ROSSINI: "Il turco in Italia" - Bäumchen, Bäumchen, wechsel dich

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    • ROSSINI: "Il turco in Italia" - Bäumchen, Bäumchen, wechsel dich

      Meine Lieben,

      Rossinis Ouvertüren kennt fast jeder Opernliebhaber, die Opern selbst aber nur wenige davon. Das ist besonders beim "Turco" schade, denn die Musik enthält sozusagen alles, was wir an Rossinis berühmteren Bühnenwerken schätzen. Vielleicht nicht ganz so feuerwerkshaft wie im "Barbiere", aber höchst unterhaltsam und genußbescherend. Vielleicht nicht so tiefgehend wie "Cosi fan tutte", zu der es ja manche Parallele gibt, aber auch ein bisserl philosophisch und liebevoll zynisch.

      Wer die Oper kennenlernen will, kann dies um äußerst billiges Geld tun und braucht keine Angst zu haben, enttäuscht zu werden. Amazon bietet die Goldline Classics-DVD der Aufführung des Theaters von Caen, 1995, zum Minipreis an. Man bekam und bekommt sie auch häufig anderswo. Leider schaffe ich es nicht, den Cover zu verlinken (der normale Weg funktioniert nicht, eine Menufunktion "Bildadresse kopieren" taucht bei mir auch nicht auf).
      Eine ausgesprochen hübsche und gut gesungene Aufführung in ebenso guten Farben. Hier die Besetzung:

      Selim: Francois Loup
      Fiorilla: Susan Roberts
      Zaida: Elisa Maurus
      Prosdocino: Jean Marc Ivaldi
      Geronio: Paul Guigue
      Don Narcisso: Paul Brodene-Smith

      Regie führte Cyril Diederich, sehr einfühlsam, witzig und mit Fingerspitzengefühl traditionelles Kostümtheater mit modernen Zügen verbindend. Die passenden Bühnenbilder stammen von Marc Adam. Laurent Pelissier dirigiert mit Eleganz und dosiert die technische Bravour so, daß sie nicht selbstzweckhaft wirkt. Das ist alles andere als Provinztheater, im Gegenteil: Da kann sich manche größere Bühne eine Scheibe abschneiden! Und die Sänger sind ja größtenteils auch keine unbekannten Namen. Es geht auch ohne Callas und Bartoli!

      Liebe Grüße
      Waldi
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Meine Lieben!

      Leider etwas teuer, aber dafür großartig ist diese DVD:



      Ruggero Raimondi als Selim und Cecilia Bartoli, da kann man sich die Namen auf der Zunge zergehen lassen sind derart komödiantisch und singen hervorragend. Ruggero und die Bartoli mit Mut zur Hässlichkeit in den Kostümen und, obwohl ich ein Staubi bin, ist das Bühnenbild hervorragend.

      Liebe Grüße sendet Euch Peter aus Wien. :wink:
    • Mit dem TUCO IN ITALIA habe ich ein ähnliches Problem wie mit Otto Nicolais FALSTAFF, der für mich immer im Schatten von Verdis Meisterwerl steht. Hier aber stammt das Problem von dem gleichen Komponisten und heißt L'ITALIANA IN ALGERI. Wie wohl die meisten, kam ich zu Rossini über den BARBIERE und mit wachsender Begeisterung die ITALIANA. So bald ich konnte, musste ich mir daher die dritte (damals) relativ beliebte Buffa zulegen, nämlich den TURCO, und tat dies über die seinerzeit renommierteste Aufnahme mit Maria Callas und Nicolai Gedda, dirigiert von Gianandrea Gavazzeni. Bis heute kann ich nur schwer verstehen, warum ich dermaßen enttäuscht war, aber das Gefühl der Langeweile, das mich trotz vielfachem Hören irgendwann immer wieder überfiel, wurde ich einfach nicht los.

      Später habe ich es mit anderen Aufnahmen versucht, die tatsächlich etwas unterhaltsamer waren. Dies gilt vor allem für die von Peter zu Recht gelobte zürcher DVD, aber auch einen Mitschnitt der von der Scala verantworteten Aufführung in Cremona unter Riccardo Chailly mit Mariella Devia, Michele Pertusi, Paul Austin Kelly und Gloria Banditelli. Regie führte da Giancarlo Corbelli. Diese Darbietung gefällt mir besser als der Genfer Mitschnitt mit Simone Alaimo, den es ebenfalls auf Arthaus gibt, der hübsch anzusehen ist, aber musikalisch zu wünschen übrig lässt. Mit der Zeit wurde mir immer deutlicher, dass Rossini und sein Librettist Felice Romani ein ähnliches Problem zu haben schien, wie sie es für den Poeten ihrer Geschichte stellen, dem auch nicht so recht etwas einfallen will. So bedienten sie sich denn ein wenig an dem Libretto der gleichnamigen Oper von Franz Seydelmann, ein wenig an der ITALIANA und sogar ein wenig an der kurz zuvor erfolgreichen COSI FAN TUTTE von Mozart. Das Resultat ist hochprofessionelle und gefällige Routine, die immer wieder suggeriert, was Rossini zu inspirierteren Zeiten daraus hätte machen können, aber nie wirklich zünden will. Bezeichnenderweise fehlen dem Stück denn auch die nachhaltigen Hits, die in Rossinis vorgenannten Komödien aus nahezu allen Sequenzen sprudeln.

      Natürlich kann man an der Oper trotzdem einigen Gefallen finden, und ich werde gerne dem Hinweis Waldis auf den mir noch unbekannte Mitschnitt von Caen folgen um mein Urteil erneut zu überprüfen. Vielleicht fehlen den bisherigen Aufnahmen ja wirklich nur die zündende Regie und das mitreißende Dirigat. Bislang kamen für mich Chailly und Welser-Möst, von den Erzkomödianten Bartoli und Raimondi Bartoli brillant unterstützt, dem möglichen Ideal am nächsten. Wer sich für diese Aufnahme interessiert, sollte aber gleich in diese Box investieren, denn da erhält man für ein relativ geringes Aufgeld auch noch vorzügliche Aufnahmen des BARBIER und des MOISE ET PHARAON:


      Für die findigen Webdetektive sei schließlich noch der deutschsprachige TV-Film unter Giuseppe Patané mit Ingeborg Hallstein und Hermann Prey als Poet erwähnt, denn der ist eine beachtliche Annäherung an das Bestmögliche dieser Oper, wenn auch sprachlich und als Fernsehfilm naturgemäß etwas außer Konkurrenz.

      Einstweilen aber suche ich lieber weitere Juwelen in den gänzlich unbekannten Buffas Rossinis wie etwa LA PIETRA DEL PARAGONE und höre immer wieder gerne die vielen Meisterwerke zwischen TANCREDI und GUILLAUME TELL (natürlich immer wieder mit IL VIAGGIO A REIMS und dem COMTE ORY dazwischen).

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Rideamus schrieb:

      die seinerzeit renommierteste Aufnahme mit Maria Callas und Nicolai Gedda, dirigiert von Gianandrea Gavazzeni. Bis heute kann ich nur schwer verstehen, warum ich dermaßen enttäuscht war, aber das Gefühl der Langeweile, das mich trotz vielfachem Hören irgendwann immer wieder überfiel, wurde ich einfach nicht los.
      Matinee . Il Turco in Italia . Gastspiel des Theatro San Carlo aus Neapel im Theatre des Nations in Paris Juni 1957 . Am Pult Oliviero de Fabritiis . Selim - wie bei der Callas-Aufnahme - wird gesungen von Nicola Rossi-Lemini , und Prosdocimo wird auch hier von Mariano Stabile gegeben . Doch statt Callas/Gedda sind hier Eugenia Ratti und Agostino Lazzari zu hören . Sie kommen beide aus Genua - ob das eine Rolle spielt ? Jedenfalls klingen die beiden für mich überzeugender als das berühmte Paar , und lassen keine Langeweile aufkommen . Mit den klanglichen Einschränkungen und der gelegentlichen Stimme aus dem Souffleurkasten kann ich leben . Zum Nachhören : youtube.com/watch?v=Gq9V8KV2Mo4

      [IMG:https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41pjiqqx5TL.jpg] [IMG:https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51BXlxiviIL.jpg]Stereo stimmt natürlich nicht !
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang "