Penderecki: "Die Teufel von Loudun" - Staatsoper Hannover, 24.03.2012

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    • Penderecki: "Die Teufel von Loudun" - Staatsoper Hannover, 24.03.2012

      Hinweis: einen längeren Text zur Oper "Die Teufel von Loudun" von Krzysztof Penderecki, den ich einmal für ein Rätsel geschrieben habe, ist quasi als Ergänzung zur Aufführungsbesprechung im zweiten Posting beigefügt

      Zwei Stahlgerüste begrenzen links und rechts den Bühnenraum, eines davon weit nach vorne gezogen. Dahinter erkennbar ein Teil des Orchesters, das auf der Bühne platziert wurde. An der Rampe eine Art Vorsprung, der Ort, an dem sich Jeanne bevorzugt aufhalten wird. Im Hintergrund eine Tribüne für den Chor, die nach vorne gefahren werden kann dazu ein grosser Metallkasten auf Rollen, dessen Front wie in einem Theater geöffnet werden kann.

      Die Menschen sind eine bunte Mischung heutiger Bewohner einer Stadt, die Nonnen zeigen sich in rotgemusterten Phantasiekostümen, die Priester tragen meistens klerikales rot.

      So sieht die Szene der Neuproduktion der Oper „Die Teufel von Loudun“ von Krzysztof Penderecki in Hannover aus und Regisseur Balász Kovalik (Bühne: Florian Parbs, Kostüme: Angelika Höckner) macht daraus ein mitunter buntes Comicspektakel voller stückimmanenter Grausamkeit bei gekonnter Personenführung, ohne dem Stück wirklich nahe zu kommen oder Aspekte herauszuarbeiten, die uns heute mit der Nonne Jeanne, ihren Visionen und Sehnsüchten und dem frauenliebenden Priester Grandier verbinden.

      Über 40 Jahre ist es her, dass die „Teufel von Loudun“ in Hamburg uraufgeführt wurden und die Musik wirkt heute kaum noch provokant. Die enorme Kraft der Musik, ihre unbedingte Theatertauglichkeit, die vielfältigen Anforderungen an die oft in Grenzbereiche geführten Gesangslinien – das alles entfaltet allerdings noch immer eine sogartige Wirkung, die gut anderthalbstunden lang zu fesseln vermag. Auch an das erweiterte Instrumentarium mit Saxophonen, Bass-E-Gitarre oder Kontrabassklarinette oder an die ungewöhnlichen Spieltechniken bei den Streichern hat sich das Publikum längst gewöhnt.

      Was der Inszenierung in Hannover gut gelingt, ist das filmische der Szenenfolge, das Überblenden der oft kurzen Einzelbilder, sodass die Aufführung immer im Fluss bleibt und dem Auge viel Abwechslung geboten wird.

      Zu Beginn erlebt das Publikum die phantasierende Nonne Jeanne und in dem Metallkasten sehen die Zuschauer, wie dieses Vision aussieht: eine Kreuzwegszene, wie aus einem Hollywoodschinken mit Grandier als Christus und de Laubardemont als Pilatus. Dieses Bild wird von einer weiteren Vision abgelöst: Jeanne sieht nun Grandier als Johannes den Täufer mit Herodes, dem Henker und der Salomé, genau in der Szene, wo Johannes der Kopf abgehauen wird. Dieses Bild ist, genau wie viele anderer dieser Metallkastenbilder, erotisch aufgeladen, allerdings mehr in einer homoerotischen Ikonografie – aber wer weiss schon so genau, wovon Nonnen so alles visionär träumen.

      Passenderweise sammeln der Chirurg und der Apotheker den abgeschlagenen Kopf des Johannes ein und kommen so zu jenem Kopf, von dem der Text spricht.

      Insgesamt bleibt Kovalik eng an der Stückvorlage, auch, wenn die exorzierenden Priester aus unserer Zeit stammen und der Exorzismus von de Cerisay protokolliert und fotografiert wird. Oder wenn nicht nur Jeanne mittels einer Klistierung der Dämon aus dem Unterleib vertrieben werden soll, sondern diese Massnahme gleich an allen Nonnen vorgenommen wird.

      Zu einer Orgie im Metallkasten mit Engeln und Teufeln mit nackter Haut und viel sehr knappem Lack und Leder steigen nicht nur einige Nonnen hinzu, sondern dann auch Jeanne, später gibt’s eine Frau in der Pose des heiligen Sebastian am Marterpfahl und mit Pfeilen durchbohrt, dann auch schwangere drei Marien oder einen Engel, der Jeanne ein paar Luftballons mitgebracht hat.

      Man hat den Eindruck, dass Kovalik hier versucht, die Schraube immer noch ein wenig weiter zu drehen, ohne, dass das wirklich zwingend wäre. Das schaut sich alles nett an, aber der Aussagewert hält sich in Grenzen.

      Interessant die Situation, wenn Prinz de Condé (im YSL-Look) seine mitgebrachte Reliquie als Schwindel entlarvt. Der Priester Mignon erwürgt den Prinzen, der mit einem Trick die bestehende Ordnung ins Wanken gebracht hat.

      Drastisch dann Folterung und Tod des Grandier, das wird ganz naturalistisch ausgespielt. Durch die Beteiligung der römischen Legionäre aus dem Anfangsbild wird hier die Parallele Christus-Grandier etwas überstrapaziert und weil der in so einer Inszenierung nicht fehlen darf, tritt in der Schlusszene auch noch der Papst auf.

      Dass Grandier, dem Jeanne auf seinem Weg in den Tod das erste Mal überhaupt physisch direkt begegnet, tatsächlich küsst, verwundert.

      Grandier wird nicht verbrannt, sondern gekreuzigt in einem Kasten mit Beton übergossen, das erinnert irgendwie an die Mafia – und vielleicht ist das ja auch so gemeint. De Cerisay erhängt sich, die Frauen im Volk reissen sich die Kleider vom Leib und zeigen jene rote Unterwäsche, die auch die Nonnen (und in der männlichen Variante Grandier) getragen haben, während die Männer versuchen, die Frauen wieder zu bedecken. Repression als passendes Schlussbild.

      Tadellos die Leistung des Orchesters unter der Leitung des Dirigenten Stefan Klingele und bemerkenswert jene des vielfach aufgeteilten Chores (Einstudierung: Dan Ratiu). Die Klangflächen Pendereckis, die kurzen Einwürfe, das drohende der tiefen Streicher und die bläsersatten Staccati, das flirrende der Holzbläser, kurz das ganze Spektrum dieser Musik ist in Hannover in einer ausgesprochen starken, musikalischen Realisation zu erleben.

      Mit Vehemenz und bis an die Grenzen ihrer Stimme gehend gestaltet Khatuna Mikaberidze die verwachsene Nonne Jeanne. Ihre physische Präsenz wird von den gross ausgestellten Tönen der schwierigen Partie, von Klängen zwischen Sprechen, Stöhnen, Singen und Schreien nachhaltig unterstützt.

      Mit teilweise erstaunlich balsamischem Bariton stattet Brian Davis den Grandier aus. Davis Stimme wirkt bis zum Schluss unangestrengt und schafft auch die Klippen seiner Partie beeindruckend. Auch er ist, nicht nur, aber auch gerade am Schluss darstellerisch beeindruckend.

      Gute Besetzungen bei den zahlreichen kleineren Partien. Stellvertretend seien hier die Priester Barré (Tobias Schabel) und Rangier (Albert Pesendorfer), sowie Edward Mout als Mignon genannt.

      Starker Beifall für diese Premiere. Regisseur Balász Kovalik schien verwundert zu sein, dass auch er ohne Missfallensbekundung nur mit Applaus bedacht wurde, aber so provokant, wie Kovalik gerne wäre, ist diese Inszenierung, skelettiert man sie auf die reine Aussage, nicht, als dass sich hier die Gemüter wirklich erhitzen könnten.

      Ein musikalisch spannender und szenisch einiges fürs Auge bietender Abend ist kein schlechtes Fazit für diese Neubegegnung mit den „Teufeln von Loudun“ von Krzysztof Penderecki in Hannover.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • "Die Teufel von Loudun"

      Urbain Grandier, der am Ende des 16. Jahrhunderts in Bouère geboren wurde, war eie schillernde Persönlichkeit seiner Zeit. Grandier stammte aus einer wohlhabenden Familie und war schon früh, das, was man einen „klugen Kopf“ nennt. Im Jesuitenseminar in Bordeaux gehörte Urbain Grandier zu den besten Schülern und nachdem er Priester in der Kirche Sainte Croix in Loudun geworden war, schien eine Kirchenkarriere des intelligenten, gutaussehenden und charismatischen Mannes vorgezeichnet zu sein.

      Grandier liebte die Frauen und er versuchte erst gar nicht, das zu verstecken, was ihm allerdings in Loudun schnell einige Feinde machte. Besonders wurde ihm verübelt, dass er Philippe Trincant, die Tochter eines königlichen Beamten schwängerte und sitzen liess.

      Das war auch dem Bischof zuviel, er suspendierte Grandier, der allerdings liess seine Kontakte zu höchsten Kreisen spielen und der Bischof musste die Suspendierung zurücknehmen.

      Eine Episode wurde Grandier schliesslich zum Verhängnis: bei einer Prozession verweigerte Grandier dem Bischof von Lucon den Vortritt. Dieser Bischof von Lucon wurde wenig später als Kardinal Richelieu weltberühmt. Als Richelieu anordnete, dass die Stadtfestungen in Frankreich als Zeichen des Friedens geschliffen werden sollen, schlug sich Grandier auf die Seite des Gouverneurs von Loudun und kämpfte für den Erhalt der Stadtmauer. Richelieu schickte einen Kommisär nach Loudun, der alle Hindernisse dort beseitigen soll – vor allem natürlich das Haupthindernis Urbain Grandier.

      Eine Frau, die Grandier nie gesehen hat, übernahm dabei eine Hauptrolle. Die Priorin des Ursulinerinnenklosters in Loudun, Schwester Jeanne von den Engeln, hat sich in Grandier, den sie schon von Ferne gesehen und über dessen Liebesabenteuer sie etwas gehört hatte, verliebt. Sie nutzt die Gelegenheit, als die Stelle des Beichtvaters im Kloster neu zu besetzen ist, diese Position Grandier anzubieten, der allerdings ablehnt.

      Die Zurückweisung führt zur Verleumdung durch die Nonne – Grandier wird beschuldigt, im Bunde mit dem Teufel zu stehen und die Nonnen des Klosters verführt zu haben. Grandier erträgt die schlimmsten Folterungen, ohne ein Geständnis abzulegen. Die Richter in seinem Prozess waren alles andere, als unabhängig – sie wurden entweder von Richelieu bezahlt oder waren persönliche Feinde von Grandier. Richelieu sorgte dafür, dass keine Entlastungszeugen gehört wurden und das eine Berufung nicht zugelassen wurde.

      Am 18.08.1634 wurde Grandier, körperlich schwer misshandelt, auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

      Aldous Huxley erzählt die Geschichte von Urbain Grandier in seinem auf den historischen Tatsachen beruhenden Roman „The Devils of Loudun“, der 1952 erschienen ist. Anfang der 60er Jahre ist dieser Roman die Grundlage für eine Dramatisierung des Stoffes durch den Schriftsteller John Whiting. Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki wird vor allem auf Grundlage dieses Schauspiels seine auf ein eigenes Libretto verfasste Oper „Die Teufel von Loudun“ schreiben, die am 20.06.1969 an der Staatsoper Hamburg (es war ein Auftragswerk des Opernhauses und gesungen wurde in deutscher Sprache, Erich Fried hatte das Drama von Whiting übersetzt), uraufgeführt wurde.

      Das Stück besteht aus vielen kurzen Szenen, die manchmal auch simultan ablaufen.

      Schwester Jeanne liegt in ihrer Zelle im Ursulinerinnenkloster zu Loudun und betet. Die Nonne hat eine Vision von Pater Grandier, wie er auf die Richtstätte geführt wird. Schwester Claire kommt herein und übergibt Jeanne einen Brief von Grandier, in dem dieser kühl ablehnt, Beichtvater im Kloster zu werden. Wütend zerreisst Jeanne diesen Brief. Sie phantasiert ein Bild von Grandier und der jungen Witwe Ninon in liebender Vereinigung herbei.

      Der Apotheker und der Chirurg des Ortes machen nach einer Predigt hämische Bemerkungen über Grandier und die junge Witwe Ninon.

      Im Badezuber vergnügen sich Grandier und Ninon.

      Auf der Strasse begegnen der Apotheker und der Chirurg, die gerade den Kopf eines Gehenkten für Forschungszwecke geborgen haben, dem Priester, der angeblich „nach dieser Witwe“ gerochen hat.

      Grandier bittet Gott im Gebet um Hilfe. Der Chor singt im Hintergrund ein „Rex tremendae majestatis“

      In der Kirche trifft Jeanne auf Grandier in seinem vollen Ornat – sie schreit auf und flieht.

      Der Apotheker und der Chirurg verfassen ein Dokument, das Grandier belasten soll: „Wir wissen von seinen Ausschweifungen, von seinem Lasterleben und von seiner Gottlosigkeit“. Das muss als Beleg ausreichen.

      Das junge Mädchen Philippe gesteht in der Beichte bei Grandier, sie habe unreine Gedanken gehabt. Grandier will wissen, ob Philippe diese Gedanken zu unterdrücken versucht habe, aber das Mädchen bekennt: „Ich will von ihm genommen, besessen, zerstört werden“. Grandier zieht Philippe zu sich hinüber: „Komm, Kind, ich will dir helfen“.

      Auf dem Stadtwall erfährt der Stadtkommandant vom Kommisär des Königs, dass die Wälle geschliffen werden sollen. Der Kommandant weigert sich und wird dabei von Grandier bestärkt.

      Jeanne berichtet ihrem Beichtvater Mignon, in der Nacht sei Grandier in der Gestalt des Teufels zu ihr gekommen.

      Die Schlinge um Grandier zieht sich zu: Mignon berichtet dem Apotheker und dem Chirurgen, was ihm Schwester Jeanne anvertraut hat und erzählt, dass er den Exorzisten angefordert hat. Der königliche Kommisär kommt dazu und will sich über Grandier informieren.

      In ihrer Zelle wird Jeanne vom Exorzisten befragt. Grandier habe sie verführt, „gesteht“ Jeanne mit der tiefen Stimme des Dämons Asmodeus. Der Chirurg und der Apotheker klistieren Jeanne.

      Der Stadtkommandant und der Richter warnen Grandier vor Jeanne, dieser schlägt die Warnung in den Wind.

      Jeanne „gesteht“ des weiteren, Grandier habe im Kloster eine Orgie veranstaltet, drei Nonnen berichten, sie seien entjungfert worden und der Exorzist ist von Grandiers Schuld überzeugt. Der Stadtrichter allerdings befiehlt wütend, diesen Unsinn sofort einzustellen.

      Grandier dankt dem Stadtrichter für seine Unterstützung, muss aber erkennen, dass er nicht zuletzt wegen der Geschichte mit dem Stadtwall ins Blickfeld starker Feinde geraten ist – Grandier fühlt sich alleingelassen.

      Grandier erfährt von Philippe, dass diese von ihm schwanger ist. Der Priester rät dem Mädchen, es möge sich dem Vater anvertrauen, der wird schon einen guten Mann für sie finden.

      Die Exorzismen werden auf Befehl des Erzbischofs eingestellt und der Exorzist nach Hause abberufen.

      Grandier will noch immer nicht auf die gutgemeinten Ratschläge des Stadtkommandanten hören. Er fühlt sich allen Gott verpflichtet, der ihn auf dem richtigen Weg leiten wird.

      Schwester Jeanne erzwingt die Rückkehr des Exorzisten – sie ist wieder von Dämonen befallen worden.

      Diesmal findet der Exorzismus öffentlich statt. Es herrscht Volksfeststimmung. Die geistlichen Würdenträger erscheinen in vollem Ornat, Diamanten glänzen über edlen Stoffen. Ein Gesandter des Königs verfolgt den Exorzismus. Er hält Jeanne ein Kästchen hin, in dem angeblich eine Phiole mit dem Blut Christi enthalten sein soll. Damit wird die Stirn von Jeanne berührt. Die Teufel verlassen Jeannes Körper. „Ich bin frei“ sagt sie. Der königliche Gesandte öffnet das Kästchen – es ist leer.

      Nun bricht der Tumult erst recht los. Auch der Beichtvater und andere Anwesende werden von Dämonen besessen. Der Exorzist versucht, der Situation Herr zu werden. Der königliche Gesandte lässt den Platz räumen. Als Grandier die Kirche betreten will, wird er verhaftet.

      Im Kerker beichtet Grandier seine Sünden. Jeanne bittet ihren Beichtvater zum gleichen Zeitpunkt, dieser möge sie in der Nacht nicht alleine lassen, sie befürchtet einen Besuch Grandiers.

      Der königliche Kommisär teilt dem Apothker und dem Chirugen die Verurteilung Grandiers mit. Die beiden sollen den Verurteilten „vorbereiten“. Grandier wird hereingebracht, er wird nackt ausgezogen, man rasiert ihm die Kopfhaare und die Augenbrauen ab, dann werden ihm die Fingernägel ausgerissen.

      Auf einem offenen Platz wird das Todesurteil gegen Grandier verlesen. Er ist schuldig, die schwarze Magie gepflegt, Unzucht getrieben und Gott gelästert zu haben. „Die einzige Magie, die ich jemals praktizierte, ist die Magie der heiligen Schrift. Ich bin unschuldig“ erwidert Grandier. Er weigert sich, irgendetwas zu gestehen, was er nicht getan hat. Auch die Androhung der Folter können Grandier nicht umstimmen.

      Im Kloster hindern die Nonnen Schwester Jeanne daran, sich umzubringen

      In der Folterkammer werden Grandier brutal die Beine gebrochen. Mit geradezu sadistischer Lust lässt der Exorzist mit zehn Holzkeilen die Beine des Priesters zerstören. Geifernd fordert er ein Geständnis ein. „Wo bleibt die Barmherzigkeit des heiligen Franziskus?“ fragt Grandier seine Peiniger. Die Ursulinnen singen: „Sangius Christi, in agonia decurrens, Sangius Christi, in flagellatione profluens, Sangius Christi, in coronatione spinarum emanens, Sangius Christi, flumen misericordiae, Salva nos“ (Blut Christi, im Todeskampf herabfliessend, Blut Christi, in der Geisselung hervorfliessend, Blut Christi, in der Dornenkrönung hervorrinnend, Blut Christi, Strom der Barmherzigkeit, rette uns). Grandier gesteht nicht.

      In einer Prozession wird Grandier zur Richtstätte getragen. Vor dem Ursulinerinnenkloster wird ein Halt eingelegt, damit Grandier die Nonnen um Vergebung bitten kann. Grandier sagt, dass er allein den Herrgott bitten kann, den Nonnen zu vergeben. Jeanne tritt mit zwei Schwestern aus dem Kloster und tritt hier das erste Mal Grandier direkt gegenüber: „Die Leute haben immer von eurer Schönheit gesprochen. Nun sehe ich mit eigenen Augen; und ich weiss, es ist wahr“, sagt sie. „Seht das an, was ich bin, und lernet, was Liebe heisst“, erwidert Grandier.

      Der Exorzist ist ausser sich vor Wut, er will noch immer, das Grandier gesteht. Der fordert nur noch den Friedenkuss und will dann sterben. Aus dem Volk ertönt der Ruf „Judas“. Der Exorzist ergreift eine Fackel und zündet selbst den Scheiterhaufen an. Grandier bittet Gott, seinen Feinden zu verzeihen. Jeanne bleibt allein im Gebet auf der Bühne zurück.

      Krzysztof Penderecki wurde 23.11.1933 in Debica geboren. Er studierte am Konservatorium im Krakau, wo er 1958 sein Diplom erhielt. Direkt im Anschluss wurde er dort Professor, später auch der Direktor des Instituts. Schon seine ersten Kompositionen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Viele seiner Werken können sich, für einen zeitgenössischen Komponisten nicht selbstverständlich, auch beim breiteren Publikum einer grossen Beliebtheit erfreuen, so z. B. auch die geistlichen Kompositionen von Krzysztof Penderecki. Die Oper „Die Teufel von Loudun“, es war Pendereckis erste Oper, war ein durchschlagender Erfolg. Reich besetztes Schlagwerk, ungewöhnliche Spieltechniken, Einsatz von elektronischen Instrumenten, Verwendung von Clustern, dazu das gesamte Spektrum zwischen Sprechen, Sprechgesang und hochartifiziellen Gesangspartien zeichnen Penderecki aus.


      Die Uraufführungsproduktion liegt auf CD vor, aber im Moment ist wohl nur die DVD erhältlich. Tatiana Troyanos ist eine umwerfende Jeanne, die mit ihrem sinnlich gefärbten, expressiven Mezzo die Partie völlig bruchlos durch alle Register führt. Andrzej Hiolski gibt dem Grandier eine bemerkenswerte Kontur, die vor allem auch gegen Ende des Stückes enorm berührt. Auch alle anderen Partien sind vorzüglich besetzt, so z. B. die kurze Partie der Philippe mit Ingeborg Krüger, die sich in die höchsten Sopransphären begeben muss oder die Schwestern Cvetka Ahlin und Ursula Boese oder Kurt Marschner und Heinz Blankenburg in den Rollen als Apotheker und Chirurg. Marek Janowski leitet umsichtig das Hamburger Statasopernorchester und den stark geforderten Chor der Hamburgischen Staatsoper – die Chorpartien gehören mit zum stärksten an Pendereckis Partitur.
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