Strauss: "Salome" – das Tor zur Neuen Musik

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    • Religionen sind immer schon nur dazu dagewesen, um Menschen zu gängeln. Die Bibel wurde Jahrhunderte NACH den beschriebenen Ereignissen von mehreren, sich gegenseitig widersprechenden, Herren geschrieben.

      Jede Religion hat irgendwelche Regeln, nach denen man leben soll, und droht mit Fegefeuer oder ähnlichen Dingen, wenn man sich nicht daran hält - es sei dann, man leistet Ablasszahlungen ;+)

      Auf jeden Fall finde ich gut, dass Richard Strauss kein religiöser Mensch war, und diesen Dingen ebenfalls kritisch gegenüberstand. (Und ich bin auch gespannt, wie der Prozess Titanic-Magazin vs. Papst ausgehen wird!)

      Soviel ich weiß, hat Jochanaan angeprangert, dass Herodes die Frau seines Bruders (den er selbst ermorden ließ) zur Frau genommen hat.

      Allerdings prangert er auch Herodias an, weil sie sich allen möglichen Männern gegeben hat.
    • Areios schrieb:

      Frauenfeindlich? Warum denn?

      (Eph 5,23): "Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau."

      (3. Petr 3,1): "Desgleichen sollt ihr Frauen euch euren Männern unterordnen."


      (Offb 14,4) Johannes prophezeit, dass nur 144.000 Männer in den Himmel kommen werden "die sich mit Frauen nicht befleckt haben". Offenbar war es vor Gott die schlimmste aller Verunreinigungen, eine Frau körperlich zu lieben

      (1. Mose 19,8): "Siehe, ich habe zwei Töchter, die wissen noch von keinem Manne; die will ich
      herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt."
      Lot aus Sodom hatte Gäste, die vor seinem Haus von einer Horde randalierender Männer bedroht wurden. Lot gibt den Männern seine Töchter, damit die männlichen Gäste gerettet werden.


    • Leider steht noch keine Besetzung für die Oktober-Vorstellungen der Salome in der Volksoper fest - die Staatsoper hingegen hat schon für nächstes Jahr eine. Bin gespannt wer da singen wird. Hoffentlich wieder Sebastian Holecek als Jochanaan. Habe ihn schon als Vater in "Hänsel und Gretel" sowie als Kaspar im "Freischütz" gesehen.
    • Und wie wars?
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Weiss nicht, ist nur so ein Gefühl ...


      Aber ok, ich erzähle alles der Reihe nach (ich habe jetzt nicht die Namen der Sänger parat, werde sie aber am Abend ergänzen).

      Ich traf also etwa 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn in der Volksoper ein, um mir eine Restkarte zu kaufen. Mein Platz war im Parterre, rechts. Zunächst dachte ich "Mist, so weit rechts", aber ich habe ganz vergessen, dass die Volksoper eh so schmal ist - mein Platz war in der 9. Reihe, Mitte. Hier meine Eintrittskarte (optisch gefallen sie mir viel besser, sie wirken viel fröhlicher als die eher schlichten Schwarz/Weiss Karten von früher, dafür sind sie jetzt durch ihre Länge ein bisschen unhandlich, und den Titel in hellgrau erkennt man nun auch nicht mehr so gut wie früher, aber das ist natürlich Geschmackssache.

      [Blockierte Grafik: http://img4.fotos-hochladen.net/uploads/eintrittskartekpqbvrdogm2.jpg]


      Schon draussen hörte ich mir vertraute Melodien des sich einspielenden Orchesters, und nachdem ich meinen Platz eingenommen hatte, fiel mir ein, dass es ja keine Pausen gibt, in denen man die Instrumente zählen kann, also ging ich vor zum Orchestergraben. Es hätte blöd ausgesehen wenn ich jeden einzelnen abgezählt hätte, also habe ich den Graben nur überflogen. Mein Eindruck war, dass alles sehr dicht gedrängt war, speziell die Streicher. Ganz links sah ich eine Harfe sowie eine Celesta und ein Xylophon, ganz rechts die vier Pauken, eine große Trommel, ein Tambourin, eine kleine Trommel etc.


      Voller Vorfreude setzte ich mich also wieder hin. Aus welchem Grund auch immer saß niemand neben mir, auch die drei Plätze vor mir waren leer. Ich weiss nicht, ob das Interesse an dieser Oper so gering ist, oder ob am Sonntag weniger kommen, aber mir soll es nur recht sein :)


      Dann wurde es dunkel, das Orchester stimmte sich ein, und es ging los.

      Was mir gleich auffiel war, dass es zu dunkel war, um einen Klavierauszug, oder eine Partitur dabei zu lesen, geschweige denn sich Notizen zu machen. Darauf muss ich leider verzichten :evil:

      Und jetzt weiss ich ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll, bei den Sängern oder der Musik. Ich fange vielleicht mit der Musik an.


      BIST DU WAHNSINNIG!!! Sowas habe ich noch nicht erlebt! Diese Lautstärke, dieser Druck, dieser Bombast, das Dröhnen, das Scheppern!
      Die Basstuba, die an einer Stelle so laut spielt, dass man glaubt, sie geht gleich kaputt, die große Trommel, auf die manchmal derart fest eingedroschen wird, dass der Saal bebt, der Orgelton in der Schlussarie, den man in der Magengrube spürt!

      Ich war derart überwältigt von dieser Lautstärke, dass mir die Luft wegblieb .. und das war nur die reduzierte Fassung!

      Besonders imposant war das Judenquintett, wo die Lautstärke ebenfalls immer mehr zunahm, und ganz speziell nach den letzten Worten Salomes, da merkte man, dass der Dirigent dem Orchester die Zügel locker ließ, und es so laut es konnte das Salome-Liebesthema (einschließlich dem dissonanten Akkord) intonierte - und dann diese vier letzten Schläge ganz am Schluss ... was soll ich sagen? Ich habe jetzt mehrere Aufnahmen gehört, auch modernere, und auf keiner waren diese Akkorde derart
      brutal, wuchtig, laut und druckvoll wie hier. Da kann der Mozart mit seinen Pipifaxopern einpacken!

      Schade, dass Weber in der Wolfsschlucht keine fff´s notiert, dass auch Humperdinck in HuG sich irgendwie zurückhält. Sowas hab ich noch nicht erlebt, einfach nur Wahnsinn.

      Auch jetzt, während ich das schreibe, bleibt mir immer noch irgendwie die Luft weg, wenn ich dran denke, und natürlich auch aus Vorfreude über die nächsten 5 Vorstellungen, wo ich das wieder erleben kann, die drei Vorstellungen in der Staatsoper, die aber leider erst nächstes Jahr im Feb. gespielt werden.

      Was mir aber auch gefiel war, dass die "melodiösen" Teile, etwa das Liebesthema der Salome, oder das "Lass mich deinen Mund küssen, Jochanaan"-Motiv besonders herausgehoben wurden. Auf manchen Aufnahmen werden diese Teile eher "nebenbei" gespielt, fast schon lieblos, oder einfach sehr schnell, aber hier konnte man in Ruhe diese Melodien genießen.

      Aber ok, jetzt wieder ein bisschen sachlicher:


      Annemarie Kremer
      sang die Salome. Ich las schon im Vorfeld Kritiken in "Der Standard" und im "Opernglas", dass ihre Stimme für diese Rolle zu klein ist, und sie die meiste Zeit vom Orchester verschluckt wird. Dem kann ich nur zustimmen; in der Mittellage hört man sie gar nicht, nur die hohen Töne waren vernehmbar, aber auch die gerieten relativ leise, wenn sie weiter im Hintergrund stand.

      Allerdings, finde ich, ist sie eine gute Schauspielerin: ihre Bewegungen, ihre Mimik und ihr doch "jugendliches" Äußeres (wenn ich an manch andere Salomes denke, Stichwort Malfitano, Stichwort Mattila) passten sehr gut zu dieser Rolle. Ich las, dass sie eine ausgebildete Tänzerin ist - gerade beim Schleiertanz wäre das perfekt zur Geltung gekommen, aber durch die Inszenierung konnte sie da nicht zeigen, was sie draufhat; der Tanz bestand hauptsächlich aus ständigem hin und her rennen zwischen den auf der Bühne anwesenden Männern. Schade.


      Der Narraboth von Vincent Schirrmacher sang von allen Sängern für mich am besten: sehr laut und textverständlich (wobei seine Musik auch nicht wirklich bombastisch ist, muss man fairerweise sagen).
      Der Herodes war ganz ok, Wolfgang Ablinger-Sperrhacke sang ihn. Auch seine Stimme war nicht sehr stark, auch er wurde teilweise verschluckt, obwohl er sich sehr bemühte und von allen am meisten schwitzte, was vielleicht auch daran lag, dass die Regie ihn ständig unruhig auf der Bühne herumlaufen ließ ... würde ein echter Tetrach sowas machen?

      Sehr in Erinnerung bleiben mir die fünf Juden: sie alle hatten eine sehr laute, durchsetzungsfähige Stimme, und waren noch im ärgsten Orchestergetöse gut zu hören. Sehr beeindruckend!

      Der Jochanaan von Egils Silins war auch durchschnittlich, ich bin kein professioneller Kritiker, aber ich glaube ihm fehlte das nötige Volumen, denn auch er wurde sehr oft übertönt, obwohl er sehr viele Szenen vorne am Bühnenrand hatte.

      Zur Inszenierung will ich gar nicht viel sagen ... ich nehme mal an, dass die Regisseurin alles psychologisch aufarbeiten wollte. So erwürgt sich Narraboth mit dem langen Schal, den Jochanaan anfangs trägt, und Herodes rutscht auf ebendiesem aus, und singt ("ich bin in Blut getreten"). Das wirkt eher unfreiwillig komisch.

      Narraboth befiehlt, den Deckel zu diesem Brunnen aufzuheben - der geht aber ganz von selbst auf, vollautomatisch. Der "Palast" war nur ein dreistöckiges schmales Haus mit Fenstern. Von welchem Palast redet Herodes? Und von welcher Terrasse ist die Rede?

      Ganz am Ende geht Salome, nachdem sie ihre letzten Worte gesungen hat, alleine in die Zisterne hinunter, während Herodes ruft "Man töte dieses Weib!". Die Musik, die eigentlich dafür gedacht ist, die Soldaten, die sich auf Salome stürzen und sie zermalmen, zu "begleiten", tobt laut - aber auf der Bühne passiert - nichts! Salome ist schon weg, Herodes steht alleine in einem der Fenster des Hauses. Dann geht das Licht aus.

      Kein Vorhang fällt (wie Strauss es vermerkt hat!).
      Aber für mich war der Hauptdarsteller sowieso die Musik.

      Störend waren für mich auch die Übertitel, auf denen der ganze Text eingeblendet wurde. Wieso, weiß ich nicht, denn beim Figaro, bei HuG, beim Freischütz und anderen Opern, die ich dort sah, und die ebenfalls in deutscher Sprache waren, war das nicht der Fall. Ich habe die Übertitel nicht gebraucht, aber es war doch störend, in den Augenwinkeln immer diese weiße Schrift zu sehen, die aus- und eingeblendet wird. Ich hoffe, sie machen das in den nächsten Vorstellungen nicht mehr.


      Ach ja: ich habe mich damals so aufgeregt über die hohen Töne, und es fand eine interessante Diskussion statt. Auf Aufnahmen hört man es natürlich ganz anders: da singen die ins Mikro und es wird alles abgemischt. Auf der Bühne aber kommen einem die hohen Töne gar nicht mehr so laut und nervig vor, weil das Orchester schon sehr laut ist - ausserdem waren die hohen Töne mehr oder weniger das einzig hörbare. Da bin ich froh, dass ich mich durch die "Dann ist die Oper das Falsche für dich, such dir lieber Konzerte"-Kommentare nicht entmutigen habe lassen, sondern dran gelieben bin. Da hätte ich nämlich echt was verpasst!


      Auf jeden Fall freue ich mich auf die nächsten Vorstellungen!
    • Danke für den anschaulichen Bericht, lieber merkatz! Daß die Salome live anders, eindrucksvoller rüberkommt als von Konserve, glaube ich gern.

      merkatz schrieb:

      BIST DU WAHNSINNIG!!! Sowas habe ich noch nicht erlebt! Diese Lautstärke, dieser Druck, dieser Bombast, das Dröhnen, das Scheppern!
      So solls's doch sein! :thumbup:

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Lieber Merkatz!

      Danke für die ausführliche Beschreibung!

      merkatz schrieb:


      Störend waren für mich auch die Übertitel, auf denen der ganze Text eingeblendet wurde. Wieso, weiß ich nicht, denn beim Figaro, bei HuG, beim Freischütz und anderen Opern, die ich dort sah, und die ebenfalls in deutscher Sprache waren, war das nicht der Fall.


      Wahrscheinlich deshalb:

      ausserdem waren die hohen Töne mehr oder weniger das einzig hörbare.


      Wenn man Sänger engagiert, die nicht übers Orchester kommen, muss man den Text halt auf Übertiteln einblenden... ;+)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • So, ich habe jetzt meinen Bericht um die Namen der SängerInnen erweitert, plus einem Scan meiner Eintrittskarte :)

      Quasimodo schrieb:

      Areios schrieb:

      Wenn man Sänger engagiert, die nicht übers Orchester kommen, muss man

      einen Dirigenten haben, der das zu regeln versteht. Und ja, das geht sogar bei Strauss!

      P.S.: Schlage vor, den Teilfaden ab dem Aufführungsbericht hierhin zu verschieben.

      Dazu schrieb der Standard in seiner Rezension von 2011 folgendes:

      Annemarie Kremer ist imposant als übersensibles, sich aus der
      Wirklichkeit verabschiedendes Geschöpf. Sie vermag jedoch nicht
      annähernd, den dramatischen Furor dieser Rolle zu bewältigen. Vor allen
      was die Dynamik anbelangt. Auch sonst jedoch neigt ihre Stimme zu einer
      gewissen Schärfe.
      Dirigent Roland Böer war insofern in einer unlösbaren
      Situation. Zu viel Rücksichtnahme hätte dem instrumentalen Part jede
      Kraft geraubt, zu wenig indes diese Salome vollends verschluckt.


      Ich habe das aber auch in vielen anderen Vorstellungen erlebt, Freischütz z.B., wo der Eremit am Ende kaum zu hören war, weil die tiefen Töne einfach zu leise waren. Ich bin kein Experte, ich kann leider nicht sagen, ob sowas "normal" ist, weil in Studioaufnahmen wird natürlich am Mischpult so abgemischt, dass SängerInnen und Orchester optimal zu hören sind.
    • Sorry, einmal muss ich noch schreiben: in meiner Rezension habe ich ja geschrieben, dass Annemarie Kremer eine ausgebildete Tänzerin ist, das aber in diesem "Tanz der sieben Schleier" absolut nicht zur Geltung kommt.

      Jetzt sehe ich ein Interview, das sie damals gab, und muss folgendes lesen:

      Richard Strauss habe, sagt Kremer, in der Partitur seiner Salome
      -Dirigate an der Wiener Staatsoper notiert, dass die Salome beim
      Schlussgesang an der Rampe stehen soll. Ist das bei der Inszenierung von
      Marguerite Borie auch so? "Nein." Etwas bedauert sie in der Inszenierung
      auch noch: "Der Tanz der sieben Schleier wird von mir selbst getanzt -
      aber nicht auf orientalische Weise, sondern stilisiert, mit kleinen
      Gesten. Schade eigentlich! Ich tanze sehr gern, und wie ich wusste, dass
      ich Salome machen werde, habe ich noch extra Bauchtanz gelernt!"


      :shake: :wut2: :faint:
    • Lieber Merkatz!

      An dem Zitat aus dem Interview ist meiner Meinung nach die noch weit interessantere Stelle diese hier:

      merkatz schrieb:


      Richard Strauss habe, sagt Kremer, in der Partitur seiner Salome
      -Dirigate an der Wiener Staatsoper notiert, dass die Salome beim
      Schlussgesang an der Rampe stehen soll.


      Das zeigt nämlich wohl, dass Richard Strauss sich der akustischen Schwierigkeiten bewusst war: Die Entscheidung, die Salome für den Schlussgesang an der Rampe zu positionieren, ist nämlich keine inszenatorische, sondern eine rein musikalische, aus Dirigentenperspektive: So kommt der Schlussgesang am besten "rüber" - übers Orchester.

      (Ein guter Regisseur sollte m.E. auch heute ein bisschen auf die Akustik achten, bzw. bei kritischen Stellen abwägen, ob eine akustisch ungünstige Position oder Aktion durch optische Tugenden den akustischen Verlust wirklich aufwiegt.)

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Hallo Arieos!

      Dann kann man die Regisseurin wohl zu den weniger guten zählen, weil sehr viel Gesang, auch in der Schlussszene, eher im Hintergrund stattfand. Schon weiter vorne hörte man die Salome eher im oberen Register, aber sie weiter hinten solch kraftraubende Sachen singen zu lassen ... ich weiss nicht.

      In der Bühnenmitte war ein riesiges Loch, das die Zisterne darstellen sollte. Um dieses Loch herum mussten die SängerInnen immer gehen, dadurch konnten die Figuren immer nur links oder rechts auf der Bühne stehen.

      Also wirklich durchdacht finde ich das nicht.

      Ärgerlich sind ja auch eben solche Regieeinfälle, wie das sich selbst erwürgen von Narraboth, oder dass Jochanaan in dieser Inszenierung scheinbar Interesse an Salome hat, weil er immer wieder zu ihr geht, sich dann aber doch abwendet.
      Das Problem ist nur: die Musik sagt etwas völlig anderes, sie ist genauso barsch-abwehrend wie Jochanaan, wenn Salome ihn berühren will.

      Wenn ich das Stück in einer Aufnahme höre, sehe ich da diesen Mann, der da steht, und Salome möchte sich ihm näher - worauf er zurückweicht und sagt "geh weg, greif mich nicht an, entweihe mich nicht!", und genau das drückt die Musik auch aus. Aber wenn Jochanaan von sich aus zu Salome geht, und ihr sogar eine Hand auf den Kopf legt, wieso dann diese barsche Musik?

      Es passt einfach nicht.

      Ich finde, auch wenn man die Inszenierung anders gestaltet, sollte man dennoch darauf achten, dass solche Regieanweisungen, oder solche Grundzüge einer Handlung weiterhin bestehen bleiben. Der Jochanaan soll von mir aus ein Kellner in einem Restaurant sein, wenn der Regisseur meint, dass das aussagekräfter und interessanter ist als ein "echter" Jochanaan - aber trotzdem sollte er vom Charakter und seinen Handlungen her mit der Musik "eins" sein.

      Und auch das Ende war ärgerlich: Die Bühne ist leer, keiner steht mehr dort, nur Herodes, und er ruft "Man töte dieses Weib!". Die Musik tobt - und auf der Bühne passiert NICHTS! Wer tötet sie? Wieso diese wilde Musik, wo doch gar nix passiert?

      Naja.

      Ich muss ja auch sagen, ich hatte auch Spaß daran, die anderen Zuschauer ein bisschen zu beobachten, wie sie auf manche Textstellen, oder auf besonders laute Stellen reagieren. Speziell beim Judenquintett, das ja nur mehr wild und laut und durcheinander war, war ich gespannt, wie die Leute reagieren, ob sie gelantweilt wirken, oder weiterhin aufmerksam zuhören etc.

      Einmal sah ich ein Kopfschütteln, als Jochanaan aus seiner Zisterne rief "Es ist so, dass ich alle Weiber lehren werde, nicht auf den Pfaden ihrer Gräuel zu wandeln" oder so ähnlich.
      Huster sind mir eigentlich so gut wie keine aufgefallen - dafür war die Musik auch wirklich zu laut :thumbsup:

      Ich MUSS das Stück wiedersehen, jetzt sofort! So oft wie möglich! Da wird man ja süchtig drauf!
      Liebe Grüße zurück,
      merkatz
    • Überlautes Orchester

      merkatz schrieb:

      Ich habe das aber auch in vielen anderen Vorstellungen erlebt

      Nicht nur Du! X( Ich gestehe ja gerne zu, daß das für die Dirigenten ein Problem ist (und kaum irgendwo ist dieses Problem so groß wie bei Strauss) - aber: die entscheidende musikalische Stimme (und das ist in der Oper doch idR die menschliche) mit Nebenstimmen zuzudecken, kann ja wohl keine akzeptable Lösung des Problems sein! Gewisse Komponisten, auch schon vor Strauss, waren sich des Problems sehr wohl bewußt - einer hat sogar extra ein Theater mit besonders gedämpftem Orchester bauen lassen, ein anderer die Sopranistin zum Trost geheiratet, deren Stimme er mit seiner Partitur ruiniert hatte :D.

      Annemarie Kremer ist mir als prachtvolle Luisa Miller gut in Erinnerung; einer solchen

      Quasimodo schrieb:

      Stimme, die in der hohen Mittellage (nicht aber in alto!) etwas zur Schärfe neigt, wenn sie sich gegen das Orchester durchsetzen muß.
      eine Salome zuzumuten, ist mE Verrücktheit, auch wenn ich sofort glaube, daß sie die Salome darstellerisch (auch sing-darstellerisch) exzellent bewältigen kann.

      Eine praktische Lösung für das Problem habe ich natürlich nicht - ein Ärgernis bleiben solche Aufführungen aber dennoch. Die Extreme meiner Erfahrung sind zwei Wagner-Aufführungen in Köln: James Conlons letzter Auftritt in der Kölner Oper, als er bei "Tristan und Isolde" vorführte, wie man das konzertant ganz ohne Gesangsstimmen aufführen kann (die Isolde war immerhin Gabriele Schnaut zu ihrer besten Zeit; unschönerweise konnte man Hanna Schwarz als Brangäne gelegentlich durch das Orchester durchhören); das war die sicherlich skandalöseste Dirigentenleistung, die ich jemals erleiden mußte! Und "Lohengrin" unter Markus Stenz, wo in beiden besuchten Aufführungen nicht eine Stimme jemals vom Orchester überdeckt wurde und dennoch niemals

      merkatz schrieb:

      dieser Druck, dieser Bombast, das Dröhnen, das Scheppern!
      verloren ging (Lohengrin: Klaus-Florian Vogt, Elsa. Camilla Nylund, also keine außergewöhnlich voluminösen Stimmen). Kaum weniger gut gelang das Stenz beim "Ring des Nibelungen" - und bei "Salome" (auch da: Camilla Nylund). Es geht also sehr wohl!

      Ich jedenfalls gestehe keinem Operndirigenten zu, daß er die Sänger durchweg übertönt - das ist für mich eine katastrophale Fehlleistung!
      Bernd

      Fluctuat nec mergitur