Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467

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    • Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467

      Ein Paar beim idyllischen Picknick an einem Baum, die Grillen zirpen, die Vögel singen, sie streicht Brote, er füllt die Weingläser, sie trinken, sie blickt ihm tief in die Augen und streicht zärtlich über sein Gesicht, was mittels romantischer Musik (1:14 bis 1:35 im youtube Link) intensiviert wird, wodurch aber auch die Wendung ins gewollt Tragische beschleunigt werden soll

      „www.youtube.com/watch?v=5QU9wb0Q77E&feature=related“

      Eine dänische Artistin verliebt sich in einen verheirateten Leutnant, die beiden ziehen sich, auf ihrer Flucht als Hochzeitspaar getarnt, in ein Hotel zurück und begehen schließlich gemeinsam Selbstmord. So (dramatisch) geschehen 1889, übrigens ein halbes Jahr nach den das österreichische Kaiserhaus erschütternden Ereignissen von Mayerling. Das Schicksal der Artistin Elvira Madigan inspirierte mehrmals Filmregisseure, etwa 1967 den Schweden Bo Widerberg. Die Musik die er in diesem Film zentral einsetzte, wurde fortan vielfach nicht nur auf Plattenhüllen mit „Elvira Madigan“ etikettiert, so wie so mancher wohl beim Thema „Sterben in Venedig“ Gustav Mahlers Adagietto aus der Symphonie Nr. 5 im Ohr haben mag, beim Anblick eines Monolithen „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss, beim Gleiten einer Raumfähre im All den Walzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß Sohn oder dank der filmisch aufbereiteten Geschichte zweier Trickbetrüger jeder Musikalienhändler auf die Frage nach den Noten zu „Der Clou“ Scott Joplins „The Entertainer“ anbietet.

      „Elvira Madigan“ ist das Etikett für den zweiten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467 geworden.

      Millionen Versuche sind unternommen worden, die Ausstrahlung von Mozarts Musik zu beschreiben, warum sie für Menschen ohne jegliche Musikausbildung genauso genial wirken kann wie für Spezialisten, auf Leute also die einfach nur gute Musik zu hören wünschen ohne mehr darüber erfahren zu wollen wie auf solche, die vielleicht nur einzelne Werke bis in kleinste Details als Werk für sich betrachten oder aber weiter forschend im Kontext ihrer Entstehung, Werkgattung oder Interpretations- und Aufnahmegeschichte.

      Uraufgeführt hat Wolfgang Amadeus Mozart das Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV 467 am 10.3.1785 in einer Akademie im k.k. National-Hof-Theater in Wien. Es entstand (als wäre es eine „heitere Antwort“ darauf) einen Monat nach dem düsteren d-Moll Konzert KV 466 und hat wie immer drei Sätze, diesmal Allegro, Andante (F-Dur) und Allegro vivace assai. Es liegen keine Originalkadenzen Mozarts zu diesem Konzert vor, insofern darf man beim Interpretationsvergleich darauf gespannt sein, was sich Interpretinnen und Interpreten dazu einfallen lassen.

      Man kann es „einfach so“ hören oder analytisch, beides – so behaupte ich – kann nicht anders als ungemein bereichernd für jeden Musikfreund ausgehen. Wie schon in KV 466 fällt die symphonische Anlage der Musik auf. Mozart hat den Einsatz des kompletten Orchesters, hier wieder mit Pauken und Trompeten und natürlich all den wunderbaren Holzbläsern, derart perfektioniert, dass das Konzertante eingewoben ist in ein erstaunlich vielschichtiges symphonisches Gewebe.

      Wer eine Aufnahme des Konzerts kauft „um Elvira Madigan zu hören“ und nur diesen Titel anwählt oder gar eine CD mit gemischten Mozart Titeln auf der aus diesem Konzert nur der zweite Satz enthalten ist, versäumt wirklich etwas, und dies hier soll auch ein Plädoyer vor allem für den besonders inspiriert komponierten ersten Satz werden. Lernt man ihn als jemand kennen, der den Sonatenhauptsatzaufbau gut im Blick hat, Exposition, Exposition mit Klavier, Durchführung, Reprise, Kadenz und Orchesternachspiel, so erlaubt speziell dieser erste Satz von KV 467 eine Menge Detailblicke genialer kompositorischer Meisterschaft. Wie Mozart das „an sich übliche“ Marschthema zu Beginn mehrfach anbietet, jeweils anders, was ihm einmal mehr zum „Problem“ zweites Thema einfällt, „wie wenig“ dann den Solisten das Marschthema zu interessieren scheint, wie (in der Vorausschau und aus der Sicht der Kenner von Mozarts Gesamtwerk) plötzlich, aber nur einmal kurz im ganzen Werk, Mozarts Symphonie KV 550 ihre Schatten vorauswirft, wie farbenreich durch die Durchführung moduliert wird, wie anders und umso bunter blühend die Reprise daherkommt, und wie es Mozart gelingt, im Orchesternachspiel den zum festlichen Ausklang reizenden Marsch charmant zurückzunehmen, das ist – alles in allem – einer der kreativ erstaunlichsten ersten Sätze der allesamt so erstaunlichen Klavierkonzerte von Mozart. Er ist auf jeden Fall eine eigene Entdeckung oder jede Wiederbegegnung wert.

      Das Andante, jener Satz also, „den jeder kennt der auch die Kleine Nachtmusik kennt aber beide nicht benennen kann“, der geschäftstüchtige Produzenten verleiten mag zum Versand rosafarbener CDs mit genauso rosafarbenen Kitschglückwunschkarten, dieses Andante bietet über sanften Triolen einen ewigen melodischen Fluss, eine immer weiter gewobene Linie, zwischendurch auch mit anderen Gedanken, die aber nie den Fluss wirklich unterbrechen. Falls sich jemand der diese Musik „abgehört“ hat soweit einstellen oder fallen lassen kann doch wieder unbedarft darauf zuzugehen – es hat schon seinen Grund, warum solche Musik „unsterblich“ und überzeitlicher Welthit bleibt. Ja, sie ist eine „Steilvorlage“ für André Rieu abwärts, also fürs akustische wie fürs optische Bearbeiten in jede Kitschrichtung, aber sie hält das aus. Sie bleibt weiter die ewige Melodie, mir am liebsten in der Originalversion.

      Und das Finale? Im symphonisch Konzertanten spielerische Leichtigkeit spürbar zu machen, die inspirierte Mischung aus Rondo und Sonatensatz des Finalsatzes in all ihren Facetten auszukosten kann genauso bereichernd sein wie alles Bisherige. Man mag sich immer wieder überraschen lassen, was Mozart statt einfacher Wiederholung von Refrains oder Couplets aus seinem Genie-Zauberkasten zieht.



      Bin für dieses Werk sozialisiert und geprägt mit Friedrich Guldas Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Claudio Abbado, entstanden im Großen Wiener Musikvereinssaal zusammen mit dem Konzert KV 466 im September 1974 (2 CDs DGG 453 079-2). Gulda spielt lapidar zielstrebig, er bietet am Bösendorfer Flügel sein selbstbewusstes Modell einer Interpretation an, und er weiß was er von den Wiener Philharmonikern unter Abbados teilweise vielleicht etwas zu behutsamer Leitung an Klangfarben erhalten kann, um eine den Erwartungen entsprechende Wiener Aufnahme von Mozart-Konzerten Mitte der 70er Jahre vorzulegen. „Bewusst Poesie erzeugen“ will Gulda nicht, die Poesie soll aus der Aura seines Spiels heraus entfaltet werden. Das dürfte Guldas hoher Anspruch und sein Prinzip sein – Musik aus sich selbst kommen zu lassen. Er stellt dafür sein durchaus männlich zupackendes, zielstrebiges Selbstbewusstsein, gepaart mit technisch selbstverständlicher Meisterschaft, zur Verfügung. Im ersten und dritten Satz spielt er selbst komponierte Kadenzen. Erstaunlich mag sein, dass Gulda, dessen laut eigener Aussage wichtigste Lebensleistung die Einbringung der Jazzmusik in den klassischen Konzertbetrieb war, bei seinen Kadenzen zu Mozart Konzerten extrem konservativ vorgeht, versucht, „Kadenzen so wie von Mozart selbst“ vorzulegen, also seinen Drang zum Jazz vollkommen zu unterdrücken bereit ist im unerhörten Respekt vor dem Komponisten, seine Liebe zu dessen Musik hier für ihn eine wirkliche Schranke setzt, die er im Gegensatz zu vielen anderen Kadenz-Komponisten und Improvisatoren nicht wagt zu öffnen. Zu Guldas persönlicher Aufführungsgeschichte des Konzerts KV 467 ist ein Bonmot nach einem Konzert Mitte der 70er überliefert, bald nach der Plattenaufnahme, er hätte das Konzert soeben so gut gespielt wie er es nie wieder wird spielen können, deswegen spiele er es nun nicht mehr öffentlich, denn – Gulda wäre nicht Gulda – hinter sich selbst Zweiter zu sein interessiere ihn nicht. Sagte es und zog es durch.



      Im Oktober 1982 nahm Rudolf Serkin im Rahmen der Reihe mit Claudio Abbado und dem London Symphony Orchestra in Londons Kingsway Hall die Konzerte KV 467 und KV 488 auf (CD Box DGG 00289 477 5214). Von Anfang an wirkt Abbados Dirigat hier etwas behäbig, neigt das Orchester zum Retardieren. Serkin zeigt sich (einmal mehr in diesem Zyklus) als altersweiser, spielfreudiger Musikant. Fast jedes Forcieren wird in dieser Aufnahme vermieden. Immerhin gelingt das Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester sehr schön. Der zweite Satz allerdings plätschert nur so dahin. Dafür versöhnt das Finale etwas, Abbado besinnt sich des italienischen Feuers, spritzig und con brio weckt es den Hörer wieder einigermaßen auf.



      Claudio Abbados dritte CD Aufnahme für die DGG mit diesem Konzert (CD DGG 439 941-2) entstand im Juni 1993 im Teatro Communale in Ferrara, zusammen mit dem live mitgeschnittenen Konzert KV 453. Die Solistin ist hier Maria João Pires. Das Chamber Orchestra of Europe führt Abbado ungleich lebendiger und farbiger als das London Symphony Orchestra, auch erdiger, die Musik wirkt viel frischer. Pires spielt impulsiv, leidenschaftlich, es ist beredtes Klavierspiel, sie hat etwas zu erzählen, mit glasklarem Anschlag. Die Kadenzen stammen von Rudolf Serkin, möglicherweise hat sie Abbado aufgrund seiner letzten Einspielung empfohlen. Wie auch bei KV 453 spielt Maria João Pires die Kadenzen für mein Empfinden zu geläufig, zu einstudiert wirkend. Insgesamt ist dies aber eine sehr schöne, beherzte, lebendige Aufnahme.



      Maurizio Pollini spielt in seiner vom Klavier aus dirigierten Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern (Großer Wiener Musikvereinssaal, Mai 2005, CD DGG 00289 477 5797, wie bei Pires gekoppelt mit KV 453) hingegen anders und auch sehr reizvoll inspirierte Kadenzen von Salvatore Sciarrino. Das Klangbild dieser Einspielung versucht, den Wiener Orchesterklang tontechnisch etwas glattzupolieren und zu verklären. Es gibt eine Aufnahme aus den 80ern mit diesem Orchester, wo André Previn die Konzerte KV 453 und KV 491 vom Klavier aus leitet. Dort wirkt der Orchesterklang viel natürlicher. Pollini selbst ist, so mein Höreindruck, keinem Geheimnis (mehr) auf der Spur, er weiß was er wissen muss und genießt das gemeinsame Atmen, das Zusammenspiel mit dem Orchester. Alles in allem wirkt diese Aufnahme auf mich etwas zu souverän.



      András Schiff und die Camerata Academica Salzburg unter der Leitung von Sándor Végh nahmen das Klavierkonzert KV 467 von Wolfgang Amadeus Mozart zusammen mit KV 466 im Rahmen ihres Zyklus (CD Box DECCA 448 140-2) im Dezember 1989 im Großen Konzerthaussaal in Wien auf. Schiff spielt eigene Kadenzen, auch er spielt auf seine Art mit den Themen der jeweiligen Sätze, allein dieser Kadenzvergleich wirkt bei diesem Konzert immer wieder reizvoll. (Und der Schreiber dieser Zeilen wird immer mehr zum Fan speziell der Durchführung des ersten Satzes, allein die ist das ganze Konzert wert.) Véghs farbige Orchestergestaltung, stets im ideal scheinenden Vorwärtsgang, wunderbar mitatmend, unterstreicht die Orchesterleistung im ganzen Zyklus einmal mehr. Schiff nimmt das Werk poetisch-spielfreudig, hier fließt der zweite Satz ganz wunderbar.

      „Elvira Madigan“ dominiert natürlich eklatant allerlei Versuche mit „Coverversionen“.

      Eine optische Coverversion: Am 31.10.1999 fand in der Bonner Beethovenhalle ein von der Umweltinitiative der Vereinten Nationen initiiertes Galakonzert des United World Philharmonic Orchestra statt, das live vom ZDF übertragen wurde (Musikbeginn bei 3:35).

      „www.youtube.com/watch?v=3c1TfPUqfYs“

      Eine akustische Coverversion: Bei youtube findet sich auch eine viereinhalb Minuten lange Aufnahme mit dem Orchester Mantovani (Vorsicht, kann Schmerzen bereiten).

      „www.youtube.com/watch?v=79x-hLUHmRk“

      Auf youtube gibt es auch Maurizio Pollini, Riccardo Muti und das Orchestra Filarmonica della Scala in einer Fernseh-Konzertaufnahme von 2004 (das ganze Konzert).

      “www.youtube.com/watch?v=i2uYb6bMKyI&feature=related”

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      Herzliche Grüße
      AlexanderK


    • Hörerfahrung, Lernprozess, persönliche Eindrücke: Im Februar 2012 wurde bei Accent eine weitere CD mit Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzerten KV 466 und KV 467 veröffentlicht, die sich aber doch hörbar akustischem Alt- bzw. Neuland (wie auch immer man das hört) verpflichtet fühlt. SWR 2 brachte am 15.6.2012 zur Mittagszeit das Konzert KV 467 aus dieser CD. So lernte ich diese Aufnahme gestern kennen. Der niederländische Hammerflügel-Spezialist und van Immerseel-Schüler Arthur Schoonderwoerd besetzt das Ensemble Cristofori in den Streichern auch nur solistisch und ermöglicht so den Bläsern noch mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Er spielt in der Exposition zum ersten Satz mit, so wie es Mozart ja auch getan hat. Das Klavier, ein Nachbau eines Walter Fortepianos, mit Hölzern angeschlagen, ist eingebettet, nicht exponiert im Gesamtklang. Speziell die Pauke und die Bläser sorgen dafür, dass das Orchester auch in kleinerer Besetzung durchaus kräftig klingt. Mit dem Hören dieser Aufnahme lernt der Schreiber dieser Zeilen auch den Zyklus mit András Schiff und der Camerata Academica Salzburg unter der Leitung von Sándor Végh (1984 bis 1993) noch mehr zu schätzen, weil Schiff hörbar den Hammerflügel Klang am Bösendorfer Flügel mit Akribie nachzuvollziehen versucht und Végh ähnlich bunt wie Schoonderwoerd die Orchesterfarben auslotet und das Klavier hier wie dort eben mehr eingebettet als exponiert zur Geltung kommt, was schon für den anderes Gewohnten eine Gewöhnungsphase bedeutet. Schoonderwoerd spielt im ersten und dritten Satz auffallend kurze aber griffige, eigenständige Kadenzen. Den zweiten Satz nimmt er unkonventionell rasch, hier wirkt das Klangbild schon eigen faszinierend, vollblütig und doch transparent. Der berühmte Satz hat ein flottes „Allegretto Feeling“ bei Schoonderwoerd. Charmante Auszierungen in allen Sätzen machen das Spiel auch lebendiger. Der Klavieranschlag auf diesem historischen Flügel kommt spitzer im Nachklang als beim heutigen Konzertflügel. Das ermöglicht auch eine andere Poesie im Klavierspiel. Für mich war das eine sehr reizvolle, hochinteressante Neuentdeckung. Es soll geplant sein, alle Mozart Konzerte in dieser Besetzung aufzunehmen.
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Elvira Madigan war mir ehrlich gesagt nie ein Begriff, ich hab das irgendwann mal nachgeschaut, weil der Name ständig im Zusammenhang mit dem mir längst bekannten Mozart-Konzert KV 467 genannt wurde...

      Auch wenn der Satz gründlich durch die Mühlen von Populärkultur und Werbung gedreht wurde, ist das Andante vom kompositorischen Anspruch her ein anderer Fall als etwa die "Kleine Nachtmusik". Charles Rosen hat ihm in seinem Buch über den klassischen Stil in einer wunderbaren Kurzanalyse beschrieben: als improvisierten Gesang im Gewand eines Sonatenhauptsatzes in vollendeter Balance zwischen Regel- und Unregelmäßigkeit. Und auch wenn die mediale Verwurstung das Stück abgeschliffen hat: Rosen spricht hier zu Recht vom Affekt "größter Schmerzlichkeit" - unter dem scheinbaren Wohlklang befinden sich (in Takt 12ff. und den Parallelstellen) teils extreme Dissonanzen (wie in ähnlicher Weise auch im Terzett "Soave sia il vento" aus Così fan tutte).

      Alexander hebt zu Recht den Kopfsatz besonders hervor: das ist großer sinfonischer Stil, wie er bisher in den Klavierkonzerten (und auch den Sinfonien Mozarts) bisher noch nicht vorkam. Umso wichtiger sind die "Einbrüche": der plötzliche Umschlag nach g-moll mit der Vorwegnahme des Kopfsatzthemas der Sinfonie KV 550 im Entrée des Solisten und die "exterritoriale" Durchführung, die fast komplett in Moll steht und nur Material verwendet, dass in der Exposition ganz beiläufig angeklungen war. Umso wirkungsvoller die Rückkehr zu C-dur in der Reprise.


      Zur Aufnahme mit Gulda und Abbado: Ich kenne sie schon lange und hätte sie bis vor kurzem noch ohne Zögern als meine Lieblingseinspielung des Konzerts bzeichnet. Jetzt, beim Wiederhören nach längerer Zeit, war ich wie bei KV 466 mit denselben Interpreten doch ein ganz klein wenig enttäuscht: dem Kopfsatz fehlt etwas die Gespanntheit, er kommt mir gerade im Orchesterpart etwas zu bräsig daher. Und während man das noch mit der Maestoso-Vorschrift rechtfertigen könnte, finde ich den Mittelsatz für ein Andante mit alla-breve-Vorschrift doch zu zerdehnt (Gesamtspielzeit 7:49 im Gegensatz z.B. zu Brendel/Marriner mit 6:35 oder 6:13 bei der HIP-Aufnahme mit Sofronitsky).

      Gulda ist (natürlich!) klasse, wie er gleich die erste Fermate so ausziert, als könne es nicht anders sein, wie er in seine Kadenz im Kopfsatz mit drei donnernden Akkordschlägen eintritt wie durch ein Portal, wie er im Mittelsatz mit dem Klavier singt. Vor allem aber möchte ich eine Stelle im Andante hervorheben, die mir immer als der Höhepunkt von Guldas Klavierkunst überhaupt erschienen ist und die ich nie wieder so eindringlich gehört habe: in den Takten 58-60 notiert Mozart in der Oberstimme eine Phrase, die in großen Werten (zwei Ganze, eine Halbe usw.) notiert ist und nach Auszierung geradezu schreit. Ich habe mal eine Aufnahme gehört, in der der Pianist wirklich nur die notierten Werte spielt, was armselig klang. Die meisten Solisten zieren hier aus, aber Gulda macht aus dieser Phrase mit ihrem Sprung über eine kleine Dezime nach oben und dem folgenden chromatischen Abwärtsgang ein Kabinettstück einer instrumentalen Koloratur von höchster Expressivität. Toll!


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Ich habe nun auch zum ersten Mal (über den Namen hinaus) erfahren, was es mit "Elvira Madigan" auf sich hat (unten das Cover mit Szenenfoto und Hinweis; die Aufnahme kenne ich aber nicht).

      Eine neuere Aufnahme, die das alla breve im Andante ernst nimmt (5'08), auf modernen Instrumenten, aber HIP-beeinflusst und sehr hörenswert, gibt es von Stefan Vladar mit der Camerata (vormals Academica) Salzburg. Ich ertrage aber auch langsame Aufnahmen, wobei der Satz noch nie mein Lieblingsstück gewesen ist (und auch sicher nie werden wird). Was das "sinfonische" betrifft, so würde ich mindestens das d-moll-Konzert und die (etwa zwei Jahre vorher komponierte) "Linzer" Sinfonie (ebenfalls mit einem wichtigen Mollabschnitt beim Seitenthema) nicht gegenüber dem vorliegenden Werk zurücksetzen. Wobei die "Hals über Kopf" komponierte Linzer natürlich etwas flächiger angelegt ist (aber den langsamen Satz würde ich jederzeit "Elvira Madigan" vorziehen.)

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)


    • Wer diese Aufnahme des Konzerts KV 467 kennenlernen möchte, hat am Mittwoch 27.6.2012 ab ca. 15:25 Uhr die Möglichkeit im Radiosender BR-Klassik, im Rahmen der Reihe "Pour le piano - Tastenspiele".

      "http://www.br.de/radio/br-klassik/programmkalender/sendung321368.html"
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • AlexanderK schrieb:

      Für mich war das eine sehr reizvolle, hochinteressante Neuentdeckung. Es soll geplant sein, alle Mozart Konzerte in dieser Besetzung aufzunehmen.

      Ja, für mich auch.

      Über die geplante Gesamteinspielung hat Artur Schoonderwoerd im FonoForum gesprochen. Er lässt sich Zeit für Vorbereitungen und Forschung, es ist nicht geplant, mehr als eine oder zwei CDs pro Jahr herauszubringen.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Auch Ronald Brautigam dürfte mit der Veröffentlichung von KV 271 und KV 414 (2010) sowie KV 491 und KV 503 (2011) eine historisch fundierte ausgiebigere Reihe mit Mozart Konzerten gestartet haben.

      Hier ein weiterer persönlicher Höreindruck, zur gestern erwähnten Radioausstrahlung:
      Am 27.6.2012 brachte BR-Klassik im Rahmen seiner Reihe „Pour le piano –Tastenspiele“ jene Aufnahme des Klavierkonzerts C-Dur KV 467 von Wolfgang Amadeus Mozart mit der 1983 in Japan geborenen Pianistin Yu Kosuge, die von der Sony (zusammen mit KV 271) im Mai 2006 zum Mozart-Jahr veröffentlicht wurde. Lawrence Foster dirigiert das NDR-Sinfonieorchester. Die Konkurrenz (DGG) legte dann im September nach, mit Maurizio Pollini, den Wiener Philharmonikern und den Konzerten KV 453 und ebenfalls KV 467. Das Klangbild bei Kosuge/Foster ist weit, „wie bei einem Cinemascopefilm, oben und unten breite schwarze Balken“. Die ambitionierte Pianistin spielt perlend geläufig, nicht historisierend, sondern modern. Beim Hören kommen dem Schreiber Stahlbauten in Großstädten oder Überlandfahrten in teuren Autos (Boxen voll aufgedreht) in den Sinn. Ein Mozart für das 21. Jahrhundert. Leicht konsumierbar, sowohl zum Zuhören als auch zum Nebenherlaufenlassen, durchaus poetisch, sanft gleitend, ideal zum entspannten Autofahren, den Bedürfnissen einer nicht abgelenkt werden wollenden Entscheidungsträgerschicht gemäß eingeebnet zum Sound stringenter Fernsehwerbung. Das unbewusst Suggestive der Mozart Musik bleibt natürlich erhalten, das macht ihre unbeschreibliche Magie. Und klammheimlich mag der Schreiber genau solche wie ein ICE auf geraden Strecken dahin gleitende Aufnahmen auch sehr. Legt man danach Pollinis Aufnahme ein, erklingt das Wiener Orchester im Gegensatz zum routiniert-verlässlichen NDR-Orchester „noch extra picksüß, wie mit Honig beschmiert“. Was sich die Tontechniker allerorten so einfallen lassen…
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Kater Murr schrieb:

      Eine neuere Aufnahme, die das alla breve im Andante ernst nimmt (5'08), auf modernen Instrumenten, aber HIP-beeinflusst und sehr hörenswert, gibt es von Stefan Vladar mit der Camerata (vormals Academica) Salzburg.


      Ich wusste, dass da noch etwas unter meinen CDs war:



      Die hab ich jetzt erst zum zweitenmal aufgelegt. Gehört zu der zweiten Gesamtaufnahme, die Christian Zacharias von Mozarts Klavierkonzerten gemacht hat (oder noch macht), wobei er in Personalunion als Pianist und Dirigent des Orchestre de Chambre de Lausanne agiert. Auch Zacharias nimmt das alla breve im Andante ernst und kommt dort auf eine Spielzeit von 5:33: eine sehr schön ausgehörte Interpretation (Mittelstimmen der Streicher, Zacharias' linke Hand), flüssig, klangschön, aber trotzdem nicht ebenmäßig-glatt, sondern vibrierend - wobei Zacharias seinen Part nicht so expressiv auflädt wie Gulda. Leider spielt er kaum Verzierungen, was insb. in den oben erwähnten Takten 58-60 (in denen Gulda brilliert) das Klavier nackt klingen lässt und zur Begleitung des Fagotts degradiert.

      Diese 2009 aufgenommene CD ist (wie andere Teile dieser Serie) hochgelobt worden und hat internationale Auszeichnungen erhalten (z.B. Diapason d'Or). Ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Sicher ist das eine hochkarätige Aufnahme: das in den Streichern anscheinend ziemlich klein besetzte Orchester spielt federnd und transparent, Zacharias brilliert mit Anschlagskultur und dynamischer Differenzierung, betätigt das Pedal selten, agiert aber für meinen Geschmack zu gebremst - als wolle er ein historisches Instrument imitieren. Auch das Finale kommt für meinen Geschmack zu abgezirkelt, mit einer Spur zu wenig Spielfreude. In den eigenen Kadenzen hat Zacharias eine Vorliebe für Suchendes, Pausen, kleine Effekte. Dies aber nur als kleine Einschränkungen, bei nochmaligem Hören könnte das Urteil schon wieder anders ausfallen. (Und das gerade erklingende KV 449 ist ganz toll gespielt.)


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)


    • Wer die erst vor kurzem (im April 2012) veröffentlichte Aufnahme dieses Konzerts mit Jan Lisiecki (Dirigent Christian Zacharias) hören möchte, hat morgen Samstag 7.7.2012 um 18:30 Uhr im Radiosender NDR Kultur die Möglichkeit dazu.
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Zwielicht schrieb:

      das ist großer sinfonischer Stil, wie er bisher in den Klavierkonzerten (und auch den Sinfonien Mozarts) bisher noch nicht vorkam.

      Zwielicht schrieb:

      die "exterritoriale" Durchführung, die fast komplett in Moll steht
      Wobei ich beides vorausgeahnt finde in der Symphonie Nr.34, auch in C-Dur.. Nur im Klavierkonzert noch gesteigert durch die zunehmende, ganz in symphonische Dramatik integrierte Polyphonie. Das erste Tutti habe ich mal zitiert gelesen als Paradebeispiel eben dieser klassischen Polyphonie: Der Kontrapunkt der Tremolo-Geigen (und Hölzer) gegen das Marschthema...

      Zwielicht schrieb:

      Und auch wenn die mediale Verwurstung das Stück abgeschliffen hat: Rosen spricht hier zu Recht vom Affekt "größter Schmerzlichkeit" - unter dem scheinbaren Wohlklang befinden sich (in Takt 12ff. und den Parallelstellen) teils extreme Dissonanzen
      Für mich ein großartiges Stück. Wollte es auch schon gern mal bearbeiten und schrecke ja sonst vor wenig zurück: aber es ist tatsächlich zu komplex, zu vielstimmig - und zwar nicht nur der Besetzung nach, sondern in tatsächlich musikalischen Stimmen, gerade die mollverhangenen Stellen, die Du vermutlich meinst, da sind die schmerzlichen Vorhalte in Terzen, der nicht ganz unwichtige Triolen-Rhythmus, der das ganze trägt, eine Oberstimme in weiten Sprüngen - wäre ein Jammer, das auf ein Instrument reduzieren zu wollen, das so beschränkt ist...
      Wunderbar auch die (Schein-?)Reprise in As-Dur, die wie selbstverständlich zurückführt, als wäre nie was gewesen... Man soll sich doch nie abschrecken lassen von dubiosen Marketing-Untertiteln.

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Hier wieder ein Hinweis auf die Radioausstrahlung einer CD Aufnahme:

      BR-Klassik, Freitag 13.07.2012, in der "Philharmonie" zwischen 10:05 Uhr und 11:55 Uhr:

      Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert C-Dur, KV 467 (Jonathan Biss, Klavier, Orpheus Chamber Orchestra)

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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hier ein CD Hinweis aus Eben gehört 2009/10:

      Peter Brixius schrieb:

      Heute Morgen



      Malcolm Sargent dirigiert Mozart: Klavierkonzert K 467 und Rachmaninoff 2. Klavierkonzert. Am Klavier Cyril Smith. Als fähiger Mozartdirigent ist mir Sargent schon häufiger begegnet.


      Liebe Grüße Peter
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Wer diese Aufnahme von KV 467 hören möchte, hat am Mittwoch 18.7.2012 ab ca. 10:15 Uhr die Möglichkeit im Radiosender BR-Klassik. Annerose Schmidt spielt übrigens Kadenzen von Andor Foldes.



      "http://www.br.de/radio/br-klassik/programmkalender/sendung339844.html"
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK

    • Persönlicher Höreindruck:
      Das 1972 gegründete Orpheus Chamber Orchestra hat es sich zur Aufgabe gemacht, ohne Dirigent zu spielen. Zusammen mit dem amerikanischen Pianisten Jonathan Biss wurde im September 2008 bei der EMI eine CD veröffentlicht, die die Mozart Klavierkonzerte KV 467 und KV 482 vereint. BR-Klassik sendete am 13.7.2012 das C-Dur Konzert. Beim Orchester ist von Anfang an die Konzentration auf das kompakte Zusammenspiel vehement spürbar. Biss hat wirklich etwas zu sagen, er tritt in konstruktiven Dialog mit dem Kammerorchester, es ist eine Aufnahme voll übersprudelnder Spielfreude. Nicht historisierend, aber in seinem Duktus herzlich lebendig. Auch die Kadenzen, die Biss im ersten und dritten Satz anbietet (im ersten auch mit g-Moll Zitat!), wirken wirklich inspiriert.
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK


    • Persönlicher Höreindruck:
      Mozart aus der DDR (für mich als in Wien „mit Karajan und Bernstein“ aufgewachsener Musikfreund was Klassik betrifft Neuland) – im April 1973 nahmen die 1936 in Wittenberg geborene Annerose Schmidt und Kurt Masur mit der Dresdner Philharmonie in der Lukaskirche Dresden Mozarts Klavierkonzert KV 467 auf (veröffentlicht damals wohl auf VEB, gesendet in BR-Klassik am 18.7.2012, dem 85. Geburtstag Masurs). Masurs Mozart ist vollblütig und kräftig und vor allem zügig. Zupackend nimmt auch die Pianistin die Musik, dabei hat sie zwischendurch auch Sinn fürs „Geheimnis“ (etwa in der g-Moll Passage und zu Beginn der Durchführung des ersten Satzes). Die stark vorwärtsdrängende Aufnahme (das flotte Tempo bekommt vor allem dem zweiten Satz gut) wirkt sehr entschlossen, grimmiger und noch direkter, „unmittelbar vor einem herlaufend“ als Guldas Stringenz. Annerose Schmidt spielt Kadenzen von Andor Foldes. Es gibt eine Gesamtaufnahme der Mozart Konzerte in dieser Besetzung.
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      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Aus Eben gehört 2011/12:

      corda vuota schrieb:

      Der Herr Brendel möchte heute gar nicht mehr aufhören. Mozart Klavierkonzerte Nr. 21 C-Dur KV 467 und Nr. 26 D-Dur KV537 „Krönungskonzert“. Orchester: Academy of St. Martin-in-the-fields, Dirigent: Sir Neville Marriner



      Das hat was!

      LG
      corda vuota
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      AlexanderK
    • Eben gehört 2011/12 S.203 Posting 8111:

      Dirigent schrieb:


      aus dieser großartigen box jetzt
      mozart klavierkonzert nr.21
      dino lipatti-herbert von karajan-lucerne festival orchestra-aufnahme 23.08.1950

      gut das der geniale produzent und macher der emi walter legge, mitte der 1940 jahre, mit zigaretten und einer flasche guten whisky sich auf den weg zu karajan gemacht hat. an diesem tag wurde die erfolgeiche zusammenarbeitet beider männer besiegelt.
      wahrscheinlich würde es ohne legge, die emi box in diesem umfang nicht geben.

      :wink:
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Die weiter oben abgebildete Einspielung mit Jan Lisiecki und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Christian Zacharias sendet nun nach NDR Kultur auch BR-Klassik, und zwar am Donnerstag 18.10.2012 zwischen 15:05 Uhr und 16:00 Uhr, in seiner Reihe "Pour le Piano - Tastenspiele".

      "http://www.br.de/radio/br-klassik/programmkalender/sendung416340.html"
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Hier ein weiterer persönlicher Höreindruck (vom Gulda Sammler ;+) ) :



      Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzerte Nr. 21 und Nr. 27 hat Friedrich Gulda, folgt man Friedhelm Flammes Recherchen (Friedhelm Flamme hat 2006 bei Cuvillier eine ausführliche Interpretations- und Werkaufstellung Gulda betreffend veröffentlicht), zunächst für Schallplatte aufgenommen und erst später im Konzert gespielt. Die Schallplattenaufnahme (CD Preiser 90021) entstand im Juni 1962 mit dem Wiener Volksopernorchester unter der Leitung des als Dirigentenlehrer mehr denn als Dirigent selbst bekannten Hans Swarowsky (1899-1975). Ich konnte Guldas erste Aufnahme des Konzerts Nr. 21 C-Dur KV 467 als Jugendlicher von LP kennenlernen und fand sie damals ziemlich frech. Gulda spielt im ersten und dritten Satz durchgehend inspiriert bis keck eigenständig auch zum Orchesterpart mit, nutzt Stellen, wo er „fill ins“ reinimprovisieren kann und spielt ansonsten gewohnt linear, äußerst lebendig, also gut aufgelegt, herzlich spielfreudig, und im zweiten Satz sehr frei über den Orchestertriolen „schwebend“, quasi Mozarts Klavierstimme wie Sternenstaub drüberstreuend. Was ich als Jugendlicher frech fand, finde ich jetzt ganz einfach herrlich mozartisch.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK