Dem geschenkten Gaul ... Auf dem Kindle gelesen

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    • Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigalll. Es sind Splitter, Miszellen, einer umfangreichen Lesebeschäftigung, über die ich auch in anderen Threads (wie in dem über Musikliteratur beim Kindle) berichte. Im Unterschied zu diesem Thread sind das aber nicht notwendig Bücher, die auf einer Bestsellerliste stehen und kostenlos sind.

      Damit habe ich schon die beiden Kriterien genannt: die Bücher haben, als ich sie erwarb auf der Amazon-internen Bestsellerliste gestanden (meist unter den ersten 10) - und meine "geheime" Quest geht dahin, ein wenig über die Motivation zu erfahren, die die Leser solcher Werke haben. Dabei ist mir auch das eine oder andere Machwerk untergekommen - vor allem das ein und andere, das einen Masochisten als Leser sucht. Aber die gibt es offensichtlich in großer Zahl - sonst hätte ich meine Auswahl unter "Neuerscheinungen" getroffen, nicht aus der Bestsellerliste. Da die Kaufliste keine Überraschungen bietet (da sind unter den ersten fünf gleich drei "Shades of Grey" vertreten, die Nummer Eins gab es auch mal kostenlos und steht bei mir noch ungelesen in der Schlange), ist für mich die überraschungsreiche "andere" Liste interessanter. Was tut man sich mit "geschenkten Gäulen" an?

      Dass diese gar nicht als die Petitessen angesehen werden, als die sich zumindest ein Teil entpuppt, kann man den Leserkitiken entnehmen (und von daher bin ich übrigens auf das Sujet gestoßen, ich saß an einer Arbeit über Leserkritiken beim Amazon). Nehmen wir als Beispiel die Fan-Edition aus meinem letzten inhaltlichen Beitrag

      Enlich ist die Fan-Edition zu Mythenland erschienen und sie verkürzt angenehm die Wartezeit bis zur zweiten Staffel die leider noch etwas auf sich warten lässt. Ein 1A-Lesetipp für alle Fans der Serie von Volker Ferkau.


      schreibt der eine, ein anderer

      Schöne "Vorgeschichten" zum 1. Mythenland-Zyklus.
      Die Geschichten machen wieder Lust auf Mythenland. Von mir aus könnten noch mehr solche Fan-Editionen kommen. So kann man sich ganz gut die Wartezeit zum nächsten Zyklus vertreiben.


      Entsprechend hoch ist die durchschnittliche Wertung (knapp 4 von 5 Sternen). In diesem Fall habe ich nicht die sprachliche Ungelenkigkeit, sondern Inhaltliches moniert - Bedenken dieser Art tauchen aber bei den Lesern überhaupt nicht auf. Verstärkt wird dies noch durch die zustimmende Haltung weiterer Leser zu den veröffentlichten Kritiken.

      oder ein früheres Beispiel



      Bei 44 Rezensenten eine 5 aus 5 Wertung

      Super, endlich einmal eine Fantasy-Lovestory für Erwachsene. Ich lese sonst meistens Jugendbücher wie z.B. 'Arkadien erwacht', 'Nach dem Sommer',' Bis(s) '', 'Beastly', "MondSilberLicht", etc., weil ich das Genre sehr gerne mag. Leider gehört man als erwachsener Mensch nicht mehr ganz zur richtigen Zielgruppe.
      'Rabenblut drängt' spricht eher die Ü 20-jährigen an, könnte aber nach meiner Meinung auch von 15-50-jährigren gelesen werden.

      Besonders gut hat mir die wechselnde Ich-Perspektive gefallen. Anfangs vielleicht etwas verwirrend, findet man sich aber schnell in den Rhythmus ein. Hier wird abwechselnd aus Sicht der Protagonistin und des Protagonisten erzählt und manchmal werden kleinere Szenen dadurch aus beiden Perspektiven betrachtet, was die Geschichte noch interessanter macht.

      Zum Inhalt möchte ich hier nicht viel verraten. Das Buch ist wirklich spannend und die Romantik kommt auch nicht zu kurz. Es lohnt sich auf jeden Fall dieses Buch zu lesen. Wem die oben genannten Bücher gefallen haben, dem wird auch 'Rabenblut drängt' gefallen.


      Nun gut, über die Leserkritiken werde ich mich hier nicht äußern. Um sie einzuordnen, bedarf es (zumindest) der (gezielten) Lektüre. Von dieser teile ich mit, was auch einen gewissen Unterhaltungswert hat. Einen grundsätzlichen Unterschied zwischen "Die Hexe und der heilige Gral" und gängigen (bezahlten) Bestsellern sehe ich nicht, aber durchaus verwandte Probleme wie das einseitige Schauen auf Inhalte (und die Vernachlässigung formaler Aspekte).



      Leserkritik (5 Punkte!)

      Gleich zu Beginn: Das Buch hat auch Schwaechen, vor allem, wo es um den heiligen Gral geht und anderes Zeug, das mich nicht die Bohne interessiert und wohl Teil der Story ist, weil Kids darauf abfahren. Die Staerken liegen in der Schilderung des Alltags der Hexen, in der Erzaehlung vom Heilen, vom Kick der Rauschkraeuter, vom hemmungslosen Sex. Hier herrscht nicht die edle Zurueckhaltung anderer Erzaehler historischer Romane, sondern es geht richtig zur Sache. Halluzinationen, Magie, all das gehoert dazu. Interessantes Historisches aus dem 12. Jahrhundert, ueber das Leben auf dem Land, die Komtureien der Templer, die Kreuzzuege, das Zeitalter der Mystik mit den Inklusen, und der wissenschaftlich-alchemistischen Entdeckungen kommt hier zur Sprache. Auf manche Gewaltszenen von Foltern und so koennte ich gut und gerne verzichten, aber auch das ist Mittelalter. Starke Charaktere wie Bryne, die aeltere Hexe, schoen, klug, liebend und gegen jede Magie eingestellt. Tisse, der freche Heisssporn unter den Hexen, begabt mit Seherkraft und Sinnlichkeit. Loisin, das huebsche Pfaefflein. Fand ich ganz toll, was ueber die Runenmagie erzaehlt wird. Man lernt hier sehr viel ueber diese alten Mythen und Gebraeuche. Hoehepunkt des Romans war fuer mich deshalb der Hexenflug, bei dem Zeichen in der Natur gefunden werden, die die Bedeutung der Runen klarstellen. Starkes Buch, klare Empfehlung, selbst wenn ich die letzten 100 Seiten im Heiligen Land kippen wuerde, weil man mir Kreuzfahren und Christentum sonstwohin stecken kann.


      Eines der Bücher, die ich komplett gelesen habe (hier wegen der Gender-Orientierung) und bislang hier nicht besprochen habe, denn eigentlich halte ich mich noch ziemlich zurück. Was ich in der Sparte Lyrik entdeckt habe, schlägt alles. Mir geht es schon um einen Lerneffekt - und manchmal einfach um den Nachweis, warum man nach der Lektüre einer Seite ein Buch beiseite legt. Aber ansonsten ist das ein weites Feld, das ich beackere, und von dem ich mE das Nötige mitteile. Das geht vom Sachbuch (ein hervorragendes war für mich - auch kostenlos erworben -



      ein Bereich, aus dem ich viel lese, aber in diesem Forum wenig mitteile). Vielleicht werde ich auch hin und wieder beim Mäandern durchs Angebot das eine oder andere für Dich finden. Das Thema Fantasy (dazu gehörte auch die angesprochene "Hexe und der heilige Gral") habe ich ja erst begonnen.

      Ansonsten betrachte ich den Thread - soweit ich ihn bestreite - thematisch bei weitem nicht als abgeschlossen, weder in Hinsicht auf die Auswahl der Lektüre noch auf die jeweiligen Kriterien, sie zu beurteilen.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Peter Brixius schrieb:

      [...] ein wenig über die Motivation zu erfahren, die die Leser solcher Werke haben.


      Das finde ich in Ordnung. Meine "geheime" Queste besteht darin, ein wenig über die Motivation zu erfahren, die die Kritiker solcher Werke haben. Insofern danke für deine Antwort.

      Peter Brixius schrieb:

      Was tut man sich mit "geschenkten Gäulen" an?


      Diese Frage finde ich schon etwas seltsam. Wer ist denn überhaupt "man"? Der, der diese Gäule geschenkt bekommt? Der, der das Geschenk annimmt? Oder eher dann doch erst der, der die Texte bis zur letzten Seite liest (und infolgedessen in seinem literarischen Stilbewusstsein oder seiner soziokulturellen Identität durch den Text Schaden genommen haben könnte)? Vielleicht ist es auch einfach Peter Brixius. Ich überlege mir, was nach deinen Kritiken als Antwort auf diese Frage denkbar ist und im Zusammenhang mit deinen Bestenlisten fallen mir Begriffe wie "stilistische Verrohung", "Kryptofaschismus", "Untergang des literarischen Abendlandes" und ähnliches ein. Ja, es gibt schlechte Literatur... und auf der Welt ist auch sonst nicht alles eitel Sonnenschein. Vielleicht hat beides miteinander zu tun. Allzu überraschend ist diese Erkenntnis nicht. Überraschen tut mich ein wenig, mit welcher aufklärerischen Vehemenz hier der Beweis geführt wird.

      Sollte nicht zuerstmal gefragt werden: Was tut man mit "geschenkten Gäulen"? Ich sage: Genau das, was auch du damit tust: Ein paar Seiten lesen. Wenn sie gefallen, liest man weiter und freut sich über das Geschenk, wenn nicht, kommt das Buch in die Tonne und hat noch nichtmal mein finanzielles Polster belastet.

      Tharon
    • Eines der Kleinode, die ich kostenlos erworben habe (inzwischen legt man für das schmale Buch 2,68 € hin)




      Fünf Wochen aus dem Leben von Sonja, Olja und Marusja [Kindle Edition]
      Fjodor Romanowitsch von der Osten-Sacken (Autor)


      Es war kurz einmal in die 100er-Bestenliste gespült worden, hat aber nun einen Amazon Bestseller-Rang von #240.336. Die Kurzbeschreibung

      Als im Herbst 1880 von fünf Schwestern eine an Masern erkrankte, wurden die drei kleineren Mädchen zu ihrem Onkel Fedja gebracht, damit sie sich nicht anstecken. Das jüngste, die vierjährige Sonja, wurde später Jurij Treguboffs Mutter. Der Onkel schrieb den Eltern jeden Tag einen ausführlichen Brief, die er 1900 in nur dreißig Exemplaren für die Familie drucken ließ.


      sagt wenig über das Lesevergnügen, das mich erwartete. Es sind behutsame kleine Studien über die anvertrauten Kinder, in denen sich das Leben des alten Russlands spiegelt, aber auch die Menschenkenntnis des Autors, der von sich in der dritten Person berichtet. Die detailreiche Schilderung lenkt das Auge auf viele vermeintliche Nebensächlichkeiten. So zum Lernen einer Fremdsprache

      Die Kinder erhoben sich fast zur selben Zeit, in der Nacht haben sie nicht gehustet. Nach dem Bad erschien Olja als erste am Teetisch. Onkel Fedja begann mit ihr ein Gespräch über die Notwendigkeit, die deutsche Sprache zu lernen, und darüber, dass Papa und Mama ihr gerade mit diesem Ziel ein deutsches Kindermädchen zugeteilt haben.
      "Was ist deine Meinung?" fragte Onkel Fedjy.
      "Was ist das, die Meinung?" entgegnete Olja.
      Das Resultat des Gesprächs erwies sich jedoch als günstig. Es wurde beschlossen, sich heute morgen der deutschen Sprache anzunehmen.
      [...]
      Nach dem Tee war die erste Deutschstunde. Objekt des Studiums war ein neues hübsches Buch mit deutschen Erzählungen, in denen alle Hauptwörter durch farbige Darstellungen ergänzt waren. Olja und Sonja waren sehr aufmerksam. Olja machte eineinteressante philologische Bemerkung: Sie fand heraus, dass das deutsche Wort heute zwei Bedeutungen hat und auf russisch mit den Worten heute und Häute übersetzt werden kann.


      Die Methode, eine Sprache über literarische Texte zu lernen, kenne ich noch von den Langenscheidts Sprachbriefen "Englisch", die wir im Bücherschrank stehen hatten. Da war es Dickens' "A Christmas Carol in Prose". Dem englischen Text unterlegt war eine Zeile in Lautschrift, darunter die wörtliche Übersetzung des Textes. Dem folgten dann lexikalische Erläuterungen und grammatische Übungen. Eine andere Begebenheit: Im Gebäude der Admiralität gibt es eine Blumenausstellung.

      Beim Eintritt versuchte der Kassierer, von jedem der Mädchen eine Rubel einzunehmen. Aber Elisaweta Iwanowa erklärte tapfer, ihr sei wohl bekannt, dass selbst der berühmte Doktor Regel verboten hat, von Kindern Eintrittsgeld zu verlangen. Der Kassierer murmelte, keineswegs überzeugt, still vor sich hin:
      "Ce que femme veut..." und wagte nicht weiter darauf zu bestehen.
      Wir betraten die Ausstellung unter den Klängen von "Gott schütze den Zaren.".
      Dann spielte man einen Marsch. Das hat den Kindern sehr gefallen. Sonitschka versuchte sogar, im Takt zu marschieren, aber mit ziemlichen Misserfolg.


      Ansonsten ist der Ausstellungsbesuch bei den Kindern kein großer Erfolg - die Blumen riechen nicht. Dieses verständnisvolle Eingehen von Onkel Fedja auf die Kinder macht den Charme der Darstellungen aus, stets mit einer feinen Ironie durchflochten, der sich wohl folgende Betrachtung verdankt

      Nachdem er heute die Kinder beobachtet hat, erlaubt Onkel Fedja sich nun folgende Exkursion in das Reich der Psychologie. Was für eine egoistische Schöpfung ist das das Kind! Jede Minute drückt sich die Eigenliebe in ihm aus, schonungslos und durch nichts verschleiert. Und später? Zusammen mit den Jahren wächst dieser Eigensinn in geometrischer Proportion und verliert nur eine seiner Eigenschaften: seine Harmlosigkeit. Zugleich aber erwirbt er eine andere: die Kunst, seine Ausbrüche zu verbergen. Und diese Kunst wird herkömmlich Erziehung genannt ...


      (Location 256)

      Ich habe nun weitgehend das Buch für sich sprechen lassen und hoffe, seine humane Haltung und seine Mitteilsamkeit überzeugt selbst am besten. Für mich war das Buch auch etwas, das sich gut mit Mussorgskys Liederzyklus "Aus der Kinderstube" ergänzte - in beiden Fällen Personen, die durch die Augen von Kindern zu sehen verstanden.

      Wenn ich das vergleiche mit



      "Schrei mich nicht an, ich bin ein Wunschkind" [Kindle Edition]
      Jens Meyer-Wellmann (Autor)


      merke ich, was da verloren gegangen ist. Während das russische Buch aus der Vergangenheit keine Wertungen erhalten hat (ich werde mir da mal einen Stoß geben) hat das neudeutsche eine hohe Zustimmung seiner Leserschaft. Der Abschnitt, den ich da gerade lese, beginnt mit

      Ich weiß, man soll seine Kinder nicht anlügen, aber man muss ihnen auch nicht alles erzählen.


      Ja, die Zeiten haben sich geändert.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Gleich für mehrere Sprachen kann man das "innovative Sprachlehrbuch" herunterladen (das habe ich dann auch gemacht)



      Learn English - Word Power 101 [Kindle Edition]
      Innovative Language (Autor), Innovative Language (Herausgeber)


      Dies verrät am wenigsten von der Vorgehensweise, sieht man in die italienische oder französische Ausgabe hinein, wird einem das Prinzip erst klar. Ausgehend von einem Foto, bei dem ein Gegenstand mit Tieren fängt es an) benannt wird (soweit ist die Vorgehensweise sauber) folgen eine Reihe von Sätzen, in denen das Wort vorkommt. Im französischen Lehrbuch stehen da französische Sätze, denen eine englische Übersetzung folgt. Aha, das Lehrbuch ist für Leute gedacht, die Englisch können und wendet die Übersetzungsmethode an. Das ist aber das Gegenteil von innovativ. Absurd ist es im vorliegenden Buch, wo die englischen Sätze ... ins Englische übertragen werden. So stehen dort immer Satzpaare :wut2:

      Es soll dazu noch Audio-Beispiele geben, aber Achtung, da geht es erst einmal um das Ergattern eurer E-Mail-Adresse (siehe Leser-Rezension). BTW - besser werden kann das kuriose Werk auch durch Audio-Dateien nicht mehr. Unkommunikativ, unbrauchbar, ein Relikt aus den Steinzeiten des Sprachunterrichts, kurz ein Kuriosum für den Fachmann - und für alle anderen: Es gibt Dinge, die sollte man sich noch nicht einmal schenken lassen ... Abzuraten.

      Liebe Grüße Peter
      (Nachtrag: Amazon Bestseller-Rang: #3 Kostenfrei in Kindle-Shop)
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich habe es noch erwerben können, für die üblichen 0 € - jetzt ist es nicht mehr lieferbar. Ich kann auch nur den Link zur Druckausgabe bieten, die ebenso nicht mehr lieferbar ist




      Das Gespenst Des Kommissars [Taschenbuch]
      Claudio Ruggeri (Autor), Elena Gianfrate (Übersetzer)


      Warum so viel Aufhebens um ein im Moment nich existentes Buch? Nun, die Übersetzung ist so schlecht, dass sie wieder gut ist. Am Anfang stehen gleich die "Anmerkungen des Schriftstellers"

      Dieses Buch ist eine Frucht des Fantasiegebilde. Jeder Hinweis auf wirklich passierte Situationen und/oder auf Personen, die wirklich existieren, deren Namen im Buch selbst vorkommen, ist lediglich zufällig.


      Und dann geht der Roman los

      "Spielen wir, Wachen und Diebe zu sein, Vati?".[!] Luca machte gewöhnlich diese Frage zu sein Vater, wenn er wenig traurig war.


      ... und so taumelt das Buch von einem sprachlichen Höhepunkt zum anderen. Das kann einem schon einen miesen Tag retten und einem guten ein Sahnehäubchen verleihen

      Er sah sein Sohn genau mit sein misstrauischem und tiefem Blick an. Er versuchte, den Grund vorauszusehen. Wenn er das bemerkte, hatte sein Sohn nur einen großen Gier nach viel Spaß zu haben, konnte er nicht nein sagen.


      Tipp: man übersetze den Text wörtlich ins Italienische, dann kommt man dahinter ... Aber warum sollte man sich die Mühe machen - es kann auch als Gesellschaftsspiel am Kamin taugen: wer errät die Bedeutung des Satzes. Beim Duft von Bratäpfeln ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • :klatsch: :klatsch:
      warum das wohl nicht mehr lieferbar ist? ?(
      komisch...

      Ernsthaft:

      Die Möglichkeit, ein Buch faktisch ohne jeglichen Kapitaleinsatz zu produzieren, ist offenkundig der Bereitschaft abträglich, Zeit -und damit wieder Kapital- in eine wie auch immer geartete Qualitätskontrolle zu investieren. Das kann man gerne dem Markt überlassen: Sogar wenn es völlig untragbar ist (wie im letzten Beispiel), kann man es ohne jeglichen Verlust einfach vom Markt nehmen. Das gilt wegen der Möglichkeit des print-on-demand mittlerweile sogar für Druckausgaben. Spieltheoretisch kann der Herausgeber durch Verzicht auf Lektorat, Korrekturlesen usw. ökonomisch nur gewinnen. Wie sich das in Zukunft auf das allgemeine Qualitätsnieveau (sowohl bei fiction als auch bei non-fiction) auswirken wird, bleibt abzuwarten. Ehrlich gesagt: Ich bin da eher pessimistisch.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Nachdem auch hier im Forum die Weihnachtszeit angesagt wurde, kann ich nicht widerstehen - in den "Geschenkt"-Listen mehren sich Original-englische E-Books - und weihnachtlich gestimmte. Da habe ich mir mal gleich eine Gedicht-Anthologie herausgesucht



      O du fröhliche. Lustige Weihnachtsgedichte [Kindle Edition]
      Leonore Enzmann (Autor), Wolfgang Lörzer (Autor), Stefan Pölt (Autor), Evelyn Morgenroth (Autor), Alfred Stadlmann (Autor), Astrid Schulzke (Autor), Claudia Duhonj-Gabersek (Autor), Martina Decker (Autor), Engel Bert (Autor), Alfons Pillach (Autor)


      Wenn Weihnachten und "lustig", Konsum und Comedy, zusammen kommen, ist meine Erwartung ziemlich gedämpft. Sie wird durch das erste Werk eines "Engel Bert" gleich untertroffen. Die ersten beiden Strophen


      Ach Weihnachtsmann,
      ach Weihnachtsmann,
      wo bleibst du denn so lang?

      Ach Weihnachtsmann,
      ach Weihnachtsmann,
      mir wird allmählich bang.


      Es erinnert mich an das erste Gedicht, das ich schrieb. Ich war damals sechs Jahre alt. Da bediente ich mich bei einer vierzeiligen Strophe auch einer reimlosen Zeile, die ich im ganzen Gedicht immer wieder aufnahm. Immerhin ist die Opitzsche Reform schon angekommen, es alternieren Hebungen und Senkungen. Bei acht Strophen lesen wir 16mal die Anrufung des ominösen Weihnachtsmannes mit einem expressiven "ach". Diese Exklamation war seit den 50ern bis auf begründete Ausnahmen aus der Lyrik verschwunden, hier taucht sie zum Überdruss auf. Im "Achtzehnten Brumiere" lesen wir "Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce." Ja, da sind wir nun, bei der lumpigen Farce. Über die von Coca Cola populär gemachte eher heidnische Gestalt des "Weihnachtsmannes" will ich hier nicht spotten. Der Konsum ist den meisten heiliger als ein in der Krippe liegendes Kind, dessen Ankunft gefeiert wird. Und so ist das "ach" wohl das Ächzen einer geplagten Kassiererin, die gerne abgelöst werden möchte. Warum es acht Strophen sind enthüllt die letzte Strophe


      Ach Weihnachtsmann,
      ach Weihnachtsmann,
      September wird's schon morgen.


      Die Litanei entspricht also den gerade vergangenen acht Monaten, die man schon auf das Erscheinen des Geschenkeverteilers wartete. Und so titelt sich auch das Gedicht etwas barock (das ist wohl das "Lustige")

      Warten auf den Weihnachtsmann
      Oder: Vorweihnachtliche Ungeduld


      Warum hat bei mir das Wort "lustige" die Assoziation "Unlust" eher als die der Lust? QED

      Lustige Weihnacht wünscht vorsorglich (versprochen: nicht in jetzt elf Strophen)

      Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ich lese noch immer weiter, aber ein wenig hat mir die Lust gefehlt, hier noch einiges mitzuteilen. Schon länger liegt eine "musikalische Stelle" bei mir auf der Halde. In



      Sylvia Bruck: Liebe ohne Zukunft

      hat eine Karin von Bergheim, verarmt, eine Stelle beim Grafen von Bernau gefunden. Da hat man die modischen Vorurteile gegen das Fernsehprogramm

      Doch die Familie des Grafen von Bernau war wählerisch in der Programmauswahl, so blieb der Fernseher oft aus. Viele Abende verbrachte man mit Unterhaltungen bei einem Glas Wein oder auch damit, dass die Gräfin von Bernau auf dem Flügel spielte und die Familie gebannt zuhörte. Auch jetzt spielte die Gräfin einige bekannte Stücke auf dem Flügel. Als die letzten Takte der Revolutionsetüde von Frederic Chopin verklungen waren, schaute die Gräfin zu Karin und meinte: "Es wäre schön, wenn Sie mich jetzt ablösen würden, Fräulein von Bergheim. Auch ich höre gerne zu, wenn jemand Flügel spielt. Ich denke das Formellenquartett von Bach werden Sie spielen können." So stand sie auf und deutete Karin am Flügel Platz zu nehmen. Karin war ganz rot geworden und es war ihr sehr unangenehm, schon wieder im Mittelpunkt der Familie zu stehen. Doch sie nahm am Flügel Platz und schon flogen ihre geübten Finger leicht über die Tasten


      (Location 206)

      Die Rechtschreibung ist gewahrt wie in der Vorlage. Das höchste Vergnügen, zuzuhören, nicht zu spielen; die Kunst, ein Quartett leichtfingerig auf die Tastatur zu bringen, dazu die Ironie, den halbwissenden Leser auf die falsche Fährte zu locken (Bach statt Schubert - und dann noch ein offensichtlicher Hörfehler).

      Jetzt mache ich nicht das Wasser künstlich trübe.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Jaja: so stellt sich Lieschen Müller die Abende bei Adels vor... Im Glase war vermutlich Chateau Petrus, den der Kammerdiener, wie hieß er denn gleich - Jean? dezent nachschenkte, während draußen im Park die Nacht die alten Plantanen der Auffahrt in ihren blauen Mantel hüllte ...?

      Ist das mit der Verwirrung musikalischer Begrifflichkeiten nun satirische Absicht, um die vorgebliche Halbbildung der Grafens zu demonstrieren (wissen wir nicht alle: Die gehen auch nur in die Oper, um dort ihre Brillis auszutragen und in der Pause Sekt...äh,wie?) oder tatsächliche Unbildung der Autorin...?
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • bustopher schrieb:



      Ist das mit der Verwirrung musikalischer Begrifflichkeiten nun satirische Absicht, um die vorgebliche Halbbildung der Grafens zu demonstrieren (wissen wir nicht alle: Die gehen auch nur in die Oper, um dort ihre Brillis auszutragen und in der Pause Sekt...äh,wie?) oder tatsächliche Unbildung der Autorin...?


      Ich fürchte, es ist kein ironischer Einwurf, denn die Autorin gibt auch keinen Hinweis auf eine Distanz. Es kommt eine Erinnerung an die Bewerbung, aus der hervorgeht, das die zukünftige Angestellte schon in jungen Jahren Klavierunterricht bekommen hat, aber keine Korrektur der Aufforderung, der die Klavierspielerin auch ohne Rückfrage nachkommt:

      So lauschte die ganze Familie gebannt Karins Klavierspiel. Lars [=Sohn der Familie] betrachtete Karin und konnte seine Augen nicht von ihr wenden. Er sah ihre schlanke, zierliche Figur, die von dem engen, smaragdgrünen Etuikleid eng umschlossen wurde.


      Der hat also andere Gelüste (lustig die Beflissenheit in der Warenkunde)Seine (Noch-)Verlobte Celia ist dagegen die Verkörperung einer aus einer Selfmade-Familie stammenden Neureichen

      Celia Schenk verstand nicht so viel von Musik und spielte auch kein Instrument. Eine Tatsache, die sie heute bedauerte. Doch dieses Manko noch nachzuholen, das war ihr etwas zu aufwendig. Celias Eltern waren von Grund auf einfache Leute, die sich im Lauf der Jahre hochgearbeitet haben [!]. Vor einigen Jahrzehnten gründete Celias Vater eine Firma die Verpackungen herstellte.


      (Komma fehlt in der Vorlage) Ein wenig weiter

      Zwar hatte Celia Abitur und ein Jura Studium absolviert, doch die Grundlagen der feinenGesellschaft fehlten ihr. [...] denn sie war in vielen Dingen den höheren Töchtern adeliger Familien unterlegen.


      Mein Urteil: die Autorin (nicht-ad(e)lig) weiß es uch nicht besser. Aber sie kennt (im Gegensatz zu mir) ein Etuikleid (schlag ich gleich mal nach ...)

      Liebe Grüße Peter

      Nachtag - bei wikipedia gefunden!

      Aufgrund des schlichten, schnörkellosen Schnitts und der grundsätzlich fehlenden oder sehr sparsamen Verzierung gilt es als edel und besonders elegant. Es kann heute problemlos, ähnlich wie das „kleine Schwarze“, mit dem es verwandt ist, sowohl als Abendkleid, Cocktailkleid oder Geschäftskleidung getragen werden.
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Lieber Peter,

      Deine Leidensbereitschaft scheint schier grenzenlos ;+)

      Peter Brixius schrieb:

      Aber sie kennt (im Gegensatz zu mir) ein Etuikleid (schlag ich gleich mal nach ...)
      Und da soll noch einer sagen, dass man aus dem Mist keinen Nutzen ziehen kann ...

      In Österreich gibt es eine ziemlich bekannte Fernsehwerbung, die ich leicht abwandeln will: "Lies was G'scheites!" :prost:

      Liebe Grüße
      :wink:
      Renate
      Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)
    • also im letzen Beispiel würd' ich das eher als amüsant betrachten. Courts Mahler light. Und gerade an den Verwerfungen zwischen Anspruch und Ergebnis kann man sich doch auch anspruchslos delektieren...
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Es sind neue kostenlose Klassiker bei Amazon online gestellt worden. Etwas mehr als 200 Bücher, so dass jetzt mehr als 5700 zur Verfügung stehen. Unter anderem ein paar Dutzend Edgar-Wallace-Romane.
      Dann kann ich auch Google-Books empfehlen; dort sind bei gemeinfreien Werken mittlerweile PDFs online, die man wirklich gut auf dem Kindle lesen kann, auf einem Sony oder Pocketbook sowieso.

      Hier gehts zu den Klassikern: amazon.de/s/ref=sr_st?__mk_de_…3A652886031&sort=daterank

      Und dieses reizende Büchlein lese ich zur Zeit als PDF: "http://books.google.de/books?id=Q_RLAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=iris&hl=de&sa=X&ei=bT3jUI_mBo3HswbmkIHwDA&ved=0CDwQ6AEwAQ"




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      Ich habe Schrauben in den Himmel gesteckt
      und die Rabenmuttern festgedreht
    • Hier ein Etuikleid

      "http://de.wikipedia.org/wiki/Etuikleid"

      "http://www.breuninger.com/blacky-dress-etuikleid/1000073172/detail.cmd?variant=4047998673614&adword=google_PLA/BLACKY_DRESS/8819726647297/"

      Bitte keine externen Links setzen. URL in Anführungszeichen ist ok. Siehe auch hier.
      Gruß
      Mauerblümchen
      Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
      In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
      ----------------------------
      Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)
    • Lieber Florian,

      vielen Dank für den Tipp, es macht Spaß darein zu schmökern.

      Mit den lizenzfreien Klassikern hat es ja leider manchmal so seine Mühen, vor allem wenn sie alte Übersetzungen bemühen. Im Moment lese ich Scotts "Guy Mannering", da habe ich mal neugierig in die angebotene (kostenfreie) Übersetzung hinein geschaut (die übrigens mit der zu bezahlenden, so weit ich es gesehen habe, identisch ist). Das erste: die die Kapitel einleitenden Motti fehlten bei der deutschen Ausgabe. Nun kann man sicher auch ohne diese altertümlichen Verzierungen auskommen, aber warum sollte man. Da ich mich Dank "Waverley" doch einigermaßen ins Englisch Scotts eingelesen habe, lese ich es etwa im gleichen Tempo wie die deutsche Ausgabe.

      Aber wie steht es mit der Übersetzung von Edgar Wallace. Hast Du da mal vergleichen? (Den habe ich übrigens noch nicht auf Englisch gelesen, da sollte ich einen Versuch wagen)

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Ein Ausflug in die Kindheit, aber doch auch mehr



      Karl May: Winnetou I

      Das Mehr wird nicht zuletzt durch die Ausgabe bewirkt, die hier zur Verfügung steht. Es ist die im Verlag Fehsenfeld 1908 erschienene. Keine Bamberger Verkürzungen und Verfälschungen. Ich will hier nicht in die Karl May-Philologie einsteigen. Aber eine von political correctness freie Ausgabe liest sich für mich noch immer weit vergnüglicher als eine, die all die Eiertänze enthält, die man heute da ausführt (ich erinnere nur an die gegen den ausdrücklichen Willen Preußlers an seinem Werk ausgeführten Verstümmelungen - angeblich zum Nutzen der Kinder).

      Naja, Kinder - welches Kind liest heute noch Karl May. Die meinigen habe ich nie dazu bringen können, aufgedrängt habe ich ihnen die Lektüre nicht und vorgelesen anderes. Hier also ein nostalgischer Rückblick auf meine Jugend (und ich habe die komplette Bamberger Ausgabe gelesen, in der Stadtbücherei standen die Bände, häufig noch in Mehrfachexemplaren, in unterschiedlichen Stadien von Benutzerspuren. Dieser hier, "Winnetou I", gehörte zu den beliebtesten). Für uns war es eiserner Bestand des Wissens, ob es nun die Namen aus den nordamerikanischen Geschichten waren oder der herrlich lange von Hadschi Halef Omar ...

      Natürlich liest da mein heutiges Wissen mit und stellt immer wieder kritische Distanzen her. Hier genest noch vieles am deutschen Wesen. Und dann gibt es Klekih-petra, den weißen weisen Ratgeber der Apachen, von dem man erfährt, dass er eine schwere Schuld gutmacht. Er war nämlich in seinen deutschen Landen ein Aufrührer gegen die Fürstengewalt und hat so manchen braven Mann mit seinen Lehren ins Unglück gebracht. Ihm gelang die Flucht nach Amerika - und da büßt er denn nun seine Untaten - und wird prompt von dem Schurken Rattler ermordet, womit die Geschichte in Gang kommt, denn er verpflichtet Old Shatterhand zu seiner Nachfolge.

      Ach ja, die ganze Liebesgeschichte, deren Homoerotik man mit heutigen Augen wohl gefällig wahrnimmt, von Old Shatterhand und Winnetou ist geradezu meisterhaft erzählt. Denn ein großer Erzähler ist Karl May, und wieder kann ich mich kaum vom Fortgang der Geschichte lösen.

      Wie man dem ganzen den Zauber nehmen kann, beobachte ich in einer heutigen Nacherzählung



      Da ist brav alles getilgt, was mir eigentlich das größe Vergnügen macht. Es fängt mit der Modernisierung der Sprache an, dann die gnadenlose Filterung von allem, was sich heute nicht gehört. Nun ja, für kurze Zeit war diese Edition kostenlos zu erwerben. Und dem geschenkten Gaul ...

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Brecht gehörte zu seinen Fans. Bei Amazon finden sich eine Reihe seiner Romane ... umsonst, darunter



      Edgar Wallace: Das Gesetz der Vier

      "The Four Just Men" (1905) stand am Anfang einer beispiellosen Autorenkarriere. "Das Gesetz der Vier" (1921 The Law of the Four Just Men) ist die Fortsetzung, eine Sammlung von Kriminalgeschichten, bei denen es um eine geheime Organisation der "Vier Gerechten" geht, die dem Gesetz nachhelfen, wenn es nun einmal machtlos war oder fehl gegriffen hat. Es gibt sicher besseres von Edgar Wallace, aber das meiste auf dem Markt Erschienene toppt es dennoch. Sorgfältig geschrieben, mit angelsächsischen Humor versehen und trotz dem jeweils voraussehbaren Ende alles andere als spannungslos. Natürlich kein Fressen für Thrillerfreunde, denen es nicht hart genug sein kann - hier ist es doch ziemlich gentlemanlike mit einer sicheren Hand für eine elegante Handlungsführung geschrieben.

      Gerade habe ich Der Mann, der Musik liebte gelesen. Es handelt sich dabei nicht um Sherlock Holmes, sondern um einen finsteren Mädchenhändler, dem nichts nachzuweisen ist.

      Die hervorstechendsten Eigenschaften des Mr. Homer Lynne waren weitgehend Sympathie und eine unüberwindliche Vorliebe für Tschaikowskys "1812".


      Zur Freude seiner Nachbarn besitzt Lynne das lautstärkste Grammophon seiner Zeit, das sogar zu einer automatischen Wiederholung der aufgelegten Platte fähig ist:

      Es war ebenso sonderbar wie bedauernswert, dass dieser sympathische und liebenswürdige Herr sich nicht im geringsten um die Wünsche und das Wohlergehen seiner Nachbarn kümmerte. In seinem Schlafzimmer stand das größte und lauteste Grammophon, das Hampstead jemals gesehen hatte. Der reure Apparat war außerdem mit einer Vorrichtung versehen, die den Arm mit der Nadel automatisch zum Anfangspunkt zurückführte, wenn die Platte abgelaufen war, so dass der Spektakel von neuem begann.


      ... natürlich in den späten Abendstunden. Dass ein Schurke klassische Musik mag, ist doch in der Typologie der Romane dieser Zeit eher eine Ausnahme - aber vielleicht hielt Edgar Wallace von der Komposition nicht viel.Und siehe da (Pos. 1831) liest man

      Manfred (einer der Vier, PB) verstand alles noch besser, als er abends in der stillen Straße, in der Mr. Lynnes Haus lag, das Rollen der Pauken und Trommeln, das Dröhnen der Glocken, die Schüsse der Kanonen und all den lauten Spektakel hörte, der !1812" bei unmusikalischen Leuten so beliebt machte.


      Also die richtige Hintergrundmusik, wenn es am Ende (Pos. 1920) zur verdienten Bestrafung des Bösewichts kommt

      Aus dem Schlafzimmer Mr. Lynnes aber tönte die sieghafte Melodie der Marseillaise, das Donnern der Kanonen und ängstliches Jammern und Schreien, für das man Tschaikowsky nicht verantwortlich machen konnte.


      Wie gesagt, mit kleinen Fehlern, aber durchaus vergnüglich. Auch für Musikfreunde.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Muss man Deutsch können, um einem Deutschen das britische/amerikanische Englisch zu lehren? Die Frage stellt sich bei dem im Moment noch kostenlos bei Amazon erwerbbaren Lehrwerk



      David Spencer Luton: Auch Sie können Englisch Sprechen

      Der Orthografie-Fehler im Titel wird nicht der einzige bleiben. Aber zunächst: Man kann durchaus gutes Englisch als Deutscher lernen, auch von einem Lehrer, der kaum Deutsch spricht. Das ist eine Frage der Methode des Sprachunterrichtes - wenigstens in erster Linie. Benutzt man aber die Übersetzungsmethode, verstärken sich naturgemäß die Bedenken. Da es um das Sprechen geht, sehe ich über den Fehler mit der Großschreibung im Titel weg. Er ist nur ein Indiz, dass der Autor das Buch offensichtlich von einem deutschen Muttersprachler nicht hat gegenlesen lassen. Nicht gut ...

      Ich beziehe mich im Weiteren nur auf den als Probetext lesbaren Beginn des E-Books. Das Inhaltsverzeichnis zeigt einen Aufbau des Stoffes nach Situationen, vom Klassenzimmer bos zu "Gefühle/Zustände" und "zu Hause". Der Autor hat praktische Erfahrung, da ist nichts daran auszusetzen. Aber der Einstieg ist so ungeschickt, wie es nur sein kann (und verwundert mich, wenn es in der Praxis so geklappt hat. Aber vielleicht kam erst der - nicht dokumentierte - mündliche Unterricht und dann das Schriftliche auf der Basis des Erarbeiteten. Aber wenn man mit der Gleichsetzung "I have" = "I've got" konjugiert konfrontiert wird, geht ohne Mustersätze doch einiges durcheinander - und das ist der Tod eines erfolgreichen Sprachunterrichts.

      an - ein/eine, etc. (wenn das Substantiv beginnt mit einem Vokal)


      versteht man als Deutscher auch mit der falschen Syntax, unterlaufen sollte einem Sprachlehrer so ein Fehler aber nicht. Es folgen nun die Kolonnen von übersetzten Vokabeln. Wenn man die Bedeutung der Wörter auf die situative Umgebung (Klassenzimmer) beschränkt, geht so eine Wort-zu-Wort-Zuordnung, wenigstens meistens. Aber "No, they don't" mit "Nein, sie brauchen nicht" zu übersetzen, geht nur in den Grenzen eines konkreten Gesprächsablaufs im Frage-Antwort-Spiel. Auch hier: In der Unterrichtssituation machbar, in einem schriftlichen Werk mehr als irreführend.

      Ich will nicht ausführlich an den gewählten Wortpaaren herumkritisieren, falsch ist auf jeden Fall

      Mr. and Mrs. Smith - Herren Smith


      Leider, wie so oft: keine Empfehlung für das Werk, auch wenn man es im Moment umsonst erhält.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)


    • Wird ja total hochgejubelt überall, allein das hätte mir schon zu denken geben müssen...amerikanische Klischee-Literatur mit banalstem Stil, wo die narrative Spielerei auch nichts mehr herausreißen kann. Uninteressante, blasse Figuren, langweilieger Plot, den auch der Twist nicht retten kann. Also wenn daraus mal bald kein schlechter Hollywood-Film werden wird.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"