Pauschale Diskriminierung (ost-)asiatischer Musiker im "Klassik-Betrieb"

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    • Meine Lieben!

      In einer der Tosca Aufführungen, die ch an der WStO erlebte sang Alfred Kim den Cavaradossi und es hat mich nicht gestört, dass er Koreaner ist, das ist er hat wohl, aber er hat mit Martina Serafin wunderbar harmonisiert, dass er ein wenig kleiner war hat mich gar nicht gestört, er sang als Tenor auch Tenor und das war später eher selten. da hat mich Lucio Gallo als Scarpia schon mehr iritiert, der nur herumhüpfte.

      Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Rideamus schrieb:

      Deine Mahnung zur politischen Korrektheit ist da wenig zielführend.
      Das hatte nichts mit politischen Korrektheit zu tun. Für mich ist suspension of disbelief das gleiche, ob ich eine wohlernährte Anna Netrebko oder die schwarze Barbara Hendricks in einer Verfilmung von La Bohème sehe. Oder ob ich in den Tiroler Alpen einen japanischen Rodolfo oder einer Latino Tonio in La fille du Régiment (J.D. Flórez) sehe.

      Kenneth Branagh hat auch Denzel Washington in seiner Verfilmung von Viel Lärm um Nichts eingesetzt.
      Alles, wie immer, IMHO.
    • Also, eine Sumi Jo oder ein Alfred Kim sind sicher gute Sänger, aber was die mediale Vermarktung angeht, gehören sie sicher nicht zur ersten Garde. Angesichts der Wettbewerbserfolge und des rapide wachsenden Heimatmarktes müsste man ja erwarten, dass sich die grossen Labels nur so auf diese Sänger stürzen - was nicht der Fall ist. Machen wir es mal konkret: Beim Wettbewerb Neue Stimmen 1989 waren die Preisträger:

      1. Preis: Vesselina Kasarova
      2. Preis: René Pape
      3. Preis: Bernard Lombardo

      20 Jahre später, im Jahr 2009 wurden ausgezeichnet:

      1. Preis: Eunju Kwon
      2. Preis: Kihwan Sim
      3. Preis: JunHo You

      Glaubt ihr, dass man einen dieser drei Namen in 20 Jahren noch kennt? Ich würde nicht unbedingt darauf wetten, ich weiss aber auch nicht, woran es liegt.

      (Kihwan Sim hat es immerhin ins Frankfurter Ensemble geschafft, Eunju Kwon ist wohl in Mannheim engagiert. Wie gesagt, den Sprung ins Ensemble schaffen noch recht viele Asiaten. Aber in die erste Reihe treten halt doch wenige - alles Diskriminierung?)

      EDIT: JunHo You ist wohl an der Volksoper in Wien. Also haben alle drei die erste, schon sehr hohe Hürde geschafft, den Sprung ins Festengagement. Aber was kommt dann?
    • Konrad Nachtigall schrieb:

      Also, eine Sumi Jo oder ein Alfred Kim sind sicher gute Sänger, aber was die mediale Vermarktung angeht, gehören sie sicher nicht zur ersten Garde. Angesichts der Wettbewerbserfolge und des rapide wachsenden Heimatmarktes müsste man ja erwarten, dass sich die grossen Labels nur so auf diese Sänger stürzen - was nicht der Fall ist.


      Also wenn es massig Recital-CDs wie die folgenden am Markt gibt, würde ich schon von medialer Vermarktung sprechen, auch wenn es natürlich nicht das Niveau eines Netrebko-Hypes erreicht:




      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Ich komme erst jetzt dazu, auf Chris Posting (Nr. 2) zu antworten

      Hallo Chris,

      meine ganz persönlichen Erfahrungen, die ich in den vergangenen Jahrzehnten mit Ostasiaten machen durfte, sind schon der Natur, dass sie in ihrer Erziehung sehr von Zurückhaltung geprägt sind. Das Denken und auch das offene Ausleben von Emotionen gehört nicht zu den Merkmalen in asiatischen Gesellschaften. Es öffnet sich im Kontakt mit, sagen wir mal, Europäern erst nach und nach. Meine Erfahrungen diesbezüglich beziehen sich auf viele Aufenthalte in Ostasien (Japan, Malasya, China...). In all den Jahren hatte ich hier bei mir zu hause auch viele Ostasiaten beherbergt. Meine Einschätzung ist also ganz persönlicher Natur. Selbst in Gesprächen mit asiatischen Musikern, die schon Jahre hier Leben, äußern sich diese selbst skeptisch, wenn sie an eine Rückkehr in ihre Heimat denken. Ich meinte dieses und ähnliches Verhalten mit dem „Wesen Asiens“.

      corda vuota
    • Ich habe die ostasiatischen Studentinnen in den 1960er -1970er Jahren als Studentinnen und in späteren Jahren auch MusikerInnen sehr verschieden erlebt. Zunächst waren da in unserem Studentinnenheim, in Köln viele Japanerinnen, Indonesierinnen später kamen Koreanerinnen und (Taiwan-)Chinesinnen hinzu. Die waren jedoch alle so verschieden voneinander wie die anderen auch. Da gab es sehr temperamentvolle, extrovertierte und stille, introvertierte, also auch ein ganz persönlicher Eindruck. Deshalb meine ich, dass es ein ostasiatisches Wesen ebensowenig gibt, wie ein deutsches, französisches oder was auch immer.

      Dass sie oft beim Gedanken an ihre Heimkehr skeptisch sind, kann ich gut verstehen, sie waren z.T. länger hier und manches hat besser gefallen, auch die Berufsaussichten waren damals in Europa ganz gut. Und für eine Ausbildung weggehen aus einer Umgebung und nicht berühmt, ohne Karriere zurückkommen ist für manche schwierig, auch bei uns. Die meisten (japanischen) Musikstudentinnen, die ich erlebt habe, sind Dozentinnen an Universität oder Musikschulen geworden, wenn sie zurückgingen. Die hier geblieben sind, meist mit einem Deutschen verheiratet, spielten in Orchestern oder arbeiteten an Musikschulen (wenn sie inzwischen nicht längst pensioniert sind).


      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Ich bin in der Tat überrascht über die Vielzahl von Solo-Aufnahmen von Sumi Jo, ich hatte sie nicht so prominent in Erinnerung. Na immerhin eine, die es geschafft hat. :)

      Gerade gesehen: Sumi Jo und Alfred Kim gibt es demnächst beide in einer Vorstellung - in Paris, und ratet mal in welchen Rollen? Als Ehepaar Mao in Nixon in China. Aber das wurde natürlich aus rein stimmlichen Gründen so besetzt... Naja, immerhin mal positive Diskriminierung.
    • Konrad Nachtigall schrieb:

      Also, eine Sumi Jo oder ein Alfred Kim sind sicher gute Sänger, aber was die mediale Vermarktung angeht, gehören sie sicher nicht zur ersten Garde. Angesichts der Wettbewerbserfolge und des rapide wachsenden Heimatmarktes müsste man ja erwarten, dass sich die grossen Labels nur so auf diese Sänger stürzen - was nicht der Fall ist.

      Nun, diesen Vorwurf finde ich ein Bisschen unfair. Es gibt vielleicht fünf oder zehn Opernstars, die wirkliche Weltstars sind und mit einem entsprechenden Hype vermarktet werden, Sänger(-innen) wie Netrebko, Garanca, Villazon oder Kaufmann. Ich würde dir durchaus zustimmen, dass im Moment kein koreanischer Opernsänger zu dieser Handvoll Weltstars gehört. Aber es gehört auch niemand aus der Schweiz, Schweden oder Weißrussland zur ersten Garde, was die mediale Vermarktung angeht, niemand aus Griechenland, Kanada oder Chile. Trotzdem würde niemand von einer pauschalen Diskriminierung weißrussischer, schwedischer oder chilenischer Opernsänger sprechen. Der Hype der medialen Vermarktung bringt es eben mit sich, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl an Sängern auf diese Art vermarktet werden kann.
      Kurz gesagt: Man darf eben nicht nur auf die fünf oder zehn medial besonders vermarkteten Sänger gucken, sondern muss auch die breite Basis sehen.
      Die erwähnten Namen von z. B. Sumi Jo und Kwangchoul Youn zeigen aber, dass koreanische Sänger inzwischen durchaus an der Spitze der internationalen Sängerelite angekommen sind. Wie breit die Basis inzwischen ist, zeigt ja dein Beispiel vom Wettbewerb "Neue Stimmen".

      Konrad Nachtigall schrieb:

      (Kihwan Sim hat es immerhin ins Frankfurter Ensemble geschafft, Eunju Kwon ist wohl in Mannheim engagiert. Wie gesagt, den Sprung ins Ensemble schaffen noch recht viele Asiaten. Aber in die erste Reihe treten halt doch wenige - alles Diskriminierung?)

      Alle drei ersten Plätze beim Wettbewerb gingen an Koreaner. Auf der Ebene der Anfänger haben wir also in diesem Fall nur koreanische Sänger - Diskriminierung sieht anders aus. Die schaffen es, wie die drei genannten Namen zeigen, auch ins Festengagement. Wenn man sich die Ensembles kleiner und mittlerer deutscher Opernhäuser ansieht, so sind die Koreaner da sehr sehr stark vertreten. Mein Beispiel aus Detmold ist inzwischen veraltet, mit Beginn der neuen Spielzeit sind drei von vier Mitgliedern des Opernstudios Koreaner - an der Basis des Kulturbetriebs ist also von Diskriminierung nichts zu spüren. Aus diesem Ensembletheater erwächst dann die Prominenz für die großen Häuser und die internationalen Festivals. Auch den Weg haben viele Koreaner inzwischen geschafft, es wurden schon die Bayreuther Festspiele genannt, bei denen in diesem Jahr mit Samuel Young und Kwangchoul Youn zwei koreanische Sänger Hauptrollen gesungen haben. Der "lange Weg durch die Instanzen" von der Musikhochschule bis zu großen Festivals ist in Deutschland also ohne Probleme möglich und wenn man sich ansieht, wie stark die Koreaner an den Musikhochschulen und bei den Wettbewerben vertreten sind (siehe das Beispiel von den "Neuen Stimmen"), gehört nicht viel Prophetie dazu, vorherzusagen, dass in Zukunft immer mehr Sänger auch den Durchbruch an die großen Häuser und Festivals schaffen werden. Das ist eine Umbruch-Bewegung, die gerade mitten im Schwunge ist.
      Ich kenne nur die Situation in Deutschland wirklich, Sänger wie Youn und Young sind ja aus dem deutschen Repertoiretheater hervorgegangen. In den USA scheint die Lage aber ähnlich zu sein, Sopranistinnen wie Kathleen Kim und Hei-Kyung Hong, seit fast dreißig Jahren eine wichtige Stütze im Ensemble der Met, sprechen dafür.

      Kihwan Sim, ein noch ganz junger Bassist, habe ich übrigens vor ungefähr einem halben Jahr als Solist im Verdi-Requiem mit dem LJO gehört. Das ist ein fantastischer Sänger mit einer vollen runden Stimme von besonderer Schönheit. Dem wünsche ich nach diesem Live-Erlebnis sehr, dass er Karriere macht. Ein Festengagement in Frankfurt ist dafür ja schon mal ein guter Anfang...
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • amamusica schrieb:

      So, gefunden! Allerdings in der Tat nicht als CD, nur als DVD



      (Aber das gehört wohl eher in den Spezial-Thread, und da ist dies wohl eh schon längst, habe noch gar nicht kontrolliert)


      :wink:

      amamusica :pfeif:


      Ist DVD + CD!

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Junge Musiker/innen aus Asien

      Ich sehe (und höre) bei Wettbewerben immer wieder, wie junge Asiat/innen ganz vorne mitspielen - und dies nicht deswegen weil es ihnen - wie man gerne unterstellt - nur um die olympische Goldmedallie in Spieltechnik ginge.
      Und ich bin sehr froh darüber. Denn, ich schäme mich das konstatieren zu müssen, ohne die Ausbreitung unserer klassischen Musik in andere Erdteile würde sie bei uns binnen weniger Jahrzehnte komplett von der Pop+Trivialmusik zu Tode gestampft worden sein.

      Gerade vor 2 Wochen zB habe ich diese Pianistin, die in Karlsruhe bei Sontraud Speidel studiert, mit Schuberts A Dur Sonate (D. 959) gehört:
      "http://www.youtube.com/watch?v=QUx7LukzK3c"
      "http://www.youtube.com/watch?v=fXC31cOPQdg"
      "http://www.youtube.com/watch?v=OWwIBu0rQ_0"
      "http://www.youtube.com/watch?v=xgO2Mkd1aOI"

      Wer hier noch von "Musikautomaten" spricht, der hat selbst kein musikalisches Empfinden.

      [Lieber Holzbock, die gute Absicht war erkennbar (Anführungszeichen gesetzt), dennoch waren die Links "scharf" (ich habe sie deaktiviert). Näheres hier. Noch Fragen? Gern hier: FAQ zu den FAQ. :gurni: Gurnemanz]
      Eins zwei drei, im Sauseschritt, eilt die Zeit - wir eilen mit. Wilhelm Busch

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Holzbock ()

    • Gerade entdeckt: Ein interessanter Artikel, der sich genau mit der Frage dieser Diskussion hier beschäftigt: niusic.de/artikel/suedkorea-ard-musikwettbewerb
      Die reinen Zahlen lassen zumindest nicht erkennen, dass ostasiatische Musiker unterrepräsentiert wären: "Jede dritte Bewerbung im Fach Gesang kam beim diesjährigen ARD-Musikwettbewerb aus Südkorea. Mit 88 Bewerbungen toppten die Südkoreaner damit sogar die Anzahl der Deutschen, die ein gutes Fünftel ausmachen. Zugelassen wurden von der Jury 17 Südkoreaner und 12 Deutsche – zusammen die Hälfte aller Wettbewerbsteilnehmer in dieser Kategorie".
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde