Pauschale Diskriminierung (ost-)asiatischer Musiker im "Klassik-Betrieb"

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    • Dass an den Musikhochschulen, bei den Wettbewerben und bei der Besetzung der knapper werdenden Orchesterstellen die zunehmende internationale Konkurrenz nicht nur auf Gegenliebe stößt, kann ich nachvollziehen. Vor 100 Jahren waren es ausschließlich weiße, europäische Männer, die diesen Kuchen unter sich aufteilen konnten. Das sieht heute ganz anders aus - sicher nicht zum Schaden der Musik. Gut wäre natürlich, wenn zum Beispiel auch in Asien Orchester und damit auch Arbeitsmöglichkeiten geschaffen würden, auf die sich dann auch Europäer bewerben können. Ob das jetzt schon der Fall ist, weiß ich nicht,

      Dass mittlerweise auch in Asien die europäische klassische Musik sehr geschätzt wird, gefällt mir gut. Vielleicht wird man in 100 Jahren in China mehr Bach hören als in Deutschland. Solange Bach überhaupt gehört wird, soll es mir recht sein - wenn wir unser eigenes kulturelles Erbe nicht oder jedenfalls nicht mehr so wie früher zu schätzen wissen, sollten wir froh sein, wenn es andere tun.

      Gruß, Carola
    • Carola schrieb:

      Gut wäre natürlich, wenn zum Beispiel auch in Asien Orchester und damit auch Arbeitsmöglichkeiten geschaffen würden, auf die sich dann auch Europäer bewerben können. Ob das jetzt schon der Fall ist, weiß ich nicht,


      Ein europäischer Freund von mir hat längere Zeit beim Malaysian Philharmonic Orchestra in Kuala Lumpur gespielt. Die haben in mehreren europäischen Städten Vorspiele abgehalten, und so einen Teil ihrer Orchestermusiker nach Malaysia geholt. Gut bezahlt wurde auch. War auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung für ihn.

      :wink: Talestri
      One word is sufficient. But if one cannot find it?
      Virginia Woolf, Jacob's Room
    • Carola schrieb:

      sicher nicht zum Schaden der Musik. Gut wäre natürlich, wenn zum Beispiel auch in Asien Orchester und damit auch Arbeitsmöglichkeiten geschaffen würden, auf die sich dann auch Europäer bewerben können. Ob das jetzt schon der Fall ist, weiß ich nicht,


      Das ist schon so. Obwohl es in europa jede Menge tolle südkoreanische Streicher gibt, sitzen in den koreanischen Orchestern jede Menge Ausländer, meist aus Osteuropa- Russen, Rumänen, Tschechen.
      Viele der Südkoreaner/innen trauen sich nämlich nicht wieder zurück, wenn sie nicht die grosse Karriere gemacht haben und spielen dann lieber hier im Orchester.

      Gruss

      Syrinx
      Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen, Wenn es nicht aus der Seele dringt Und mit urkräftigem Behagen Die Herzen aller Hörer zwingt.
      Goethe, Faust 1
    • Nur mal als provozierende These in den Raum geworfen, ich bitte, mich nicht gleich zu steinigen; soll nur zum Diskurs einladen.

      Vielleicht liegt das anfangs umrissene Pauschalurteil auch daran, dass die Marketingmaschinen der großen Labels oft 'die Falschen' hochjubeln und als "die Entdeckung aus Fernost" vermarkten, und dabei die zahlreichen hervorragenden Künstlerinnen und Künstler, die wirklich zum positiven Image beitragen könnten, einfach übergangen werden, weil sie eben nicht so hipp, jung und telegen für das "junge, breite Publikum" sind? Ich will dabei gar nicht zu sehr auf einzelne Namen eingehen, jede(r) darf sich das Seine denken.

      Die Macht des massenwirksamen Marketings darf man nicht unterschätzen. Keine der Bach-Kantaten oder Cello-Suiten ist je bei "Wetten Das" gewesen...
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Eine Frage stelle ich mir allerdings schon: Wenn ca. 60% der Wettbewerbsfinalisten in allen grossen Gesangswettbewerben Ost-Asiaten sind (ich denke, dass ist eher vorsichtig geschätzt), wieso fällt mir dann spontan kein einziger ost-asiatischer Opernstar der allerersten Reihe ein? Ja natürlich, in Bayreuth singen gerade wieder Kwangchoul Youn und Samuel Youn in nicht ganz kleinen Rollen, in Salzburg bestimmt auch jemand (hm, wer z.B.?), und jedes grössere Haus hat seine Koreaner im Chor und Ensemble. Aber eine koreanische Netrebko, einen chinesischen Kaufmann etc. habe ich nicht auf dem Radar. Spielt das Aussehen so eine grosse Rolle? Oder sind die Gesangswettbewerbe alle murks, dass sie die echten Starts nicht erkennen?
    • Hallo Konrad, darf ich orthografisch korrigierend eingreifen? ( ;+) )

      Konrad Nachtigall schrieb:

      jedes grössere Haus hat seine Koreaner im Chor und Ensemble
      ....jedes grössere Haus hat seine CHoreaner im Chor und Ensemble...

      (da gab es mal zu diesem Thema einen herrrrlich geschriebenen Artikel in der Zeitung, stammt also nicht von mir)


      :wink:

      amamusica :pfeif:



      ...aber Solisten, gute Frage. Vielleicht eher an Opern im asiatischen Raum?

      Kiri Te Kanawa war jedenfalls keine Koreanerin...
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Hallo Philbert,

      Philbert schrieb:

      Zitat von »Konrad Nachtigall«
      wieso fällt mir dann spontan kein einziger ost-asiatischer Opernstar der allerersten Reihe ein?

      Sumi Jo
      :klatsch:


      Habe meinen "Lieblingslink" des " Blumenduetts " von Delibes rausgekramt, denn der koreanische Link war auf YouTube in meinen Ohren der beste:

      "http://www.youtube.com/watch?v=U4MmatVblDk&feature=related"

      Die Namen der beiden Sängerinnen hatte ich mir nicht gemerkt, aber... ...es sind

      Sumi Jo und Ah-Kyung Lee

      :rolleyes: :juhu: :rolleyes: :juhu: :rolleyes:


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • ...und die hinreißende rosa "Olympia" Kathleen Kim, die ich in einem viel viel besseren Link gehört habe als diesem (da war die ganze Oper),
      aber man kann immerhin so einiges sehen:

      "http://www.youtube.com/watch?v=eQOrz8lBcew&feature=related"

      (Immerhin, die MET)


      :wink:

      amamusica :pfeif:


      ...doch eines stimmt natürlich: Aufgrund der Statur kann man sie sich leichter als "Olympia" als als "Königin der Nacht" vorstellen
      (sofern das überhaupt die selbe Sopran-Kategorie ist)
      ...aber entsprechend geschminkt und kostümiert ließe sich doch sicher auch das hinkriegen
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Konrad Nachtigall schrieb:

      Aber eine koreanische Netrebko, einen chinesischen Kaufmann etc. habe ich nicht auf dem Radar. Spielt das Aussehen so eine grosse Rolle? Oder sind die Gesangswettbewerbe alle murks, dass sie die echten Starts nicht erkennen?
      Das ist eine interessante Frage. Im Musiktheater von heute spielt das Rollenporträt zu dem ja massgeblich das Erscheinungsbild des Darstellers gehört sicher eine grosse Rolle und da kann es in manchen sehr typisierten Rollen schon schwierig werden. Der Sänger bzw seine Herkunft könnte dann schon ein Teil des Regie-Konzepts werden.
      Andererseits haben aber auch farbige Sänger grosse internationale Opernkarrieren gemacht und niemand hat sich über Jessye Norman als Isolde mokiert. Bei entsprechender Stimmqualität wird Anderes vielleicht immer unwichtiger?

      Leporello92 schrieb:

      Mir ist es ziemlich egal, von wo ein Sänger kommt
      Mir auch, wenn die Stimme mich überzeugt und er/sie auch in der Lage ist, die Rolle auf der Bühne zu verkörpern. Wobei mir das in manchen Belcanto-Opern dann fast shcon wieder egal ist, denn ich mache, je schôner die Stimme ist, da immer mehr die Augen zu, um nur noch im Klang zu baden. :angel:

      Die hinreissende Kathleen Kim habe ich neulich live als Fée in Massenets Cendrillon erlebt- einfach umwerfend gut gesungen und wunderschônes Timbre.
      Man findet übrigens auffallend viele asiatische Koloratursoprane bei Wettbewerbsfinalen. Liegt das an Training und Disziplin der Ausbildung oder liegt dieses Stimmfach den asiatischen Damen besonders gut in der Kehle?
      Leider ist es für mich immer etwas schwierig, mir die Namen zu merken. :hide:

      Was die Leidenschaft des japanischen Bildungs-Bürgertums für klassische Musik angeht, kenne ich das aus erster Hand und mir wird dabei ganz warm udn auch etwas neidisch ums Herz. Dass es in China und Korea ähnlich sein soll, freut mich. Wenn die Europâer also keine Klassik mehr hören und diskutieren môgen, geht das Capriccio-Forum bald in Asien online?????
      :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Philbert schrieb:

      Konrad Nachtigall schrieb:

      wieso fällt mir dann spontan kein einziger ost-asiatischer Opernstar der allerersten Reihe ein?
      Sumi Jo


      Kein europäischer Opernstar der allerersten Reihe hat sich etwa meines Wissens bisher an das hier gewagt:

      "http://www.youtube.com/watch?v=ujDvdfbIXwk

      ;+) :juhu:

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Liebe FairyQueen,

      FairyQueen schrieb:

      Man findet übrigens auffallend viele asiatische Koloratursoprane bei Wettbewerbsfinalen. Liegt das an Training und Disziplin der Ausbildung oder liegt dieses Stimmfach den asiatischen Damen besonders gut in der Kehle?
      Zum einen natürlich die Tradition des Trainings, der Disziplin und der strengen und hingebungsvollen Ausbildung in diesen Ländern.

      Aber - auch ganz klar, dieses Stimmfach liegt rein "biologisch" den asiatischen Damen ganz klar besonders gut in der Kehle.
      Die Stimmbänder sind schon eher für hohe Lagen gestrickt, da habe ich auch mal einen Artikel darüber gelesen.

      Das sehe ich einfach als "biologischen Fakt" an. Unsere Körper (nicht die Gehirne oder die Gefühle !!!) sind nicht alle gleich, das kann man drehen und wenden, wie man will. Man betrachte z.B. die Olympiade und die Leichtathleten.

      ...und so etwas wie Capriccio gibt es in den asiatischen Ländern sicher auch schon längst!


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Danke für diesen Link, das ist wirklich bemerkenswert :juhu: und wirft noch einmal die Frage nach der Koloraturbegabung der Asiatinnen auf. Aber kann es sein, dass youtube eine falsche Info hat? Ist das wirklich eine Arie fûr die Giulietta-Figur???????? Und wenn ja von Sumi Yo ausgeziert oder ist das das Original?
      Falls ja, wâre der Kreis von Olympia zu Giulietta jedenfalls geschlossen und eine besetzung mit drei oder vier Stimmen kaum mehr realisabel bzw schon rein gesangstechnisch unlogisch. :fee:
      Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)
    • Konrad Nachtigall schrieb:

      Eine Frage stelle ich mir allerdings schon: Wenn ca. 60% der Wettbewerbsfinalisten in allen grossen Gesangswettbewerben Ost-Asiaten sind (ich denke, dass ist eher vorsichtig geschätzt), wieso fällt mir dann spontan kein einziger ost-asiatischer Opernstar der allerersten Reihe ein? Ja natürlich, in Bayreuth singen gerade wieder Kwangchoul Youn und Samuel Youn in nicht ganz kleinen Rollen, in Salzburg bestimmt auch jemand (hm, wer z.B.?), und jedes grössere Haus hat seine Koreaner im Chor und Ensemble. Aber eine koreanische Netrebko, einen chinesischen Kaufmann etc. habe ich nicht auf dem Radar. Spielt das Aussehen so eine grosse Rolle? Oder sind die Gesangswettbewerbe alle murks, dass sie die echten Starts nicht erkennen?
      Natürlich sind künstlerische Vorurteile gegenüber AsiatInnen in der Musik ähnlich relevant, will heißen, ebenso unsinnig wie die weiland den Schwarzen entgegengebrachten. Mit irgendwelchen genetisch eingebauten Grenzen des Talents hat das also bestimmt nichts zu tun.

      Wie schon bei farbigen Sängern, gibt es aber bei musikalischen Bühnenwerken einen Faktor, der Konrad Nachtigalls Frage beantworten hilft. Cherubino, dem ich hier vollauf beipflichten möchte, hat bereits darauf hingewiesen, und zufällig habe ich das gerade im Klassikforum anlässlich meiner Besprechung von DVDn der LUISA MILLER auch getan. Dort schrieb ich über die Aufnahme aus Lyon mit June Anderson: "Das heißt nicht, dass der Rodolfo des Japaners Taro Ichihara schlecht wäre - im Gegenteil, er meistert seine Aufgabe mehr als achtbar. Er kann auch nichts dafür, dass er ein Asiate ist und so aussieht. Ich kann aber auch nichts dafür, dass mich das permanent aus der Illusion der Handlung heraus reißt."

      Das ist in der Distanz einer Opernbühne live sicher weniger problematisch, aber wir leben nun einmal in einer Zeit, in der alle führenden Häuser Wert darauf legen, dass ihre Arbeit vom Fernsehen dokumentiert oder neuerdings auch über das Internet verbreitet wird, und deshalb auch ihre Besetzungsvorstellungen daran orientieren. Man muss schon eine Sumi Jo oder Kathleen Kim sein, die zudem schon halb Amerikanerin ist, um diese Bedenken zu überwinden, und selbst die sind in den Bildmedien weit weniger präsent als auf cd.

      Es gibt einfach zu wenige BUTTERFLYs, MISS SAIGONs oder NIXON IN CHINAs in der klassischen Musik.

      @ Fairy Queen

      die Arie der Giulietta war tatsächlich ein erster Entwurf Offenbachs für eine bestimmte, außerordentliche Sängerin. Siehe dazu die letzten Beiträge in diesem Thread: http://www.capriccio-kulturforum.de/oper/49-offenbach-les-contes-d-hoffmann-–-maerchenhafte-episoden-oder-postmodernes-drama

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • Gelten die sibirischen Musiker Denis Matsuev (Pianist, geboren in Irkutsk) und Kirill Petrenko (Dirigent, geboren in Omsk) auch als (ost-)asiatisch im Sinne dieses Threads?

      (Kirill Petrenko ist nicht zu verwechseln mit Vasilij Petrenko, der gerade den Zyklus der Schostakowitsch-Sinfonien für Naxos einspielt)

      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Noch ein zusätzlicher Gedanke:

      amamusica schrieb:

      Zitat von »FairyQueen«
      Man findet übrigens auffallend viele asiatische Koloratursoprane bei Wettbewerbsfinalen. Liegt das an Training und Disziplin der Ausbildung oder liegt dieses Stimmfach den asiatischen Damen besonders gut in der Kehle?

      Zum einen natürlich die Tradition des Trainings, der Disziplin und der strengen und hingebungsvollen Ausbildung in diesen Ländern.

      Aber - auch ganz klar, dieses Stimmfach liegt rein "biologisch" den asiatischen Damen ganz klar besonders gut in der Kehle.
      Die Stimmbänder sind schon eher für hohe Lagen gestrickt, da habe ich auch mal einen Artikel darüber gelesen.

      Das sehe ich einfach als "biologischen Fakt" an.
      ...ebenso wie andere, meist tiefere Lagen und "Spiritual"-Power sehr gerne in afro-Stimmen zu liegen scheinen.


      Ich denke, in der klassischen Musik findet zur Zeit wirklich eine ganz deutliche - sicher nicht Verlagerung, aber definitiv "Ausdehnung" -
      in den asiatischen Raum statt.

      Und dort entstehen ganz sicher, wie bereits geschrieben, viele neue Orchesterposten - auch für hiesige Musiker, wenn sie sich denn dorthin "wagen".


      :wink:

      amamusica :pfeif:
      Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
      all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

      ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
      Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...



    • Rideamus schrieb:

      Er kann auch nichts dafür, dass er ein Asiate ist und so aussieht. Ich kann aber auch nichts dafür, dass mich das permanent aus der Illusion der Handlung heraus reißt.
      Ich kann mich an den Kommentar eines Festspielbesuchers erinnern, der nicht akzeptieren konnte, daß ein schwarzer Philipp II (Simon Estes) einen weißen Don Carlos als Sohn haben konnte.
      Man hat auch leibesfüllige Schwindsüchtige gesehn, Renata Tebaldi als zierliche Cio Cio San, Anne-Sofie von Otter als Carmen, , die über 60jährige Gruberova als Lucrezia Borgia. Roberta Alexander als Jenufa, Kenneth Tarver als Don Ottavio usw usw ...
      In Augsburg habe ich eine Traviata mit einem Alfredo aus dem Fernost erlebt. In Hamburg hat Hellen Kwon nicht nur als Blondchen ihr Publikum begeistert ...

      Wenn man im Theater sitzt, läßt man sich auf so etwas ein. Das heißt "suspension of disbelief". So etwas gab's sogar schon vor der Erfindung des Regietheaters.

      Rideamus schrieb:

      Es gibt einfach zu wenige BUTTERFLYs, MISS SAIGONs oder NIXON IN CHINAs in der klassischen Musik.
      Und zu wenige Aidas oder Bess's für schwarze Sängerinnen ?

      Hättest Du auch gegen Grace Bumbry als Venus protestiert oder gegen Victoria de los Angeles, die sich erdreistet hatte, keine blondhaarige Elisabeth zu sein ?
      Alles, wie immer, IMHO.
    • ---offtopic----

      FairyQueen schrieb:

      Ist das wirklich eine Arie fûr die Giulietta-Figur???????? Und wenn ja von Sumi Yo ausgeziert oder ist das das Original?
      Falls ja, wâre der Kreis von Olympia zu Giulietta jedenfalls geschlossen und eine besetzung mit drei oder vier Stimmen kaum mehr realisabel bzw schon rein gesangstechnisch unlogisch. :fee:


      Liebe Fairy Queen,

      ja, das ist tatsächlich Offenbachs Original, und zwar die (chronologisch) zweite Fassung für die Giulietta-Arie. Offenbach kam in den letzten Jahren vor seinem Tod ja kaum noch damit nach, die Tessituren der Partien an die Umbesetzungen der Intendanten anzupassen, und damals war gerade eine erstklassige Koloratursopranistin als Besetzung für die vier Geliebten vorgesehen. (In der selben Entstehungsphase, aus der diese Arie datiert, wurde auch die Olympia-Arie hinauftransponiert, wo sie bis heute verblieben ist, die war zuerst nämlich auch tiefer.)

      Jedenfalls war es Offenbachs erklärtes Ziel, nur eine Sängerin für die vier Geliebten zu besetzen, weswegen er immer alle Arien und Duette umkomponierte. Die herkömmliche Aufführungspraxis nimmt aber die Olympia aus der Koloratursopran-Phase, die Antonia aus der Lirico-Spinto-Phase und die Giulietta in einer korrumpierten posthumen Fassung (heutzutage evt. noch ergänzt um die tiefste Version der Giulietta-Arie, wie in Salzburg 2003) und behauptet dann, dass die Rollen so unterschiedliche Anforderungen hätten, dass man sie unmöglich von einer einzigen Sängerin singen lassen könne.

      Zu den anderen Fassungen dieser Arie gibt es im von Rideamus verlinkten Thread noch weitere Erklärungen und Hörbeispiele. Hier kann man sich die Noten von allen vier Fassungen bestellen: "http://www.schott-music.com/shop/1/show,136709.html

      Liebe Grüße,
      Areios

      ---/offtopic---
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Philbert schrieb:


      Hättest Du auch gegen Grace Bumbry als Venus protestiert oder gegen Victoria de los Angeles, die sich erdreistet hatte, keine blondhaarige Elisabeth zu sein ?
      Ich hätte nicht nur nicht gegen Grace Bumbry als Venus oder Camen protestiert, ich habe es tatsächlich keine Sekunde lang getan, als das damals Furore machte, was ich durchaus schon mitbekam. Abgesehen davon, kommt mir eine schwarze Venus überhaupt nicht als ein Fall vor, bei dem man den Unglauben beurlauben muss. Seltsamerweise trifft das schon darauf zu, dass ich Opern mag, obwohl die Zahl meiner Erlebnisse, in denen normale Menschen sich nur singend ausdrücken, ziemlich begrenzt ist.

      "Suspension of disbelief" funktioniert auf der Bühne auch bei mir sehr gut. Deine überflüssige Polemik verliert aber da an Schärfe, wo man es mit einem Medium zu tun hat, das beansprucht, als realitätsnahe Fiktion anzukommen. Der Grat zwischen der Dokumentation einer Opernaufführung und dem Bestreben, überzeugend wie eine Opernverfilmung zu wirken, ist ein schmaler, aber es gibt ihn. Mit der möglichen Ausnahme von Kiri Te Kanawas Elvira und Placido Domingos Otello, der ja traditionell schwarz geschminkt auftritt,fällt mir jedenfalls keine Opernverfilmung der letzten vier Jahrzehnte ein, in der gegen die allgemeine Vorstellung von dem Aussehen der jeweiligen Hauptperson besetzt wurde.

      Im übrigen bin ich durchaus in der Lage, von Fall zu Fall zu differenzieren, also habe ich ebenso wenig etwas gegen Mirella Freni als Cio-Cio-San wie gegen Sumi Jo als Gräfin im COMTE ORY von Orange, und auch der schwarze Prinz Lawrence Brownlee in der Met-CENERENTOLA mit Elina Garanca stört mich kaum (und überhaupt nicht wegen seiner Hautfarbe).

      Als Liebhaber der, ohnehin schon sehr amerikanischen, wiewohl großartigen June Anderson in einer realistisch wirken wollenden Inszenierung der LUISA MILLER, die in den Tiroler Alpen angesiedelt ist, überfordert mich aber ein japanischer Rodolfo, und wenn das auch absolut nicht politisch korrekt ist, so wäre es doch noch unkorrekter, meine Reaktion zu leugnen.

      Wenn also ein Intendant mit Blick auf eine eventuelle TV-, DVD oder Internetauswertung auch das Aussehen seiner Protagonisten berücksichtigt, was ja jetzt schon zu einem drastischen Rückgang an massigen Gesangsstars geführt hat, so mag das noch so diskriminierend und ungerecht sein - es ist leider auch ein ökonomisch relevanter Faktor, den man nicht ignorieren sollte. Es geht hier nämlich nicht um mich, sondern darum, dass ich alles andere als einzigartig bin.

      Im übrigen geht es in meiner Argumentation nur um den Versuch einer Erklärung, warum es so wenige asiatische Gesangsstars gibt, obwohl sie immer häufiger bei Wettbewerben absahnen. Deine Mahnung zur politischen Korrektheit ist da wenig zielführend.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung