Dvořák: Sinfonie Nr. 2 B-Dur, op. 4

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    • Dvořák: Sinfonie Nr. 2 B-Dur, op. 4

      Wie schon im Thread zur 1. Sinfonie erwähnt, komponierte Dvořák seine zweite Sinfonie, op. 4 im gleichen Jahr als Ersatz für seine verschollen geglaubte Erste. Außerdem steht diese Sinfonie auch im Zeichen seiner unerwiderten Liebe zu der Schwester seiner späteren Frau, die Klavieuntterricht bei Dvořák bezog. Wieder traditionell 4-sätzig angelegt lassen sich wagnersche Einflüsse erahnen, speziell in den Harmonien und den Steigerungen zum Climax.
      Mangels finanzieller Möglichkeiten wurde die Sinfonie erst 20 Jahre nach ihrer Entstehung bei Fritz Simrock gedruckt und am 11. März 1888 in Prag uraufgeführt. Es stieß auf positive Resonanz.

      1. Allegro con moto
      Der Kopfsatz ist reich mit Melodien gestaltet und startet mit einer heiteren Melodie, aus der sich das Hauptthema entwickelt. Fließend geht es vorwärts, bis sich das zweite Thema, zunächst in den Holbläsern, als Teil des gesamten Geschehens einfügt. Der harmonische Fluss fließt weiter und findet in der Coda ihren Höhepunkt, in der das zweite Thema noch einmal anklingt.

      2. Poco adagio
      Der langsame Satz weist Ähnlichkeiten eines Notturmos auf. Durch die sanft fließende Melodie und die seichte Instrumentation, Streicher und Holbläser, unterbrochen von einigen dramatischeren Passagen, lassen sich schwermütigen, kummerartige Gefühle erahnen, die Dvořák nach der Nichtachtung seiner Liebe seitens seiner Klavierschülerin gehabt haben könnte. Außerdem fügt sich in den Streichern auch ein bedrohlicherer Unterton ein. Der Satz klingt piano in den Holbläsern aus.

      3. Scherzo: Allegro con brio
      Das Scherzo beginnt zunächst verhalten im piano, dann bildet sich gemächlich das Hauptthema heraus. Im Tutti erfährt es aber einen heiteren Höhepunkt. Das Trio enthält in den Holbläsern mehr folkloristische Züge. Im Anschluss wird das Scherzo wiederholt und endet wieder ruhig und verhalten wie am Anfang.

      4. Finale: Allegro con fuoco
      Dem Beginnin A-Dur folgt das bewegte Hauptthema in der Grundtonart. Anschließend wird ein zweites Thema, aus den Celli heraus entwickelnd, vorgestellt. Im weiteren Verlauf, meist rhapsodisch angelegt, steht das Hauptthema im Vordergurnd, welches eine reiche Verarbeitung erfährt. In einer triumphierenden Coda schließt die Sinfonie.

      Quellen:
      wikipedia
      naxos

      :wink:
    • Seltsam, dass sich bei der ersten Symphonie recht schnell eine Diskussion entsponnen hat, der Thread zur zweiten bisher aber noch keine einzige Reaktion hervorgerufen hat.
      Ich muss allerdings gestehen, dass auch mich, die zweite von allen Dvorak-Symphonien am wenigsten interessiert. Sie ist die längste von allen neun Symohonien und mir ist sie einfach zu lang. Alles von dem, was der ersten Symphonie zum Vorwurf gemacht wird, das ziellose Mäandrieren, die Divergenz von Form und Inhalt, die langen Leerlauf-Passagen und so weiter und so fort, empfinde ich in der zweiten Symphonie als viel, viel schlimmer. Die Themen und Motive gehen zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder raus - fast eine Stunde Symphonie können sie nicht tragen. Mit der ersten und der dritten Symphonie hat Dvorak nicht nur ein starkes Versprechen für die Zukunft abgegeben, sondern Symphonien vorgelegt, sondern Werke vorgelegt, die europaweit zum Interessantesten gehören, was damals in der Gattung gemacht wurde. Die zweite Symphonie ist dazwischen ein enttäuschender Durchhänger.
      Das klingt jetzt nach einem kompromisslosen Rundumschlag, natürlich habe ich polemisch und überspitzt formuliert. Ein paar lohnende Stellen habe ich beim Wiederhören auch in dieser Symphonie gefunden, der Anfang mit der aus dem Nichts erfachenden patoralen Stimmung ist schon gut gemacht und unkonventionell gedacht. Die Nottornostimmung im langsamen Satz ist teilweise bezaubernd und stimmungsvoll - aber es passiert einfach nichts bzw. für die längste aller Dvorak-Symphonien eindeutig zu wenig.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Nach Deiner Kritik, Cherubino, mag Dvořáks zweite vielleicht dehalb so wenig ansprechend sein, weil sie mehr als Notlösung des Komponisten gedacht gewesen war, da die Partitur der Ersten nicht mehr zu seinen Lebzeiten auftauchte. Es ist quasi ein Ersatzwerk, das eben für den Leipziger Kompositionswettbewerb gedacht war, also eine Gelegenheitskomposition.

      ich finde dennoch mehr gefallen an ihr als Du, aber ich mag generell Dvořáks musik sehr. ;+)

      :wink:
    • Treborian schrieb:

      aber ich mag generell Dvořáks musik sehr

      Ich auch, sonst würde ich ja nicht alle seine Symphonien kennen und zu ihnen eine Meinung haben, sondern hätte nach den letzten beiden mit der Neugierde aufgehört. Dvoraks Musik generell zu mögen, heißt ja nicht, über alle neun Symphonien das Selbe zu denken.

      Treborian schrieb:

      mag Dvořáks zweite vielleicht dehalb so wenig ansprechend sein, weil sie mehr als Notlösung des Komponisten gedacht gewesen war, da die Partitur der Ersten nicht mehr zu seinen Lebzeiten auftauchte

      Ich würde sagen: Auch für den Hörer ist die Zweite eine Notlösung, wenn er die Erste nicht zur Verfügung hat. Im anderen Thread war aber ja bereits zu erfahren, dass Dvorak seine Erste aus der Liste seiner Symphonien gestrichen und zu den Jugendwerken gezählt hat, zu denen er nicht mehr stehen zu können meinte. Dass die Partitur verschwunden war, spielt dafür erst einmal keine Rolle, sondern hinderte sie wohl nur vor der Zerstörung durch den Komponisten. Warum er gerade zur - in meinen Ohren viel schwächeren - "Notlösung" der Zweiten noch stehen konnte, wenn er die Erste ablehnte, ist mir schleierhaft.

      Treborian schrieb:

      Es ist quasi ein Ersatzwerk, das eben für den Leipziger Kompositionswettbewerb gedacht war, also eine Gelegenheitskomposition.

      Du meinst, er hat sich nicht richtig Mühe gegeben? Sendet man bei einem Kompositionswettbewerb nicht eher das ein, was man selbst für gelungen hält. Und ist es wirklich eine Verteidigung der Symphonie zu sagen, sie sei eine Gelegnheitskomposition, quasi ein Ersatzwerk, der Komponist habe sich eben nicht richtig Mühe gegeben?
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • Da bisher noch gar nicht von den Aufnahmen der Zweiten die Rede war, stelle ich mal meine (einzige) zur Diskussion:

      Sinfonieorchester des Kulturministeriums der UdSSR
      Gennadij Roshdestwenskij
      rec. live 26.2.1985

      Ohne einen Vergleich zu irgendeiner anderen Aufnahme dieser Sinfonie zu haben, weiß ich natürlich nicht, wie gut Rosh seine Sache im Vergleich zu den "üblichen Verdächtigen" Kubelik, Kertész, Neumann etc. macht. Angesichts der unüberhörbaren Schwächen des Werks drängt es mich jedenfalls nicht nach dem Kauf einer weiteren Aufnahme. Eine Zweite reicht mir.

      Cherubino schrieb:

      Warum er gerade zur - in meinen Ohren viel schwächeren - "Notlösung" der Zweiten noch stehen konnte, wenn er die Erste ablehnte, ist mir schleierhaft.
      Das habe ich hier anhand eines Booklettextes von Rafael Kubelik darzulegen versucht: Dvorák stand zu keiner seiner ersten vier Sinfonien in ihren ursprünglichen Fassungen. Der Unterschied zur Ersten besteht bei den Sinfonien Nr. 2-4 darin, dass er diese Werke umfangreichen Revisionen unterziehen konnte und in der revidierten Fassung dann wieder mit ihnen zufrieden war. Das ging indes bei der Ersten (mangels Partitur) nicht, weshalb er sie verwarf. Hätte er die Partitur noch vorliegen gehabt, hätte er sie sicherlich auch einer Revision unterzogen und dann als Sinfonie Nr. 1 gelten lassen.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Vielen Dank vor allem an Treborian (an alle anderen natürlich auch) für diese Dvořák Impulse!

      Antonín Dvořák: Symphonie Nr. 2 B-Dur - Tschechische Philharmonie Prag: Libor Pešek



      ...gibt´s morgen Freitag 5.10.2012 um ca. 11 Uhr im Radiosender BR-Klassik zu hören.

      "http://www.br.de/radio/br-klassik/programmkalender/sendung412556.html"
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Cherubino schrieb:

      Du meinst, er hat sich nicht richtig Mühe gegeben? Sendet man bei einem Kompositionswettbewerb nicht eher das ein, was man selbst für gelungen hält. Und ist es wirklich eine Verteidigung der Symphonie zu sagen, sie sei eine Gelegnheitskomposition, quasi ein Ersatzwerk, der Komponist habe sich eben nicht richtig Mühe gegeben?


      Das habe ich nicht behauptet, man kann aich ja auch bei einem Ersatzwerk anstrengen bzw. noch einiges besser machen als vorher. ;+) Das würde mir bei Dvořák niemals einfallen, dafür mag ich seine Musik zu sehr.

      Nun zu der Einspielung der Brilliant-Box:



      Scottish National Orchestra, Neeme Järvi (1987)

      Eine sehr transparente Aufnahme mit gutem Gesamtklang. Die Kesselpauken kommen wieder gut zur Geltung. Der Kopfsatz munter musiziert. Der zweite Satz packend lyrisch und dramatisch zugleich gespielt. Die Holzbläser klingen großartig. Das Scherzo kommt sehr dynamisch und lebhaft rüber. Das Finale ist sehr schwungvoll und mitreißend mit Schmackes in den Pauken.

      Spielzeiten: 13:28/12:59/11:47/9:35

      :wink:
    • Die früheren zwei Drittel der Dvořák-Symphonien sind nie aus dem Schatten der letzten drei herausgetreten, hin und wieder erscheinen inzwischen aber doch auch außerhalb von kompletten Zyklen Einzelaufnahmen mit bekannten Orchestern und Dirigenten. So hat vor einigen Jahren Thomas Hengelbrock mit seinem NDR-Symphonieorchester die Vierte aufgenommen und vor ein paar Wochen ist zu meiner Verblüffung eine Neuaufnahme von Dvořáks Zweiter herausgekommen, Pietari Inkinen, der kurz vorher als Dirigent für den Bayreuther "Ring" nächstes Jahr Schlagzeilen gemacht hatte, dirigiert die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern:


      Interessieren würde es mich ja schon, aber nachdem ich mir die Symphonie nochmal in meiner altbewährten Kubelik-Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern angehört habe und immer noch herzlich uninteressant finde, habe ich die Scheibe doch wieder von meinem Wunschzettel genommen - ich glaube, da brauche ich keine neue Vollpreis-CD als Zweitaufnahme.
      Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde
    • music lover schrieb:

      Da bisher noch gar nicht von den Aufnahmen der Zweiten die Rede war, stelle ich mal meine (einzige) zur Diskussion:

      Sinfonieorchester des Kulturministeriums der UdSSR
      Gennadij Roshdestwenskij
      rec. live 26.2.1985

      Ohne einen Vergleich zu irgendeiner anderen Aufnahme dieser Sinfonie zu haben, weiß ich natürlich nicht, wie gut Rosh seine Sache im Vergleich zu den "üblichen Verdächtigen" Kubelik, Kertész, Neumann etc. macht. Angesichts der unüberhörbaren Schwächen des Werks drängt es mich jedenfalls nicht nach dem Kauf einer weiteren Aufnahme. Eine Zweite reicht mir.
      Diese Dvorak 2 mit Roshdestwensky habe ich auch in dieser "Hammer-CD-Box". Roshdestwensky treibt der Sinfonie Nr.2 schon durch den russischen Orchsterklang das Überromanische aus, was ihr IMO gut bekommt. Dazu tragen die saftigen Blechbläser, wie auch die präsenten Paukenstellen deutlich bei. Die Zweite erfährt damit für mich durch Rosddestwensky eine gewisse Aufwertung; macht sie zumindest interessanter, als sie ist. Besonders das Finale gelingt Roshdestwensky fabelhaft bombastisch.
      Was mir weniger gefälllt sind die recht ausgewalzten Spielzeiten bei Roshdestwensky zu meinen Vergleichsaufnamen mit Kertesz (Decca) und Kubelik (DG).

      Ich würde sagen: Mit Roshdestwensky bist Du, lieber musiclover, gut bedient und ich persönlich würde mir dann keine weitere Dvorak 2 zulegen.

      Vom Tempogefühl habe ich bei der Sinfonie Nr.2 in meinen beiden Sinfonien_GA mit Kertesz (Decca) und Kubelik (DG) einen angemesseneren Eindruck.
      Roshdestwensky braucht alleine für die Kopfsätze mehr als und 2Minuten länger. Kertesz nimmt den 3.Satz Scherzo-Allegro con brio in nur angemessenen 11:05. Die Sinfonie Nr.2 ist ja eigentlich zu lang geraten und wenn das dann noch durch ausgewalztes Tempo verlängert wird ...
      Spielzeiten Rosh...: 18:47 - 15:59 - 13:59 - 13:31
      Spielzeiten Kertesz: 16:27 - 14:06 - 11:05 - 11:34
      Besonders Kertesz trifft die goldene Mitte um der Sinfonie das Langatmige auszutreiben und aus der Partitur noch etwas Schmackes raus zu holen. Ausserdem ist diese Decca-Aufnahmen die Klangbeste aus meiner 3er-Auswahl.


      Decca, 1963-1966, ADD
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang