Brahms: Streichquartett B-Dur op. 67

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Brahms: Streichquartett B-Dur op. 67

      Auf Wunsch in einen eigenen Thread kopiert
      Michel



      Brahms: Streichquartett op. 67
      ABQ


      Ich versuch's immer mal wieder mit op. 67. Eigentlich ein tolles Werk mit ziemlich schrägen Stellen. Aber ob ich das jemals mögen werde wie andere Brahms-Kammermusik :?:


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:



      Brahms: Streichquartett op. 67
      ABQ


      Ich versuch's immer mal wieder mit op. 67. Eigentlich ein tolles Werk mit ziemlich schrägen Stellen. Aber ob ich das jemals mögen werde wie andere Brahms-Kammermusik :?:


      Zufällig habe ich diese Aufnahme gerade am Wochenende auch gehört.
      Obwohl das eines der ersten Kammermusikwerke von Brahms war, das ich kennenlernte (ich hatte zuerst eine Einzel-CD einer Teldec Billigreihe mit dem Trio op.8 gekoppelt, das Klavier- und das Klarinettenquintett dürfte ich auch schon gehört haben), kann ich den Eindruck nachvollziehen und ich hatte es auch ewig nicht gehört. Der 2. Satz war wesentlich romantischer und "schöner" als ich in Erinnerung hatte, der 3. ist mir seit jeher etwas zu dröge (wenn auch wohl typisch brahmsisch). Und der etwas angeschrägte Klassizismus der Ecksätze gefällt mir zwar im Prinzip gut, aber eine emotionale Verbindung stellt sich nur bedingt ein... (es gibt noch einige Stücke, mit denen es mir ähnlich geht, das C-Dur-Trio zB, und ein paar Einzelsätze) Vielleicht könnte eine "trockenere" Lesart als die des ABQ abhelfen? Ich fand die am Beginn des Finales auch etwas zu gemütlich. Nun habe ich nicht mitgezählt, ob sie am Ende genau doppelt so schnell werden ("doppio movimento" Achtel = Viertel), was ja zum Tempo des Kopfsatzes, den ich o.k. fand, korrespondieren muss. Mein Favorit unter den Brahms-Quartetten ist inzwischen wohl das a-moll, beim c-moll finde ich die Binnensätze etwas fad.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Brahms: Streichquartett op. 67

      Kater Murr schrieb:

      Der 2. Satz war wesentlich romantischer und "schöner" als ich in Erinnerung hatte


      Mit dem habe ich die meisten Probleme. Diese "Klangvorhänge" (wie ganz zu Beginn und dann relativ oft) sind sehr schön, aber das Hauptthema finde ich schlichtweg uninspiriert.


      Kater Murr schrieb:

      der 3. ist mir seit jeher etwas zu dröge (wenn auch wohl typisch brahmsisch)


      Den hör ich ganz gern (ich mag aber auch Bratschendominanz in Quartetten), auch das Trio und die plötzlich heller werdende Coda, bei der am Schluss zwei Takte lang dieser schräge Akkord stehenbleibt. Was auch eine schöne Überleitung zum Finale ist.


      Kater Murr schrieb:

      Und der etwas angeschrägte Klassizismus der Ecksätze gefällt mir zwar im Prinzip gut, aber eine emotionale Verbindung stellt sich nur bedingt ein...


      Ja, geht mir auch so. Die Coda des Kopfsatzes z.B., wenn die Themen kombiniert werden und Brahms unterschiedliche Taktarten teilweise in die Stimmen reinschreibt, hat was - aber es klingt auch recht hakelig und, hm, akademisch, hätte ich beinahe gesagt.


      Kater Murr schrieb:

      (es gibt noch einige Stücke, mit denen es mir ähnlich geht, das C-Dur-Trio zB, und ein paar Einzelsätze)


      Genau, das C-dur-Trio und auch die F-dur-Cellosonate, obwohl die einen tollen langsamen Satz hat. Sonst finden aber alle Brahms-Kammermusikwerke einen Platz in meinem Herzen. :D


      Kater Murr schrieb:

      Vielleicht könnte eine "trockenere" Lesart als die des ABQ abhelfen? Ich fand die am Beginn des Finales auch etwas zu gemütlich. Nun habe ich nicht mitgezählt, ob sie am Ende genau doppelt so schnell werden ("doppio movimento" Achtel = Viertel), was ja zum Tempo des Kopfsatzes, den ich o.k. fand, korrespondieren muss.


      Ich finde das schwierig mit den Aufnahmen bei den Brahms-Quartetten (Melos fand ich hier nicht gut, Emerson hat mich beim Probehören gar nicht überzeugt, LaSalle kenne ich nicht). Bei op. 67 erhoffe ich mir am Donnerstag im Konzert mit dem Hagen-Quartett die Erleuchtung. Ansonsten findet man bei Youtube eine Aufführung des Jerusalem Quartet, von den Tempi her ähnlich wie das ABQ, aber im Klang, tja, schlanker. Ziemlich gut.


      Kater Murr schrieb:

      Mein Favorit unter den Brahms-Quartetten ist inzwischen wohl das a-moll, beim c-moll finde ich die Binnensätze etwas fad.


      Die Romanze überzeugt mich im c-moll auch nicht so, für Brahmsens Intermezzi habe ich allerdings ein Faible. Das a-moll-Quartett ist wohl auch mein liebstes. Allein schon der Kopfsatz!


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Ich konnte mich bisher mit allen drei Streichquartetten von Brahms nicht so recht anfreunden und habe sie deshalb auch noch nicht oft gehört - ganz im Gegensatz zu den Streichquintetten und -Sextetten. Op. 67 habe ich mir nun seit gestern mehrmals angehört (mit dem Auryn- und dem Takács-Quartett), richtig warm geworden bin ich mit dem Werk aber nach wie vor nicht.

      Schon dieses Jagdhornthema im ersten Satz mag ich nicht (im Beiheft der Takács-Aufnahme wird auf die Ähnlichkeit zu Mozarts KV 458 hingewiesen). Andere fühlen oder fühlten sich durch diesen Anfang eher an Haydn erinnert, im Auryn-Beiheft wird ein Zeitgenosse mit dem Satz zitiert: Vater Haydn muß im Grabe lächeln. Das Auryn-Beiheft erklärt auch, warum dieses Jagdhornthema im letzten Satz wieder auftaucht. Es entpuppt sich nämlich als Variation des naiv-heiteren Schlusssatz-Themas.

      Den dritten Satz mit dem Bratschensolo mag ich aus dem Quartett am liebsten, auch das Singende im zweiten, langsamen Satz gefällt mir (das Thema soll von Mendelssohn, Lieder ohne Worte inspiriert sein), die Ecksätze hingegen...

      Joseph Joachim, der das Werk mit seinem Quartett 1876 im Hause Clara Schumanns aufgeführt hat, war jedenfalls sehr angetan. Er schrieb später an Brahms: Du hast wohl selber kaum schönere Kammermusik geschaffen als im d-Moll (dritten) Satz und im Finale, das erstere voll zauberischer Romantik, das letzte voll Innigkeit und Anmut bei aller kunstreichen Form. Doch auch der originelle erste Satz und das knappe, so schön austönende Andante sollen nicht zurück gesetzt werden!


      An meinen beiden Aufnahmen werden meine Vorbehalte gegen das Stück wohl eher nicht liegen.



      Beim Takács-Quartett fällt mir das Vibrato steellenweise ein wenig allzu üppig aus (vor allem bei der 1. Geige), aber ansonsten finde ich beide Aufnahmen sehr schön.

      Gruß, Carola
    • Zwielicht schrieb:

      Genau, das C-dur-Trio und auch die F-dur-Cellosonate, obwohl die einen tollen langsamen Satz hat.


      Witzig. Euer Empfinden beim Hören des B-Dur Quartetts kann ich 100% nachvollziehen, aber die beiden Werke finde ich absolut grandios. Das C-Dur-Trio ist mein Lieblingskammermusikwerk von Brahms.

      "Akademisch" finde ich ziemlich treffend bzgl. der Ecksätze... sie scheinen mir ein wenig nichtsagend. Das angeblich so sperrige a-Moll-Quartett finde ich hingegen äußerst gehaltvoll.
    • ralphb schrieb:

      "Akademisch" finde ich ziemlich treffend bzgl. der Ecksätze...


      Auch wenn ich das Wort selbst ins Spiel gebracht habe, mag ich seine pejorative Verwendung nicht besonders... ;+)

      Finde ich interessant, dass wir hier alle Probleme mit den Ecksätzen haben.

      Ich habe das Quartett seit gestern dreimal gehört und dabei auch ein bisschen in die Partitur geguckt. Mir gefallen Kopfsatz und Finale inzwischen etwas besser - besonders die Art und Weise, wie dieser klassizistische Tonfall (den von Carola erwähnten Bezug auf den Beginn von KV 458 finde ich übrigens plausibel) immer wieder abgebogen, angeschrägt und mit Irritationen durchsetzt wird. Nur ein paar Beispiele: wenn das "Jagdthema" des Kopfsatzes im pp in einen chromatischen Schleichgang übersetzt wird. Und Brahms kurz danach dieses Polka-Thema einführt, im 2/4-Takt, nach zwei Takten aber schon wieder in den 6/8 mit einer Variation des Hauptthemas wechselt , dann nach drei Takten aber doch wieder in den 2/4 usw. Oder die sotto-voce-Passagen der Durchführung. Oder wenn das harmlose Polka-Thema dramatisch durchgeführt wird.

      Dann im Finale: dieses zopfige Thema, bei dem man nicht weiß, ob es so richtig ernst gemeint ist: wenn es schon im vierten Takt kurz nach Moll abgebogen wird, ist das nur ein winziger Verstoß gegen die Tradition - aber die Fülle solcher Kleinigkeiten kann doch entzücken. Finde ich. Nur wenn sich am Schluss das Hauptthema des Kopfsatzes entpuppt, wirkt das auf mich etwas demonstrativ.

      Klar, die "emotionale Ansprache" verspüre ich auch nicht. Aber die ist etwa bei Haydn ja auch nicht immer da und da empfinden wir das nicht als Mangel und erfreuen uns an der geistreichen Komposition. Scheint bei Brahms schwieriger zu sein.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Schon das "Jagdthema" als solches wird ja "angeschrägt", da der (in der Klassik bei diesem Gestus beinahe obligatorische) Auftakt fehlt und die schwächsten Zählzeiten Akzente erhalten
      Ich bringe die durchaus romantischen Binnensätze auch nicht so leicht mit den Ecksätzen zusammen. Insgesamt scheint das aber wohl doch so etwas wie Brahms' Version eines heiteren Stücks zu sein. Er hat sich mit Quartetten ja ähnlich schwer getan wie mit der Sinfonie (und angeblich zahlreiche Jugendwerke vernichtet). Nachdem dann op.51 draußen war, konnte einige Jahre später ein vergleichsweise unbeschwertes Werk, sozusagen als "Kür" folgen. Während die ersten beiden Quartette eher an Beethoven und Schubert anschließen, so wird hier der Bezug zu den älteren Klassikern hergestellt, so wie auch die 2. Sinfonie mindestens im 3. und 4. Satz Züge einer Hommage an die Wiener Klassik, Haydn und Mozart hat.
      Da ich inzwischen von einem anderen Werk, das mir lange eher fernstand, Beethovens op.74, zumindest die ersten beiden Sätze sehr mag, wird das hier auch noch kommen. Ich meine mich auch zu erinnern, dass ich vor 20 Jahren, als ich diese Musik kennenlernte, das B-Dur-Quartett gerne mochte, gerade die Ecksätze...

      (An die F-Dur-Sonate dachte ich komischerweise gestern auch, hab sie dann nicht hingeschrieben, weil ich sie nicht en detail präsent, aber ebenfalls einen beeindruckenden langsamen Satz und ein packendes Finale in Erinnerung hatte.)
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Auch bei mir als ausgesprochenem Brahms-Kammermusik-Liebhaber gibt es ein paar Werke, um die ich einen Bogen mache. Das 3. Streichquartett gehört nicht dazu. Möglicherweise hat es etwas damit zu tun, dass ich es (vor langer Zeit) in der Aufnahme mit dem Quartetto Italiano kennengelernt habe.
      Hierzulande offensichtlich nicht vernünftig zu bekommen, daher kein Cover-Link, aber bei Amazon US kann man reinhören und günstig (gebraucht) erwerben.

      Die Italiener spielen ganz unprätenziös, teilweise mit ironischer Distanz, gemäßigten Tempi aber umso präziser gesetzten Akzenten. Nur der zweite Satz ist aus heutiger Sicht spieltechnisch etwas schwach. Umwerfender Klang.

      Aber auch das Artemis-Quartett, um ein neueres Beispiel zu nennen, hat das Werk im Konzert fantastisch gespielt.
      Dass die Takacs-Aufnahme weniger zündet, wundert mich nicht. Das weinerliche Vibrato des Primarius kann einem schon leicht auf den Senkel gehen, außerdem kopieren die Leute die Wiederholungen lieber als dass sie sie spielen.
      Ebenso wie das Emerson Quartet, bei dem es darüberhinaus auch spieltechnische Probleme zu bemängeln gibt.


      Weil ich's schon angedeutet habe und es hier so üblich ist ;+) , möchte ich mich noch outen, mit welchen Werke ich nichts anfangen kann:
      - das 1. Streichsextett B-Dur ertrage ich gar nicht (das 2. ist dagegen eines meiner absolut liebsten Kammermusikwerke)
      - das 2. Klaviertrio C-Dur
      - das 1. Streichquintett F-Dur (das 2. dagegen ... siehe oben).
      Leichte Probleme habe ich sonst nur noch mit dem 1. Streichquartett (mir zu sehr nach Beethoven gearbeitet) und dem Klarinettentrio (eventuell nur weil's nicht mit dem Klarinettenquintett konkurrieren kann).

      [Meine Positiv-Hitliste von Brahms Kammermusik (chronologisch): op. 26, 34, 36, 60, 78, 100, 111, 115]

      Gruß,
      Khampan
    • Khampan schrieb:

      Auch bei mir als ausgesprochenem Brahms-Kammermusik-Liebhaber gibt es ein paar Werke, um die ich einen Bogen mache. Das 3. Streichquartett gehört nicht dazu. Möglicherweise hat es etwas damit zu tun, dass ich es (vor langer Zeit) in der Aufnahme mit dem Quartetto Italiano kennengelernt habe.
      Hierzulande offensichtlich nicht vernünftig zu bekommen, daher kein Cover-Link, aber bei Amazon US kann man reinhören und günstig (gebraucht) erwerben.

      Die Italiener spielen ganz unprätenziös, teilweise mit ironischer Distanz, gemäßigten Tempi aber umso präziser gesetzten Akzenten. Nur der zweite Satz ist aus heutiger Sicht spieltechnisch etwas schwach. Umwerfender Klang.


      Die hatte ich mal in einer Sammelbox, die ich dann wieder abgestoßen habe. Mir war das (allerdings wohl mehr in op.51) erheblich zu undramatisch und betulich.


      Weil ich's schon angedeutet habe und es hier so üblich ist ;+) , möchte ich mich noch outen, mit welchen Werke ich nichts anfangen kann:
      - das 1. Streichsextett B-Dur ertrage ich gar nicht (das 2. ist dagegen eines meiner absolut liebsten Kammermusikwerke)
      - das 1. Streichquintett F-Dur (das 2. dagegen ... siehe oben).


      Was hast Du denn gegen das Quintett? Ich mag es lieber als das zweite. Ich wollte es gestern schon anführen, weil ich hier im Finale den "Neobarock" wesentlich packender finde als in op.67 (wobei man die Sätze eigentlich nicht vergleichen kann).
      Für das erste Sextett habe ich eine ziemliche Schwäche, aber ich kann verstehen, dass man es als zu lockeren Schubert-Aufguss und keinen echten, verdichteten, kompakt durchstrukturierten Brahms ansieht...


      [Meine Positiv-Hitliste von Brahms Kammermusik (chronologisch): op. 26, 34, 36, 60, 78, 100, 111, 115]


      op.26 wäre wohl bei vielen auf der Negativliste: zu lang, zu schweifend, zu gemütlich (ich mag es aber auch gern).
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Gerade gelesen: Walter Levin, ehem. Primarius des LaSalle-Quartetts, äußert sich folgendermaßen zu op. 67: [...] Das ist ein Stück, das mich von Anfang an angezogen hat und das wir ganz früh [...] gelernt haben. Ich fand es immer ein besonders gutes Stück und interessanter als die beiden anderen Quartette, obschon auch die sehr gut sind. Tatsächlich hat das LaSalle-Quartett op. 67 in Konzerten zwischen 1951 und 1986 insgesamt 98mal gespielt, womit es auf Platz 9 der am häufigsten von diesem Ensemble gespielten Werke steht. (Zitat und Informationen aus: Robert Spruytenburg, Das LaSalle-Quartett. Gespräche mit Walter Levin, München 2011).

      Kennt jemand von Euch die Aufnahme der Brahms-Quartette durch das LaSalle-Quartett von 1978/79? Ich habe im Netz oberflächlich nach Meinungen gesucht, konnte aber fast nichts finden. Die Box enthält noch die Einspielung von Hugo Wolfs d-moll-Quartett von 1967 und wird zu halbwegs erträglichen Preisen auf dem Marktplatz angeboten. Mir zuckte schon der Finger...




      Letzte Woche habe ich, wie oben kurz erwähnt, op. 67 im Konzert gehört, mit dem Hagen-Quartett. Meine Erwartungen waren groß und sie wurden nicht enttäuscht. Der zweite Satz hat mir zum erstenmal sehr gefallen, und für die Ecksätze ist der von diesem Ensemble derzeit gepflegte hochdifferenzierte, gelegentlich stärker rubatierende und farbige Klang wunderbar geeignet. Wär schön, wenn sie das auf CD rausbrächten.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Khampan schrieb:

      Möglicherweise hat es etwas damit zu tun, dass ich es (vor langer Zeit) in der Aufnahme mit dem Quartetto Italiano kennengelernt habe.
      Hierzulande offensichtlich nicht vernünftig zu bekommen, daher kein Cover-Link, aber bei Amazon US kann man reinhören und günstig (gebraucht) erwerben.

      Die ersten 2 Sätze kann man hier hören:
      "http://www.youtube.com/watch?v=dxaAPRVK3lc&feature=mfu_in_order&list=UL"
      "http://www.youtube.com/watch?v=8EUwXzSew1I&feature=mfu_in_order&list=UL"

      großartiger Klang, und der erste Satz wirklich spannungsreich und lebendig.
      Für mich eine große Anregung aus diesem thread, da ich um Kammermusik auch des "Bruder Johannes" immer einen Bogen gemacht habe.
      Dank euch hör da jetzt mal hin!
      Das a-moll-Quartett liebe ich schon sehr, am c-moll-Quartett fand ich auf dxen ersten Eindruck nicht ganz so viel gefallen...

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Den meisten, die sich zum dritten Quartett von Brahms geäußert haben, schließe ich mich tendenziell an.

      Bei so manchen Komponisten empfinde ich die eine oder andere Streichquartettkomposition als Schaffenshöhepunkt; dem ist bei Brahms bei Weitem nicht so. Auch mit op. 67 kann ich nur wenig anfangen. Die Themen und die Stimmung des Anfangssatzes gefallen mir nicht, zum Schlusssatz möchte ich gar nicht äußern; der plättet mich auch rhythmisch. Trotz meines Missfallens ist das Werk jedoch, wie ich finde, in sich kompakt und ist in sich "brahmsstimmig". Ich finde, dass sich dieses Stück diesseits der Grenze, die Schmalz und Trallala von ernsthaftem, raffinierten, poetischen und ausdrucksvoller Atmosphäre trennt, befindet. So eindeutig kann ich dies bei den Brahmswerken, die sich ja häufig in der Nähe dieser Grenze befinden, nicht immer beurteilen.

      Die beiden Streichquintette, wo doch von ihnen hier auch die Rede war, gehören für mich dagegen ebenso eindeutig auf die zweitgenannte Seite.

      Ich habe vom Quartett eine ziemlich gute Einspielung des Borodin Quartetts, die eine passende Atmosphäre erzeugt. Das Ensemble vermittelt, wie ich finde, etwas den Geruch alter, dunkler und angestaubter Holzmöbel, dicker golden verzierter Bilderrahmen und hellbrauner Fenstervorhänge. Ich meine dies gar nicht negativ, sondern anerkennend; das passt ganz gut zu dem Stück.

      Uwe
      Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.

      (Franz von Assisi)
    • Op. 67 mit dem LaSalle-Quartett

      Zwielicht schrieb:

      Gerade gelesen: Walter Levin, ehem. Primarius des LaSalle-Quartetts, äußert sich folgendermaßen zu op. 67: [...] Das ist ein Stück, das mich von Anfang an angezogen hat und das wir ganz früh [...] gelernt haben. Ich fand es immer ein besonders gutes Stück und interessanter als die beiden anderen Quartette, obschon auch die sehr gut sind. Tatsächlich hat das LaSalle-Quartett op. 67 in Konzerten zwischen 1951 und 1986 insgesamt 98mal gespielt, womit es auf Platz 9 der am häufigsten von diesem Ensemble gespielten Werke steht. (Zitat und Informationen aus: Robert Spruytenburg, Das LaSalle-Quartett. Gespräche mit Walter Levin, München 2011).

      Kennt jemand von Euch die Aufnahme der Brahms-Quartette durch das LaSalle-Quartett von 1978/79? Ich habe im Netz oberflächlich nach Meinungen gesucht, konnte aber fast nichts finden. Die Box enthält noch die Einspielung von Hugo Wolfs d-moll-Quartett von 1967 und wird zu halbwegs erträglichen Preisen auf dem Marktplatz angeboten. Mir zuckte schon der Finger...




      Da flatterten mir doch neulich besagte CDs in den Briefkasten - merci! :)

      Op. 67 mit den LaSalles avanciert ab sofort zu meiner Lieblingsinterpretation des Werks auf Tonträgern. Ziemlich straffes Tempo im ersten Satz (der teilweise ausgesprochen virtuos und auch in der Coda nicht "dick" daherkommt), demzufolge (Tempobezug zum Kopfsatz) auch das Finale schneller als gewohnt. Wunderbar gelungen finde ich, wie meist bei diesem Ensemble, die Gewichtung der einzelnen Stimmen (insb. auch der mittleren), die Flexibilität bei Haupt- und Nebenstimmen und die Phrasierung. Dadurch gefällt mir hier gerade der zweite Satz besonders gut, sehr licht und "vielstimmig", ohne dass eine extreme Differenzierung von Tempo, Dynamik und Vibrato angestebt würde wie beim Hagen-Quartett. Die (von mir geliebten) "Manierismen" dieses Ensembles sind wirklich nicht Sache des LaSalle-Quartetts, das aber auf seine Weise nicht weniger überzeugt als die Hagens im Konzert. Die von Uwe assoziierten angestaubten Holzmöbel und dicken Bilderrahmen sehe ich jedenfalls in beiden Fällen nicht vor mir. ;+) Ich mag op. 67 nach zigfachem Hören in den letzten Wochen inzwischen ziemlich gern.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Khampan schrieb:

      Hallo Bernd,

      wie hält es LaSalle mit der Expo-Wiederholung im 1. Satz? Vermutlich ohne...


      Lieber Khampan, doch, das LaSalle-Quartett spielt die Expo-Wiederholung.

      In dem oben zitierten Gesprächsbuch mit Walter Levin ist übrigens auch ein Unterkapitel über die Befolgung von Wiederholungsvorschriften enthalten. Ich fass das demnächst vielleicht mal in unserem Wiederholungs-Thread zusammen.


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • In den letzten Tagen habe ich das Quartett mal wieder im Vergleich gehört, mit den beiden Aufnahmen, die ich habe: LaSalle und Quartetto Italiano.

      Merkwürdig: Den LaSalles konnte ich insgesamt nicht so viel abgewinnen: so ruppig und teilweise scharf und streng. Immer wieder hatte ich das Gefühl, daß das emotional differenzierter geht. Und das fand ich dann in der feinfühligen Aufnahme mit den Italienern, warm und fließend, auch etwas verspielt.

      Kann gut sein, daß ich das beim nächsten Vergleich wieder anders erlebe.

      Das "Akademische" des Werks, dem man anmerkt, daß es dem Komponisten - so mein Eindruck - nicht in erster Linie um Selbstausdruck (was bei Brahms meist aufs Melancholische zielt) geht, sondern um Abarbeiten an der Tradition (Haydn, Beethoven, Schumann), das gefällt mir gut!

      Demnächst werde ich mir mal wieder die beiden Quartette op. 51 vornehmen, die ich schon zu lange nicht mehr gehört habe.

      :wink:

      PS: In beiden Fällen wird übrigens die Exposition im 1. Satz wiederholt. ;+)
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich geselle mich bezüglich op. 67 hier zu den Skeptikern. Mit dem c-Moll Quartett kann ich dank der neuen Einspielung des Takács-Quartetts inzwischen einiges anfangen, aber op. 67 finde ich immer noch langweilig. Am besten gefällt mir der langsame Satz mit seinen Anklängen an Mendelssohn und Beethoven, aber die letzten beiden Sätze sind wirklich schlichtweg dröge. Mit dem oben mehrmals erwähnten C-Dur Klaviertrio habe ich allerdings nicht die geringsten Probleme - das finde ich von Anfang bis Ende mitreissend.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Op. 67 ist mir unter Brahms' Streichquartetten das liebste. Ich vergleiche es gerne - bei allen offensichtlichen Unterschieden - mit Beethovens op. 74, für das ich ebenfalls eine Schwäche habe. Gut, op. 74 ist das heitere Werk zwischen der gattungsverändernden Trias op. 59 und dem extremen op. 95, das trifft es bei Brahms nicht ganz. Aber auch hier wirkt op. 67 ein heiterer Nachklang auf die Quartette op. 51. Und wenn am Ende der Variationen das erste Thema des Kopfsatzes wieder erklingt, dann geht doch das Herz auf ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Op. 67 ist mir unter Brahms' Streichquartetten das liebste. Ich vergleiche es gerne - bei allen offensichtlichen Unterschieden - mit Beethovens op. 74, für das ich ebenfalls eine Schwäche habe.

      Eine Gemeinsamkeit ist, dass das Finale eine Variationen-Folge ist. Ich habe ja Brahms' Quartett früher kennengelernt als Beethovens op. 74. Und ich war sehr überrascht, dort in der einen oder anderen Variation diesen Sound zu hören, den ich als klar brahmsianisch (z.B. auch in den Variationen in Brahms' Streichsextett op. 18) aufgefasst hatte.
      Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Op. 67 ist mir unter Brahms' Streichquartetten das liebste.
      Mir auch. Ganz besonders liebe ich den dritten Satz: diese innere Unruhe, dieses Spiel mit den Bewegungszuständen, das immer wiederkehrende Innehalten (in der Großform wie im Motivischen), der lyrisch-entspannte Schluss usw., ein ganz außerordentlicher Satz. Auch die Variationen finde ich wunderschön. Ihre lyrische Innigkeit erinnert schon ein wenig an den Schlusssatz der zweiten Klarinettensonate.


      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde