Beethoven: Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - Werk und Aufnahmen

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    • Beethoven: Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - Werk und Aufnahmen

      Ludwig van Beethoven komponierte seine Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 in den Jahren 1811/12. Sie ist um die 40 Minuten lang, es hängt auch davon ab ob Dirigenten die Exposition des ersten Satzes wiederholen, wie lang sie dauert.

      Die ungewöhnlich lange Einleitung zum ersten Satz (Poco sostenuto, etwa vier Minuten) beginnt mit Orchesterschlägen, die lyrisch beantwortet werden, ehe „fordernde“ Tonleitern und Steigerungswellen zum Hauptsatz (Vivace) führen, der von einem markanten punktierten Rhythmus geprägt ist, welcher den Satz fast so beherrscht wie das Klopfmotiv den ersten Satz der Symphonie Nr. 5. Wieder gibt es auch einen „trotzigen Sieg“ am Ende der Coda.

      Das Allegretto in a-Moll erstaunt, weil es mit einem Akkord beginnt und endet den man sonst bei Solokonzerten vor der Kadenz erwartet, und es erstaunt zu Beginn, weil es auf Rhythmus und Harmoniewechsel aufbaut und die Melodie daraus schließlich mehr als ein Teil des Ganzen ergänzt wird statt von vornherein zu dominieren. Ein zweiter Abschnitt in C-Dur bringt dann eine Holzbläser-Melodie, und es kristallisiert sich der Aufbau A – B – A variiert – B – A verkürzt heraus.

      Der dritte Satz (Presto) steht in F-Dur und ist wieder fünfteilig, also als Scherzo erweitert. Im Trio wird ein österreichisches Wallfahrerlied zum Hymnus gesteigert.

      Das Rondo mit Sonatensatzelementen des Finalsatzes (Allegro con brio) bringt einen einzigen (kämpferischen? tänzerischen?) Sturmlauf, geprägt vom markanten Hauptthema.

      Näheres zur Entstehung und zur Uraufführung sowie zu den einzelnen Sätzen, aber auch eine Aufzählung berühmt gewordener Aufnahmen findet sich bei wikipedia.
      "http://de.wikipedia.org/wiki/7._Sinfonie_%28Beethoven%29"

      Persönlicher aktueller Höreindruck:



      Mit Stringenz vom ersten Akkord an nimmt Harnoncourt von der immer noch beeindruckenden Wuchtigkeit das statische Element früherer Einspielungen heraus. Der erste Satz hat hier mehr Leichtigkeit, erhält auch spielerische Elemente, Tänzerisches. Dabei bleibt er unwiderstehlich zielstrebig. Fahl, blutleer, aus dem Nichts einer Wüste ersteht der zweite Satz, und er baut sich in faszinierender Dramaturgie (Klangrede pur!) mit seinen Steigerungen und Klangschichten auf. Auch die Scherzoteile des dritten Satzes steuern zielstrebig durch stürmische See. In den Trioabschnitten wähnt man sich an einer Drehtür, dann im Strudel. Immer geschieht etwas bei Harnoncourts Beethoven, nie ist es Musik um ihrer selbst willen, nie Selbstdarstellung, immer Drama. Urtümlich überschäumend stürzt sich das famose Orchester ins Finale, alles niederwalzend und wieder unwiderstehlich. Das Chamber Orchestra of Europe auf Hochtouren, eine Aufnahme unter Hochspannung, eine tolle Konzentrations- und Energieleistung (Symphonien 1-8 aufgenommen im Grazer Stefaniensaal vom 29.6. bis 5.7.1990, CD Box Warner Classics 2564 63779-2).

      Hier ist der Capriccio Thread für Beethovens Siebente.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Meinen Dank an Alexander, dass er sämlichen Beethoven - Sinfonien je einen eigenen Thread gönnt.

      Umso bedauerlicher, das gerade die Sinfonie Nr.7 seit 28.Juli keine Resonanz erfahren hat. Ob ich mich unbedingt mit den Harnoncourt-Aufnahmen anfreunden kann (die Alexander dauernd goutiert), wage ich etwas zu bezweifeln.

      Ich möchte auf zwei Aufnahmen hinweisen, die es mir angetan haben. Den letzten Satz Allegro con Brio will ich absolut fetzig mit Feuer hören - und da darf eine Spieldauer von 7Minuten kaum übberschritten werden ! Insofern liegen mir in dieser Hinsicht die 3 Karajan-Aufnahmen mit den Berliner PH(DG, 1962, 1977, 1984) schon sehr nahe, aber gerade in der 77er - Aufnahme ist der 2.Satz zu ungenau und unpräzise geraten. Im 1. und 4.Satz macht er mich aber fast wunschlos glücklich. Fabelhaft auch die Bassgeigenstelle im letzten Satz. Das ist Vivace und Brio in einem Topf - Klasse !

      :!: Karajan´s einzige Stereo-Aufnahme einer Beethoven Sinfonie erfolgte mit den Wiener PH (Decca, März 1959, ADD) mit der Sinfonie Nr.7: Auch im 2.Satz perfekt und geht ab wie "Schmitz´Katze". Wenn man diese Aufnahme insgesamt hört, ist man geneigt zu sagen: >>Schade, das Karajan nicht alle 9Sinfonien auch mit den WPO vorgelegt hat !<< Klanglich ebenfalls bereits gute Decca-technik und beispielweise besser klingnd als die DG-Aufnahme von 1962.

      Spielzeiten: 11:44 - 8:39 - 7:42 - 6:43


      Decca, 1959, ADD



      :thumbsup: Absolutes Con Brio bietet Paavo Järvi ! Aber nicht unbedingt nur in der bekannteren RCA-SACD-Aufnahme der Sinfonie Nr.7 mit der Bremener Kammerphilharmonie, sondern viel besser und umwerfender in gleicher Besetzung in der später entstandenen LIVE-Aufnahme vom Beethovenfest Bonn 2010 aus der Beethovenhalle Bonn auf DVD (SONY). Was der Pauker dort leistet grenzt an ein Rockkonzert - fabelhaft - erregend - niederschmetternd - fantastisch:

      Spielzeiten: wird bei SONY nict angegeben - liegt aber im 4.Satz deutlich und fühlbar angemessen unter 7Minuten (liefere ich nach) !


      SONY-DVD, 2010, 5.1 DTS-Surround-Sound

      Dazu kommt der fabelhafte DTS-Surround-Sound (über mind.4Boxen), bei dem man auch zu Hause in der Beethovenhalle Bonn sitzt, und das Klanggeschehen in fabelhaftem DTS-DIGITAL-Suround - Klang geniessen kann. Das übertrifft jede CD ! Die Bildregie ist auf der DVD nicht immer perfekt, aber das man das Bild dabei hat verstärkt trotzdem den äusserst positiven Eindruck.

      :angel: Man, was geht da die Post ab ! Das stellt alle Schlaftablettenaufnahmen in die Ecke !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Yukon schrieb:

      Zitat von »teleton«
      liegt aber im 4.Satz deutlich und fühlbar angemessen unter 7Minuten (liefere ich nach) !

      8'27''


      Verblüffend! Hätte ich 'gefühlt' wie Wolfgang angenommen.

      Ich habe zwar nur einen Radiomitschnitt dieser Aufnahme vom Beethovenfest, finde aber den beim Hören bislang nur ohne Partitur auch besonders großartig, jedenfalls noch effektvoller, ohne dabei an Klarheit zu verlieren, als die schon außerordentlich gute Studioaufnahme Järvis und der Bremer.

      :wink: Matthias
    • Man kann, man muss nicht!

      Die 7. als Geschwindigkeitsrausch zu begreifen ist sicherlich berechtigt, doch werden viel zu viele Feinheiten der Sinfonie unterschlagen.
      Meine Rekordaufnahmen des 4. Satzes sind die mit Guido Cantelli (6:52), bzw natürlich Toscanini 6:45. Doch was sollen die Messwerte? Es kommt auf den Gesamteindruck an.
      Und da gibt es auch andere Parameter.
      Nur in der deutschen Aufstellung kann man zum Beispiel im letzten Satz das Wechselspiel der 1. und 2. Geigen richtig genießen, siehe Kleiber oder Järwi.
      Der 2. Satz in der langsameren Version, wie sie Klemp bietet, hat einen besonderen Reiz.
      Leider sind alle Studioaufnahmen Klemperers eher mittelmäßig, am besten ist noch die von 1955. Doch Live wie in Amsterdam 1951 oder Hamburg 1955, Amsterdam 1956 oder London 1957 "läßt er die Sau" raus. Pure Kraft! Zumal er den Rythmus komplett anders ansetzt, er zieht das schleppende Orchester, ähnlich wie Scherchen, als er es vor sich her treibt!
      Und selbst in den Monoaufnahmen sind die Dialoge der Geigen so prägnant, das Hvk ganz blass aussieht bei all dem Lärm den er veranstaltet.
      Die in den 60igern erschienenen Aufnahmen sind dann eher.... vergessen wir es.
      Dann gab es noch Erich Kleiber und Fritz Reiner. Auch Fu hat bemerkenswert wilde Einspielungen der 7. hinterlassen.
      Die besten sind aber die vielen Aufnahmen mit Carlos Kleiber, die als Livemitschnitte erhältlich sind. Ich habe einen aus München und einen aus Wien. Sensationell.
      Da war er fast bessser als der Papa!
      Und heute? Dohnanyi, oder "Mack", oder Vänskä! Schöne Aufnahmen. Nur Thielemann fällt ab, weil er im Tempo so "rumeiert" und sich nicht entschließen kann, ob er nun Wiedergänger Furtwänglers ist oder doch im 21. Jahrhundert angekommen ist.
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Meine Rekordaufnahmen des 4. Satzes sind die mit Guido Cantelli (6:52), bzw natürlich Toscanini 6:45. Doch was sollen die Messwerte? Es kommt auf den Gesamteindruck an.
      Eben. Ich kann diese ganze Tempodiskussion bei Beethoven nicht mehr ausstehen. Musikalische Ereignisse teilen sich nicht durch die Stoppuhr mit. Sondern allein durch das, was an Inspiration bei der individuell für richtig gehaltenen Umsetzung der Partitur aufgeboten wird.

      Dies vorausgeschickt: die von Dir genannten Einspielungen werden von Furtwängler noch getoppt. Er benötigte mit den Berliner Philharmonikern im Berliner Live-Mitschnitt vom 3.11.1943 gerade einmal 6:33 min. für den 4. Satz (im Booklet steht 6:36 min., aber es gibt drei Sekunden Nachlaufzeit auf der CD nach dem letzten Ton).
      "Mir ist noch nie ein solches Talent begegnet. Sie ist einzigartig unter den Pianisten unserer Zeit."
      (Martha Argerich über Gabriela Montero)
    • AlexanderK schrieb:

      Ein zweiter Abschnitt in C-Dur bringt dann eine Holzbläser-Melodie, und es kristallisiert sich der Aufbau A – B – A variiert – B – A verkürzt heraus.
      Ohne jetzt kleinlich sein zu wollen: der B-Teil mit der Holzbläsermelodie steht in A-Dur, moduliert beim ersten Mal allerdings auch kurz mal nach C-Dur, um dann wieder ins a-moll des wiederkehrenden A-Teils zu finden. "Variiert" trifft es nur halb: erstmal stimmt das, die Harmonik und Melodik des Anfangs verbindet sich mit den Holzbläserfarben des B-Teils, dann gehts in ein streicherdominiertes Fugato über - ein typisches Beispiel übrigens für Beethovens unkonventionellen, dabei phantastisch funktionierenden Kontrapunkt - dann verbindet sich die Energie der 16tel, die das Fugato angetrieben haben, mit der Wiederkehr des A-Teils im Tutti - wenns nicht so wenig moduliert hätte bis dahin, könnte man es Reprise nennen nach einer Art Durchführung. Dann nochmal B (ohne Modulation nach C-Dur) und ein letztes Mal, in schattenhaften, ständig wechselnden Farben, A.

      wunderbarer Satz, das...

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • RE: 4.Satz - Spielzeit bei P.Järvi Live aus der Beethovenhalle Bonn 2010

      music lover schrieb:

      Doc Stänker schrieb:

      Meine Rekordaufnahmen des 4. Satzes sind die mit Guido Cantelli (6:52), bzw natürlich Toscanini 6:45. Doch was sollen die Messwerte? Es kommt auf den Gesamteindruck an.
      Eben. Ich kann diese ganze Tempodiskussion bei Beethoven nicht mehr ausstehen. Musikalische Ereignisse teilen sich nicht durch die Stoppuhr mit. Sondern allein durch das, was an Inspiration bei der individuell für richtig gehaltenen Umsetzung der Partitur aufgeboten wird.

      :huh: In dem Punkt muss ich mich jetzt anschliessen, denn ich war auch platt, als ich gesehen habe, dass die tatsächliche aber nicht gefühlte Spielzeit bei Järvi-Live aus BN doch weit über 7Minuten lag. ;+) :thumbup: Es kommt eben doch auf den Gesamteindruck an, der sowohl in den flotten Versionen von Karajan, wie auch bei Järvi trotzdem mega-feurig rüber kommt.

      Gleiches gilt ja auch für beide Bernstein-Aufnahmen aus New York (SONY) die gar bei 8:58 liegt und die spätere aus Wien (DG) bei 7:01. Trotz der 2Minuten Unterschied ist der Gesamteindruck für beide spannend, höchst angemessen und für mich überwältigend.

      Ich hatte ja noch Hoffnung, dass die von YUKON dankenswert übermittelte Spielzeit bei P.Järvi mit Schlussapplaus ist - aber mit nichten - der ist abgezogen und der 4.Satz dauert tätsächlich rein gespielte 8:27 --- aber wirklich nicht gefühlt ! :faint: Ich habe dies gerde anhand der DVD überprüft, weil ich es nicht glauben wollte.

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      Ich habe mir schon gedacht, das die Kleiber-Aufnahme (DG) zur Sprache kommt.
      Keine Frage, eine wirklich gute Interpretation.
      Aber für meinen Geschmack doch ein wenig überschätzt, da Kleiber für meine Ohren einfach fremd klingt. Ich bin halt durch Karajan, Solti, Bernstein, Szell und später P.Järvi vorgeprägt. Kleiber passt mir da (gefühlsmässig) irgendwie nicht so.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      :!: Karajan´s einzige Stereo-Aufnahme einer Beethoven Sinfonie erfolgte mit den Wiener PH (Decca, März 1959, ADD) mit der Sinfonie Nr.7:

      Eine kurze Anmerkung: du beziehst das sicherlich auf die Aufnahmen, die Karajan bei Decca gemacht hatte. Das steht so ein bißchen unglücklich im Raum.


      Ich wurde ebenfalls durch unserem Ritter von der strahlenden Gestalt an Beethovens Symphonien herangeführt (der 1963er Zyklus); die 7. gefällt mir dabei besonders gut. Ich gebe aber zu, daß ich sonst nur noch Bernsteins Einspielung mit der NYPO habe.

      Die Daten:
      I. 11'23" - II. 7'57" - III. 7'48" - IV. 6'36"

      [aufgenommen: März 1962, Jesus-Christus-Kirche (Berlin)]



      Der II. Satz ist übrigens von John Boorman in Zardoz verwendet worden,



      als Titelmusik und am Schluß.


      jd :wink:
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      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • teleton schrieb:

      Ob ich mich unbedingt mit den Harnoncourt-Aufnahmen anfreunden kann (die Alexander dauernd goutiert), wage ich etwas zu bezweifeln.



      "Dauernd goutiert" - bitte lieber teleton, ich mag Bernstein, Kleiber und andere genauso gern und hab halt die Threads mit den Harnoncourt Aufnahmen eröffnet. Und die sagen mir halt zu. Auch die der 7. Symphonie. Ich weiß schon, dass man in einem Forum streng "objektiv" zu sein hat und wenn schon die Aufnahme zu empfehlen hat, die genau das einlöst was sich Beethoven erhofft hat, und mir geht es halt so bei vielen Komponisten und Werken, dass ich bei Harnoncourts Aufnahmen zumindest einen Aspekt IMMER finde: Die Unbedingtheit erspüren zu wollen was der Komponist wollte. Das können Irrwege der Interpretation sein (alles ist subjektiv), aber mich überzeugt es immer, weil es ehrlich auf mich wirkt - auch wenn es mir dann nicht "gefällt" und auch nicht gefallen soll. Und dafür steig´ ich für Harnoncourt auf die Barrikaden.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Na ja, das war ja zunächst eine Selbstaussage Teletons ... muss ja nicht an Harnoncourt liegen ... :wink: ... "Dauernd goutiert" kann man aufgrund der jüngsten Beiträge bestimmt nicht über Alexander und Beethoven sagen ...

      Gruß
      MB
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • RE: Karajan nur die 7 mit den WPO

      Josquin Dufay schrieb:

      Zitat von »teleton« Karajan´s einzige Stereo-Aufnahme einer Beethoven Sinfonie erfolgte mit den Wiener PH (Decca, März 1959, ADD) mit der Sinfonie Nr.7:

      Eine kurze Anmerkung: du beziehst das sicherlich auf die Aufnahmen, die Karajan bei Decca gemacht hatte. Das steht so ein bißchen unglücklich im Raum.



      Hallo Joasquin,

      ja, den Satzbau habe ich etwas unglücklich gewählt.

      Es müste zum besseren Verständnis so richtig lauten: Als Karajans einzige Stereo-Aufnahme einer Beethoven - Sinfonie mit den Wiener PH liegt die Aufnahme der Sinfonie Nr.7 (Decca, 1959, ADD) vor. Das Ganze bezieht sich auf die Wiener PH (nicht auf Decca), mit denen Karajan eben nur diese Nr.7 aufnahm; ansonsten bediente er sich für Beethoven nur seiner Berliner PH mit 3 GA bei DG und ganz früher entstand noch die historische Mono-GA mit dem Philharmonia Orchestra London.

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      :wink: Hallo Alexander,

      mit dem "goutiert" nehme ich dann zurück, wenn das von mir zu krass ausgedrückt war. Es fiel mir eben auf, das bei Dir bei allen Beethoven-Threads Harnoncourt im Spiel war.

      Es freut mich, dass Du auch Bernstein in Deinem Antwortbeitrag 11 nennst, der mein stiller Favorit für Beethoven ist ! Die NewYorker - GA (SONY) alleine würde mir "für die Insel" reichen !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • teleton schrieb:

      Gleiches gilt ja auch für beide Bernstein-Aufnahmen aus New York (SONY) die gar bei 8:58 liegt und die spätere aus Wien (DG) bei 7:01. Trotz der 2Minuten Unterschied ist der Gesamteindruck für beide spannend, höchst angemessen und für mich überwältigend.
      Überwältigend ist für mich vor allem der Tanglewood-Mitschnitt vom 19. August 1990 - also vom Koussevitzky-Gedächtniskonzert des Boston Symphony Orchestra

      Die auf dieser CD festgehaltene Aufführung der Siebten war der allerletzte Auftritt im Leben Bernsteins mit einem Orchester. Wie langsam Bernstein jedenfalls weite Teile der Sinfonie nahm, mag bei allen Vorbehalten gegen reine Spielzeitenvergleiche hier vielleicht wirklich einmal der "Datenabgleich" mit Furtwänglers oben im Posting #7 bereits erwähnter Live-Aufnahme vom 3.11.1943 aufzeigen (Furtwängler 12:45, 9:49, 8:24, 6:33 / Bernstein 16:19, 9:48, 10:26, 8:01 [Schlussapplaus herausgerechnet]). Aber wie spannend gelingt Bernstein dieses Zelebrieren des Werks! Die Umstände der Aufnahme tun natürlich ihr Übriges, dass man diesem Dokument als Hörer mit hohem Respekt begegnet. Es schloss sich an jenem Abend ein Kreis (Bernstein sagte wenige Tage später: "Mein erstes Konzert habe ich in Tanglewood gegeben, und mein letztes Konzert habe ich in Tanglewood gegeben"; zitiert nach Humphrey Burton, Leonard Bernstein - Die Biographie, München 1994, S. 686). Der bereits todkranke Bernstein konnte beim Dirigieren die Arme kaum über die Taille heben, er dirigierte mehr mit den Augen als mit den Händen. Im 3. Satz erlitt er einen schweren Hustenanfall und klammerte sich am Geländer hinter sich fest. In diesem Moment fürchteten viele, er würde auf dem Podium zusammenbrechen. Die Bostoner spielten unter Leitung ihres Konzertmeisters Malcolm Lowe weiter, bis Bernstein sich etwas erholt hatte und zumindest mit den Augen und den Schultern weiterdirigieren konnte. Das Finale dirigierte er wieder mit den Armen, war danach aber wie zerschlagen (vgl. zum Vorstehenden Humphrey Burton, a.a.O. S. 683). Wenn man diese Umstände kennt, kann die Energie, die Kraft, die einem beim Anhören dieser fesselnden Aufnahme entgegenschlägt, kaum hoch genug gewürdigt werden.
      "Mir ist noch nie ein solches Talent begegnet. Sie ist einzigartig unter den Pianisten unserer Zeit."
      (Martha Argerich über Gabriela Montero)
    • @Teleton

      da darf eine Spieldauer von 7Minuten kaum übberschritten werden


      Das ist vorsichtig ausgedrückt unglaublicher Unfug.
      Dass Karajan unter 7 Minuten bleibt, ist keine Kunst, wenn man bedenkt, dass er die Wiederholung nicht spielen lässt, Järvi, Kleiber (Studio) und viele anderen auch.
      Würde er die Wiederholung spielen so hätte er 1962 länger als Järvi gebraucht und zwar sogar ein Paar Sekdunen. Schneid bei Järvi die Wiederholung weg und du hast 6:31 als Dauer. Bernstein hat in New York die Wiederholung gemacht, in Wien nicht.
      Den letzten Satz ohne Wiederholung unter 7 Minuten zu spielen scheint mir unmöglich.
      Womit sich eben diese ganze Stoppuhrmesserei endgültig ad Absurdum führen lässt. Wenn ich den dritten Satz auslasse, kann ich die ganze Symphonie sogar in unter 30 Minuten aufführen! Fetzig! Und wenn ich alle Piani Fortissimo spielen lasse, knallts auch richtig.
      Wenn ich F10 auf meinem Computer drücke, schweigt er. Wie passend...
    • music lover schrieb:

      Überwältigend ist für mich vor allem der Tanglewood-Mitschnitt vom 19. August 1990


      [...] Aber wie spannend gelingt Bernstein dieses Zelebrieren des Werks!


      Dem kann ich nur vollstens zustimmen - was für eine Sternstunde der Interpretationen, jenseits jeder Erbsen- und Metronomangabenzählerei!

      Dass die Stopuhr überhaupt kein Kriterium der Interpretationsgüte sein kann, beweist übrigens Fricsay in seiner 1961er Studioeinspielung mit den Berliner Philharmonikern. Die Tempi sind allen vier Sätzen eher lansam gewählt (13'14; 9'57; 8'36; 7'25 [im Finale ohne Wiederholungen]) - aber welchen inneren Drive und welch vorwärtsdrängende Dynamik vermag Fricsay zu entfalten, welche Innenspannung und welchen Detailreichtum macht er hörbar!

      Auch das eine ganz große Interpretation dieses wundervollen Werks! Enthaltebn ist sie - neben ebenfalls umwerfenden Einspielungen den 3. und 8. - zum Beispiel hier:



      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Re Ich habe mir schon gedacht, das die Kleiber-Aufnahme (DG) zur Sprache kommt.

      Hallo Wolfgang.
      die 7. war für Carlos Kleiber sowas wie ein Icon Stück. Aber ich habe auf die diversen Liveaunahmen abgezielt, die DGG Studioaufnahme gibt eine Ahnung davon.
      Live war er genau das Quentchen besser (oder bessener), das seine Aufnahmen zu Ereignissen werden lies, so dass AUDI als Gage nen A8 springen lies und Hvk lästerlich sagte, der würde nur dirigieren, wenn die Kühltruhe leer sei.
      Aber beispielsweise diese Aufnahme macht ihm keiner nach, insbesondere die kalkulierten Ausbrüche. Ein Tanz auf dem Vulkan!
      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/513GYJ42ZVL._SL500_AA300_.jpg]
      Das heißt, es gibt eine andere Aufnahme, die ist (zwar in Mono aber) genauso gut und die hüte ich wie einen Schatz:
      [IMG:http://ecx.images-amazon.com/images/I/41WDoqf5aSL._SL500_AA300_.jpg]
      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Es ist gut, dass Doc Stänker die Carlos Kleiber-Liveaufnahme aus München anspricht. Tanz auf dem Vulkan trifft es recht gut. Ich hatte das Gefühl, hier rauscht ein Tornado durchs Zimmer, als diese Aufnahme zum ersten Mal bei mir lief. Das übertrifft die Wiener-DG-Aufnahme, die natürlich auch hervorragend ist.

      Der Vater Erich ist ja das erklärte Vorbild von Carlos, und deshalb lohnt es sich eben auch immer, dessen Aufnahmen genau anzuhören. Die von Doc Stänker gepostete Siebte habe ich zum Glück auch, denn momentan kann man an diese nicht ohne weiteres herankommen.
    • Es freut mich sehr, Yukon, dass die Erich Kleiber-Aufnahme bei youtube zu hören ist. Da sieht man mal, wozu das gut sein kann!!!

      Also, bei mir geht mittlerweile nix mehr über Kleiber jun. und sen. Diese Sprengkraft, die da im Finalsatz entfesselt wird...

      Dieser Spannungsaufbau, diese Steigerungen und Entladungen bis hin zum atemlosen Schluss. Das Publikum in der Münchner-Liveaufnahme von Carlos wirkt wie in Schockstarre, denn der Applaus setzt erstmal nur sehr zögerlich ein und steigert sich dann entsprechend. Bei 0815-Aufnahmen dieses Werks oder im Konzert bricht ja i.d.R. sofort begeisterter und unreflektierter Applaus los. Carlos schaffte es, das Publikum wahrhaft zu hypnotisieren. Und das war eben einmalig.