Richard Strauss als Symphoniker: "eines der eigenständigsten Genies unserer Zeit"?

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    • Mauerblümchen schrieb:

      Weiß nicht ... ich glaube, der Eindruck täuscht. Ich kenne (glaube ich) nur Dirigate seiner eigenen Werke, aber die sind in meinen Ohren durchaus wohlproportioniert. Jedenfalls weit weg von "spielt einfach so, wie's kommt, mir ist es egal".

      Und sie sind stringent. Viel Zug nach vorne, schnell fertig. Auch bei der Alpensinfonie.
      Aber ja! nur mit einer gewissen Gelöstheit und nicht so "bitter ernst" wie gerade Reiner auf mich wirkt. Für mich gibt es bei Strauss Passagen, die man laufen lassen sollte- um so genauer andere zu nehmen sind. Dieses Maß finde ich bei Strauss' eigenen Dirigaten immer, aber auch eine "Lässigkeit", die den ungarischen Maestri abgeht. Wobei Szell davon manchmal noch etwas mehr mitbringt, im Studio sicher weniger als live.

      Aber Karajan....hm, nix für mich, stimmt schon. Aber wie beschreibe ich, weshalb....
      vielleicht bleibe ich bei der Erotik, bei der Karajan eben doch nur die Haut berührt und die Härchen sich aufstellen, aber die ganze Chemie dahinter sich bei mir nicht einstellen will. Natürlich völlig überspitzt ausgedrückt: so stelle ich mir den Unterschied vor zwischen einem Bordellbesuch hier; der Berührung einer geliebten Frau andererseits.

      Ich erinnere mich an eine Kritik zum "Don Juan" eines Zeitgenossen Strauss', der das Werk nicht mochte, weil es keine Erotik verströme. Sinngemäß schreibt er, Erotik sei nicht, den Schwanz aus der Hose hängen zu lassen. Wer das schrieb, ist mir leider entfallen.
      Nun sind wir da heute anderes gewohnt, gerade darum finde ich so spannend, dass Strauss' eigenes Dirigat da erstaunlich diskret wirkt.
      Eben nicht diese "Effekt- Musik" ist, die Reiner oft zu machen scheint, vielleicht aber auch nur die Tonmeister.

      Ich habe nun auch wirklich nichts gegen wirklich gut klingende Aufnahmen! Nur Selbstzweck darfs nicht sein und ein Werk "benutzt" werden, zu zeigen, wie toll so eine Living Stereo doch klingt.
      Darum stelle ich immer wieder die Schippers- LP in den Raum, denn sie ist nicht nicht nur hervorragend dirigiert, sondern auch großartig aufgenommen- nur ohne irgendwelche Knalleffekte, die um Aufmerksamkeit heischen. Hier, so klingt es, ging es allen Beteiligten um die Musik.

      Herzliche Grüße,
      Mike
      "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst." Voltaire


    • ORFEO 2011

      Eine Aufnahme von den Salzburger Festspielen 1961. Den Dresdnern liegt Strauss ja ziemlich im Blut. Franz Konwitschny war mir bisher mehr als Operndirigent geläufig, aber seine präzise Klangkultur gefällt mir gut - allerdings fehlen mir in bezug auf die SD noch die Vergleiche.
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      Homo sum, ergo inscius.