "bag" gemeint ist). „Darin ist alles, was ich brauche: Mein Kleid, meine High Heels, mein iPod und iPad.“

      Ihre Auftritte beim Verbier Festival (als Solistin und als Kammermusikerin) wurden vor wenigen Wochen bei arte ausgestrahlt (und sind auch bei youTube abrufbar) und haben mich schwer beeindruckt (vor allem ihr Scriabin-Spiel).

      Beeindruckend ist auch, dass Yuja Wang nicht nur im Konzertsaal Ligeti spielt - hier ein Live-Mitschnitt auf youTube
      "http://www.youtube.com/watch?v=ECC6l7fAhJQ"
      sondern auch auf ihrer Debüt-CD bei der Deutschen Grammophon:


      Sie hat auch eine Shchedrin-Uraufführung verantwortet. Näheres hierzu hat Lionel im "Eben gehört"-Thread geschildert:
      Eben gehört

      Als zweite Yuja Wang-CD folgte

      welche zur "CD des Monats" im Grammophone Magazine wurde und auch sonst sehr gute Kritiken erhielt. Für diese CD hat sie den oben bereits erwähnten "Echo Klassik" 2011 bekommen.

      Als dritte Veröffentlichung erschien eine Rachmaninow-CD mit dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Claudio Abbado


      So, das war's erst mal von meiner Seite. Jetzt seid Ihr dran ;+)
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Als ich vor ca. 4 Jahren zum ersten Mal Notiz von Yuja Wang nahm, war ich ehrlich gesagt erst einmal skeptisch und ich dachte mir, ob sie so etwas wie das "weibliche Pendant" zu Lang Lang wird, weil sie seine Landsmännin und ebenfalls beim Gelb-Label unter Vertrag ist. Zugegeben, dass war von mir sehr naiv, um nicht zu sagen dumm, so etwas zu denken und nach dem ich bei Arte einige Fernsehübertragungen vom Verbier-Festival mit ihr gesehen hatte war diese anfängliche Skepsis auch vollkommen verflogen.

      Im März 2010 hatte ich dann das große Vergnügen, Yuja Wang in der Alten Oper in Frankfurt/M. live im Konzert zu erleben. Sie spielte zusammen mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der Leitung von Sebastian Weigle das 5. Klavierkonzert von Beethoven und das war meiner Meinung nach eine sehr gute Interpretation, die ich als sehr gefühlvoll und verinnerlicht empfand. Das Publikum war dann auch sehr begeistert und sie bedankte sich mit 2 Zugaben: einmal spielte sie Volodos Adaption von Mozarts "Rondo alla turca" ("http://www.youtube.com/watch?v=j1fgo7hp-Ko") und dann noch eine Scarlatti-Sonate.

      Schnell kaufte ich mir dann die von music lover bereits genannten CD`s, die mich alle sehr begeistern. Zusätzlich möchte ich noch auf diese DVD`s, die Yuja Wang als Solistin bzw. Kammermusikerin zeigen, hinweisen:





      Ich muss zugeben, dass ich nicht so ein großer Klaviermusik-Experte bin und auf dem Gebiet der Orchestermusik meine ich mich besser auszukennen aber dennoch bin ich der Meinung, dass Yuja Wang eine sehr vielversprechende Künstlerin ist, die glücklicherweise meilenweit von dem "pianistischen Zirkus" a la Lang Lang entfernt ist und von ihr noch sehr viel zu erwarten ist. Im Booklet ihrer Debüt-CD sagt sie, dass sie sich irgendwann einmal gut vorstellen kann, auch zu komponieren oder auch zu dirigieren und da sie Glucks "Reigen seliger Geister" selbst für Klavier arrangierte, wie music lover berichtete, scheint das schon ein erster kleiner Schritt in diese Richtung zu sein.

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Ein paar Yuja Wang-Konzerttermine für die nächsten Monate in Deutschland:

      Zunächst einmal unterbricht Yuja Wang ihre aktuelle Italien-Tournee, um am 17. Januar in Dortmund mit folgendem Programm aufzutreten:
      Johannes Brahms Sieben Fantasien op. 116
      Alexander Skrjabin Sonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 6
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 4
      Sergej Rachmaninow ›Élégie‹ aus »Morceaux de fantaisie« op. 3
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 5
      Gabriel Fauré Ballade Fis-Dur op. 19
      Claude Debussy ›La soirée dans Grenade‹ aus »Estampes«
      Isaac Albéniz ›Triana‹ aus »Iberia«
      Maurice Ravel ›Alborada del gracioso‹ aus »Miroirs«

      Den Hinweis auf dieses Dortmunder Recital sowie auf das hochinteressante Programm dieses Abends verdanke ich Don Fatale:
      Wo wir so hingehen - Anstehende Besuche von Oper / Theater / Konzert

      Weiter geht es wie folgt:

      Am 27. Januar ist Yuja Wangs Klavierspiel in Hamburg zu bestaunen. Sie spielt dort das Klavierkonzert Nr. 3 von Rachmaninow, begleitet vom NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrey Boreyko:
      "http://www.ndr.de/orchester_chor/sinfonieorchester/konzerte/abonnementkonzerte/hamburg/boreyko103.html"

      Dasselbe Programm gibt es am 28. Januar auch in Bremen:
      "http://www.ndr.de/orchester_chor/sinfonieorchester/konzerte/unterwegs/boreyko105.html"

      Das Dortmunder Publikum bekommt Yuja Wang am 10. März 2012 ein zweites Mal im dortigen Konzerthaus zu sehen, und zwar mit dem Klavierkonzert Nr. 2 von Prokofiew, begleitet vom Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg unter dem Dirigat von Valery Gergiev:
      "http://www.konzerthaus-dortmund.de/event_details.html?eventid=220290&saison=201112"

      Am 30. April steht dann ein weiteres Recital von Yuja Wang in Deutschland an, nämlich im Schiller-Theater in Berlin. Sie spielt dort folgendes Programm:
      Beethoven: Sonate Es-Dur op. 27/1
      Prokofiew: Sonate Nr. 6 A-Dur op. 82
      Liszt: Sonate h-moll
      ("http://www.staatsoper-berlin.org/en_EN/repertoire/722275")

      Die Kombination Yuja Wang, Andrey Boreyko und Klavierkonzert Nr. 3 von Rachmaninow gibt es schließlich (nach Hamburg und Bremen) im Juni 2012 auch in Düsseldorf bei den Düsseldorfer Sinfonikern:
      "http://www.tonhalle.de/?q=das_konzert&id=9828164"
      Dieses Konzert ist natürlich auch durch die Dorati-Sinfonie Nr. 2 hochinteressant!

      In Hamburg und in Berlin bin ich dabei. Das wird ein Fest :jub:
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Na, hoffentlich wird sich dieser Thread nicht so entwickeln wie hier:

      h**p://www.clavio.de/forum/sonstiges/13753-yuja-wang-provoziert-mit-mini.html :shake:

      Denn das hat diese wirkliche Ausnahmepianistin nicht verdient. Schaut Euch auch einmal die bei YouTube eingestellten frühen Videos aus ihrer Kindheit an, in denen sie bereits mit zahlreichen reifen Leistungen beeindruckt hat. :juhu:
    • Frank Pronath schrieb:

      .clavio.de/forum/sonstiges/13753-yuja-wang-provoziert-mit-mini.html


      Ich habe mir mal diesen Thread bei Clavio angesehen, gruselig .... Viele Aufnahmen Yuja Wangs kenne ich noch nicht. Die bisher einzige Aufnahme ist eine Einspielung des d-moll-Konzerts von Rachmaninov. Und die fand ich sehr gelungen:



      In den pianonews war letztes Jahr ein Porträt von ihr zu lesen.


      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Frank Pronath schrieb:

      Na, hoffentlich wird sich dieser Thread nicht so entwickeln wie hier:
      h**p://www.clavio.de/forum/sonstiges/13753-yuja-wang-provoziert-mit-mini.html :shake:
      Denn das hat diese wirkliche Ausnahmepianistin nicht verdient.

      Dass Yuja Wang letztes Jahr bei einem Open air-Konzert in Kalifornien, welches Anfang August, also im kalifornischen Hochsommer (!) in der Hollywood Bowl stattfand, auf das sonst bei ihr übliche lange Abendkleid verzichtete und statt dessen ein kurzes Kleid wählte, hat in der Tat enormes Aufsehen erregt, nicht nur in der US-Presse, sondern z.B. auch auf den ihr gewidmeten Facebook-Seiten. Dabei gehe ich jede Wette ein, dass mindestens 60 % der weiblichen Besucher jenes Open air-Konzerts, eher sogar noch mehr, ebenfalls angesichts der großen Hitze etwas Kurzes und Luftiges getragen haben. Nur auf der Bühne macht man so etwas im prüden Amerika offenbar nicht. Gut - Yuja (die noch sehr jung ist) wird ihre Lektion gelernt haben. Und sich beim nächsten Mal lieber auf der Bühne totschwitzen, als noch einmal Sätze in der Los Angeles Times wie "Her dress Tuesday was so short and tight that had there been any less of it, the Bowl might have been forced to restrict admission to any music lover under 18 not accompanied by an adult. Had her heels been any higher, walking, to say nothing of her sensitive pedaling, would have been unfeasible." über sich lesen zu müssen
      "http://latimesblogs.latimes.com/culturemonster/2011/08/music-review-yuja-wang-lionel-bringuier-at-the-hollywood-bowl.html"

      Immerhin widmete sich die Los Angeles Times dann doch ausführlich ihrem Rachmaninow-Spiel und lobte dies über den grünen Klee: "She’s still the same tasteful, technically impeccable, confident and extraordinary pianist she was when she first appeared, somewhat more modestly, with the L.A. Philharmonic in 2009. Even so, had this Hollywood Bowl performance been a scene in a Hollywood movie, I would have thought it hopelessly unrealistic. But there Wang was, projected in leering close-up on the Bowl’s video screens playing a superhuman concerto with unabashed cool. Actually, Hollywood’s idea of Rach 3 was the film “Shine,” which presented the concerto as the mountainous challenge that drove a mentally unstable pianist over the edge. Believe that, and the only explanation for Wang is that she must be some sort of cocky classical music cyborg. Nothing, for her, looked even vaguely difficult. She was at her best in the most punishing passages. Rhythm is one of her strong suits, so the last movement, in particular, rocked. She was on the slow side for Rachmaninoff’s slow, lyrical melodies and on the fast side for the showy passages, but nothing was extreme. When Rachmaninoff called for delicacy, speed and grace together, she had all three in exactly the right proportions and was downright magical."

      Solange die pianistische Meisterschaft von Yuja Wang also immerhin noch im Vordergrund der journalistischen Berichterstattung über sie steht, nicht ihr Äußeres, kann man damit leben. Yuja hat solche Form von Publicity auch überhaupt nicht nötig. Wer sie im Konzertsaal erlebt, dem steht der Mund vor Staunen offen. Egal, was sie trägt.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Caesar73 schrieb:


      Was spielt sie denn

      Angekündigt ist eine Sammlung von Miniaturen, insbesondere jene Stücke, die sie oft und gern als Zugaben spielt. Als Komponisten genannt sind Chopin, Ravel, Schubert, Gluck, Rachmaninoff, Scriabin, dazu auch etwas Spanisches.

      Da auch Gluck unter den angekündigten Komponisten ist, wird vermutlich die von music lover erwähnte eigene Transkription des "Reigens seliger Geister" dabei sein.
    • Irgendwie behagt mir das aktuelle Konzept bei DG nicht mehr...

      Es steht immer der Interpret im Fokus, geboten wir Vermischtes im Klassik-Radio-Stil. Ich vermisse mal wieder Komponisten-Monographien oder den Fokus auf vollständige Werke.

      Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch verzerrt, weil ich die Neuigkeiten vorzugsweise via Facebook erhalte.

      Eine Ausnahme war jetzt nach meinem Empfinden die Scheibe von Hilary Hahn mit den Ives-Sonaten, die so gar nicht in dieses Konzept passen mag.

      Mich würde mal so etwas interessieren wie: die Chopin-Prèludes vollständig mit Yuya Wang oder was auch immer... versteht Ihr, was ich meine? Das geht nicht gegen die Künstlerin, sondern gegen ihr Label.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Bei Yuja Wang waren die ersten beiden CDs quasi Konzeptalben mit größeren Werken und kürzeren Einsprengseln dazwischen (erste CD Ligeti, zweite Scarlatti), dann kam die Rachmaninow CD mit Orchester, nun offenbar ein Encore Mischmasch.
      Vergleichbar ist Alice Sara Ott, die durfte mit zwei Zyklen beginnen, zuerst Liszts Etüden, dann Chopin Walzer, auch hier als dritte CD die erste mit Klavierkonzerten, zuletzt Beethoven solo.
      Bei den Arrivierten oder noch weiter vermartket werden Müssenden (Anne-Sophie Mutter, Anna Netrebko, Ex-DGG-Künstler Lang Lang) ist man mittlerweile so weit, über Hörzu Hörer Wunschtitel Sampler CDs zu erstellen. Dieser "Abstieg" steht den jungen Damen möglicherweise noch bevor.
      Auch die Covergestaltung deutet vielfach darauf hin, dass es um alles nur nicht um die Musik geht.
      Andererseits ist das Cover der ersten Yuja Wang CD wie ich finde eines der reizvollsten, denn die Digipackaufmachung schildert optisch quasi ein "Erwachen" der Künstlerin - vorne in sich versunken, in der Mitte aufblickend, auf der Rückseite hellwach - bereit zum Aufbruch.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      dann kam die Rachmaninow CD mit Orchester



      Kennst Du die Aufnahme Alexander? Mir hat sie gut gefallen, sowohl was die Leistung des Orchesters angeht, als auch Yuya Wangs Interpretation. Keine dicke, sämige Klangsoße, sondern ein transparentes Klangbild - und wenn ich mich recht erinnere - keine übermäßig breiten Tempi.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Lieber Caesar73, ich habe bereits im Thread zu den Rachmaninow-Klavierkonzerten dazu geschrieben (beim Hörvergleich).
      Link siehe hier oben (erster Beitrag).
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Bleifuß in High Heels - Wangs Konzert in Dortmund (17. 1. 2012)

      music lover schrieb:

      Zunächst einmal unterbricht Yuja Wang ihre aktuelle Italien-Tournee, um am 17. Januar in Dortmund mit folgendem Programm aufzutreten:
      Johannes Brahms Sieben Fantasien op. 116
      Alexander Skrjabin Sonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 6
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 4
      Sergej Rachmaninow ›Élégie‹ aus »Morceaux de fantaisie« op. 3
      Sergej Rachmaninow Étude-tableaux op. 39 Nr. 5
      Gabriel Fauré Ballade Fis-Dur op. 19
      Claude Debussy ›La soirée dans Grenade‹ aus »Estampes«
      Isaac Albéniz ›Triana‹ aus »Iberia«
      Maurice Ravel ›Alborada del gracioso‹ aus »Miroirs«


      Ich dachte, Yuja Wang befände sich noch mehr oder minder im Stadium des Geheimtipps. Weit gefehlt: das Konzerthaus Dortmund war zu ihrem Solorecital an einem unattraktiven Dienstagabend ausverkaufter, als ich es bisher je erlebt habe. Die ungewöhnliche Anfangszeit um 19 Uhr erklärte sich nach einem kurzen Blick ins Publikum - Frl. Wang ist offenbar die aktuelle Abgöttin der elf- bis dreizehnjährigen Klavierschülerinnen, die zahlreich giggelnd anwesend waren. Solcherlei niedliches Gewese gehört rechtzeitig ins Bett, wenn anderntags Schule ist, und darauf hatte sich die marketingschlaue dortmunder Konzerthausdirektion offenbar mit einer kommoden Anfangszeit eingestellt.

      Das Konzert selbst verlief recht kurios. Yuja Wang begann mit einer verworrenen und mehr oder weniger unverständlichen Ansage, der immerhin zu entnehmen war, dass die im Programmheft abgedruckte (und oben wiedergegebene) Programmfolge nicht ihren Vorstellungen entsprach. Als sie dazu ansetzte, das renovierte Programm vorzustellen, rief jemand aus dem Zuschauerraum "Louder!", was die Künstlerin vollends verwirrte, die sich flugs ans Geflügel schwang. Der weitere Abend verging in fröhlichem Rätselraten.

      Wenn ich richtig geraten habe, begann das Konzert mit (dem angekündigten oder anderem) Kleinteiligem von Rachmaninoff, möglicherweise gefolgt von der ja auch recht kurzen Skrjabin-Sonate; kann aber auch sein, dass diese ganz ausgelassen wurde. Es folgte die Fauré-Ballade, mit Ravels "Alborada" wurden wir in die Pause entlassen. Danach: Brahms, Albéniz, Debussy und eine Carmen-Fantasie (wohl die von Horowitz). Die erste Zugabe kannte ich gar nicht, die zweite war die formidable Tritsch-Tratsch-Polka. Soweit im Überblick.

      Klavierstücke von Rachmaninoff kann man ja auf sehr verschiedene Weise gespielt hören. Mir persönlich liegen die strafferen, klareren, die bei diesem Komponisten immer wieder durchaus vorhandenen polyphonen Elemente akzentuierenden Interpretationen (etwa Richters "Etudes Tableaux") sehr viel mehr als die spätromantisch-rubatoseligen. Wang ist von der zweiten Fraktion. Sie benutzte mächtig viel Pedal, wodurch sie eine beeindruckende Klangfülle zulasten klarer melodischer und rhythmischer Strukturen erreichte. Manches Mal dominierten die Basstöne die eigentlichen Melodiestimmen im Diskant so sehr, dass diese kaum mehr zu vernehmen waren. Da war eine Überwältigungsästhetik am Werk, die durch pure Lautstärke und Klangfülle zu überzeugen versuchte. Mich nicht.
      Ravels 'Alborada del gracioso' hingegen war klasse. Fabelhaft schnelle Klangkaskaden, brilliante Effekte. Perfekt.

      Bei Brahms' op. 116 wuchs sich nach der Pause das, was beim Rachmaninoff schon deutlich zu spüren gewesen war, zur interpretatorischen Katastrophe aus. Wang verschmierte mit permanentem Pedaleinsatz jegliche melodischen, rhythmischen und sogar harmonischen Konturen und setzte dazu noch völlig willkürliche, manchmal die Melodielinien geradezu unterbrechende rubati und Fermaten. Dynamisch befleißigte sie sich eines sturen Dauer-Forte, nur ganz gelegentlich durch kurze piano-Momente unterbrochen, die sich aber immer sogleich als bloßes Sprungbrett für ein crescendo entpuppten. Selbst die zartesten, intimsten und unspektakulärsten Intermezzi, die maximale Demut und Zurückhaltung verlangen, spielte Wang, als seien sie pathetische Bravourstücke. Ich habe selten in einem Konzert etwas so Unangemessenes und ästhetisch Falsches gehört wie Yuja Wangs Wiedergabe von Brahms' op. 116.
      War Wang im ersten Teil des Konzertes nach den einzelnen Programmpunkten noch jeweils zum Applaus abgegangen, blieb sie im zweiten Teil am Klavier, verbeugte sich jeweils nur kurz im Sitzen und legte sogar gleich die Hände wieder auf die Tasten, so dass der Beifall alsbald erstarb. Wenn das Konzept und nicht bloß Laune war, erschließt es sich mir nicht, denn dass auf den Brahms so fast ohne Atempause ein Stück aus Albéniz' "Iberia" folgte, mutete doch recht bizarr an. Sowohl Albéniz als auch Debussy bekam ihr rustikalerer Zugriff für meinen Geschmack übrigens recht gut, und mit der Carmen-Fantasie und schließlich der Tritsch-Tratsch-Polka war sie bei dem Repertoire angekommen, das sie wohl wie nur wenige andere Pianisten zur Zeit beherrscht: Virtuosenstücke, die sie mit stupender Technik, höchster Geschwindigkeit und einem ausgeprägten Sinn für den Effekt exekutiert. Im Vergleich mit klassischen Meistern dieser Kunst wie György Cziffra vermisste ich zwar ein kleines bisschen diese piano-Brillanz, die ihr auch hier immer noch etwas zu starker Anschlag verhinderte, aber dass mir Cziffra überhaupt vergleichend in den Sinn kam, zeigt doch, wie gut Wang sich in diesem Repertoire behauptet.

      Fazit: ohne freilich ihre CDs zu kennen, bin ich mir nach diesem Konzert doch ziemlich sicher, dass Yuja Wang sich auf das klassische Virtuosenrepertoire konzentrieren sollte. Aus vielen virtuosen Kompositionen, die etwa Marc-André Hamelin quasi wiederentdeckt und mit seiner ebenfalls frappanten Technik, aber leider auch immer mit einer gewissen Sterilität, eingespielt hat (etwa Godowskys Chopin-Bearbeitungen) kann sie möglicherweise noch gewaltige Funken schlagen. Ein Yuja-Wang-Konzert mit einem solchen Repertoire würde ich mit Begeisterung wieder besuchen. Aber Brahms möchte ich von ihr nie wieder hören müssen.

      Grüße
      vom Don
    • Don Fatale schrieb:

      Frl. Wang ist offenbar die aktuelle Abgöttin der elf- bis dreizehnjährigen Klavierschülerinnen, die zahlreich giggelnd anwesend waren. Solcherlei niedliches Gewese gehört rechtzeitig ins Bett, wenn anderntags Schule ist, und darauf hatte sich die marketingschlaue dortmunder Konzerthausdirektion offenbar mit einer kommoden Anfangszeit eingestellt.
      Ich habe Deine Konzertrezension mit großem Interesse gelesen. Aber eine Anmerkung hätte ich doch: Was ist so schlecht daran, wenn Elf- bis Dreizehnjährige in einen Yuja Wang-Klavierabend gehen statt zu Justin Bieber, Tokyo Hotel oder Eminem? Ist es nicht vielleicht doch eher ein gutes Zeichen, dass klassische Musik ohne irgendwelche Crossover-Zutaten à la David Garrett (die man Yuja Wang nun wirklich nicht nachsagen kann) von sehr jungen Leuten geschätzt wird? Und wenn das so ist: Warum müssen diese jungen Konzertbesucher von Dir als "giggelnd" abqualifiziert werden? Oder gar als "solcherlei niedliches Gewese", welches "rechtzeitig ins Bett gehört", statt Dich bei Deinem Kunstgenuss zu stören? Was ist überhaupt so schlimm daran, dass sehr junge Leute einen Klavierabend besuchen?
    • Solcherlei niedliches Gewese gehört rechtzeitig ins Bett, wenn anderntags Schule ist, und darauf hatte sich die marketingschlaue dortmunder Konzerthausdirektion offenbar mit einer kommoden Anfangszeit eingestellt.

      Oder gar als "solcherlei niedliches Gewese", welches "rechtzeitig ins Bett gehört", statt Dich bei Deinem Kunstgenuss zu stören? Was ist überhaupt so schlimm daran, dass sehr junge Leute einen Klavierabend besuchen?


      Ich denke nicht, dass Don damit meinte, dass diese jungen Leute nicht in das Konzert hätten gehen sollen (an keiner Stelle sagt er übrigens, sie hätten ihn gestört), sondern nur darauf aufmerksam machte, dass der Konzertbeginn vorverlegt wurde, damit die Schüler rechtzeitig danach ins Bett kamen, weil am nächsten Tag Unterricht war.

      LG Lotte

    • Charlotte von Lengefeld schrieb:

      Ich denke nicht, dass Don damit meinte, dass diese jungen Leute nicht in das Konzert hätten gehen sollen (an keiner Stelle sagt er übrigens, sie hätten ihn gestört), sondern nur darauf aufmerksam machte, dass der Konzertbeginn vorverlegt wurde, damit die Schüler rechtzeitig danach in Bett kamen, weil am nächsten Tag Unterricht war.

      So hatte ich es auch aufgefasst, obwohl "Frl." schon arg altmodisch ist. :D
      calisto