James Horner - "Titanic" ist nur die Spitze des Eisbergs

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • James Horner - "Titanic" ist nur die Spitze des Eisbergs

      Aquarius hat vor längerer Zeit schon einmal einen Thread zu James Horner aufgemacht, genauer gesagt für seine Filmmusik zu James Camerons Avatar, einen allgemeinen Faden zu Horner gibt es aber bislang noch nicht in diesem Forum.

      Wie wohl viele andere bin ich 1997 durch Camerons Box-Office-Sensation Titanic auf James Horner aufmerksam geworden. Als Radiohörer war es in den Wochen nach dem Kinostart fast ein Ding der Unmöglichkeit, dem Schlusssong des Films, "My heart will go on" (gesungen von Celine Dion) aus dem Weg zu gehen - er lief rauf und runter. Während mir der Song ehrlich gesagt schon beim ersten Mal auf die Nerven ging, konnte ich mich für den Score durchaus begeistern. Gerade Horners Verwendung von Synthi-Chorklängen z.B. beim Auslaufen des Luxusdampfers aus Southampton passte meiner Meinung nach perfekt zur surrealen Aura, die das Schiff umgab.



      "Southampton": "http://www.youtube.com/watch?v=D4Lx9tTq7vE&feature=related"

      Horner wurde bei der Academy Awards-Verleihung im Jahr darauf die seltene Ehre zuteil, gleich zwei Oscars an einem Abend abzuräumen, nämlich den für die beste Filmmusik und den für den besten Song. Und auch beim Publikum kam der Soundtrack hervorragend an, mit über 30 Millionen verkauften Alben gehört Titanic zu den kommerziell erfolgreichsten Soundtracks aller Zeiten. Filmmusikkennern war Horner natürlich schon lange vor dieser Zeit ein Begriff, er machte sich mit Star Trek II (1982), Krull (1983), Aliens (1986), Legends of the Fall (1994) und Apollo 13 (1995) einen Namen, auch Mel Gibsons schottische Schlachtplatte Braveheart (1995) wurde von ihm vertont und brachte ihm eine Oscar-Nominierung für die Beste Filmmusik.

      James Horner wurde am 14. August 1953 in Los Angeles als Sohn der österreichischen Einwanderer Harry und Joan Horner (der Vater war Ausstatter beim Film) geboren, wuchs jedoch in London auf und studierte dort am Royal College of Music. Später kehrte er nach Kalifornien zurück und erwarb einen Musik-B.A. an der USC (University of Southern California) und einen M.A. an der UCLA (University of California, Los Angeles), im Anschluss arbeitete er für das AFI (American Film Institute). Zu Beginn seiner Karriere kooperierte er Anfang der 80er häufig mit der bekannten B-Movie-Produzenten-Ikone Roger Corman. Als wichtiger Schritt darf seine Arbeit zum zweiten Star Trek-Kinofilm, Star Trek II - The Wrath of Khan (1982) gesehen werden, für den er den Auftrag bekam nachdem der renommierte Komponist des ersten Teils, Jerry Goldsmith, wegen des geringen Budgets ausgestiegen war. Seine ersten Oscar-Nominierungen erhielt er 1987 für den Zeichentrickfilm An American Tail und den zweiten Teil der Alien-Reihe, Aliens (auch hier hatte witzigerweise Jerry Goldsmith die Musik zum ersten Teil geschrieben). Mit seinen Arbeiten zu Braveheart (1995) und Titanic (1997) gelang ihm der endgültige Durchbruch und er wurde von nun an regelmäßig für Blockbuster (How the Grinch stole Christmas, The Perfect Storm, A Beautiful Mind, Troy etc.) verpflichtet, was ihn aber nicht davon abhielt, hin und wieder auch bei "kleineren" Filmen tätig zu sein. Zuletzt war Horner in The Karate Kid (2010) zu hören.

      Obwohl Horner sicherlich nicht der einzige Filmmusikkomponist ist, der sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert sieht, so traf und trifft es ihn doch in besonderem Maße. Ich kann mich noch an die Titanic-Zeit erinnern, als ich einmal den Soundtrack zu Deep Impact (1998) laufen hatte und eine Freundin meinte, "Hey, das ist doch Titanic!". Auch als ich letztes Jahr zum ersten mal mit den Symphonien von Shostakovich in Kontakt kam, musste ich feststellen, dass Horner für seine Musik zu Troy ein Thema aus der 5. Symphonie fast 1:1 übernommen hat. Die Vorwürfe sind also sicherlich in manchen Fällen nicht ganz unberechtigt, bestimmte Kompositionen sind sich schon sehr ähnlich und wirken z.T. recht uninspiriert. Trotzdem mag ich einige Arbeiten von Horner sehr gerne, vor allem aus seiner frühen Schaffensphase, z.B. Star Trek II, Krull, Aliens und Glory.



      "End Title": "http://www.youtube.com/watch?v=9LydAZjBwHQ"


      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/61VVFtsmbQL._SL500_AA300_.jpg]

      "Main Title": "http://www.youtube.com/watch?v=RllRPZw--9Q"




      "Main Title": "http://www.youtube.com/watch?v=BK9cPymRVbs"
      "Futile Escape": "http://www.youtube.com/watch?v=Yn0hV53dykU&feature=related"
      "Bishop's Countdown": "http://www.youtube.com/watch?v=uatyX2PkK8E&feature=related"




      "Main Theme": "http://www.youtube.com/watch?v=bi_M2S0Tn78&feature=related"


      Seine letzten Arbeiten (u.a. auch Avatar) haben mich dagegen weniger begeistern können, alles sehr berechenbar ... Eine erwähnenswerte Ausnahme bildet seine Arbeit zu Mel Gibsons Apokalypto (2006), bei dem Horner auf ein traditionelles Orchester verzichtete und lediglich mit einer Reihe von 'ethnischen' Instrumenten arbeitete.



      "Tapir Hunt": "http://www.youtube.com/watch?v=5h_d31yKRx8&feature=related"

      Als Höralbum ist das ganze allerdings nur bedingt schmackhaft ... ;+)

      DiO :beatnik:
    • Diabolus in Opera schrieb:

      Wie wohl viele andere bin ich 1997 durch Camerons Box-Office-Sensation Titanic auf James Horner aufmerksam geworden. Als Radiohörer war es in den Wochen nach dem Kinostart fast ein Ding der Unmöglichkeit, dem Schlusssong des Films, "My heart will go on" (gesungen von Celine Dion) aus dem Weg zu gehen - er lief rauf und runter. Während mir der Song ehrlich gesagt schon beim ersten Mal auf die Nerven ging, konnte ich mich für den Score durchaus begeistern.

      Die "Titanic"-Musik und vor allem der unvermeidliche Titelsong "My heart will go on" ist, soweit ich sehe, das Einzige, was ich von James Horner kenne. Vermutlich wird sein Name auf ewig mit diesem Inbegriff der Kitsch-Schnulze schlechthin verbunden sein. Aber das finde ich nicht schlimm. Manchmal braucht man doch ein Bisschen Kitsch und Schmalz, oder? Und wie vielen Komponisten ist es schon gegeben, dass ihnen ein Mal im Leben so ein Ohrwurm einfällt? Für mich ist das auch eine Qualität, die man an einem Komponisten würdigen kann - und James Hoerner hat sich damit fest in das kollektive Gedächtnis gleich mehrerer Generationen hineinkomponiert. Auch das ist aller Ehren wert und gelingt den wenigsten Komponisten.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Horner hat noch eine zweite CD "More Music from Titanic" herausbringen lassen: Da findet sich unter anderem eine "Titanic Suite", die aus meiner Sicht das Wesentliche des Originalscores so verdichtet, dass die Musik dadurch gewinnt. Obendrein befinden sich auf dieser CD auch weitere durchaus hörenswerte Tracks.

      Ansonsten schätze ich folgende Musiken von Horner:

      Wind-Talkers (mein Favorit); New World; A Beautiful Mind (da arbeitet der Komponist mit minimalistischen Elementen) - dann natürlich die Musik zu Willow, aber auch Deep Impact gefällt mir.

      Avatar hat einige bemerkenswerte Melodien, das Konzept dieser Musik ist mir aber ein wenig zu heterogen - will sagen der Orchestersound will nicht so richtig zum Ethnosound passen.
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Cherubino schrieb:

      James Hoerner hat sich damit fest in das kollektive Gedächtnis gleich mehrerer Generationen hineinkomponiert. Auch das ist aller Ehren wert und gelingt den wenigsten Komponisten.

      Naja, also Popsongschreibern gelingt das schon desöfteren 8+) , und gerade Popsongs wie diesen gibt's doch wie Sand am Meer, das ist doch durchschnittliche, auf Charterfolg getrimmte Massenware und keineswegs etwas "besonderes"!
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • EinTon schrieb:

      und gerade Popsongs wie diesen gibt's doch wie Sand am Meer

      Gerade das glaube ich nicht! Natürlich gibt es Popschnulzen wie Sand am Meer und natürlich gibt es auch welche die besonders eingängig und erfolgreich sind. Das ist in der Tat Durchschnitt. Aber ich habe den Eindruck, die meisten dieser Schnulzen sind Ver- und Gebrauchsprodukte für das musikalische Tagesgeschäft. Liebeslieder, die auch nach Jahren oder Jahrzehnten noch fast jeder mitsingen -summen -pfeifen kann, sind insofern schon etwas "Besonderes". "My heart will go on" oder das genauso schnulzige "I will always love you" das aus aktuellem Anlass wieder in allen Gehörgängen steckt, haben es geschafft, über die kurzfristige Popularität hinaus wirklich ins kollektive Gedächtnis einzudringen, die Melodie von "My heart goes on" steht zum Beispiel symbolhaft für eine ganze Art von Musik, eben für "Kitsch".
      Das dieses Lied diese Wirkung entfalten konnte, eine Wirkung die die Popschnulzen, die es wie Sand am Meer gibt, eben nicht haben, spricht für mich schon für eine besondere Qualität der Komposition. Die sehe ich bei diesem Lied vor allem in der einfachen, leicht nachsingbaren Melodie (kleine Intervalle, Sequenzen etc.), die man schon beim ersten Hören nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Dass einem solch eine Melodie einfällt, das halte ich nach wie vor für einen großen Glücksfall für einen Komponisten, auch wenn ich weiß, dass hier viele mit einer solchen Beurteilung nichts anfangen können, weil sie auf den ersten Blick etwas ziemlich "Populäres" und Altmodisches hat.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Also, ich hätte die Melodie jetzt nicht mehr gewußt (hab's mir aber zum Schreiben meines Beitrags nochmal an-gehört, jetzt habe ichs natürlich wieder im Ohr...).

      I. Ü. möchte ich mal behaupten, dass die "Prominenz" dieser Melodie einfach daher rührt, dass sie im Zusammenhang mit einem "prominenten" Film (an den man sich halt "erinnert") die Leute erreichte, hinfort mit diesem Film assoziiert wird und sich schon von daher leichter ins kollektive Gedächtnis eingräbt als ein Song, bei dem eine solche Assoziation nicht besteht... ;+)
      zwischen nichtton und weißem rauschen
    • Ein typischer Evergreen zeichnet sich eher dadurch aus, dass man den Film, die Operette usw., aus dem er stammt, längst vergessen hat, das Lied aber immer noch ein Schlager bleibt. (Oder dass viele Menschen die Melodie kennen, ohne zu wissen, woher sie stammt, selbst wenn in manchen Kreisen das umfassende Werk auch noch bekannt ist.)
      Um das feststellen zu können, ist es im Falle Titanic noch zu früh. Ohne irgendwelche Kompetenz für Popmusik zu haben, tendiere ich bislang jedoch zu EinTons Haltung bzgl. des Titanic-Schnulzen.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Wie? ?( ?( ?(

      Zu James Horner fällt euch nicht mehr ein? ?( ?( ?(

      Wie wäre es mit seinen Scores, die mit einer Rockband eingespielt wurden?

      - Wolfen (1981)
      - Nur 48 Stunden (1982)
      - Gorky Park (1983)
      - Phantom-Kommando (1985)
      - Der Name der Rose (1986)
      - Red Heat (1988)


      Wie ist es mit den eher unscheinbaren Scores, die jedoch sehr passend sind?

      - Sneakers - Die Lautlosen (1992)
      - Die Akte (1993)


      Vor allem die aus den 1980er Jahren sind unglaublich dicht und wuchtig und passen zu dem Stil, den die Filme haben. Gerade deshalb ist Horner einer der ersten Filmkomponisten, dessen Name mir im Gedächtnis haften blieb, schon seit fast 25 Jahren. Könnt ihr euch Nur 48 Stunden mit einem Symphonie-Orchester vorstellen?!? Ich nicht!

      Und die ganzes Diskussion dreht sich allen Ernstes nur um My Heart Will Go On? Das ist ein Song aus einem Film.


      jd 8|
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Josquin Dufay schrieb:


      Wie wäre es mit seinen Scores, die mit einer Rockband eingespielt wurden?

      - Wolfen (1981)
      - Nur 48 Stunden (1982)
      - Gorky Park (1983)
      - Phantom-Kommando (1985)
      - Der Name der Rose (1986)
      - Red Heat (1988)


      Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich davon noch gar nichts kenne ... werde aber nach Deinem Hinweis mal bei YT auf die Suche gehen ...


      Und die ganzes Diskussion dreht sich allen Ernstes nur um My Heart Will Go On? Das ist ein Song aus einem Film.
      jd 8|


      Na ja, besser als KEINE Diskussion oder? ;+)

      Auch nicht ganz unkitschig, aber meiner Meinung nach viel besser als "My heart will go on" ist Horners Song für Terrence Malicks The New World, "Listen to the Wind", gesungen von Haley Westenra.

      "http://www.youtube.com/watch?v=tjDnA8E5RNI"




      DiO :beatnik:
    • Hier noch zwei schöne Schnipsel aus zwei Horner-Scores, zu Wolfgang Petersens The Perfect Storm (Der Sturm) und Ron Howards Apollo 13:

      "http://www.youtube.com/watch?v=ZbgIKPnrJPE" (bin mir allerdings gerade nichts ganz sicher, ob das die Originaleinspielung für den Film ist ...)




      "http://www.youtube.com/watch?v=GM9Q9tjs0xI" (End Title)



      DiO :beatnik:
    • Bin heute zufällig in einem anderen Thread auf eine Passage von Michael zum Thema James Horner gestoßen, ich stell sie mal hier mit rein und hoffe, dass er nix dagegen hat ... :D


      Michael Schlechtriem schrieb:


      James Horner....der ist ein rotes Tuch für mich.
      Was der sich so zurecht geklaut hat, das ist unter aller Sau.

      Und fast immer mit mit dem Credit :

      Musical Score:
      James Horner


      So unverschämt beim Klauen wie Horner war noch nicht mal Tiomkin-obwohl nahe dran.

      Sehr nahe dran, seine Erinnnerungen hat er nicht ohne Grund "Please don't hate me" genannt......
      DAS war wenigstens ehrlich gemeint.

      Aber Horner :huh:
      Bei dem ist nichts ehrlich..........

      Der ist nichts weiter als ein professioneller Großkotz, der schlimmste von allen!
      Sibelius, Schosta........vor allem Schostakowitsch, da hat er geklaut, daß sich die Balken biegen.
      :thumbdown:

      Michael



      DiO :beatnik:
    • Das Privatflugzeug von James Horner ist abgestürzt, Pilot tot.
      Möglicherweise war er selbst der Pilot.

      http://www.spiegel.de/panorama/leute/james-horner-flugzeug-abgestuerzt-a-1040172.html
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Es hätte sich bei dem tödlich verunglückten Pilot um Horner gehandelt, melden verschiedene Medien unter Berufung auf einen Facebook-Eintrag seiner Assistentin, der anscheinend ernst zu nehmen ist. Eine Reihe von Mitgliedern der Hollywoodgemeinde (u.a. Ron Howard) haben bereits ihr Mitgefühl ausgedrückt (Quelle: "http://www.hollywoodreporter.com/news/composer-james-horner-dies-plane-804366").

      :(
    • Das ist so traurig - denn Horner gehörte für mich zu den interessantesten Score-Komponisten. Neben den orchestralen Musiken beherrschte er auch die Komposition von Rockband-ähnlichen Scores (z.B. Nur 48 Stunden, Gorky Park), die ungeheuer wirkungsvoll funktionierten. Das machte nicht jeder.

      Wenn man sich bei imdb die Liste seiner Filme ansieht, ist es bemerkenswert, wie breit gefächert die Genres sind. Er hatte stets für jeden Film den richtigen Score parat (da glich er Jerry Goldsmith) und konnte noch den kleinsten Film eine eigene Aura geben. Titanic (1997) ist halt nur ein Score unter hunderten (aber sein erfolgreichster).

      Für die Doku Living in the Age of Airplanes (2015) hatte er die Musik komponiert, da er als Hobbyflieger dieses Thema besonders mochte. Letztendlich eine Art tragisches Vermächtnis... :S

      Vor kurzem sah ich nochmals Gorky Park (1983) - was für ein wuchtiger, exzellenter Score... :juhu:


      RIP James Horner... ;(


      jd :(
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Zunächst gelten meine Gedanken der Trauer seiner Familie, seiner Freunde und engen Arbeitskollegen, die von diesem plötzlichen Tod sehr mitgenommen sein müssen. Offensichtlich liebte er zu fliegen, und nun kam er als Flieger zu Tode. Die genauen Umstände wissen wir nicht, und werden sie vielleicht auch nicht erfahren.

      Ich könnte nicht sagen, dass ich ein wirklicher Fan Horners war, aber sein Werk hat mich früh, und dann immer wieder berührt, initial und positiv vollkommen unerwartet mit Star Trek II: The Wrath of Khan. In den späten 1980ern kam niemand an ihm vorbei, der ins Kino ging oder Fernsehen schaute, und sei es durch die unzähligen Trailer, die den Cue Bishop’s Countdown aus Aliens wiederverwendeten, ein Fixum der Popularkultur dieser Zeit. Die Post-Production dieses Films war ja zwischen Regisseur und Produzentin einerseits und Komponist andererseits über die Maßen stressbelastet und konfliktreich; trotz Oscar-Nominierung für die Musik konnte das Arbeitsverhältnis erst Jahre später für Titanic wieder gekittet werden. Der Song war nach Horners Aussage seine Initiative; Cameron wollte ursprünglich keinen. Beide hatten anschließend ausgesorgt, na, ich gönn’s ihnen!

      Horner war bei allem eigenen Profil und Kreativität bestimmt auch einer derjenigen Filmkomponisten, die sich im klassischen Repertoire auf besonders erkennbare Weise bedienten. Das kann man ihm vorwerfen oder auch hier sein Händchen für die oft überaus geglückte Wahl begrüßen. (Ich persönlich würde mir bei solchen Gelegenheiten wünschen, dass Hollywood hier öfters einfach offen Flagge zeigen könnte, z.B. im Abspann entsprechende Verweise einfügen, aber das ist eine andere Geschichte.) Er war ein Fixum der Filmmusik, mit Sensibilität und konstanter handwerklicher Qualität.

      Hab auch immer gerne seine Interviews gehört, mit dieser weichen, manchmal etwas gezierten Stimme, die neben der geschäftsüblichen Hollywood-Unverbindlichkeit mitunter außergewöhnlich deutlich Tacheles sprach. Da merkte man, dass er im Geschäft zu jonglieren verstand, aber Künstler war und blieb.