Yuja Wang - eine Ausnahmepianistin startet durch

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    • Symbol schrieb:

      Ich habe Yuja Wang kürzlich auf youtube mit dem zweiten Brahms-Konzert gehört.
      Diese wichtige Bemerkung war mir entgangen, komme leider nicht dazu hier alle Diskussionen mitzulesen.
      Hier das zweite Brahms-Konzert live aus Tokyo:
      youtube.com/watch?v=BszBccYHuAk

      Scheint relativ neu in ihrem Repertoire zu sein. Es ist das von mir am meisten geschätztes Klavierkonzert überhaupt, daher hoffe ich hier überprüfen zu können, inwieweit ich bei Yuja von Äußerlichkeiten voreingenommen bin. Saugut spielen kann sie jedenfalls schon mal.
      <3 Khampan
    • Soeben ist das nächste Album von Yuja Wang angekündigt worden, welches im Dezember auf Erato erscheinen wird. Es ist ein Kammermusik-Album mit dem Cellisten Gautier Capucon. Die beiden spielen Werke von César Franck und Frédéric Chopin:
      Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.
      (Heinz Erhardt)
    • Danke für den Hinweis! :top:
      Am 14.1.2020 wird die CD wohl unter anderem im Foyer im Münchner Herkulessaal der Residenz zum Verkauf angeboten werden. ;)

      Wer die beiden am 12.9.2019 von Yuja Wang in der Elbphilharmonie gespielten Schostakowitsch-Konzerte nachhören möchte, kann das hier tun. Wurde erst ein paar Tage nach der Erstausstrahlung (27.9.2019) von NDR Kultur zum Nachhören freigeschaltet.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Das Programm von Yuja Wangs seit dem 12. Februar 2020 laufender Recital-Tournee durch die USA und Europa lautet:

      Baldassare Galuppi
      Andante, aus: Sonate Nr. 5 C-Dur
      Johann Sebastian Bach
      Toccata c-moll BWV 911
      Johannes Brahms
      Intermezzo a-moll op. 116/2
      Frédéric Chopin
      Mazurka a-moll op. 67/4
      Johannes Brahms
      Intermezzo e-Moll op. 119/2
      Frédéric Chopin
      Mazurka cis-moll op. 30/4
      Johannes Brahms
      Intermezzo cis-moll op. 117/3
      Frédéric Chopin
      Mazurka F-Dur op. 68/3
      Johannes Brahms
      Romanze F-Dur op. 118/5
      Alexander Scriabin
      Sonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30
      Maurice Ravel
      Une barque sur l'océan, aus: Miroirs
      Federico Mompou
      Secreto, aus: Impresiones Intimas
      Alexander Scriabin
      Sonate Nr. 5 op. 53

      Auf ihrer Facebook-Seite erwähnt die Künstlerin, dass sie diese Werke nicht in dieser Reihenfolge spielen wird, sondern nach dem "Shuffle"-Prinzip:

      Yuja Wang schrieb:

      When I perform this recital, I won’t be playing the pieces in the order printed on the programs, for a few reasons. One is that when I listen to playlists, I always have them set to shuffle. Another is that I want the music itself to surprise me, and to surprise the audiences, kind of like a box of chocolates. I also believe that every program is a living organism, so it should be in synch with how I’m feeling that day, in that moment, so it’s truly alive.
      Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.
      (Heinz Erhardt)
    • Wie darf man sich das vorstellen? Die Zuhörer, die die gespielten Werke nicht kennen, dürfen dann erraten, welches sie grade hören, denn die Reihenfolge im Programm wird ja keinen Aufschluss darüber geben, wenn die Pianistin erst in "in that moment" die Reihenfolge zusammenstellt? Ich halte das für einen eher blödsinnigen Gag.
    • Sadko schrieb:

      Ich halte das für einen eher blödsinnigen Gag.
      Ich ehrlich gesagt auch. Ich habe das deswegen auch nur zitiert, nicht kommentiert.

      Vielleicht kommt ihr ja nach dem Abschluss des USA-Teils der Tour, also bevor es nach Europa geht, die Einsicht, dass man sich doch lieber an die dem Publikum vorliegenden Programme halten sollte.
      Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.
      (Heinz Erhardt)
    • Ich bin ganz positiv überrascht, dass wir einer Meinung sind :thumbup: (meine ich ernst, nicht ironisch)
      Naja, vermutlich steht die Reihenfolge eh im vorhinein schon fest. Nicht, dass sie versehentlich ein paar Stücke vergisst oder so - das könnte ja passieren, wenn sie sich wirklich spontan entscheidet.
    • Nun ja, als Experiment finde ich es ganz interessant.

      Programme stellt man irgendwann zusammen, manchmal Monate vorher. Ob man am Konzertabend dann immer noch von der Dramaturgie des geplanten Ablaufs überzeugt ist?

      Die Stücke sind ja auch so gewählt, dass mit Ausnahme der 5. Sonate von Skrjabin kein echtes "Hauptwerk" des Programms zu erkennen ist, jedenfalls nicht für mich. Insofern ist ein aleatorisches Element hier für mich recht plausibel.

      Das wäre bei einem Programm nach dem wirkungssicheren Muster Bach - Schumann oder Chopin - Pause - mittlere Beethoven-Sonate - russisches Pfund mit vielen donnernden Oktaven usw. sicher anders.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Ich finde das Experiment sogar sehr interessant. Es erhöht nicht zuletzt auch für die Pianistin die Spannung.
      Warum nicht, wenn ihr zum Beispiel gerade nach Abreagieren zumute ist, mit Skriabin 5 beginnen?
      Der Musikkenner wird zumindest die Komponisten wiedererkennen, da gibt es kaum Verwechslungsmöglichkeiten (welche Chopin-Mazurka gerade gespielt wird, wär mir eigentlich egal).
      Allen anderen dürfte es eh egal sein, wie das Stück gerade heißt.

      Aber etwas anderes habe ich zu kritisieren: auf ihrer Homepage steht nichts vom Shuffle-Prinzip, und zusätzlich steht noch die Berg-Sonate auf dem Programm!!
      Die unter den Tisch fallen zu lassen, geht ja gar nicht. Ich hoffe dass das nur ein Versehen ist.
    • Einerseits halte ich das auch für einen eher drolligen Einfall. Andererseits ist es vielleicht nicht allzu anders als bei einem Sokolov-Recital, bei dem ca. zehn Zugaben gespielt werden, die allesamt nicht im Programmheft stehen (obwohl sie angesichts des Umfangs kaum noch den Charakter einer "Zugabe" haben).

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • Also in Wien spielt Sokolov immer genau 6 Zugaben :pfeif:

      Ein Shuffle-Programm finde ich bei so einem Potpourri ganz interessant, da geht man gezwungenermaßen anders ans zuhören heran. Weniger nach dem Motto: ah jetzt kommt die Mazurka, die mag ich nicht, da hör ich weg.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • Also ich als Zuhörer würde aber schon wissen wollen, welches Stück gerade gespielt wird - damit ich am Ende auch weiß, welches mir gefiel und welches vielleicht nicht und auch warum :rolleyes:

      Aber ansonsten finde ich diese Idee auch ganz witzig.
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Khampan schrieb:

      Der Musikkenner wird zumindest die Komponisten wiedererkennen, da gibt es kaum Verwechslungsmöglichkeiten (welche Chopin-Mazurka gerade gespielt wird, wär mir eigentlich egal).
      Allen anderen dürfte es eh egal sein, wie das Stück gerade heißt.
      Da muss ich widersprechen; mir wäre es gar nicht egal, welches Stück ich gerade höre.
    • Khampan schrieb:

      Aber etwas anderes habe ich zu kritisieren: auf ihrer Homepage steht nichts vom Shuffle-Prinzip, und zusätzlich steht noch die Berg-Sonate auf dem Programm!!
      Die unter den Tisch fallen zu lassen, geht ja gar nicht. Ich hoffe dass das nur ein Versehen ist.
      Du hast Recht! Das von mir wiedergegebene Programm habe ich von der Homepage der Elbphilharmonie kopiert. So ist dort das Hamburger Recital in der Laeiszhalle am 13. März 2020 angekündigt - ohne die Berg-Sonate op. 1:
      elbphilharmonie.de/de/programm/yuja-wang/12363
      Diese Sonate war aber in anderen Vorabankündigungen ihres Programms ebenfalls auf der Programmliste und ist es auf ihrer Homepage immer noch. Dort heißt es nach wie vor: "Works by Galuppi, Bach, Brahms, Chopin, Scriabin, Ravel, Berg and Mompou":
      yujawang.com/calendar/
      Ich hoffe wie Du sehr, dass sie die Berg-Sonate spielen wird. Hat sie sie sich möglicherweise in Europa für den Zugabenteil aufgehoben?

      Jedenfalls bin ich sehr gespannt auf ihr Recital in Hamburg im nächsten Monat.
      Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.
      (Heinz Erhardt)
    • Ich stell' mir das gerade so vor:

      Frau Wang beginnt mit einem Stück.
      Herr Müller im Publikum grübelt die Hälfte des Stückes nach, was es denn nun sein könnte und ärgert sich am Ende, dass er eigentlich nichts mitbekommen hat. Frau Meier ist da schlauer, öffnet raschelt ihr Programmheft und streicht die Stücke, die sie meint erkannt zu haben, mit ihrem roten Kugelschreiber durch und wundert sich zum Schluss, dass Bach so wilde Tonkombinationen geschrieben hat. Und Frau Schmidt diskutiert ständig mit ihrem Ehegatten mehr oder weniger hörbar: 'Ist das jetzt der Brahms?', 'Nein, das ist doch eindeutig Chopin.', 'Wieso, den habe ich ganz anders in Erinnerung.', 'Na, du hörst ja auch nie richtig hin.', bis dann der Finger der genervten Frau Schulze von hinten rüberlangt und im Programmheft auf Scriabin weist. :ironie1:

      Im Ernst, ob das nun dem konzentrierten Zuhören des Publikums dient - ich habe da so meine Zweifel. Ich persönlich möchte das so eigentlich nicht erleben, nerven mich doch schon nicht angekündigte Zugaben. Wobei das ja nur Bonus ist und ich das immer als Geschenk betrachte.

      :wink: Wolfram
    • Wolfram schrieb:

      Im Ernst, ob das nun dem konzentrierten Zuhören des Publikums dient - ich habe da so meine Zweifel. Ich persönlich möchte das so eigentlich nicht erleben, nerven mich doch schon nicht angekündigte Zugaben.
      Da ich im Auto zurzeit keinen CD-Spieler habe, höre ich viel Radio. Ich finde es ganz spannend, "mittenrein" zu kommen, zu hören, zu überlegen, was es sein könnte, und bei einem mir unbekannten Stück darauf zu hören, was eigentlich gerade passiert.

      Eigentlich mal ganz schön, Musik ohne eine vorher geöffnete Schublade ("Brahms", "Mozart", "Stockhausen", ...) zu hören.

      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Aus meiner Sicht habt Ihr beide Recht, Wolfram und Mauerblümchen, denn die Voraussetzungen für Eure Sichtweisen sind nun nicht die gleichen. Mitten ins Stück zu kommen per Zufallsradio macht mir oft Spaß. Aber im Konzert ist die Situation eine gänzlich andere - mit eben den (vielleicht überzeichneten) Folgen, die oben angedeutet wurden. Etwas plump und etwas reduziert: Für das Live-Konzert habe ich gut bezahlt.

      Und die Begründung, die Yuja Wang gibt, ist mir zu esoterisch. Die Motivation des Musikhörens dürfte denn schon in der Mitte liegen zwischen Erwartungshaltung und Überraschenlassen, zwischen Analysebedürfnis vom ersten Ton an und einer Art naiver, also vorbewusster Ganzheitlichkeit. (Ich will jetzt nicht gleich mit der Schiller'schen Dichotomie des Naiven und des Sentimentalischen kommen, aber in diese Richtung denke ich.)

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Eigentlich mal ganz schön, Musik ohne eine vorher geöffnete Schublade ("Brahms", "Mozart", "Stockhausen", ...) zu hören.
      Im Konzert könnte ich mir folgendes Szenario vorstellen. Der Brahmsliebhaber äußert sich gegenüber seinen Sitznachbarn abfällig über das gerade gespielte Stück: "Chopin konnte ich ja noch nie ausstehen. Furchtbares Stück. Da lob ich mir doch meinen Brahms." Dann verkündet Frau Wang, dass sie soeben ein Stück von Brahms gespielt hat. Der Brahmsliebhaber erstickt fast an einem plötzlichen, heftigen Hustenanfall... :D

      maticus
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      Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten