Percussioneinsatz im Jazz

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    • Percussioneinsatz im Jazz

      "http://www.youtube.com/watch?v=CNZzPXXBCFk"

      Der Link führt zu dem youtube-Video von "Thembi" mit Pharoah Sanders und David Sanborn, über das hier im Forum auch schon gelegentlich gesprochen wurde.

      Mich interessiert dieser Sound, den der Congaspieler ganz am Schluss macht. Die Musik ist vorbei und während der letzte Akkord verklingt, feuchtet sich der Percussionist die Daumen an, reibt auf seiner Conga und es entsteht ein softes "hoot - hoot" (5´47´´ - 5´50´´): ein Sound, der sehr schön zu solchen fade-out-Momenten passt. Ich kenne ihn auch aus dem Bereich der Neuen Musik auf einem Tamburin.

      Mein Problem: ich bin an die Congas in meiner Schule gegangen und habe es versucht selbst zu machen... irgendwie klappt´s nicht. Weiß jemand, ob es noch einen Zusatztrick gibt? Wie genau geht das?

      Tharon.

      (Ach ja, vielleicht gibt´s ja noch andere Percussionfragen aus dem Jazzbereich, daher ist der Strangtitel ein bisschen allgemeiner formuliert).
    • Ich denke, es liegt am Fell, ob das kappt, oder nicht. Finger nass machen hilft manchmal. Vor allem braucht man Fingerspitzengefühl, ähnlich, wie wenn man auf dem Rand eines Weinglases streichend einen Ton erzeugen will. Was wie auf welcher Conga funktioniert muss man wohl ausprobieren.
      Aber sag mal : ein Tambourin, der " hoot- hoot " macht ?? :huh: Wo gibts denn sowas?
      Gruß
      Tara
      Wenn eine Vergewaltigung unvermeidlich ist - einfach stillhalten und geniessen.
      Konfuzius
    • Tharon schrieb:

      "http://www.youtube.com/watch?v=CNZzPXXBCFk"


      Mich interessiert dieser Sound, den der Congaspieler ganz am Schluss macht. Die Musik ist vorbei und während der letzte Akkord verklingt, feuchtet sich der Percussionist die Daumen an, reibt auf seiner Conga und es entsteht ein softes "hoot - hoot" (5´47´´ - 5´50´´): ein Sound, der sehr schön zu solchen fade-out-Momenten passt. Ich kenne ihn auch aus dem Bereich der Neuen Musik auf einem Tamburin.

      Mein Problem: ich bin an die Congas in meiner Schule gegangen und habe es versucht selbst zu machen... irgendwie klappt´s nicht. Weiß jemand, ob es noch einen Zusatztrick gibt? Wie genau geht das?

      Auf der Conga reibt nicht der Daumen wie auf einem Schellentamburin, sondern der Mittelfinger, der Daumen stützt nur. Verbal erklären kann man das kaum, nur direkt zeigen oder vorführen usw.. - wenn Du mal nach Wiesbaden kommst .....

      Es hängt sehr von der Beschaffenheit des Fells ab, Spannung und Feuchtigkeit spielen eine Rolle. Auf den minderwrtigen Wasserbüffelfellen, die heutzutage auf den meisten Congas drauf sind, geht es eher weniger gut. Zu nass darf man den Finger nicht machen - sonst gleitet es, und man braucht ja Reibung, um die Schwingung zu erzeugen.
      Die Amerikaner nennen das "moose call" - Elchruf. Ich habe es mir seinerzeit vom seeligen Don Alias zeigen lassen, und auch erst mal nichts herausbekommen. Die Technik ist aber afrikanischen Ursprungs - bei den Ga gibt es etliche Rhythmuspatterns, wo er vorkommt. Aber auf deren Oprente-Trommeln geht das auch sehr locker.
      Ach, und ein langer Fingernagel ist auch hinderlich. Wie gesagt, geht am ehesten direkt.
    • Interessant!

      Ich habe inzwischen eine "Ersatz-Technik" gefunden: Wenn ich nämlich mit den Gummi-Schlägeln, die beim Bass-Metallophon dabei waren, eine ähnliche Reibbewegung mache, bekomme ich in etwa den gleichen Sound. Nur dass ich ihn diesmal auch erzeugen kann. Aber so ganz "the real thing" ist das natürlich nicht. Man muss dafür beim Congaspielen immer erst zwischendurch Schlägel in die Hand nehmen. Nicht so toll... Die Geschichte mit den Fingern klappt jedenfalls noch nicht, Aber nach deiner Antwort werde ich mit der Feuchtigkeit noch ein bisschen experimentieren (und ob wir auf unseren Congafellen minderwertige Wasserbüffelfelle drauf haben oder nicht, weiß ich ehrlich gesagt nicht). Wenns mich dann irgendwann noch mal richtig nervt, melde ich mich vielleicht wirklich mal. Wiesbaden ist nämlich genau genommen um die Ecke...

      Danke jedenfalls für die Antwort, hat mich sehr gefreut!

      Tharon
    • Lieber Tharon,

      probier's mal hier:
      "http://www.youtube.com/watch?v=W0lqCmpd1PM"

      Gruß
      MB

      :wink:
      Die Hammerklaviersonate macht anspruchsvoll. Von ihr berührt, wird man ungeduldig gegenüber vielem Mittelmäßigen und Mäßigen, das sich wer weiß wie aufspielt und doch nichts anderes ist als eine höhere Form der Belästigung. (Joachim Kaiser)
    • Aha, wow... auch dir schönen Dank, Mauerblümchen. Der youtube-clip ist recht schön, weil man endlich mal die Bewegung genau sehen kann. Der Sound, den der Mann da erzeugt, ist ein bisschen anders, als der in dem Pharoah Sanders Video, aber ich habe mir das gerade nochmal angesehen: die Technik ist wohl wirklich dieselbe. Insbesondere hatte ich bisher übersehen, dass vor den Reibesound noch ein zärtlicher Klapps gehört (um das Fell in Schwingung zu versetzen?). Das machen jedenfalls beide Percussionspieler.

      Beim Selbstversuch eben gerade bekomme ich einen sehr, sehr leisen Sound heraus. Das lässt sich hoffentlich noch steigern.

      Dann lasse ich mal den Elch rufen!

      Tharon.
    • Hier habe ich noch was interessantes gefunden:

      "http://www.vsl.co.at/de/70/3196/3211/3215/5817.vsl"

      Dort auf "Wirbel" klicken, da gibt es etwas zum "Daumenspitzenwirbel", auch ein Klangbeispiel.

      Wenn ich mal fragen darf: wie macht ein Tambourinspieler das eigentlich, dass er es nach dem Schütteln sofort wieder stumm bekommt? Ich habe das vor längerer Zeit mal ausprobieren können, und bei mir rasselte es trotzdem noch kurz weiter. Wie funktioniert das?
    • Oh ja, auch ganz interessant. Danke auch dir, Merkatz! Ich verstehe zwar nicht, warum da genaue Angaben über die Wirbeldauer gemacht werden (im forte 3 sec, im piano 8 sec.), und dann ist es im Klangbeispiel doch kürzer (ca. 1,5 sec), die Tamburintechnik ist aber schön beschrieben.

      Was deine Abdämpfen-Frage angeht, schau mal in deinem selbst genannten Link unter der Spieltechnik "secco" nach.

      Tharon.
    • merkatz schrieb:

      Hier habe ich noch was interessantes gefunden:

      "http://www.vsl.co.at/de/70/3196/3211/3215/5817.vsl"

      Dort auf "Wirbel" klicken, da gibt es etwas zum "Daumenspitzenwirbel", auch ein Klangbeispiel.

      Wenn ich mal fragen darf: wie macht ein Tambourinspieler das eigentlich, dass er es nach dem Schütteln sofort wieder stumm bekommt? Ich habe das vor längerer Zeit mal ausprobieren können, und bei mir rasselte es trotzdem noch kurz weiter. Wie funktioniert das?

      Das hängt im wesentlichen von der Form der Schellen ab - liegen die Kanten rundherum plan auf, kriegt man sie auch stumm. Haben sie gewellte Ränder, oder nach außen aufgebogene, ist es schon schwieriger. Gar nicht geht es bei senkrechter Haltung des Tamburins, damit es überhaupt stumnm zu kriegen ist, muss man es waagrecht halten, bzw. am Ende des Wirbels in waagrechte haltung drehen.
    • Mauerblümchen schrieb:

      Lieber Tharon,

      probier's mal hier:
      "http://www.youtube.com/watch?v=W0lqCmpd1PM"

      Gruß
      MB

      :wink:

      Der hier kann's noch besser, und vor allem ohne anfeuchten - wenn das Fell gut ist, dass heisst die richtige Kombination von Spannung und Oberflächenbeschaffenheit aufweist, geht es auch so.
      "http://youtu.be/nnMCmqdlz_k"

      Das erste Stück, in dem der Moose Call richtig zur Geltung kam, war "Butterfly" von Herbie Hancock & The Headhunters, hier eine Live-Aufnahme von 1974 aus Bremen. Bill Summers auf jener Tournee live zu erleben, war für mich übrigens ein Schlüsselerlebnis und der Anstoss, Percussion ernsthaft zu spielen.
      "http://youtu.be/6v6o2Biv_KI"