Angepinnt Verfolgt, vertrieben, ermordet - Opfer des Nationalsozialismus - Literatur

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    • Verfolgt, vertrieben, ermordet - Opfer des Nationalsozialismus - Literatur

      Celan, Paul (Paul Antschel, 23. November 1920 – 20.(?) April 1970, Selbstmord) – Dichter und Übersetzer



      Geboren und aufgewachsen in Czernowitz – eine „Gegend, in der Menschen und Bücher lebten.“ – besuchte Celan eine deutsche Volksschule, wechselte in eine hebräische und ging dann auf ein Gymnasium mit Rumänisch als Unterrichtssprache. Früh zeigte sich ein Talent für Sprache(n) und nachdem er 1938 sein Abitur machte, ging er zuerst nach Frankreich, studierte Medizin um 1939 zurückzukehren und Romanistik und Russisch an der Universität Czernowitz zu studieren. 1940 zieht die rote Armee ein, 1941 erst die Truppen Rumäniens, danach die SS. In weniger als zwei Monaten werden über 3000 Juden ermordet, Celan wird mit seiner Familie in das neu errichtete Ghetto deportiert und muß Zwangsarbeit verrichten. 1942 werden seine Eltern in das Lager Michailowka gebracht, wo Ende des Jahres zuerst der Vater stirbt (ob an Typhus oder eine Kugel der Nazis ist unklar), kurz darauf die Mutter durch einen Genickschuß getötet wird. 1943 kann Celan aus einem Lager in Moldavien fliehen, er kehrt in die – von der roten Armee „befreite“ - Bukowina zurück und beginnt ein Anglistik-Studium. 1945 Umzug nach Bukarest wo er als Verlagslektor arbeitet. 1947 flüchtet Celan vor dem „Sozialismus“ nach Wien wo er sich als „Displaced Person“ bis Sommer 1948 aufhalten wird. Freundschaften mit M. Dor, R. Federmann, K. Demus und anderen. Liebesbeziehung zu I. Bachmann. Im Juli Abreise nach Paris, Studium der Germanistik und Sprachwissenschaften. Im Herbst erscheint sein erster Gedichtband in Wien – Celan lässt ihn aufgrund sinnverstellender Druckfehler vernichten. Arbeit als Sprachlehrer und Übersetzer, ab 1950 Dozent an der Ècole Normale Supérieure. 1952 Hochzeit mit der Graphikerin Gisèle Lestrange. In rascher Folge erscheinen die Bände „Mohn und Gedächtnis“ (1952), „Von Schwelle zu Schwelle“(1955), „Sprachgitter“(1959). 1953 Geburt und Tod des Sohnes François und Plagiatsanschuldigungen durch Claire, Witwe von Yvan, Goll. In den folgenden Jahren immer wieder Aufnahme des Verhältnisses mit Bachmann. 1960 erhält Celan den Georg-Büchner-Preis – die Plagiatsvorwürfe werden stärker, Celans Psyche immer angegriffener, ab 1962 immer wieder Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken. Es erscheinen „Die Niemandsrose“ (1963), „Atemwende“ (1967), „Fadensonnen“ (1968 ). In den folgenden Jahren wird Celans psychische Krise – verstärkt von Meldungen aus Deutschland, wo es wieder antisemitische Ausschreitungen gibt und die haltlosen Anschuldigungen Claire Golls - immer ernster, im April 1970 geht er in die Seine und am 1. Mai wird sein Leichnam gefunden. Posthum erscheinen die Bände „Lichtzwang“ (1970), „Schneepart“ (1971) und „Zeitgehöft“ (1976). –

      „Celan hörte niemals auf, sich mit dem Drachen Vergangenheit zu konfrontieren, und am Ende verschluckte dieser ihn.“ Paul Auster
      [img]http://www.smilietown.de/smilies/teufel/teufel_054.gif[/img]


      "Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
      Joris-Karl Huysmans
    • Dr. Fritz Oliven gen. Rideamus (1874 - 1956) Librettist und Humorist

      [img]http://www.capriccio-kulturforum.de/file:///C:/DOKUME%7E1/wolfram/LOKALE%7E1/Temp/moz-screenshot.jpg[/img][img]http://www.capriccio-kulturforum.de/file:///C:/DOKUME%7E1/wolfram/LOKALE%7E1/Temp/moz-screenshot-1.jpg[/img]
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      Der in Breslau geborene und in Berlin aufgewachsene Jurist und Schriftsteller Dr. Fritz Oliven war in den Jahrzehnten nach der vorletzten Jahrhundertwende wohl der erfolgreichste deutsche humoristische Schriftsteller. Zahlreiche Gedichtbände, von denen die humoristische Familiensaga um den Dackel Willi mit Titeln wie "Willis Werdegang" die mit Abstand erfolgreichste war, sicherten ihm Millionenauflagen. Am langlebigsten erwiesen sich jedoch seine Libretti zu zahlreichen Operetten wie DIE LUSTIGEN NIBELUNGEN und HUGDIETRIOCHS BRAUTFAHRT von Oscar Straus, Eduard Künnekes DER VETTER AUS DINGSDA, Walter Kollos DREI ALTE SCHACHTELN und viele andere, mit denen er sich als würdiger Nachfolger der großen Librettisten der französischen Operette in der Tradition Jacques Offenbachs erwies. 1926 wurde Oliven zum Präsidenten des Bundes deutscher Liedermacher gewählt, und in dieser Funktion gehörte er bis 1933 dem Vorstand der GEMA an.

      Wegen seiner jüdischen Abstammung, aber auch wegen seiner gepfefferten Satiren, die er für das Kabarett "Überbrettl" schrieb, wo sie von Komponisten wie Oscar Straus und Arnold Schönberg vertont wurden, wurde er gleich 1933 aus der GEMA verjagt und seine Bücher in dem berüchtigten Fanal der Reichskristallnacht verbrannt. Sein Erfolg und seine Prominenz sicherten ihm jedoch weiterhin Aufträge, die er jedoch nur teilweise noch unter falschem Namen veröffentlichen durfte, zuletzt sein Libretto für Eduard Künnekes spätes Meisterwerk EHE IM KREISE, das in bester Offenbachscher Tradition den Amphytrion-Stoff veralberte. Deren Premiere fand jedoch erst nach seiner Flucht 1939 und natürlich ohne Erwähnung seiner Beteiligung statt. Seine Emigration führte ihn über Paris nach Porto Alegre in Brasilien, wo er 1956 starb, nachdem er 1951 noch im hohen Alter seine Erinnerungen unter dem bezeichnenden Titel "Rideamus von ihm selber - Ein heiteres Leben" veröffentlicht hatte. Die erste offizielle Biographie dieses zu Unrecht vergessenen Humoristen ist für den kommenden Herbst angekündigt.

      Links: "http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.tell-info.de/i-hentrich-92-oliven.jpg&imgrefurl=http://www.tell-info.de/vlg-hentrichhentrich.html&usg=__na0ZtgDI2GLGgzoGoTQ_mK2O7R4=&h=201&w=127&sz=8&hl=de&start=4&um=1&tbnid=k8m-j3hhPdZp8M:&tbnh=104&tbnw=66&prev=/images%3Fq%3DRideamus%2BOliven%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26sa%3DG%26um%3D1"

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      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Kramer, Theodor (1897-1958 ) österreichischer Lyriker


      Kramer wird als Sohn jüdischer Eltern in Niederösterreich geboren. Unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges macht er seine Matura. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen, an der Front schwerst verletzt und nach seiner Genesung erneut an die Front geschickt.
      Zwischen 1918 und 1919/20 besucht er Vorlesungen aus Germanistik und Geschichte an der Universität Wien, muss sein Studium aber aus finanziellen Gründen abbrechen. Er arbeitet als statistischer Beamter, in Buchhandlungen und als Verlagsvertreter. Erste Gedichtveröffentlichung in der Zeitschrift "Die Bühne" 1926. Seine literarische Karriere beginnt, er ist zwischen 1929 und 1933 einer der meistgedruckten Lyriker in deutschsprachigen Feuilletons.
      Ab 1933 erfährt er die beruflichen Beschränkungen im Dollfuß- und Schuschnigg-Staat.
      Mit dem Anschluss 1938 verliert er seine Publikationsmöglichkeiten, erhält Berufsverbot, verliert seine Wohnung. Die zunehmende Aussichtslosigkeit führt zu einem psychischen Zusammenbruch.

      Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelingt ihm auf Fürsprache von Thomas Mann, Arnold Zweig und Franz Werfel die Ausreise ins Exil nach England, wo er vom internationalen P.E.N.-Club unterstützt wird. Von 1940 - 1941 wird er als "feindlicher Ausländer" auf der Isle of Man interniert.
      1943 erscheint seine einzige Auslandspublikation "Verbannt aus Österreich". Er pflegt rege Kontakte zu emigrierten und auch britischen Schriftstellern.

      Trotz der schwierigen Lebensumstände kann er sich nicht dazu entschließen, nach Österreich zurückzukehren. 1951 wird er britischer Staatsbürger. Sein schlechter Gesundheitszustand und die zunehmende Isolation führen zu mehrenen langen Krankenhausaufenthalten.

      Schließlich kehrt Kramer 1957 nach Wien zurück und erhält finanzielle Unterstützung in Form eines Literaturförderungspreises und einer Ehrenpension des österreichischen Bundespräsidenten. Er kann diese jedoch nicht lange nützen und stirbt 1958 in Wien.

      Theodor Kramer hat zwischen 1925 und 1958 ca. 12.000 Gedichte geschrieben, ungefähr 2000 davon sind derzeit in verschiedenen Ausgaben zugänglich.
      Themen seiner Gedichte sind Kriegserlebnisse, die Natur, Außenseiter der Gesellschaft, Liebe und Sinnlichkeit, Isolation und Bedrohung. Sein Gedicht "Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan" ist eines der eindringlichsten Zeugnisse aus der Zeit der Verfolgung jüdischer Schriftsteller.
      Kramer ist heute zwar nicht vergessen, aber man wünscht seinem Werk größere Beachtung.


      Quelle: 'http://www.capriccio-kulturforum.de/www.theodorkramer.at']www.theodorkramer.at" (Homepage der Theodor Kramer Gesellschaft, die auch seit 2001 den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil vergibt)
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Frank, Leonhard (1892 - 1961) Schriftsteller


      Leonhard Frank wurde am 04.09.1892 in Würzburg geboren. Er erlernte den Beruf des Schlossers, arbeitete dann aber auch als Chauffeur, Maler oder als Hilfskraft im Krankenhaus, bevor er 1904 ein ordentliches Kunststudium in München aufnahm. Sechs Jahre später entdeckte Frank in Berlin sein erzählerisches Talent und verfasste den Roman "Die Räuberbande", der sofort mit dem "Fontane-Preis" geehrt wurde. Leonhard Frank, politisch immer links stehend und Pazifist aus Überzeugung, musste wegen seiner klar-pazifistischen Haltung zu Beginn des 1. Weltkrieges in die Schweiz fliehen. Auch in den Exiljahren wurde Frank nicht müde, gegen den Krieg anzuschreiben. Von 1918 an lebte der Schriftsteller wieder in Berlin, musste aber 1933 erneut fliehen und kam über die Schweiz, England, Frankreich und Portugal schliesslich in die USA. Überall war Frank auf der Flucht: in Frankreich wurde Frank zweimal interniert, er konnte fliehen und schlug sich wochenlang zu Fuss nach Südfrankreich durch. In Spanien floh Frank vor den dortigen Faschisten und rettete sich nach Portugal, in New York erhielt Leonhard Frank zuerst nur ein besfristetes Visum, später dann durfte er dauerhaft bleiben. 1950 kehrte Frank nach Deutschland zurück. Neben der schon genannten "Räuberbande" soll an "Die Jünger Jesu" erinnert werden, ein Art Fortsetzung des Erstlings von Frank, und an das "Ochsenfurter Männerquartett". Am 18.08.1961 verstarb Frank in München.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Feuchtwanger, Lion (1884 – 1958 ) Schriftsteller



      Der am 07.07.1884 in München geborene Lion Feuchtwanger entdeckte schon früh seine Leidenschaft für das Schreiben. Nach dem Abitur in München begann Feuchtwanger ein Studium der Fächer Philosophie, Geschichte und Philologie, zuerst in München, später dann in Berlin. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gelang Feuchtwanger der Durchbruch als Schriftsteller. Innerhalb kurzer Zeit erschienen Werke wie die „Hässliche Herzogin Margarete Maultasch“, der „Jud Süß“ oder der erste Teil der„Wartesaal“-Trilogie, „Erfolg“, in der u. a. Bert Brecht, mit dem Feuchtwanger zeitlebens befreundet bleiben sollte, ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt wurde. Feuchtwanger, ein intellektueller Linker, warnte früh vor den Nazis und kehrte 1933 nach einer Vortragsreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Erste Station seines Exils wurde Südfrankreich, nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen gelang Feuchtwanger nach kurzer Internierung über Spanien und Portugal die Flucht in die USA. Da Feuchtwanger in den 30er Jahren eine sehr stalinfreundliche Haltung eingenommen hatte – er besuchte auch merhmals Sowjetrussland – wurde er in Amerika mitunter misstrauisch beäugt. In der McCarthy-Ära, Feuchtwanger galt als „Kommunist“, wurde dem Schriftsteller die amerikanische Staatsbürgerschaft verweigert, was dazu führte, dass Feuchtwanger Amerika nicht mehr verliess. Er starb am 21.12.1958 in Los Angeles.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Stefan Zweig (1881 - 1942) Schriftsteller


      Der Wiener Stefan Zweig, Sohn eines Textilindustriellen, gehört fraglos zu den führenden Literaten des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Schon als junger Mann freundete er sich mit Hugo von Hofmannsthal an, unter dessen Einfluss er zunächst Gedichte und später Novellen (z. B. BRIEF EINER UNBEKANNTEN, 1922) sowie Theaterstücke schrieb. Seine Gedichte fanden einen glühenden Anhänger in Max Reger, der viele von ihnen vertonte. Zu wahrer Prominenz und großem Erfolg gelangte er aber vor allem mit seinen historischen Romanen und der Sammlung historischer Vignetten, STERNSTUNDEN DER MENSCHHEIT von 1927. Die Schrecken des Ersten Weltkriegs ließen Zweig zu einem überzeugten Pazifisten werden, der sich als Weltbürger verstand und vehement für die Völkerverständigung allgemein und den europäischen Gedanken im Besonderen eintrat. Damit stand der Jude Zweig diametral allem entgegen, was die verbrecherische Ideologie der Nazis ausmachte, und so mussten auf Geheiß von Göbbels persönlich schon bald nach deren Machtantritt alle Schriften Zweigs aus den deutschen Buchhandlungen entfernt werden. 1936, Zweig lebte damals schon im Londoner Exil, wurden seine Werke endgültig verboten. Dennoch gelang es ihm dank der Protektion von Richard Strauss, für diesen sein Opernlibretto DIE SCHWEIGSAME FRAU zu verfassen - eines seiner ganz wenigen Werke, die völlig frei von dem sonst für Zweig typischen Einschlag von Melancholie sind. Als die Oper aufgeführt wurde, durfte Zweigs Name jedoch schon nicht mehr genannt werden, und alle vehementen Proteste von Strauss und anderen halfen nichts.

      Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nahm Zweig die englische Staatsbürgerschaft an. Er wollte jedoch so weit wie möglich von den Schrecken des neuen Krieges entfernt sein und emigrierte über New York nach Brasilien, wo er 1942 sein bekanntestes Buch, die SCHACHNOVELLE, veröffentlichte, in dem er u. a. die Schrecken des totalitären Regimes der Nazis am Beispiel eines Isolationshäftlings schilderte. Aus Verzweiflung über den nicht enden wollenden Terror der Nazis suchte er am 22. Februar 1942 in Petropolis nahe Rio de Janeiro zusammen mit seiner zweiten Frau den Freitod.

      Link: "http://www.stefanzweig.de/Indexhome.htm"

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      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Hoddis, Jakob van (1887 - 1942) Dichter

      Jakob van Hoddis wird als Hans Davidsohn am 16. 05. 1887 in Berlin geboren. Nach Schulbesuch und Abitur in Berlin beginnt er zunächst ein Architekturstudium, bricht dies aber ab, um von 1907 an in Jena Klassische Philologie und später in Berlin Altphilologie zu studieren.
      1909 stirbt sein Vater, danach nimmt er den Namen Jakob van Hoddis als Pseudonym an. Mit Kurt Hiller und anderen gründet er in Berlin einen Debattierklub und ist befreundet mit Georg Heym, dessen früher Tod 1912 ihn sehr erschüttert.
      1912 geht Jakob van Hoddis nach München. Hier zeigt sich schon bald seine beginnende Psychose. Ab 1915 ist er dauernd in ärztlicher Behandlung und braucht Pflege.
      Jakob van Hoddis veröffentlicht seine Lyrik vor allem in linken Zeitschriften wie z.B in Pfemferts “Die Aktion”. Kurt Pinthus läßt 1920 seine berühmte Expressionismusanthologie “Menschheitsdämmerung” mit dem wohl bekanntesten Gedicht von Jakob van Hoddis “Weltende” beginnen.
      Ab 1922 ist er in Tübingen in Pflege; 1926 wird er entmündigt und 1927 nach einem Streit mit Nachbarn in die Uniklinik Tübingen eingewiesen. 1927 wird er nach Göppingen verlegt, wo er die nächsten 6 Jahre lebt.
      1933 emigriert die Mutter mit zwei Schwestern nach Palästina, wo schon sein Bruder Ernst sei 1918 lebt.
      Im Herbst 1933 wird Jakob van Hoddis in die Jakobysche (später: Israelitische) Heil- und Pflegeanstalt in (Bendorf-)Sayn verlegt. Augenzeugen berichten von ihm als einem sanften Mann, der gern im Garten ist und mit den Käfern spricht. Von 1940 an werden in dieses Pflegeheim alle jüdischen Nerven- bzw. psychisch Kranken eingeliefert, viele Alte und Gebrechliche auch unter Vorwänden. Das Fachpersonal hingegen wird größtenteils entlassen. Da nur Juden angestellt werden dürfen, arbeiten einige ungelernte jüdische Angestellte aus der Umgebung in der Klinik. Für ca. 170 Kranke ausgelegt, beherbergt sie schließlich mehr als 850 Menschen, Kranke und Personal.
      Nach und nach werden Kranke und Personal deportiert. Zeitzeugen berichten, wie die Menschen in Güterwagen verladen werden, wie sie verschlossen und verplombt abfahren. Es gibt viele Zeitzeugenberichte, die Verladungen dauerten vom frühen Morgen bis in den Nachmittag, mitten im Dorf.
      Am 30. 04. 1942 schließlich wird auch Jakob van Hoddis mit der letzten Gruppe abtransportiert, wahrscheinlich zum KZ Sobibor. Danach verliert sich seine Spur.

      "http://www.exil-archiv.de/hmtl/biografien/hoddis.htm"
    • Beradt, Martin (1881 - 1946). Schriftsteller, Jurist

      Martin Beradt wird 1881 in Magdeburg geboren. In Berlin, München und Heidelberg studiert er Rechtswissenschaften und promoviert in Freiburg. Während des Studiums veröffentlicht er erste Essays und Erzählungen in literarischen Zeitschriften, 1911 läßt er sich als Rechtsanwalt nieder.
      Den 1. Weltkrieg erlebt er kurz aber intensiv an der Westfront, wird aber wegen eines Augenleidens nach ein paar Monaten ausgemustert. Seine Erfahrungen verarbeitet er in der Erzählung “Erdarbeiter. Aufzeichnungen eines Schanzsoldaten”. Nach dem Krieg wendet er sich verstärkt seinem Beruf als Rechtsanwalt zu. Er wird Mitgründer und Syndikus des “Schutzverbandes deutscher Schriftsteller”.
      Als Jude wird Martin Beradt 1933 aus der Rechtsanwaltkammer ausgeschlossen. 1938 heiratet er die Jounalistin Charlotte Beradt mit der er 1939 über London nach New York emigriert. Seine Werke sind in der NS-Zeit verboten. Weder als Schriftsteller noch als Jurist kann er in der Emigration arbeiten, die Sprache ist fremd und auch das Rechtssystem. Dazu ist er fast völlig blind. Seine Frau Charlotte verdient den Lebensunterhalt für das mittellose Paar als Friseurin in dem puertoricanischen Viertel von New York, in dem sie leben.
      Martin Beradt ist 1949 in New York gestorben.

      (Charlotte Beradt. s. Film u. AV-Medien, Verboten …)



    • Vorgestern geschenkt bekommen, weiss ich nciht genau, ob dieses Buch in diesem Thread seinen letzten Platz finden soll- evtl kann der Beitrag verschoben werden.

      Ein Buch, das eindrucksvoll zeigt, dass die menschenverachtende Rechnung der Bücherverbrenner in vielen Fällen auch bis heute aufgegangen ist und die Flammen den Namen ihrer Autoren aus dem Gedächntnis gebrannt haben.

      Der überwiegende Teil der hier genannten und in verdienstvoller Recherchierarbeit vorgestellten Autoren ist heute vergessen.

      Noch eine Bemerkung zu den bereits vorgetellten Autoren: Stefan zweig habe ich als sehr junge Frau geradezu verschlungen und mich daran ein bisschen übersättigt-
      Rideamus' Beitrag macht mir Lust, wieder einmal eine seiner psychologisch feinsinnigen Novellen zu lesen.


      Die überragende Erzähl-Kunst von Lion Feuchtwanger ist mir im Sommer noch einmal (oder eigentlich dann erst) richtig bewusst geworden: die Romane "Erfolg" und "Die Geschwister Oppermann" gibt es auch als Hörbücher.
      Ein nachhaltig prägendes Hörerlebnis, das neben der Bewunderung auch mit Grausen angesichts der Hell- und Weitsichtigkeit des Autors erfüllte.
      Unbedingte Lese/Hörempfehlung!

      F.Q.
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Kolmar, Gertrud (1894 - seit März 1943 verschollen). Dichterin

      Gertrud Chodziesner wird am 10. 12. 1894 in Berlin geboren. Sie nennt sich später Kolmar nach dem deutschen Namen der polnischen Stadt Chodziez, aus der die jüdischen Vorfahren ihres Vaters stammten.
      Gertrud Kolmar lernt Sprachen, zunächst Russisch, später macht sie eine Ausbildung am Sprachlehrerinnenseminar in Englisch und Französisch. In den 20er Jahren arbeitet sie als Erzieherin in Berlin und Hamburg. Von 1928 bis zum Tod 1930 pflegt sie ihre Mutter und arbeitet als Sekretärin in der Rechtsanwaltskanzlei ihres Vaters, den sie auch nach 1933 nicht verlassen will.
      1917 erscheint ihr erster Gedichtband. Sie scheint keine Beziehungen zu zeitgenössischen literarischen Kreisen zu haben. Ende der 20er Jahre erscheinen hin und wieder Gedichte von ihr in literarischen Zeitschriften oder Anthologien.
      V. O. Stomps veröffentlicht in seinem Verlag “Die Rabenpresse” 1934 ihren 2. Gedichtband “Preußische Wappen”. Der Verlag kommt danach auf die Liste der unerwünschten Verlage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels und wird von den Buchhändlern boykottiert. Der nächste Band, im August 1938 in einem jüdischen Verlag erschienen, wird nach dem Novemberpogrom 1938 eingestampft.
      Ab 1941 muss Gertrud Kolmar Zwangsarbeit in Fabriken der Rüstungsindustrie leisten. 1942 wird ihr Vater nach Theresienstadt deportiert und stirbt dort im Sept. 1943.
      Gertrud Kolmar schreibt in einem letzten Brief an ihre Schwester Hilde in der Schweiz: “So will auch ich unter mein Schicksal treten, mag es hoch wie ein Turm, mag es schwarz und lastend wie eine Wolke sein … “.
      Gertrud Kolmar wird am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.


      An den Beginn der Gedichtsammlung “Tag- und Tierträume” von Gertud Kolmar (Sonderreihe dtv, München 1963) hat der Herausgeber Friedhelm Kemp folgendes Gedicht gestellt:

      Die Dichterin

      Du hältst mich in den Händen ganz und gar.

      Mein Herz wie eines kleinen Vogels schlägt
      In deiner Faust. Der du dies liest, gib acht;
      Denn sieh, du blätterst einen Menschen um,
      Doch ist es dir aus Pappe nur gemacht.

      Aus Druckpapier und Leim, so bleibt es stumm
      Und trifft dich nicht mit seinem großen Blick
      Der aus den schwarzen Zeichen suchend schaut,
      Und ist ein Ding und hat ein Dinggeschick.
      ….

      So steh ich, weisend, was mir widerfuhr;
      Denn harte Lauge hat es wohl gebleicht,
      Doch keine hat es gänzlich ausgespült.
      So ruf ich dich. Mein Ruf ist dünn und leicht.

      Du hörst, was spricht. Vernimmst du auch, was fühlt?


      "http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/nachkriegsdeutschland/"
      gedenkkulturen-nach-1945/642.html
    • Keun, Irmgard (1905 - 1982). Schriftstellerin

      Irmgard Keun wird 1905 in Berlin geboren. Ihre Kindheit erlebt sie in Berlin und Köln. Nach einer kurzen Karriere als Schauspielerin, wird sie durch ihren Roman “Gilgi, eine von uns” bekannt. Fast ebenso erfolgreich und bis heute im Programm von Verlagen ist “Das kunstseidene Mädchen” (Claassen 2005). Die Romane handeln von jungen Frauen, die wünschen, ihre kleinbürgerlichen Verhältnisse verlassen zu können und unabhängig sein wollen.
      1933 werden die Bücher von Irmgard Keun beschlagnahmt und verboten. Tollkühn verklagt sie deswegen die NS-Regierung, um das durch das Verbot ihrer Bücher entgangene Geld zu erhalten. Ihr Antrag auf Aufnahme in die Reichschrifttumskammer wird 1936 endgültig abgelehnt.
      1936 geht sie ins Exil nach Belgien. Ihr Ehemann, Johannes Tralow, bleibt in Deutschland, ihr Geliebter, der jüdische Arzt Arnold Strauss, ist im Exil in den USA. Mit Joseph Roth reist sie durch Europa, ständigem Druck durch Geldmangel und Visabeschaffung ausgesetzt.
      Nach der Trennung von Roth und einem Besuch bei Strauss in den USA strandet sie ohne Geld und Pass 1940 in Amsterdam. Ein SS-Offizier besorgt ihr einen falschen Pass, mit dem sie wieder nach Deutschland einreist und dort illegal das Ende des Krieges abwartet.
      Nach dem Krieg kann Irmgard Keun nicht wieder Fuß fassen. Wegen ihrer Alkoholprobleme muss sie in klinische Behandlung, zuletzt für 6 Jahre von 1966 - 1972. In den späten 70er Jahren wird sie wiederentdeckt. 1981 erhält sie den ersten Marie Luise Fleißer Preis der Stadt Ingolstadt.
      Im Mai 1982 stirbt Irmgard Keun in Köln.
      Als in Köln 2003 zum ersten Mal die jährliche Literaturwoche “ein Buch für Köln” stattfindet, wird sie Irmgard Keuns “Das kunstseidene Mädchen” gewidmet.

      'http;//www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/irmgard-keun%3Cbr%3E']http;//www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/irmgard-keun"
    • Kraft, Werner (1896 - 1991). Schriftsteller, Bibliothekar

      Werner Kraft wird 1896 in Braunschweig geboren. Er wächst in Hannover auf, macht das Abitur an der Leibniz-Schule und beginnt ein Studium in Berlin. Dort lernt er viele zeitgenössische Intellektuelle kennen, so auch Walter Benjamin und Gershom Scholem. Den 1. Weltkrieg verbringt er als Sanitätssoldat in einem Klinikum. Ab 1919 studiert er wieder, in Hamburg und Freiburg i.B. belegt er Germanistik, Romanistik und Philosophie. 1920 beginnt er eine bibliothekarische Ausbildung, von 1922 - 1926 ist er an der Deutschen Bücherei Leipzig. 1925 promoviert er und ab 1928 ist er Bibliotheksrat bei der ehemaligen Kgl. Provinzialbibliothek, heute Gottfried Wilhelm Leibniz (Landes-)Bibliothek in Hannover.
      Als Jude wird er 1933 entlassen. Er emigriert nach Jerusalem, wo er bis zu seinem Tod als Schriftsteller, Essayist und Lyriker in deutscher Sprache schreibt. Er bleibt in Palästina, wird israelischer Staatsbürger und obwohl er sich für die israelische Politik und Gesellschaft interessiert, ist er doch der deutschen Sprache und Kulturtradition verbunden. Besonders Goethe hat ihn ein Leben lang beschäftigt; aber auch zeitgenössischen Autoren wie Rudolf Borchardt, Stefan George, Hugo von Hofmannsthal und Franz Kafka gilt sein Interesse.
      Kraft ist seit seiner Jugend ein nimmermüder Briefeschreiber, er korrespondiert mit Schriftstellern in aller Welt. Lebenslang verbunden bleibt er dem Lyriker Wilhelm Lehmann. Zu dessen 80. Geburtstag widmet er ihm 1954 eine Anthologie deutscher Prosa und Poesie. Im Vorwort schreibt er zu einem Gedicht: “Es öffnet sich. Die Trauer weicht dem Glück des Wiederfindens.” (Wiederfinden. Dt. Poesie und Prosa. 2. Erw. Aufl. Heidelberg 1962.)
      Eine Stelle an der Niedersächsischen Landesbibliothek, die ihm 1946 angeboten wird, lehnt er ab. Er schreibt für viele literarische und Kulturzeitschriften. Nach 1966 erfährt er manche Ehrung und erhält einige Literaturpreise.
      Die Niedersächsische Landesbibliothek Hannover hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Werk zu erschließen und im Internet zugänglich zu machen.
      Werner Kraft stirbt 1991 in Jerusalem.

      "http://www.nlb-hannover.de/niedersachsen/NIS/Werner_Kraft/wkraft.html"
      "http://www.exil-archiv.de/hmtl/biografien/kraft.htm"
    • Rübner, Tuvia (1924). Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Übersetzer

      Tuvia Rübner wird 1924 in Bratislava geboren. Er wächst in einer jüdischen, deutschsprachigen Familie auf; slowakisch bringt er sich selbst bei.
      Nachdem seine Schwester und die Eltern nach Polen deportiert werden, kann er im letzten Moment mit einer Gruppe Jugendlicher nach Palästina auswandern. Alle seine Angehörigen werden vermutlich in Auschwitz ermordet.
      Rübner arbeitet in Palästina als Landarbeiter in einem Kibbuz. Bei einem Busunfall stirbt seine Frau, er überlebt schwer verletzt. Danach kann er keine körperlichen Tätigkeiten mehr leisten, er arbeitet als Bibliothekar, Literaturlehrer an Schulen, später wird er ohne akademische Ausbildung Universitätsprofessor, von 1962 bis zur Emeritierung als Professor für vgl. Literaturwissenschaft in Haifa.
      Nach seiner Ankunft in Palästina beginnt Tuvia Rübner Gedichte zu schreiben, bis 1950 in deutsch. Seit 1953 schreibt er in Hebräisch. Eine Auswahl dieser Gedichte haben Christoph Meckel und Efrat Gal-Ed ins Deutsche übersetzt: “Wüstenginster.” (1990.) Rübner arbeitet auch als Übersetzer für Deutsch und Hebräisch. Seit einigen Jahren schreibt er auch wieder Gedichte in deutscher Sprache.
      Tuvia Rübner lebt im Kibbuz Merchawia bei Afula in Israel.

      "http://www.exil-archiv.de/html/biografien/ruebner.htm"
      Hier auch eine autobiographische Skizze und Gedichte.
    • Kaleko, Mascha (1907 - 1975). Schriftstellerin

      Mascha Kaleko wird 1907 in Chrzanow (Galizien, Österreich-Ungarn), als Golda Malka Aufen geboren. Sie ist das erste Kind der mährischen Jüdin Rozalia Chaja Reizel Aufen und des russischen Juden Fischel Engel. Um den Pogromen zu entgehen, flieht die Familie bei Beginn des 1. Weltkriegs 1914 nach Deutschland. Hier wird der Vater als russischer Staatsbürger bis zum Ende des Krieges interniert.
      In Frankfurt a.M. besucht Mascha Kaleko die Volksschule.1916 zieht die Famile nach Marburg, 1918 nach Berlin ins Scheunenviertel. 1922 heiraten die Eltern; der Vater adoptiert die Kinder, der Familienname ist nun Engel.
      Als Golda Malka Engel arbeitet sie ab 1925 im Büro des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen Deutschlands in Berlin als Lehrling. In Abendkursen studiert sie Philosophie und Psychologie.

      1929 erscheinen ihre Gedichte erstmals im “Querschnitt”, darunter auch zwei, die sie für Claire Waldorff schreibt. Ende der 20er Jahre hat sie Kontakt zur künstlerischen Avantgarde im Romanischen Café in Berlin. Ihre Gedichte und Texte werden in vielen Zeitungen veröffentlicht. Sie tritt im Rundfunk und im Kabarett auf. Mit ihren ironischen und melancholischen Texten trifft sie einen Nerv der Zeit, ihre Gedichte werden vertont und gesungen, sie hat Erfolg.

      1931 heiratet sie den Hebräisch-Lehrer Saul Aaron Kaleko. 1933/34 besucht sie die Reimann-Schule in Berlin, Klasse Publicity- und Werbungs-Schreiben.
      1933 erscheint ihr “Lyrisches Stenogrammheft” bei Rowohlt, 1935 die 2. Aufl. Offenbar ist den Machthabern bis dahin entgangen, dass Mascha Kaleko Jüdin ist. Sie wird nun aus der Reichsschriftumskammer ausgeschlossen und Rowohlt angewiesen, den Vertrieb ihrer Bücher sofort einzustellen. 1937 erscheint ihr Name auf den Listen der verbotenen Bücher.
      1936 wird ihr Sohn Evjatar Alexander Michael geboren. Vater ist der jüdische Musiker Chemjo Vinaver. Die Ehe mit Saul Kaleko wird 1938 geschieden, im gleichen Jahr heiratet sie Vinaver. Den Namen Kaleko behält sie als Künstlernamen bei.
      Noch 1938 emigriert Mascha Kaleko mit Mann und Kind in die USA. Vinaver hat einige Engagements als Musiker, doch der Erfolg bleibt aus. So arbeitet er vor allem an einer Anthologie jüdischer Musik. Sie ernährt nun die Familie durch Schreiben von Reklametexten. 1944 erhält die Familie die amerikanische Staatsbürgerschaft.

      Mascha Kaleko schreibt ihre Gedichte in Deutsch, noch 1939 veröffentlicht sie Texte in der Exilzeitschrift “Der Aufbau”, schreibt für Emigranten. Sie leidet sehr unter dem Verlust der Sprache und dem Gefühl der Heimatlosigkeit, das sich in den 1945 noch den den USA veröffentlichten Gedichten zeigt.
      Nach dem Krieg findet sie wieder ein Publikum in Deutschland, das “Lyrische Stenogrammheft” wird 1956 von Rowohlt wieder verlegt und sie kommt für eine Lesereise zum ersten Mal zurück nach Deutschland; der langfristige Erfolg jedoch bleibt aus.
      1960 soll sie mit dem Fontanepreis ausgezeichnet werden. Sie lehnt den Preis ab, da zu der Jury das ehemalige SS- und NSDAP-Mitglied Hans Egon Holthusen gehört.
      1960 wandert sie mit ihrem Mann nach Jerusalem aus. Vinaver hat dort die Möglichkeit einen Rundfunkchor und den neuen Jerusalem-Chor aufzubauen. Doch die Projekte zerschlagen sich. Mascha Kaleko leidet sehr unter ihrer sprachlichen und kulturellen Isolation in Israel.
      1968 stirbt plötzlich ihr Sohn in New York, 1973 ihr Mann. Danach, in ihrem letzten Lebensjahr, findet sie noch einmal die Kraft zum Schreiben.
      Mascha Kaleko stirbt 1975 in Zürich.

      Man braucht nur eine Insel
      Allein im weiten Meer.
      Man braucht nur einen Menschen,
      den aber braucht man sehr

      Podcast:"http://www.literaturcafe.de/kaleko/"

      "http://www.kaleko.ch/index.php?option=com_frontpage&trmid=1"

      "http://www.berlin-judentum.de/frauen/kaleko-1.htm"
    • Amery, Jean (1912 - 1978). Schriftsteller

      Jean Amery, d. i. Hans Chaim Mayer, wird 1912 als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter in Wien geboren. Das Pseudonym Jean Amery nimmt er um 1955 an.
      Nach dem Tod des Vaters, der als Soldat im ersten Weltkrieg fällt, zieht die Mutter mit dem Kind ins Salzkammergut. Jean Amery wird katholisch erzogen; später sagt er einmal, dass erst die Nazis ihn zum Juden gemacht haben.
      Nach Abschluss einer Buchhändlerlehre in Wien studiert er Philosophie und Literatur; danach nimmt er eine Stelle als Dozent an der Volkshochschule in Wien an. Anfang der 30er Jahre beginnt er mit zunächst noch unveröffentlichten literarischen Versuchen und ist ab 1934 Mitherausgeber einer literarischen Zeitschrift.
      1938 flieht Jean Amery vor den Nationalsozialisten nach Belgien. Als “feindlicher Ausländer” wird er 1940 festgenommen und ins Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. 1941 gelingt im die Flucht von Gurs nach Belgien;
      dort schließt er sich örtlichen Widerstandsgruppen an. Im Juli 1943 wird er verhaftet und ins Hauptquartier der Gestapo in Brüssel gebracht, noch am selben Tag wird er nach Fort Breedonk verlegt. Hier wird er schwer gefoltert. Erst hier erfährt die Gestapo, dass Jean Amery Jude ist. Er wird nach zunächst nach Auschwitz, später dann Buchenwald und Bergen-Belsen deportiert.
      Als britische Soldaten Jean Amery 1945 befreien, ist er einer der 615 Überlebenden von mehr als 25 000 aus Belgien deportierten Juden.
      Jean Amery geht nach Belgien zurück und lebt dort als Kulturjournalist für deutsprachige Schweizer Zeitungen. Zeitweise verweigert er eine Publikation seiner Texte in Deutschland. Er schreibt Buchbesprechungen, Glossen und veröffentlicht Bücher.
      Erst als der Auschwitz-Prozess 1963 in Frankfurt a. M. beginnt, fängt Jean Amery an, über die erlittene Folter und seine Lagererfahrungen zu schreiben: “Auschwitz ist für uns, seine einstigen Insassen, keine Vergangenheit. Es ist unsere Gegenwart, vielleicht sogar unsere Zukunft.” Und “Wer der Folter erlag, kann nicht mehr heimisch werden in der Welt…”
      Die Grenzsituationen des Lebens sind sein Thema: “Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten,” 1963. “Weiterleben - aber wie? Essays 1968 -78,” posth. ersch. 1982. Und vor allem: “Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod”, 1976.
      1970 erhält er den Deutschen Kritikerpreis, 1977 den Preis der Stadt Wien für Publizistik.
      Am 17. Oktober 1978 wird Jean Amery in einem Salzburger Hotelzimmer tot aufgefunden. Vergiftung durch eine Überdosis Schlafmittel wird als Todesursache angegeben.
      Auf dem Wiener Zentralfriedhof erhält er ein Ehrengrab (Gruppe 40, Nummer 132).
      Jean Amerys Witwe Maria Amery stiftet 1982 den Jean Amery-Preis für Essayistik, der bis 1991 viermal verliehen wird. 1999 erneuert Robert Menasse diese Stiftung; er verwendet das Geld des ihm zuerkannten “Österreichischen Staatspreis” als Grundstock für dies “Auszeichnung auf dem Gebiet des zeitkritischen Essayistik".
    • Herrmann-Neiße, Max (1886 - 1941). Schriftsteller

      Max Herrmann-Neiße, d. i. Max Hermann, wird 1886 in Neiße/Schlesien geboren. Er ist von Kindheit an behindert, leidet an Zwergwuchs und Verwachsung.
      Schon im Gymnasium schreibt es erste Gedichte und Theaterstücke.
      Von 1905 - 1909 studiert er in München und Breslau Literatur- und Kunstgeschichte. Er interessiert sich sehr für Variete und Kaberett, will als freier Schriftsteller leben. 1909 geht er nach Neiße zurück. Ab 1911 erscheinen seine Gedichte in Max Pfemferts “Die Aktion”, auch in Alfred Kerrs “Pan” erscheint seine Lyrik. 1914 erhält er den Eichendorff-Preis.
      Der 1. Weltkrieg wird zu einer auch persönlichen Zäsur in Max Herrmann-Neißes Leben. Seine Eltern sind durch den Krieg ruiniert; der Vater stirbt 1914, die Mutter begeht 1917 Selbstmord. Im März 1917 zieht er mit seiner Frau nach Berlin. Hier fügt er jetzt seinem Namen auch den seiner Heimatstadt, “Neiße”, an.
      In Berlin wird er Teil der Boheme und verkehrt in linken und anarchistischen Kreisen, ist befreundet mit Pfemfert und Franz Jung, den er noch von der Schule in seinem Heimatort kennt.
      Seine Bücher werden von Kritikern und Kollegen begeistert aufgenommen.
      “Er ist der grüne Heinrich, und alle glauben es, wenn ich das sage .. Und seine Seele ist grün und tief, ein heller Schilfteich”, schreibt Else Lasker-Schüler über ihn. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er durch journalistische Arbeit und Korrektorentätigkeit beim Fischer-Verlag. Er wird von zahlreichen Künstlern in Berlin porträtiert. 1927 wird ihm der Gerhart-Hauptmann-Preis zuerkannt.
      Nach dem Reichtagsbrand 1933 flüchtet Max Herrmann-Neiße mit seiner Frau über die Niederlande und Frankreich nach London, wo er sich im September 1933 niederlässt. Dort ist er Mitbegründer und Mitglied des Exil-Pen. 1938 wird er aus Deutschland ausgebürgert; ein Antrag auf die britische Staatsangehörigkeit ist erfolglos.
      1941 stirbt Max Herrmann-Neiße in London an einem Herzinfarkt. Seine Frau Leni Gebek veröffentlich postum seine letzten Gedichte. Nach dem Krieg begeht sie Selbstmord.

      Das Unabwendbare

      Die Brunnen des Todes sind aufgebrochen,
      Der Würger hat seine Fesseln gesprengt,
      Die Große Verwünschung ist ausgesprochen:
      Nun wird geplündert, gewüstet, gesengt.

      Ein Lied ist erwürgt, ein Herz ist gebrochen.
      In Trümmern liegt ein gastliches Haus.
      Die große Verwünschung wurde gesprochen.
      Das Licht geht aus,


      "http://www.kulturwerk-schlesien.de/kulturspiegel/literatur/art71,240.html"
    • Ernst Weiß (1882-1940), Schriftsteller



      Ernst Weiß wurde in der Stadt Brünn in Mähren in eine liberal-jüdische Familie geboren. Nach dem Studium der Medizin (Prag und Wien) und der Promotion arbeitete er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Arzt in Bern, Berlin und Wien sowie zwischenzeitlich als Schiffsarzt. Bereits zu dieser Zeit entstanden erste Erzählungen und Essays; sein erster Roman Die Galeere erschien 1913. Freundschaft mit Martin Buber und Franz Kafka. Im Ersten Weltkrieg war Weiß Arzt im Dienst der Österreichisch-Ungarischen Armee. Nach Kriegsende praktizierte er erneut in Prag bevor er 1921 als freier Schriftsteller nach Berlin übersiedelte. Enge Freundschaft mit Ödön von Horvath.
      Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlässt Weiß Deutschland, geht zunächst wieder nach Prag, 1934 schließlich nach Paris. Arbeit für unterschiedliche Exilzeitschriften. Große Armut, da er keine Erlaubnis erhält, in Frankreich als Arzt zu praktizieren. Zeitweise finanzielle Unterstützung durch u.a. Thomas Mann und Stefan Zweig. Am Tag der Besetzung von Paris durch die deutsche Wehrmacht unternimmt Ernst Weiß einen Selbstmordversuch, dem er am folgenden Tag, dem 15. Juni 1940, erliegt.

      Ernst Weiß‘ nachgelassener Roman Der Augenzeuge (entstanden 1939) ist aus der Ich-Perspektive eines aus einem strengkatholischen Elternhaus stammenden, mit einer Jüdin verheirateten Arztes erzählt, der auf Geisteskrankheiten spezialisiert ist. Dieser behandelt im Jahr 1918 erfolgreich einen hysterisch-kriegsblinden deutschen Soldaten namens »A.H.« – der später zum Führer der nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland avancieren wird. Weil der Arzt um den Geisteszustand des A.H., dessen Charisma und Redekunst er selbst zeitweise erlegen war, weiß, wird er nach dessen Machtergreifung in einem Konzentrationslager interniert und schwer gefoltert. Mit Hilfe eines Nazi-Schergen gelingt ihm zwar die Flucht aus dem KZ – allerdings um den Preis, dass diesem die Dokumente überlassen werden, die die Krankheit des A.H. beweisen würden. Der Arzt entschließt sich nach Spanien zu gehen und sich dort an der Verteidigung der Republik gegen den Faschismus zu beteiligen. Publiziert wurde der Roman erst im Jahr 1963.
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Jehuda Amichai 1924- 2000 (Israelischer Lyriker)

      .. wurde in Würzburg geboren und hieß ursprünglich Ludwig Pfeuffer.

      1935 musste seine Familie nach dem damaligen Palestina emigrieren, um der Gaskammer zu entkommen.

      Während des 2. Weltkrieges kämpfte er für die Briten.
      Vermöge seiner militärischen Ausbildung/Kenntnisse war es ihm möglich während beider Kriege (1967 und 1973) Israel tapfer zu verteidigen, ohne dabei das Ziel, nämlich eine Aussöhnung mit Arabern aus dem Blickwinkel zu verlieren.

      Seine Lyrik wurde erst sehr spät (in den 80zigern) auch in der BRD übersetzt.

      Er zählte/zählt zu den bedeutenden Lyrikern Israels; vergleichbar etwa dem Rang Walt Whitmans in den USA.



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      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann