Wagner: "Parsifal" - Landestheater Detmold, 18.03.2012 (Premiere: 10.03.2012)

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    • Wagner: "Parsifal" - Landestheater Detmold, 18.03.2012 (Premiere: 10.03.2012)

      Dass auch kleinere Theater mit „grossen“ Werken überzeugen können, ist längst keine Ausnahmeerscheinung mehr. Mit viel Mut zum Risiko, gepaart mit künstlerischer Kraft, gelingen gerade abseits der bekannten Metropolen sehens- und hörenswerte Aufführungen ohne Star- und sonstigen Rummel. Das „Landestheater Detmold“ hatte sich schon immer um die Werke Richard Wagners bemüht gezeigt, nicht nur der „Holländer“, auch der „Tristan“ oder der „Ring des Nibelungen“ steht hin-und-wieder auf dem Spielplan. Additiv zu letzterem stemmt das Haus in Detmold in dieser Spielzeit auch noch den „Parsifal“ der soeben in einer Neuinszenierung des Intendanten Kay Metzger und in der Ausstattung von Petra Mollérus Premiere hatte.

      Wagners letztes und sperriges Werk ist immer eine Herausforderung für ein Opernhaus. Kaum lässt sich all das, was man in diesem Stück finden kann, zwingend auf die Bühne bringen. Schwerpunktsetzung ist angesagt und wie überzeugend diese ausfällt, bestimmt einen Teil des Erfolges (oder auch Misserfolges) des Abends.

      Kay Metzger setzt bei seiner Interpretation stark auf den christlichen (und hier explizit katholischen) Aspekt, den er in Wagners „Parsifal“ als handlungsbestimmend zu finden glaubt. Vielleicht ist dies besonders naheliegend, wenn man die geografische Lage der Stadt Detmold berücksichtigt, die nicht weit entfernt von Paderborn liegt, wo vor nicht allzu langer Zeit im dortigen Dom ein Bussgottesdienst stattfand, wo um Vergebung einer Schuld gebeten wurde, die auch dann nicht einfach entschuldbar ist, wenn die gesamte deutsche Bischofskonferenz auf Knien durch den Dom gerutscht wäre.

      Eine kühle, weisse Halle bestimmt die Szene, im Hintergrund ein Durchbruch ins Freie, einzelne Bäume sind zu erkennen, Laub bedeckt den Boden. Der Tag bricht soeben an und einzelne Menschen schlafen in dem Raum. Im Vordergrund ein blonder Jüngling, ein Priesterseminarist, wie man später noch einige zu sehen bekommt. Eine junge Frau in Reizwäsche zieht den Jungen fort, muss aber aufgeben, als Priester Gurnemanz auf einer Empore erscheint. Züchtig begeht man mit anderen Seminaristen das Ritual des Morgengebets, wähend der alte Bruder Hausmeister sehr langsam das Laub zusammen fegt.

      Kundry stürzt herein, weisses Hemd, schwarze Spielhosen mit Hosenträgern, geradezu unnatürlich rotes Haar, irgendwie sündig, schon klar. Deshalb fängt auch einer der jungen Männer bei ihrem Anblick zu Onanieren an, worüber sich Kundry amüsiert. Gurnemanz weiss um die Anfeindungen, der junge Männer so ausgesetzt sind und straft eher nachlässig dieses Vergehen. Später hindert er dann zwei Seminaristen (die sich ziemlich anziehend finden), sich noch etwas näher zu kommen. Kurz vorm Kuss ist Schluss.

      Zwischenzeitlich wurden blutige Tücher in die Wäscherei gebracht., Bischof Amfortas geht es anscheinend richtig schlecht, im Hintergrund wird für ihn das Bad gerichtet. Alles verläuft in strengen Ritualen, hier wären Reformen bitter nötig, hier muss Erstarrung aufgebrochen werden, doch wer bringt die Erlösung? „Ein Tor“ soll das bewerkstelligen – und auf den wartet die Priestergemeinschaft bislang vergeblich.

      Amfortas sieht tatsächlich mitgenommen aus, gross, hager, geschwächt im Rollstuhl sitzend. Die Priestergemeinschaft schaut oft peinlich berührt zur Seite, fasst Amfortas nur mit Einmalhandschuhen an – man weiss doch, dass der Bischof nicht so gehandelt hat, wie man das von seinem Amt erwarten würde – ein Sünder, auch er, an dem man sich selbst nicht schmutzig machen will.

      Zum Zeitvertreib lassen sich die Seminaristen von Gurnemanz von früher erzählen, von Titurel und Klingsor und Amfortas. Aus einem grossen Buch lesend trägt Gurnemanz die Geschichte vor. Der blonde Junge vom Anfang wirft hin, er verlässt das Seminar – endgültig.

      Unruhe kommt auf, ein riesiger Schwan ist getötet worden, Parsifal ist der Übeltäter: weisses Hemd, schwarze Spielhosen mit Hosenträgern, lange, blonde Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Ja, er sieht aus wie die männliche Variante der Kundry.

      Zur Verwandlungsszene des ersten Aktes sieht Parsifal sich selbst als Kind. Im ersten Stock erscheinen lebende Bilder: Adam und Eva, z. B., aber auch der Kreuzweg mit Kundry, die den Heiland verlacht.

      Das Hochamt beginnt. Die Priester sind nicht nur mit der Bibel bewaffnet, auch das Schwert gehört zu ihrer Ausstattung. Amfortas ist nur mit Mühe dazu zu bewegen, den Ritus zu vollziehen. Es ist weniger sein schon mumifizierter Vater Titurel, der das schafft, als der Tor Parsifal, in dem Amfortas den Erlöser zu erkennen glaubt und vor dem er sich am Ende des Aktes auf den Boden werfen wird.

      Bevor es soweit ist, wird der Gral enthüllt. Tatsächlich enthält der Kelch Blut, von dem Amfortas trinkt. Die Priester haben die Oberkörper entblösst und schmieren sich mit Blut ein Kreutz auf die nackte Brust. Mit gezücktem Schwert ziehen sie in einen Glaubenskrieg.

      Die Welt des Klingsor im zweiten Akt sieht genauso aus, wie jene der Gralsritter. Angereichert wird die Szene mit einer weissgestrichenen Palme und bunten Tüchern. Klingsor trägt ein lilanes Priestergewand, die Mädchen sind Huren, die unter ihren Mänteln schwarze Reizwäsche sehen lassen. Auf dem Rücken liegen sie und Klingsor, der entmannte, rammt ihnen den Speer zwischen die Schenkel.

      Der blonde Priesterseminarist stürzt herein, dies also war sein Ziel, das Blumenmädchen seiner Wahl. Gekonnt entkleiden die Frauen den jungen Mann und ab geht’s nach hinten zum sinnlichen Vergnügen.

      Bevor Parsifal kommt, ist wenig los bei Klingsor, die Damen trinken Sekt aus der Flasche, der Meister kümmert sich um Kundry.

      Sieht man von den Kostümen ab, bewegt sich der zweite Akt in der Detmolder Inszenierung des „Parsifal“ in weitgehend konventionellen Bahnen. Einen kleinen Zirkustrick gibt es noch am Ende: das Licht geht aus, es blitzt und schon hat der Speer die Seiten gewechselt – von Klingsor zu Parsifal.

      Der Gralsgemeinschaft geht es im dritten Akt nicht mehr gut: die Gebäude sind kaputt, die Bäume gefällt, Schnee rieselt herab, im Vordergrund ein brennendes Ölfass, in dem Gurnemenaz die Seiten aus seinem grossen Buch verbrennt. Kundry nun mit strenger, schwarzer Bluse, auch Parsifal erscheint im dritten Akt ganz in schwarz. Zum Karfreitagszauber erscheinen die Frauen aus Klingsors Bordell. Nachdem zuvor schon Kundry den christlichen Glauben angenommen hat, erwarten nun auch die sündigen Frauen die Erlösung.

      Zur Verwandlungsmusik des dritten Aktes sind wieder lebende Bilder zu sehen: Kreuzigung Jesu, eine Pieta, Kundry mit den Stigmata.

      Das Hochamt droht erneut. Die Priester sind schon teilweise in weltlicher Kleidung zu sehen, Amfortas ist alt und noch hinfälliger geworden, als er es im ersten Akt schon war, er legt sich zu seinem toten Vater Titurel auf die Bahre, selbst fast schon ein Leichnam. Da kommt Parsifal mit dem Speer herein. Die Huren sind geläutert, sie erscheinen nun als Nonnen. Parsifal erlöst Amfortas und schiebt in einfach samt Titurel in die Gasse. Die Speerspitze glänzt im Licht, die Priester kleiden sich wieder als Geistliche. Das Personal hat gewechselt, aber Erneuerung sieht anders aus: die alten Herrschaftsstrukturen werden auch mit Parsifal fortgesetzt, die Frau als Dienerin, der Führer an der Spitze, so, wie es eigentlich schon immer war.

      Na, nicht ganz: statt Blut gibt’s jetzt Wein und Brot für alle – zuletzt bietet Parsifal das auch dem Publikum symbolisch an. Der Betrachter überlegt einen Moment, ob er die Gabe annehmen würde – nein, eher nicht.

      Alles auf Anfang: der Bruder Hausmeister fegt jetzt statt des Laubes vom Stückbeginn den Schnee beiseite.

      Es ist beachtlich, wie Detmold diesen „Parsifal“ auf die Bühne bringt. Vor allem musikalisch beindruckt, was das Orchester da an Klangzauber, an Finesse, auch an Sinnlichkeit, an Transparenz, an spieltechnischer Sicherheit da zeigt. Die Tempi sind teilweise sehr ruhig, aber nie lähmend, da bleibt Raum für Entfaltung, für Steigerung und für raumfüllende Tutti-Passagen. Die gestrige Aufführung wurde nicht vom GMD des Hauses, Erich Wächter, geleitet. Der war krankheitsbedingt verhindert und wurde von Uwe Sandner aus Kaiserslautern vertreten. Sandner schaffte es, diesen Abend ohne Abstriche über die langen fünf Stunden zu bringen, er koordinierte Soli, Chor und Orchester gut und half dort, wo es nötig war mit grosser Umsicht. Zu Recht wurde Uwe Sandner einhellig und lautstark vom Publikum gefeiert.

      Ausgesprochen gut vorbereitet zeigte sich auch der Chor, hier vor allem die Chorherren (Einstudierung: Marbod Kaiser), keine Alltäglichkeit an kleineren Häusern.

      Mit Johannes Harten (Parsifal) verfügt Detmold über einen Heldentenor, der allein schon durch seine Stimmkraft zu beeindrucken versteht. Erst gegen Ende zeigten sich Ermüdungserscheinungen und wenn Harten die mehr auf Kraft, denn auf Genauigkeit ausgerichteten Töne besser fokussieren würde, mehr auf Linie, denn auf das Ausstellen der Spitzentöne achten würde – dann könnte da ein interessanter Vertreter eines schmal besetzten Faches heranwachsen.

      Der Bassist Christoph Stephinger (Gurnemanz) verfügt über jenes dunkle Timbre, das für Wagnerpartien besonders geeignet ist. Nach einem beeindruckendem Beginn zeigten sich aber schnell Probleme in der Höhe und auch manche Passage, die im zu Ungefähren blieb.

      Grundsolide und präsent der Bariton Andreas Jören Als Amfortas, der auch als Typ für diese Produktion geradezu ideal besetzt ist.

      Kraftvoll und hinreichend finster Wieland Satter als Klingsor.

      Stimmlich schwach dann die Kundry von Brigitte Bauma. Nur mit äusserster Anstrengung schafft sie mit unruhigem und schütterem Sopran die Partie,

      Lobenswert die allgemein gute Wortverständlichkeit bei allen Beteiligten und deren darstellerisches Engagement.

      Das Detmolder Publikum dankte allen Mitwirkenden mit starkem Applaus und vielen Ovationen für diesen Wagnerabend, der belegt, wie wenig provinziell ein Opernabend auch an einem kleinen Haus ausfallen kann.
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    • Wieder ein informativer und fundierter Bericht, lieber Alviano!

      Alviano schrieb:

      Kay Metzger setzt bei seiner Interpretation stark auf den christlichen (und hier explizit katholischen) Aspekt, den er in Wagners „Parsifal“ als handlungsbestimmend zu finden glaubt.
      Bei mir entsteht durch diese Formulierung (und auch durch Deine auf mich recht nüchtern wirkende Darstellung des Bühnengeschehens), daß Du dieser Konzeption etwas distanziert gegenüber stehst. Merkwürdig, denn jetzt, nach der Lektüre Deines Berichts (ich kenne die Inszenierung selbst nicht und habe auch anderwo nichts darüber gelesen) habe ich den Eindruck, daß der in Detmold beschrittene Weg stimmig sein könnte. "Ja, so könnte man das gut machen!" war meine spontane Reaktion nach dem Lesen.

      Stimmt mein Eindruck?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Das war auch mein Eindruck nach der Lektüre, wobei ich der Lektüre entnahm, daß die Stimmigkeit wohl im Laufe des Abends zugunsten von "Konvention" etwas abnahm...

      Stimmt hier mein Eindruck?

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • "Parsifal" in Detmold

      Gurnemanz schrieb:

      (...)daß Du dieser Konzeption etwas distanziert gegenüber stehst.:


      Genau so ist es. Trotzdem gilt:

      Ja, so könnte man das gut machen!


      Auch, wenn sich bei mir persönlich besonders beim dritten Akt, Widerspruch regt.

      Für mich ist der "Parsifal" nicht so sehr an die christliche (und hier konkret: die katholische) Religion gebunden. Aber natürlich kann man diesen Aspekt betonen und zum Ausgangspunkt einer Inszenierung machen. Besonders der erste Akt war in Detmold richtig gut - die Abendmahlsszene mit dieser sehr martialischen Darstellung war recht packend. Auch die Personenführung ist mehr als nur respektabel. Mir ist dann aber das Ende viel zu konventionell. Es werden im Grunde genommen die alten Verhältnisse fortgeführt, "Erlösung" geht anders. Dennoch fand ich die Produktion sehenswert - u. a. auch deshalb, weil sie zum Nachdenken anregt, weil man selbst zu dem Position beziehen muss, was man da sieht. "Parsifal" ist schwierig zu inszenieren - mir sind die Deutungsangebote von Ruth Berghaus und Calixto Bieito deutlich näher als das von Kay Metzger.

      Zitat von pfütz:
      daß die Stimmigkeit wohl im Laufe des Abends zugunsten von "Konvention" etwas abnahm...


      So habe ich das empfunden: der erste Akt hätte auch einen anderen Handlungsverlauf im dritten Akt andeuten können, den ich spannender gefunden hätte.

      So nebenbei: das Ende erinnert etwas an die Frankfurter Arbeit von Christof Nel - auch da fand ich diese ausziehende Ritterschaft, die der Welt den Gral bringt, nicht so wirklich überzeugend.

      Insgesamt war ich ob der Produktion sehr positiv überrascht. "Parsifal" in Kaiserslautern schaffe ich wohl terminlich nicht mehr, das würde mich jetzt zwecks eines Vergleiches interessieren.
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    • Von den drei noch übrigen Terminen in KL (1.4., 6.4., 22.4.) könnte ich nur am Karfreitag, der ist aber, wie nicht anders zu erwarten, schon ausverkauft...

      Hier mal, damit man sich auch ein "Bild" von der von Dir immer mal wieder erwähnten Berghaus Inszenierung machen kann, ein Link ("Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken." So auf der Spiegel Seite zu lesen, daher hier heute OHNE "!) zur damaligen Spiegel Rezension:

      spiegel.de/spiegel/print/d-14356562.html

      Matthias (der sich wieder auf Berghaus' Tristan an Pfingsten in HH freut! Da gibt es übrigens noch Karten...)
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    • Ich habe eine Weile ernsthaft überlegt, zu diesem "Parsifal" nach Detmold zu fahren, hätte ich gewusst, dass noch mehr Capricciosi einmal den Weg zu uns in die Provinz finden, hätte ich es sicher getan. So hat mich ehrlich gesagt, "Parsifal" doch nicht motiviert, den Weg auf mich zu nehmen - zum "Wildschütz" im Juni werde ich aber wieder nach Detmold fahren.
      Da das Detmolder Landestheater, das sich lange "die größte Reisebühne Europas" nannte, sechs Produktionen pro Saison hier in Paderborn spielt, wo es kein eigenes Opernhaus gibt, ist es so etwas wie mein Heimat-Opernhaus und ich habe die meisten Beteiligten schon in vielen Aufführungen gesehen (und auch hier, meist im "Opern-Telegramm", davon berichtet). Was die Inszenierungen Kay Metzgers angeht, so haben sie mich stets entweder begeistert oder verärgert, aber eigentlich nie gelangweilt. Sein "Ring der Nibelungen" der in diesem Frühjahr noch ein letztes Mal auf dem Programm stehen wird, ist fulminant, ein gleichermaßen assoziatinsreiches wie unterhaltsames Bühnespektakel. Der "Ring" wurde 2009 auch hier bei uns gespielt, ich fürchte, mit dem "Parsifal" werden die Detmolder nicht auf Reisen gehen.

      Alviano schrieb:

      Kay Metzger setzt bei seiner Interpretation stark auf den christlichen (und hier explizit katholischen) Aspekt, den er in Wagners „Parsifal“ als handlungsbestimmend zu finden glaubt. Vielleicht ist dies besonders naheliegend, wenn man die geografische Lage der Stadt Detmold berücksichtigt,

      Nun war aber Detmold bis nach dem zweiten Weltkrieg Hauptstadt des Landes Lippe und damit eine Hochburg des Protestantismus. Bis ins 19. Jahrhundert hinein durfte der Landesherr die KOnfession der Untertanen bestimmen, wodurch Nicht-Protestanten dort kaum Fuß fassen konnten. Die geographische Nähe zu Paderborn oder Münster, traditionell katholischen Städten, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es da eine jahrhundertelange, bis heute in den Stadtbildern nachwirkende konfessionelle Trennung gab!

      Alviano schrieb:

      Mit Johannes Harten (Parsifal) verfügt Detmold über einen Heldentenor, der allein schon durch seine Stimmkraft zu beeindrucken versteht. Erst gegen Ende zeigten sich Ermüdungserscheinungen und wenn Harten die mehr auf Kraft, denn auf Genauigkeit ausgerichteten Töne besser fokussieren würde, mehr auf Linie, denn auf das Ausstellen der Spitzentöne achten würde – dann könnte da ein interessanter Vertreter eines schmal besetzten Faches heranwachsen.

      Johannes Harten singt am Detmolder Landestheater so lange ich denken kann. Er singt Max und Hoffmann und Siegmund und Siegfried und Loge und alles, was im jugendlich-dramatischen Fach eben so anfällt und bekommt immer hervorragende Kritiken. Da er Kraft mit stimmlicher Schönheit verbindet, wird er auch immer wieder als interessante Nachwuchshoffnung benannt. Nur ist bisher außerhalb von Westfalen immer noch niemand auf diesen Tenor aufmerksam geworden und er ist nun seit sicher fünfzehn oder zwanzig Jahren eine interessante Nachwuchshoffnung, ein ewiges Talent.

      Alviano schrieb:

      Stimmlich schwach dann die Kundry von Brigitte Bauma. Nur mit äusserster Anstrengung schafft sie mit unruhigem und schütterem Sopran die Partie,
      Brigitte Bauma ist ungefähr genauso ein Detmolder Urgestein wie Johannes Harten. In den ersten Opernaufführungen, in denen ich als Grundschüler war, sang sie die Hauptrollen. In letzter Zeit hört man sie immer seltener und mit Marianne Kienbaum-Nasrawi ist inzwischen auch eine andere Sängerin engagiert, die die meisten Partien bekommt, die früher fest in der Hand der Bauma waren (das gesamte lyrische und jugendlich-dramatische Fach). Ich war nie ein besonderer Anhänger von Brigitte Bauma und fürchte, nicht ohne Grund wird sie rollenmäßig zunehmend auf das "alte Eisen" geschoben.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Wagner in Detmold

      Cherubino schrieb:

      (Der) "Ring der Nibelungen" der in diesem Frühjahr noch ein letztes Mal auf dem Programm stehen wird, ist fulminant, ein gleichermaßen assoziatinsreiches wie unterhaltsames Bühnespektakel. Der "Ring" wurde 2009 auch hier bei uns gespielt, ich fürchte, mit dem "Parsifal" werden die Detmolder nicht auf Reisen gehen.


      Der "Parsifal" scheint überhaupt nur für sehr wenige Vorstellungen am "Landestheater Detmold" vorgesehen zu sein. Da ich wirklich gerne in Detmold zu Gast war, habe ich nochmals über einen Besuch der "Ring"-Serie im Mai nachgedacht - es geht terminlich nicht. Ich könnte höchstens zum "Siegfried" anreisen - und der wird mitten in der Woche gespielt.

      Johannes Harten singt am Detmolder Landestheater so lange ich denken kann. Er singt Max und Hoffmann und Siegmund und Siegfried und Loge und alles, was im jugendlich-dramatischen Fach eben so anfällt und bekommt immer hervorragende Kritiken. Da er Kraft mit stimmlicher Schönheit verbindet, wird er auch immer wieder als interessante Nachwuchshoffnung benannt. Nur ist bisher außerhalb von Westfalen immer noch niemand auf diesen Tenor aufmerksam geworden und er ist nun seit sicher fünfzehn oder zwanzig Jahren eine interessante Nachwuchshoffnung, ein ewiges Talent.


      Dass Johannes Harten schon so lange in Detmold singt, wundert mich: ich hätte ihn für einen Sänger der jüngeren Generation gehalten. Die Stimme wirkt unverbraucht, Harten ist auch in der Lage, weichere Töne anzubieten und nur in der Bruchlage merkt man bei ihm, dass er da etwas Probleme hat, die er aber geschickt abfängt. Da rutschen dann die Töne auch gerne ins Ungefähre. Dennoch: toll, dass sich ein kleineres (übrigens sehr hübsches) Haus einen Haussänger für dieses Fach leistet, das gibts nicht mehr oft. Johannes Harten steht dieses Jahr auch als Samson auf der Bühne, das kann ich mir auch gut vorstellen.

      Brigitte Bauma ist ungefähr genauso ein Detmolder Urgestein wie Johannes Harten. In den ersten Opernaufführungen, in denen ich als Grundschüler war, sang sie die Hauptrollen. In letzter Zeit hört man sie immer seltener und mit Marianne Kienbaum-Nasrawi ist inzwischen auch eine andere Sängerin engagiert, die die meisten Partien bekommt, die früher fest in der Hand der Bauma waren (das gesamte lyrische und jugendlich-dramatische Fach). Ich war nie ein besonderer Anhänger von Brigitte Bauma und fürchte, nicht ohne Grund wird sie rollenmäßig zunehmend auf das "alte Eisen" geschoben.


      Ich habe gesehen, dass Brigitte Bauma auch als Sieglinde besetzt wird - das schreckt schon ab. Es gibt nichts drumrum zu reden: gesanglich war einiges an dieser Kundry richtig furchtbar. Als z. B. Herodias könnte ich mir die Sängerin noch problemlos vorstellen, aber nicht mehr als Sieglinde.

      Marianne Kienbaum-Nasrawi hat im "Parsifal" eines der Blumenmädchen gesungen, da kann ich nicht viel zu sagen. Der Name "Nasrawi" ist mir natürlich aufgefallen. Besteht da eine Verbindung zum Tenor Douglas Nasrawi?

      Von den kleineren Partien hat mir die Altistin Evelyn Krahe wegen ihres dunklen Timbres gut gefallen, die würde ich auch gerne einmal mit einer grösseren Rolle erleben.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lieber Alviano,

      die Gelegenheit, einmal über das Theater in Detmold und seine Sänger sprechen zu können, muss ich ausnutzen, ich habe sie sonst so selten. Vor allem dein Blick "von außen" ist für mich sehr interessant zu lesen. Deshalb nerve ich dich jetzt noch weiter mit Bemerkungen zu einer Aufführung, die ich nicht gesehen habe. :D

      Alviano schrieb:

      Der "Parsifal" scheint überhaupt nur für sehr wenige Vorstellungen am "Landestheater Detmold" vorgesehen zu sein.

      Das habe ich auch schon gelesen und mich sehr gewundert: Da betreibt ein Opernhaus so einen immensen Aufwand und studiert eine Neuinszenierung des "Parsifal" ein, und dann verschwindet sie Produktion nach drei Aufführungen wieder im Archiv? Warum macht man so etwas? Der "Ring" lief immerhin mehrere Saisons lang und wurde von Anfang an so konzipiert, dass man ihn auch zu den Abstechern nutzen konnte. Warum macht man das beim "Parsifal" nicht genauso?

      Alviano schrieb:

      Dass Johannes Harten schon so lange in Detmold singt, wundert mich: ich hätte ihn für einen Sänger der jüngeren Generation gehalten.

      Ich habe mich heute informiert und weiß es jetzt genau: Johannes Harten hat 2000 debütiert und ist seit diesem Jahr auch als Ensemblemitglied in Detmold engagiert. Er ist also nicht seit fünfzehn Jahren, wie ich aus dem Bauch heraus geschätzt habe, sondern erst seit zwölf Jahren hier. Da ich aber gerade Ende der 1990er/ Anfang der 2000er Jahre begonnen habe, in die Oper zu gehen (zunächst nur höchtens eine Aufführung im Jahr wie vorher beim Zirkus, "damit es etwas Besonderes bleibt" :D ) kommt es mir so vor, als sei Harten schon immer da gewesen. Besonders beeindruckt hat er mich 2009 mit der Titelrolle im "Siegfried".

      Alviano schrieb:

      Ich habe gesehen, dass Brigitte Bauma auch als Sieglinde besetzt wird - das schreckt schon ab. Es gibt nichts drumrum zu reden: gesanglich war einiges an dieser Kundry richtig furchtbar. Als z. B. Herodias könnte ich mir die Sängerin noch problemlos vorstellen, aber nicht mehr als Sieglinde.

      Was Brigitte Bauma angeht, so hat sie (wie gesagt, ich habe nachgesehen) 1990 in Graz debütiert und ist seit 1997 in Detmold, also noch mehr "Urgestein" als Harten. Von ihrer Sieglinde ist mir hauptsächlich das Optische in Erinnerung geblieben. Johannes Harten und Brigitte Bauma als junges Liebespaar, das langsam zueinanderfindet, das war schon unfreiwillig komisch (so wie bei Ben Heppner und Jane Eaglen als Tristan und Isolde). Ihre Stimme war nie wirklich mein Ding, sie ist mir aber auch selten negativ aufgefallen. Ich fürchte aber, in den letzten vielleicht drei oder vier Jahren hat sie deutlich abgebaut.

      Alviano schrieb:

      Marianne Kienbaum-Nasrawi hat im "Parsifal" eines der Blumenmädchen gesungen, da kann ich nicht viel zu sagen. Der Name "Nasrawi" ist mir natürlich aufgefallen. Besteht da eine Verbindung zum Tenor Douglas Nasrawi?

      Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, Marianne Kienbaum-Nasrawi ist die Ehefrau von Douglas Nasrawi. Der singt in Berlin, oder? Frau Kienbaum-Nasrawi habe ich in dieser Saison als Gräfin Almaviva und als Cio-Cio-San gehört, Rollen, die vor einigen Jahren noch Brigitte Bauma gesungen hat (die ist in der Neuinszenierung die Marcellina). Wie sie mir gefallen hat, kann man in den Berichten im "Opern-Telegramm" nachlesen.

      Alviano schrieb:

      Von den kleineren Partien hat mir die Altistin Evelyn Krahe wegen ihres dunklen Timbres gut gefallen, die würde ich auch gerne einmal mit einer grösseren Rolle erleben.

      Sie singt gerade zum Beispiel die Dalila neben Hartens Samson und demnächst wieder ihre Paraderolle, die Erda, die sie im letzten Herbst auch in Bergen unter Kent Nagano gesungen hat. Seit ich vor dreieinhalb Jahren bei einer Hospitanz am Landestheater Evelyn Krahe zum ersten Mal gehört (als Glucks Orfeo) und auch persönlich kennen gerlernt habe, bin ich ein großer Fan dieser Sängerin. Von ihrer vollen warmen Stimme, einem wirklichen Alt mit schier unerschöpflicher Tiefe und unverkennbarem Timbre, habe ich schon öfter geschwärmt:
      Eure Lieblingssängerinnen 2010
      Ein Alt, bitte!
      Was probt Ihr gerade?
      ...und in diversen Erlebnisberichten von Aufführungen. Krahe hätte es wirklich verdient, etwas größere Aufmerksamkeit zu genießen, gerade auch, weil sie ein so seltenes Stimmfach in seltener Qualität bedient.

      Liebe Grüße,
      Lars
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      (...) die Gelegenheit, einmal über das Theater in Detmold und seine Sänger sprechen zu können, muss ich ausnutzen, ich habe sie sonst so selten.


      Lieber Lars,

      da mein Besuch in Detmold am Sonntag eine "Premiere" war, kann ich naürlich nicht so arg viel mehr beisteuern, als das, was ich schon geschrieben habe. Eine Sängername zumindest war mir noch bekannt: der von Bruno Gebauer, der auch schon seit langer Zeit in Detmold engagiert ist. Für ganz kurze Zeit hat er wohl auch das angestammte Fach verlassen und Siegmund, Erik und - ich glaube - Peter Grimes gesungen. Auf Fotos habe ich gesehen, dass er auch noch in der aktuellen "Siegfried"-Inszenierung als Mime aufgetreten ist, jetzt aber im Mai durch Christian Brüggemann ersetzt wird.


      Was ich mittlerweile sehr schade finde: dass ich die "Rusalka" in Detmold nicht gesehen habe, die Bilder zur Aufführung schienen mir vielversprechend. In der nächsten Saison steht wohl der "Tristan" als Neuproduktion an, der könnte mich interessieren, gerade, wenn Johannes Harten die Titelpartie singt.

      Da betreibt ein Opernhaus so einen immensen Aufwand und studiert eine Neuinszenierung des "Parsifal" ein, und dann verschwindet sie Produktion nach drei Aufführungen wieder im Archiv? Warum macht man so etwas? Der "Ring" lief immerhin mehrere Saisons lang und wurde von Anfang an so konzipiert, dass man ihn auch zu den Abstechern nutzen konnte. Warum macht man das beim "Parsifal" nicht genauso?


      Rein vom Bühnenbild her würde ich vermuten, dass sich die Produktion auch problemlos in anderen Häusern der Region zeigen liesse - es handelt sich im Grunde genommen um ein Einheitsbühnenbild - aber vielleicht stehen organisatorische Gründe weiteren Aufführungen entgegen. Der Publikumszuspruch und die Begeisterung des Publikums waren jedenfalls gross, es ist in der Tat schade, dass die Aufführung nur so wenige Abende zu sehen sein wird.

      Zumal, ich erwähne das gerne nochmals, allein schon die Orchesterleistung beeindruckend war.

      Was Brigitte Bauma angeht, so hat sie (wie gesagt, ich habe nachgesehen) 1990 in Graz debütiert und ist seit 1997 in Detmold, also noch mehr "Urgestein" als Harten
      .

      Mit dem Brigitte Bauma übrigens verheiratet ist, so steht es in einer Besprechung des "Parsifal". Marcellina kann ich mir vorstellen. Isolde schon weniger.

      Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, Marianne Kienbaum-Nasrawi ist die Ehefrau von Douglas Nasrawi. Der singt in Berlin, oder?


      Von Douglas Nasrawi habe ich einige Aufnahmen hier (u.a. als Peter Grimes), aber live kenne ich ihn aus Kaierslautern. Ich glaube, er ist z. Zt freiberuflich tätig.

      (Evelyn Krahe) singt zum Beispiel die Dalila neben Hartens Samson und demnächst wieder ihre Paraderolle, die Erda


      Evelyn Krahe und Erda kann ich mir sehr gut vorstellen. Dalila finde ich auch spannend. Wie gesagt, "Rusalka" (wo Krahe Jezibaba gesungen hat) hätte ich gerne gesehen - so weit ist Detmold gar nicht von mir entfernt, es ist nur ein wenig schlecht erreichbar....

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Douglas Nasrawi

      Cherubino schrieb:

      Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, Marianne Kienbaum-Nasrawi ist die Ehefrau von Douglas Nasrawi. Der singt in Berlin, oder?
      Douglas Nasrawi hörte ich vor ca. 10 Jahren mehrfach an der Komischen Oper Berlin, u.a. als Don José, Sergej (Lady Macbeth von Mszensk), Zwerg (Zemlinsky). Überzeugt hat er mich nie und ist auch später nicht mehr aufgetaucht.
    • Lieber Lars,

      dann mache ich nochmal etwas Werbung für die Produktion des "Parsifal" in Detmold. In der Spielzeit 2012/2013 wird es eine Wiederaufnahme geben - allerdings auch wieder nur für drei Vorstellungen.

      Vielleicht passt es für Dich.

      :wink:
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    • Alviano schrieb:

      Eine Sängername zumindest war mir noch bekannt: der von Bruno Gebauer, der auch schon seit langer Zeit in Detmold engagiert ist.

      Bruno Gebauer ist schon seit einigen Jahren im Ruhestand, für den "Ring" wurde er noch einmal "reaktiviert". Seinen Mime fand ich 2009 sehr beeindruckend, und das ganz ohne den Zusatz "für sein Alter". Ich erinnere mich, dass ich ihn vor etwa zehn Jahren, als ich begann, mir Opern anzusehen, einige Male noch in seiner aktiven Zeit gesehen zu haben, etwa als Peter Iwanow (neben Harten als Chateauneuf) und als Fatty, der Prokurist. Von Ausflügen in heldischere Regionen weiß ich nichts.

      Alviano schrieb:

      In der nächsten Saison steht wohl der "Tristan" als Neuproduktion an, der könnte mich interessieren, gerade, wenn Johannes Harten die Titelpartie singt.

      Weist du da Genaueres? Noch hat das Landestheater doch seine Pläne für die nächste Saison noch gar nicht veröffentlicht. Über eine Neuproduktion des "Tristan" würde ich mich sehr freuen und auch gegen Johannes Harten in der Titelrolle hätte ich nichts einzuwenden. Dass Brigitte Bauma als Isolde besetzt wird, kann ich mir nicht vorstellen, die Brünnhilde hat sie ja auch nicht gesungen, sondern Freia, Sieglinde, dritte Norn und Gutrune, also etwas "leichtere" Partien. Das Harten und Bauma verheiratet sind, wusste ich noch gar nicht, das ist ja wirklich ein nettes Detail!

      Alviano schrieb:

      so weit ist Detmold gar nicht von mir entfernt, es ist nur ein wenig schlecht erreichbar....

      Ja, so ähnlich geht es mir auch, aber zum Glück kommen die Detmolder ja sechs Mal pro Spielzeit hierher. Falls es dich (oder einen anderen Capriccioso) aber wieder einmal ins Lippische verschlägt, könnte man sich ja durchaus mal zu einem gemeinsamen Forums-Opernbesuch verabreden.

      Alviano schrieb:

      dann mache ich nochmal etwas Werbung für die Produktion des "Parsifal" in Detmold. In der Spielzeit 2012/2013 wird es eine Wiederaufnahme geben - allerdings auch wieder nur für drei Vorstellungen.

      Nachdem wir hier so viel über diese Produktion gesprochen/geschrieben haben, ist meine Neugierde groß, mir das bei Gelegenheit mal in echt anzugucken. Danke für den Hinweis!
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Hallo,

      war evtl. jemand in der Wiederaufnahme des Parsifal letzten Samstag (15.12.) ?. Mich würde vorallem interessieren, wie es Herrn Stephinger als Gurnemanz ergangen ist. Hier in München ist er ja leider hauptsächlich in kleineren Rollen zu erleben und diese dann ja schon eine große Herausforderung.

      Herzliche Grüße
      Ingrid
    • Parsifal, 13.01.2013

      Gestern, am 13.01.2013, hatte ich Gelegenheit, den Detmolder „Parsifal“ zu sehen, wozu mich insbesondere die freundliche Besprechung hier motiviert hat.

      Als Parsifal war nicht wie in der letzten Saison Johannes Harten zu hören, der übrigens inzwischen nicht mehr als Ensemblemitglied auf der Internetseite des Landestheaters Detmold aufgeführt ist. Aufgeboten war István Kovácsházi, ein eher hell und sehr attraktiv timbrierter Tenor, der die Herkunft von lyrischen Tenor nicht verleugnen kann, aber dennoch ausreichend Stimmkraft mitbringt; nur im zweiten Akte rutschten einige Töne in die Nase. Der Ungar sollte aber dringend an seiner Artikulation arbeiten und lernen, wie man sich auf einer Bühne bewegt, selbst wenn man in einer Produktion nur für eine Vorstellung einspringt. Sowohl die allfälligen Vokalverfärbungen als auch die faktische Bewegungslosigkeit Kovácsházis trübten das an sich positive Bild doch beträchtlich. Auf der Haben-Seite auch der Gurnemanz von Christoph Stephinger, den ich bei nur geringfügiger Anstrengung in der Höhe sehr tonschön und textverständlich erlebt habe, und der Amfortas von Andreas Jören. Brigitte Bauma als Kundry konnte ihren breit schwingenden Sopran nur mit viel Kraft kontrollieren, auch der nasal-gepresste Klingsor von James Tolksdorf hinterließ keinen positiven Eindruck.

      Beeindruckend war aber, was der mit Ablauf dieser Saison aus Detmold scheidende Generalmusikdirektor Erich Wächter aus seinem „Symphonischen Orchester“ herausgeholt hat. Es gab, das kann man bei dem Orchester eines kleineren Hauses ruhig mal erwähnen, bemerkenswert wenig Patzer und Wackler, aber auch die Klangbalance zwischen den Instrumentengruppen war vorbildlich. Nach zehn Jahren gemeinsamer Arbeit kennen Orchestermusiker und GMD einander wohl so gut, dass man weiß, was man voneinander erwarten kann.

      Bei der Inszenierung ging es mir so wie Alviano: insbesondere der erste Akt war sehr gut, eigentlich nicht aufregend, aber einfach gut gemachtes Theater, dann im zweiten Akt war aber, auch weil der Tenor nicht mitspielte, eher wenig los.

      Es lohnt sich übrigens, generell auf die Richard-Wagner-Pflege am Landestheater Detmold aufmerksam zu machen: In der letzten Saison habe ich den Detmolder „Ring“ sehen können. Natürlich ist Detmold nicht Bayreuth, die Dimensionen von Bühne, Orchester und finanziellen Ressourcen sind einfach andere. Trotzdem war hier – übrigens bemerkenswert preiswert – eine durch und durch ernsthafte Auseinandersetzung mit dem „Ring des Nibelungen“ zu erleben: eine Inszenierung, die das Rad nicht neu erfindet, aber immer eine durchdachte Interpretation liefert, ein – wohlgemerkt für jeweils nur eine Vorstellung der vier Opern – sehr gut präpariertes Orchester und junge motivierte Sänger. Es war das Bewusstsein aller Beteiligten zu spüren, mit dem „Ring des Nibelungen“ etwas Großes und Besonderes ins Lippische Land gebracht zu haben. Der auch hier regieführende Intendant war bereits während der Pausen im Foyer anzutreffen, stand für seine Inszenierung Rede und Antwort, und der Stolz auf die Leistung seines Theaters war ihm dabei anzumerken. Für mich waren die vier Ring-Abende in Detmold eine rundherum schöne Erfahrung und ein Beweis dafür, wie intakt und vielseitig die Theaterlandschaft in Deutschland ist.

      „Parsifal“ gibt es in Detmold noch einmal, nämlich am Karfreitag (29.03.), am 12.05.2013 hat dann „Tristan und Isolde“ in der Inszenierung von Kay Metzger Premiere.
    • - - - und icke bin ma langsam am mich freuen über das Detmolder "Walküren"Gastspiel in Schweinfurt (bin in der 1.u.letzten Vorstellung am 15.u.24.02.)
      ....bzgl. Inszenierung u. Dirigat offenbarlich schonma ne sichere Bank :P :P

      :wink:
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    • Zauberton schrieb:

      Als Parsifal war nicht wie in der letzten Saison Johannes Harten zu hören, der übrigens inzwischen nicht mehr als Ensemblemitglied auf der Internetseite des Landestheaters Detmold aufgeführt ist.

      Das ist mir auch aufgefallen. Weiß jemand, wo Johannes Harten abgeblieben ist. Er war ja ein veritables "Urgestein" im Detmolder Ensemble, so lange ich in die Oper gehe, sang Harten dort das lyrische bis dramatische Tenorfach. Jetzt ist er plötzlich kommentarlos verschwunden, ohne dass ich gefunden hätte, dass er an ein anderes Theater gewechselt wäre. Weiß da jemand von euch etwas?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Cherubino schrieb:

      Zauberton schrieb:

      Als Parsifal war nicht wie in der letzten Saison Johannes Harten zu hören, der übrigens inzwischen nicht mehr als Ensemblemitglied auf der Internetseite des Landestheaters Detmold aufgeführt ist.

      Das ist mir auch aufgefallen. Weiß jemand, wo Johannes Harten abgeblieben ist. Er war ja ein veritables "Urgestein" im Detmolder Ensemble, so lange ich in die Oper gehe, sang Harten dort das lyrische bis dramatische Tenorfach. Jetzt ist er plötzlich kommentarlos verschwunden, ohne dass ich gefunden hätte, dass er an ein anderes Theater gewechselt wäre. Weiß da jemand von euch etwas?


      Nichts Genaues. Aber von der Garderobenfrau vom Sonntag war in Erfahrung zu bringen, dass er derzeit nicht gut bei Stimme sein soll und nur ganz selten öffentlich auftritt. Schade wär's.
    • Christopf Stephinger als Gurnemanz

      Ingrid schrieb:

      Hallo,

      war evtl. jemand in der Wiederaufnahme des Parsifal letzten Samstag (15.12.) ?. Mich würde vorallem interessieren, wie es Herrn Stephinger als Gurnemanz ergangen ist. Hier in München ist er ja leider hauptsächlich in kleineren Rollen zu erleben und diese dann ja schon eine große Herausforderung.

      Herzliche Grüße
      Ingrid

      Hallo, Ingrid,

      aus einigen Beiträgen hast du ja mindestens mittelbar schon einiges über Chtistopf Stephinger als Gurnemanz in Detmold erfahren. Ich bin neu im Forum, aber in der detmolder Opernszene bin ich "zu Hause". Ich habe die Parsifal-Premiere im März 2012 und die Vorstellungen am 15.12.2012 und am 13.1.2013 gesehen. Christoph Stephinger ist ein Glücksfall für Detmold. Stephinger ist als Gurnemanz Schaltstelle und Träger dieser Inszenierung. Er verkörpert Gurnemanz mit einer solchen Intensität bzw. Authentizität, wie ich sie auch an großen Bühnen so noch nicht erlebt habe. Die lange Titurel-Erzählung im 1. Aufzug beispielsweise gestaltet er so dicht am Text, so variabel und berührend in der Stimmführung und Stimmfärbung, dazu eine exzelente Artikulation und Diktion; da sitzt jede Silbe. Stephinger schafft und hält Spannungsbögen, gibt dem Gurnemanz damit Gestalt und der Inszenierung die tragende Kontur. So einen fulminanten Bass, höhensicher, auch im lyrischen Fach zu Hause, eine Stimme mit warmem Timbre, das findet man nicht oft. Da kann man dann auch schon mal beim Karfreitagszauber ("Du siehst, das ist nicht so...") richtig "eintauchen". - Stephinger hat ja auch im "Ring" als Hagen in Detmold im besten Sinne dominiert bzw. brilliert und er singt den Hagen übrigens auch im neuen Mannheimer Ring. - Du fragst, wie es Stephinger als Gurnemanz in Detmold ergangen ist. Ich möchte sagen: bestens - anhaltender, starker, stehender Applaus. Das war eindeutig. - Von der Güte schickt uns mal noch mehr aus dem Ensemble nach Detmold!

      Die besten Grüße

      reinhard