Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Nur geht das Eine nicht ohne das Andere. Wenn eine auftretende Person ihren Körper derart exponiert wie Frau Wang, ist die Resonanz in der Medienwelt mindestens mitgedacht. Ausgehend davon ist es wahrscheinlich, dass Frau Wang bzw. ihr Marketing sich darüber freut, wenn in der New York Times darüber geschrieben wird, wie klein der Stoff ist, der ihre Brüste bedeckt oder wenn sie wie jetzt mit Helene Fischer verglichen wird. It's for the show.

      Die Klavierfreaks gehen eh hin. Die Massen bringen das Geld. Die bekommt man durch das drum herum. Dauert nicht mehr lange, dann macht die Bild-Zeitung (oder gleich der Playboy) ein Home-Interview am Pool. Sex sells.

      Mir ist es übrigens völlig egal, wie sie auftritt, Gulda hat ja sogar schon nackt gespielt (Frau Wang, da geht noch was). Nicht wirklich nachvollziehen kann ich es allerdings, wenn die Gralswächter der Klavierkunst die Geister verscheuchen wollen, die Frau Wang selbst gerufen hat.

      Jetzt leg ich ne Platte mit ihr auf und höre ihr zu. Da ist ihr Aussehen egal.

      (Oh je, ich hab das Tchaikovsky-Konzert mit Dudamel gegriffen. Das Orchester leistet unter ihm leider sehr wenig, klingt fast schon nach Kitsch, wenn es so gespielt wird, also doch Helen? Bin schon weg).
    • Konzertkritik Yuja Wang 30.5.2018, Musikverein Wien

      Der Rezensent im Standard ist in der Tat nicht unbedingt für sein tiefgehendes Verständnis komplexer Musik bekannt. Die 20minütige La Valse Exegese von Pogorelich fand er ebenfalls großartig, auch wenn es in Wirklichkeit ein Graus war, nicht nur in rythmischer, sondern auch klanglicher Hinsicht. Die entsprechende Aufnahme findet man auf youtube, so dass sich der geneigte Hörer ein eigenes Bild machen kann.

      Was Frau Wang angeht, nun ja, ich war in dem Konzert und muß leider aus der Phalanx der Jubler ausscheren.

      Ich fand's grauenhaft.

      Ich schrieb das bereits als Antwort im Forum vom Standard: "Es irritiert eher, dass das Treffen der richtige Töne in hohem Tempo schon als perfekte Technik angesehen wird.

      Technik, die begeistert, hört sich anders an: Sie geht an die dynamischen Grenzen des Klaviers, versteht es, auch noch in den dichtesten Passagen Klarheit zu vermitteln, schichtet Klänge aufeinander und erzeugt dadurch die Illusion von Registern.

      Perfekte Technik berücksichtigt die vom Komponisten notierte Artikulation. Sie pedalisiert so, wie es der Raum verlangt, nicht wie es im Übezimmer einstudiert wurde.

      All das war gestern abend nicht zu hören.

      Wer im Februar Pierre-Laurent Aimard an gleicher Stelle mit Skrjabin 10. Sonate gehört hat, der konnte sich gestern nur die Ohren reiben ob des Klassenunterschieds."


      Ich erlaube mir, an dieser Stelle ein wenig ausführlicher mein Urteil zu begründen, aber um es vorweg zu nehmen: Der ORF hat's aufgenommen und wird's auch ausstrahlen und ich gehe davon aus, dass die Aufnahme gar nicht mal so schlecht klingen wird. Ihr Pedalisieren war jedenfalls für die direkt am Flügel stehenden Mikrofone sicherlich besser als das, was man als Zuhörer im leider klanglich für Soloklavier nicht so tollen Musikverein hören konnte. Kurz: Es war ein undifferenzierter Klangbrei. Sie hat geradezu stoisch so pedalisiert, als würde sie in einem furztrockenen Studio spielen. Harmoniewechsel mit entsprechendem Pedalwechsel wurden von ihr immer so gespielt, dass es permanentes Verwaschen der Übergänge gab. Halbpedal gab's gar nicht, nur manchmal komplettes Weglassen des Pedals, was sich dann wiederum wie einigermaßen sinnfreies Rumgehacke bei begleitenden Bassfiguren anhörte.

      Im gesamten Rachmaninov-Teil habe ich vor allem eines vermisst: Einen Sinn für Dramatik und Hinarbeiten auf einen Höhepunkt. Abweichend vom gedruckten Programm fing sie mit dem g-moll Prelude Op.23 No.5 an und schon hier wurde klar, dass das in musikalischer Hinsicht eher biedere Hausmannskost war. Keine dramatische Steigerung, dafür aber jede Menge sinnfreie Mittelstimmen/Einzeltöne im Mittelteil, die aus dem Pianissimo-Gesäusel heraustraten. Mein Lieblings-Prelude, das h-moll Op. 32 No.10, war ebenfalls vor allem durch einen Mangel an Dramatik gekennzeichnet, nebst einem doch recht kleinen Ton und recht begrenzter Dynamik. Ein Vergleich zu z.B. Volodos oder Kissin wäre hier komplett unangebracht; das sind zwei verschiedene Ligen.

      Im h-moll Prelude wurde dann ganz besonders etwas deutlich, was mich wirklich genervt hat: Sie hat schnelle Finger, aber schnell und laut gleichzeitig, das kann sie nicht. Wenn also kurz vor der Reprise diese herrliche Steigerung mit girlandenartigen Läufen, die mit einem Crescendo ins Forte gehen sollen, kommt, dann gerät das unter ihren Händen leider zu einem Mezzoforte-Brei - und da kann ich nur sagen: Thema verfehlt.

      Skrjabin 10. Sonate, seufz. Ich bin mehr als großer Skrjabin-Fan und freue mich immer wieder, wenn Pianisten seine Spätwerke im Konzert spielen. Skrjabin-Spiel hat schon seine Historie was Aufführungspraxis angeht und wenn man sich die lange Reihe von großartigen Interpreten wie Sofronitsky, Igumnov, Zhukov, Richter, Horowitz etc. anhört, dann ist eines der tragendenen Elemente das Herausarbeiten der klanglichen Register, die sich vielfach schon in der Notation auf drei separaten Zeilen erkennen läßt. Davon hat Frau Wang leider noch nie etwas gehört. Stattdessen sucht sie verkrampft nach Mittelstimmen oder Einzeltönen, die zwar vorhanden sind, aber nicht zum eigentlichen Thema und Fluß der Musik gehören. Mutwilliges Weglassen des Pedals, um solche Figuren als Staccato hervorzuheben, hat dann schon fast komischen Charakter. Auch hier war in meinen Ohren zu spüren, dass das Hinarbeiten auf Höhepunkte nicht zu ihrem musikalischen Repertoire gehört. Die gigantische Steigerung hin zu den doppelhändigen Tremoli, die bereits im Forte beginnt und mit "Puissant, radieux" überschrieben ist, kulminiert bei großen Pianisten zu einem ekstatischen Klangrausch im (von Skrjabin notierten) dreifachen Fortissimo mit zusätzlichen Crescendi vor den Führungsnoten.

      Bei Aimard gerät diese Stelle zum allumfassenden Höhepunkt, der praktisch die Erklärung für das gesamte Stück ist. In dynamischer Hinsicht geht Aimard an dieser Stelle an die absoluten Grenzen des Instrumentes. Ich weiß leider nicht, ob Aimard und Wang dasselbe Instrument gespielt haben, aber dank Stefan Knüpers Vorbereitung war das bei Aimard ein gigantischer Moment, nochmal einen Extraschub an Power geben zu können.

      :link: als direkter Vergleich für diejenigen, die sich nicht auf mein Urteil verlassen möchten.

      Zum Ligeti mag ich jetzt weniger etwas sagen, da war die Akustik dann doch zu ungünstig, um wirkliche Details herauszuhören. Was ich in der 3. Etüde "Touches Bloquées" jedoch überhaupt nicht gehört habe, das war das Stottern, was auch in der Partitur als Spielanweisung drinsteht, aber vielleicht war auch das der Akustik geschuldet.

      Ich liebe Prokofievs 8. Sonate; sie ist von den drei 'Kriegssonaten' mein absoluter Liebling. Ihre Wiedergabe jedoch ließ mich allerdings befremdet und enttäuscht zurück. Befremdet einerseits, weil die bereits angesprochene Frage von gleichzeitig laut und schnell zu spielen hier sehr deutlich wurde. Damit trifft man einfach nicht den Charakter des Stückes, wenn man sich groß angelegte Steigerungen entgehen läßt. Das Knallen der Bässe in der Coda zum ersten Satz ersetzt nicht die Fähigkeit, die chromatischen gebrochenen Akkorde und die darüberliegenden Figuren mit einer konsequenten dynamischen Steigerung zu verbinden. So hatte das abschließend hingedonnerte oktavierte Subkontra-B keinen wirklichen Zusammenhang.

      Ganz ehrlich, der zweite Satz der Sonate hat mich dann doch schon ziemlich geärgert. Prokofiev hat akribisch klare Artikulationsvorgaben für das Thema und dessen Begleitung gemacht. Davon war bei Frau Wang nichts, aber auch gar nichts, zu hören. Alles konsequent auf die Viertel pedalisiert und damit den eigentlichen Witz des Stückes komplett verfehlt. Das Finale war dann wie zu erwarten schön schnell gespielt, leider ohne irgendwie spürbare Binnendynamik und auch wieder komplettes Ignorieren von Prokofievs Notation der gewünschten Artikulation, z.B. die Martellati kurz vor der Coda. Dass im pochenden Mittelteil der eigentliche Höhepunkt, also die sich in die Höhe schraubenden beidhändigen Sechzehntel, überhaupt nicht als Steigerung zu erkennen war, habe ich an dieser Stelle des Abends schon als voraussehbar akzeptiert.

      Oh, ja, die Coda - da hat sie verdammt viel richtige Töe gespielt. Die Coda ist halt wirklich so ein brutal schweres Teil, vor dem praktisch jeder Pianist ins Schwitzen gerät. Mir fehlt es auch hier am letzten Quäntchen Dynamik und Steigerungswillen, aber gut, diese letzten 20 Takte sind in praktisch keine Live-Aufnahme irgendwie notenperfekt *und* steigernd zu hören. Selbst Richter dreht da ein wenig herunter.

      Wie zu erwarten haben die 5 Zugaben wahre Begeisterungsstürme entfacht. Das ganz nette Lied ohne Worte Op. 67#2 war durchaus hübsch anzuhören. Dem folgte Prokofievs Toccata Op. 11. Rasend schnell und für meine Ohren ohne viel Esprit, aber dafür mit umso mehr Pedal. Ebenso das Finale der 7. Sonate als Zugabe - not my cup of tea. Genausowenig wie mich Argeich mit ihrem aberwitzigen Tempo vom Hocker haut, ging es mir hier auch. Ich sehe hier immer einen unerbittlichen T34 vor meinem inneren Auge, der ohne Rücksicht auf Verluste alles plattmacht, was ihm im Wege steht. Horowitz, Richter, Zhukov nehme eher gemächliche Tempi, legen aber ein dramtisch gesteigertes Finish hin, in dynamischer Hinsicht. Ein T34 ist ein Panzer und kein Rennwagen, aber gut.

      Gluck/Sgambati ist ein wirklich schönes Zugabenstück, aber das habe ich schon wirklich deutlich poetischer und anrührender gehört. Und 'Gretchen am Spinnrade' als finale Zugabe war dann doch nur ein recht liebloses Herunterrasen.

      Fazit: Muß ich nicht nochmal haben. Gleichzeitig bin ich sicher, dass der Hype um sie in den nächsten Jahren nicht abebben wird.
    • Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag. Es ist das erste Mal, dass ich eine derart fundierte Kritik von Frau Wangs Live-Spiel lese. Bisher wurden, wenn ich es Recht sehe, die pianisitschen Leistungen allgemein bejubelt, von nicht fundierten Nörgeleien allgemeiner Art abgesehen. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

      Die Ähnlichkeiten zu Frau Fischer sind gering, der Vergleich zu Lang Lang, bei dem die Kritik sich nach einiger Zeit auf das Nichterreichen des höchsten pianistischen Niveaus einigte, schon eher. Endet sie als weiblicher Lang Lang? Bin gespannt.
    • GAST0001 schrieb:

      :link: als direkter Vergleich für diejenigen, die sich nicht auf mein Urteil verlassen möchten.

      Hier stand ein Link, von dem wir nicht wissen, ob er vielleicht auf einen illegalen Mitschnitt verweist.
      Eine kurze Aufklärung wäre nett, dann könnten wir ihn auch wieder aktivieren.
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Knulp schrieb:

      Es ist das erste Mal, dass ich eine derart fundierte Kritik von Frau Wangs Live-Spiel lese.
      Woher nimmst Du, dass die Kritik von GAST0001 fundiert ist? Warst Du im Wiener Musikvereinssaal dabei und kannst deshalb beurteilen, inwieweit das hier von ihm Geschriebene auch nur annähernd zutrifft? Ich jedenfalls vermag das nicht zu beurteilen, denn ich war nicht im Wiener Musikvereinssaal dabei, sondern habe lediglich Yuja Wang zwei Tage später mit exakt demselben Programm im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie live erlebt. Über dieses Konzert habe ich mir eine Meinung gebildet. Über ein anderes Konzert zwei Tage zuvor in einem anderen Land vermag ich mir keine Meinung zu bilden. Du hingegen warst offenbar noch nie irgendwo dabei, wo sie aufgetreten ist, hast aber jede Menge Vorurteile parat wie

      Knulp schrieb:

      Sex sells.
      und sogar offen Sexistisches auf Lager wie

      Knulp schrieb:

      Gulda hat ja sogar schon nackt gespielt (Frau Wang, da geht noch was)

      So etwas Flaches habe ich von GAST0001 zum Glück nicht gelesen. Von der Journaille weltweit natürlich schon, aber nicht von einem (offenbar, denn ich kenne ihn als Forumsneuling noch nicht näher) Klaviermusikkenner wie GAST0001.

      Ich respektiere GAST0001s Meinung, so wie er sicherlich auch meine Meinung über diese Pianistin respektiert. Jeder Mensch hört anders, und jeder Mensch bringt ganz andere Hörerfahrungen und -erwartungen ein, bevor er/sie sich in ein Konzert setzt und dem Dargebotenen lauscht. Deswegen auch von mir an Dich, lieber GAST0001,

      Knulp schrieb:

      Vielen Dank für diesen hochinteressanten Beitrag.
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • music lover schrieb:

      sondern habe lediglich Yuja Wang zwei Tage später mit exakt demselben Programm im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie live erlebt. Über dieses Konzert habe ich mir eine Meinung gebildet.
      Diese meine bescheidene Meinung über Yujas Spiel bei ihrem Recital im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie möchte ich natürlich auch - sofern sie von Interesse sein sollte - noch gern kundtun:

      Der einleitende Rachmaninow-Teil hat mir nicht allzu sehr gefallen. So krass wie GAST0001 ("Ich fand's grauenhaft") beurteile ich das Dargebotene nicht, aber in der Tat habe ich innerhalb des letzten Jahres von Daniil Trifonov und insbesondere von Boris Giltburg ein Rachmaninow-Solo-Klavierspiel live gehört, das mich mehr vom Hocker gerissen hat. Und das mit teilweise demselben Repertoire (Giltburg!). Aber man muss auch ganz klar sagen, dass das Berliner Konzert wegen des Platzregens erst mit einer Viertelstunde Verspätung begann, sodass Yuja aus ihrer Konzentration vor dem Konzert ein wenig herausgerissen wurde. Hinzu kam, dass vom Veranstalter während Yujas Rachmaninow-Vortrags laufend verspätet erschienene Konzertbesucher hereingelassen wurden. Und dann gab es auch noch nach jedem, wirklich jedem Stück Zwischenapplaus, was Yuja sichtlich in ihrer Konzentration beeinträchtigte. Diese Unsitte, die ich bisher nur von Husumer Busgesellschaften in der Elbphilharmonie kenne ("Bei Howard Carpendale oder den Kastelruther Spatzen klatschen wir doch auch nach den Liedern"), scheint sich auch in der Hauptstadt breit gemacht zu haben. Ich kenne Yuja nach etwa 20 oder eher 25 erlebten Konzerten ziemlich gut, und ihre Körpersprache war eindeutig: Sie fühlte sich nicht wohl mit diesem Publikum.

      Die Scriabin-Sonate Nr. 10 ist für mich auf immer und ewig mit Vladimir Horowitz verbunden. Die einzige Gelegenheit, die ich in meinem Leben hatte, mit Vladimir Horowitz zu sprechen, nutzte ich, um ihn auf diese Scriabin-Sonate anzusprechen. Natürlich kommt kein Pianist der Welt an seine Interpretation heran. Und natürlich hat Igor Shukow eine Weltklasse-Einspielung vorgelegt, und ich kann mir bei meiner großen Bewunderung für Pierre-Laurent Aimard natürlich auch sehr gut vorstellen, wie großartig seine Wiener Live-Darbietung dieses kompositorischen Wunderwerks war. Yuja hat natürlich als 31-jährige einen ganz anderen Zugang als der 60-jährige Aimard, der als ehemaliger Pianist des Ensemble intercontemporain mit allen zeitgenössischen Wassern gewaschen ist und extrem analytisch an die Sache herangeht. Gleichwohl empfand ich Yujas tollkühne Herangehensweise an die hochkomplexen pianistischen Herausforderungen dieses Werks als ungemein spannend, und vor allem als eins: liebevoll. Sie spielte streckenweise so zart, so empathisch, einfach nur wundervoll. Ich empfand, bei aller Bewunderung für Horowitz, Shukow und andere, ihr Spiel als - ich hätte fast geschrieben feminin, aber das trifft es nicht. Es war einfach nur berührend.

      Die drei Ligeti-Etüden waren state-of-the-art. Für mich das highlight des Abends. Nicht nur die Tatsache , dass Yuja überhaupt dieses Repertoire auf ihr Programm setzte (schon auf ihrer Debüt-CD bei DG hat sie Ligeti mit im Boot gehabt). Sondern - meine Güte, das war einfach Klavierspiel zum "Das kann ich noch meinen Enkeln erzählen"! :verbeugung1: :verbeugung1: Und was passierte? Gerade nach dem Ligeti feierte sie das Berliner Publikum ab wie nichts Gutes! Nach Rachmaninow und Scriabin gab es eher Höflichkeitsapplaus, aber nach Ligeti tobte das Tollhaus! Wenn Ligeti das noch miterlebt hätte, hätte er Yuja bestimmt tief in die Arme geschlossen und sich gefreut. Spätestens ab diesem Moment war ich wieder versöhnt mit dem Berliner Publikum, das mich vorher wegen des Zwischenapplauses (übrigens auch nach der ersten Ligeti-Etüde "Touches bloquées") eher genervt hat.

      Die Prokofiew-Sonate Nr. 8 nach der Pause war einfach nur noch geil. Welch ein Klavierspiel! Und Yuja hatte sich ersichtlich wieder gefangen, fühlte sich wieder wohl in ihrer Haut. Was im ersten Programmteil fast durchgehend nicht der Fall war. Die bei ihr übliche Reihe von Zugaben rundete den Abend wundervoll ab.

      Übrigens - als Anmerkung für die Sexisten unter uns: Yuja wechselt üblicherweise in der Konzertpause ihr Kleid. Vor und nach der Pause trug sie in Berlin auf der Bühne ein hochgeschlossenes Abendkleid. Das so bodenlang war, dass sie - wie meine Mutter es immer so schön sagt - damit den Fußboden aufwischte. Vielleicht hat sie, eine wunderschöne junge Frau, irgendwann auch mal die Schnauze voll von all diesen Journalistenkommentaren, die ihr vorwerfen, bei Temperaturen von über 28 Grad einen kurzen Rock zu tragen. Obwohl im Publikum geschätzt 85 % aller weiblichen Konzertbesucher und sogar viele der männlichen Konzertbesucher etwas Kurzes (im Falle der Frauen einen kurzen Rock, im Falle der Herren, die ich beim Hineingehen in den Saal beobachtete, eine kurze Hose) anhatten. Soll Yuja in Burka auftreten, damit diese Leute zufrieden sind? Das wäre bestimmt auch wieder nicht richtig und würde ebenfalls die Spalten der Gazetten füllen...

      Fazit: Ein nicht rundum gelungener Klavierabend, da gebe ich GAST0001 mit dem, was er vom Wiener Vorabend berichtete, völlig Recht, aber gleichwohl ein Abend, der sich gelohnt hat.

      Daniil Trifonov wird übrigens in Berlin in der kommenden Saison ebenfalls Prokofiews Sonate Nr. 8 live darbieten. Ich bin sehr gespannt darauf!
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • Symbol schrieb:

      Dies ist ein Vorwurf, der in einigen jüngeren Beiträgen in diesem Thread m. E. eindeutig zu verschwenderisch gemacht worden ist.

      Knulp schrieb:

      Aber so absurd, dass darauf einzugehen nicht lohnt.

      Ja, da sind die Gäule ein wenig mit mir durchgegangen. Ich entschuldige mich und nehme diese Äußerung selbstverständlich zurück.
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • Ich habe Frau Wang ja gestern in der Kölner Philharmonie gesehen. Das Konzert hat mir viel Spaß gemacht, aber was mir zusätzlich im Gedächtnis blieb, in der Pause hat sie draußen an einem Nebenausgang gestanden und geraucht und sich mit Fans unterhalten, dass fand ich sehr sympathisch. :)
      Viele Grüße, Michael
    • Die Aufführungen des 2. und des 3. Klavierkonzerts von Prokofjew mit P. Järvi bzw. K. Petrenko in der DCH sind klasse. (Bei der Zugabe, dem Precipitato aus der 7. Sonate, schienen mir ihre Finger allerdings etwas übermüdet.) Ich habe beide Konzerte mit ihr auf CD, mit anderen Orchestern und Dirigenten, die finde ich eher mittelmäßig (auf hohem Niveau). Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass die bewundernswerte (scheinbare) Leichtigkeit ihres Spiels (und ihre Verspieltheit) im Video, oder auch live, noch stärker betont wird.


      maticus
      Bartolo hatte Recht. --- Andreas März
      This is Bartolo, King of the King of Wines. --- Alan Tardi
    • Wie so oft muss man Facebook-Follower eines Künstlers sein, um taggleich über dessen nächste CD-Neuerscheinung informiert zu werden. Seit 6 Stunden ist bekannt, dass das nächste Soloalbum von Yuja Wang auf DG der Mitschnitt des diesjährigen Berlin Recitals sein wird. Yuja spielt Werke von Rachmaninow, Scriabin, Ligeti and Prokofiew. Plus Zugaben, versteht sich. Bis irgendwelche anderen Medien dies vermelden werden und ich hier das CD-Cover (das mir längst bei Facebook vorliegt) ohne urheberrechtliche Probleme einbinden darf, werden noch ein paar Tage vergehen.
      Für Rapper ist das Wort "ficken" dasselbe wie für Schlümpfe das Wort "schlumpfen". Es ersetzt einfach alle anderen Tu-Wörter. "Alter, hab' ich voll gefickt, ey" kann auch heißen: "Die Überweisung ist gestern bei uns rausgegangen."
      (Dieter Nuhr)
    • Neu

      Hier Details dazu:
      deutschegrammophon.com/de/artist/wang/

      Die Zugaben gibt´s als Downloads bereits:
      amazon.de/Berlin-Recital-Encor…TF8&qid=1539458525&sr=8-1
      Ich warte aber mal ab, ob das auch mit der Original CD angeboten wird. (EP als Beilage?)

      Diverse München-Konzertkarten sind aber schon mal gesichert:

      Münchner Philharmoniker
      MI 14.11.2018, 20:00 Uhr | Gasteig, Philharmonie
      JOHANNES BRAHMS
      Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83
      GUSTAV MAHLER
      Symphonie Nr. 1 D-Dur »Titan«
      VALERY GERGIEV Dirigent
      YUJA WANG Klavier

      Leonidas Kavakos & Yuja Wang
      DO 17.01.2019, 20:00 Uhr | Prinzregententheater
      Mozart: Sonate für Violine und Klavier Nr. 32 B-Dur KV 454
      Prokofjew: Sonate Nr. 1 für Violine und Klavier f-moll op. 80
      Bartók: Rhapsodie Nr. 1 für Violine und Klavier
      Strauss: Sonate für Violine und Klavier Es-Dur op. 18

      City of Birmingham Symphony Orchestra
      DI 28.05.2019, 20:00 Uhr | Gasteig, Philharmonie
      Ravel: „Le Tombeau de Couperin“
      Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 54
      Strawinsky: „L’oiseau de feu“ („Der Feuervogel“)
      City of Birmingham Symphony Orchestra
      Yuja Wang, Klavier
      Mirga Gražinyte-Tyla, Leitung
      Herzliche Grüße
      AlexanderK