Was haltet Ihr von Florian Prey? Oder: Warum ist dieser Sohn eines großen Vaters so unbekannt?

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    • Was haltet Ihr von Florian Prey? Oder: Warum ist dieser Sohn eines großen Vaters so unbekannt?

      Guten Tag zusammen,

      nun habe ich das gesamte Forum rauf und runter gesucht - aber Florian Prey wurde hier noch nie erwähnt. Was mich sehr wundert, denn er verfügt (zumindest für meine Laien-Ohren) über die gleiche wunderbare, warme, sonore, ausdrucksstarke Stimme wie Hermann Prey.

      Bis vor 5 Jahren wusste ich gar nicht, dass einer seiner Söhne ebenfalls Sänger ist - bis bei mir im Ort ein kleines Konzert mit dem "ensemble baroque florian prey" stattfand, das ich dann auch mit großer Freude besuchte.

      Ansonsten scheint man von ihm nicht viel zu hören oder zu sehen.

      Daher würde mich mal eure Meinung über ihn interessieren ...

      Gespannte Grüße - Allegro
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Du erwähnst lobend die " Gleichheit " der Stimmen von Vater und Sohn. Und eben dieses Phänomen hat dazu beigetragen, dass sich Florian Prey nicht wirklich durchgesetzt hat. Der Vater hatte ein bildschöne Stimme, mit unverwechselbarem Timbre, das man nach drei Tönen keinem Anderen als ihm zuordnen konnte. Leider gehörten auch gesangstechnische Defizite zu diesem Organ : Das Näseln und das gelegentliche Anschleifen der höheren Töne. Sein singender Sohn ist sozusagen geklont. Er hat die Unarten des Vaters übernommen , die man ihm halt nicht nachzusehen bereit ist, denn die Stimme hat halt nicht die Ausnahmequalität, welche den Gesang des Vaters ausgezeichnet hat. Wenn Du Florians HP aufsuchst, wirst Du Schritt auf Schritt dem ( Über -) Vater begegnen, dem Sänger, dem Autor, dem Film- / TV- Besessenen und Fotografen. Nicht von ungefähr hat er sich auch noch als Klavierpartner den Sohn eines anderen Giganten ausgesucht : Rico Gulda, dem es wohl ähnlich ergeht wie Florian.
      Immerhin hat er erfolgreich die Leitung der Herbstlichen Musiktage Bad Urach von seinem Vater übernommen. Dieses kleine Festival, das heuer zum 32. Mal stattfindet, lohnt den Besuch allemal.

      Ciao. Gioachino :wink:
      miniminiDIFIDI
    • Prey junior

      Guten Abend, Allegro!

      Stimmt, auch ich wusste bis heute nicht, dass Hermann Preys Sohn Florian ebenfalls Sänger ist. Ich jedenfalls finde den Junior gut. Er hat zwar leider, wie mein Vorgänger sagte, teilweise die "Unarten" seines Vaters übernommen, aber ich sage, nachdem ich mir einige Tonbeispiele angehört habe: Florian Prey ist auf einem guten Weg. Weiter so!

      Gruß,

      Katharina
    • Lieber Gioachino!

      Ich kann Dir nur beipflichten, Söhne von bekannten Sängern haben es schwer, wenn sie den Vater nachahmen. Das wird nicht gut, wobei ich bemerken muss, dass mir auch Hermann Prey nicht überall gefallen hat, er hat einen wirklich guten Figaro gesungen, den unter Ponelle, mit der Freni. Ansonsten wirkte er immer spielerisch blaß. Auch ist sein Beckmesser fade, wenn ich Sir Thomas Allen betrachte. Nur sein Eisenstein mit Dame Kiri te Kanwa ist gelungen.

      Heinz Holecek hat ja auch einen Sohn - Sebastian - und der ist aus dem Schatten seines Vaters rausgestiegen. Er legt dieselben Partien so an, wie er es sich denkt. Und er hat andere Partien dazugewonnen. Einmal schrieb die liebe Severina [war es hier oder drüben, ich weiß es nicht mehr] wie der Vater als Sagristano betrunken auf der Bühne, in der Tosca, wankte. Sein Sohn singt an der Volksoper den Scarpia, leider in Deutsch, also nicht zum Anhören wegen der Sprache, aber er singt ihn als wirkliches Ekel. Schade dass die Staatsoper so wenig mit ihm anfängt, außer den Harlekin in der Ariadne.

      Nur ist das zuletzt Geschriebene eigentlich nicht das Thema Prey junior.

      Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien, wo es eben regnet. :wink:
    • Danke für Eure Meinungen.

      Ja - Kinder berühmter Eltern haben es schon schwer ... und so in etwa hatte ich das dann auch vermutet ...

      Die HP von Florian Prey kenne ich und der "Übervater" darin ist mir auch schon aufgefallen.

      Die gesanglichen Schwächen und Fehler waren mir bislang jedoch nicht aufgefallen :schaem: - dafür braucht man wohl ein geschulteres Ohr als meines.

      Spielerisch war Hermann Prey tatsächlich nicht der Beste - aber die Stimme finde ich halt unglaublich schön. Allerdings kenne ich auch nicht allzuviele Aufnahmen mit ihm.

      Viele Grüße - Allegro
      Viele Grüße - Allegro

      "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés
    • Ich würde mich der Meinung von gioachino anschließen.
      Noch dazu hinzufügen, daß Hermann Prey eine brilliante Höhe hatte, über die der Sohn nicht verfügt. Seine Höhe ist angestrengt und dünn.
      Die Ähnlichkeiten im Timbre sind besonders mit den Laut a und den Diphtongen eu und ai frappant. Vielleicht deswegen hat er sich Schuberts Mein als Tonbeispiel ausgesucht, wobei er sich keinen Gefallen getan hat: der ganze Mittelteil ist unbequem und der Vergleich ist deutlich zu Florians Ungunsten.
      In Erstarrung ist der Vergleich etwas weniger schief. Aber die Diktion und Akzentuierung ist eine deutliche Kopie von Hermanns (am markantesten das subito piano auf dem ersten schweigen aber vom Anfang bis zum Ende hört man Hermanns Vortraggstil).
      In Lascia ch'io pianga überrascht er am Ende mit einer schönen mezza voce. Hatte man Hermanns italienische Aussprache "tedesca" genannt, kann man Florians nur lausig nennen. Hermanns Legato fehlt ihm auch.
      Selbstverständlich sind die Tonbeispiele seiner HP keine hochprofessionellen Studio-Aufnahmen und die Mängel der Stimme treten deutlicher hervor.
      Am besten hat mir gefallen "Großer Herr und starker König" und ich kann verstehen, warum er gerne mit einem "baroque ensemble" auftritt, mit dessen dünnen und herben Ton er besser harmoniert.

      Im Endeffekt ein nicht untalentierter Bariton, wie die deutschen Musikhochschulen in Dutzenden auf den Markt schicken, den man gerne in Konzert aber nicht unbedingt auf Tonträger hören möchte. Man versteht warum von den musikbegabten Söhnen Fischer-Dieskaus keiner eine Baritonkarriere angestrebt hat.

      Sein Engagement für die Musiktage Bad Urach ist aber lobenswert.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Katharina A. schrieb:

      Florian Prey ist auf einem guten Weg. Weiter so!


      Naja, der gute Mann ist auch schon Mitte 50...

      In manchen Berufen sollten es sich die Kinder gut überlegen, ob sie in die Fußstapfen der Eltern treten, besonders wenn die es in ihrer Karriere weit gebracht haben. Da ist der ständige Vergleich vorprommiert (sogar hier....), und der kann nur negativ ausfallen, es gibt keine unabhängige Chance.
      Siegfrid Wagner hat auch nur wenige Anhänger gefunden: den einen hat er nicht gefallen, weil sein Kompositionsstil seinem Vater zu ähnlich war, den anderen nicht, weil er nicht ähnlich genug komponiert hat...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Man sollte keine Vergleiche anstellen, natürlich hat Florian viel von seinem Vater, was gut zu hören ist, doch vom Ausdruck her fehlt ihm einiges, das ist gut bei Papageno zu hören. Seine Stimme klingt härter und Macken hat jeder Sänger. Das Anschleifen eines Tones, wie Gioachino schrieb, gibt es sehr oft, das war besonders bei Kollo sehr stark ausgeprägt.

      Viele Söhne, Töchter treten oder möchten in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und schaffen es auch bis zu einer gewissen Grenze, werden aber nie so berühmt. Beispiel auch Montserrat Caballé und ihrer Tochter Montserrat Martí.
      Umgekehrt war es bei Pavarotti, dessen Vater auch als Tenor im Chor der Stadt Modena sang, aber wegen seiner zu hohen Nervosität den Sängerberuf aussetzte und lieber bei seinen Brötchen in der Backstube blieb.

      Ich gehe mal davon aus, dass diese Söhne und Töchter es ohne ihre Eltern nie so weit gebracht hätten, denn es gibt viele Sänger die um Klasse besser sind, aber nicht das Glück so berühmte Eltern zu haben oder gehabt zu haben.
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      Ich gehe mal davon aus, dass diese Söhne und Töchter es ohne ihre Eltern nie so weit gebracht hätten, denn es gibt viele Sänger die um Klasse besser sind, aber nicht das Glück so berühmte Eltern zu haben oder gehabt zu haben.

      das ist genau das, was unterbewußt eigentlich immer unterstellt wird, und damit liegt die Latte für die Kinder per se schon höher, egal wie gut oder weniger gut sie sind. Die Beurteilung ist nicht mehr objektiv. Jemand, der keine einschlägig berühmten Eltern hat, wird auf der Basis seiner eigenen Leistungsfähigkeit beurteilt, die Kinder berühmter Eltern, die den gleichen Weg einschlagen, werden aber immer an der Leistungsfähigkeit der Eltern gemessen. Oder an anderen, die "um Klassen besser sind"... Bei einem Noname käme niemnd auf die Idee, derartige Vergleiche zu formulieren. Wenn es so wäre, dann ist es dort eben so, und gut ist's. Es wird ihm nicht als Etikett angepappt.

      musica schrieb:

      Umgekehrt war es bei Pavarotti, dessen Vater auch als Tenor im Chor der Stadt Modena sang, aber wegen seiner zu hohen Nervosität den Sängerberuf aussetzte und lieber bei seinen Brötchen in der Backstube blieb.

      Nichtsdestoweniger muß Pavrottis Vater ein phantastischer Tenor allererster Güte gewesen sein, und es ist immerhin mit einem Fragezeichen zu versehen, ob Tenorino Pavarotti jr. gegen den Tenore Pavarotti sr. eine reelle Chance gehabt hätte, wenn dieser tatsächlich eine internationale Karriere hingelegt hätte. Dabei ist es zunächst unerheblich, daß auch der Junior ein phantastischer Tenor allererster Güte war: Siehe oben... Diese Annahme und die allfälligen Vergleiche stehen dann immer im Raum. Und natürlich wird die Wahrnehmung durch die oben zum Ausdruck gebrachte a priori-Annahme gefiltert, was dazu führt daß die immer vorhandenen kleinen Mankos überbewertet werden. Die Leistungsfähigkeit reift ja erst, und am Anfang liegt die Leistung der Kinder immer unter derjenigen der Eltern. Damit ist das Urteil aber zunächst mal gesprochen, und zwar ganz objektiv. Wenn die Kinder dann tatsächlich irgendwann "besser" werden sollten, wird es schwer, gegen dieses Urteil anzukämpfen.

      Die Lehre daraus: Wenn man berühmte Eltern hat, macht man besser etwas anderes...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • musica schrieb:

      Ich gehe mal davon aus, dass diese Söhne und Töchter es ohne ihre Eltern nie so weit gebracht hätten, denn es gibt viele Sänger die um Klasse besser sind, aber nicht das Glück so berühmte Eltern zu haben oder gehabt zu haben.
      Das stimmt tatsächlich, und nicht nur für Sänger - Peter Serkin, der erwähnte Rico Gulda, Igor Oistrakh z.B. ; auf der anderen Seite sind sie ständig dem Vergleich ausgesetzt.
      Ganz besonders im Falle von Florian Prey, der so offenbar als Klon von seinem Vater vorkommt, kann ich mir vorstellen, daß es nicht ohne psychologischen Reibungen geht.

      Ausnahmen bestätigen die Regel. Florian Boesch z.B. scheint jemand zu sein, der aus dem Schatten seines Vaters erfolgreich ausgetreten ist. Wobei der Schatten von Christian Boesch vielleicht nicht so dunkel war als der von Hermann Prey.
      Alles, wie immer, IMHO.

    • Ausnahmen bestätigen die Regel. Florian Boesch z.B. scheint jemand zu sein, der aus dem Schatten seines Vaters erfolgreich ausgetreten ist. Wobei der Schatten von Christian Boesch vielleicht nicht so dunkel war als der von Hermann Prey


      Fast alle Kinder berühmter Eltern sind aus dem Schatten ihrer Eltern ausgetreten, doch jedes seiner eigenen Persönlichkeit entsprechend, aber der Schatten bleibt, im Hintergrund bleiben die Eltern unvergessen, egal wie gut die Kinder sind und es werden auch immer die Vergleiche bleiben. Wo wären sie heute ohne ihre Eltern? Sich eine eigene Karriere aufzubauen, unabhängig, ist sehr schwer, vor allen Dingen wenn man den gleichen Namen trägt.
      viele Grüße von musica
    • musica schrieb:

      Sich eine eigene Karriere aufzubauen, unabhängig, ist sehr schwer, vor allen Dingen wenn man den gleichen Namen trägt.

      Ja, aber Wolfgang Windgassen ist es beispielsweise geglückt. Sein Vater Fritz war ebenfalls erfolgreicher Heldentenor, gerade in den Wagner-Partien.

      Gruß
      MB
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Carlos Kleiber ist es gelungen (mehr in den Augen der Öffentlichkeit als in seinen eigenen vermutlich). Peter Serkin ist nach Ansicht nicht weniger Kenner ein besserer Pianist als Rudolf, die ganz große Welt-Karriere ist ihm aber nicht unbedingt gelungen. Das mag aber auch an einer gewissen Präferenz für Nicht-Standardrepertoire (Reger, Moderne) liegen.
      Sonst ist es vermutlich im Zweifel besser, das Instrument zu wechseln...
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)