ADLER / ROSS - Those Were the Good Old Days

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    • ADLER / ROSS - Those Were the Good Old Days

      Eine Frage in meinem jüngsten Rätsel, deren Beantwortung sich als vorhersehbar schwierig erwies, gab mir den Anstoß, einmal erneut ein Minoritätenprogramm zu produzieren und einen Text über zwei einstmals enorm populäre und heute fast vergessene Komponisten einzustellen. Es handelt sich um eine besonders un gewöhnliche Kombination zweier Komponisten, die ihre Stücke gemeinsam erarbeiteten, wie ich es sonst nur aus den Zarzuelas der Komponisten Reveriano Soutullo und Juan Vert kenne.

      Die Rede ist von den New Yorker Musicalautoren

      Richard Adler (1921-2011) und Jerry Ross (eigentlich Jerold Rosenberg, 1926-1955)

      Anders als üblich, teilten sich Adler und Ross nicht die Aufgaben Musik und Texte, sondern erarbeiteten gemeinsam alle Elemente ihrer Songs, wobei der wenig bühnenerfahrene Adler zunächst von dem früh trainierten Publikumsinstinkt seines Partners profitierte, sich nach dessen frühem Tod aber auch als eigenständiger Komponist und Texter bewährte.

      Richard Adler war der Sohn eines Konzertpianisten, was ihm eine Abneigung gegen das Klavier eingebracht zu haben schien, das er nie beherrschen lernte. Eine bekannte Anekdote will sogar wissen, dass er als kleiner Junge die Schüler seines Vaters, eines Klavierlehrers, mit einem Baseballschläger in der Hand an der Tür begrüßte und als Waschlappen beschimpfte. Mit der Zeit belehrte ihn sein Vater eines Besseren, aber das Klavier blieb für den jungen Mann tabu. Statt dessen erarbeitete er seine Melodien auf einem kleinen Xylophon, das er stets bei sich trug. 1950 traf er Jerry Ross, einen Sohn russischer Emigranten, der als Sänger und Schauspieler ein Kinderstar des jiddischen Theaters war, bevor eine anhaltende Bronchitis seinen Rückzug von der Bühne erzwang. Obwohl er über keinerlei formelle Musikausbildung verfügte, die er sich erst bei der Arbeit aneignete, konnte Ross als Songschreiber bereits erste Erfolge verbuchen, bevor er sich mit Adler zusammentat. 1953 schrieben beide ihren ersten Erfolgsschlager „Rags to Riches“, der zu einem Nummer 1-Hit für Tony Bennett wurde, und sammelten erste Bühnenerfahrung bei einer Revue namens JOHN MURRAY ANDERSON'S ALMANAC, zu der sie drei Stücke nach Melodien von Adler beitrugen. Einer Empfehlung ihres Mentors und Verlegers Frank Loesser verdankten sie den Auftrag für das Musical THE PAJAMA GAME, das im Mai 1954 mit überragendem Erfolg am Broadway uraufgeführt wurde. Zum Glück wurde jetzt die Originalaufnahme dieser Show sehr preisgünstig wieder neu aufgelegt:


      Fast genau ein Jahr später debütierte ihr Baseball-Musical DAMN YANKEES, das es wie sein Vorgänger auf über tausend Aufführungen brachte, und dessen teuflisch vergnüglicher Song "Those Were the Good Old Days" diesem Thread den Titel gab (s. a. Wiener Streif(en)-Lichter – der etwas andere Opernführer).


      Ross konnte nur noch den Beginn dieser Erfolge selbst erleben, denn er erlag infolge seines notorischen Bronchialleidens mit nur 29 Jahren einer Lungenentzündung. Bis heute aber wird seine Web site geopflegt, die man hier finden kann: "http://www.jerryross.net"

      Adler arbeitete danach alleine, konnte aber nicht mehr an die gemeinsamen Erfolge anknüpfen. Lediglich das Musical KWAMINA, in dem er die Bemühungen eines studierten Afrikaners thematisierte, seinen rückständigen Stamm zu modernisieren, erzielte noch einen Prestigeerfolg und belegte Adlers eigenes Talent für atmosphärische Musik und eingängige Songs. Die mangelnde Bühnenwirksamkeit des Buches sorgte jedoch trotz spektakulärer Tanznummern von Agnes de Mille und der für einen Tony nominierten Musik Adlers für einen herben Misserfolg. Da auch private Probleme hinzu kamen, zog sich Adler vom Broadway zurück und spezialisierte sich auf die Komposition von Werbejingles und, was für einen Autodidakten wie ihn besonders erstaunlich ist, Orchesterwerken. Soweit ich weiß, erschien die letzte Platte mit Werken von ihm im Jahr 1990. Es handelte sich um zwei Orchestersuiten, von denen eine der Freiheitsstatue eine Stimme gibt, die Julia Migenes-Johnson einsang:


      1999 erlebte Adler noch einmal einen Theatererfolg mit dem Pastiche FOSSE, das die Karriere des genialen Multitalents Bob Fosse beschrieb, die einst mit der Choreographie zu dem von Adler in der Sauna komponierten Hit "Steam Heat" aus THE PAJAMA GAME begonnen hatte. Ebenfalls 1999 veröffentlichte er seine Autobiographie unter dem Titel eines seiner erfolgreichsten Songs, „You Gotta Have Heart“.

      Die Musicals dieses Erfolgsteams sind stark von ihrer ursprünglichen Erfolgskarriere als Schlagerkomponisten geprägt. Das bedeutet, dass sie nicht sonderlich komplex und Ensembles die große Ausnahme sind, aber ihre Vielseitigkeit in Text und Musik ist erstaunlich, wenn man bedenkte, dass sie wie ihre großen Vorbilder von Irving Berlin bis zu George Gershwin weitgehend Autodidakten waren, die ihr Können weitgehend in der praktischen Arbeit erworben haben. Das Fundament ihres Erfolges ist eine Fülle von zündenden Einfällen, von deren Besonderheit noch anlässlich der folgenden Besprechung ihrer beiden Hauptwerke die Rede sein wird.

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • The Pajama Game (Das Pyjamaspiel)
      Deutscher Titel: Herz im Pyjama
      Musical in zwei Akten
      Buch: George Abbott und Richard Bissell nach dessen Roman „7 ½ Cents“
      Musik und Gesangstexte: Richard Adler und Jerry Ross
      Orchestrierung: Don Walker
      Originalsprache: Englisch
      UA: 13. Mai 1954 New York.
      Auszeichnungen: 3 Tony Awards, u.a. Bestes Musical
      DE: 3. Dezember 1956 Wiesbaden
      Spieldauer: ca. 2 Stunden

      Personen
      Katherine „Babe“ Williams - Gewerkschaftlerin
      Sid Sorokin - Betriebsleiter
      Vernon Hines - Vorarbeiter
      Gladys Haslers - Sekretärin
      Myron Hasler - Inhaber der Textilfabrik
      Prez - Betriebsratsvorsitzender
      Brenda - Betriebsratsmitglied
      Arbeiter - Arbeiter in der Textilfabrik
      Hilfsarbeiter - Hilfsarbeiter in der Textilfabrik
      Mae - Betriebsratsmitglied
      Mabel - Sorokins Sekretärin
      Max - Vertreter (Schauspieler)
      Pop Babes - Vater (Schauspieler)
      Eddie - Junger Angestellter (Schauspieler)
      Textilarbeiterinnen und -arbeiter, Gewerkschaftler

      Ort und Zeit: Cedar Rapids, Iowa, 1954

      Erster Akt:

      Der Vorarbeiter Vernon Hines treibt die Mitarbeiter einer Schlafanzugfabrik zu größerem Arbeitstempo an (The Pajama Game / Racing with the Clock - Das Pyjama-Spiel / Wettlauf mit der Uhr). Die Arbeiter gehorchen, aber Myron Hasler, der Fabrikbesitzer, ist dennoch unzufrieden. Er verweigert eine überfällige Lohnerhöhung und stellt dem Personal mit Sid Sorokin bereits den dritten neuen Betriebsleiter innerhalb eines Jahres vor. Dieser will sich das Schicksal seiner Vorgänger ersparen und versucht zu ergründen, warum seine Arbeit wiederholt sabotiert wird (A New Town is a Blue Town – Jede neue Stadt ist eine triste Stadt). Als ein Arbeiter eine Misshandlung vortäuscht, schreitet die Betriebsratsvorsitzende Katherine ein, die allgemein Babe genannt wird. Sie durchschaut den Simulanten und gibt zu erkennen, dass ihr der neue Betriebsleiter gefällt. Als ihre Kolleginnen sie deswegen necken, leugnet sie jede Verliebtheit (I’m not at all in love). Indessen beobachtet Hines, wie seine Freundin, die Sekretärin Mabel, Sorokin ein Papier zusteckt. Eifersüchtig verhört er sie. Als er feststellt, dass sie nur eine Lohnliste übergeben hatte, schwört er, nie wieder eifersüchtig sein zu wollen (Duett: I’ll Never be Jealous Again). Sid hat an Babe Gefallen gefunden und bemüht sich um sie. Obwohl nicht abgeneigt, lässt sie ihn abblitzen. Verwundert fragt er sich in einem Duett mit seinem Spiegelbild, ob es an ihm selbst liegen könnte (Hey There – Du da).

      Vor dem Betriebsausflug bemüht sich der Betriebsratsvorsitzende Prez um die Chefsekretärin Gladys, wird aber ebenfalls abgewiesen (Duett: Her Is – Sie ist’s), weil er schon verheiratet ist. Im Verlauf des Betriebsausflugs (Ensemble: This is a Once-a- Year Day – Ein einziger Tag im Jahr) gelingt es Sid, das Eis um Babe zum Schmelzen zu bringen. Sie lädt ihn nach Hause ein. Nachdem er dort endlich ihren Vater abserviert hat, versucht er zur Sache zu kommen (Duett: I Don’t Wanna Talk Small Talk – Ich will kein leeres Geschwätz), aber Babe widersteht wider besseres Wollen mit einem Verweis auf ihre gegensätzlichen Positionen im Betrieb. Im Verlauf einer späteren Verhandlung fällt ihr das noch schwerer (Duett: There Once was a Man – Es war mal ein Mann), aber als die Arbeiterinnen einen Bummelstreik beginnen (Ensemble: Slow Down / Hurry Up – Macht langsam / Schneller) und bestraft werden sollen, verursacht Babe einen Kurzschluss, der alles zum Stillstand bringt. Sid bleibt nichts übrig als ihr fristlos zu kündigen.

      Zweiter Akt:

      Gladys hilft dem Betriebsratsvorsitzenden Prez bei der Vorbereitung einer Rede und fordert ihn auf, feuriger zu sein, was sie ihm auch gleich demonstriert (Ensemble: Steam Heat – Heiße Luft). Sid ist überzeugt, dass nur ein Friedensschluss zwischen Gewerkschaft und Firmenleitung seine Stellung sichern kann. Er versucht vergeblich, Babe zurück zu gewinnen und in seine Strategie einzubeziehen. Auch Hines ist mit der Situation unglücklich (Think of the Time I Save – Denk an die gesparte Zeit). Die Arbeiterinnen versichern ihm, dass sich ihr Bummelstreik nicht gegen ihn, sondern gegen den Geiz Haslers richtet. Der hat indessen mit den Beschwerden eines Vertreters zu tun, dem er vergeblich zu beweisen sucht, dass seine Pyjamas nicht rutschen. Sid versucht sich in Gladys’ Gunst einzuschleichen, und die weiß auch gleich einen passenden Ort für ein Rendezvous (Hernando’s Hideaway – Hernandos Schummerbar). Hines bekommt die Verabredung mit und steigert sich erneut in Eifersuchtsvorstellungen hinein (Ballett).

      Sid hat von Gladys den Schlüssel zum Chefbüro erhalten und die Bücher überprüft. Dabei hat er festgestellt, dass Hasler die Lohnerhöhung bereits verbucht und selbst eingestrichen hat. Als Sid ihn damit konfrontiert, gibt Hasler klein bei und genehmigt die Lohnerhöhung, die von Prez und der Belegschaft gefeiert wird (Ensemble: 7 ½ Cents). Nach diesem Erfolg erkennt auch Babe, dass Sid ein anständiger Mensch ist, und einer allgemeinen Versöhnung steht nichts mehr im Wege („Reprise: There Once Was a Man). Gefeiert wird natürlich im Kreise der Betriebsangehörigen (Reprise: The Pajama Game und 7 ½ Cents).

      Werkgeschichte

      Der Inspizient Robert Griffith und der junge Regisseur Harold Prince hatten sich 1953 als Produktionsteam zusammengetan und den milde zeitkritischen Roman Richard Bissells optioniert. Ein Musical zweier unerprobter Produzenten und Komponisten um einen Arbeiterstreik war jedoch kaum zu finanzieren, und erst als sie den Erfolgsregisseur George Abbott für ihr Team gewinnen konnten, fanden sich sowohl das nötige Geld als auch das künstlerische Team. Abbott wollte den Stoff eigentlich von Frank Loesser komponieren lassen. Der aber hatte andere Pläne und empfahl seine Schützlinge Adler und Ross. Auch der vorgesehene Choreograph Jerome Robbins sagte zunächst ab, willigte aber ein, als Co-Regisseur zu fungieren, wenn sein Protegé Bob Fosse die Choreographie anvertraut bekäme. Selten hatte ein renommierteres Ensemble für die Produktion eines Debütwerkes zusammengefunden, und der gemeinsam erarbeitete Erfolg war phänomenal. Allein Loesser, der die Verlagsrechte der Musik hielt, verdiente Millionen an dem Werk seiner Schützlinge, und das Stück lancierte nicht nur die Karrieren von Adler, Ross und Fosse, sondern auch einiger Darstellerinnen, darunter die Darstellerin der Gladys, Carol Haney, und deren Vertreterin Shirley MacLaine, die hier ihren ersten Publikumserfolg feiern konnte.

      Das Stück brachte es auf Anhieb auf die damals phänomenale Zahl von 1063 Broadwayaufführungen, die zahllose Neuinszenierungen im In- und Ausland nach sich zogen und das ihre dazu beitrugen, dass DAMN YANKEES, das nächste Musical der beiden, noch während der Laufzeit des ersten Stückes von dem gleichen kreativen Team herausgebracht werden konnte. Der große Erfolg des Stückes führte ungewöhnlich schnell zu einer Verfilmung, die 1957 von dem Studio Warner realisiert wurde. Die Produktionsfirma bestand zwar auf ihrem Star Doris Day, die sich als neue, aber bereits bewährte Babe bestens in das Ensemble einfügte, übernahm aber ansonsten alle wichtigen Mitwirkenden des Bühnenerfolges. Das galt nicht nur für Bob Fosse als Choreographen, sondern sogar für Abbotts wirkungssichere Inszenierung, die von dem Meisterregisseur Stanley Donen filmisch aufgelöst wurde. So entstand eine ungewöhnlich originalgetreue Verfilmung, die bis heute zu den besseren Filmmusicals gehört. Während die Musik von Adler und Ross ihre Attraktivität erhielt, erwies sich die Harmlosigkeit des Stoffes später als zu zeitgebunden, und zwei Wiederaufführungen, die 1965 und 2006 an den Broadway kamen, blieben trotz guter Kritiken erfolglos.

      Musik

      Ohne das Verdienst der Erfolgsnummern von Adler und Ross schmälern zu wollen, lässt sich sagen, dass ihr Mentor Frank Loesser einen nicht unerheblichen Anteil an ihrem Erfolg hatte. Manche ihrer Nummern hätten auch von diesem selbst stammen können, etwa A New Town is a Blue Town, das an My Kind of Town aus Loessers GUYS AND DOLLS erinnert. Als sie ein Motiv für ein Liebeslied suchten, gab Loesser ihnen einer Anekdote zufolge den Rat, ein lizenzfreies Erfolgsstück zu verlangsamen. Tatsächlich unterscheidet sich Hey There nur im Tempo von dem Auftakt des ersten Satzes von Mozarts wohl bekanntester Klaviersonate (C-Dur, KV 545), wie man sich in diesem Ausschnitt aus dem Film überzeugen kann, in dem Doris Day das Lied gekapert hat: "http://www.youtube.com/watch?v=1FpLgiuv9mU".

      Entscheidend ist jedoch, dass Adler und Ross etwas völlig Eigenes daraus machten, denn dieses besinnliche Duett des Hauptdarstellers mit seinem Spiegelbild gehört zu den Höhepunkten der Partitur. Daneben brachte THE PAJAMA GAME gleich mehrere internationale Hits in ganz verschiedenen Stilformen hervor: den Tango Hernando’s Hideaway, den Country-Song There Once was a Man“und das komische Duett Small Talk. Die bekanntesten Nummern des Stücks werden von Popstars wie Harry Connick und Robbie Williams noch heute gerne für Coverversionen herangezogen. Wer einmal hinein hören möchte, kann dies in einigen YouTube Ausschnitten von STudentenaufführungen tun, die natürlich nicht das Optimum bieten, was man aus den Stücken herausholen kann. Dazu genügt es, auf YT den Titel PAJAMA GAME einzugeben.

      Wer das Musical allerdings in professioneller Qualität hören will, sollte sich den im vorigen Posting gezeigten originalen Soundtrack besorgen, oder aber den Film ansehen, den es aber leider nur noch im Original als Import gibt:



      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung
    • I see Indians draggin'
      An empty covered wagon
      When scalping the settlers was the latest craze
      And the glorious morn'
      Jack the Ripper was born
      Ha-ha-ha-ha
      Those were the good old days.

      (s. "http://www.youtube.com/watch?v=5zTUiFMFrYU"

      Zeilen wie diese, in denen der Teufel das Schwinden der guten alten Zeiten beklagt, haben von Anfang an dafür gesorgt, dieses Musical des Teams Adler / Ross zu einem meiner bleibenden Lieblinge zu machen, obwohl ich von Baseball so gut wie keine Ahnung habe und auch der FAUST erst spät begann, eine bleibende Faszination auf mich auszuüben. Ich greife daher gerne die Frage danach aus meinem aktuellen Verführungsrätsel auf um mich ein wenig detaillierter darüber auszulassen.

      Damn Yankees (Verdammte Yankees)
      Deutscher Titel: Fußballfieber
      Musical in zwei Akten
      Buch: George Abbott und Douglass Wallop nach dessen Roman „The Year the Yankees Lost the Pennant“
      Musik und Gesangstexte: Richard Adler und Jerry Ross
      Orchestrierung: Don Walker
      Originalsprache: Englisch
      UA: 5. Mai 1955 New York.
      Auszeichnungen: 8 Tony Awards, u.a. Bestes Musical
      DE: 19.5.1979 Oberhausen
      Spieldauer ca. 2 Stunden

      Personen
      Joe Hardy - Teuflisch guter Baseballspieler
      Lola - Assistentin des Teufels
      Applegate - Der Teufel persönlich
      Gloria Thorpe - Sportreporterin
      Benny Van Buren - Baseballtrainer
      Welch - Besitzer der „Washington Senators“
      Joe Boyd - alternder Baseballfan, als Spieler Joe Boyd
      Meg Boyd - Joe Boyds Ehefrau
      Lynch - Zeitungsreporter
      Bryant - Welchs Assistent
      Miss Weston - Welchs Sekretärin
      Sohovik - Baseballspieler
      Megs Freundinnen, Baseballspieler, Kommissionsmitglieder, Baseballfans, Postbeamter, 2 Kinder

      Ort und Zeit: New York, späte 1950er Jahre

      Erster Akt

      Sechs Monate im Jahr gehört der ansonsten treue Versicherungsmakler Joe Boyd als Fan der Washington Senators nicht mehr nur seiner Frau Meg, sondern mit ganzem Herzen dem Baseball, wie Meg und ihre Freundinnen beklagen (Six Months Out of Every Year). Joe aber registriert nur, dass seine Mannschaft wieder einmal verloren hat und würde seine Seele dem Teufel verkaufen, wenn er das wenigstens eine Saison lang ändern könnte. Prompt erscheint ein Mr. Applegate und bietet Joe an, ihn im Tausch gegen seine Seele in einen Spitzenspieler zu verwandeln. Boyd akzeptiert und verabschiedet sich von seiner schlafenden Frau (Goodbye Old Girl – Leb wohl, altes Mädchen). Zuvor bedingt er sich jedoch eine Ausstiegsklausel aus, nach der er von dem Deal zurücktreten kann, wenn er es sich vor Saisonende anders überlegt. Applegate akzeptiert widerwillig und verwandelt den alten Joe in den jungen Baseballcrack Joe Hardy.

      Die mutlosen Spieler der Senators werden von ihrem Trainer Benny van Beuren motiviert. Nur wer mit ganzem Herzen bei der Sache ist, kann auch gewinnen (You Gotta Have Heart). Als Applegate Joe vorstellt, der sich sofort mit einem Superschlag einführt, interessiert sich die Reporterin Gloria für den attraktiven Spieler. Da er keine Schuhe trägt, denn Boyds Schuhe passten Hardy nicht mehr, lügt Applegate ihr vor, Joe sei ein Superspieler aus Missouri und werde dort der schuhlose Joe genannt. Alle feiern das neue Teammitglied (Shoeless Joe from Hannibal, Mo.), und Gloria gelingt es in kürzester Zeit, einen Star aus ihm zu machen.

      Applegate ist besorgt, weil Joe ihm zu selbständig wird und zitiert die attraktive Lola - eine einst hässliche Frau, die er im Tausch gegen ihre Seele in eine Schönheit verwandelt hat - herbei, damit sie ihn an die Kandare nimmt. Ihrer Verführungskünste sicher, übernimmt sie den Auftrag (A Little Brains, A Little Talent – Etwas Grips, etwas Talent - s. "http://www.youtube.com/watch?v=R-Tqzlmk6PA"). Joe hat inzwischen Heimweh bekommen und stellt fest, dass ein Mann nicht weiß, was er hat, bevor er es verliert (Duett: A Man Doesn’t Know What He Wants Beforte He Loses It). Er mietet sich bei Meg ein. Diese zweifelt nicht daran, dass ihr verschwundener Mann zurück kommen wird, freut sich aber, dass Joe ihr bei Haushaltsdingen hilft, die ihrem Mann nie aufgefallen wären. Nach einem gewonnenen Spiel stellt Applegate Lola Joe vor, die ihn umgehend in der Umkleidekabine zu verführen versucht (Whatever Lola Wants – Was immer Lola will - s. "http://www.youtube.com/watch?v=whLD7A2-qlI"). Diesmal aber kriegt sie ihren Willen nicht und wird von Applegate entsprechend abgestraft. Danach nutzt dieser die Verwirrung Glorias, die gerade aus Missouri zurückgekehrt ist und dort erfahren hat, dass es keinen schuhlosen Joe gibt, und flüstert ihr ein, dass Joe tatsächlich wegen Bestechlichkeit gesperrt sei. Indessen feiern Lola und Joes Mitspieler dessen Erfolge (Who’s Got the Pain – Wem tut es weh?) Der Trainer Benny unterbricht die Feier und informiert Joe, dass er ihn nicht einsetzen werde, bis er seine Unschuld beweist.

      Zweiter Akt

      In der Umkleidekabine sorgen sich die Spieler um den Ausgang des nächsten Spiels ohne Joe, reißen sich dann aber zusammen und wollen nur noch an das Spiel denken (The Game). Sie verlieren. Joe, der sehr wohl weiß, wem er das Problem verdankt, fragt Meg, ob auch sie glaube, dass er bestechlich sei. Meg vertraut ihm, bekennt aber auch, dass sie ihren Mann vermisst. Joe versichert ihr dankbar, dass ihr Mann ihr näher sei, als sie glaubt (Near to You). Joe will aussteigen und beruft sich bei Applegate auf seine Ausstiegsklausel. Um Zeit zu gewinnen, lügt Applegate ihm vor, die Rückverwandlung könne nur um Mitternacht geschehen. Lolas Versagen und Joes Rücktritt lassen ihn die guten alten Zeiten beklagen, als das Teufelswerk noch Spaß machte (Those Were the Good Old Days).

      Vor dem Schiedsgericht wird Joe dank eines leidenschaftlichen Plädoyers von Meg freigesprochen. Wegen der Verhandlung hat Joe jedoch die Rückverwandlung um Mitternacht verpasst und gehört nunmehr Applegate. Dieser aber hat nicht damit gerechnet, dass Lola lieber wieder so hässlich sein will wie früher, als ihm weiterhin zu gehorchen. Sie gibt Applegate Schlaftabletten und verrät Joe dessen üblen Plan. Die beiden verlorenen Seelen trösten einander (Two Lost Souls - s. "http://www.youtube.com/watch?v=LT_v8axA_mU&feature=related") und freuen sich, dass Joe zum Entscheidungsspiel gegen die New York Yankees auflaufen und die Senators in Führung bringen kann. Um ihn öffentlich zu blamieren, verwandelt ihn Applegate während des Spiels zurück in den alten Joe Boyd. Diesem gelingt es dennoch, das Ergebnis zu halten, und selbst zum Helden zu werden. Meg freut sich, dass sie ihren Mann wieder hat (Reprise: A Man Doesn’t Know und Finale).

      In dem Revival von 1994 wird auch Applegate ein kleiner Triumph gegönnt, denn Lola kann sich nicht mit ihrer Hässlichkeit abfinden und schließt lieber einen neuen Pakt mit dem Teufel, damit sie wieder eine anziehende Frau sein kann, die man gerne ausziehen möchte.

      Werkgeschichte

      Der Erfolg von THE PAJAMA GAME machte es den Beteiligten leicht, die Finanzierung ihres nächsten Projekts zu sichern. Nur Jerome Robbins war nicht mehr dabei. Auch diesmal war der Regisseur George Abbott die treibende Kraft und hatte erneut einen erfolgreichen Romanautor an seiner Seite. Dessen Einfall einer Übertragung des klassischen Faustmythos in den damals beliebtesten Sport Amerikas erwies sich als Glücksfall. Die Kritik war womöglich noch mehr begeistert als über THE PAJAMA GAME und verhalf DAMN YANKEES zu 8 Tony Awards. Einen weiteren Rekord verbuchte das Stück 1994 dank George Abbott als dem weltweit ersten und bis heute einzigen Produzenten, der noch im Alter von 99 Jahren zur erfolgreichen Rückkehr eines seiner Klassiker an den Broadway beitrug, denn auch diese brachte es auf immerhin 778 Aufführungen. Einem internationalen Erfolg stand allerdings das erzamerikanische Thema Baseball im Wege, und auch der Versuch der deutschen Erstaufführung, die Sportart zu wechseln und den Fußballverein Rotweiß Oberhausen ins Zentrum des Stücks zu stellen, änderte daran leider nichts. Immerhin führte der Erfolg des Broadway-Revivals von 1994 zu einem weiteren Versuch, das Musical auch in Deutschland populär zu machen. Leider hatte auch das Berliner Theater des Westens mit seinem Anlauf 1996 wenig Glück, so dass man dem äußert reizvollen Stück wohl leider keine große Zukunft mehr voraussagen kann, jedenfalls in absehbarer Zeit.

      Der Erfolg des Stückes führte erneut zu seiner baldigen Verfilmung, die 1958 wiederum von George Abbott und Stanley Donen realisiert wurde. Für sie gilt nahezu das Gleiche wie für ihre Vorgängerin. Wiederum wurde ein Hauptdarsteller durch einen Filmstar ersetzt, diesmal der Joe von Stephen Douglass durch Tab Hunter, aber die übrigen wichtigsten Ensemblemitglieder wurden übernommen. Vor allem Gwen Verdon als Lola und Ray Walston als verschmitzter Teufel konnten damit eine eindrucksvolle Filmkarriere beginnen. Eine Oscar-Nominierung erhielt jedoch lediglich Ray Heindorf für seine Bearbeitung der Musik, die aber André Previns Filmmusik von „Gigi“ unterlag.

      Musik

      Der Erfolg von THE PAJAMA GAME und die kurze Produktionszeit von DAMN YANKEES schlugen sich unweigerlich in der Musik dieses Stücks nieder, denn die wesentlichen Veränderungen gegenüber seinem Vorgänger waren fast ausschließlich thematischer und atmosphärischer Natur. Rein musikalisch gesehen, wären fast alle Nummern der beiden Erfolgsstücke austauschbar, und nicht von ungefähr waren sie im Schlagermarkt auch ähnlich erfolgreich. Lediglich das jazzige Verführungsstück „Whatever Lola Wants“ und das Bluesduett Two Lost Souls setzten wirklich neue Akzente im Schaffen der beiden Komponisten. Immerhin zeigten sie große Fortschritte als Librettisten, denn der Witz ihrer Songtexte vermag auch heute noch zu amüsieren, wie man schon an der Klage des Teufels Those Were the Good Old Days erkennen kann.

      Wer sich näher für die Musik interessiert als über YouTube möglich, wo leider nur mittelprächtige Amateuraufführungen und Clips aus dem Fernsehfilm mit Lee Remick (und die leider in schlechter technischer Qualität) existieren, sollte sich die cd mit dem originalen Broadway-Soundtrack besorgen, die es erstaunlicherweise bei jpc zu geben scheint:



      Original Cast Album von 1955: Broadway Orchester unter Leitung von Hal Hastings; Stephen Douglass (Joe Hardy), Gwen Verdon (Lola), Ray Walston (Applegate), Robert Shafer (Joe Boyd), Shannon Bolin, (Meg), Rae Allen (Gloria) u. a.

      Am amerikanischen Amazonas gibt es auch noch den Soundtrack des Revivals von 1994 mit Bebe Neuwirth als Lola, der schon deshalb empfehlenswert ist, weil er die Musik vollständig und in guter technischer Qualität bietet:


      Am empfehlenswertesten ist eigentlich die sehr originalgetreue Verfilmung mit (weitgehend) der Originalbesetzung vom Broadway, aber die gibt es leider selbst in den USA anscheinend nur noch gebraucht und für erhebliches Geld. Nur eine höchst vage Ahnung davon, und selbst das nur für Leute, die das Stück schon kennen, gibt nämlich der auf YT ansehbare Trailer des Films hier "http://www.youtube.com/watch?v=sbvoStVmMCQ&feature=related"

      Eine Neuauflage dieser ganz besonderen FAUST - Saga würde also einen weit offenen Markt vorfinden. Ob es allerdings wirklich eine gute Idee war, den Baseball durch Fußball zu ersetzen, sei dahin gestellt, und das kann ich leider auch nicht beurteilen, da ich weder den deutschen Text noch die Show kenne.

      PS: diese Version von Two Lost Souls möchte ich Euch aber nicht vorenthalten: "http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&v=rrXj0ovACbk&NR=1"

      :wink: Rideamus
      Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung