Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

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    • music lover schrieb:

      Klar, dass man dann noch einen jungen Dirigenten (Dudamel) mit ins Boot nimmt
      Dudamel ist Chef der Los Angeles Phil.
      Und das Jugendorchster aus Venezuela ist Weltklasse.

      Ich kaufe mir die CD trotzdem nicht, ich bin sehr gut eingedeckt mit Aufnahmen dieser Konzerte.
      Und in letzter Zeit kommen mir zu viele Aufnahmen dieser Konzerte heraus.
      Irgendwie muß jeder die zwei gefürchtesten Konzerte herausbringen.
      Und hier gleich beide.
      Wenn das kein Rekord ist.

      Dieser Schuß geht bei mir nach hinten los, ich warte erst mal ab.
      Dieser "Zirkus" interessiert mich nicht mehr.

      Sie ist schnell, sehr schnell, aber ich bleibe bei Earl Wild und anderen, welche auch noch einen eigenen Sound haben.
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Und das Jugendorchster aus Venezuela ist Weltklasse.
      Hast ja Recht, Micha :prost:

      Jetzt, da ich dieses Album, welches in Deutschland bisher nicht direkt beziehbar war, über Amazon USA ausgeliefert bekommen habe, kann ich auch hörend nachvollziehen, was das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela in den Live-Mitschnitten aus Caracas vom Februar dieses Jahres geleistet hat. Respekt. Wirklich Respekt. Es gibt zwar einen Amazon-Rezensenten, der in meine Kerbe vor Anhören der CD haut
      Das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela erklingt mit dem Charme eines Schulorchesters, und Dudamel hat manchen verschleppten Einsatz, sportliches Blech und vieles mehr wohlwollend überhört. Nicht nur in den Tuttis konnte der Tonmeister Stephan Flock diesen Klangsirup wohl nicht weiter ausdifferenzieren, und das hört man leider.
      (Quelle: "http://www.amazon.de/gp/product/B00EBJ624O/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=")
      aber ich kann dies nach dem Anhören der CD nicht bestätigen. Die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Seiji Ozawa haben Yundi Li 2007 bei seiner Aufnahme des zweiten Prokofiew-Konzerts (ebenfalls auf DG erschienen) sicherlich orchestral virtuoser begleitet, aber es gibt nicht den geringsten Anlass, die Leistung der jungen Orchestermusiker aus Venezuela anzuzweifeln.

      Letztlich kommt es mir, das gebe ich gern zu, auf die Orchesterbegleitung bei dieser CD aber auch gar nicht so sehr an. Yuja Wangs Klavierspiel ist das Ereignis! Ich mache noch ein paar Hördurchgänge, dann schreibe ich hier Näheres. Eins kann ich aber jetzt schon sagen: Dies ist Yuja Wangs bisher beste CD und wahrscheinlich sogar die beste Klavier-CD der letzten zehn Jahre überhaupt.

      Das von mir in Posting #40 erwähnte neue Solo-Programm spielt Yuja Wang gegenwärtig in Kanada. Hier eine euphorische Konzertrezension über ihr Recital vor drei Tagen in Toronto:
      Spectacular’ doesn’t begin to describe pianist Yuja Wang’s Koerner Hall recital

      There are no words to succinctly describe pianist Yuja Wang’s solo recital at Koerner Hall on Sunday afternoon.

      “Spectacular” suggests something like metaphorical flashing rhinestones and strobe lights. But the 26-year-old sensation’s playing, while expressive, had a sobre edge.

      Her technique was super-humanly fine, but she always put it in the service of the music.

      Perhaps “stunning” might describe the two-hand piano reduction of three movements of Igor Stravinsky’s Petrouchka ballet suite, which closed the official portion of the concert.

      Wang teased out every single rhythmic texture the composer laid out for the orchestra while flawlessly delivering all the notes at lightning speed — so quickly at times that her hands were a blur hovering over the pearly-white keys of Koerner Hall’s extra-fine Steinway concert grand.

      That adjective would also nicely describe Wang’s take on Sergei Prokofiev’s Piano Sonata No. 3, a technical test she aced — and iced with particularly effective applications of dramatic dynamic shifts.

      But this is not the same “stunning” as Wang’s interpretation of three pieces by arch-Romantic Frédéric Chopin — the sweeping Piano Sonata No. 3, Ballade in A-flat Major (Op. 47) and the brooding Op. 48 Nocturne in C minor.

      “Deeply affecting” works better here, but not in the sense of liberal use of rubato (speeding up and slowing down to mark the passage of phrases). Obvious expressive effects like these were remarkably restrained.

      Instead, Wang seduced her enthralled capacity house with lighting-fast dynamic shifts, a technique so fluent and fluid as to defy mortal neurons, tendons and muscle, and pianissimo passages so delicate as as to cause everyone to instinctively lean forward in their seat in order to better hear what was going on.

      “Breathtaking” might work for Wang’s interpretive high-wire act, in which she would linger during introspective passages to the point where the narrative thread threatened to break — but then would always pull back from the brink to keep the music flowing.

      The only portions of the afternoon’s recital where Wang was only fantastic, as opposed to some apt superlative that I can’t put my own fingers on, was in the two jazz-inflected selections: Nikolai Kapustin’s Variations for Piano, and her encore piece, which sounded a lot like Art Tatum’s classic solo-piano take on Tea for Two.

      As with everything else she played, Wang’s fingers flew along with uncanny fluency and precision, and the dynamics were impeccably modulated, but the pieces lacked the loose-limbed mien of true jazz.

      No matter. Wang’s audience, myself included, was left rapt, slack-jawed and awestruck by a virtuoso display that will live on in memory for a long time — or Wang’s next Toronto concert visit — because, all other descriptors aside, this pianist told exciting stories in music that engaged everyone within earshot.

      That is great artistry.
      (Quelle: "http://www.musicaltoronto.org/2013/10/27/concert-review-spectacular-doesnt-begin-to-describe-pianist-yuja-wangs-koerner-hall-recital/")
    • music lover schrieb:

      Dies ist Yuja Wangs bisher beste CD und wahrscheinlich sogar die beste Klavier-CD der letzten zehn Jahre überhaupt.
      Lieber Joachim,

      ich bin gespannt. Und ich bin immer bereit, eine tolle Aufnahme dieser Konzerte zu kaufen.
      Und meine Meßlatte ist hoch, sehr hoch, aber da geht mir es gar nicht um Virtuosität.

      Mir geht es darum, ob der Interpret im Falle vom Prokofjew erkannt hat, daß dieses Konzert autobiographische Elemente beinhaltet, und wie er oder sie diese deutet.
      Das ist je nachdem dann eine ganz andere Musik.
      Alexander Toradze war der erste, der dies eindrucksvoll in seiner Aufnahme für Philips herausarbeitete:

      Ihm ging es nicht um die bloße Bewältigung des Notentextes, er hat eine Geschichte erzählt.
      Eine Geschichte von zwei engen Freunden, von denen der eine (Prokofjew) dann eine Postkarte erhielt vom anderen mit der Bemerkung, er hätte sich gerade erschossen.

      Bis jetzt hat er diese real existierende Geschichte für mich am besten dargestellt.
      Russische Musik erzählt immer eine Geschichte.
      Das hier ist bei weitem nicht seine beste Aufnahme, aber klasse ist sie allemal:

      "http://www.youtube.com/watch?v=SrBW2_nd_ns"

      Oder ob im Falle vom Rachmaninoff wirklich überdacht wurde, welche Kadenz man nimmt.
      Nun, da ist in diesem Falle die kurze Kadenz gewählt worden ist:
      Prima!
      Rachmaninoff hat diese nicht ohne Grund nachgereicht und selber bevorzugt.

      Und die Tempi sind mir wichtig.
      Es ist mir total wichtig, daß am Schluß nicht herumorgasmiert wird, denn da steht ein Accelerando in den Noten.
      Rachmaninoff selber sowie Earl Wild z.B. spielen das exakt so.
      Und es ist die bei weitem geschmackvollere Variante und steht so auch in den Noten...........

      Was ich auf youtube von Ihr betreffend des 3. Konzertes gesehen und gehört habe, hat mich gelinde gesagt sprachlos vor Ärger gemacht.

      Es handelt sich natürlich nicht um diese neue Aufnahme, aber das, was ich gesehen und gehört habe, hat schlicht jedes Cliche bedient, welches es bei diesem Konzert gibt.
      Inklusive total ausgewalztem Schluss.

      Ich habe dieses "Spektakel" nicht bis zum Schlussakkord ausgehalten und ausgeschaltet kurz vor Ende.
      "http://www.youtube.com/watch?v=GEdiAcu6sHQ"

      Zum Vergleich Earl Wild:
      "http://www.youtube.com/watch?v=xuGGaUdwpJg"

      Also bin ich gespannt auf Deine weiteren Höreindrücke dieser neuen CD!

      Lieben Gruß,
      Michael
    • Wen's interessiert: WDR 3 sendet am Freitag ein Stockholmer Konzert, bei dem Yuja Wang das 2. Bartók-Konzert spielte.

      Freitag, 1. Nov., 20.05 bis 22 Uhr
      Schwedisches Radio-Sinfonieorchester
      Yuja Wang, Klavier; Leitung: Daniel Harding

      Béla Bartók
      Klavierkonzert Nr. 2 G-dur

      Gustav Mahler
      Sinfonie Nr. 10 Fis-dur
      Aufnahme aus der Berwaldhalle, Stockholm

      Grüße
      vom Don
    • music lover schrieb:

      Dies ist Yuja Wangs bisher beste CD und wahrscheinlich sogar die beste Klavier-CD der letzten zehn Jahre überhaupt.
      Danke für die Empfehlung, lieber music lover! Ich habe mir die Aufnahme jetzt auch angeschafft. Bislang hatte ich weder eine Einspielung mit Yuja Wang noch mit G. Dudamel. Ich habe mich beim ersten Hören (nur des Rachmaninow-Konzerts, das ich auch nicht gut kenne, aber viel häufiger gehört habe als das Prokofjew-Werk) auf das Finale konzentriert.

      Michael machte dazu diese interessante Anmerkung:

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Es ist mir total wichtig, daß am Schluß nicht herumorgasmiert wird, denn da steht ein Accelerando in den Noten.
      Rachmaninoff selber sowie Earl Wild z.B. spielen das exakt so.
      Meine Eindrücke sind nun zwiespältig. Einerseits kann ich sehr gut verstehen, dass man von dieser Aufnahme begeistert ist. Yuja Wang steht hörbar über dem Notentext. Sie kann machen, was sie will. Was sie da teilweise an Binnendynamik gestaltet, ist beeindruckend. Da werden kleine Figuren hervorgehoben, die ich in keiner anderen Aufnahme so deutlich höre. Das wirkt lebendig, spannend, vielleicht manchmal etwas nervös, zumindest unruhig, aber jedenfalls individuell, ohne aufgesetzt zu klingen. Rachmaninow klingt bei ihr auch nicht schwerblütig, sondern ziemlich licht, was allerdings auch an der ziemlich hellen Aufnahme liegt. Gewissermaßen passt dann das gescholtene Cover - hell und bunt sind jedenfalls viel eher meine Assoziationen als das Bild der Böcklinschen Toteninsel (teleton hat das als Avatar, nicht wahr?), das ich sonst bei Rachmaninow ziemlich schnell in den Sinn bekomme.
      Was nun dieses Accelerando am Schluss des Finalsatzes betrifft. Nun ja, die kosten das hier schon eher breit und gedehnt aus. Das Accelerando davor ist irrsinnig beeindruckend, dann aber - wo eben z. B. Rachmaninow selbst das Tempo wirklich für heutige Verhältnisse ungewohnt anzieht, wie er es aber offenbar auch selbst vorgesehen hat, an dieser Stelle ergeben sich Yuja Wang und das hörbar euphorische Orchester doch ganz dem schönen Augenblick. Ich muss zugeben, dass mich das schon auch anspricht, ich bin da weniger allergisch als Michael, aber es ist sicher ganz anders als bei Rachmaninow selbst. Ich habe außer Rachmaninow/Ormandy noch Matsuev/Gergiev, Janis/Dorati und Wild/Horenstein gegengehört. Tatsächlich ziehen alle ein wenig (aber nicht so wie der Komponist selbst als Solist) das Tempo zumindest geringfügig an. Geschmackssache oder nicht? Nocn einmal zum Klang. Ich fand insbesondere den Unterschied zwischen der neuen Wang-Aufnahme und der Aufnahme mit Denis Matsuev und Valery Gergiev aus St. Petersburg mit dem Mariinsky-Orchester sehr beeindruckend.


      Während ich eben in der Aufnahme aus Caracas einen lichten, strahlenden Eindruck bekomme, ist die Petersburger Aufnahme viel dunkler, quasi abgetönt, satter. Allein das macht natürlich unheimlich viel für den Gesamteindruck aus.
    • Braccio schrieb:

      Yuja Wang steht hörbar über dem Notentext. Sie kann machen, was sie will. Was sie da teilweise an Binnendynamik gestaltet, ist beeindruckend. Da werden kleine Figuren hervorgehoben, die ich in keiner anderen Aufnahme so deutlich höre. Das wirkt lebendig, spannend, vielleicht manchmal etwas nervös, zumindest unruhig, aber jedenfalls individuell, ohne aufgesetzt zu klingen.
      Ja, genau so ist das.

      Nach etwa 10 Hörchdurchgängen dieser neuen CD hier ein paar Anmerkungen von mir:

      Wer Yuja Wang jemals live erlebt hat, weiß, welch ein Jahrhunderttalent sie ist. Sie steht so dermaßen über den manuellen Anforderungen ihres Instruments, dass seit Jahren in den meisten Rezensionen ihrer Konzerte - auch jüngst nach den Klavier-Recitals ihrer USA-Tournee und ihrer Kanada-Konzerte - ein Wort immer wieder verwendet wird: superhuman. Ihr Klavierspiel ist insofern übermenschlich, als sie das menschlich maximal Leistbare auf dem Klavier mit einer Leichtigkeit quasi nebenher zu erreichen vermag, dass es sie überhaupt nicht mehr zu interessieren scheint, welche manuellen Anforderungen ihr gestellt sind. Sie interessiert demzufolge nur noch das, was hierüber hinausgeht. Und dies ist das Herausarbeiten von Nebenstimmen, die niemand jemals zuvor, der Schweißperlen auf der Stirn hatte, um den spieltechnischen Schwierigkeiten eines Werks à tempo gerecht zu werden, entdeckt hat. Und da schließe ich selbst Klavier-Heroen wie Horowitz bei Rachmaninow Nr. 3 ein.

      Weil technische Anforderungen Yuja Wang nicht einmal einen Hauch vor Probleme stellen, hat sie es auch überhaupt nicht mehr nötig, irgendeinen "Zirkus" zu machen, der keine musikalische Rechtfertigung hat. Sie ist inzwischen eher zu einer Poetin am Klavier gereift, die übermenschliche Virtuosität zwar gelegentlich mal aufblitzen lässt, aber sich letztlich nur noch für Nuancen, für Details interessiert. Und sie interessiert sich in einer von mir noch nie zuvor erlebten Weise für ihre Mitmusiker. Das erlebt man in ihren Konzerten mit Orchester oder mit einem Kammermusikpartner allein schon dadurch, dass sie nicht allzu viel auf ihre eigenen Hände schaut, sondern lieber auf den Dirigenten oder einen Solisten im Orchester blickt, um das zu erahnen, was z.B. ein Bläsersolist im Orchester gleich machen wird, um mit ihm dann traumwandlerisch sicher zusammen zu sein. Dies ist mir bereits in meinem ersten Konzerterlebnis mit ihr im November 2011 (in Berlin mit dem Royal Philharmonic Orchestra London unter der Leitung von Charles Dutoit) aufgefallen: Wie sehr achtet diese Frau auf ihre musikalischen Partner, ist dadurch mit ihnen wie kaum ein anderer im Dienste des Werks vereint. Auch so etwas geht nur, wenn man sich um seine eigenen Belange am Klavier nicht mehr nennenswert zu kümmern braucht, diese quasi "nebenbei" bewerkstelligt.

      Die DG-CD mit Dudamel bringt, was Rachmaninow Nr. 3 angeht, die Interpretation Yuja Wangs, die allen Besuchern ihrer weltweiten Konzerte mit diesem Werk in den letzten zwei Jahren bekannt geworden ist (einem dankenswerten Hinweis von AlexanderK im "Kaufberatungs"-Thread auf einen Artikel über junge Pianisten verdanke ich übrigens die Erkenntnis, dass Yuja Wang "Rach3" bis zu zehnmal innerhalb von 14 Tagen in diesen letzten zwei Jahren spielen musste, weil jeder Veranstalter es von ihr geboten bekommen wollte. Das muss man sich mal vorstellen! Wahnsinn.) Ich habe sie zum einen mit Dutoit in Berlin und zum anderen mit Alan Gilbert in Hamburg (am 27. Januar 2012) mit diesem Klavierkonzert erlebt. Und ich zitiere einfach mal mich selbst aus dem Eröffnungsposting dieses Threads, als ich noch unter dem direkten Eindruck meines ersten Konzerterlebnisses mit ihr und "Rach3" stand:
      Als ich sie in der letzten Woche live mit dem Royal Philharmonic Orchestra London unter der Leitung von Charles Dutoit erlebte (es gab Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3), habe ich ihr Klavierspiel viel mehr als ausgesprochen poetisch empfunden, mit einer ausgeprägten Binnendifferenzierung (sie holte Nebenstimmen aus dem vertrackten Klavierpart heraus, die ich noch nie zuvor wahrgenommen habe), großer gestalterischer Reife und (was durch ihre intensive Beschäftigung mit Kammermusik kommen mag) völliger Übereinstimmung mit dem sie begleitenden Orchester. Ganz besonders frappierend war, wie schnell und gestochen scharf sie im Pianissimo-Bereich zu spielen vermag.

      Wenn Micha bemängelt hat, dass viele Pianisten es im 3. Satz zum Schluss zu sehr "krachen lassen", muss ich einräumen, dass Yuja Wang sowohl in meinen beiden Konzerterlebnissen von 2011 und 2012 als auch auf der jetzt veröffentlichten DG-CD mit Dudamel genau dies zum Ende des 3. Satzes tut. Nachdem sie sich 2 1/2 Sätze lang extrem zurückgenommen hat, kaum einmal ihre atemberaubende Virtuosität hat raushängen lassen, tut sie zum Schluss des Werks exakt dies. Aber was ist so falsch daran? Ich mag es so. Und wenn ich mir mal überlege, mit welchen Showhandlungen ein Horowitz 1977 es während der weltweiten Fernsehübertragung (mit Zubin Mehta) tat, also mit wilder Gestik und angestrengtester Mimik, dann bevorzuge ich doch eine Yuja Wang, die da ganz entspannt sitzt und halsbrecherische Virtuosität mit lockerer Hand ohne jede Mätzchen meistert.

      Soviel zu Rach3. Den zweiten Teil der DG-CD mit Dudamel - nämlich Prokofiew Nr. 2 - finde ich übrigens noch viel besser. Hier setzt sie sich an die Spitze der anderen von mir als sehr gut empfundenen Einspielungen (Shura Cherkassky, Victoria Postnikowa, Yefim Bronfman, Yundi Li), während es bei Rach3 m.E. doch andere Aufnahmen (insbesondere Emil Gilels und Van Cliburn) gibt, an die sie nicht heranreicht.
    • music lover schrieb:

      Sie interessiert demzufolge nur noch das, was hierüber hinausgeht. Und dies ist das Herausarbeiten von Nebenstimmen, die niemand jemals zuvor, der Schweißperlen auf der Stirn hatte, um den spieltechnischen Schwierigkeiten eines Werks à tempo gerecht zu werden, entdeckt hat. Und da schließe ich selbst Klavier-Heroen wie Horowitz bei Rachmaninow Nr. 3 ein.


      music lover schrieb:

      Wenn Micha bemängelt hat, dass viele Pianisten es im 3. Satz zum Schluss zu sehr "krachen lassen", muss ich einräumen, dass Yuja Wang sowohl in meinen beiden Konzerterlebnissen von 2011 und 2012 als auch auf der jetzt veröffentlichten DG-CD mit Dudamel genau dies zum Ende des 3. Satzes tut. Nachdem sie sich 2 1/2 Sätze lang extrem zurückgenommen hat, kaum einmal ihre atemberaubende Virtuosität hat raushängen lassen, tut sie zum Schluss des Werks exakt dies. Aber was ist so falsch daran? Ich mag es so. Und wenn ich mir mal überlege, mit welchen Showhandlungen ein Horowitz 1977 es während der weltweiten Fernsehübertragung (mit Zubin Mehta) tat, also mit wilder Gestik und angestrengtester Mimik, dann bevorzuge ich doch eine Yuja Wang, die da ganz entspannt sitzt und halsbrecherische Virtuosität mit lockerer Hand ohne jede Mätzchen meistert.


      Wir reden von dieser Aufnahme: "http://www.youtube.com/watch?v=lusMu2LGIUM"??
      Wo siehst du denn da wilde Gestik und angestrengte Mimik? Und was haben Mimik und Gestik mit dem zu tun, was man hören kann?

      Deine Begeisterung für Wang sei dir unbenommen, aber das youtube-Video mit ihrem kompletten 3. Rachmaninov-Konzert verleitet einen doch nicht unbedingt zu einem Vergleich mit Horowitz, bei dem sie auch noch besser abschneidet!? Horowitz' blühende Farben und Stimmen, also gerade das von dir genannte "Herausarbeiten von Nebenstimmen", sind bei ihm nun wirklich eine Klasse für sich, da kommt Wang zumindest auf youtube nicht ran. Man muss sich nur den Nebensatz des Kopfsatzes zum Vergleich anhören, trotz der *+§"-Kompression (DARÜBER rege ich mich auf, für mich viel schlimmer als Radiokompression) offenbart sich da, zumindest für meine Ohren, ein kräftiger Unterschied.
      Aber ihre CD habe ich mir gerade bestellt, vielleicht ist die Einspielung ja nochmal was ganz anderes.
    • El Duderino schrieb:

      trotz der *+§"-Kompression (DARÜBER rege ich mich auf, für mich viel schlimmer als Radiokompression)
      Verstehe ich nicht ?(

      Es mag sein, dass ich zwei Horowitz-Fernsehsendungen miteinander verwechsele. Ich erinnere mich an eine TV-Übertragung von Rach3, bei der mich die Show-Mätzchen von Horowitz arg gestört haben. Wenn Du sagst, das war nicht die Aufführung mit Zubin Mehta vom 26. September 1977, die Du auf YT gefunden hast, dann war es eben eine andere. Vielleicht die Aufführung mit den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Eugene Ormandy aus dem Jahr 1978 (die es auch auf CD gibt)?

      Zu Horowitz und Rach3 kann ich nur sagen, dass er zwei sehr gute Studioeinspielungen gemacht hat (mit Albert Coates, rec. 1930, und mit Fritz Reiner, rec. 1951). Die späteren Live-Mitschnitte sprechen mich bei ihm nicht so an.
    • Im letzten Jahr habe ich mir diese Blu-ray gegönnt, in erster Linie wegen Mahler.



      (Verlinkt ist die DVD.)

      Ich habe Yuja Wang auch auf yt mit Daniele Gatti und dem Dritten von Prokofjew gesehen. Beides sehr ansprechend. Ich glaube, so habe ich Yuja Wang zum ersten mal bewusst wahrgenommen.

      Prokofjews Klavierkonzerte hatte ich lange nicht mehr gehört. Ich erinnere mich, dass ich das Zweite damals am besten fand (ich habe es auch mal live in der Hamburger Musikhalle gehört, so Mitte der 1990er). Deswegen habe ich im Sommer mal die CD mit Bronfman/Mehta gerippt, und ich war doch enttäuscht. Jedenfalls habe ich nicht den Enthusiasmus von damals gespürt. Ich glaube, Ashkenazy/Previn gefiel mir damals besser. Aber jetzt nich ich doch etwas neugierig auf die genannte CD mit Wang/Dudamel.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten
    • music lover schrieb:

      Zitat von »El Duderino«
      trotz der *+§"-Kompression (DARÜBER rege ich mich auf, für mich viel schlimmer als Radiokompression)
      Verstehe ich nicht

      Ich verstehe nicht, warum auf youtube immer wieder Klassik auftaucht, die dermaßen komprimiert ist, dass es keine Pegelunterschiede gibt. Dafür gibt es doch bei Videos keinen Grund. Sowohl die Wang-Aufzeichnung, aber vor allem der Horowitz leiden da enorm drunter.

      music lover schrieb:

      Es mag sein, dass ich zwei Horowitz-Fernsehsendungen miteinander verwechsele. Ich erinnere mich an eine TV-Übertragung von Rach3, bei der mich die Show-Mätzchen von Horowitz arg gestört haben. Wenn Du sagst, das war nicht die Aufführung mit Zubin Mehta vom 26. September 1977, die Du auf YT gefunden hast, dann war es eben eine andere. Vielleicht die Aufführung mit den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Eugene Ormandy aus dem Jahr 1978 (die es auch auf CD gibt)?

      Wurde Ormandy/Horowitz für Video aufgenommen? Ist mir noch nicht begegnet.

      music lover schrieb:

      Zu Horowitz und Rach3 kann ich nur sagen, dass er zwei großartige Studioeinspielungen gibt (mit Albert Coates, rec. 1930, und mit Fritz Reiner, rec. 1951). Die späteren Live-Mitschnitte sprechen mich bei ihm nicht so an.

      Für mich entwickelt sich Horowitz' Rach3 im Alter immer mehr in die Richtung, die du Yuja Wang attestierst. Er nimmt sich immer mehr Freiheiten und Raum, um seine sehr eigene Version, die wenig auf "Werktreue" setzt, zu präsentieren. Ganz neue Nebenstimmen treten hervor und das Motorische steht weniger im Vordergrund als die Farben. Der Unwille, sich von den technischen Schwierigkeiten die Aussage diktieren zu lassen, führt bei Horowitz ja zu ganzen Kaskaden falscher Noten. Das ist für mich aber deutlich beeindruckender als bei Wang, die das sicher alles richtig und schnell spielen kann, aber für meine Ohren eben längst nicht soviel zu sagen hat wie Horowitz. Aber wie gesagt, erst mal die Wang-CD abwarten.
    • Lieber music lover, lieber Duderino!

      Zu Eurer Diskussion über Horowitz/Wang kann ich leider nichts beitragen. Horowitz ist eine weitere pianistische Größe, die ich bislang ziemlich vernachlässigt habe. Ich kann mich an ein Hörerlebnis mit Horowitz und Rach 3 vor einigen Jahren erinnern, weiß aber leider weder das Aufnahmejahr noch andere Daten. In der besagten Aufnahme klang Horowitz alles andere als souverän, und möglicherweise war es sogar die Diskrepanz zwischen seinem unglaublichen Nimbus gerade auch als kompetenter Rachmaninow-Interpret und der Enttäuschung über das mäßige Resultat in dieser speziellen Aufführung, die bei mir das Interesse an Horowitz erst einmal hat abkühlen lassen. Da muss ich sicher noch einmal Buße tun.
      Was nun die Wang-CD angeht, habe ich sie inzwischen auch einige Male gehört. Wie der Music Lover finde auch die Prokofjew-Aufnahme noch spannender als die des Rachmaninow-Konzerts. Ich habe nur Bronfman/Mehta zum Vergleich und kannte das Werk bislang nicht. Schon das erste Hören hat mich jedenfalls zum Fan dieses Werkes gemacht. Ich finde die Steigerungen im Kopfsatz und im Finale bedeutend beeindruckender als in der Bronfman-Aufnahme und auch die Orchesterleistung überzeugender.
      Alles in allem sind beide Mitschnitte zumindest für meinen Geschmack aber dennoch vor allem Belege des Individualismus und der Virtuosität von Yuja Wang, sind Zeugnisse von Events, weniger "Referenz-Aufnahmen" der beiden Konzert-Kolosse. Ist auch ziemlich gleich, ich finde es jedenfalls sehr gut gemacht und höre die CD gern. Die Aufnahme des zweiten Rachmaninow-Konzerts und vor allem der Paganini-Rhapsodie werde ich jedenfalls auch noch bestellen.

      Viele Grüße, Peter
    • Braccio schrieb:

      Zu Eurer Diskussion über Horowitz/Wang kann ich leider nichts beitragen. Horowitz ist eine weitere pianistische Größe, die ich bislang ziemlich vernachlässigt habe. Ich kann mich an ein Hörerlebnis mit Horowitz und Rach 3 vor einigen Jahren erinnern, weiß aber leider weder das Aufnahmejahr noch andere Daten. In der besagten Aufnahme klang Horowitz alles andere als souverän, und möglicherweise war es sogar die Diskrepanz zwischen seinem unglaublichen Nimbus gerade auch als kompetenter Rachmaninow-Interpret und der Enttäuschung über das mäßige Resultat in dieser speziellen Aufführung, die bei mir das Interesse an Horowitz erst einmal hat abkühlen lassen. Da muss ich sicher noch einmal Buße tun.

      Lieber Braccio,
      für mein Empfinden hat Horowitz bei Rachmaninovs 3. KK den Nimbus des Unantastbaren, daher musste ich bei music lovers Vergleich kurz antworten. Rachmaninov selbst hat ja mit Horowitz viel an dem Konzert gearbeitet und ihm bei anderen Werken, im Fall der 2. Klaviersonate bsw., auch gestattet, eigene Versionen aus dem Notenmaterial zu erstellen. Für mich wird Horowitz dadurch zu einer Art "halbem Autor" des Konzerts, zumal er eben nicht Rachmaninovs Vorgaben blind gefolgt ist, sondern einen Ansatz gefunden hat, den Rachmaninov bewundert und als schlüssige Lösung akzeptiert hat. Dass er dann später auf seinen eigenen Rachmaninov-Planeten umgezogen ist, ist durch diesen authentischen Ursprung also kein Makel sondern eine einmalige und wunderbare Entwicklung.
      Was er mit Metha 1977 aufgenommen hat, finde ich prächtig. Blühende Stimmen, vollkommen natürliches Aussingen der Melodien, unglaubliche Nuancierung und Färbung jeder Wendung - das ist eine Aufnahme, die man für mein Empfinden schwer mal eben übertreffen kann. Deswegen war ich beim Wang-Vergleich etwas skeptisch.
      Aber dein Bericht hat mich erst Recht neugierig auf die CD gemacht!
      PS: Hier eine Version von Horowitz' Konzert, die zwar in mittelprächtiger Qualität, aber immerhin nicht tot komprimiert, eingestellt wurde: "http://www.youtube.com/watch?v=I6u1ejeRzd0".
    • Frage an diejenigen, die die CD mit Rachmaninow und Prokofiew schon haben: Ist das wirklich eine Ausgabe nur für den internationalen Markt, also ohne deutschen Text im Booklet, ev. nur englisch und vielleicht japanisch? Produziert die DGG also auch CDs speziell jenseits des deutschsprachigen Markts? Vielen Dank für eine Antwort!
      (Ich überlege den Kauf ernsthaft, würde aber ev. eine Pressung auch mit deutschem Begleittext abwarten.)
      (Was Rach 3 betrifft, so liegt meine Meßlatte neben Horowitz bei Argerich/Chailly, das ist meine Lieblingsaufnahme dieses Werks bisher. Umso mehr wäre ich gespannt auf Yuja Wangs Einspielung. Ihre bisherigen CDs mag ich alle sehr gerne.)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      Frage an diejenigen, die die CD mit Rachmaninow und Prokofiew schon haben: Ist das wirklich eine Ausgabe nur für den internationalen Markt, also ohne deutschen Text im Booklet, ev. nur englisch und vielleicht japanisch?
      Ich habe meine CD direkt von Amazon USA bestellt, weil ich es nicht abwarten konnte. Das Booklet ist in englischer und in spanischer Sprache (letzteres wohl im Hinblick auf den südamerikanischen Markt, schließlich fanden die Aufnahmen in Venezuela statt).

      Übrigens finden sich im Booklet drei sehr schöne Fotos von Yuja Wang jeweils gemeinsam mit Gustavo Dudamel, auf denen sie so natürlich aussieht wie im realen Leben. Diese "Ausfallerscheinung" des Front- und Backcovers mit den angeklebten falschen Wimpern und diesem künstlichen Lächeln kann man auf diese Weise verschmerzen.

      AlexanderK schrieb:

      Was Rach 3 betrifft, so liegt meine Meßlatte neben Horowitz bei Argerich/Chailly, das ist meine Lieblingsaufnahme dieses Werks bisher.
      Ich bin hier offenbar der einzige, dessen Rach3-Messlatte, die auch Yuja Wang nicht zu überspringen vermag, ganz eindeutig bei Emil Gilels/André Cluytens (1955) einerseits sowie bei Van Cliburn/Kyrill Kondrashin (1958) andererseits liegt 8+)

      Michael Schlechtriem schrieb:

      Und meine Meßlatte ist hoch, sehr hoch
      Earl Wild - Deine Lieblingsaufnahme - kenne ich zugegebenermaßen nicht. Vielleicht sollte ich kurz erwähnen, welche Rach3-Aufnahmen ich in der Sammlung habe (chronologisch sortiert):

      - Vladimir Horowitz/London Symph. Orch./Albert Coates (rec. 1930)
      - Walter Gieseking/Philh. Symph. Orch./Sir John Barbirolli (rec. 1939)
      - Sergej Rachmaninow/Philadelphia Orch./Eugene Ormandy (rec. 1939/40)
      - Walter Gieseking/Concertgebouworkest Amsterdam/Willem Mengelberg (rec. 1940)
      - Emil Gilels/Staatl. Sinfonieorch. der UdSSR/Kyrill Kondrashin (rec. 3/1949)
      - Vladimir Horowitz/RCA Victor Symph. Orch./Fritz Reiner (rec. 1951)
      - William Kapell/Victorian Symph. Orch./Bernard Heinze (rec. 1953)
      - Emil Gilels/Orch. de la Société des Concerts du Conservatoire de Paris/André Cluytens (rec. 1955)
      - Victor Merzhanov/Großes Rundfunksinfonieorch. der UdSSR/Nicolai Anossov (rec. 1956)
      - Shura Cherkassky/BBC Symph. Orch./Rudolf Schwarz (rec. 1957)
      - Van Cliburn/Symphony of the Air/Kyrill Kondrashin (rec. 1958)
      - Lew Oborin/Tschechische Philharmonie Prag/Leopold Stokowski (rec. 1961)
      - Andrej Gawrilow/Sinfonieorch. der Moskauer Staatl. Philharmonie/Alexander Lasarew (rec. 1976)
      - Lazar Berman/New York Philh. Orch./Leonard Bernstein(rec. live New York City 2.3.1977)
      - Vladimir Horowitz/New York Philh. Orch./Eugene Ormandy (rec. 1978)
      - Martha Argerich/Radio-Sinfonieorch. Berlin/Riccardo Chailly (rec. 1982)
      - Zoltan Kocsis/San Francisco Symph. Orch./Edo de Waart (rec. 10/1983)
      - Andrej Gawrilow/Philadelphia Orch./Riccardo Muti (rec. 1986)
      - Boris Berezowsky/Philharmonia Orch. London/Eliahu Inbal (rec. 1991)
      - Jewgenij Kissin/Boston Symph. Orch./Seiji Ozawa (rec. 1993)
      - Arcadi Volodos/Berliner Philh./James Levine (rec. 2000)
      - Yuja Wang/Simón Bolívar Orch. of Venezuela/Gustavo Dudamel (rec. live Caracas 2/2013)

      Unter diesen besitzen für mich - wie gesagt - Gilels und Cliburn den Kultstatus schlechthin. Danach reihen sich Kapell, Horowitz (1930 und 1951, nicht spätere Mitschnitte), Oborin und Cherkassky ein. Nach diesen kommen dann irgendwann Kocsis und Wang.
    • music lover schrieb:

      Earl Wild - Deine Lieblingsaufnahme - kenne ich zugegebenermaßen nicht.
      Earl Wild hat viel Schellte bekommen, da er die vom Komponisten vorgesehenen Sprünge sowie die kürzere Kadenz spielte, was Rachmaninoff übrigens selber tat.
      Ja, dies is meine Lieblingsaufnahme.
      Ich würde niemals behaupten, daß es die beste ist, aber wenn man über Jahrzehnte trotz erdrückender Konkurrenz letztendlich immer wieder zu einer bestimmten Aufnahme zurückgreift, dann sollte es sich in diesem Falle um die Lieblingsaufnahme handeln.

      Es sind hier Aufnahmen genannt worden, welche ich schlicht überbewertet finde, aber ich verkneife mir zu sagen, um welche es sich handelt.
      Einen Großteil Deiner Aufnahmen habe ich auch, sowie noch ein paar andere.
      U.a. eine wirklich sehr, sehr gute mit Michael Ponti, der dort überhaupt nicht so donnert, wie man es von Ihm gewohnt ist.

      Oder die unterschätze Aufnahme des leider jung verstorbenen Rafael Orozco.

      Sehr bedauerlich finde ich, daß Kapell keine Studioaufnahme vergönnt war.......
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      Sehr bedauerlich finde ich, daß Kapell keine Studioaufnahme vergönnt war.......
      Ja, das finde ich auch. Der australische Live-Mitschnitt eines Privatmanns ersetzt natürlich keine mit guter Technik vorgenommene Studioeinspielung, die mit Sicherheit irgendwann bei diesem Ausnahmepianisten gekommen wäre, wäre er denn nicht ausgerechnet auf der Rückkehr von dieser Australien-Tournee (unfassbar jung) mit dem Flugzeug abgestürzt.

      Sorry für dieses OT. Kann von mir aus gern in den Kapell-Thread verschoben werden.
    • Vielen Dank lieber music lover für die Antwort und vor allem auch für die interessante Liste.
      (OT.) Die Earl Wild Aufnahme hatte ich mal in einer Box mit allen vier Rachmaninow Konzerten mit Earl Wild, die waren aber fürchterlich geschnitten, wohl eine Billig-Fünftverwertung oder sowas, für Leute von denen man annahm ihnen wäre egal was sie da hören... (OT Ende.)
      Zu Rach 3 mit Wang, soeben zu hören gewesen in NDR Kultur, Dirigent Boreyko, Aufzeichnung vom 27.1.2012 aus Hamburg, vielleicht in den nächsten Tagen ein paar Bemerkungen meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • music lover schrieb:

      Ja, das finde ich auch. Der australische Live-Mitschnitt eines Privatmanns ersetzt natürlich keine mit guter Technik vorgenommene Studioeinspielung, die mit Sicherheit irgendwann bei diesem Ausnahmepianisten gekommen wäre,

      Es liegt nicht nur an der Aufnahmetechnik.
      Es gibt zwei Aufnahmen, eine aus Toronto und die von Dir erwähnte australische von 1953.

      Beide sind aufnahmetechnisch leider sehr schlecht.
      Kapell spielt derartig stringent, wird auch immer wieder schneller......er läßt das Orchester einfach stehen.
      Das ist noch viel extremer als bei Argerich.
      Allerdings rede ich hier über die Aufnahme aus Toronto, nicht über die australische von 1953.

      Auch im Falle von Argerich war das Orchester einen derartigen Zugriff nicht gewohnt.

      Wild ist nicht ganz so extrem, aber vor allem hatte er Dirigent wie Orchester voll auf seiner Seite.
      Ich habe gerade die dicke Autobiografie von Earl Wild durchgelesen, und da hat er dies ganz besonders hervorgehoebn.
    • AlexanderK schrieb:

      Frage an diejenigen, die die CD mit Rachmaninow und Prokofiew schon haben: Ist das wirklich eine Ausgabe nur für den internationalen Markt, also ohne deutschen Text im Booklet, ev. nur englisch und vielleicht japanisch?
      Lieber Alexander!
      Meine CD habe ich bei Amazon Deutschland bestellt, das Booklet ist aber der Beschreibung nach identisch mit der des Music Lovers, also nur englischer und spanischer Begleittext.
      Viele Grüße, Peter