Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 7 für drei Klaviere und Orchester F-Dur KV 242 "Lodron"

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 7 für drei Klaviere und Orchester F-Dur KV 242 "Lodron"

      Das Neueste an Klatsch und Tratsch, wir sind im Salzburg des Jahres 1776. Dieser hochbegabte Komponist, Mozart heißt er, soll der Gräfin Lodron und ihren Töchtern ein Konzert geschrieben haben. Giusepina (ich glaub so heißt die Jüngere) ist noch nicht so weit, für sie hat er den Klavierpart extra einfach gesetzt.
      Wie ist die Musik?
      Am Anfang spielt nur das Orchester, Frage und Antwort, die Klaviere dann dialogisch (Mutter und ältere Tochter), manchmal auch trialogisch (sagt man so?), ein Genie ist er schon dieser Mozart, die Inspiration ist immer da (hört man), in allen drei Sätzen, Allegro, Adagio und Rondeau (Tempo di Minuetto), es heißt die Familie Lodron ist sehr angetan davon. Die Gräfin und ihre Töchter spielen besonders gern den wunderschönen zweiten Satz. Derzeit üben sie noch, sie spielen alle Sätze langsamer als vorgeschrieben. Aber wenn sie es dann beherrschen, sollte das Werk nicht einmal 25 Minuten kurz sein. Ja, es heißt, Mozart habe auch hier beschauliche, heiter-konzertante Musik komponiert (sagt man).

      Klatsch und Tratsch, 236 Jahre später: Mozart wird aus dem Konzert Nr. 7 F-Dur für drei Klaviere und Orchester KV 242 später die dritte, leichte Klavierstimme eliminieren und es bei einem dazu umgearbeiteten Doppelkonzert belassen. Musikalisch ambitionierte deutsche Bundeskanzler des 20. Jahrhunderts etwa sind aber froh, dass es die Fassung für drei Klaviere weiterhin gibt.



      Die Aufnahme mit den New Yorker Philharmonikern, Leonard Bernstein (Dirigent und drittes Klavier), Arthur Gold und Robert Fizdale (CD Sony SMK 60598) entstand am 21.3.1968 in der Philharmonic Hall (nun Avery Fisher Hall) im Lincoln Center (New York City). Dem Schreiber dieser Zeilen genügt die herzliche Spielfreude dieser Aufnahme in der CD Sammlung, auch wenn eine 1981 entstandene Aufnahme mit Christoph Eschenbach, Justus Frantz und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt am dritten Klavier (am CD Cover suggerierend, letzterer wäre der musikalische Hauptprotagonist bzw. die CD auch mit dem Doppelkonzert KV 365 sei auf jeden Fall nur seinetwegen interessant) garantiert eine von mehreren profunden Alternativen wäre. Sicher haben durch diesen Werbeeffekt Leute nun Rokokomusik zu Hause, die sie sonst nicht hätten. Hat ja auch sein Gutes. (Sagt man.)



      Am Montag 30.7.2012 gibt es in BR-Klassik zwischen 15 Uhr und 16 Uhr übrigens DIESE Aufnahme des Konzerts KV 242 zu hören:



      Hier ist der Thread für dieses Konzert.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Persönlicher Höreindruck zum Konzert F-Dur KV 242 mit Alexei Lubimov und Ronald Brautigam, Hammerklavier und der Haydn Sinfonietta Wien, am dritten Hammerklavier hört man den musikalischen Leiter, den aus Wien stammenden Manfred Huss, so eine Art „Harnoncourt der Haydn Sinfonietta“. Die CD mit diesem Werk sowie zwei Aufnahmen des Doppelkonzerts KV 365 (mit unterschiedlicher Bläserbesetzung) wurde im September 2007 bei Bis veröffentlicht. Eine sehr kompakte, lebendige, durch den Klavierklang und den Klang des 1991 gegründeten Wiener Originalinstrumentenensembles „historisch“ wirkende Interpretation.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Ein weiterer persönlicher Höreindruck:



      Die Liveaufnahme des Mozart Konzerts für drei Klaviere und Orchester F-Dur KV 242 mit Martha Argerich, Paul und Rico Gulda und dem Orchestra della Svizzera Italiana unter der Leitung von Alexandre Rabinovic-Barakovsky, mitgeschnitten am 29.6.2006 beim Progetto Martha Argerich im Palazzo dei Congressi in Lugano (enthalten in der Martha Argerich 48 CD Box DGG 479 4647), kommt insgesamt kantiger und kecker daher als jene mit Arthur Gold, Robert Fizdale, Leonard Bernstein und den New Yorker Philharmonikern aus dem Jahr 1968. Das Klavierspiel ist impulsiver und kontrastiver als die deutlich ausgleichendere New Yorker Aufnahme. Der Höhepunkt ist für mich der zweite Satz. Dessen Charakter entfaltet sich erzählerischer, epischer, dramatischer, facettenreicher – da tut sich das Wunder eines Mozart-Seelendramas auf. Im dritten Satz blitzt zunächst in einer Solopassage ein Zitat aus Friedrich Guldas Cellokonzert heraus, ehe später auch Mozarts Konzert KV 467 (2. Satz) zitiert wird und man sich, aus diesem Zitat die Kadenz weiterspinnend, zu dritt in Friedrich Guldas Aria „Nina Carina“ verliert, eine Reverenz, Verbeugung, Liebeserklärung an den sechs Jahr zuvor verstorbenen Vater und Lehrer, ins Nichts entschwebend, ehe die Schlusswendung zurückruft ins Diesseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Zunächst einmal herzlichen Dank für die Eröffnung dieses Fadens, lieber AlexanderK!

      Wenn ich Deinen Eröffnungsbeitrag vielleicht in einem kleinen Detail korrigieren darf:

      AlexanderK schrieb:

      Giusepina (ich glaub so heißt die Jüngere) ist noch nicht so weit, für sie hat er den Klavierpart extra einfach gesetzt.
      Nach allen mir zur Verfügung stehenden Quellen (CD-Booklettexte, de.wikipedia.org/wiki/7._Konze…BCr_drei_Klaviere_(Mozart) , ferner Marius Flothuis, Mozarts Klavierkonzerte - Ein musikalischer Werkführer, 2. Auflage 2008, S. 26) hieß die damals (1776) elfjährige Tochter der Gräfin Antonia Lodron, für die Mozart den recht simplen dritten Klavierpart schrieb, Josepha (nicht Giusepina). Den zweiten Klavierpart komponierte Mozart für die damals 13-jährige Tochter Aloisia, die offensichtlich so große Fortschritte im Klavierspiel gemacht hatte, dass ihr ein der ersten Klavierstimme (den die Gräfin spielte) ebenbürtiger Part zuteil wurde.

      Auf 3Sat gab es kürzlich eine Aufzeichnung vom Verbier Festival 2015 zu sehen, in welcher Daniil Trifonov (Primo), Denis Matusev (Secondo) und das Verbier Festival Orchestra unter der Leitung von Valery Gergiev, der auch den dritten Klavierpart übernahm, die Fassung von 1776 für drei Klaviere und Orchester aufführten. Das hat mir eine Menge Spaß gemacht. Gergiev hatte dieses Video bereits 2015 auf seine Facebook-Seite gestellt, wo ich es jetzt allerdings nicht mehr auffinden kann. Von dort ist es aber auf YouTube kopiert worden, zu sehen unter youtube.com/watch?v=kAo2UoY3Nzs

      Wenn ich mir meinen DVD-Mitschnitt der 3Sat-Sendung mit Trifonov & Co. anhöre und nach diesem vor Lebendigkeit nur so sprühenden, im Tempo beherzten Musizieren anschließend die Einspielung der 1779 entstandenen Version für zwei Klaviere und Orchester mit Leon Fleisher (Primo), seiner Ehefrau Katherine Jacobson Fleisher (Secondo) und dem von Leon Fleisher geleiteten Stuttgarter Kammerorchester (rec. Stuttgart 16.-19.7.2008)

      zum Vergleich anhöre, bin ich in einer vollkommen anderen Welt. Hier regiert dann bei den Pianisten doch eher Betulichkeit, die man mit den Worten der Amazon-Kundenrezensenten von mir aus "tiefe Ruhe", "ergreifender Tiefsinn" oder "Versenkung" nennen mag. Ich persönlich empfinde dieses Mozart-Spiel, dem sich auch das denkbar lahme Orchester anpasst, dann doch eher als langweilig.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)
    • music lover schrieb:

      Josepha (nicht Giusepina)
      ob man den Namen nun italienisch spricht/schreibt oder anders, war zu der Zeit vielleicht noch nicht so entscheidend und auch gewissen Moden unterworfen..
      Ich denke, man kann schon davon ausgehen, daß es sich um dieselbe Person handelt :D
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • philmus schrieb:

      ob man den Namen nun italienisch spricht/schreibt oder anders, war zu der Zeit vielleicht noch nicht so entscheidend und auch gewissen Moden unterworfen..
      D'accord - der englischsprachige Wikipedia-Eintrag nennt sie daher auch "Giuseppa" (s. en.wikipedia.org/wiki/Piano_Concerto_No._7_(Mozart) ). Aber "Giusepina" klingt in meinen Ohren dann doch eher nach Josephina, nicht nach Josepha.

      Übrigens sehe ich gerade, dass mein obiger Link zum deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag auf eine Seite führt, nach der es diesen Eintrag angeblich nicht gibt. Dabei gibt es ihn - unter genau der URL, die ich oben hineinkopiert habe! Merkwürdig ?( (Edit: Und der Link zum englischsprachigen Eintrag in diesem Posting führt auch nur auf Umwegen dorthin).

      Na, wie auch immer. Hauptsache, es kommt ein bisschen Leben in diesen schönen Faden von Alexander.
      Information ist nicht Wissen, Wissen ist nicht Weisheit, Weisheit ist nicht Wahrheit, Wahrheit ist nicht Schönheit, Schönheit ist nicht Liebe, Liebe ist nicht Musik. Musik ist das Beste.
      (Frank Zappa)