Friedrich Gulda: Konzert für Violoncello und Blasorchester – Eklektische Liebeserklärung ans Salzkammergut

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    • Friedrich Gulda: Konzert für Violoncello und Blasorchester – Eklektische Liebeserklärung ans Salzkammergut

      Friedrich Gulda, geboren 1930 in Wien, gestorben 2000 in Weißenbach am Attersee, einer der großen österreichischen Pianisten des 20. Jahrhunderts, Grenzgänger zwischen von Anfang an Maßstäbe setzenden Interpretationen etwa von Beethovens Klaviersonaten und der lebenslangen persönlichen Suche im Jazzbereich, als Komponist Eklektiker zwischen allen Stühlen, erhielt 1980 Besuch vom 1951 in Gmunden geborenen aufstrebenden Cellisten Heinrich Schiff. Folgt man Friedrich Guldas Gesprächen mit Kurt Hofmann, in Buchform veröffentlicht bei Langen Müller (München 1990), wollte Schiff vor allem mit Gulda diverse Literatur für Violoncello und Klavier neu einstudieren. Gulda, der Ende der 50er Jahre das Gesamtwerk Beethovens für Cello und Klavier zusammen mit Pierre Fournier eingespielt hatte, zeigte kein Interesse daran, schrieb stattdessen aber ein Konzert für Violoncello und Blasorchester, das im Mai 1981 im Wiener Austrophon Studio mit Heinrich Schiff und dem Wiener Bläserensemble unter der Leitung des Komponisten für Schallplatte aufgenommen und am 5.10.1981 in Villach sowie danach gleich zweimal in Wien mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Auf der LP fand sich schließlich – kleiner Kompromiss Guldas – mit den Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“ für Cello und Klavier doch noch etwas Beethoven.

      Das etwa 30 Minuten lange Werk umfasst fünf Sätze. Neben dem Cellosolo und dem Blasorchester sind Gitarre, Jazz Bass, Kontrabass und Schlagzeug aufzubieten.
      In der Ouvertüre werden drei kräftige Jazz-Funkrock-Abschnitte durch zwei alpenidyllische Zwischenspiele unterbrochen
      Die Idylle des zweiten Satzes bietet als Rahmen eine noch breitere Alpenidylle, in die eingebettet zweimal ein Ländler und ganz in der Mitte eine große Cellokantilene erscheinen. Die große ausgeschriebene Cadenza verlangt dem Solisten auch zwei Improvisationspassagen ab, die erste mit der leeren A-Saite als Basis, über der man sich exzessiv austoben kann, die zweite mit Flageolett-Tönen.
      Das ursprünglich 1965 für „Les Hommages“ komponierte Menuett, eine Art höfischer Tanz, spielt mit Elementen der melodischen Tonleiter, wodurch spielmannsartige Strenge oder auch eine Pavane assoziiert werden kann.
      Und das Finale alla marcia kostet offenherzig Bierzeltfreude aus, wie sie im Salzkammergut alltäglich sein mag, nur zwischendurch unterbrochen von einem (Jazzrock-)Unwetter – auch damit kann man ja im Salzkammergut jederzeit rechnen.

      Das unverblümte Ausspielen der Klischees österreichischer Volksmusik in diesem darüber hinaus durchaus virtuos angelegten eklektischen Konzertwerk schielt unverhohlen nach guter Laune, ohne die Grenze zum Seicht-Kommerziellen anzustreben. Gulda wollte damit ganz sicher ungleich mehr erfreuen als provozieren. Er hat keinen Genierer vor vordergründiger Gefälligkeit. Für den Solisten ist dies zudem ein vehement forderndes Bravourstück. Die Sätze 1, 2, 4 und 5 verlangen genaue Abstimmung zwischen Blasorchester und Solist, interpretatorische Unterschiede bei Aufnahmen kommen hier mehr im klanglichen Bereich zur Geltung, allenfalls auch in der Tempowahl. Die ganz persönliche Note kann und muss sich in der großen Cadenza des dritten Satzes entfalten. Hier offenbaren sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten, wie sie den Bogen führen, welchen Ton ihr Cello hat, ob sie jazzoid fühlbare Elemente als solche wahrhaben wollen oder auch diese „als wären sie E-Musik“ anlegen. Bei Interpretationsvergleichen kann man vielleicht beobachten, inwieweit „die österreichische Mundart“ getroffen ist oder ob die Solisten bereit sind, sich auch dem Schmelz der Musik ganz hinzugeben.

      Eine detaillierte Analyse der Komposition findet sich bei Friedhelm Flamme, „Der Pianist und Komponist Friedrich Gulda“ (Cuvillier Verlag, Göttingen 2006). Der Begleittext von Heinrich Schiff zur LP, nachzulesen auch in der CD-Erstveröffentlichung (hier zusammen mit Guldas „Concerto for Ursula“, Details siehe weiter unten), umschreibt das Werk als Liebeserklärung ans Salzkammergut, weniger musikanalytisch als vielmehr außermusikalische Assoziationen einfangend.

      Die Schallplatte wurde ein kommerzieller Erfolg, und die Aufführungen im Lauf der nächsten Jahre brachten dem Solisten genauso wie dem dirigierenden Komponisten viel Publikumsjubel ein. Ich habe zum Beispiel ein Konzert am 24.5.1988 im Wiener Konzerthaus miterlebt, bei dem man auch gut sehen konnte, wie intensiv sich Schiff geradezu hineintigert bei den exzessiven Passagen und wie locker-lustig der Komponist Gulda als Dirigent mehr den bewusst die Pointierung der Musik verstärkenden Kasperl macht als „seriös“ das Orchester zu leiten. Zweifellos gehört zu diesem Werk auch ein gehöriges Maß an Sinn für Entertainment. Ein zweites Mal konnte ich das Werk am 19.7.2005 in der Bayerischen Staatsoper in München im Rahmen eines Gedenkkonzerts für den fünf Jahre zuvor verstorbenen Gulda live hören. Diesmal spielte Gautier Capuçon, und Guldas Sohn Paul dirigierte die Bayerische Kammerphilharmonie ganz in der „frechen“ Tradition des Vaters. Beide Male wurde die Aufführung bejubelt wie sonst bei Popkonzerten gejubelt wird.

      Am 16.7.1988 spielte Heinrich Schiff das Konzert unter Guldas Leitung mit den Münchner Philharmonikern in der Philharmonie am Gasteig, diese Aufführung wurde für Videoverwertung festgehalten.

      Ouvertüre:
      "http://www.classicaltv.com/v1070/friedrich-gulda-concert-for-cello-and-wind-orchestra"

      Weitere Ausschnitte daraus in der Fernsehdokumentation „So What?!“ mit einer Stellungnahme Guldas zur Zusammenarbeit mit Schiff:
      "http://www.youtube.com/watch?v=TgpL74n7Ivs"

      Wie kam es zum Zerwürfnis? Friedrich Gulda fand eine Nichtanerkennung des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt für die Salzburger Festspiele 1988 (wieder nachzulesen in den Gesprächen mit Kurt Hofmann sowie bei Irene Suchy, „Friedrich Gulda Ich-Theater, Styria, Wien 2010) derart inakzeptabel, dass er beschloss, die Salzburger Festspiele zu brüskieren, indem er zusammen mit Harnoncourt ein von den Festspielen unabhängiges Fest zur Festspieleröffnung spielte, um danach seine angekündigten und von den Festspielen beworbenen und verkauften Festspielkonzerte abzusagen und stattdessen nach Ibiza zu fliegen. Weil Heinrich Schiff das in diesem Festspielsommer jedenfalls auch geplante Gulda-Cellokonzert nun durch ein Haydn-Konzert ersetzte, kam es zum Zerwürfnis zwischen Solist und Komponist, das weitere gemeinsame Aufführungen verhinderte.

      Das Konzert hat sich mittlerweile längst losgelöst vom Originalinterpreten. Bis 2012 liegen als Noten-Kaufausgaben eine Taschenpartitur und ein Klavierauszug (Verlag Papageno) sowie (mindestens) elf CD Aufnahmen vor, dazu gab und gibt es vielfach weitere Konzertaufführungen des Werks, auch mit Rundfunkaufzeichnung (etwa bei NDR Kultur, im BR oder bei DRS 2).
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Meine bisherigen Höreindrücke:
      Virtuosität und Schmelz beherrschen sie alle, die Solisten der Aufnahmen, die Unterschiede offenbaren sich eben vor allem in der Cadenza, das sind völlig verschiedene Welten, die zu beschreiben Kennern und Könnern der Celloliteratur sicher profund leicht fällt. Dem Fan des Konzerts bleibt die Erkenntnis, dass diese Solisten das Werk absolut ernst nehmen und bereit sind alles zu geben, wie es große Interpreten bei für sie als groß anerkannter Musik nun einmal zu geben bereit sind. Alleine die Cadenza macht den Interpretationsvergleich für den Fan ungemein spannend.

      CD 1: Heinrich Schiff, Das Wiener Bläserensemble, Dirigent Friedrich Gulda
      CD Amadeo 419 371-2, aufgenommen Mai 1981, Austrophon Studio, Wien



      Der Gradmesser schlechthin, zumal Schiff, der Anreger des Werks, spielt und der Komponist dirigiert. Schiff kostet alles nach Herzenslust aus, wilde Exzesse genauso wie das völlige Dahinschmelzen, und die Bläser sind zünftig zu Hause, alle bewegen sich in wohlbekanntem Terrain. Da es lange Zeit die einzige Aufnahme bleibt, ist der Fan dem sie ans Herz gewachsen ist bald geprägt von ihrem frischen Charakter eines neuen, originellen Cellokonzerts mit seinem Stilmischmasch. Fanden sich auf der LP-Erstveröffentlichung noch Ludwig van Beethovens Variationen über „Ein Mädchen oder Weibchen“ mit Schiff und Gulda, so ergänzt die CD Guldas ein Jahr nach dem Konzert entstandenes „Concerto for Ursula“.

      CD 2: Martin Ostertag, SWF Rundfunkorchester, Dirigent Klaus Arp
      CD Amati ami 9703/1, aufgenommen 1993 im Sendesaal des Südwestfunks, Kaiserslautern



      Guter Sound, differenzierter Studioklang. Der aus Lörrach stammende Solist besticht mit „sauberer“, souveräner Tongebung. Schiff spielt gewissermaßen „schmutziger“. Interessanter, alternativer Ansatz. Ergänzt wird die CD mit einer weiteren Rarität, Arthur Sullivans Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur.

      CD 3: Jan Pas, Mitglieder des SWR Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und des Staatsorchesters Stuttgart, Dirigent Paul Gulda
      CD Edition Hera HERA02106, aufgenommen 21.-24.5,/22./23.10.1999 beim SWR, Stuttgart



      Veröffentlicht wurde diese CD „Gulda meets Piazzolla“ im Jahr 2000. Paul Gulda, der zusammen mit dem 1962 in Belgien geborenen Jan Pas, Mitglied im Stuttgarter Staatsorchester und Mitwirkender bei den Bayreuther Festspielen, und Gaby Pas van Riet (Flöte) auch Werke von Astor Piazzolla (Le grand Tango, Vier Tango-Jahreszeiten und Tanti Anni Prima) darauf spielt, widmet sie seinen 1999 bzw. 2000 verstorbenen Eltern. Die Interpretation ist näher an Ostertag als an Schiff. Wieder Staunen, wie neu und anders die Cadenza angegangen wird.

      CD 4: Friedrich Kleinhapl, Jazz Big Band Graz, Dirigent Sigi Feigl
      CD Ars Produktion FCD 368 403, aufgenommen September 2000



      Der 1965 in Graz geborene, als Solist und Kammermusiker erfolgreiche Kleinhapl schreibt im Begleittext, dass er zuerst eine Aufführung in Italien zusagte und dann erst das Werk kennenlernte und es gar nicht so einfach war, sich den Herausforderungen des Soloparts und auch den Vorbehalten der Kritiker zu stellen, dass er allerdings auch erstmals herzlich lachende Menschen nach Konzerten erlebte. Kleinhapls Celloton ist kantig, eher herb, sein Spiel wirkt dadurch strenger, auch etwas distanzierter. Die Cadenza entfaltet er faszinierend impulsiv und vielschichtig. Der feingliedrig differenzierte Studioklang macht hier auch einen eigenen Reiz aus. Insgesamt ergibt das einen „intellektuell-strukturierenden“ Studiosound. Ist man die Schiff Gulda Aufnahme gewohnt, hat man hier eine sehr interessante Alternative. Das zweite Werk der CD ist die Fantasy für Cello und Big Band von Ed Neumeister.

      CD 5: Clemens Hagen, Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg, Dirigent Hansjörg Angerer
      CD Universität Mozarteum Salzburg UNIMOZ 20, aufgenommen 2002 beim Premierenkonzert des Ensembles im Großen Saal des Mozarteums, Salzburg

      CD beim Mozarteum vergriffen, nur mehr im Second Hand Bereich erhältlich.
      Booklet hier:
      "http://www.philharmonics.at/rte/upload/straus_gulda_leitner_pirchner_-_philharmonics.pdf"

      Und wieder eine Liveaufnahme, und was für eine! Clemens Hagen, 1966 in Salzburg geboren, Mitglied des Hagen Quartetts und erfolgreicher Solist und Kammermusiker, legt sich mit ungeheurer Aggressivität hinein, er tigert noch exzentrischer als Schiff, das ist die wildeste Aufnahme vor allem in den Hardrockpassagen des ersten und den Sechzehntelexzessen des Finalsatzes, dort fast schon zu vehement forcierend. Hagens Interpretation ist erzählerisch ungemein stark. Man liest ja immer wieder, dass die Mitglieder des Hagen Quartetts unter anderem bei Nikolaus Harnoncourt gelernt haben. Hier wird dessen Forderung nach „Musik als Klangrede“ extrem deutlich verwirklicht. Das Ensemble ist frisch und flott dabei. Der tolle, offene Livesound der Aufnahme versetzt den Hörer mitten in die Konzertatmosphäre. Das Konzert wie die CD eröffnet die Wiener Philharmoniker Fanfare von Richard Strauss, und nach dem Gulda-Konzert hört man noch „Match and Sketch“ von Ernst Ludwig Leitner mit Martin Grubinger (Marimbaphon) sowie „Birthday Music“ von Werner Pirchner in einer Fassung für Bläsersymphonik von Albert Schwarzmann.

      CD 6: Rodin Moldovan, Rundfunk-Blasorchester Leipzig, Dirigent Jan Cober
      CD AMOS 5996, aufgenommen 15.-18.9.2003, Bethanienkirche, Leipzig



      Was das aggressive, erzählerische Moment betrifft, schließt der 1964 in Rumänien geborene Moldovan, Solocellist im MDR Sinfonieorchester Leipzig, an Hagen an, insofern gehört auch diese Aufnahme zu den unmittelbarsten. Allerdings ist der Celloton noch merklich herber. Bei der Cadenza fällt auf, liest man in den Noten mit, dass Moldovan die zweite Improvisation (mit den Flageolett-Tönen) ausspart. Weitere Werke auf dieser CD sind die Fantasia para un gentilhombre von Joaquin Rodrigo (Soloflöte: Claudia Scheibe), das Oktett für Blasinstrumente von Igor Strawinski und die Aria aus „Bachianas Brasileiras No. 5“ von Heitor Villa-Lobos (Solistin: Antje Perschokla, Sopran).

      CD 7: Gautier Capuçon, Mitglieder des Orchestra della Svizzera Italiana, Dirigent Alexander Rabinovich-Barakovsky
      CD Box EMI 0946 3 89241 2 8, aufgenommen im Juni 2006 beim Lugano Festival im Palazzo del Congressi, Lugano



      Die nächste Liveaufnahme in tollem Sound. Man ist mittendrin, Weltmusik auf Weltklasseniveau. Hier hört man die langsamste Idylle, Rabinovich-Barakovsky macht fast ein Bruckner-Adagio daraus. Einmal mehr faszinierend, wie „ganz drin“ der 1981 in Frankreich geborene, als Solist und Kammermusiker tätige Solist bei der Cadenza sein muss, Capuçon „lebt“ diese Musik, unglaublich intensiv, mitreißend, abgründig, jazzig-locker, er lotet alle Facetten faszinierend aus. Das ist gewissermaßen die „internationalste“ Aufnahme, und doch ganz dem Geiste Guldas verpflichtet. Die 3 CD Box mit jungen Musikerinnen und Musikern rund um Martha Argerich, die ja eine der wenigen Schülerinnen von Friedrich Gulda war, bietet außerdem Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47, Felix Mendelssohn-Bartholdys Cellosonate Nr. 2 D-Dur op. 58, Robert Schumanns Fantasiestücke op. 73 in einer Fassung für Flügelhorn und Klavier, Schumanns Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63, das Klavierquintett g-Moll op. 30 von Sergei Taneyev, zwei von Ravel für zwei Klaviere bearbeitete Nocturnes von Claude Debussy und die Violinsonate Nr. 1 von Alfred Schnittke.

      CD 8: Yves Savary, Musikkorps der Bayerischen Polizei, Dirigent Johann Mösenbichler
      CD Bauer Studios BCD7350, aufgenommen 6.-10.11.2006, Probesaal des Musikkorps, I. BPA, München



      Dies ist eine besonders nuancierte, alpen-natürlich inspirierte Aufnahme, auch klanglich fein ausbalanciert, weil man die Bläser im Stereoklang wunderbar differenziert wahrnimmt. Der in Basel geborene Savary, Erster Solocellist an der Bayerischen Staatsoper in München, besticht mit starkem, selbstbewusstem Ton. Fast wie in Lugano wird die Idylle sehr getragen aufgefasst. Die Polizeikapelle ist im Alpenidiom aber so was von ganz zu Hause. Das Musikkorps der Bayerischen Polizei stellt sich auf dieser CD außerdem mit En Carrière von Karl Komzák, mit Granada von Agustin Lara und Funiculi-Funiculá von Luigi Denza (Tenor: Martin Kiener), der Suite Française op. 248 von Darius Milhaud, El Camino Real von Alfred Reed und dem Bayerischen Defiliermarsch von Adolf Scherzer vor. 2008 wurde diese Interpretation zusammen mit Iberts Konzert für Cello und Bläser und Cibulkas Trailer für Cello und Bläser in 3 Szenen noch einmal veröffentlicht.

      CD 9: Nicolas Altstaedt, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Dirigent Alexander Joel
      CD Claves 50-2901, aufgenommen 3.-7.11.2008, Philharmonie, Ludwigshafen



      Geboren 1982 in Heidelberg, ist auch dieser Cellist als Solist und Kammermusiker unterwegs. In seiner Aufnahme fällt zunächst das breite, symphonische Klangbild auf. Ouvertüre und Finale erklingen ungewohnt forsch, dadurch wird der Kontrast zum Ländler in der Ouvertüre noch deutlicher. Altstaedts Cello hat einen hellen, tenorhaften Ton. Originelle Ideen prägen seine Improvisationen in der Cadenza, die erste ist mit spanischem Flair angereichert, bei der zweiten tritt Pippi Langstrumpf auf und es meldet sich auch Big Ben. Trotz des heftigen Tempos im Finale wirkt Altsatedts Spiel keineswegs so, als ginge er an seine technischen Grenzen. Er ist mehr ungleich Virtuose als Kämpfer. Altstaedt stellt Guldas Werk auf der CD neben Robert Schumanns Cellokonzert in a-Moll op. 129 und Peter I. Tschaikowskys Rokoko-Variationen A-Dur op. 33.

      CD 10: Jean Decroos, Ensemble barcelona ad libitum, Dirigent Salvador Brotons
      CD Barcelona ad libitum, P. 8/2009



      Der 1932 in Frankreich geborene Künstler war Erster Solocellist im Concertgebouw Amsterdam. Er starb im April 2008 nach einem Konzert in Angers. CD bestellt, Höreindruck nach Erhalt.

      CD 11: László Fenyö, Sinfonisches Blasorchester Hessen, Dirigent Ralf Lange
      Eigenproduktion Sinfonisches Blasorchester Hessen
      Livemitschnitt aus der Kohlmaier-Halle in Limburg vom 4.5.2008

      László Fenyö, 1975 in Ungarn geboren, ist Solocellist im hr Sinfonieorchester Frankfurt. CD bestellt, Höreindruck nach Erhalt.

      CD Abbildung und Bestellmöglichkeit:
      "http://www.sbhessen.de/"


      Weitere Interpreten und Interpretationen des Cellokonzerts von Friedrich Gulda (Auswahl, tlw. aus dem Netz recherchiert):

      Bruno Weinmeister (NDR Kultur, Aufzeichnung vom Mai 1993 aus Hamburg)
      Sebastian Klinger (BR-Klassik, Aufzeichnung von Mai 2005 aus Nürnberg)
      Gautier Capuçon (youtube, Aufzeichnung aus Japan 2005)
      Oliver Mascarenhas (youtube, Aufzeichnung aus Hannover 2006, nur Ouvertüre)
      Gilad Kaplansky (youtube, aufgenommen in Tel Aviv im August 2008)
      Igor Mitrović (youtube, Aufzeichnung aus Ljubljana 2008, nur Idylle und Finale)
      Björn Schwarze (youtube, Aufzeichnung vom Juni 2011 aus Neustadt an der Weinstraße)
      Nicolas Altstaedt (DRS 2, Aufzeichnung vom September 2011 aus Liestal)
      Ulrike Schäfer (BR-Klassik, undatiert)
      Garbis Atmacayan
      Troels Svane
      Jakob Koranyi
      Maximilian Hornung
      Oliver Wenhold
      Hugo Rannou
      Don Jaffé.
      Eldar Saparayev
      Cosima Streich
      Milos Mlejnik
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hallo Alexaner,
      Danke für deine TOP-Eingangsbeiträge zum Gulda-Cellokonzert.

      Bei so einer Arbeit an aufwendigen Beiträgen ist es dann sehr ärgerlich, wenn man nicht mal eine Antwort erhält. Aber hier bei Capriccio ist ja wirklich manchmal - tote Hose !

      Ich war ziemlich überrascht, das 11 verschiedene Aufnahmen dieses allgemein recht unbekannten Cellokonzertes existieren.
      Ich habe durch eine Empfehlung eines Taminos seit dem Jahre 2009 nur eine Aufnahme, die bei Dir als CD2 steht:

      Friedrich Gulda
      Konzert für Cello und Blasorchester (1980)
      SWF SO Kaiserslautern, Klaus Arp
      Martin Ostertag, Cello
      AMATI, 1993, DDD.

      Ich glaube, das ist auch die Aufnahme die von unserem Cellisten Michael Schlechtriem besonders geschätzt wird. Ich meine er hätte sich in Tamino mal in diese Richtung geäussert - kann den Beitrag aber im Moment nicht finden. Es soll nach seinen Angaben jedenfalls sauschwer sein und das Cello muss bei LIVE-Auführungen elektronisch verstärkt werden, damit es bei dem lauten Blasorchester überhaupt hörbar ist.

      Ich dachte damals (vor dem Hören) zuerst: Blasorchester mit Cello (?), das kann ja nicht viel sein !

      Umso platter war ich schon nach den ersten Takten, die durchgehend zum Fusswippen einluden und rhythmisch voll abgehen, so wie fast das ganze Konzert. Gulda hat alles rein gepackt, was an und auch auch zu Österreich gehört - irgendwie hörte ich ständig Einsprängsel österreichischer Volksmusik.
      Da ist vom rhythmischen Schlagzeug mit Ohrwurmthemen (1.Satz Ouvertüre) über den österreichischen Ländler, den man auf der Alm hört über eine ernstere Solokadenz (3.Satz) bis zum Marschfinale (5.Satz) alles dabei.
      :thumbsup: Solche Werke aus dem 20.Jahrhundert zu hören war wiedermal eine erfrischende Wohltat. Ich fand es "Megaklasse" !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Friedrich Guldas Violoncellkonzert höre ich auch sehr gerne, wobei ich nur die hier bereits genannte Aufnahme mit Heinrich Schiff kenne, die ich aber für sehr gelungen halte.

      Bei Youtube gibt es noch einige interessante Aufnahmen dieses Konzerts.

      1. Gautier Capucon, Violoncello; New Japan Philharmonic Orchestra, Christian Arming:
      1. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=Ludf3NPN3UY&feature=related"
      2. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=5Iu9a9pFdJU&feature=related"
      3. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=ozUZ-23FhsE&feature=related"
      4. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=BiCFeOVto0E&feature=related"
      5. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=JSnygfTu9dw&feature=related"

      2. Andreas Brantelid, Violoncello; National Danish Orchestra, Ivan Meylemans:
      1. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=XgvUfJKEvPU&feature=related"
      2. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=1zGEPAVKYlo&feature=related"
      3. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=bfk42Nt8_kk&feature=related"
      4. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=4ZwnrXcUeEg&feature=related"
      5. Satz: "http://www.youtube.com/watch?v=C1vtL63PWn8&feature=related"

      und hier noch eine Aufnahme in einem Stück:
      3. Qin Li Wei, Violoncello; The Philharmonic Winds:
      "http://www.youtube.com/watch?v=2NH8N1FQrSI&feature=related"

      Lionel
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)
    • Wer am 7.2.2009 in BR-Klassik im Morgenprogramm „Auftakt“ verpasst hat, das Finale alla marcia aus Friedrich Guldas Cellokonzert mit dem 1933 in Riga geborenen Ramon Jaffé (Violoncello) und den Nürnberger Symphonikern unter der Leitung von Daniel Klajner aufzunehmen und vom BR aus rechtlichen Gründen keine Mitschnittkopie erhält, freut sich am 1.9.2012 auf die Wiederholung ab 6:05 Uhr und ist rechtzeitig am PC zur Stelle. Die im beherzt Volkstümlichen gleichermaßen wie im Jazzoiden konzentriert aufgezogene Aufnahme bringt das musikantisch-virtuose Werk einmal mehr köstlich zur Geltung. Schade, dass diese Aufnahme nicht auf CD veröffentlicht wurde und nur gelegentlich in BR-Klassik ausgestrahlt wird. Um herauszufinden, ob und wann vielleicht sogar das komplette Konzert aufgenommen wurde, muss wohl erneut der BR Kundendienst angeschrieben werden.

      Am 20. und 21.2.2013 wird das Konzert übrigens in Chemnitz aufgeführt, mit der Big Band der Robert-Schumann-Philharmonie unter der Leitung von Lukas Beikircher. Solist ist Thomas Bruder, erster Solocellist des Orchesters.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Solist ist Thomas Bruder, erster Solocellist des Orchesters.
      Ach, stimmt ja, Thomas ist in Chemnitz!
      Habe Ihn total aus den Augen verloren, er war Kommilitone von mir und ist ein ganz hervorragender Cellist!
      Das Gulda-Konzert liegt Ihm sicherlich und er wird das klasse spielen!

      Lukas Beikircher kenne ich allerdings nur als Geiger.Wußte nicht, daß er auch dirigiert.
    • Hallo,

      die Aufnahme mit Schiff und Gulda befindet sich seit Mitte der 80er in meiner Sammlung und schafft es auch immer wieder mal in den CD-Player. Und jetzt bin ich schon überrascht, wie viele Aufnahmen dieses musikalischen Spaßes auf einmal da sind. Beeindruckend! l-l

      Spartacus
      Für Monika


    • Die Aufnahme vom Münchner Klaviersommer 1988 mit Heinrich Schiff (Violoncello) und den Münchner Philharmonikern unter der Leitung des Komponisten gibt es seit 17.3.2014 auf Kauf DVD, gekoppelt mit Guldas Concerto for Myself.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK