Strauss: "Elektra" - Deutsche Oper am Rhein, 30.09.2012 (Premiere: 22.09.2012)

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    • Strauss: "Elektra" - Deutsche Oper am Rhein, 30.09.2012 (Premiere: 22.09.2012)

      Zwei Wochen nach dem „Staatstheater Mainz“ setzte auch die „Deutsche Oper am Rhein“ in Düsseldorf die „Elektra“ von Richard Strauss auf den Plan. Während es sich in der Rheinlandpfälzischen Landeshauptstadt um eine echte Neuinszenierung handelte, kam in NRW in Form einer Gemeinschaftsproduktion eine Inszenierung von Christof Nel auf die Bühne, die vor etwa zwei Jahren erstmalig in Genf zu sehen war.

      Bühnenfüllend und sich um die eigene Achse drehend ist ein schwarzes, stilisiertes Haus mit vielen dunklen Fensterlöchern der Ort der Handlung (Bühne: Roland Aeschlimann). Zu Beginn lässt Regisseur Nel die Vorgeschichte kurz anklingen: Dienerinnen in Kostümen der Uraufführungszeit (Kostüme: Bettina Walter) schrubben das Haus, Agamemnon entreisst Klytämnestra ein Kind, das er genauso töten wird, wie deren ersten Mann, um Klytämnestra heiraten zu können. Alle sind sie schon anwesend – Elektra, Chrysothemis, Aegisth – und Beile werden geschwungen. Es ist ein Hinweis, auf das Trauma, dass hier seinen Ausgang findet und diese schreckliche Familie nie mehr los lassen wird.

      Christof Nel zeigt dann eine eher ruhige Nacherzählung der Handlung, angereichert mit einigen Untoten, die ihre Körper oder Hände durch die Fensteröffnungen stecken, unterstützt von einer suggestiven Lichtregie und die ganz auf die Intensität der Mitwirkenden abzielt.

      Gut gelingt Nel, eine Atmosphäre des sich Belauerns zu erzeugen: nie sind die gerade die Handlung bestimmenden Personen alleine nur für sich. Besonders deutlich ist das in der Klytämnestra-Szene zu erleben, wo neben den Dienern auch Mägde den Disput zwischen Elektra und ihrer Mutter verfolgen und wo Klytämnestra des öfteren Medizin eingeflösst werden muss.

      In fast gänzlicher Dunkelheit spielt die Szene mit Elektra und Orest, dafür werden die dann folgenden beiden Morde fast vor den Augen des Publikums ausgeführt. Elektra tanzt sich nicht zu Tode, sie erliegt einem Herzversagen, an der Seite schwingt das Volk die Äxte.

      Das ist keine spektakuläre Inszenierung geworden, aber sie hält den Spannungsbogen aufrecht und bietet einige interessante, stimmungsvolle Bilder. Wo sie am ehesten problematisch wird bei der Personenführung. Da bleibt doch viel den Mitwirkenden selbst überlassen, die Bühne wird auch zur Falle, weil der nutzbare Raum zu eng ist, manche Stürze sind mit sowenig Willen zur Glaubwürdigkeit ausgeführt worden, dass das Umreissen von Stühlen nicht überzeugen konnte. Mitunter stehen sie dann da, Elektra und Chrysothemis vor allem, schauen ins Publikum (oder eher zum Taktstockmeister im Graben) und bieten eine Armchoreografie an, die eine Inszenierung nicht ersetzen kann. Ungelöst die Szene Elektra/Orest, spannend aber jene mit der Klytämnestra.

      Das liegt klar an der Besetzung: Renée Morloc bietet hier ein sehenswertes Rollenporträt und ist gesanglich enorm präsent – ihre Stimme kann in die Tiefe abtauchen und auch in der Höhe noch überzeugen. Dass die Sängerin ihre Stimme manchmal effektvoll nachdunkelt, soll nicht unerwähnt bleiben, aber nicht als Unart überbewertet werden.

      Die Chrysothemis, Morenike Fadayomi, gestaltet ihren Part mit allem Nachdruck, der ihr zu Gebote steht und geht an die Grenzen ihrer Stimme, der sie die letzten Ausbrüche immer abzutrotzen versteht. Da muss zuviel Kraft eingesetzt werden und das Ansingen der Töne von unten ist auch nicht immer gut erträglich.

      Mit rundem, dunklen Bass bietet Hans-Peter König einen angenehmen, nicht wirklich gefährlichen Orest, unauffällig Wolfgang Schmidt als Aegisth, gut besetzte Nebenpartien, z. B. Manfred Fink als junger Diener.

      Titelrolleninterpretin Linda Watson liess sich als indsiponiert ansagen, deswegen verbietet sich ein Eingehen auf ihre sängerische Leistung. Darstellerisch war sie gut und sie konnte den Abend bis zum Ende selbst singen, obwohl bereits als Cover Caroline Whisnant bereit stand.

      Am Pult der Düsseldorfer Symphoniker stand GMD Axel Kober – und dem lag die Musik von Strauss sehr. Besonders die Ausbrüche liess Kober ordentlich loskrachen, gönnte sich aber auch ein weites Ausschwingen der melodischen Bögen, die die Partitur doch reichlich bietet. Vom Orchesterklang her konnte der Abend überzeugen, die Probleme im Zusammenhalt hielten sich in Grenzen.

      Dankbarer Applaus des Publikums in einem recht besuchten Düsseldorfer Opernhaus.
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