Elektro-Doping im Opernhaus

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    • Elektro-Doping im Opernhaus

      Vor einiger Zeit habe ich aus erster Hand erfahren, daß die Opéra Garnier in Paris nach Bedarf Sängerstimmen mit versteckten Mikrophonen verstärkt - vor allem bei Sängern, die Verträge bei namhaften Labels wie Decca oder Deutsche Grammophon haben. Den Plattenfirmen geht es wohl in erster Linie darum, den Sängern, deren CDs und DVDs sie verkaufen wollen, einen nahezu unfehlbaren Vorteil zu verschaffen. Andererseits soll dann die Stimme auch live so eindrucksvoll klingen, wie das manipulierte Studio-Produkt. Laut dieser Quelle betrifft das heute so gut wie alle der gehypten Stars der Opernszene. Bei manchen fällt es auf (gewisse Rossini-Tenöre, die Verdi singen), bei anderen überrascht es (ein Star-Tenor, der im Fidelio in Paris nicht ohne Mikrophone konnte, aber an der Met - dreimal so großer Zuschauerraum - den Siegmund singt).

      Vor einiger Zeit gab es auch hier und da mal kleine Skandale, von denen vor allem ein Andrea Chenier aus Madrid herausragt. Dort bemerkte das Publikum die Verstärkung (die Cedolins sang die Maddalena) und begann, nach der Antrittsarie des Gérard zu rebellieren. Die Vorstellung mußte unterbrochen werden, und man versprach, das Ganze ohne Mikrophone zu machen. Das ganze wurde peinlicherweise im Rundfunk übertragen: "http://www.youtube.com/watch?v=NqzTRFYVhtw" (ab 4:50)

      Wenn es etwas gibt, was die Oper nachhaltig zerstört, dann ist es diese Verkommerzialisierung, die anscheinend vor nichts mehr halt macht. Kleine, hübsche Stimmen werden im Studio produziert, oft in einem viel zu schweren Fach, weil sich das besser verkaufen läßt - und im Opernhaus wird die Illusion mit Elektronik-Support aufrecht erhalten. Gut müssen die Sänger übrigens auch aussehen, das scheint ein wichtiges Kriterium zu sein. Das erinnert mich fatal an die Entwicklung in der Schauspielerei. Diese Sänger sind eigentlich ein bißchen wie gewisse TV-Schauspieler, die nie ordentlich sprechen gelernt haben.

      Hat jemand von Euch konkrete Erfahrungen gemacht? Meinungen?

      :wink: M.
      "To me, Eurotrash is Zeffirelli." Graham Vick
    • Ich habe davon bisher noch nie gehört - solche Manipulationen finde ich auch völlig unakzeptabel. Ich habe auf Dein Posting hin ein wenig gegoogelt und unter anderem in einem Leserkommentar zu dem Madridskandal folgenden Satz gefunden:

      Existen manifestaciones de cantantes, que aseguran que en el Met se ofrece una amplificación del 2% a los cantantes que lo solicitan y que en La Bastille es también habitual.


      Auf deutsch: Es gibt Äußerungen von Sängern, die versichern, dass an der MET Sängern, die das wünschen, eine Verstärkung von 2% angeboten wird und dass so etwas in der Bastille auch Usus ist.
      ("http://www.hoyesarte.com/index.php?option=com_content&view=article&id=4014:andrea-chenier-en-el-teatro-real&catid=130:opera&Itemid=446)


      Eine andere, aber für mich erstmal auch ziemlich fragwürdige Sache scheint das elektroakustische Verbessern von Raumakustik zu sein, von dem ich auch noch nie gehört hatte. Hier stieß ich auf einen Artikel in der Berliner Zeitung, betreffend die Staatsoper Unter den Linden:
      "http://www.berliner-zeitung.de/archiv/ein-gespraech-mit-albrecht-krieger--dem-tonmeister-der-staatsoper-unter-den-linden-nachhall-ja---verstaerkung-nein,10810590,10566788.html
      Darin wird versichert, man bearbeite auf elektroakustischem Wege nur den Nachhall, verstärke aber nicht. Aber geht das überhaupt?

      Im Opernsaal hängen zwei Mikrofone in zwölf Meter Höhe über dem Orchester. Diese Mikrofone nehmen die Energie der ersten Schall-Reflexion auf. Die Signale dieser Mikrofone werden dann im Tonstudio elektronisch bearbeitet. (...) Wir bilden nur die Reflexion nach, die dem Saal bauakustisch fehlt. Wir verteilen und erhöhen die Energie der ersten Reflexionswelle. Es wird kein Direktschall des Orchesters oder der Bühne elektronisch verstärkt, nur der Nachhall bearbeitet.


      Wie kriegt man denn ein Mikro, das über dem Orchester hängt, dazu, nur die Schallreflektion, aber nicht den Direktschall aufzunehmen?! Das scheint mir doch eine ziemlich absurde Behauptung zu sein. Und wenn, wie der Tonmeister der Staatsoper in diesem Gespräch versichert, ein solches System heutzutage in Opernhäusern geradezu üblich ist, dann ist es doch nur ein kleiner Schritt dahin, den Regler eben mal ein bisschen mehr aufzudrehen, wenn es dadurch noch besser klingt.

      Grüße
      vom Don
    • In unseren Sinfoniekonzerten- nicht bei Opernaufführungen wohlgemerkt- wird unser Orchester auch immer von mehreren Mikros abgenommen und Hall dazugemischt.
      Der Saal klänge sonst tot und das Orchester käme kaum über die Rampe.
      Das ist bei uns seit bestimmt 12-13 Jahren Usus und vom Publikum akzeptiert, es ist ja auch sicht- und hörbar.

      Bei Opernaufführungen wird das bei uns nicht gemacht, ich denke, das ist zu aufwändig.

      Und wenn, wie der Tonmeister der Staatsoper in diesem Gespräch versichert, ein solches System heutzutage in Opernhäusern geradezu üblich ist, dann ist es doch nur ein kleiner Schritt dahin, den Regler eben mal ein bisschen mehr aufzudrehen, wenn es dadurch noch besser klingt.

      Aber nicht mit nur zwei Mikros.....völlig unmöglich, jedenfalls, was einzelne Sänger angeht.

      LG,
      Michael
    • Michael Schlechtriem schrieb:

      In unseren Sinfoniekonzerten- nicht bei Opernaufführungen wohlgemerkt- wird unser Orchester auch immer von mehreren Mikros abgenommen und Hall dazugemischt.
      Der Saal klänge sonst tot und das Orchester käme kaum über die Rampe.
      Das ist bei uns seit bestimmt 12-13 Jahren Usus und vom Publikum akzeptiert, es ist ja auch sicht- und hörbar.
      Im Konzerthaus Detmold gibt es seit 2009 die sogenannte "Wellenfeldsynthese", ein paar echnische Details hier ("http://www.eti.hfm-detmold.de/institut/ausstattung/wellenfeldsynthese') . Das System ermöglicht nicht nur die fast beliebige Veränderung der Raumakustik sondern man kann einzelne Schallquellen virtuell an beliebigen Stellen im Saal und sogar außerhalb platzieren. Zur Eröffnung gab es einen Kompositionswettbewerb, bei dem ein Stück z.B. mit einem Schlagzeuger auf der Bühne, einem im Saal und einem weiteren, nur hör- aber nicht sichtbaren arbeitete. Das war durchaus spannend. Bei normalen Konzerten wird das System bisher eher selten (zur Veränderung des Nachhalls) eingesetzt, und wenn, dann nur mit Ankündigung im Programm.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Ich bin ja kein Toningenieur...

      ...aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das für einzelne Sänger funktionieren soll. Die müssten ja tatsächlich irgendwo ein tragbares Mikro haben. Abgesehen davon, dass man das sehen könnte, würden ja dadurch auch die Atemgeräusche verstärkt. Allerdings ist klar, dass es hinter der Bühne Mikrofone gibt und der Klang verstärkt wird, weil man sonst manchmal wirklich wenig hören würde, nicht einmal vom Chor (das kommt auch auf's Bühnenbild an). Außerdem wird der Klang des Orchesters mit Lautsprechern auf die Bühne übertragen, denn besonders wenn da viele Leute rumlaufen, können die Sänger das Orchester bei leisen Stellen manchmal nicht gut genug hören.



      Wie im Morgenglanze
      Du rings mich anglühst...
    • Ganymed schrieb:

      Aber sind die inzwischen tatsächlich so klein, dass man sie nicht mehr sehen kann?
      Die Miniaturisierung macht Wunder. Mikroports werden schon von Sängern getragen, wenn Aufführungen in unmöglichen Orten stattfinden (etwas Googeln liefert schon Beispiele). Es wird schon lange gemunkelt, daß auf gewissen Bühnen gewisse Sänger Mikroports haben, die z.B. in der Haarpracht versteckt sind. Ob es stimmt, kann ich nicht sagen, aber technisch wäre es überhaupt kein Problem.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Ich weiß jetzt nicht, ob ihr an etwas anderes denkt als ich, aber mir sind schon ganz oft bei Opernsängern Kopfmikrofone aufgefallen!

      Beispiel - die Übertragung des Don Giovanni kürzlich aus der Scala. Bei einigen Sängern war es deutlich zu sehen (bei Männern fällt das natürlich mehr auf als bei Frauen mit langen Haaren). Peter Mattei habe ich sogar mindestens einmal unmutig mit dem Kabel kämpfen sehen, das sich irgendwie im Jackettrevers verfangen hatte. Zum Teil ergeben sich merkwürdige Effekte, wenn zwei Sänger sehr nahe beieinander stehen, weil dann die Stimmen in unterschiedlicher "Mischung" in die Mikros eingefüttert werden.

      Ich habe seine Berufscellistin, mit der ich (virtuell) ein wenig bekannt bin, danach gefragt. Sie hat mir geantwortet, dass die elektrische Verstärkung der Stimmen, oft auch der Instrumente, bei TV-Übertragungen schon beinahe üblich ist. Viele Sänger sind darüber verärgert und lehnen das ab, weil sie sich nicht wirklich im Umgang mit dem Mikro auskennen. (Es kommt, laut Auskunft meiner Freundin, auch auf die Akustik des einzelnen Opernhauses an, ob eine solche Verstärkung als nötig erachtet wird oder nicht.)

      Bei einer TV-Übertragung von "Hoffmanns Erzählungen" sah ich neulich einige Sänger mit Kopfmikros, andere nicht, und mindestens einer legte das Mikro erst im dritten Akt an (es war in den Nahaufnahmen deutlich zu sehen). Ich frage mich schon lange, wie so ein Sowohl-als-auch tontechnisch überhaupt zu "händeln" ist.

      Grüße von Zefira
    • Zefira schrieb:

      Ich frage mich schon lange, wie so ein Sowohl-als-auch tontechnisch überhaupt zu "händeln" ist.

      Für eine TV- oder Radioübertragung braucht man sowieso Mikrophone, klar. Es kann ad hoc gemacht werden, mit einem technischen Team von XDR und einem Übertragungswagen draußen aber viele Konzerthäuser oder Opernhäuser sind bereits ausgestattet (z.B. auch damit man die Aufführung "live" in der Kantine oder anderswo, etwa im Warteraum für die Verspäteten, mitbekommen kann oder damit es fürs Archiv mitgeschnitten wird). Dazu gibt es Lautsprecher für gewisse Effekte (Stimmen vom Himmel, Chor der Unterweltgeister u.ä.). Das heißt, ein Minimum an Technik ist schon da, und oft ist dieses Minimum echt üppig, mit digitalem Mischpunkt sowieso. Extra Mikrophone daran anschließen und bei der Generalprobe den Tonmeister die optimale Mischung daraus definieren lassen, ist - fast - ein Kinderspiel. Der Tonmeister, der sowieso oft die Partitur mitverfolgt, damit er weiß, wann er die Unterweltgeister anschmeißen muß, macht sich seine Notizen und weiß genau, wann wo die Schieber betätigt werden und ich kann mir vorstellen, daß er daran mehr Spaß hat, als nur eine DAT-Kassette für den Mitschnitt in den Recorder zu schieben und den richtigen Zeitpunkt für die Unterweltgeister abzuwarten.
      Wenn aber bei der Premiere die Primadonna eine extra Tanzanlage reinschiebt oder der Tenor für seine Glanzarie unerwartet drei Meter nach vorne geht, ist schnelles Reagieren erforderlich.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Aufnahmemikrophone verstärken nicht bzw. man kann das ausschließen. Die Abmischung gestalten die Techniker mit dem Klang, den sie ihrem Gerät entnehmen und nicht den Bühnensound von außen.

      Man muss fairerweise sagen, dass es Locations gibt, wo es nicht anders geht, etwa die Bregenzer Seebühne, weil der Schall einfach ins Leere ginge und nirgends reflektiert wird. Ohne Verstärkungstechnik wäre die Bühne für Oper unbrauchbar, vor allem in ihrer Größe mit der Wasserumgebung etc. Da sieht man es aber auch, weil man dort dazu stehen kann.

      Das Kolloseum in Verona braucht keine Verstärkung, Das ist ein Schalltrichter, der ja vor ca. 2000 Jahren gerade nach akustischen Gesichtspunkten gebaut wurde, um eine Verstärkung ohne Technik zu erreichen. Obwohl das Ding eigentlich schon eine Ruine ist, funktioniert das immer noch. Das allein ist schon genial. Richtig dramatische Stimmen schaffen es dort alleine und auch das Orchester klingt voll, obwohl es sich optisch dort fast verliert in diesem riesigen Areal.

      Auch mit Mikro in Bregenz höer man allerdings, ob eine Stimme zur Rolle passt oder sich damit ggf. übernimmt, weil die Phonstärke nicht das einzige Kriterium für die stimmliche Tragfähigkeit ist. M. E. sollte es in einem normalen Opernhaus keine Verstärkungsmikros geben, weil auch hier akustisch gebaut ist. Ein Stück weit wird das Publikum damit hintergangen, weil landläufig davon ausgegangen wird, dass OpernsängerInnen eben keine Verstärkung von außen brauchen, was eine wesentlichen Unterschied zum Pop- und Rockgesang ausmacht. Drum muss man das ganze ja wohl auch verstecken.

      LG

      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Ulrica schrieb:

      Das Kolloseum in Verona braucht keine Verstärkung, Das ist ein Schalltrichter, der ja vor ca. 2000 Jahren gerade nach akustischen Gesichtspunkten gebaut wurde, um eine Verstärkung ohne Technik zu erreichen. Obwohl das Ding eigentlich schon eine Ruine ist, funktioniert das immer noch. Das allein ist schon genial. Richtig dramatische Stimmen schaffen es dort alleine und auch das Orchester klingt voll, obwohl es sich optisch dort fast verliert in diesem riesigen Areal.


      Hallo Ulrica,
      In Verona weiss ich aber genau das verstärkt wird. Ich kenne einen Tonmeister, der genau dazu angeheuert wurde.

      Gruss

      Syrinx
      Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt.
      Goethe, Faust 1
    • Ulrica schrieb:

      M. E. sollte es in einem normalen Opernhaus keine Verstärkungsmikros geben, weil auch hier akustisch gebaut ist.






      In der Tonhalle Zürich (verhältnismäßig kleiner Saal, gute Akustik) konnte ich einen gewissen amerikanischen Kontratenor im Duett mit der extrem stimmgewaltigen Cecilia Bartoli ;) kaum hören. Und wohlgemerkt, es ist nicht nur eine Frage von Dezibel, sondern auch von Projektion. Wie ein Freund von mir über eine Sopranistin sagte "sie weiß, daß die das Orchester nicht überdecken kann, deshalb bohrt sie dadurch". Kurz, der Kontratenor war nicht darüber, nicht dadurch, sonder klar darunter.



      Wer wird mir erklären, wie er auf der Bühne der Met eine komplette Händel-Oper durchstehen kann ?
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Ulrica schrieb:

      Das Kolloseum in Verona braucht keine Verstärkung, Das ist ein Schalltrichter, der ja vor ca. 2000 Jahren gerade nach akustischen Gesichtspunkten gebaut wurde,

      Nicht ganz... Das Ding war als Arena konzipiert, als Ort des gegenseitigen Abschlachtens von Gladiatoren oder wilder Tiere zum Gaudium des Publikums. Da kam es auf Akustik nicht wirklich an, im Gegensatz zu den antiken Theatern, die oft wirklich eine gnadenlose Akustik aufweisen. Die hatten aber auch eine andere Bauform. Ich weiß positiv, daß es in Verona Ecken gibt, wo man hervorragend hört, und solche, die mehr oder weniger schalltot sind.
      viele Grüße

      Bustopher


      Sapere aude
    • bustopher schrieb:

      Die hatten aber auch eine andere Bauform. Ich weiß positiv, daß es in Verona Ecken gibt, wo man hervorragend hört, und solche, die mehr oder weniger schalltot sind.


      Das kann sein, aber jeder Sänger hat dort eine kleine Verstärkung, wie ich bereits oben schrieb.

      Gruss

      Syrinx
      Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt.
      Goethe, Faust 1
    • Mal eine ganz dumme offtopic-Frage:
      In der Tonhalle Zürich (verhältnismäßig kleiner Saal, gute Akustik) konnte ich einen gewissen amerikanischen Kontratenor im Duett mit der extrem stimmgewaltigen Cecilia Bartoli ;) kaum hören.

      Ich stelle es mir generell schwieriger vor, mit der Kopfstimme Volumen bzw. Raumklang zu erzeugen als bei sogemannten normalen Stimmlagen. Ist das so oder nur mein Irrglaube?
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Ich kann nicht ausschließen, dass sie das in Verona derzeit auch machen, jedoch wird dort ja schon wesentlich länger aufgeführt, als eine unsichtbare technische Verstärkung, vor allem der Gesangssolisten möglich war. 1990 war ich dort an einem Chorprojekt beteiligt (Verdi - Requiem) mit hochkarätigen Solisten wie Pavarotti. Dabei fand auch eine Führung statt, in der diese akustischen Sachen erklärt wuden. Es stimmt, dass es nicht überall gleich gut ist, zumal ja auch der Bau nicht mehr vollständig ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ausgewählte Standpunkte mit Verstärkertechnik ausgestattet sind, seit man so etwas machen kann, aber weniger, dass Sänger versteckte Mikros bekommen. Die Theatron - Form ist zwar m. E. nicht so ausgeprägt wie bei den reinen Theaterbauten der Antike, aber in diese ganzen Großverantaltungen wurden ja auch Ansagen gemacht, die alle Zuschauer ohne Mikro hören sollten. das Prinzip ist ja, grob gesagt, ein oben offenes zylindrisches Gebilde, das an jeder Stelle Schall reflektieren kann. In Innenhöfen z. B hat man ja auch oft eine Riesenakustik und draußen hört man gar nichts.

      @Heike: Ich weiß nicht, ob ich deine Frage richtig verstehe, denn eine wesentliche Grundlage des Operngesangs ist das sog. "Einregister", das, kurz gesagt "Kopfstimme" und "Bruststimme" mischt und dadurch Bruchlagen unmerkbar macht und der Gewinnung der Resonnanzen und somit der raumfüllenden Tragfähigkeit dient. Diese Fähigkeit muss in Proben auf die Raumakustik ein gestellt werden, was bei Sängern körpergesteuert funktioniert. Wenn man darüber Schritt für Schritt nachdenken müsste, ginge es nicht. Mit einer "isolierten Kopf- oder Bruststimme singt niemand in der Oper.

      Es kann allerdings in der Tat sein, dass nicht überall alle Frequenzen gleich gut hörbar sind. Meinst du dieses Thema?

      LG

      :wink: :wink:
      Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren (Bert Brecht)
    • Ulrica schrieb:

      @Heike: Ich weiß nicht, ob ich deine Frage richtig verstehe, denn eine wesentliche Grundlage des Operngesangs ist das sog. "Einregister", das, kurz gesagt "Kopfstimme" und "Bruststimme" mischt und dadurch Bruchlagen unmerkbar macht und der Gewinnung der Resonnanzen und somit der raumfüllenden Tragfähigkeit dient. Diese Fähigkeit muss in Proben auf die Raumakustik ein gestellt werden, was bei Sängern körpergesteuert funktioniert. Wenn man darüber Schritt für Schritt nachdenken müsste, ginge es nicht. Mit einer "isolierten Kopf- oder Bruststimme singt niemand in der Oper.

      Es kann allerdings in der Tat sein, dass nicht überall alle Frequenzen gleich gut hörbar sind. Meinst du dieses Thema?

      Kommt hier nicht auch der so genannte Sängerformant ins Spiel?
      Der Vorteil von Sängern liegt darin, dass die menschliche Stimme von Natur aus darauf konzipiert worden ist, vom menschlichen Ohr (besonders gut) wahrgenommen zu werden. Eine "ursprüngliche" Stimme, wie etwa der Schrei eines Säuglings produziert ein akustisches Energieband etwa zwischen 2500 und 3200 Hz, den so genannten Sängerformanten. Auf diesen akustischen Bereich reagiert das menschliche Ohr besonders sensibel (so dass Eltern den Schrei ihres Kindes auch über weitere Entfernungen hören können). Der akustische Höchststand eines Orchesters, so las ich, liegt bei etwa 500 Hz, darüber hinaus werden Orchesterinstrumente schwächer. (Weswegen z. b. so viele Violinen benötigt werden. Auch Blechblasinstrumente resonieren nicht auf einer höheren Frequenz, hier ist es ihr metallischer Klangcharakter, der sie so dominant klingen lässt)
      Eine Stimme mit einem starken Sängerformanten wird keine Probleme haben, über ein Orchester zu gehört zu werden, da das menschliche Ohr, wie gesagt, auf diesen Frequenzbereich besonders konditioniert ist.




      Somit hat die Fähigkeit ohne Verstärkung über ein Orchester zu kommen weniger etwas mit der schieren Größe einer Stimme (rein von der Dezibelstärke wird es kaum ein Sänger schaffen, über ein volles Orchester zu kommen) zu tun als mit einer guten Technik( insbesondere einer guten Projektion der Stimme) und einer gut ausbalancierten Stimme (das von Ulrica erwähnte Einregister). Ich habe es als Zuhörerin z. b. schon häufiger erlebt, dass die Sänger der so genannten "leichten" Fächer müheloser über das Orchester kamen, während Sänger mit "großen" Stimmen aufgrund einer schlechteren Projektion eher Mühe hatten durchzukommen.

      Disclaimer: Physik war neben Mathe mein schlechtestes Fach und ich habe auch gerade erst begonnen, mich in das Thema einzulesen. Somit spiegelt das oben Genannte nur mein sehr laienhaftes Verständnis der Umstände wider. Fehler und Irrtümer sind also nicht ausgeschlossen.
      ;+)

      Vitellia
      "Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste" (T. Fontane)



      But that's the beauty of grand opera. You can do anything as long as you sing it (Anna Russell)