LEHÁR: "Giuditta" - Kommentierte Diskographie

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    • LEHÁR: "Giuditta" - Kommentierte Diskographie

      Dankenswerterweise erschien im Vorjahr in der Reihe der Cantus Classics die alte Aufnahme von "Giuditta" aus dem Jahr 1958



      und auch ohne Vergleiche anzustellen, erscheint sie mir ausgesprochen referenzverdächtig. Lehárs Spätwerk (1934) wurde von ihm als "musikalische Komödie" bezeichnet, womit er geschickt die Kategorisierung als Operette oder Oper offen ließ. Heute kennt man das Werk meist nur durch seine "Schlager", doch gerade die Line-Edition beweist, wieviel da an Tieferem zu finden ist. Auch wenn die Geschichte ganz banal zu sein scheint. Zwei im Leben doch eher an der Oberfläche naschenden Menschen wird durch die Leidenschaft füreinander bewußt, daß es da auch mehr gibt. Dennoch finden sie nicht die Kraft, die widrigen Umstände gemeinsam zu bekämpfen und lassen sich resignierend treiben. Ein auch jetzt sehr moderner und zugleich zeiltoser Vorgang..

      Rudolf Moralt und die Wiener Philharmoniker garantieren für allerbeste Musizierqualität und vergesssen keine Nuance. Die Besetzung könnte nicht besser sein. Emmy Loose (Anita) und Murray Dickie (Pierrino) als Buffopaar, Walter Berry als Manuele Biffi und das traumhafte Duo Hilde Güden und Waldemar Kmentt in den Hauptrollen. Man muß der Güden nur beim "Meine Lippen , die küssen so heiß" zuhören, um zu begreifen, daß das nicht das übliche sinnliche und billige Salonschlangen-Flittchen ist, sondern ein zu naives Mädchen, daß im Grunde nichts Böses will, aber eben ein schönes Leben anstrebt und zu spät erst ahnt, daß das nicht nur aus Glanz und Vergnügen besteht. Auch Kmentt macht die Zerrissenheit, die schuldhaften Defizite Octavios mehr als glaubhaft. Das Ende wirkt überzeugend tragisch, wenn Giuditta und Octavio beide nicht mehr die Kraft zu einem neuen Anfang aufbringen, wenngleich der Umstand, daß sie einander nicht vergesssen haben und einander noch immer eine alleinentscheidende Erinnerung bedeuten, fast eine versöhnliche Note einbringt. Die sehr subtilen Gefühle werden musikalisch wie dramatisch wirklich überzeugend erfaßt, sodaß tatsächlich etwas Opernhaftes hinter dem zeitweiligen liebenswürdigen Getändel spürbar wird.
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Lieber Waldi!

      Da kann ich Dir nur vollkommen zustimmen! Diese Aufnahme wird nie alt werden, denn die Besetzung ist traumhaft gut. Ich kann Dir nur bei Hilde Güden, Emmy Loose, Waldemar Kmentt, Muray Dickie völlig zustimmen. :juhu:

      Sie gehört zur "Lustuigen Witwe" in der nämlichen Besetzung zu den Juwelen der LPs bzw. jetzt auch CDs. :juhu: :juhu:

      Lieeb Grüße sendet Dir Peter - und hoffentlich geht es Dir und Deiner Frau schon besser! :wink:
    • Liebe Musikfreunde,

      ganz besonders schätze ich diese Aufnahme, auf der Rudolf Schock und Sylvia Geszty brillieren:



      herzliche Grüße
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Lieber Boris!

      Leider hat Ariola / Eurodisc Rudolf Schock in den späteren Jahren in Operettenquerschnitten "verheizt", diese Aufnahme ist neben "Polenblut" von Oscar Nedbal gelungen.

      Sylvia Geszty singt eine schöne Giuditta nur war sie in natura nicht ganz so schön wie am Cover, habe sie Seinerzeit als Zerbinetta in der WStO gehabt und sie wirkte, figürlich, etwas kantig - stimmlich aber ausgezeichnet.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien, wo es bis Samstag sommerlich ist. :wink: :wink:
    • Lieber Peter,

      ich bin immer wieder erstaunt, wen Du alles gesehen und gekannt hat. Nun, wenn man so singt wie sie, sehe ich ihr gerne auch den kantigen Körperbau nach, hat mich doch auch bei Montserrat Caballés Traviata angesichts ihres herrlichen Gesanges nie die Figur gestört :D

      herzliche Grüße nach Wien
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Lieber Boris!

      Persönlich gekannt und auch geschätzt habe ich, unter anderen, auch Rudolf Schock [wir Knaben in der Zauberflöte durften Rudi zu ihm sagen], Sylvia Gestzy war nach meinem "Auftreten" mehr in Wien beschäftigt,

      die hat mich nur einige Male als 1. Knaben gehört, als ich mich einsang - nach Erna Berger immer mit der "Königin der Nacht" ich hatte ja ein Gis und Erna Berger meinte, ich soll mich auch mit der Konstanze und der Königin einsingen, was ich machte und Emmy Loose meine Gesangslehrerin meinte es sei keine schlechte Idee [so viel zu mir, mehr gibt es vo mir nicht zu sagen].

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus dem noch sommerlichen Wien - vor den Eisheiligen, da wird's kühler. :wink:
    • Rudolf Schock ist für mich auch immer mit besonderen Erinnerungen verknüpft (wenn ich ihn auch nie kennlernen konnte oder live sehen konnte), mein Vater hat immer seine Vinylschallplatten gehört, und ich quasi mit ihm, und v.a. Rudolf Schock auf unzähligen Opern- und Operettenquersschnitten wurde häufig gespielt. Auch die Interviews und die Biographie über Rudolf Schock erschienen mir sehr lesenswert. Jedenfalls wirkt er sehr sympathisch auf mich, auch in seinen Filmen, und ich finde ihn in seiner Glanzzeit herausragend. Natürlich waren viele seiner späten Einspielungen sehr kritikwürdig, aber sobald ich seine Stimme höre, egal ob die Aufnahme mehr oder weniger gelungen ist, dann ist es für mich immer -im besten Sinne des Wortes- ein wohliges Heimatgefühl, und das zu erreichen, ist wahrscheinlich das Größte, was ein Sänger leisten kann.
      Aber es würde mich ja auch mal reizen, Dich singen zu hören - gibt es Einspielungen, bei denen Du mitgewirkt hast? Singst Du heute eigentlich immer noch (wenn auch nicht bis zum Ges)?

      Ohje, ich hoffe, ich bin jetzt nicht zu sehr vom Thema abgeschweift - aber diese Aufnahme mit Schock und Geszty IST toll...

      Liebe Grüße
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Liebe Operettenfreunde,

      dieser Thread veranlasste mich gestern dazu diese Aufnahme der Giuditta zu hören. (Wenn ich mich nicht fürchterlich täusche müsste Waldi sie kennen.)



      Trotz der hörbar alten Aufnahme finde ich die Qualität ziemlich gut. Ich denke zudem das Lehár genau wußte wie er, die von ihm komponierte Operette, dirigieren musste. Die Gesangsleistungen kann ich durchweg als sehr gut benoten.

      Die Giuditta ist rasant und verletzlich zugleich. Ihr eigentliches Doppelleben bringt Jarmila Ksirova mir fast schmerzlich nah. Den Octavio singt Karl Friedrich. Vielleicht ist er nicht so eine strahlende Erscheinung wie Rudolf Schock gewesen, aber in dieser Rolle finde ich ihn erstklassig. Auch die beiden Bufforollen sind mit Oskar Mörwald und Elsa Macha meiner Meinung nach richtig gut besetzt.

      In meinen Ohren ist diese Aufnahme nicht nur ein Unikat, da von Lehár selbst dirigiert, sondern eine wirklich schöne Aufnahme.

      LG

      Maggie
      Wenn Einer kümmt un tau mi seggt, Ick mak dat allen Minschen recht, Dann segg ick: Leiwe Fründ, mit Gunst, O, liehr'n S' mi de swere Kunst. - Fritz Reuter
    • Liebe Maggie!

      Ich habe nochj diese Gesamtaufnahme, die aber, wahrscheinlich, die gleiche Darbietung ist.



      Huier wurde von der RAVAG noch als Österreich nicht mehr existierte, der Plan gefasst wurde alle Lehár Operetten einzuspielen - es ist bei Vieren geblieben, dann war es nicht mehr möglich.

      Nur störend ist bei allen Vieren, dass hier die Unsitte entstand, oder schon bestand, die Prosa von Schauspielern sprechen zu lassen. Karl Friedrich hatte in dieser Zeit noch seinen Tenor, und selbst Lehár behauptete er habe Ähnlichkeit mit Richard Tauber, der ja im damaligen Deutschland nicht singen durfte.

      Und noch etwas Karl Friedrich sang damals noch richtig, das hat er später verlernt.

      Liebe Grüße sendet Dir mit Handkuss Peter aus Wien.
    • Ja, liebe Maggie, diese Aufnahme steht bei mir im Kasten, aber ich habe sie schon ewig lange nicht gehört, sodaß ich im Moment nichts dazu sagen kann. ich setze sie jedenfalls auf die Liste der guten Hörvorsätze für die kalte Jahreszeit.

      :wink: Waldi
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      Homo sum, ergo inscius.
    • Von dieser Operette (die ich selber nicht kenne) gibt´s leider nicht viele Aufnahmen.

      Die früheste ist aus dem Jahr 1942, von Lehár selbst dirigiert, erhältlich z.B. auf einer Cantus Classics 2 CD Ausgabe. Gekürzt.

      Die späteste ist von 2003, eine DVD bzw. CD von den Seefestspielen Mörbisch, wo die Operette aufgeführt wurde. (Die CD würde ich aber nicht kaufen, es ist nur 1 CD, es fehlen die Nr. 7, 9 und 14, sowie sämtliche Dialoge. Dirigent: Rudolf Bibl.

      Von 1996 gibt es eine englische Fassung, im Studio eingespielt, auf einer Telarc-CD. Gekürzt, ohne Dialoge. Dirigent: Richard Bonynge.

      Insgesamt nur ca. 11 Aufnahmen, einschließlich Querschnitten. Rudolf Schock sang den Octavio übrigens 2 mal. Einmal auf einem Querschnitt, und einmal in einem Film von 1970, erhältlich auf VHS, wo Teresa Stratas die Giuditta sang. Dirigent: Wolfgang Ebert.

      Die am häufigsten eingespielte Lehár Operette ist, wie könnte es anders sein, die lustige Witwe, mit 93 Einspielungen, nicht sehr dicht gefolgt von "Das Land des Lächelns" mit ca. 44 Einspielungen.
    • oper337 schrieb:

      Ich habe nochj diese Gesamtaufnahme, die aber, wahrscheinlich, die gleiche Darbietung ist.

      Du hast recht, es ist die gleiche, wenn auch gekürzt.

      Besetzung:

      Anita: Else Macha
      Antonio: Georg Monthy
      Der Adjutant des Herzogs: Hans Hais
      Der Herzog: Willy Schumann
      Giuditta: Jarmila Ksirova-Dabernig
      Ibrahim: Wilhelm Heim
      Kellner: Emmerich Vukovic
      Kellner: Josef Wichardt
      Lolitta: Lia Landt
      Manuele Biffi: Georg Oeggl
      Octavio: Karl Friedrich

      Grosses Wiener Rundfunkorchester
      Chor des ORF Wien