Programmänderungen im Konzert

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    • Programmänderungen im Konzert

      Ich war gestern im Brucknerhaus in einem Konzert von Ekaterina Frolova (Violine) und Vesselin Stanev (Klavier). Am Programm standen im ersten Teil Schuberts Fantasie für Violine und Klavier in C-Dur D 934 und Schumanns Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 in a-Moll.
      Nach der Pause sollten dann Ravels Sonate für Violine und Klavier und das Notturno und die Tarantella für Violine und Klavier op. 28 von Karol Szymanowski folgen - zwei Musikstücke, auf die ich mich besonders gefreut hatte. Die kamen aber nicht. Stattdessen fand sich ein Zettel im Programmheft mit der Bekanntgabe einer Programmänderung - Gründe wurden keine genannt.

      Nun ist es mir ja schon - allerdings selten - passiert, dass irgendetwas geändert wird. Aber gestern war es nun doch etwas sonderbar. Im zweiten Teil begann Herr Stanev mit Chopins Etude Nr. 3, dann folgte das Zirkusstück "Paganiniana" von Nathan Milstein und anschließend durfte das Publikum sich über einen Fritz-Kreisler-Mischmasch (Viennese Rhapsody Fantasietta, Londonderry Air, Tambourin Chinois op.3 und Liebesfreud) freuen. Die Freude ist mir allerdings dank dieser Zusammenstellung schnell vergangen. Das war sicher alles gut gespielt, aber erstens wollte ich das nicht hören und zweitens habe ich mich gefragt, was der Grund dieser Programmänderung gewesen sein könnte. Was kann einen veranlassen, plötzlich Wunschkonzert-Stücke, für die ich keinen musikalischen Zusammenhang sehen konnte, zu servieren? Wollte man das Publikum nicht überfordern? ?(

      Vielleicht bin ich da zu wenig flexibel, weil ich - stur wie ich nun mal bin :D - die Stücke hören will, deretwegen ich mir eine Karte gekauft habe. Wie geht oder ging es Euch mit Programmänderungen? Vielleicht waren ja auch mal positive Überraschungen dabei?


      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Liebe Renate,

      seit ca. 10 Tagen hadere ich fast mit dem Schicksal. Nun, lächel, aber ich bin sehr enttäuscht. Ich habe mir mit großer Vorfreude eine besonders gute Karte zu der konzertalen Aufführung des Musicals "Sweeney Todd" am 6.5. hier in München gekauft, vor allem, weil Sir Thomas Allen in der Titelrolle angekündigt war (und teilweise im Internet immer noch ist, siehe Spielplan des Theaters). Nun las ich auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks - es handelt sich um ein Jubiäumskonzert des Münchner Rundfunkorchesters, das live übertragen wird - daß ein Bariton namens Mark Stone den Sweeney Todd singen wird, weiß der Himmel warum.

      Das ist doch auch ein Hammer und ich glaube, da werden etliche Leutchen sehr enttäuscht sein. Aber was will man machen. Ich hatte mich wirklich wahnsinnig gefreut, weil ich Thomas Allen schon ausschnittsweise im YouTube in dieser Rolle hörte - ein Ereignis.

      Liebe Grüße

      Kristin aus München, die sich immer noch nicht ganz freuen kann :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • Liebe Kristin!

      Ich kann Deine Enttäuschung vollinganzlich verstehen - aber denke positiv - wenn einer sich traut für Sir Thomas Allen zu singen, denn hat er nicht nur Mut, sondern ist bestimmt gut.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Lieber Peter,

      danke für Deinen Trost. Was Du schreibst ist meine ganze Hoffnung. Hinzu kommt natürlich noch, daß das Münchner Rundfunkorchester sehr gut spielt und ich Musicals liebe.

      Wird schon werden, hoffentlich vergeht meine Enttäuschung schnell.


      Liebe Grüße

      Kristin :wink: :wink:
      Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)
    • amelia grimaldi schrieb:

      Im zweiten Teil begann Herr Stanev mit Chopins Etude Nr. 3, dann folgte das Zirkusstück "Paganiniana" von Nathan Milstein und anschließend durfte das Publikum sich über einen Fritz-Kreisler-Mischmasch (Viennese Rhapsody Fantasietta, Londonderry Air, Tambourin Chinois op.3 und Liebesfreud) freuen.
      Statt der angekündigten Ravel-Sonate und dem Syzmanowski einen solchen Mischmasch zu spielen, finde ich dem Publikum gegenüber schlicht eine Unverschämtheit. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Leichter sind die gespielten Sachen nicht unbedingt, auch nicht mit weniger Probenaufwand verbunden. Die G-Dur-Sonate ist in typischer Ravel'scher Klarheit komponiert und deshalb nicht besonders kompliziert zu realisieren (nur für den Geiger im letzten Satz spieltechnisch sehr schwer, aber das ist "Paganiniana"auch), der Syzmanowski ist ein typisches "Wirkungsstück", klingt schwer, ist aber ziemlich leicht. Insofern haben es sich die beiden nicht unbedingt leichter gemacht, zumal das mit Abstand schwerste Stück, die Schubert-Fantasie, ja gespielt wurde.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • amelia grimaldi schrieb:

      Vielleicht bin ich da zu wenig flexibel, weil ich - stur wie ich nun mal bin :D - die Stücke hören will, deretwegen ich mir eine Karte gekauft habe. Wie geht oder ging es Euch mit Programmänderungen? Vielleicht waren ja auch mal positive Überraschungen dabei?

      Programmänderungen können durchaus gelegentlich einen positiven Effekt haben. Ich erinnere noch einen Konzertbesuch meines Vaters, der sich eine Karte für die New Yorker Philharmoniker und Leonard Bernstein (Klavier und Leitung) gekauft hatte. Es sollte u.a. die "Rhapsody in Blue" und den "Amerikaner in Paris" von Gershwin geben. Dieses Programm war natürlich ein Kracher. Was aber tat Bernstein? Er änderte kurzfristig das Programm, wovon die Konzertbesucher erst im Konzertsaal erfuhren. Und was führte er auf? Eine abendfüllende Mahler-Sinfonie. Das war natürlich volle Absicht von Bernstein, denn damals (späte 60er Jahre) hörte noch so gut wie niemand Mahler und es galt - zumal in Hamburg, wo Mahler als Operndirektor wirkte und seine Zweite Sinfonie schrieb -, Mahler durchzusetzen. Mit allen Mitteln. Auch solchen, die das Publikum vor den Kopf stoßen.

      Kein Verständnis habe ich für Programmänderungen, wenn Interessantes, Spannendes gegen das übliche Einerlei ausgetauscht wird, das den Gelegenheits-Konzertbesucher anziehen soll. In das von Dir, liebe Renate, beschriebene Konzert hätte ich mich vor allem wegen der Szymanowski-Werke gesetzt. Und dann will ich nicht - wie Du berichtest - statt dessen die "Tristesse" von Chopin hören oder ein Wunschkonzert-Programm der Sorte "Für Elise".

      Etwas Vergleichbares wie Du habe ich mal in den 80er Jahren mit Nelson Freire erlebt. Endlich gab es mal ein superspannendes Programm in einem ProArte-Abonnementskonzert in Hamburg, nämlich einen reinen Scriabin-Abend (u.a. mit der Sonate op. 10 op. 70)! Und was passierte? Als man in der Musikhalle ankam, las man im Programmheft, dass Nelson Freire statt Scriabin vor der Pause ein paar Ohrwürmer von Chopin (u.a. die Ballade Nr. 1) und nach der Pause Schumann spielen werde. Was war ich sauer! In ein solches Konzert wäre ich wohl eher nicht gegangen - und schon gar nicht hätte ich mir eine Karte der obersten Preiskategorie gekauft, um ganz vorn zu sitzen. Dann brachte es Nelson Freire allen Ernstes auch noch, vor Beginn des Konzerts anzusagen, dass er auch das geänderte Programm nicht so spielen werde, wie es im Programmheft steht. Er werde die Reihenfolge der Chopin-/Schumann-Programmteile vertauschen, also mit Schumann beginnen und nach der Pause Chopin spielen. Ich habe leider den Moment verpasst, demonstrativ aufzustehen und mit einem lautstarken "Das kann ja wohl alles nicht wahr sein!" den Saal zu verlassen. Freire war, als mir dieser Gedanke kam, leider schon am Klavier und begann mit den Sinfonischen Etüden.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • amelia grimaldi schrieb:

      Vielleicht bin ich da zu wenig flexibel, weil ich - stur wie ich nun mal bin :D
      Stur oder nicht - ich hätte mich da ebenfalls geärgert, zumal auch ich mich bei diesem Programm auf die Ravel-Sonate gefreut hätte.

      Auch ich habe schon unerfreuliche Programmänderungen erlebt (auch wenn ich erst in meiner Erinnerung kramen müßte, um Beispiele anzuführen). So fiel kurzfristig ein Dirigent aus und der Ersatz dirigierte dann ein anderes Werk als angekündigt, mit der Begründung, daß er in der kurzen Zeit sich auf das ihm unvertraute Werk nicht einlassen wollte. So etwas ist dann immerhin besser als das Konzert ausfallen zu lassen.

      Jetzt fällt mir ein anderes Beispiel ein: Vor einiger Zeit habe ich in Darmstadt ein Konzert erlebt, bei dem kurzfristig eine Rarität von Edward Elgar durch zwei Nocturnes von Debussy ausgetauscht wurde. Grund: Das Notenmaterial aus England war nicht rechtzeitig geliefert worden, so daß es nicht einstudiert werden konnte.

      Wichtig finde ich, daß das Publikum über solche Änderungen vorher informiert wird.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Danke, Christian, für Deine Erklärung bezüglich der Schwierigkeiten des Programmes. Das finde ich sehr interessant.

      music lover schrieb:

      Programmänderungen können durchaus gelegentlich einen positiven Effekt haben.
      Diese Bernstein-Episode ist sehr bezeichnend und amüsant. Aus heutiger Sicht würde ich mich natürlich über die Programmänderung freuen. Damals hätte es sicher anders ausgesehen... :D

      Gurnemanz schrieb:

      So fiel kurzfristig ein Dirigent aus und der Ersatz dirigierte dann ein anderes Werk als angekündigt, mit der Begründung, daß er in der kurzen Zeit sich auf das ihm unvertraute Werk nicht einlassen wollte. So etwas ist dann immerhin besser als das Konzert ausfallen zu lassen.

      Das ist ärgerlich, aber so etwas kann ich nachvollziehen und mich damit abfinden.

      Oder dass ein Sänger ausfällt oder indisponiert ist - damit muss man rechnen. Da fällt mir eine Episode, auch aus Linz, ein - es war nach langer Zeit meine erste Aufführung im Landestheater. Wir hatten Karten für die "Dreigroschenoper" bestellt, an der Abendkasse hinterlegen lassen und mussten dann erfahren, dass die Vorstellung ausfiel, weil (wenn ich mich recht erinnere) einer der Hauptpartiensänger den Termin einfach verschwitzt hat und sich irgendwo auf einer Wanderung im Gebirge befand. Ersatz hatte man nicht so schnell finden können. Kann passieren. Damals war ich zwar im Moment enttäuscht, aber wir haben uns dennoch einen schönen Abend gemacht und sind fein essen gegangen ...

      :wink:
      Renate

      Falls jemand Lust hat, das (geänderte) Programm zu hören - das Duo gastiert heute in Graz und im September in Düsseldorf, Aarhus und Oslo. :D
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • Hat man eigentlich das Recht Konzertkarten bei Programmänderungen zurückzugeben?
      Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
      In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
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      Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)
    • Gurnemanz schrieb:

      Auch ich habe schon unerfreuliche Programmänderungen erlebt (auch wenn ich erst in meiner Erinnerung kramen müßte, um Beispiele anzuführen). So fiel kurzfristig ein Dirigent aus und der Ersatz dirigierte dann ein anderes Werk als angekündigt, mit der Begründung, daß er in der kurzen Zeit sich auf das ihm unvertraute Werk nicht einlassen wollte.

      Für Programmänderungen, die infolge von Besetzungsänderungen geschehen (wie z.B. beim "Einspringen" eines Dirigenten für einen anderen Dirigenten), habe ich vollstes Verständnis. Es ist zwar bewundernswert, wenn ein Dirigent ein von einem Kollegen gewähltes Programm unverändert übernimmt (wie z.B. neulich Sir Simon Rattle, der die Berliner Philharmoniker-Konzerte des erkrankten Gastdirigenten Seiji Ozawa übernahm und das Programm so beließ wie angekündigt, oder wie Tomáš Netopil, der für den verstorbenen Sir Charles Mackerras bei den Berliner Philharmonikern einsprang und wie vorgesehen die Drei Fragmente aus der Oper "Juliette" von Martinů sowie die Sinfonie Nr. 7 von Dvorák zur Aufführung brachte). Wenn aber ein Dirigent oder ein Pianist ein bestimmtes Stück nicht "drauf" hat, dann ist es besser, das Programm wird maßvoll geändert, als dass man den Einspringer ins kalte Wasser stürzt. Mit "maßvoll" meine ich, dass ich nicht, wenn Bruckners Achte angekündigt ist, plötzlich wegen eines Dirigentenwechsels eine konzertante Aufführung der Operette "Gräfin Mariza" hören möchte. Wenn es aber statt der Achten die Siebte von Bruckner gibt, finde ich das in Ordnung. Und wenn Tomáš Netopil gesagt hätte, dass er das relativ unbekannte Martinů-Werk so schnell nicht einstudieren könne, weshalb er lieber einen reinen Dvorák-Abend mit den Sinfonischen Variationen op. 78, zwei Slawischen Tänzen und dann der Sinfonie Nr. 7 machen möchte, würde ich dies als Konzertbesucher ohne Weiteres akzeptieren.

      Programm"änderungen" der besonderen Art waren übrigens eine häufige Übung bei Günter Wand in seinen Kölner Zeiten. Wenn er ein Werk der Moderne (z.B. Berg, Webern oder Fortner) vor einem Abonnentenpublikum aufführte und den Eindruck hatte, die Leute hätten nicht richtig hingehört (weil sie sowieso nur auf das Mozart- oder Beethoven-Werk warteten, das als nächstes anstand), dann wiederholte er kurzerhand dieses Werk. Dirigierte es also komplett noch einmal von vorn. Ich finde so etwas einfach klasse.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • Artemis-Quartett, Schwetzinger Festspiele, 7.6.12

      Ich habe in Konzerten manchmal Programmänderungen erlebt, auch sehr kurzfristige - aber sowas wie gestern noch nicht.

      Schwetzinger Festspiele, für das Konzert des Artemis-Quartetts waren angekündigt: Haydn op. 76/5, Bartok Nr. 5 und Debussy g-moll. Der Haydn und auch der Debussy nach der Pause erklangen wie geplant. Als sich das Ensemble aber für den Bartok positionierte, wunderte ich mich schon über die entspannt-abwartende Haltung des Cellisten. Und siehe da: es erklang Bartoks erstes Streichquartett, nicht das fünfte. Oh, habe ich mir gedacht, hätte ich doch mal vorher das Programmheft kaufen sollen. Nach dem Bartok hab ich's mir dann von meinem Sitznachbar ausgeliehen: dieser war recht erstaunt, als ich ihm erzählte, dass das gerade nicht Bartoks fünftes Quartett gewesen sei. Im Programmheft stand das angekündigte Programm, es lag kein Zettel mit der Änderung bei.

      Die arme Programmheftverkäuferin musste in der Pause als einzige "Offizielle" für eine Nachfrage herhalten. Siehe da, ich war schon der vierte, der sich nach der Änderung erkundigt hatte. Leider konnte sie auch keine Auskunft geben - normalerweise würden sie vorher informiert.

      Keine Ahnung, was schiefgelaufen ist. Selbst bei sehr kurzfristiger Änderung kann immer noch eine mündliche Ankündigung im Konzertssal gemacht werden, notfalls von den Interpreten selbst (der Cellist Eckart Runge ist auch sonst nicht auf den Mund gefallen).

      So aber - da bin ich sicher - ist ein großer Teil des Publikums in der festen Überzeugung nachhause gegangen, Bartoks fünftes Streichquartett gehört zu haben. Und SWR 2 kündigt für die Übertragung des Konzerts am Montagabend immer noch ebendieses Werk an.


      Viele Grüße

      Bernd


      PS: Ich hätte schon lieber Bartoks fünftes Quartett gehört als das erste, war auch entsprechend vorbereitet (bin ja ein Vorbereitungsfetischist :D). Aber gestern fand ich das erste Quartett zum erstenmal richtig interessant (es wurde auch großartig gespielt) - bisher war es das von mir mit Abstand am seltensten gehörte Bartok-Quartett, mir war es immer zu lang.
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:

      Schwetzinger Festspiele, für das Konzert des Artemis-Quartetts waren angekündigt: Haydn op. 76/5, Bartok Nr. 5 und Debussy g-moll. Der Haydn und auch der Debussy nach der Pause erklangen wie geplant. Als sich das Ensemble aber für den Bartok positionierte, wunderte ich mich schon über die entspannt-abwartende Haltung des Cellisten. Und siehe da: es erklang Bartoks erstes Streichquartett, nicht das fünfte. Oh, habe ich mir gedacht, hätte ich doch mal vorher das Programmheft kaufen sollen. Nach dem Bartok hab ich's mir dann von meinem Sitznachbar ausgeliehen: dieser war recht erstaunt, als ich ihm erzählte, dass das gerade nicht Bartoks fünftes Quartett gewesen sei. Im Programmheft stand das angekündigte Programm, es lag kein Zettel mit der Änderung bei.
      Das klingt für mich, als ob irgendjemand auf Veranstalterseite versehentlich das falsche Quartett in Ankündigung und Programmheft genommen hat. Wenn Die Musiker absichtlich das Programm ändern, müsste in jedem Fall mindestens eine mündliche Ankündigung erfolgen. Mir ist es übrigens peinlicherweise mal bei einem Zyklus mit den zehn Beethoven-Violinsonaten passiert, dass ich (zusammen mit meinem Geiger natürlich) im zweiten Konzert aus Versehen eine Sonate gespielt habe, die eigentlich erst im dritten vorgesehen war. Mindestens genauso peinlich fand ich allerdings, dass der Rezensent der WAZ das nicht gemerkt hat.

      Viele Grüße,

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      Das klingt für mich, als ob irgendjemand auf Veranstalterseite versehentlich das falsche Quartett in Ankündigung und Programmheft genommen hat.


      Das wird's wohl sein. Ich habe jetzt mal auf die Website des Artemis-Quartetts geschaut (hätte ich mal eher tun sollen): dort ist das erste Bartok-Quartett angekündigt. Und war es vermutlich schon immer: in den Konzertprogrammen des Ensembles in den letzten Monaten taucht das Werk mehrfach auf, ansonsten aber kein anderes Bartok-Quartett.

      In allen schriftlichen Programmen der Festspiele, auf den Websites, im Programmheft (mit Erläuterungen von Max Nyffeler) und immer noch im Radioprogramm von SWR 2 für den 11.6. war/ist das fünfte Streichquartett angekündigt. Ich bin gespannt, ob sie's bis Montag merken... Der SWR hat ja im Gegensatz zur WAZ einen Ruf zu verlieren. :D


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Zwielicht schrieb:


      Ich bin gespannt, ob sie's bis Montag merken... Der SWR hat ja im Gegensatz zur WAZ einen Ruf zu verlieren. :D



      Wetten, dass nicht ... Letztens im Programm, so angekündigt und abgesagt:

      Modest Mussorgsky: Tango-Suite

      War (natürlich) Piazzolla ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Die folgenden Beiträge wurden auf Anregung von Berenice und minuetto aus dem Thread zu Griegs Klavierkonzert hierher verschoben.
      Mit herzlichem Gruß aus der Moderation
      AlexanderK

      arundo donax schrieb:

      Nelson Freire (...)
      dieses etwas im Schatten anderer "Größen" stehenden Pianisten
      Ich habe eine persönliche Meinung, warum Nelson Freire "etwas im Schatten anderer Größen" steht - ist aber sehr subjektiv und zudem OT in diesem Thread, deswegen mag die Moderation mein Posting, sofern gewünscht, gern hierhin verschieben.

      Hiermit geschehen.

      Ich habe mich vor etwa 25 Jahren massiv auf einen Nelson Freire-Klavierabend in der Hamburger Musikhalle (Großer Saal) gefreut, auf dessen Programm ausschließlich Werke von Scriabin standen. Endlich mal ein interessantes Programm statt des üblichen Beethoven/Schumann/Chopin-Einerleis! In der Musikhalle angekommen, erfuhr ich durch einen Einlegezettel im Programmheft, dass Nelson Freire sein Programm sehr kurzfristig geändert hatte: er wollte im ersten Teil des Programms nunmehr verschiedene Chopin-Werke spielen und im zweiten Teil nach der Pause Schumann, nämlich die Sinfonischen Etüden. Als er auf die Bühne trat, gab es genau deswegen sehr spärlichen, im Grunde fast schon gar keinen Auftrittsapplaus: man fühlte sich als Konzertbesucher, der Scriabin hören wollte und sich deswegen die Eintrittskarte gekauft hatte, wirklich verarsch...

      Was machte dann Freire auf dem Podium? Er machte eine Ansage, dass er noch kurzfristiger die Reihenfolge des ohnehin schon sehr kurzfristig geänderten Programms geändert habe, indem er nämlich erst Schumann und nach der Pause dann Chopin spielen wolle. Ich ärgere mich bis heute, dass ich, als diese Ansage kam, nicht einfach demonstrativ aufgestanden und gegangen bin. So kann man einfach nicht mit seinem Publikum umgehen. Wenn man Martha Argerich Allüren nachsagt, dann sind das ja wohl Mega-Allüren.

      Ich kann mich nicht erinnern, dass Nelson Freire jemals wieder bei diesem (großen) Konzertveranstalter zu einem Klavierabend in Hamburg eingeladen wurde. Und das ist auch gut so.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)
    • music lover schrieb:

      Wenn man Martha Argerich Allüren nachsagt, dann sind das ja wohl Mega-Allüren.
      War mir nicht bekannt, sorry.
      DAS ist natürlich eine Nummer sondergleichen.
      Im schlimmsten Falle könnte man unterstellen, daß er den Scriabin nicht geübt hat....was soll man sonst denken.

      Aber man weiß es nicht, es gibt so viele Gründe..........
      Er hätte vielleicht besser einfach erklärt, warum es zu diesem Durcheinander gekommen ist.
      Vorausgesetzt, es gibt gute Gründe.
      Die hätte man doch sicherlich verziehen.
      Aber solch ein Verhalten verstehe ich nicht.
    • music lover schrieb:

      Ich kann mich nicht erinnern, dass Nelson Freire jemals wieder bei diesem (großen) Konzertveranstalter zu einem Klavierabend in Hamburg eingeladen wurde.

      :-H Armer, armer Nelson ... :-H

      Spaß beiseite - so selten ist ein "Auftritt" wie der von Nelson Freire (post 37 von "music lover") wohl nicht.
      Berezovsky "bezauberte" einst auf einem Kissinger Sommer sein Publikum vom Podium herab mit der charmanten Ansage, er sei "not in the mood for Bartók today" -
      und spielte stattdessen Chopin nach Ansage.
      Nach dem Schlussapplaus kehrte Berezovsky mit einem Notenheftchen zurück aufs Podium, hielt es demonstrativ mit Daumen und Zeigefinger in die Luft, klappte das Notenpult hoch, legte das Heftchen auf und verkündete mit spitzbübischem Lächeln (sinngemäß in etwa) "some Bartók for you ... music book from my daughter ..." -
      es erklangen einige "rumänische Volkstänze"...
      Mich hat das Ganze gar köstlich amüsiert - Frau Kari Kahl-Wolfsjäger hat dann wohl doch etliche Jahre gebraucht, ihm das zu verzeihen ...
      Liebe Grüße,
      Berenice

      Colors are like music using a short cut to our senses to awake our emotions.
    • Berenice schrieb:

      Spaß beiseite - so selten ist ein "Auftritt" wie der von Nelson Freire (post 37 von "music lover") wohl nicht.

      Mit Griegs Klavierkonzert hat das natürlich nichts mehr zu tun, aber ich kann auch eine solche Geschichte beitragen:
      Vor einiger Zeit war Olga Scheps hier engagiert und sollte Mozarts 20. und 21. Klavierkonzert spielen. Die beiden kontrastierenden Konzerte wurden von Mozart mehr oder weniger gleichzeitig komponiert und im selben Konzert uraufgeführt. Darum herum war ein reines Mozart-Programm gebaut worden.
      Kurz vor dem Konzert wurde bekannt gegeben, dass Frau Scheps nur eines der beiden Konzerte spielen wird, statt des zweiten spielte sie dann ein Bisschen Schubert und Chopin, mehrere kurze Stücke, die zusammen etwa die Länge des Mozart-Konzertes ausmachten. Hinter den Kulissen habe ich später mitbekommen, dass Olga Scheps sich über ein jahr im Voraus für beide Mozart-Konzerte verpflichtet hatte, eines hatte sie bereits im Repertoire, eines wollte sie neu einstudieren. Als es dann ernst wurde, hat sie festgestellt, dass hier das Konzert nicht liegt und sie länger als erwartet braucht, um es "drauf zu haben" (entweder war ihr der Aufwand zu hoch oder sie hat wirklich zu spät angefangen, wie auch immer). Sie weigerte sich also, das zweite Konzert zu spielen und gab stattdessen in gleicher Länge Pretiosen aus ihrem Repertoire zum Besten. Der Veranstalter musste sich darauf einlassen, um das Konzert nicht platzen zu lassen.
      Auch wenn Frau Scheps einen hinreißenden Chopin spielt hat mich das geärgert, denn die in sich sehr stimmige Programmzusammenstellung war dadurch völlig hinüber. Hätte der Frau nicht früher auffallen können, dass sie dieses Konzert nicht in ihr Repertoire aufnehmen möchte - bevor sie darüber einen Vertrag abschließt?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Eine nette Forumsmitstreiterin hat es mir inwzischen ermöglicht, das Grieg-Konzert mit Nelson Freire und den Münchener Philharmonikern unter Kempe zu hören.

      Nelson Freire gelingt hier nahezu die Quadratur des Kreises; er spielt gleichermaßen bestechend klar wie expressiv. Und auch das Orchester lässt keine Wünsche offen (besonders gut gefällt mir natürlich die sehr plastisch agierende Solo-Oboe).

      Das ist eine wirklich grandiose Aufnahme, die eventuell dazu geeignet ist, meine bisherige Referenzeinspielung (Anda, Berliner Ph., Kubelik) vom Thron zu stoßen. Und ganz ehrlich: Wenn jemand so sensationell Klavier spielen kann, sollte man ihm das eine oder andere Herumgezicke vielleicht verzeihen!

      Musiker sind auch nur Menschen mit allzumenschlichen Befindlichkeiten! Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass einige hier immer noch nicht begriffen haben, was es heißt, sich an vielen Abenden im Jahr vor ein Publikum, welches Höchstleistungen erwartet, zu begeben und zu versuchen, diesen Erwartungen stets gerecht zu werden.....

      Herzliche Grüße

      Bernd
    • arundo donax schrieb:

      Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass einige hier immer noch nicht begriffen haben, was es heißt, sich an vielen Abenden im Jahr vor ein Publikum, welches Höchstleistungen erwartet, zu begeben und zu versuchen, diesen Erwartungen stets gerecht zu werden.....
      Ist Dir schon mal der Gedanke gekommen, dass es auch andere, ganz "normale" Berufe gibt, in denen von dem jeweils Berufstätigen Höchstleistungen erwartet werden, und man versucht in diesen Arbeitswelten auch, dieser Erwartung Tag für Tag gerecht zu werden? Warum also soll der Beruf des Musikers (oder von mir aus auch Schauspielers) Allüren rechtfertigen?

      Berenice schrieb:

      Cherubino schrieb:

      Mit Griegs Klavierkonzert hat das natürlich nichts mehr zu tun ...
      In der Tat, die letzten 4 (mit diesem hier 5) Beiträge wären besser "woanderst" aufgehoben ...
      Vielleicht kann die Administration "irgendwie" Abhilfe schaffen?!
      Meinen Vorschlag zur Verschiebung dieser OT-Diskussion habe ich bereits oben in #37 gemacht. Nämlich hierhin:
      Programmänderungen im Konzert

      Hiermit geschehen.
      Wenn ein Komponist nicht von sich sagen kann, etwas getan zu haben, was vor ihm noch niemand getan hat, kann er nicht behaupten, überhaupt etwas getan zu haben.
      (Paavo Heininen)