HÄNDEL: La Resurrezione HWV 47

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    • HÄNDEL: La Resurrezione HWV 47

      Als der berühmte Violinist und Komponist Arcangelo Corelli am 8. April 1708 im Palazzo Bonelli des Marchese Ruspoli anhob, die ersten Takte der Sonata zu „La Resurrezione“ (eigentlich: „La Resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo“) spielen zu lassen, da konnte man durchaus glauben, dass man einer Opernaufführung beiwohne. Eine Bühne war aufgebaut, es gab Dekorationen, eine Bildtapete voller Cherubine, Palmen und Blattwerk, über dem Ganzen hing ein großes Schild, das den Namen des Oratoriums in aus transparentem Papier ausgeschnitten und von hinten beleuchtet zeigte. Das Werk, das Corelli dirigierte, war das neueste Werk des jungen sächsischen Stars Georg Friedrich Händel, der sich als Opernkomponist in Florenz bereits einen Ruf gemacht hatte.

      Doch Opern konnte man im Rom dieser Jahre nicht spielen. Bereits der letzte Papst, der strenge und kunstfeindliche Innozenz XII., hatte Aufführungen von Theaterstücken und Opern per Dekret untersagt und sein Nachfolger, der 1700 gewählte Clemens XI., hatte dieses Verbot bestätigt. Der kunstsinnige Marchese Ruspoli jedoch beauftragte den jungen „Sassone“ (gemeinsam mit dem den Künsten gegenüber ebenfalls aufgeschlossenen Kardinal Ottoboni) mit der Komposition eines Oratoriums, das die Auferstehung Christi zum Thema haben und am Ostersonntag des Jahres am 8. April mit größtmöglichem Aufwand aufgeführt werden sollte.

      Das Libretto verfasste der angesehene Textdichter Carlo Sigismondo Capece. Ruspoli engagierte für dieses Projekt nur die besten Kräfte, wobei sein besonderer Coup war, in der ersten Aufführung die anspruchsvolle Partie der Maria Magdalena von der berühmten Sopranistin Margherita Durastanti singen zu lassen, obwohl Frauen in geistlichen Werken an sich nicht singen durften. Tatsächlich intervenierte Papst Clemens XI. sofort nach der Premiere, sodass man die Durastanti durch den Kastraten Pippo auswechseln musste.

      Doch nicht nur das in zwei Teile und acht Szenen und die opernhafte Ausstattung, auch die Musik selbst wirkt nicht unmittelbar geistlich und hat – ähnlich wie das im Jahr zuvor entstandene Oratorium „Il trionfo del tempo e del disinganno“ (HWV 46a) – wenig gemein mit dem Typus des Chor-Oratoriums wie Händel ihn später in England entwickelte. Tatsächlich spielt der der Chor eine ausgesprochen untergeordnete Rolle (er wird von den Solisten übernommen) und man mag sagen, dass man es hier eher mit einer langen, dramatischen Kantate zu tun hat, was im weitgehend dem Stil des römischen Oratoriums um 1700 (vgl. Wald, M.: Verführung zur Konversion. Händel, Scarlatti und das römische Oratorium um 1700. In: Jahrbuch 2010 des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz. Hrsg. v. Simone Hohmaier. Schott 2011) entsprach, den man nicht mit Händels späteren Werken dieser Gattung vergleichen kann.

      Ton Koopman schreibt hierzu: „Vom Genre her gehört es eher zu den musikalischen Erbauungsdramen, die im Italien am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts populär waren. Wäre der Text nicht zu verstehen, dann wähnte man sich garantiert in einer Oper.“ (In: Booklet zur Aufnahme Erato 1991, S. 29)

      Doch gerade dieser Zug fehlt seiner Einspielung aus dem Jahre 1990 (leider) streckenweise.



      Georg Friedrich Händel: La Resurrezione HWV 47 (1708)


      Barbara Schlick (Angelo), Nancy Argenta (Maddalena), Guillemette Laurens (Cleofe), Guy de Mey (San Giovanni), Klaus Mertens (Lucifero)
      The Amsterdam Baroque Orchestra
      Ton Koopman
      (Erato Disques, 09/1990)

      Ich kannte bislang McGegans Einspielung bei HMF und fand diese recht schön, obwohl sie streckenweise etwas Aseptisches hat. Kürzlich habe ich dann die Originalbox der Koopman’schen via zweite Hand für quasi nichts erstehen können, sodass ich davon abgesehen habe, die Neuauflage (von der ich nicht weiß, ob sie das Textbuch enthält) anzuschaffen. Auch Koopmans Einspielung ist in allen Aspekten höchst kultiviert und ausgesprochen klangschön. Der Effekt ist allerdings ähnlich wie bei McGegan: Das klingt streckenweise ausgesprochen glatt, wobei mich das zunächst einmal nicht über Gebühr stört. Da gibt es nämlich ganz wundervolle, ich möchte durchaus sagen perfekt musizierte Momente, beispielsweise die wunderbare Arie der Maddalena „Ferma, l’ali, e sui miei lumi“, die Nancy Argenta ganz berückend singt, der von Guillemette Laurens und dem Amsterdamer Orchester geradezu erschütternd gut gemachte B-Teil der Arie „Naufrangando va per l’ondo“ (Cleofe) oder San Giovannis große Arie „Ecco il sol, ch’ese dal mare“, die Guy de Mey wirklich herrlich singt.

      Allerdings will die von Koopman und seinem Ensemble umgesetzte Klangkultur immer dann nicht so recht passen, wenn der Lucifero erscheint. Klaus Mertens, den ich in Koopmans Bach-Einspielung an sich gerne höre (besonders in seiner ersten Einspielung der Matthäus-Passion), scheint mir hier nicht die ideale Besetzung zu sein. Das ist zwar alles tadellos gesungen, gleichzeitig aber auch etwas blutleer, zu vorsichtig und ohne wirklichen Sinn für die Rolle des Höllenfürsten. Koopmans Kultiviertheit ist da auch keine Hilfe. Ich hätte mir hier mehr Mut zu einer etwas ruppigeren Darstellung Luzifers gewünscht. Kennt jemand eine Einspielung, die da etwas mehr Schmackes hat? Es gibt ja immerhin noch einige: Vitale, Minkowski, Hogwood, Haïm oder de Vriend. Welche Aufnahme hören die Händel-Freunde unter den Capricciosi?

      :wink: Agravain
    • Komisch...bisher noch keine Antwort... ?(

      Ich mag La Resurrezione wirklich sehr gerne,

      Agravain schrieb:

      Welche Aufnahme hören die Händel-Freunde unter den Capricciosi?
      und ich schäme mich nicht zu bekennen, daß ich diese besitze:





      Ewerharts Einspielung ist ja wirklich nicht mehr jung (Erstveröffentlichung: 1962 :D ), aber ich kann nicht gerade behaupten, daß ich mich unwohl fühle, wenn ich sie höre. Liegt schon eine Weile zurück, als ich sie das letzte Mal gehört habe, doch ich kann mich an ein gutaufgelegtes Orchester und angenehme SängerInnen erinnern. Müßte ich nochmals nachprüfen... :tee:

      Agravain:
      Koopmans Kultiviertheit ist da auch keine Hilfe. Ich hätte mir hier mehr Mut zu einer etwas ruppigeren Darstellung Luzifers gewünscht. Kennt jemand eine Einspielung, die da etwas mehr Schmackes hat?
      Da kann ich leider keine konkrete Antwort drauf geben...die obige CD ist meine einzige Einspielung... :S


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul


    • Was denn sonst?
      Die lebendigen und frischen Hândel-Interpretationen von Emmanuelle Haïm und ihrem Concert d'Astrée , der kleine und sehr feine Chor, ihr gutes Händchen für schöne Stimmen und mein Lokalpatriotismus und Feminismus in Sachen Barock und vor allen Dingen meine Live-Erfahrung mit dieser Besetzung sind meine Argumente für diese Interpretation. Camilla Tilling, Kate Royal, Toby Spence, Sonia Prina und Luca Pisaroni sind eine wahre Ohrenweide udn die Tatsache, dass hier ein echter Alt und kein Counter singt, steigert meinen Genuss!
      Das Werk selbst hat mich ziemlich überrascht, es ist wie Agravain oben beschreibt , nicht das, was man sich unter einem Oratorium vorstellt- wobei das Die Matthäus-Passion auch nicht ist. Man spürt den Willen zur Oper jedenfalls ganz deutlich heraus und allein die Tatsache, die rolle der Maria Magdalena so stark herauszustellen, zeigt Händels dramaturgische Intentionen. Mir hat La Ressurezione ausgesprochen gut gefallen, aber ich bin ja eh Händelianerin.... :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Josquin Dufay schrieb:

      Müßte ich nochmals nachprüfen... :tee:
      Läuft zur Zeit, und es gibt zwei Sachen zu vermelden:

      1.
      La Resurrezione ist einfach ein traumhaftes, mitreißendes Werk: die Melodien der Arien sind sehr eingängig, die Rezitative sehr gut gesetzt. Das Oratorium vergeht wie im Flug. Dabei klingt es gar nicht düster, sondern eher freundlich, erhellend (auferstehend halt... ;+) ). Für einen 23jährigen Sachsen verdammt gut... :thumbsup:

      2.
      Ewerharts Einspielung merkt man ihr Alter kaum an. Hier wird hinreißend und mit Schwung musiziert. Volles Orchester in voller Dröhnung, aber sehr stimmig gespielt. Edith Gabry sopraniert mit entzückender Vollendung, Erich Wenk ist als Baß eine Wucht. Emmy Liskens Alt ist recht dunkel gefärbt, klingt aber sehr angenehm. Annemarie Töpler-Marizy (s) und Alfred Fackert (t) vervollständigen die Gesangsriege. Klanglich ist das Mastering wirklich gelungen. :thumbsup:


      Ja, ich kann mit Sicherheit sagen, daß ich ein klein wenig zum Schwärmen neige... :rolleyes:

      [ :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
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      jd :D
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      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Ihr kennt mich ja: ich bin der große Diskographie-Archivar... :beatnik:

      Eine ganz kleine Auflistung aller greifbaren Aufnahmen:



      Rudolf Ewerhart
      (P) 1962 Vox Records





      Christopher Hogwood
      (P) 1982 L'Oiseau-Lyre




      Nicholas McGegan
      (P) 1990 harmonia mundi france




      Ton Koopman
      (P) 1991 Erato





      Marc Minkowski
      (P) 1996 Archiv Produktion




      Jan Willem de Vriend
      (P) 2002 Challenge Classics




      Marco Vitale
      (P) 2009 Brilliant Classics




      Emmanuelle Haim
      (P) 2009 Virgin Classics




      Links:
      "http://de.wikipedia.org/wiki/La_Resurrezione"
      "http://www.operone.de/opern/resuhaen.html"


      jd :wink:
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      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Agravain schrieb:

      Ich kannte bislang McGegans Einspielung bei HMF und fand diese recht schön, obwohl sie streckenweise etwas Aseptisches hat. Kürzlich habe ich dann die Originalbox der Koopman’schen via zweite Hand für quasi nichts erstehen können, sodass ich davon abgesehen habe, die Neuauflage (von der ich nicht weiß, ob sie das Textbuch enthält) anzuschaffen. Auch Koopmans Einspielung ist in allen Aspekten höchst kultiviert und ausgesprochen klangschön. Der Effekt ist allerdings ähnlich wie bei McGegan: Das klingt streckenweise ausgesprochen glatt, wobei mich das zunächst einmal nicht über Gebühr stört. Da gibt es nämlich ganz wundervolle, ich möchte durchaus sagen perfekt musizierte Momente, beispielsweise die wunderbare Arie der Maddalena „Ferma, l’ali, e sui miei lumi“, die Nancy Argenta ganz berückend singt, der von Guillemette Laurens und dem Amsterdamer Orchester geradezu erschütternd gut gemachte B-Teil der Arie „Naufrangando va per l’ondo“ (Cleofe) oder San Giovannis große Arie „Ecco il sol, ch’ese dal mare“, die Guy de Mey wirklich herrlich singt.



      Hallo zusammen,

      es wird niemanden verwundern, dass ich zu den überzeugten Verfechtern der Aufnahme von McGegan zähle, dem ich in Göttingen über zwanzig Jahre zuhören durfte. Die Farbigkeit und der überbordende Empfindungsreichtum der Arien gehört imho sicher zum besten, was Händel in Italien geschrieben hat. Das war wohl auch das, was die Zeitgenossen an dem Stück mochten. McGegans Aufnahme merkt man an, dass sie schon weit mehr als 20 Jahre alt ist. Zu der für das Stück nötigen Farbigkeit fehlte damals sicher noch der Mut. Zudem hatte McGegan damals sicher nicht die besten Stimmen für das Stück parat: Als Lucifero ist Michael George einfach viel zu farblos, man wünscht sich das Ganze sicher eher von David Thomas in der Form der späten 80'er oder frühen 90'er gesungen[sehe grade, dass er die Rolle bei Hogwood gesungen hat], Maria Maddalena ist eine Rolle, die man eher bei der (damals noch nicht als Sängerin aktiven) Lorraine Hunt oder heutzutage z.B. in der Stimme von Magdalena Kozena verkörpert hören möchte, eine Arie daraus hat Cecilia Bartoli auf Opera proibita gesungen und sicher gezeigt, wieviel Verve diese Musik verträgt. McGegans Orchester hatte damals noch ein ziemliches Intonationsproblem.

      Ich weiß nicht, inwiefern eine der neueren Aufnahmen einen wirklich überzeugenden Lucifero aufweist, Klaus Mertens ist bei allem Faible, das ich für diesen bescheidenen und hochkompetenten Sänger habe, definitiv zu brav. Kann jemand was dazu schreiben?

      LG Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)
    • Ich habe soeben ein sehr interessantes Interview mit Emmanuelle Haïm über dieses Werk gehört und das hat mir richtig Appetit gemacht, dieses Werk auch mal kennenzulernen 8) , was ich demnächst dann mal in Angriff nehmen werde.

      Das Interview gibt es hier zum (kostenloses) Ansehen: digitalconcerthall.com/de/interview/20287-2
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Nun hatte ich mir die Koopmann-CD doch mitbestellt .... aber ich hätte die "Warnungen" hier doch lieber ernst nehmen sollen :herrje1:
      Das ist in der Tat sehr kutiviert und glatt musiziert ... und die Musik berührt mich in dieser Version deutlich weniger als bei meinem ersten Anhören mit dem Collegium 1704 unter Vaclav Luks .... ;(
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Allegro schrieb:

      Ich habe soeben ein sehr interessantes Interview mit Emmanuelle Haïm über dieses Werk gehört und das hat mir richtig Appetit gemacht, dieses Werk auch mal kennenzulernen 8) , was ich demnächst dann mal in Angriff nehmen werde.

      Das Interview gibt es hier zum (kostenloses) Ansehen: digitalconcerthall.com/de/interview/20287-2
      Hallo Allegro, hatte das Interview vor Jahren schon einmal gesehen und wieder vergessen, vielen Dank für das einstellen, macht Lust auf ein wiederhören mit Haim und Händels La Resurrazione !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Ein später Dank für diesen Thread und alles was hier bisher geschrieben wurde!

      Ein versierter Capriccio-Händel-Experte hat mir geschrieben auch dieses Werk aus Händels Italienjahren ist es unbedingt wert kennengelernt zu werden - wie recht er hat, einmal mehr! :thumbup: :wink:

      Habe einfach aus Neugier und weil sie am schnellsten greifbar war und auch weil ich bisher noch nichts von diesem bekannten Barockdirigenten gehört habe die Koopman-Aufnahme herangezogen. Teile nun die bisherigen Einschätzungen aus den vorangegangenen Postings. (Und die Neuauflage verzichtet wirklich auf den Textabdruck, den Text findet man aber schnell über einen Link auf der wikipedia Seite zum Werk.)

      Und was Agravain positiv herausstreicht bei dieser Aufnahme das ist auch mir ganz besonders zu Herzen gegangen, allen voran eben die jeweils im Zentrum der beiden Teile stehenden über sechs Minuten langen Maddalena-Sopranarien Ferma l´ali, e sui miei lumi und Per me già di morire.

      Ferma l´ali, e sui miei lumi verklärt die Trauer um Jesus überirdisch schön, da ist man über sechs Minuten im Musikhimmel. Eine exemplarische Entdeckung mittendrin in einem Händel-Werk für mich, wie etwa auch Felicissima quest'alma aus „Apollo e Dafne“. Per me già di morire im 2. Teil ist Maddalenas zweite große „Zauberarie“, ihr Glaubensbekenntnis zu Jesus. Schon wie sich zu Beginn die Instrumentalstimmen da hineinschlingen, angefangen vom Cello!

      Und ja, hervorzuheben ist unbedingt auch der B-Teil von Cleofes Arie Naufragando va per l´ondo gegen Ende des 1. Teils. A-Teil und da Capo (das gefährdete Boot auf hoher See) sind wild, die Hoffnung aufs Ufer im B-Teil umso berückend inniger komponiert.

      Silke Leopold macht in ihrem großartigen Händel-Opernbuch (Bärenreiter) darauf aufmerksam, dass Händel Maddalenas kurze letzte fröhlich-aufgeweckte Arie im 1. Teil Ho un non so che nel chor (der Solistin beider Werke wegen) kurzerhand „tontönlich genauso wie wortwörtlich“ in die Szene 18 im 1. „Agrippina“-Akt eingebaut hat. Das wird vom Schreiber dieser Zeilen sofort mit Joyce DiDonato überprüft – die singt die Arie rollenkonform ungleich energischer und grimmiger als Nancy Argenta.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK