Joseph Haydn: Symphonie D-Dur Hob.I:73 (Huss 77) „La Chasse“

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    • Joseph Haydn: Symphonie D-Dur Hob.I:73 (Huss 77) „La Chasse“

      Joseph Haydns Symphonie D-Dur Hob.I:73 (Huss 77) „La Chasse“ („Die Jagd“) aus dem Jahr 1781 dauert, spielt man sie mit allen Wiederholungen, etwa 25 Minuten lang.

      Was man so mit CD Beiheft, Reclam Konzertführer und Anhören mitschreibt, um bei Capriccio den Faden dafür zu finden...

      Der erste Satz beginnt mit einer Adagio-Einleitung. Das Pochen im anschließenden Allegro-Hauptsatz kann (zumindest bietet Reclams Konzertführer, Ausgabe 2001, dies an) als Vorwegnahme des Spottchors aus Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ angesehen werden.
      Das marschartige Andante des zweiten Satzes ist ein ausgebautes Orchesterarrangement von Haydns etwa eineinhalb Minuten kurzem Klavierlied „Gegenliebe“.
      Im Menuett des dritten Satzes mag man auf die chromatischen Linien achten, beim Trio auf die „Duette“ mit Oboe und Fagott.
      Das Finale („La Chasse: Presto“) entstand bereits 1780 als Ouvertüre zur Oper „La fedeltà premiata“ und wird hier zum Finalsatz der Symphonie umfunktioniert. Die jeweiligen Neuansätze dieses Satzes wirken auch mehr wie der Beginn einer Lustspielouvertüre. Die Hörner bringen das Jagdelement ins Spiel. Dies ist wieder ein Haydn-Finalsatz voller inspirierter Überraschungen, es lohnt, sich da hineinfallen zu lassen. Etwas unerwartet mag der ruhige Schluss des Werks anmuten.

      Was einem so beim Anhören einer Aufnahme individuell in den Sinn kommt...



      Nikolaus Harnoncourt hat die Symphonie mit dem Concentus Musicus im Dezember 1992 im Casino Zögernitz in Wien aufgenommen (5 CD Box Teldec 2564 69650-6). An früheren Werken legte Harnoncourt in seiner Diskografie die Symphonien 6 bis 8, 30, 31, 45, 53, 59, 60, 68 (diese mit dem Concertgebouw Orkest) und 69 vor. Hat man all diese Werke vor Hob.I:73 gehört, wirkt diese wie ein Ziel, wie die Ankunft in der Ausgewogenheit der großen klassischen Symphonien. Alles davor war mehr oder weniger Experiment, Ausprobieren, Ausloten. (Haydns Kompositionsphase um 1770 wird in Biografien auch explizit als seine „Sturm und Drang“ Periode bezeichnet.) Diese D-Dur Symphonie wirkt völlig ausgereift. Harnoncourt legt wie immer Wert auf das erzählerische Potential des Werks. Das Menuett schwankt zwischen höfischem Tanz und Bauerntanz (irgendwie für ersteres „zu derb“, für zweites „zu seriös“). Die wunderschöne, große, farbige Musik des Finalsatzes geht besonders zu Herzen.



      Das Lied „Gegenliebe“ kann man etwa aus einer CD Box mit Elly Ameling und Jörg Demus hören, erstveröffentlicht 1980 (Decca, nun Brilliant Box 93768). Hörprobe CD 3 Titel 6 (fast das ganze Lied).

      Hier ist der Faden für Haydns Symphonie D-Dur Hob.I:73.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Ich hörte mir nun besagte Sinfonie an. Und zwar mit dem Österreich-Ungarischen Haydn Orchester unter der Leitung von Adam Fischer.


      (1997)
      Die Spielzeiten ohne Wiederholungen: 6:57/5:09/2:41/4:43

      Das Orchester musiziert sehr beschwingt. Die Instrumente kommen schön zum Klingen. Der erste Satz ist sehr solide und konzentriert gespielt, die Musik wirkt durchaus munter. Das Andante ist sehr melodisch und zart. Im anschließenden Menuett kommt dem höfischen Tanz gut Nahe. Das Finale, als Höhepunkt, kommt als Kontrast zu den vorigen Sätzen rasant daher galoppiert. Mitreißend musiziert. Gefällt mir sehr gut. Durch das fehlen der Wiederholungen kommt mir die Sinfonie aber etwas kurz vor. Insgesamt ist es eine solide und klanglich saubere Einspielung.

      :wink:
    • Der Beiname "Jagd"/La Chasse bezieht sich nur auf das Finale. Es ist keine Programmsinfonie (wie vielleicht die "Tageszeiten"), insofern sollte man von den anderen Sätzen keine "Jagdstimmung" erwarten.
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)