MONTEVERDI: Orpheus Odysseus Poppea - Berlin (Komische Oper), 16.09.2010

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    • MONTEVERDI: Orpheus Odysseus Poppea - Berlin (Komische Oper), 16.09.2010

      Von mittags 12:30 Uhr bis abends 22:45 Uhr zog sich der Saisonstart der Komischen Oper mit dieser Mammutproduktion hin: alle drei erhaltenen Opern Monteverdis in deutscher Textübersetzung und einer umfangreichen Aufführungspartitur, die von Elena Kats-Chernin erarbeitet wurde. Musikalischer Leiter ist André de Ridder, Regisseur ist der neue Intendant Barrie Kosky.

      "http://www.komische-oper-berlin.de/festivals/monteverdi-trilogie/"

      Orpheus ist sehr bunt und volkstümlich, mit leichten poetischen Anleihen umgesetzt. Dominik Köninger, ein Baryton, hat mir sehr gut gefallen in seiner Freude über die Hochzeit und die anschließende Trauer um den Verlust Euridikes. Julia Novikova ist echt süß anzusehen und paßt wundervoll in die Rolle; Theresa Kronthaler als Sylvia bzw. Proserpina fand ich richtig toll.

      Odysseus war richtig karg: alles spielte auf einer Rasenfläche, aber die personelle Gestaltung der Oper läßt das schnell vergessen. Günter Papendell in der Titelrolle hatte eine überzeugende Leistung vollbracht; aber es ist Ezgi Kutlu als Penelope gewesen, die mich echt umgehauen hat. Annellie Sophie Müller als Minerva fand ich ebenso stark.

      In Poppea wurde es dann richtig wüst: der Sex-Faktor wurde knallhart angezogen (u.a. war Baß Jens Larsen als Seneca komplett nackt, als er die Sterbeszene sang), und die Kostüme hatten etwas Dekadentes an sich. Tenor Roger Smeets hat als Nero einen wirkungsvollen Auftritt; Brigitte Geller brachte durchaus Feuer in ihrer Darstellung der Titelfigur. Der Mut von Thomas Michael Allen als Arnalta und Tom Erik Lie als Amme war groß, denn sie waren grotesk und brillant zugleich in ihren Partien (speziell das Wiegenlied Lies war einfach grandios).

      Doch muß unbedingt Peter Renz erwähnt werden, der in allen drei Opern Amor verkörpert hat (in Odysseus war er zusätzlich als Iros besetzt): in Poppea sah er aus wie die alte, aufgedonnerte Marlene Dietrich, der als Amor die Geschicke der bekloppten Römer beobachtet und an einer Stelle - den Mordversuch an Poppea - konkret eingreift. Als Iros hatte Renz eine herrlich schmierige Darstellung aufs Parkett gelegt; die Sterbeszene war superb in seiner tragischen Lächerlichkeit. Und seine Stimme thronte klar und herrlich über die ganze Konzeption dieser dreifachen Liebesgeschichte.

      Der Text war wohl neu übersetzt worden und war grundsätzlich sehr gut zu verstehen. Kosky nahm sich einige Freiheiten heraus, ließ manche Gesangslinie von anderen Charakteren singen als ursprünglich geschrieben, und Kürzungen fanden auch statt. Insgesamt ist der Geist der Vorlage zwar vorhanden, aber in Details anders interpretiert bzw. umgesetzt worden, wie es beim Regietheater halt Brauch ist.

      Die Musikbearbeitung war mit modernen Elementen aufgefüllt worden (z.B. Tangorhythmik), was ganz gut zum Geschehen auf der Bühne paßte; allerdings wird es Puristen eher stören, wenn in Poppea tatsächlich im b.c. Keyboard und Elektrogitarre zu hören sind. Kats-Chernin hat nicht übertrieben in ihrer Instrumentation und die Begleitung eher dezent eingesetzt. André de Ridder hatte das ganze Orchester gut im Griff und eine schöne Aufführung dirigiert.


      Ich muß dazu sagen, daß ich das Ganze in 3Sat verfolgt habe. Die Fernsehregie war in der Regel sehr gut ausgerichtet worden; es gab aber einige wenige Stellen, die nicht so gelungen waren. Die Kostüme kamen gut zur Geltung, die wichtigsten Augenblicke sind gut kadriert worden. Die Lichtwechsel waren sehr wirkungsvoll.

      Ich bin mit der Thematik des Regietheaters nicht so sehr vertraut; deshalb möge man mir verzeihen, wenn ich vielleicht nicht so ausführlich darüber referieren kann. Mir haben die drei Stücke grundsätzlich ganz gut gefallen. Interessant fand ich manche Details (das Schicksal von Otho, Drusilla und Octavia, nachdem Nero sie verbannt hatte), die die Geschichte über ihren textlichen Horizont hinweghob. In Orpheus war der Kern der Umsetzung recht nahe am Urtext, bei Odysseus war er schon alleine aufgrund des Spielorts eigenwillig; in Poppea fand ich die heftige Sexualisierung (Nacktheit, Vergewaltigung) zu grell umgesetzt; dadurch ging ein bißchen die Sympathie mancher Nebenfigur den Bach runter.

      Zwischen den Stücken gab es noch diverse Interviews und eine zweiteilige Dokumentation über Monteverdis Musen. Katrin Bauerfeind befragte die Darsteller der drei Liebespaare in eher brisantartiger Weise; was mich aber wirklich wunderte, war jedoch, wie wenig Profundes die Darsteller zu den Charakteren zu sagen hatten, so als wären sie der Umgang mit der Interview-Kamera nicht gewöhnt. (Gut, vielleicht erwarte ich doch zuviel...) Es wirkte so seltsam unbeholfen. Da war Barrie Kosky schon deutlich professioneller. Die Dokumentation über die Probezeit der drei Opern war sehr interessant und informativ; doch Monteverdis Musen war eine jener feuilletonistischer Erbauungs-Ergüsse, die ich ja so liebe... :stern: Wenn ich auch klar sagen muß, daß ich meine Konzentration bewußt auf die Opern selbst beschränkte, so weiß ich, daß ich diese Musen als alleinige Sendung nie komplett angeschaut hätte, weil mich diese unsägliche, indifferente Erzählweise so furchtbar genervt hätte. Nach zehn Minuten hätte ich es abgeschaltet; hier dagegen schaltete ich nur den Ton aus, um den Anschluß nicht zu verpassen. - Bauerfeinds Live-Moderation in der Oper war auch eher oberflächlich; man merkte, daß sie gar keinen Bezug zum Thema Monteverdi hatte. Beim Interview mit Peter Renz in der Maske merkte man, wie unpassend der Moment war; Renz war aber genug Profi, um das zu übersehen. Dieser erläuternde Rahmen fand ich mißlungen; wie ein Freund von mir in solchen Fällen zu sagen pflegt: "Tiefste Provinz!"


      jd :wink:
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      Jean Paul
    • Interessant wie banal: Offenbar vermittelt die Fernsehaufzeichnung in vielen Punkten ganz andere Eindrücke als das Live-Erlebnis; dürfte nicht nur bei diesem Monteverdi-Event so sein...

      Zwei weitere Bemerkungen vorweg: Egal, wie man das Ganze im Detail beurteilt; als gigantische künstlerische Anstrengung, als ganz außerordentliche Leistung aller Beteiligten vor allem in puncto Konzentration, Motivation und Ausdauer steht dieser "Monteverdissimo" geradezu einzigartig da; wahrhaft ein fulminanter Einstieg in die Kosky-Intendanz.

      Und zweitens, ganz persönlich: Ich bin alles andere als ein Monteverdi-Kenner oder gar -Experte; meine Live-Eindrücke beschränken sich im wesentlichen auf den "Ulisse" in der wegweisenden Produktion Harnoncourt/Ponelle (ca. 35 Jahre her) und die sehr freie Nachschöpfung des gleichen Stückes durch David Marton an der Berliner Schaubühne im Vorjahr; mit nur zwei Sängern und Schauspielern im übrigen; keine Ahnung, wieviel Monteverdi da überhaupt noch drin war; beides hat mich durchaus beeindruckt, aber nicht motiviert, mich mit der Materie näher zu beschäftigen.

      Nun also gleich (netto) acht Stunden und drei Werke auf einmal: Das Ganze wird vom Haus als Uraufführung bezeichnet. Monteverdis Notentext enthält nur die Gesangslinien und ein paar Continuo-Notationen; über die Instrumentation gibt es nur Informationen quasi aus zweiter Hand. Klar ist auch dem ungeübten Hörer sofort, dass es bei Monteverdi nicht um die Ausstellung zirzensischer Gesangskunst geht. Ariose Bestandteile sind selten, die Musik illustriert und verdeutlicht den Text in bisweilen endlos scheinenden rezitativischem Sprechgesang. Das bedeutet, dass die uralte Frage "Original oder Übersetzung" hier besondere Brisanz hat: Wer die Stücke außerhalb Italiens im Original aufführt, nimmt in Kauf, dass das Publikum den für den Komponisten so wesentlichen Text nicht versteht; wer andererseits übersetzen lässt, wird um erhebliche Eingriffe in die musikalische Struktur nicht herumkommen.

      Der hier gewählte Weg entspricht der Tradition des Hauses, wo ein enges Zusammenwirken von Text und Musik immer zentrales Anliegen war: Es gibt nicht nur eine neue, meist prägnante, gut singbare, oft witzige und nur selten kalauernde Neuübersetung (Susanne Felicitas Wolf/Ulrich Lenz), sondern darüberhinaus eben die völlig neue Instrumentation durch Elena Kats-Chernin. Der Glücksfall:Weil es sich um ein Auftragswerk handelt, haben Komponistin, Dirigent und Regisseur Hand in Hand gearbeitet; die von Verfechtern des Originalsprache-Prinzips so oft beklagte Diskrepanz zwischen musikalischer Intention und übersetztem Text ist zumindest für den nicht so fachkundigen Hörer nicht zu spüren. Hinzukommt, dass extrem textverständlich gesungen wird; hier ist hervorragend gearbeitet worden.

      Im übrigen verleiht die Komponistin unter Verwendung einerseits des modernen Orchesters und andererseits einer Vielzahl spezieller, teils geradezu exotischer Instrumente jedem Stück sein eigenes, unverwechselbares Klangbild, auch hier ganz der jeweiligen Inszenierung entsprechend: Orpheus erklingt demnach in opulentem, vielfarbigem Gewand mit Violinchor und kräftig besetzter Bläserbatterie, mit Akkordeon, Bandoneon und Cimbalon im Continuo. Odysseus erhält ein wesentlich farbärmeres, dezenteres Klangbild mit tiefen Streichern, Harfen, Harmonium sowie orientalischen oder afrikanischen Zupfinstrumenten, passend zum intimen Kammerspiel. Poppea schließlich, dieser antik-römische Sex-and-crime-thriller, verwendet u.a. elektronisch verstärkte Instrumente (Gitarre, Synthesizer); das bewirkt eine gewisse Gleichförmigkeit des Klanges, ist aber andererseits immer für überraschende Effekte gut. In der Summe überzeugt dieser kreative Umgang mit Text und Musik sehr: Fern von musealer Aufbereitung entsteht ein frischer, lebendiger, authentischer Eindruck, der - Längen vor allem im Odysseus nicht vermeidend - insgesamt den Zugang zu Stücken und Musik enorm erleichtert.

      Die szenische Realisation gibt neu-Intendant Barrie Kosky die Möglichkeit, die ganze Palette seiner Regiekunst im Paket zu zeigen: unvermeidlich, dass dabei die Stärken und Schwächen dieses Regisseurs gleichermaßen sichtbar werden. Der einleitende Orpheus profitiert am meisten von diesen Stärken: Ein enorm farbenreiches, springlebendiges Fest der Sinne ist das; die Bühne von Katrin Lea Tag stellt einen grün-bunten Paradiesgarten dar, bevölkert von Nymphen, Satyren, Tieren und Phantasiegestalten aller Art. Tag und die Kostümbildnerin Katharina Tasch wildern lustvoll in der bildenden Kunst der Entstehungszeit; die kraftvollen Chöre bevölkern nicht nur die Bühne, die um einen um den Orchestergraben herumlaufenden Steg vergrößert ist, sondern auch die Umgänge im Parket und den zweiten Rang. Mitten drin der Mensch Orpheus im schwarzen Anzug, der erst mit allen seine junge Liebe feiert, um später im immer dunkler und fahler werdenden Garten den Verlust seiner Geliebten zu beklagen. Das ist ansonsten gradlinig erzählt und rührt unmittelbar.

      Ganz anders der folgende Odysseus: Der Orchestergraben ist jetzt mit einer grünen Rasenplatte abgedeckt; das reduzierte Orchester sitzt drumherum. Auf dieser kleinen Fläche spielt fast das ganze Stück: Ein streng dialogisches Kammerspiel um die sich nach zwanzig Jahren der Trennung wiederfindenden Liebenden Penelope und Odysseus: Hier nun wäre subtile, psychologisierende Personenführung gefragt, eine Regie, die etwa den Hintergrund, die Vergangenheit der Figuren verdeutlicht und im Text nicht Ausgesprochenes kenntlich macht: Nicht eben ein Vorzug des Regisseurs Kosky: Alles bleibt gradlinig, eng am Wort entlanghangelnd; vieles wird nur behauptet, nicht ausgespielt. Wenn es um die erhellende Karikatur geht, etwa bei der Darstellung der in Tango-Rhythmus verfallenden Freier der Penelope, kommt ein bisschen Fahrt in die Sache; im ersten Teil allerdings hängt das Ganze gewaltig durch, und für das große Schlussduett fehlt dem Regisseur doch die Kraft, die hier frei werdenden Emotionen suggestiv darzustellen.

      Das letzte Stück, der Reißer Poppea, fällt auch von der Regie her, am konventionellsten aus, was wiederum Vor- und Nachteile hat. Hier finden sich die typische Elemente zeitgenössischer Opernregie; wenig bekleidete Darsteller, angedeutete sexuelle Handlungen und drastischer ausgespielte Vergewaltigungen und Misshandlungen; der bunte Bewegungschor aus dem Orpheus ist zu einem lärmenden Haufen gewaltbereiter, geiler Clowns geworden, das Bühnenbild zeigt nurmehr kalte Steine. insofern ergeben sich Bezüge zum Eingangsstück. Bindeglied aller Stücke ist die Figur des Amor, der wie ein Conferencier durch das Stück führt und hier und da lenkend eingreift, etwa indem er das Attentat auf Poppea verhindert. Peter Renz verkörpert diese Figur, bei der Kosky seiner Lust an der Travestie, wie auch bei den Nebenrollen in der Poppea freien Lauf lässt; mit kurzem Röckchen in den ersten Stücken, als alternde Drag-Queen in der Poppea. Renz macht das vorzüglich mit klarem Tenor und jenseits aller Peinlichkeit.

      Im übrigen beeindruckt das aus bewährten Kräften, neuen Ensemblemitgliedern und einigen Gästen zusammengesetzte Ensemble durch Präsenz und Textverständlichkeit. Jeder wird hier sein persönliches "Ranking" erstellen können. Bei mir lagen die Baritone vorn: Dominik Köninger (Orpheus) mit warmem, klangschönem Organ, eminent musikalisch, Günter Papendells ungemein kraftvoller, ständig im Mittelpunkt stehender Odysseus rettet das Mittelstück fast im Alleingang vor dem Abgleiten in die Langeweile. Aber auch der alte Haudegen Roger Smeets als Nero beeindruckt; stimmlich weniger eindrucksvoll, aber ungemein präsent und artikulationsgenau gibt er den ebenso leidenschaftlichen Liebhaber wie brutalen Despoten. Seine Poppea ist Brigitte Geller, mit glitzernden Soprankaskaden, deren beseelter Klang bisweilen einen spannenden Kiontrast zur Szene ergibt, wo Poppea als kaltherzige Intrigantin gezeigt wird; die Sängerin macht hier ein Angebot an den Regisseur zu differenzieterer Darstellung der Figur, das Kosky leider nicht annimmt und dadurch Wirkung verschenkt. Schließlich Jens Larsen, der die überdimensionale Sterbeszene des Seneca in Poppea mit profunder, würdevoller Bassgewalt ausstattet.

      Am Pult des wie immer hochmotivierten Orchesters steht André de Ridder, der auch für das Arrangement des Continuo-Parts verantwortlich zeitigt. Dass die musikalische Intensität nicht acht Stunden anhält und hier und da Koordinationsprobleme hörbar werden, mag man ihm angesichts des abgeleisteten Marathons nicht anlasten; eher schon, dass er es im Odysseus an kräftigeren Akzenten fehlen lässt; insgesamt aber eine konzentrierte, hochachtbare musikalische Realisation.

      Am Ende baden alle Beteiligten im verdienten Jubel des gar nicht so erschöpften Premierenpublikums. Alle freuen sich an einem so spektakulären wie gelungenen Spielzeitauftakt.
    • Lieber pedrillo,
      ich war auch in dem Premierenmarathon und hatte prinzipiell sehr ähnliche Eindrücke wie Du.
      Ich verlinke daher mal meinen Bericht aus dem klassikforum von gestern:
      "http://www.das-klassikforum.de/thread.php?postid=108112#post108112"
      (Ich kopiere diesmal nicht einfach den Text, weil sich anschließend noch eine kleine Diskussion mit denen entwickelte, die Teile im Fernsehen verfolgt hatten)

      Ich war wegen der Instrumentierung, wegen dem deutschen Text und auch wegen Kosky (der mir bisher nicht sonderlich positiv als Regisseur auffiel) äußerst skeptisch vorher. Insoweit war das doch insgesamt ein recht angenehmes Erlebnis, trotz aller Kritik im Detail. Dass man mit dem deutschen Text und an der KOB keine ohnmachtsinduzierenden, geschmeidigen Koloraturen erwarten darf und dass kein geschlossenes psychologisches Meisterwerk da herauskam, das sehe ich locker. Es war für mich trotzdem viel besser als erwartet und sicher ein gelungener Saison + Kosky- Auftakt.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Vielen Dank, lieber pedrillo, für deine ausführlichere Darstellung der Ereignisse. :thumbup:

      pedrillo schrieb:

      Der Glücksfall:Weil es sich um ein Auftragswerk handelt, haben Komponistin, Dirigent und Regisseur Hand in Hand gearbeitet; die von Verfechtern des Originalsprache-Prinzips so oft beklagte Diskrepanz zwischen musikalischer Intention und übersetztem Text ist zumindest für den nicht so fachkundigen Hörer nicht zu spüren.
      Ich als jemand, der mit den Opern sehr gut vertraut ist, kann das absolut bestätigen (ich habe das vielleicht nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht). Man konnte den Sinn des Gesungenen sehr gut erkennen, und auch die Wort-Ton-Verbindung war angepaßt worden, damit es im Deutschen funktionierte. Gerade von dieser geglückten Synthese war ich besonders angetan.


      Im Übrigen möchte auch ich sagen, daß dieser Marathon eine beeindruckende Leistung war - und das sowas wie Pannen nicht wirklich zu erkennen waren. Jedenfalls fiel mir da nichts auf.


      jd :wink:
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    • Hallo,
      ich habe die Übertragung ebenfalls z.T. verfolgt und möchte zur Fernsehregie eine Einschränkung machen: Zumindest im Orfeo (den Rest schaue ich mir noch an) fand ich die Regie z.T. wenig geglückt, geradezu übergriffig. Im Opernhaus sind Maske und Gestik für den Zuschauerraum gedacht, und dieser häufige extreme Zoom auf die Gesichter vermittelt einen völlig falschen Eindruck. Natürlich muss nicht ständig die Totale abgefilmt werden, aber ich habe auch kein Bedürfnis, Schweißtropfen zu zählen oder Zahnfüllungen zu diagnostizieren. Hier wäre ein wenig Zurückhaltung weit besser gewesen.

      Grüße von Zefira
    • Poppea - der zweite Blick

      Am Mittwoch habe ich die zweite Aufführung gesehen, diesmal allerdings nur Poppea. Dieser Inszenierung tut es gut, wenn man nicht schon einen Halbmarathon hinter sich hat. Ohne die entsprechenden Ermüdungserscheinungen habe ich vor allem musikalisch mehr Schön- und Feinheiten heraushören können als zuvor. Zudem schien die zweite Aufführung doch deutlich mehr Biss und Präzision zu haben; viele Sänger hinterließen einen besseren Eindruck. Neben der Poppea von Brigitte Geller - gesanglich wunderbar und im Spiel intensiv und damit Mittelpunkt der Aufführung - möchte ich diesmal vor allem zwei hervorheben: Helen Schneiderman, mir noch bekannt aus dem alten Stuttgarter Ensemble, imponiert als verlassene Kaiserin Octavia sowohl mit schneidender Schärfe gegenüber dem unglücklichen Attentäter Otho (ebenfalls verbessert: Theresa Kronthaler) als auch mit ihrer bewegenden Klage um Rom im Schlussakt. Ebenso beeindruckend als komödiantischer Kontrapunkt: Der Tenor Thomas Michael Allen in der schwierigen Travestie-Rolle von Poppeas Amme Arnalta (auf sowas versteht sich Kosky) mit dem Wiegenlied für Poppea als musikalischem Highlight.

      An der Regie lässt sich weiterhin der Kosky-typische Einfallsreichtum loben, aber auch feststellen, dass - vor allem nach der Pause - nicht alle Einfälle unbedingt zwingend sind. Vor allem die eigentliche "action", sprich die Intrige und das Attentat auf Poppea sowie das anschließende Strafgericht geraten eigentümlich spannungslos.

      Fazit: Vielleicht ist es - vor allem, was die musikalische Wahrnehmung betrifft - doch gewinnbringender, sich die Stücke einzeln und nicht als Super-Event im Dreierpack anzusehen. Das läuft ohnehin nur noch einmal, am 4. November.
    • Ich habe seinerzeit den ganzen Marathon im TV verfolgt. Weder war ich absolut überzeugt, noch enttäuscht. Es gab viele Dinge, die mir an der Inszenierung gefielen, andere fand ich eher albern, auch sängerisch gab's für mich Licht und Schatten, aber immerhin bin ich dadurch auf zwei junge Sänger gestoßen, deren weitere Karriere ich sicherlich versuche weiter zu verfolgen.

      "Orpheus"
      Ein paar Eindrücke von mir :
      Die Musik wurde ja arrangiert u.a. mit modernen Klängen, da war ich erst ja skeptisch, aber es fügt sich in dem Fall sehr gut zusammen, alles sehr organisch, ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass da was vereint wird, was partout aneinander vorbeiläuft. Die Sänger haben mir auch gefallen, auch wenn ich mich an das Timbre des Orpheus (Dominik Köneker) erst gewöhnen, nicht weil es außergewöhnlich ist, sondern, für mich im ersten Moment unpassend dafür wie ich mir diese Figur vorstellte (er war eben ein Bariton), aber ich kam schnell darein, weil er wirklich das Leiden und die Verzweiflung, aber auch Orpheus Ausgelassenheit am Anfang gut einfing. Die Euridyke hat mir außerordentlich gefallen, sehr hell und klar, ohne Probleme in den Höhen, ebenso die Sängerin, die sowohl Sylvia als auch Proserpina sang. Als Fan der Proserpina-Pluto-Szene war ich darauf sehr gespannt; wie die von den Seitenlogen, voneinander getrennt herübersangen, und danach eine Etage tiefer, fand ich gut gelöst. Beim Charon fehlte mir doch etwas das Rauhe, Tiefe in der Stimme.
      Die Inszenierung ist, ja zuerst etwas seltsam gewesen, hatte manchmal etwas leicht Albernes mit der Tanzerei, aber es hielt sich in Grenzen. Sehr bunt und knallig, vielleicht etwas zu Plastik.

      "Odysseus"
      Günter Pappendell als Odysseus hatet ein paar Startschwierigkeiten, hat sich für mich aber dann doch gesteigert und mir schließlich richtig gut gefallen (nebenbei sieht auch noch ganz gut aus, was natürlich kein Kriterium ist :D ). Mirka Wagner als Melanto sang auch sehr gut, ebenso der Eumaios von Thomas Michael Allen. Gar nicht gefallen hat mir dann aber Ezgi Kutlu als Penelope, äußerst farb- und kraftlose Stimme, immer irgendwie flach, ohne Raum und auch darstellerisch hat sie mich wenig überzeugt, letztlich langweilig, die doch ziemlich dankbare Rolle der Penelope (also zumindest in der Darstellung) hat sie mir nie nah gebracht. Annelie Sophie Müller als Minerva dagegen fand ich ganz grandios. Ihre Szene zusammen mit Pappendell war für mich der Höhepunkt der ganzen Aufführung (neben dem Schlussduett), die Bewegungen der beiden waren ganz wunderbar mit dem Vorgängen im Orchester choreografiert.
      Die Inszenierung hat mir weniger zugesagt, die teilweise Albernheit hat bei „Orpheus“ anfangs noch Sinn gehabt, hier bei Odysseus aber höchstens in der Freier-Szene Platz (was hier auch gemacht wurde), anderswo aber nicht, das hat mich gestört. Odysseus „Greisenkostüm“ (ein grauer Mantel) wirkte auch unfreiwillig komisch, da die Figur kurze Hosen trug und deshalb mit dem Mantel ein wenig wie ein Exibitionist auf den Weg in den Park aussah, hätte man besser lösen können. Die Rollerei auf der Bühne fand ich erstaunlich schlüssig, vor allem, weil sie perfekt mit der Musik abgestimmt zu sein schien. So gesehen erschließt sich mir allerdings kein Konzeptgerüst für diese Aufführung, sie wirkt zusammengeschustert, zu fragmentarisch, es gibt keinen roten Faden. Beim Orpheus war das noch stringenter.

      "Poppea"
      Da hatte ich das erste Mal an diesem Tag den Gedanken gehabt, abzuschalten, habe letztlich auch nicht zu Ende geguckt.
      Ein paar Einfälle fand ich ja noch ganz gut, der ganze Prolog war sehr ordentlich (Annelies Sophie Müller als Tugend auch hier wunderbar) und die Idee mit dem "Pärchenkleid" Neros und Poppeas zu Beginn fand ich sehr gelungen und die Geller als Poppea gefiel mir generell sehr gut (das sie und Smeets beide schon "älter" sind passt gut zueinander, wirkt sehr schlüssig so und sie spielen auch gut, aber Smeets ist für mich kaum anhörbar, finde ich unagenehm, gefielmir gar nicht, hat nichts von dieser Nero-Figur und die Stimme ist recht klein und nichtssagend, hat auch i-wie keine Resonanz. Die Kronthaler fand ich ja als Proserpina und Sylvia schon gut, hier als Otho ebenso.
      Die Inszenierung hat für mich keinerlei Konzept, völlig wahllos und nichtssagend. Und als Seneca sich auch noch auszog, wurde mir das schon zu blöd (nicht nur weil es optisch nicht eben schön war, sondern weil es keinerlei Motivation hatte...ich hab ja an sich nichts gegen Nacktheit, aber sie sollte doch irgendeinen tieferen Motiv folgen). Was das Arrangement angeht, finde ich die südlichen Rhythmen zb super eingesetzt, hat was.

      Auch noch was zur deutschen Fassung allgemeint...sie birgt ja schon ein paar Ungelenkigkeiten beim Singen, Fe-hä-hä-hä-hä-hä-hä-hä-lder, aber ingesamt bisher ist mir da nichts wirklich groß aufgestoßen.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Na, ich bleibe dabei: Poppea live (statt Konserve) und solo (statt im Dreierpack), macht einen günstigeren Eindruck

      Succubus schrieb:

      Die Inszenierung hat für mich keinerlei Konzept, völlig wahllos und nichtssagend.
      Würde ich so nicht unterschreiben. Die konzeptionelle Verortung irgendwo zwischen Pasolini, Denver-Clan und Travestieshow passt, finde ich, gut zu dieser Sex-and-crime-Geschichte, auch weil das durch die Instrumentation von Kats-Chernin und auch durch die Übersetzung gut unterstützt wird. Schlüssig ist das Ganze schon, nur zu ungleichwertig, was die Einfälle betrifft - leider mit fallender Tendenz. Und vielleicht ein bisschen oberflächlich - echter Kosky eben.

      Succubus schrieb:

      Und als Seneca sich auch noch auszog, wurde mir das schon zu blöd (nicht nur weil es optisch nicht eben schön war, sondern weil es keinerlei Motivation hatte...ich hab ja an sich nichts gegen Nacktheit, aber sie sollte doch irgendeinen tieferen Motiv folgen).
      Naja, er stirbt laut Text wohl in der Badewanne, und da hat man wohl gemeinhin nix an. Außerdem kann mans nehmen als Illustration, dass die Figur sozusagen ihre irdischen Fesseln längst gelöst hat - davon singt er jedenfalls dauernd. Damit hatte ich kein Problem.

      Succubus schrieb:

      Smeets ist für mich kaum anhörbar, finde ich unagenehm, gefielmir gar nicht, hat nichts von dieser Nero-Figur und die Stimme ist recht klein und nichtssagend, hat auch i-wie keine Resonanz. Die Kronthaler fand ich ja als Proserpina und Sylvia schon gut, hier als Otho ebenso.
      Ist schon recht, eine schöne Stimme hat Roger Smeets wirklich nicht, was vor allem in den Duetten mit Poppea unangenehm spürbar wird. Das Monströse dieser durchgeknallten Herrscherfigur bringt er aber - etwa im Dialog mit Seneca oder während seines "Strafgerichts"- sehr überzeugend rüber.

      Theresa Kronthaler überzeugt mich gesanglich, erschien mir aber - wenngleich gestern schon selbstbewusster - allzu schüchtern und einfarbig. Mag auch an der Regie liegen, die Otho sehr einseitig als kraftlosen Jammerlappen zeigt. Im Orpheus gefiel sie mir besser.
    • pedrillo schrieb:

      Eindruck

      Succubus schrieb:

      Die Inszenierung hat für mich keinerlei Konzept, völlig wahllos und nichtssagend.
      Würde ich so nicht unterschreiben. Die konzeptionelle Verortung irgendwo zwischen Pasolini, Denver-Clan und Travestieshow passt, finde ich, gut zu dieser Sex-and-crime-Geschichte, auch weil das durch die Instrumentation von Kats-Chernin und auch durch die Übersetzung gut unterstützt wird. Schlüssig ist das Ganze schon, nur zu ungleichwertig, was die Einfälle betrifft - leider mit fallender Tendenz. Und vielleicht ein bisschen oberflächlich - echter Kosky eben.


      Eben, es war für mich viel zu sehr Denver-Clan (Pasolini war da trotz Optik und Offensichtlichkeiten subtiler), es war mir zu plakativ, zu aufgesetzt, total künstlich hinkonstruiert (wenn das Absicht sein sollte, kann ich zumindest sagen, es sei gelungen).
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    • Succubus schrieb:

      "Odysseus"
      Günter Papendell als Odysseus hatte ein paar Startschwierigkeiten, hat sich für mich aber dann doch gesteigert und mir schließlich richtig gut gefallen (nebenbei sieht auch noch ganz gut aus, was natürlich kein Kriterium ist :D ). .


      Liebe Succubus,

      dass Schönheit für ihn absolut kein Kriterium ist, zeigt er sehr gekonnt auf seiner Homepage. Mut zur Hässlichkeit kann man da nur sagen :D
      Ich "verfolge" G.P. oder seine Karriere jetzt schon seit seinem Auftritt und Erfolg im ARD-Wettbewerb Gesang 2003. Er hat ja auch in München studiert, u.a. in der Liedklasse von Helmut Deutsch (wie Kaufmann) und mehrmals erlebte ich ihn hier natürlich auch auf der Opernbühne. Da ich ja zusätzlich ein Fan der KOB bin, aber leider viel zu selten in Berlin, war ich immer ganz glücklich, ihn auch dort zu sehen und zu hören, Ich mag seinen warmen und vollen Bariton sehr gerne und spielen kann er halt auch. Leider klauten sie ihm als Escamillo in der dortigen Carmen-Insz. die Hälfte seiner Auftrittsarie. Das fand ich natürlich überhaupt nicht gut :cursing: Als Odysseus finde ich ihn großartig (vom Mäntelchen mal abgesehen ;+) )

      Bei Monteverdi klebte ich dann selbstverständlich am TV, trotz Besuch, aber die mußten dann halt auch schauen (bes. natürlich den mittleren Teil). Bei der Poppea begnügten wir uns dann auf den Ton, denn da wurde es ja doch ein wenig heftig.

      Übrigens hat Günter Papendell heute im Münchner Cuviliéstheater Premiere als Graf Almaviva und steht auch morgen und übermorgen auf dieser Bühne. Ganz schön anstrengend, denn an der Wiesn wird das Ensemble dann wahrscheinlich auch nicht ganz vorbei kommen ;)

      Herzliche Grüße
      Ingrid

      (für das OT entschuldige ich mich, da der Beitrag eigentlich zu den Sängern gehören würde)
    • (Noch etwas OT)
      Hallo Ingrid,
      klar setzt sich Papendell auch in Szene, meine Einschränkung galt auch eher für seinen Gesang (also ich hätte ihn auch als guten Sänger empfunden, wenn er weniger attraktiv wäre). Schön, dass du schon die Gelegenheit hattest ihn so lange zu begleiten, ich habe ihn ja erst durch den Odysseus entdeckt. Die Audio-Beispiele auf seiner Page sind auch sehr schön.

      Gruß
      Succubus
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Liebe Capricciosi,

      am vergangenen Freitag war ich nun endlich auch in der Wiederaufnahme des "Orpheus" an der Komischen Oper und richtig begeistert. Ich halte das geradezu für eine perfekte Produktion dieser Oper - nicht die einzig mögliche und nicht die einzig perfekte, aber eine perfekte. Es ist faszinierend zu sehen und zu hören, wie da alle Komponenten - Text, Instrumentierung, Inszenierung und musikalische Leistung - ineinandergreifen und harmonieren.

      Am genialsten dabei finde ich die Neuinstrumentierung von Elena Kats-Chernin. Die Entscheidung gegen eine Rekonstruktion realer frühbarocker Aufführungen und für einen - durchaus mit barocker Aufführungspraxis vereinbaren - kreativeren Zugang war zumindest in diesem konkreten Fall goldrichtig. Elena Kats-Chernin reichert das Orchester um moderne Instrumente wie Klarinetten und Celesta sowie um folkloristische Instrumente wie Cimbalom und Djoze an, die mit ihrem je spezifischen Sound das Klangbild Monteverdis um antikisierende bzw. archaisierende Facetten bereichern. Die großartigste Stelle war aber die große Arie des Orpheus im dritten Akt, in der sie das Continuo vom - perfekt intonierenden - Chor singen lässt. Orpheus allein vor Charon, Mensch gegen Gott - ganz allein und doch die ganze Menschheit hinter sich. Das hat hohen Symbolwert und ist vor allem für einen Choraficionado wie mich auch klanglich eine Wucht!

      Gleichauf mit dieser kompositorischen Leistung und ebenfalls entscheidend für das Gelingen des Abends ist Dominik Köninger als Orpheus. Er war neben Peter Renz als Amor (Musica, Speranza, Echo) der einzige Sänger, der auch schon bei der Premierenserie dabei war, und allein seinetwegen hätte sich die Reise nach Berlin schon gelohnt. Ich bin es nicht gewohnt, dass Männerstimmen einen geradezu erotischen Reiz auf mich ausüben, aber bei seinem warmen, vollen und intensiven Bariton bin sogar ich dahingeschmolzen. Dazu kommt eine große Musikalität und Stilsicherheit und eine enorme Ausdauer, denn die Regie forderte ihm auch sportlich einiges ab. Seine Arien im dritten und fünften Akt waren absolute Sternstunden! Unter den übrigen Sängerinnen und Sängern ragte Maria Fiselier (Sylvia/Proserpina) hervor. Besonders ihr Botenbericht vom Tod der Eurydike war ganz ausgezeichnet interpretiert!

      Barrie Koskys Inszenierung ist in meinen Augen auch ein Idealfall, da sie einerseits eine bunte Oberfläche mit viel Action und "viel zum Schauen" bietet, andererseits auch in die Tiefe geht und neue Blicke auf die Geschichte anregt. Das beginnt schon bei der Substitution von Musica und Speranza durch den Gott Amor, die auch ohne den Zusammenhang mit "Ulisse" und "Poppea" funktioniert, und endet vielleicht ganz am Ende, wenn das lieto fine doch ganz abrupt gebrochen wird, mit einem genialen Umschwung von oberflächlicher Heiterkeit in unsagbares Leid, das Orpheus in das Wasserbecken hinabzieht, so plötzlich und unvorhergesehen wie ein Unfall, ganz leicht und doch ganz schwer.

      Das einzige, was ich bedauert habe, als ich aus dem Opernhaus ging, war, dass ich die Produktion nicht sofort noch einmal anschauen und anhören konnte. Zu meinem Trost gibt es aber eine DVD, die ich mir jetzt bestellt habe:



      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.