Robert Fuchs – Ein vergessener Romantiker

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    • Robert Fuchs – Ein vergessener Romantiker

      Kammermusik liebe ich. So verwundert es mich heute nicht, das nach meinem fast schon symphonisch zu nennenden Wochenende (Bruckner) nun eben wieder meine geliebte Kammermusik Raum greift:

      Robert Fuchs (1847-1927) Sonate für Violoncello Nr. 1, d-Moll op. 29 und Sonate für Violoncello Nr. 2, es-Moll op. 83 mit Mark Drobinsky, Cello und Daniel Blumenthal, Piano.

      Schade das es hier so gut wie keine Aufnahmen verfügbar sind.



      Es verwundert schon, dass man ihn heutzutage nahezu vergessen hat. Der im steierischen Frauental geborene Komponist war Schüler Anton Bruckners. Später hatte er selbst eine Professur am Wiener Konservatorium inne. Etliche bedeutende Komponisten zählten zu seinen Schülern. Zu denen, die hier im Forum sattsam bekannt sein werden, zählen: Gustav Mahler, Richard Strauss, Leo Fall, Richard Heuberger, Erkki Melartin, Erich Wolfgang Korngold, Hugo Wolf, Alexander von Zemlinsky, Jean Sibelius, Franz Schmidt und Franz Schreker.

      Fuchs und sein Œuvre leiden unter dem Vorwurf ein „Nachahmer“ Brahms zu sein. Stimmt das wirklich? Kann und darf man das so stehen lassen? Was meint ihr? Sicher wurde er von Brahms gefördert, doch geht die Qualität seiner Musik meines Erachtens über das reine Nachahmen hinaus.

      Fuchs in Frauental an der Laßnitz geboren, war das 12 Kind der Familie. Seine musikalische Erziehung begann mit 8 Jahren, als die Familie den Ort verließ und nach St. Peter i.S. Umzog. Der Schwiegersohn der Familie Martin Bischof war sein erster Lehrer. Hier lernte Robert Fuchs das Geigen-, Klavier- und Orgelspiel. Die Kindheit und Jugend waren auch von Entbehrungen geprägt. Erst während seiner Studienzeit gelang es ihm nach und nach durch eigenen musikalischen Fortschritt seine finanzielle Situation zu verbessern. Eigentlich war sein Berufsziel das eines Volksschullehrers, aber diese Vorstellung viel nach und nach dem Wunsch sich der Musik zu widmen zum Opfer, nicht zuletzt unter dem Eindruck, dass sein Bruder es in Wien schon zum Kapellmeister gebracht hatte. 1865 brach er nach Wien auf, um sein Studium am Konservatorium zu beginnen.
      Bei Professor Felix Otto Desshoff konnte er den Jahreskurs für Kontrapunkt und Komposition belegen. Sein in dieser Zeit erarbeitetes Streichquartett erregte großes Aufsehen ob seiner kompositorischen Reife. Eine Anstellung als Organist folgte 1866 neben all diesen Aktivitäten unterrichtete er in Musik-Theorie. Im folgenden Jahr, also 1867, mit gerade mal 20 Jahren schrieb er seine erste Sinfonie: Ein großer Erfolg beim damaligen Publikum!
      Mit seiner Heirat 1869 begann eine zurückgezogene Lebensphase. Er verdiente sich als Organist und Korrepetitor, gab Unterricht und verkaufte seine Kompositionen.
      Nach und nach stellten sich größere Erfolge ein: 1874 feierte er mit seiner Serenade in D-Dur einen solchen. Im selben Jahr erhielt er eine Anstellung im Fach Harmonielehre am Konservatorium. (Herz was willst Du mehr. Anm. der Verfasserin :-))
      Zu dieser Zeit begegneten sie sich: Robert Fuchs und Johannes Brahms.
      Brahms, der sonst auch als gefürchteter Kritiker in der Musikwelt bekannt war, schätzte den 14 Jahre jüngeren Fuchs und setzte sich sehr für ihn ein.
      Beim Hören seiner Musik, der von Fuchs meine ich, sind die Einflüsse Brahms auch kaum zu überhören. Wobei manches wiederum so witzig spritzig und anders ist, das man diese Argumentation auch getrost bei Seite legen möchte.
      Seine Musik wurde nicht nur vom geneigten Publikum goutiert, sondern erhielt auch aus der Fachwelt große Anerkennung: Im Jahre 1884 erhielt er den Beethoven-Komponistenpreis der Gesellschaft für Musikfreunde.
      1888 erfolgt die schon erwähnte Ernennung zum Professor am Konservatorium. Zu seiner Zeit war er sehr erfolgreich, nicht nur als Komponist und Musiker, sondern auch als Pädagoge. 1912 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Fortan widmete er sich verstärkt dem Komponieren. Am 19. Februar 1927 starb Robert Fuchs.
      Heute nahezu vergessen, ist sein Werk zumindest mir der Betrachtung wert.

      Bis bald
      corda vuota

      PS: Eigentlich wollte ich nur kurz in „Eben gehört“ die obige CD posten. Schon bedenklich was daraus werden kann.
    • Bisher hatte ich mit Robert Fuchs nur eine Begegnung:


      Ich war neugierig, wer hier den Preis in Wien gewonnen hat vor Mahlers Klagendem Lied. Klar — Brahms saß in der Jury und so ist es kein Wunder, dass das Konzert den Geist Brahms' atmet, aber ein Epigone ist Fuchs meiner Meinung nach nicht.
      Das Konzert, hier übrigens auch großartig interpretiert und eingespielt, ist auf jeden Fall hörenswert und wert, dem Vergessen entrissen zu werden.
      Lucius Travinius Potellus
      Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety. (B.Franklin)
    • Auf Robert Fuchs aufmerksam geworden bin ich durch dieses wunderbare Hörbuch:



      Die CD ist ein Zeitbild Wiens um die Jahrhundertwende und enthält ein paar Walzer zu vier Händen von Robert Fuchs. Ganz nebenbei wird einem die viel geschmähte Alma in der Zeit vor Mahler richtig sympathisch. Dadurch auf den Geschmack gekommen:



      Auf dieser Doppel-CD sind alle vierhändigen Walzer von Robert Fuchs enthalten. Besonders bei den späten Stücken sind einige fabelhafte Entdeckungen zu machen.
    • Ich bin bei einer CD-Börse über Robert Fuchs "gestolpert" vor vielen Jahren. Dort habe ich dann DIESE CD gekauft, weil auch eine Sinfonie von ihm mit dabei war :




      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51qURT7PFyL._SX450_.jpg]


      Mich wirklich beeindruckt hat diese CD mich allerdings nicht,was aber auch mit den Interpreten zusammenhängen könnte. So fand sie bei mir dann keinen Platz mehr,was ich aber doch nach einigen Jahren bereue. Nun habe ich mir die beiden Naxos-CDs mit den Streicher-Serenaden bestellt. Da die Ausführenden sehr gut sein dürften, warte ich mal was mich erwartet jetzt.

      Leider gibt es noch keine Sinfonien mit anderen Interpreten,oder doch?

      VG,Maurice
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Seit heute kenne ich das Klarinettenquintett. Auch hier zu hören: das Wienerische und die Brahms-Nachfolge. Zweifellos ein attraktives und charmantes Werk, das von dem mir unbekannten Ensemble bei einem mir ebenso unbekannten Label beherzt und differenziert gespielt wird.



      Das andere Werk, dessentwegen ich mir die CD eigentlich gekauft habe, nachdem ich im Rundfunk damit in Berührung kam, steht dem Fin de Siècle noch näher, klingt in harmonischer Hinsicht raffinierter und sehr apart. Ich kann es ebenfalls nur empfehlen.

      Das im letzten Beitrag erwähnte einschlägige Zitat stellt zweifellos ein geniales Bonmot dar. Ob es ganz lupenrein überliefert ist, wird im Wikipedia-Artikel über Robert Fuchs problematisiert.

      Vergleiche auch: Klarinettenquintette

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Vor vielen Jahren kam ich in Kontakt mit der Tochter von Robert Fuchs, als in der Uni unter der Leitung von Erke Duit eine der Symphonien aufgeführt wurde (ich weiß nicht mehr welche, vermutlich die zweite oder dritte). Ich erinnere mich noch, daß ich das Werk als durchaus gefällig empfand, wenngleich nicht ohne einige Längen. Sicher verdient es der Komponist, ein bißchen mehr beachtet zu werden, als es gegenwärtig der Fall ist.
      ______________________

      Homo sum, ergo inscius.
    • Das ist schade, denn nicht alle Raritäten sind Rattitäten.... ;)
      Aber gerade SQ sind bei nicht so tollen Komponisten meist heikel, da man da als Komponist quasi "nackt" ist und sich nicht mit Klangsinn oder Wucht über die Runden retten kann (zumindest in der Zeit vor Bartók). Fuchs' Klavierkonzert ist gar nicht übel. Die SQ sind also mal vorgemerkt.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Felix Meritis schrieb:

      Und taugen die was?
      Aber klar doch, die Aufnahmen habe ich. Fein und einfühlsam gespielt! Ein Satz (ich weiß nicht mehr welcher) läßt der Bratsche viel Raum... ;)

      Zwielicht schrieb:

      Ich hab ja noch nicht mal alle Reger-Quartette durchgehört. Wahrscheinlich, weil ich nach jedem erstmal eine Götterdämmerung oder Frau ohne Schatten zur Erholung einlegen muss.
      "Für mich nämlich gibt es an dieser Stelle viel zu schweigen." (Nietzsche) :tee1:

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Ich habe jetzt gerade op. 106 durchgehört und würde sagen, den Hauptvorwurf, den man Fuchs machen kann, ist der dass er 50 Jahre zu spät geboren wurde. Wäre das Werk von 1866 statt von 1916 würde es als wichtiges Bindeglied zwischen Schumann/Mendelssohn und Brahms gelten können. Im Booklet wird das Brahmsische hervorgehoben, aber das Werk ist leichter und gefälliger als alle Brahms Quartette. Viel weniger verkopft. Der dritte Satz kommt einem sehr bekannt vor, irgendwie wird eine leicht abgewandelte Variante des "Freude schöner Götterfunken"-Themas verwendet. Mir gefällt das Quartett, es ist sehr gut gearbeitet - Fuchs war nicht umsonst ein berühmter Lehrer - und ich finde es auch inspiriert. Halt ein bisschen aus der Zeit gefallen.
      Ich müsste auch die erste CD aus der Serie haben, aber die muss ich erst mal finden.

    • Vielen Dank für Eure Auskünfte! Ich finde auch nicht, lieber Wieland, dass Fuchs sehr brahmsisch ist. Alles was ich von ihm kenne, Klavierkonzert, Serenaden und ein Klavierquartett ist leichter gefügt als Brahms. Mehr so wie Rheinberger oder Bruch.
      Im Zweifelsfall immer Haydn.
    • Für die Bratschenfreunde gäbe es auch noch das hier (ich habe die sogar, aber keine rechte Erinnerung daran, wohl eher ganz nett). Vom Klarinettenquintett habe ich sogar zwei Aufnahmen: die oben gezeigte in der Kopplung mit Kornauth und eine auf Marco Polo (mit Lachner). Leichter als Brahms und meiner Erinnerung nach melodisch nicht so einprägsam wie Bruch. Für Zuspätromantik in den ersten Dekaden des 20. Jhds. würde ich die cpo mit Bruchs Oktett usw. vor jedem mir bekannten Werk Fuchs' empfehlen.

      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Zwielicht schrieb:

      Ich hab ja noch nicht mal alle Reger-Quartette durchgehört. Wahrscheinlich, weil ich nach jedem erstmal eine Götterdämmerung oder Frau ohne Schatten zur Erholung einlegen muss.
      :megalol:

      Dann empfehle ich Dir dringend das erste Klavierquartett ... dagegen sind die Streichquartette der reinste Haydn. Die Rückkehr ins Leben der Normalsterblichen mögen dann "Moses und Aareon", eine Auswahl Webernscher Werke sowie das Opus Clavicembalisticum von Kaikoshro Sorabji bahnen ...

      Gruß
      MB

      :wink:
      Un homme d'esprit est perdu s'il ne joint pas à l'esprit l'énergie de caractère. Quand on a la lanterne de Diogène, il faut avoir son bâton. (Nicolas-Sébastien de Chamfort)
    • Felix Meritis schrieb:

      Übrigens, Oliver Triendl muss ein wahres Arbeitstier sein. Er ist der Spiritus rector hinter dutzenden von Kammermusikaufnahmen aus diesem Repertoire (Romantik, "zweite Reihe").
      Ja, er hat zudem einige (sehr gute; zumindest die, die ich kenne) Aufnahmen für CPO gemacht.

      Dort ist Fuchs übrigens gleichfalls vertreten, wenn auch leider nicht mit Kammermusik (aber vielleicht kommt das ja noch):



      Viele Grüße
      Frank
      :cincinbier:
      "it's hard to find your way through the darkness / and it's hard to know what to believe
      but if you live by your heart and value the love you find / then you have all you need"
      - H. W. M.