Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

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    • Lieber Wolfgang!

      Das gehört eigentlich gar nicht zu Yuja Wang, aber Dein Text hat mich sehr gefreut. Das Schöne an einem Internetforum ist ja, dass Leute miteinander schreiben, die im wirklichen Leben wohl kaum miteinander in Kontakt treten würden. Dass es manchmal zu Missverständnissen kommt (schriftlich fallen ja ganz viele entscheidende Dinge der Kommunikation weg!!!), lässt sich halt nicht ganz vermeiden. Ich kann tatsächlich viel hier lernen, nicht zuletzt auch (gerade durch solche Auseinandersetzungen wie die heutige) einiges über mich selbst.

      Sehen wir's mal anders: Dass es hier Musikfans gibt, die sich über die Qualität einer Pianistin auf diese Art streiten, spricht doch eigentlich für diejenige Pianisten. Über eine Langweilerin würde man sich nicht aufregen. :thumbsup:
    • Also ich war auch am Mittwoch im Konzerthaus und habe dasselbe Konzert wie Sadko gehört. Das Ravel-Konzert kenne ich zuwenig, um mir ein fundiertes Urteil zu bilden, allerdings wären mir keine Unsauberkeiten aufgefallen. Beim Schostakowitsch war das überlaute Orchester tatsächlich ein Problem, zum ich Wang zutraue, dass sie ordentlich in die Tasten hauen kann und es also kein pianistisches Problem war, dass sie stellenweise zugedeckt wurde. Höchstens kann man sagen, dass ihre Gestaltung etwas mehr Lautstärkendifferenzierung vertragen hätte, vielleicht war das aber auch dem Kampf mit dem Orchester geschuldet. Verstecken braucht sie sich nicht.

      Was ich allerdings als ekelhaft empfunden habe, war das Einklatschen des Saales, als sich ihr 2. Auftritt verzögert hat (das Orchester war da vielleicht 1 Minute startklar, nicht länger). Das war für mich eine Aggression und Unhöflichkeit des Publikums gegenüber der Solistin. Kein Mensch weiß warum sie gewartet hat, vielleicht hat sie sich noch sammeln musste. Am Ende ist sie kein Zirkuspferd, das Schlag 8 tanzen muss. Dann kommt man halt 3 Minuten später aus dem Konzert zur Gulaschsuppe. Sie wirkte denn auch sichtlich verärgert und zumindest im ersten Satz unkonzentriert. Ein Fremdschämmoment. Würde man das bei einem Sokolov oder einem Buchbinder auch machen?

      Letztes Jahr habe ich sie Rach 4 auch im Konzerthaus gehört. Damals war sie als indisponiert (Rücken) angekündigt. Umgehauen hat sie mich damals nicht, aber ich bin weit davon entfernt sie als unfähig zu qualifizieren.

      Ihre Kleidung - ach weh, da dreht sich die Diskussion im Kreis. Sie selbst sagt ja immer sie will nicht auf ihr Äußeres reduziert werden und dass ihre Outfits halt so sind, wie sie sind und keine Aussage sein sollen. Allerdings tritt sie in Kleidern auf, die kürzer nicht gehen und natürlich wird das dann kommentiert. Natürlich ist es ein Statement wie sie wahrgenommen werden will. Genauso wie die Jesus-Latschen von Mullova eines sind, oder das Barfußspiel von Ott oder die Outfits von Kennedy.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • maticus schrieb:

      andréjo schrieb:

      das kindlich-kokettierende Selbstbild der chinesischen Pianistin
      Mit "kokettierend" kann ich hier überhaupt nichts anfangen. Ich finde sie auf ihre Art völlig natürlich.


      maticus
      Ich denke, keiner von uns kann so genau die Grenze ziehen. Wenn sie in Interviews sagt, sie kleide sich gerne so, wie sie es tut, und es interessiere sie nicht, wie das wirkt, dann ist das für mich durchaus Koketterie. Oder schon große Naivität.

      Was Harnoncourt-Fan soeben geschrieben hat, dem kann ich ebenso zustimmen.

      Aber eigentlich ist das alles völlig unwichtig. Oder?

      Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Natürlich ist es unwichtig.

      Schlüssig wäre es für mich, wenn jemand, der von sich behauptet, es gehe ihm nur um die Musik, das Thema "Kleidung" erst gar nicht anspricht.

      Vielleicht wirken ein paar Geschlechtsmuster nach. Wenn ein Mann sich einen Frack maßschneidern lässt, dann ist das akzeptiert und Ausdruck seines exquisiten Geschmacks, wenn eine Frau ähnlichen Aufwand betreibt, dann ist es eben das Streben nach äußerer Anerkennung.

      Ich finde Yuja Wangs Kleidung exotisch und vor dem Hintergrund bekannter Muster auch gewagt, nehme sie aber als positiv wahr. Insgesamt aus meiner Sicht ein erfreulicher Farbtupfer.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Danke, Harnoncourt-Fan, für Deine Darstellung! Sie ist für mich besonders lesenswert, weil Du ja auch im Saal warst!

      Mauerblümchen schrieb:

      Schlüssig wäre es für mich, wenn jemand, der von sich behauptet, es gehe ihm nur um die Musik, das Thema "Kleidung" erst gar nicht anspricht.
      Vielleicht wirken ein paar Geschlechtsmuster nach. Wenn ein Mann sich einen Frack maßschneidern lässt, dann ist das akzeptiert und Ausdruck seines exquisiten Geschmacks, wenn eine Frau ähnlichen Aufwand betreibt, dann ist es eben das Streben nach äußerer Anerkennung.
      Naja, so einfach ist das nicht. Ja, es geht mir nur um die Musik, und daher nervt es mich, wenn das optische Auftreten explizit verwendet wird, um Marketing zu betreiben. Da tritt eben die Musik zugunsten einer Show deutlich in den Hintergrund, und das stört mich.

      Ungerecht finde ich, dass Du mir unterstellst, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden. Erstens geht es nicht um maßgeschneidertes Gewand (maßgeschneidertes Gewand kann ja auch stilvoll sein und zum Anlass passen), zweitens würdest Du es vielleicht auch sonderbar finden, wenn ein Mann im klassischen Konzert mit oben ohne bzw. T-shirt, kurzer Hose und Badeschlapfen oder barfuß auftritt, und drittens habe ich erst vor wenigen Stunden hier einen Mann erwähnt, der auch mit seinem Aussehen vermarktet wird:

      Sadko schrieb:

      ich lehne es generell ab, wenn sich Leute mit ihrem Aussehen vermarkten oder - schlimmer - gezielt so vermarktet werden. Ein männliches Beispiel: Teodor Currentzis vor wenigen Wochen am Titelblatt des Wiener VOR-Magazins (U-Bahn-Zeitung).

      Nicht ganz so klassikaffine Leute glauben dann, den großen Star erlebt zu haben, und beschreiben ihn (zB mir gegenüber) mit Superlativen, obwohl sie das bestimmte Stück noch gar nie zuvor gehört haben. Natürlich hat jeder sein Recht auf seine Meinung, das ist auch gut so - aber man kann auch Leuten bewusst einreden, jetzt die größte Sternstunde ever erlebt zu haben, obwohl es eigentlich nur eine durschnittliche Darbietung war.
      Wirklich ausgezeichnete Leistungen werden dann oft nicht als solche wahrgenommen, wie zum Beispiel das RSO-Orchester gestern eine sehr gute Zemlinsky-Sinfonietta geboten hat! (der Bartók danach war dann weniger gelungen) Aber im Saal recht wenig Leute und keine Begeisterung (im Gegensatz zum Wang-Konzert).

      Man könnte natürlich einwenden, dass das mit dem Thema Yuja Wang nichts mehr zu tun hat. Aber es gehört zum Thema "Selbstvermarktung", und Yuja Wang ist eine Meisterin der Selbstvermarktung.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Schlüssig wäre es für mich, wenn jemand, der von sich behauptet, es gehe ihm nur um die Musik, das Thema "Kleidung" erst gar nicht anspricht.

      Vielleicht wirken ein paar Geschlechtsmuster nach. Wenn ein Mann sich einen Frack maßschneidern lässt, dann ist das akzeptiert und Ausdruck seines exquisiten Geschmacks, wenn eine Frau ähnlichen Aufwand betreibt, dann ist es eben das Streben nach äußerer Anerkennung.

      Ich finde Yuja Wangs Kleidung exotisch und vor dem Hintergrund bekannter Muster auch gewagt, nehme sie aber als positiv wahr. Insgesamt aus meiner Sicht ein erfreulicher Farbtupfer.
      Sehe ich genauso.

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • Sadko schrieb:

      Naja, so einfach ist das nicht. Ja, es geht mir nur um die Musik, und daher nervt es mich, wenn das optische Auftreten explizit verwendet wird, um Marketing zu betreiben. Da tritt eben die Musik zugunsten einer Show deutlich in den Hintergrund, und das stört mich.
      Aber es gehört zum Thema "Selbstvermarktung", und Yuja Wang ist eine Meisterin der Selbstvermarktung.
      Das mit der "Selbstvermarktung", "explizit, um Marketing zu betreiben", "Musik zugunsten Show deutlich im Hintergrund", ist ja eine unbewiesene Behauptung. Letzteres ist mehr noch eine Abwertung ihres musikalischen Könnens. Bis auf das Pauschalurteil "unsauber gespielt" hast Du dies bisher nicht weiter begründet, und schon garnicht, dass Wang "eindeutig keine gute Pianistin" sei. Dieses harte Urteil schreit nach einer dezidierten Begründung!

      Wenn es Dir "nur um die Musik" geht, so extrem wie Du es beschreibst, warum hörst Du dann nicht CDs oder Streams? Da ist die optische Ablenkung minimal. Ein bisschen "Show" gehört immer zu einem Livekonzert.
      Ungerecht finde ich, dass Du mir unterstellst, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden. Erstens geht es nicht um maßgeschneidertes Gewand (maßgeschneidertes Gewand kann ja auch stilvoll sein und zum Anlass passen), zweitens würdest Du es vielleicht auch sonderbar finden, wenn ein Mann im klassischen Konzert mit oben ohne bzw. T-shirt, kurzer Hose und Badeschlapfen oder barfuß auftritt, und drittens habe ich erst vor wenigen Stunden hier einen Mann erwähnt, der auch mit seinem Aussehen vermarktet wird:
      Der Vergleich hinkt aber gewaltig. Aber ich schließe daraus, dass es Dich stören würde, wenn Frau Wang in T-Shirt, kurzer Hose und Badeschlappen auftreten würde? Wo es Dir doch nur um die Musik geht?

      maticus
      Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    • maticus schrieb:

      Dieses harte Urteil schreit nach einer dezidierten Begründung
      Weshalb? Wenn wir Lobeshymnen über Frau Wang (oder einen sonstigen Künstler) lesen, die in umgekehrter Weise ähnlich unbegründet emotional daherkommen ("noch nie so gehört, ganz toll, wirklich begeistert, der Saal tobte, am Ende sehr lange Stille ...) verlangt das doch auch niemand. Mir scheint es eher der forentypische Reflex zu sein, dass auf das Anpinkeln von Forenlieblingen mit bashing und rhetorischem In-die-Ecke-treiben reagiert wird, indem Begründungen verlangt werden, die der normale Forenlaie nicht zu liefern in der Lage ist, was ihm dann vorgehalten wird. Hatten wir schon oft, das Thema Umgang mit Neulingen. Wird nicht besser.
    • Knulp schrieb:

      Wenn wir Lobeshymnen über Frau Wang (oder einen sonstigen Künstler) lesen, die in umgekehrter Weise ähnlich unbegründet emotional daherkommen ("noch nie so gehört, ganz toll, wirklich begeistert, der Saal tobte, am Ende sehr lange Stille ...) verlangt das doch auch niemand.
      Da ist allerdings ein entscheidender Unterschied: Wenn jemand sagt, er habe ein Stück "noch nie so gehört", er sei "wirklich begeistert" gewesen, sind das subjektive Empfindungen, warum sollte man da eine Begründung fordern? Solche Empfindungen werden hier vielfach geäußert, positiv wie negativ, und selbstverständlich braucht man sie nicht zu begründen (und kann es in vielen Fällen wohl nicht einmal). Der Saal habe "getobt", gefolgt von einer "sehr langen Stille", das sind Beschreibungen von Vorgängen, bei denen kein Grund für Zweifel besteht, ob sie wirklich so stattgefunden haben. Dieses hier:

      Sadko schrieb:

      Wang ist eindeutig keine gute Pianistin.
      beschreibt aber keine subjektive Empfindung und auch keinen Vorgang sondern eine objektive (dem "Objekt" Yuja Wang eigene) Eigenschaft, die in diesem Fall nicht nur nicht begründbar sondern eindeutig widerlegbar ist. Ich kann auch nicht schreiben, Beethovens erste Symphonie sei eindeutig in Es-Dur, um mich dann damit zu rechtfertigen, das sei nun mal meine Empfindung. Natürlich darf ich das trotzdem schreiben (an Zabki: die Meinungsfreiheit gilt selbstverständlich auch für das Recht, Unsinn zu behaupten), aber ich muss dann wohl doch mit entschiedenem Widerspruch rechnen.

      Knulp schrieb:

      Mir scheint es eher der forentypische Reflex zu sein, dass auf das Anpinkeln von Forenlieblingen mit bashing und rhetorischem In-die-Ecke-treiben reagiert wird, indem Begründungen verlangt werden, die der normale Forenlaie nicht zu liefern in der Lage ist, was ihm dann vorgehalten wird. Hatten wir schon oft, das Thema Umgang mit Neulingen. Wird nicht besser.
      Ich bin hier im Forum ebenfalls vergleichsweise neu, und nach der einzigen Auseinandersetzung, bei der ich mich persönlich angegangen fühlte, haben viele (einschließlich des unmittelbar Beteiligten) mit äußerster Freundlichkeit und Verbindlichkeit reagiert und die Sache aus der Welt geschafft. Nein, ich kann Deinen Verdacht nicht bestätigen.
    • Meiner Meinung nach gibt es in diesen Diskussionen nicht wenige drollige Komponenten. Die verwendeten Argumentationstechniken rufen diesen Eindruck in mir jedenfalls hervor. Und Ordhographie war noch nie meine Stärke.

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • maticus schrieb:

      Das mit der "Selbstvermarktung", "explizit, um Marketing zu betreiben", "Musik zugunsten Show deutlich im Hintergrund", ist ja eine unbewiesene Behauptung. Letzteres ist mehr noch eine Abwertung ihres musikalischen Könnens. Bis auf das Pauschalurteil "unsauber gespielt" hast Du dies bisher nicht weiter begründet, und schon garnicht, dass Wang "eindeutig keine gute Pianistin" sei. Dieses harte Urteil schreit nach einer dezidierten Begründung!
      Das ist nachweislich falsch, zumal ich in meinem heute um 0:24 geschriebenen Beitrag nach wie vor nachlesbare, genauere Kritik geübt habe.

      maticus schrieb:

      Wenn es Dir "nur um die Musik" geht, so extrem wie Du es beschreibst, warum hörst Du dann nicht CDs oder Streams? Da ist die optische Ablenkung minimal. Ein bisschen "Show" gehört immer zu einem Livekonzert.
      Ich habe zwar fast gar keine CDs (ich kann/will sie mir nicht leisten bzw. wüsste ich nicht, wo ich sie aufbewahren sollte), aber über Youtube und manchmal Radio höre ich viel Musik. Streaming lehne ich ab.
      Ja, ein "bisschen" Show ist ja auch in Ordnung. Aber bei ihr kann ja keine Rede von nur ein "bisschen" Show sein.

      maticus schrieb:

      Der Vergleich hinkt aber gewaltig. Aber ich schließe daraus, dass es Dich stören würde, wenn Frau Wang in T-Shirt, kurzer Hose und Badeschlappen auftreten würde? Wo es Dir doch nur um die Musik geht?
      Ich denke nicht, dass der Vergleich hinkt. Aber ich muss Dir in einem Punkt recht geben, Du hast mich auf eine Inkonsequenz meiner Argumentation aufmerksam gemacht. Also: Wenn sie in T-shirt, kurzer Hose und Badeschlapfen auftreten will, ist das ihre Sache. (Ich gehe ja auch immer im ganz normalen Alltagsgewand in die Oper und ins Konzert, aber gepflegt und ohne kurze Hosen). Aber es würde mich stören, wenn sie ihr Outfit einsetzt, um sich damit zu vermarkten (was sie ja tut).

      Knulp schrieb:

      Wenn wir Lobeshymnen über Frau Wang (oder einen sonstigen Künstler) lesen, die in umgekehrter Weise ähnlich unbegründet emotional daherkommen ("noch nie so gehört, ganz toll, wirklich begeistert, der Saal tobte, am Ende sehr lange Stille ...) verlangt das doch auch niemand. Mir scheint es eher der forentypische Reflex zu sein, dass auf das Anpinkeln von Forenlieblingen mit bashing und rhetorischem In-die-Ecke-treiben reagiert wird, indem Begründungen verlangt werden, die der normale Forenlaie nicht zu liefern in der Lage ist, was ihm dann vorgehalten wird.
      Das ist, finde ich, ein sehr überlegenswerter Punkt. Wenn man den Pianisten x in den Himmel lobt, wird das üblicherweise goutiert. Wenn Pianist y scharf kritisiert wird, regt sich Widerstand. Mir ist das auch schon länger aufgefallen, aber den Widerstand halte ich locker aus.


      Übrigens noch etwas zum Konzert am 12. Juni:
      Ich lese ja keine Online-Kritiken, ich klicke sie oft nur wegen der Kommentare an. Jemand, der offenbar ebenfalls am 12. Juni dort war (nicht ich!), kommentiert im Standard:
      Den Ravel hat sie erstaunlicherweise ganz gut gemacht, beim Schostakowitsch war sie dann wieder in all ihren gewohnten Unarten: achtlos und schlampig heruntergeperlt. Die drei Zugaben waren eine nach der anderen eine Zumutung. Warum sich die Dirigenten das immer wieder gefallen lassen, daß Solisten mit unpassenden und geschmacklosen Zugaben die Konzerte ruinieren? Die Formulierung "mit etwas dickem Pinsel gemalt" finde ich übrigens punktgenau: Mir haben beim Daphnis auch die Details gefehlt...
      Das deckt sich doch auffallend gut mit meinem Eindruck.
    • "Eindeutig..."

      Das ist doch schön, wenn einer wie Sadko so leicht und schnell zu eindeutigen Urteilen kommt, zu deren Gewinnung andere ein Leben lang sich mühen müssen. Und selbst dann noch oder gerade dann noch immer vorsichtiger werden.

      Sadko hat sich also in ein Konzert mit der großen, weltberühmten Yuja Wang verirrt (so möchte ich es mal nennen)..

      Das war natürlich leichtsinnig, wenn man unbedingt ein gültiges Urteil fällen zu müssen glaubt, obwohl man erst vor kurzem entdeckt hat, daß es Klaviermusik gibt. Ähnlich könnte es jemandem ergehen, der sich bisher in einer Frikadellen-Braterei wohlgefühlt hat und nun einen Drei-Sterne-Koch beurteilen soll. Da fehlen einfach die Maßstäbe.

      Aber vielleicht ist das gerade der entscheidende Pluspunkt: nur völlige Ahnungslosigkeit ("...kenne das Konzert nicht besonders gut..."), gepaart mit einem Schuß Selbstüberschätzung, befähigt einen zu solchen apodiktischen Urteilen.

      Man knallt sie einfach hin und erwartet, daß sich schon einige finden werden, die sich die Mühe machen, die man selbst nicht aufbringen wollte.

      Nämlich begründete, nachvollziehbare Kritik zu üben.

      "Unsauber" heißt hier, sie habe vor einem Triller das Tempo zurückgenommen. Ja, dann...

      Nun, Yuja Wang wird weiter in ausverkauften Häusern spielen, Abertausende von Zuhörern (für die sie spielt und auf die allein es ankommt) begeistern und auch die meisten namhaften Kritiker (eine von Berufs wegen zurückhaltende Spezies) "verzaubern".
    • Sadko schrieb:

      maticus schrieb:

      Wenn es Dir "nur um die Musik" geht, so extrem wie Du es beschreibst, warum hörst Du dann nicht CDs oder Streams? Da ist die optische Ablenkung minimal. Ein bisschen "Show" gehört immer zu einem Livekonzert.
      Ich habe zwar fast gar keine CDs (ich kann/will sie mir nicht leisten bzw. wüsste ich nicht, wo ich sie aufbewahren sollte), aber über Youtube und manchmal Radio höre ich viel Musik. Streaming lehne ich ab.

      Interessant. Worin besteht denn das spezifisch Ablehnenswerte am Streaming, das nicht beim Youtube-Gucken und Radio-Hören ebenso vorhanden wäre? Trifft Dein apodiktischer Bannstrahl die verwendete Technik oder das dahinterstehende Geschäftsmodell?

      Beste Grüße,
      Ralph
      »Toren wir, auf Lind'rung da zu hoffen, wo einzig Heilung lindert!« (Gurnemanz)
    • Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Danke. Aber es ging mir gar nicht um die (Streaming-)Sache an sich: Ich wollte nur aus einer Antwort von Sadko darauf schließen, inwieweit ich seine Argumentation in Sachen Yuja Wang ernstnehmen kann. Aber dazu gibt der Thread ja eigentlich schon genug her. Sorry für den vom Thema wegführenden Versuch...

      Beste Grüße,
      Ralph
      »Toren wir, auf Lind'rung da zu hoffen, wo einzig Heilung lindert!« (Gurnemanz)
    • zonebattler schrieb:

      Ich wollte nur aus einer Antwort von Sadko darauf schließen, inwieweit ich seine Argumentation in Sachen Yuja Wang ernstnehmen kann.
      Gut, dieser Zusammenhang war mir nicht klar.

      :)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
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      Helmut Lachenmann
    • Die Beiträge von moorwald und zonebattler habe ich (freundlich) beantwortet, aber die Antwort wurde versplittert. Dieser Beitrag nur, dass es hier nicht so ausschaut, als hätte ich darauf nicht geantwortet (und diesen Eindruck möchte ich nicht erwecken).