Frank Martin: GOLGOTHA (1945-48) - Ein Oratorium zur Passion Christi

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    • Frank Martin: GOLGOTHA (1945-48) - Ein Oratorium zur Passion Christi

      Im Jahre 1945 sah Frank Martin in einer Ausstellung das Bild "Die drei Kreuze" (1653) von Rembrandt, ein Kupferstich, den dieser in fünf Varianten gedruckt hatte. Dieses Bild sah sich Martin mehrmals an und ließ sich dadurch zu seinem dritten geistlichem Werk - dem Oratorium Golgotha - inspirieren. Bereits 1922 hatte er eine Messe für zwei vierstimmige Chöre komponiert, und 1944 folgte die Auftragsarbeit In Terra Pax für das Schweizer Radio.

      Martin benötigte drei Jahre für die Komposition. Er wählte selbst die Texte aus, wobei er Textstellen aus den Psalmen und den Evangelien mit denen von Augustinus (354-430) kombinierte. Sie sind in zehn Bildern angelegt und erzählen die Ereignisse von Jesus' Einzug in Jerusalem bis zu seiner Auferstehung.

      Teil 1:
      I. Einleitungschor: "Vater! Vater"
      II. Palmfest
      III. Die Streitrede im Tempel
      IV. Das Heilige Abendmahl
      V. Gethsemane

      Teil 2:
      VI. Meditation
      VII. Jesus vor dem Hohen Rat
      VIII. Jesus vor Pilatus
      IX. Golgotha
      X. Die Auferstehung


      Gesetzt ist das Werk für fünf Solisten (Sopran, Alt, Tenor, Bariton und Baß), gemischter Chor, Orgel und Orchester. Die Aufführungsdauer beträgt rund 90-100 Minuten; gesungen wird in französischer Sprache. Uraufgeführt wurde Golgotha am 29. April 1949 in Genf.


      Martin bringt hier seine eigene Sicht zum Passionsgedanken zum Ausdruck. Er sieht sich dabei durchaus in einer Tradition zu dem von ihm verehrten Bach und seinen Passionen, ohne jedoch diesen komplett zu imitieren. Er reduziert die rund zwanzig Bilder der Passionsgeschichte auf gerade mal sieben und konzentriert dabei das Geschehen komplett auf Jesus.

      Seine musikalischen Mittel unterstützen den Wortlaut des Textes mit einer tonalen Dramatik, ohne jedoch ins Schwärmerische oder Konventionelle zu verfallen. Martin gelingt eine besondere Gratwanderung zwischen den Stilen von Oper und Passion, um seine Gedanken zum Glauben an Christus zu formulieren. Mich beeindruckt die Dramatik und die Effektivität, wie er seine Bilder in Musik transponiert und dabei stets den Erzählbogen weiterführt.

      Das ist definitiv ein großartiges Werk.


      Die Diskographie ist recht kurz:


      Robert Faller 1968


      Hayko Siemens 1988


      Michel Corboz 1994


      Herbert Böck 1998


      Ulf Schirmer 2002


      Alois Koch 2004


      Daniel Reuss 2010

      Ich persönlich besitze die letzte von Daniel Reuss, und ich muß sagen, es ist eine klasse Aufnahme. :thumbsup:


      Links:
      "http://www.rsh-duesseldorf.de/uploads/tx_ctsevents/Golgotha_reihenfolge.pdf"
      "http://www.universaledition.com/Frank-Martin/komponisten-und-werke/komponist/456/werk/2667"
      "http://bachverein.de/fileadmin/ressourcen/Golgotha-lange_Version.pdf"
      "http://www.rkv.ch/archiv/mgd-pdf/08_mgd/083_martin-golgotha.pdf"
      "http://www.uni-leipzig.de/ru/bilder/passion3/rembrat1.htm" [Die drei Kreuze, 1653]


      jd :wink:
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    • Josquin Dufay schrieb:

      Das ist definitiv ein großartiges Werk.
      Mag sein, gerade in der Abendmal- und der Ölbergszene konnte ich mich aber, bislang jedenfalls, nie von einem Eindruck einer gewissen Monotonie freimachen. Hier scheint nach meinem Eindruck der Erzählfluss in geistiger Versenkung zu zerfließen oder es besteht zumindest die Gefahr. Das mag aber auch an meiner Aunahme liegen.