J.S.Bach - Sonaten und Partiten für Violine Solo, BWV 1001-1006

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    • Vielen Dank für die Ergänzungen, sowohl inhaltlich als auch diskographisch! Der Ausdruck "schweigt meistens" war sicherlich irreführend. Ich meinte das weniger auf die Taktzahl bezogen sondern auf die Dichte der Begleitung. Ich habe das Stück erst einmal heute Morgen wirklich durchgehört, aber über weite Strecken empfand ich die Begleitung als sehr diskret und oft aus nur einfach und leise angeschlagenen Akkorde bestehend, während die Substanz deutlich bei der Violine bleibt. Die - sich notwendigerweise ergebende - rhythmische Strenge hat mir auch gefallen!
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Ich meinte das weniger auf die Taktzahl bezogen sondern auf die Dichte der Begleitung. Ich habe das Stück erst einmal heute Morgen wirklich durchgehört, aber über weite Strecken empfand ich die Begleitung als sehr diskret und oft nur einfach und leise angeschlagene Akkorde, während die Substanz deutlich bei der Violine bleibt.
      Der Eindruck ist insgesamt sicher richtig. Sowohl Mendelssohn als auch Schumann gehen in ihren Begleitungen sehr behutsam mit dem Original um. Sie wollten es auch ganz sicher nicht "verbessern" sondern ihrer Zeit zugänglich machen. Ressel (der vor allem Theatermusiker war) geht da schon mit gröberem Werkzeug ran (was aber von ganz eigener Wirkung ist).

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • auf ISMLP gibts eine Ausgabe, wo Mendelssohns und Schumanns Bearbeitung übereinander gedruckt sind:

      hz.imslp.info/files/imglnks/us…iolin_and_piano_score.pdf
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • Hmm, mit dieser Einzelkritik kann ich mich in Kenntnis der Spielweise von den genannten Geigern/Geigerinnen anfreunden. Tetzlaff hat mich zuletzt bei Mozart und Schumann (jeweils Sonaten für Violine und Klavier) nicht begeistert. Das ist mir einfach zu gesetzt.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Neu

      Felix Meritis schrieb:

      Nach all den empfohlenen Klassikern möchte ich hier mal meine Lieblingsaufnahme der Sei Solo vorstellen:



      Joanna Madroszkiewicz, eine Professorin für Violine an der Musikhochschule in Wien, riskiert auf dieser Aufnahme sehr viel. Die Werke klingen ungestümer, weniger sakral als gewöhnlich. Der leidenschaftliche Ton ist bei diesen Werken ganz meines, denn oft ersticken manche Sätze bei anderen Interpreten geradezu an ihrer Würde. Die kontrapunktische Arbeit finde ich ebenfalls ganz hervorragend. In der Chaconne hört man Stimmen, die sonst fast nie heraushörbar sind. Für mich eine wahre Meisterleistung.
      Die begeisterte Besprechung hat mich eben verführt, die entsprechenden Bestellknöpfe zu betätigen - zumal die Hörschnipsel einiges versprechen! Die Künstlerin ist mir bislang noch ganz unbekannt.

      Joanna Mądroszkiewicz ist übrigens, wie ich eben im Netz gefunden habe, vor vier Jahren gestorben, allzu früh, erst mit 58 Jahren. Dazu habe ich nur dies gefunden: polonika.at/index.php/aktualno…-madroszkiewicz-1956-2014.

      :wink:

      PS: Es gibt anscheinend nur polnische Nachrufe, z. B. auch hier: amuz.gda.pl/blog/zmarla-skrzyp…emii-muzycznej-w-gdansku/.
      Es grüßt Gurnemanz
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      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      Felix Meritis schrieb:

      Diese Einspielung ist jedenfalls nach wie vor meine liebste, und ich hoffe, dass sie Dir ebenso viele Freude machen wird!
      Das hoffe ich natürlich auch! :)

      Hier habe ich übrigens einen bösen Verriß gefunden:
      magazin.klassik.com/reviews/re…VIEW&RECID=3796&REID=2333.
      Der Rezensent bevorzugt Hilary Hahn ("Referenzeinspielung"). Das wäre dann wohl die:

      BWV 1001-1003


      BWV 1004-1006


      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      :wink:

      Da sehen wir die erste und neueste Aufnahme von Hilary Hahn, also in großem Zeitabstand entstanden. Die neue Aufnahme war Teil der Besprechung "Neue Platte" im Deutschlandfunk letzten Sonntag. Autor war der bekannte Streicherspezialist Norbert Hornig, der die Karriere von Hahn schon früh sehr wohlwollend begleitet hat. Ich habe auch einige ihrer Aufnahmen, mit denen ich ausnahmslos glücklich bin. Aber diese Bach-Aufnahme ließ sowohl den Autor, als auch mich ratlos zurück. Im Stile längst vergangener Zeiten, Hornig verglich es mit Szeryng. Mir hat es gar nicht gefallen.

      Gruß, Frank
    • Neu

      Die Kritik bei klassik.com habe ich vor einigen Jahren auch einmal gelesen. Allerdings sind vollkommen abwegige Rezensionen dort keineswegs so selten. Überflüssig zu erwähnen, dass ich nicht zustimme. Hahns erste Einspielung kenne ich auch. Für mich das reinste Schlafmittel. Da ziehe ich den ollen Szeryng noch bei weitem vor.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Neu

      Felix Meritis schrieb:

      Diese Einspielung ist jedenfalls nach wie vor meine liebste, und ich hoffe, dass sie Dir ebenso viele Freude machen wird!
      Auch ich danke für die Anregung, habe die Aufnahme daraufhin da ich diese Werke noch nicht auf CD habe gestern bei Beck am Rathauseck in München bestellt und bin schon sehr gespannt darauf. Wenn die Aufnahme so wird wie im verlinkten Verriss beschrieben dann ist das genau so leidenschaftlich, wie ich Musik ohnedies besonders gern höre. ;)
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Neu

      Felix Meritis schrieb:

      Leidenschaftlichkeit kann ich garantieren!
      Sehr schön, bin gespannt!

      Bei mir finden sich nur zwei Einspielungen, sehr unterschiedliche: Jascha Heifetz und Hélène Schmitt. Habe gestern etwas im Vergleich gehört: Heifetz teilweise schnell und nähmaschinenmäßig, Schmitt dagegen durchaus innerlich und meditativ, hat mir wieder sehr gefallen!

      Jetzt hätte ich mich fast noch für Gidon Kremer entschieden (da gibt es wohl mehrere Aufnahmen, die ich alle nicht kenne; reizen könnte mich evt. die dort genannte), aber ich warte erstmal ab, inwieweit mich die Leidenschaftlichkeit von Joanna Mądroszkiewicz anspricht. Der von mir erwähnte Rezensent unterstellt ja, ihre Technik sei "mangelhaft" und ihre Intonation "nicht rein". Ist das so?

      Jedenfalls disqualifiziert er sich in meinen Augen selbst, wenn er ihr fehlende "Redlichkeit" unterstellt (was heißt das?) und am Ende sich darin versteigt, das sei nicht mehr als ein "überflüssiger Kropf".

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Neu

      Gurnemanz schrieb:

      Der von mir erwähnte Rezensent unterstellt ja, ihre Technik sei "mangelhaft" und ihre Intonation "nicht rein". Ist das so?
      Ich höre einen unreinen Akkord gleich im Eröffnungssatz der ersten Sonate. Das ist natürlich nicht gerade die ideale Visitenkarte. Nachher aber ist mir das nicht mehr aufgefallen. Ich bin da allerdings auch nicht sehr empfindlich. Irgendwie gehört das zu Streichinstrumenten dazu. Besser einmal leicht daneben, als übervorsichtig und fade.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Neu

      Gurnemanz schrieb:

      Der von mir erwähnte Rezensent unterstellt ja, ihre Technik sei "mangelhaft" und ihre Intonation "nicht rein". Ist das so?

      Jedenfalls disqualifiziert er sich in meinen Augen selbst, wenn er ihr fehlende "Redlichkeit" unterstellt (was heißt das?) und am Ende sich darin versteigt, das sei nicht mehr als ein "überflüssiger Kropf".
      Ja, der Mann lehnt sich extrem weit aus dem Fenster. Das mit der Redlichkeit ist für mich auch überhaupt nicht nachvollziehbar. Was technische Mängel betrifft, habe ich gestern beim Hören der d-Moll-Partita keine bemerkt, habe aber auch nicht das absolute Gehör.
    • Neu

      Felix Meritis schrieb:

      Ich höre einen unreinen Akkord gleich im Eröffnungssatz der ersten Sonate.
      Ist das der Akkord, der hier im ersten Track ganz am Anfang (BWV 1001, I. Adagio) erklingt: gramola.at/de/shop/produkte/ka…nn+sebastian+bach/121479/ ?

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
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      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann