Dem geschenkten Gaul ... Auf dem Kindle gelesen

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    • Cherubino schrieb:

      Da kennt die Herzogin von Schwaben - die in dieser Szene mit ihrer griechischen Zofe über den Sohn des Kaisers von Byzanz spricht - also auf einmal die Evolutionstheorie und den Gedanken der Abstammung des Menschen von den Affen! Es geht aber noch anachronistischer. Die Herzogin feiert auf ihrer Burg Hohentwiel Weihnachten:

      "Der Weihnachtsbaum war gefällt; sie schmückten ihn mit Äpfeln und Lichtlein, die Herzogin richtete alles im großen Saale. Ein Mann von Stein am Rhein kam herüber und brachte einen Korb, der mit Leinwand zugenäht war. Es sei von Sankt Gallen, sprach er, für Herrn Ekkehard. Frau Hadwig ließ den Korb uneröffnet zu den andern Gaben stellen.
      Der heilige Abend war gekommen. Die gesamten Insassen der Burg versammelten sich in festlichem Gewand, zwischen Herrschaft und Gesind sollte heut keine Trennung sein. Ekkehard las ihnen das Evangelium von des Heilands Geburt, dann gingen sie paarweise in den großen Saal hinüber, da flammte heller Lichtglanz und festlich leuchtete der dunkle Tannenbaum – als die letzten traten Audifax und Hadumoth ein, ein Blättlein Goldschaum vom Vergolden der Nüsse lag an der Schwelle".

      Irgendwie erinnert mich das an:

      Am herrlichsten aber war dennoch der Weihnachtsabend zu Hause, denn der Konsul hielt darauf, daß das heilige Christfest mit Weihe, Glanz und Stimmung begangen ward. Wenn man in tiefer Feierlichkeit im Landschaftszimmer versammelt war, während die Dienstboten und allerlei alte und arme Leute, denen der Konsul die blauroten Hände drückte, sich in der Säulenhalle drängten, dann erscholl dort draußen vierstimmiger Gesang, den die Chorknaben der Marienkirche vollführten, und man bekam Herzklopfen, so festlich war es. Dann, während schon durch die Spalten der hohen, weißen Flügeltür der Tannenduft drang, verlas die Konsulin aus der alten Familienbibel mit den ungeheuerlichen Buchstaben langsam das Weihnachtskapitel, und war draußen noch ein Gesang verklungen, so stimmte man »O Tannebaum« an, während man sich in feierlichem Umzuge durch die Säulenhalle in den Saal begab, den weiten Saal mit den Statuen in der Tapete, wo der mit weißen Lilien geschmückte Baum flimmernd, leuchtend und duftend zur Decke ragte und die Geschenktafel von den Fenstern bis zur Tür reichte.

      OK, bei Viktor Scheffels "Ekkehard" von 1865 ist das alles im Vergleich ein bisschen schmuckloser (spielt ja auch tausend Jahre früher, da war man noch nicht so anspruchsvoll...), aber könnte es sein das sich da der Thomas Mann, äh... wie soll ich's nur sagen..? inspirieren? hat lassen...?
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)