Wagner: "Parsifal" - Deutsche Oper Berlin, 21.10.2012

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    • Wagner: "Parsifal" - Deutsche Oper Berlin, 21.10.2012

      Die Oper „Parsifal“ von Richard Wagner, uraufgeführt am 26.07.1882 im Bayreuther Festspielhaus, gehört zu jenen Werken, die sich, je nach Schwerpunktsetzung, auf vielfache Art , aber keinesfalls leicht inszenieren lassen.

      Das im Untertitel als „Bühnenweihfestspiel“ ausgewiesene Stück wirft viele Fragen auf und ein Regisseur hat die Aufgabe, wenigstens einige dieser Fragen zu beantworten und die gefundenen Antworten in seiner Inszenierung zur Diskussion zu stellen. Lange Zeit dominierte ein Interpretationsansatz, der das Stück als geeignete Aufführung für einen Karfreitag erschienen liess, vielleicht das grösste Missverständnis, das dem „Parsifal“ widerfahren ist

      Frauen- und Lustfeindlichkeit, Antisemitismus, Endzeitvisionen, Überlegungen zur deutschen Philosophie oder zu fernöstlichen Religionen, all das brach sich langsam Bahn und Regisseure und Regisseurinnen entdecken mehr in Wagners letztem Werk als Abendmahl, Taube und blutende Wunden. Textstellen wie „Zum Raum wird hier die Zeit“, oder „Erlösung dem Erlöser“ wurden viel diskutiert und dennoch mühen sich Exegeten von Wagners Werk und die Praktiker in den Theatern noch immer damit ab.

      Nicht so Philipp Stölzl bei seinem Versuch, dem „Parsifal“ von Wagner mit einer Neuinszenierung an der Bismarckstrassenoper näher zu kommen. Soviel Oberammergau war selten bei Wagner – und leider konnte diese szenische Hinrichtung des Werks, an der auch Mara Kurotschka (Co-Regie), Conrad Moritz Reinhardt (Bühne) und Kathi Maurer (Kostüme) beiteiligt waren, in kaum einer Sekunde überzeugen.

      Zum Vorspiel öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick auf eine Kalvarienbergszene frei, sandfarbene Steine allüberall, rechts und links kleine Anhöhen, auf der linken die Garlsburg, fahles Licht aus einer Art Neonlampen umrundet die Bühne, vielleicht wollte Stölzl hier zeigen, dass alles nur Theater ist, inmitten der Szene, wie von einem alten Meister gemalt, der gekreuzigte Christus in seinen Sterbeminuten, als lebendes Bild die Soldaten und Frauen, unter ihnen Kundry, die den Heiland verlacht. Christus stirbt, die Seite wird mit dem Speer geöffnet, der Gralskelch fängt das Blut Christi auf, der Vorhang schliesst sich.

      Wenn er sich zum ersten Akt wieder öffnet, blickt man auf das gleiche Bild, ohne das Kreuz. Es ist weitgehend finster – und das bleibt es auch für die nächste halbe Stunde. Gepaart mit einer nichtvorhandenen Personenführung verrinnen hier die Minuten nur zäh. Gurnemanz und die Knappen in langen Mänteln mit roten Kreuzen drauf bemühen sich, jede sinnvolle Bewegung zu vermeiden, es wird gestanden und gesungen. König Amfortas wird auf einer Liege hereingetragen, auch das sieht alles nach dem Bayreuth Cosimas aus, immerhin wird es jetzt langsam heller.

      Zur Erzählung des Gurnemanz (auch später wird Stölzl dieses Stilmittel nutzen) gibt es lebende, auch bewegte, Bilder links und rechts auf den Anhöhen, die die erzählte Geschichte darstellerisch umsetzen. Ein Zuwachs an inszenatorischer Sinnhaftigkeit ist damit nicht verbunden, das alles bleibt rein dekorativ und ist mitunter unfreiwillig komisch.

      Parsifal trägt Anzug, wohl einer von uns, aber das Interesse an solchen Absonderlichkeiten ist längst erloschen. Man freut sich, wenn zur Verwandlungsmusik dann die sich geisselnden Ritter auftreten, bewegt sich doch endlich mal etwas anderes auf der Bühne, als der rechte Arm des bis dahin szenebestimmenden Bassisten. Aber wenn dann zwei Ritter die Weihrauchkessel schwenken und ein Kreuz errichtet wird, ist die ganze Szene schon wieder lächerlich. Schlimmer wird es noch mal, wenn von der schwebenden Taube die Rede ist – kollektiv verfolgt der Chor die imaginäre Taube mit den Blicken, man möchte sich ob dieses Dilettantismus mit Grausen abwenden. Wenn der Gral enthüllt wird, sinken einige Ritter zu Boden, nunja, religiöse Extase halt, bevor es wohl in einen Kreuzzug geht, jedenfalls deuten die gezogenen Schwerter darauf hin.

      Der zweite Akt zeigt keinen Garten, sondern eine Art zusammengebrochenes Schloss mit Fragmenten von Applikationen auf der Mauer. Klingsor ist ein afrikanischer Medizinmann, die Blumenmädchen sind Hexen. Mit dem Speer wird einem männlichen Opfer das Herz herausgetrennt und von den Anwesenden verzehrt. Da wird eine schwarze Messe gefeiert, die Kundry heraufbeschwören wird.

      Was dann folgt ist nur noch eines: sterbenslangweilig. Kundry und Parsifal exekutieren ihre Partien, mal kniend, mal liegend, aber das war es dann auch – szenisch passiert nichts. Peinlich die Nummer, wenn Parsifal den Klingsor einfach rücklings ersticht, das ist szenisch völlig ungelöst.

      Der dritte Akt zeigt eine näher an uns herangerückte Gesellschaft, es ist das Bild des ersten Aktes, die Gralsburg mittlerweile verfallen, rechts gibt’s dafür nun eine Strassenlaterne. Ja, es ist wieder finster und der szenische Leerlauf setzt sich fort. Parsifal nimmt am „heiligen Quell“ Platz, er wird getauft und gesalbt und tauft dann den Rest. Zur Verwandlungsmusik gibt’s „Christus auf dem Kreuzweg“, mit Amfortas in der Hauptrolle und der zwangsgetauften Urteufelin Kundry, Parsifal bringt den Speer, den sich Amfortas in selbstmörderischer Absicht in den Leib rammt, Gurnemanz krönt Parsifal, man hält noch etwas Totenwache bei Amfortas und dann wird der Gral enthüllt. Ritter stürzen ohnmächtig zusammen, genau, das hatten wir einige Stunden vorher schon mal.

      Diese Inszenierung mit ihrem grandiosen, religiösen Kitsch und ihrer über weite Strecken lähmenden Zurichtung ist ein absoluter Tiefpunkt inszenatorische Unfähigkeit. Philipp Stölzl fehlt es nicht nur an Verständnis für das Stück, er ist auch nicht in der Lage, die Figuren nur ansatzweise so zu führen, dass der Abend nicht völlig entgleitet.

      Musikalisch war von Donald Runnicles keine wirklich packende Neuinterpretation zu erwarten. Vieles gerät da recht langsam, auch manchmal zäh, wobei Runnicles souverän auf die Zuspitzungen der Musik hinarbeitet. Immerhin klingt das Orchester der „Deutschen Oper Berlin“ schön, viele Details werden hörbar gemacht und er Abend überzeugt musikalisch dann doch weit mehr, als es die Szene tut.

      Das gilt auch für den klangstarken, nicht immer perfekt im Zusammenspiel agierenden Chor, der von William Spaulding vorbereitet wurde.

      Bemerkenswert, wie sich Tenor Klaus Florian Vogt den Parsifal aneignet, da gibt es kaum eine Schwachstelle. Klug disponiert Vogt seine stimmlichen Möglichkeiten, manchmal wäre da etwas mehr Kraft und auch Metall wünschenswert, aber er steht die Partie ohne Ermüdungserscheinungen durch und gehört klar zu den erfreulichen Eindrücken dieses Abends. Seine Unart, Phrasen nicht zu Ende zu führen und nochmals vor dem letzten Wort zwischenzuatmen, ist allerdings auch bei diesem Parisfal zu erleben.

      Instensiv Evelyn Herlitzius als Kundry, die ihren leicht unruhig flackernden Sopran mit unglaublicher Vehemenz zum Einsatz bringt und sich im Rahmen der enggesteckten Grenzen der Regie auch um darstellerisches Profil bemüht.

      Das gilt auch für Thomas Johannes Mayer, der dem Amfortas berührende, weiche Töne genauso mitgibt, wie solche der Verzweiflung. Mancher Ausbruch ist hier in einer Qualität zu hören, die Lust auf mehr von diesem Sänger macht.

      Das Wagner Urgestein Matti Salminen zeigt sich als Gurnemanz nicht mehr allen Anforderungen der Partie gewachsen – da wird mehr als einmal die Flucht ins rein deklamatorische angetreten, Töne werden mehr nach aussen geknallt, als gesungen, die Höhe spricht nicht mehr in allen Phasen zuverlässig an.

      Thomas Jesatko, der Klingsor, dürfte zu den besten Sängern gehören, die man derzeit für eine solche Rolle finden kann.

      Erwähnenswert noch der Titurel von Albert Pesendorfer, der in den späteren Vorstellungen auch als Gurnemanz zu hören sein wird.

      Das Publikum applaudierte zu den Aktschlüssen zurückhaltend, beim Schlussapplaus gab es grossen Beifall vor allem für Publikumsliebling Salminen, aber auch für Vogt, Herlizius, Mayer und den Dirigenten Donald Runnicles, sowie für den Chor – Philipp Stölzl und sein Team wurden mit orkanartigen Buh-Rufen empfangen, dazu kam, dass viele Zuschauerrinnen und Zuschauer dem Regisseur für diesen enttäuschenden Abend den Applaus verweigerten.
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Lieber Alviano,

      was Du Dir so alles zumutest...

      Seit Stölzls Benvenuto Cellini in Salzburg (siehe dazu alles Nötige bei Tamino) interessiert mich Philip nicht mehr... :)

      Liebe Grüße,

      Matthias

      P.S.: Hast Du den Tannhäuser in Karlsruhe gesehen, die Kritiken klingen interessant, leider schaffe ich es zu keinem der Termine (Umzug etc.)...
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • pfuetz schrieb:


      was Du Dir so alles zumutest...


      Das weiss man vorher eben oft nicht so genau.... :D

      Lieber Matthias,

      Seit Stölzls Benvenuto Cellini in Salzburg (siehe dazu alles Nötige bei Tamino) interessiert mich Philip nicht mehr... :)


      Die Produktion des "Rienzi" in Berlin von Philipp Stölzl fand ich teilweise ärgerlich. Die Inszenierung des "Holländers" in Basel, die demnächst auch im "Schillertheater" zu sehen sein wird, hat mir ganz gut gefallen, vor allem wegen des tollen Bühnenbildes und die "Fledermaus" in Stuttgart war ebenfalls nicht nur, aber auch wegen dem Bühnenaufbau sehenswert. Die grosse Schwäche von Stölzl ist immer wieder die Personenführung, als Bühnenbildner überzeugt Stölzl schon eher. Beim "Parsifal" ist der Einstieg mit dieser hollywoodesken Kreuzigungsszene in Breitwand ein für sich genommen beeindruckendes Bild - das Spiel mit Licht und Schatten hat seinen Reiz. Nur: hier wird mit einem Effekt gearbeitet, der die Dürftigkeit dieser ganzen Veranstaltung nicht überdecken kann. Einzelne Kritiker erwähnen "Religionskritik", die sie in der Inszenierung gefunden haben wollen. Vermutlich haben sie eher die Pressemappe direkt zitiert, zu sehen ist davon nichts. Man muss noch nicht mal die Stuttgarter Inszenierung bemühen, deren Ausnahmerang besonders deutlich wird, wenn man diese Zurichtung an der Bismarckstrasse durchlitten hat, selbst das kleine Theater in Detmold hat eine überzeugendere und kurzweiligere Inszenierung hin bekommen. Bei beiden Produktionen kann man Fragezeichen setzen, aber sie bieten wenigstens eine Interpretation des Stückes an und ersticken es nicht in sinnentleerten Kitschbildern.

      Die Bilder zum "Tannhäuser" in Karlsruhe habe ich gesehen, aber nach der für mich nicht überzeugenden Inszenierung von "Goyescas/Pagliacci" in Heidelberg durch Aron Stiehl bin ich zurückhaltend, wenn er inszeniert. Rein vom Stück her würde mich allerdings die von Thilemann geleitete Produktion des "Liebsverbotes" anlässlich des Wagner-Jubiläums in Bayreuth von Stiehl interessieren.

      :wink:
      Der Kunst ihre Freiheit
    • Alviano schrieb:


      Beim "Parsifal" ist der Einstieg mit dieser hollywoodesken Kreuzigungsszene in Breitwand ein für sich genommen beeindruckendes Bild - das Spiel mit Licht und Schatten hat seinen Reiz. Nur: hier wird mit einem Effekt gearbeitet, der die Dürftigkeit dieser ganzen Veranstaltung nicht überdecken kann.


      Das war auch so mein Eindruck beim Cellini aus Salzburg, nicht umsonst nannte unser Riddler den damals "In Toyland". Es hat wohl was von Barbie-land ("I'm a Barbie-Girl in a Barbie-land"... :) ), was sehr wohl ansprechend sein kann, wenn man den ganzen Rest ebenfalls stimmig dazu bekommt. Und das scheint und/oder ist eben sehr schwierig, zumal bei einem Werk wie Parsifal.

      Alviano schrieb:


      Man muss noch nicht mal die Stuttgarter Inszenierung bemühen, deren Ausnahmerang besonders deutlich wird, wenn man diese Zurichtung an der Bismarckstrasse durchlitten hat, selbst das kleine Theater in Detmold hat eine überzeugendere und kurzweiligere Inszenierung hin bekommen. Bei beiden Produktionen kann man Fragezeichen setzen, aber sie bieten wenigstens eine Interpretation des Stückes an und ersticken es nicht in sinnentleerten Kitschbildern.


      Oder die hochartifizielle und intellektuelle Version von Herheim aus Bayreuth. Das sind wohl derzeit die Maßstäbe, an denen sich eine Parsifal Inszenierung messen lassen muß. Leider kenne ich noch nicht die Mannheimer Version, die da seit Jahrzehnten immer um Ostern rum einmalig auf den Spielplan kommt, das kann/könnte noch eine sehr brauchbare "traditionelle" Inszenierung des Parsifals sein.

      Alviano schrieb:


      Die Bilder zum "Tannhäuser" in Karlsruhe habe ich gesehen, aber nach der für mich nicht überzeugenden Inszenierung von "Goyescas/Pagliacci" in Heidelberg durch Aron Stiehl bin ich zurückhaltend, wenn er inszeniert.


      Das entnehme ich auch so den Kritiken, aber das, was rosalie als Bühnenbild gezaubert hat, scheint sehr sehr überzeugend zu sein. Daher hätte mich interessiert, ob das auch von anderen hier aus dem Forum bestätigt werden kann, auch, wenn ich mich dann wohl noch mehr ärgern würde, da nicht mehr hingehen zu können...

      Alviano schrieb:


      Rein vom Stück her würde mich allerdings die von Thilemann geleitete Produktion des "Liebsverbotes" anlässlich des Wagner-Jubiläums in Bayreuth von Stiehl interessieren.

      :wink:


      Ja, das klingt sehr interessant, die Premiere dirigiert aber wohl Constantin Trinks, den wir ja aus Darmstadt vom Ring in fulminanter Erinnerung haben... Thielemann dirigiert wohl den Rienzi...

      "http://www.wagnerjahr2013.de/de/programm.html"

      Matthias
      "Bei Bachs Musik ist uns zumute, als ob wir dabei wären, wie Gott die Welt schuf." (Friedrich Nietzsche)
      "Heutzutage gilt es schon als Musik, wenn jemand über einem Rhythmus hustet." (Wynton Marsalis)
      "Kennen Sie lustige Musik? Ich nicht." (Franz Schubert)
      "Eine Theateraufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf." (Calixto Bieito)
    • Ich habe den Parsifal heute (4.11.) gesehen und fand die Regie einfach nur ekelhaft, ganz widerlich pathetisch und weichgespült. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob das ernstgemeint ist - es fehlte imho nur noch ein Tick zur kompletten satirischen Überhöhung (aber der fehlte eben). Schon dieses grauslige Bühnenbild, eine Mischung aus steiniger Kleckerburg, Flintstones-Fels und Mount-Rushmore-Pappkulisse: lächerlich. Völlig übertrieben auch die fett symbolträchtigen Kostümierungen; dazu dieses vernebelte Licht und die zeitlupenhaften Bewegungen der in permanenten Anbetungen erstarrenden Statisten/ Choristen. Das war für mich summa summarum wirklich nahe an der Grenze des Erträglichen. Wenn das "Religionskritik" sein sollte, dann habe ich sie nicht verstanden.

      Was die Personenführung anging, die konnte ja in diesem Monumentalkitsch gar nicht mehr gut sein. Die Einzige, die wirklich ihre Rolle bewegend gespielt hat, war E. Herlitzius als Kundry (die auch wohltuend schwarz angezogen war). Ich fand, dass sie auch ausdrucksvoll und rollenpassend gesungen hat; ebenso wie Vogt (der allerdings fast nur sinnlos herumstand/ ging bzw, unbeholfene Handbewegungen machte). Genau wie im Lohengrin hat mir das sehr gut gefallen, wie er das gesungen hat. Pesendorfer (heute als Gurnemanz) ließ sich ansagen, über ihn verliere ich daher lieber kein Wort. Amfortas alias Mayer fand ich ok, aber begeistert hat er mich nicht wirklich.

      Vom Dirigat war ich ziemlich enttäuscht, das war schon im Vorspiel lahm (unfreiwillig komisch: in eine Generalpause klingelte ein Handy rein, mit dem Walkürenritt als Klingelton). Es gab auch schöne lyrische Klänge in den Streichern, aber im Grunde genommen fand ich das langweilig gespielt, eher oberflächlich und auch in den Einsätzen mehrmals sehr unsauber. Im letzten Akt wurde es besser, vielleicht ist der eine oder andere da erst aufgewacht.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • Schade, Heike, da haben wir uns verpasst. Ich war gestern mit meiner Frau auch im "Parsifal".

      Im Übrigen kann ich dir nur zustimmen - was für ein öder, ärgerlicher Opernabend.
      Wenn ich versuche, es vom Positiven aus zu denken, frage ich mich, was ich da anführen kann. Wenig. Ich mag Vogt grundsätzlich; nicht nur als Lohengrin, auch als Parsifal (die Aufnahme des Parsifal mit Jaap van Zweden und eben Vogt ist mir sehr lieb). Doch sogar er überzeugte mich namentlich im dritten Aufzug nicht mehr vollständig, gerade in der Höhe fand ich die Stimme teilweise doch eng, fast quäkig. Vermutlich aber war ich da schon derart von dem zuvor Gehörten und Gesehenen zermürbt, dass mir die Laune vollends verhagelt war. Auch Evelyn Herlitzius, die ich bei der konzertanten "Allüre" der BPhil unter Rattle in all ihrer schrillen Überdrehtheit gefiel, durfte hier wahlweise als hyperaktive Drama-Queen oder Salzsäule mittun. Gurnemanz indisponiert, Amfortas und Klingsor in Ordnung. Die Chöre schätze ich an der DOB besonders; hier allerdings waren die "Stimmen aus der Höhe" im ersten Aufzug teilweise gegen das Orchester kaum zu hören; im Übrigen hatten die Chorsänger immer wieder das Problem, über die Winnetou-Gedächtnis-Kalkfelsen rumpeln zu müssen. So war jeder Einzug, jeder Abgang eine unglaublich langwierige, zähe Veranstaltung - die deshalb gern auch noch mit Zeitlupen-Bewegungen gedehnt wurde, unglaublich!

      Überhaupt, Zeitlupe! Neben dem nur schwer erträglichen, sich zumeist in Kitsch-Bilderchen erschöpfendem Bühnengeschehen (Wagner meets Oberammergau meets Disney) kam für mich auch ein Kaugummi-artiges Orchesterspiel hinzu. Ja, da wurde auf Höhepunkte hingearbeitet, aber wo war das Geheimnisvolle, Überweltliche?

      Der Hauptkritikpunkt aber bleibt die Inszenierung. Mir erschloss sich da wenig, interessierte noch viel weniger. Klingsor hinterrücks gemeuchelt, Amfortas vom heilenden Speer durchbohrt, Kundry unerlöst? Von mir aus, dann bitte aber auch so, dass ich dahinter eine Idee, eine Geschichte vermuten und das Ganze dann wenigstens in Ansätzen nachvollziehen kann. Konnte ich aber nicht. Das Finale blieb alles schuldig. Im Nachhinein lobe ich mir da noch den Eichinger-Parsifal an der Staatsoper. Das war teilweise auch krude, hatte aber immerhin Wirkung, unterstützte den Sog der Musik.

      Der Stölzl-Parsifal war mal wirklich ein missglückter Opernabend.
    • Lieber Ekkehard,
      völlig richtig, "öde" ist das passende Wort. Das oben von Alviano angeführte Beispiel mit der schwebenden Taube illustriert das sehr schön exemplarisch, wie dümmlich diese ganze Inszenierung war. Ehrlich, ich habe in diesem Moment fast erwartet, dass jetzt noch ein Täubchen irgendwo zu sehen ist.....
      Ich hatte bei Stölzl schon niedrige Erwartungen vorab, aber das reale Ergebnis hat diese noch deutlich unterboten.
      Heike
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)