Paul Hindemiths zweimalige Vertreibung aus dem deutschen Musikleben

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    • music lover schrieb:

      Und diese allgemeine Frage dürfte in den vorliegenden Thread gut passen.
      Gern einverstanden. Und Dank Dir für den Hinweis auf den Hindemith-Orchesterwerke-Thread! Werde mal sehen, was ich dort Lesenswertes finde.

      :)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Viel Lesenswertes steht dort :D

      Hindemith hat ja nun weder die Süffigkeit spätromantischer Komponisten noch daa ungezügelte Abenteurertum wirklich damalig radikaler Avantgardisten. So gesehen mag er schon ein bißchen zwischen die Stühle der Hörerwartungen geraten sein.

      Aber erklärt das alles? Dies gilt ja für Viele. Und er war wohl in den 50ern noch ein sehr viel gespielter Komponist, und dann gab es irgendwann einen Bruch, und er verscheand vollkommen aus den Programmen. Seltsam!

      Nach dem wenigen, was ich heute von ihm kennenlernen konnte, ist das aus der Musik allein nicht recht erklärbar - ebensowenig wie die ausbleibende Wiederentdeckung heutzutage.

      Ich habe mir zu den CDs mal die alte Rowohltmonographie mitbestellt. Da jetzt Urlaub ist habe ich auch die Zeit für viel Hindemith... (ich mußte ja auch erst 57 werden für ein Kennenlernen: sein Ruf bei mir, ohne ihn zu kennen, keine Ahnung woher er kam, aber irgendwoher kommt sowas ja, der war: trocken, akademisch, nur für Spezialisten... Das scheint wohl sein Image zu sein, und es scheint mir falsch nach dem bislang gehörten).


      :)
      "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
      (Shunryu Suzuki)
    • 2016 ist ein Buch über den "Fall Hindemith" erschienen:

      Kennt es jemand?
      Eine Leseprobe findet sich hier:
      wolke-verlag.de/wp-content/upl…tz-Der-Fall-Hindemith.pdf

      Über die Hindemith-Rezeption Adornos gibt es sogar auch ein Buch:


      garcia schrieb:

      Ich habe mir zu den CDs mal die alte Rowohltmonographie mitbestellt. Da jetzt Urlaub ist habe ich auch die Zeit für viel Hindemith..
      Viel Lesespaß und schönen Urlaub! :cincinbier:
    • Klemp und Hindemith.
      Klemperer hat in den 20iger und frühen Dreißiger bis er verjagt wurde, viel Hindemith aufgeführt: So Cardillac von 1926 bis Konzert Musik für Blechbläser und Streicher 1932
      In New York dann 1934 Mathis der Maler und zum Schluss 1941 Nobilissima Visione ebenfalls in New York.
      Das letztere Werk blieb auch nach WK II in seinem Repertoire.
      Die Herren kannten sich übrigens gut.

      Gar nicht verknusen konnte Klemp allerdings, das Hindemith sich als Dirigent versuchte.
      So (Anekdote) wurde Klemp gefragt, ob er Beethoven 9 dirigieren könnte. Er hatte aber andere Termine, wollte aber wieder engagiert werden. Er schlug Hindemith vor
      Dessen Konzert war ein Desaster. Klemp wurde also wieder eingeladen.
      Gruß aus Kiel
      Was soll ich mit einem Oldtimer? Ich kauf mir doch auch keinen Schwarz-Weiß-Fernseher. (Jeremy Clarkson)
    • Doc Stänker schrieb:

      Gar nicht verknusen konnte Klemp allerdings, das Hindemith sich als Dirigent versuchte.
      Hindemith hatte als Dirigent das große Verdienst, als einer der ersten das Spielen auf historischen Instrumenten praktiziert zu haben. Legendär ist seine Aufführung von Monteverdis "Orfeo" am 3. Juni 1954 in Wien mit Mitgliedern der Wiener Symphoniker, die er auf historischen Instrumenten spielen ließ. Und wer saß bei dieser Aufführung als Cellist im Orchester? Nikolaus Harnoncourt. Jener wird dahingehend zitiert, dass diese Aufführung unter Hindemiths Leitung bei ihm "die Wirkung eines Blitzschlages" hatte.

      Hier der Mitschnitt dieser Aufführung

      und hier eine Rezension der CD:
      nmz.de/online/monteverdis-geis…ffuehrung-von-1954-auf-cd
    • garcia schrieb:

      Viel Lesenswertes steht dort :D

      Hindemith hat ja nun weder die Süffigkeit spätromantischer Komponisten noch daa ungezügelte Abenteurertum wirklich damalig radikaler Avantgardisten. So gesehen mag er schon ein bißchen zwischen die Stühle der Hörerwartungen geraten sein.

      Aber erklärt das alles? Dies gilt ja für Viele. Und er war wohl in den 50ern noch ein sehr viel gespielter Komponist, und dann gab es irgendwann einen Bruch, und er verscheand vollkommen aus den Programmen. Seltsam!
      Gilt das nicht auch für neoklassizistischen Strawinsky? Ich schaue ja nicht so viel in Programme, aber ich hatte den Eindruck.
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
      playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)