Komponisten *1960 -

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    • Komponisten *1960 -

      Don Fatale schrieb:

      Eine originelle, eigenständige und diese Entdeckungen weiterentwickelnde Auseinandersetzung nehme ich u.a. bei Enno Poppe (Mikrotonalität), Rebecca Saunders (Geräusch, Spektralismus) und Mark Andre (Geräusch) wahr, die ich für die drei wichtigsten Vertreter der nach 1960 Geborenen halte.


      Welche Komponisten, die seit 1960 geboren wurden, schätzt Ihr?
      Bei Saunders und André bin ich dabei, Poppe bekommt demnächst wieder mal eine Chance.
      Mahnkopf und Kyburz haben mich mal begeistert, hat nachgelassen, Birkenkötter find ich OK.
      Momentan interessiere ich mich mehr für Jay Schwartz und Jörg Widmann.
      Außerdem Fausto Romitelli und José M. Sanchéz-Verdú.
      :wink:
      This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    • Über die drei hinaus, mit denen ich bereits zitiert wurde, interessieren mich zur Zeit besonders Unsuk Chin, Alberto Posadas und Yann Robin (von Robin finde ich nirgends das Geburtsjahr, aber er dürfte deutlich unter fünfzig sein).
      Von den noch jüngeren, um 1980 geborenen, finde ich vor allem Annesley Black, Johannes Borowski und den leider bereits verstorbenen Christophe Bertrand bemerkenswert.
      Ein Drittel Frauen, das ist doch auch interessant.

      Grüße
      vom Don
    • Zu Mark André habe ich den Zugang nicht wirklich gefunden, bei Rebecca Saunders und Unsuk Chin verdoppele ich. Jörg Widmanns letzte Uraufführung hier in München (Babylon in der Staatsoper) war in einer Weise überwältigend, dass ich noch unsicher bin, ob das was gutes oder was schlechtes ist. Mal den zweiten Besuch abwarten...

      Ansonsten schicke ich noch Matthias Pintscher, Olga Neuwirth, Isabel Mundry und Bruno Mantovani ins Rennen.

      :wink: Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Die Begeisterung für Rebecca Saunders und Mark Andre teile ich, die für Enno Poppe und Jörg Widmann (den ich als Klarinettisten sehr mag) kann ich bisher noch nicht nachvollziehen - die für Jay Schwartz noch weniger... Dagegen schätze ich unter den seit 1960 Geborenen vor allem Hans Tutschku, Liza Lim und Flo Menezes. (40% Frauenanteil!!!)


      Herzliche Grüße
      Aladdin
    • Es gibt einige ab 1960 geborene Komponisten, welche mich sehr ansprechen.
      Spontan nenne ich mal Detlev Glanert, dessen Oper "Der Spiegel des großen Kaisers" ich sehr überzeugend fand( wir haben diese Oper mal im Programm gehabt) ,sowie
      Christian Jost, der mir noch aus Studententagen bekannt ist.

      Aber es gibt noch andere, mehr ein anderes mal.

      Gruß,
      Michael
    • ralphb schrieb:

      Le Merle Bleu schrieb:

      dass ich noch unsicher bin, ob das was gutes oder was schlechtes ist.


      Was schlechtes, weil's zu gut klingt?
      Eigentlich hätte der Abend eine eigene Besprechung verdient - vielleicht mache ich das ja noch... Kurz zusammengefasst wäre mein Problem damit: Viele Szenen haben mich unmittelbar und ganz direkt angesprochen und auch berührt, bei so mancher Stelle konnte ich mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um ein kalkuliertes Überwältigen der Zuhörer/Zuschauer durch monumentale Effekte handelte, über die man besser nicht zulange nachdenken sollte. Aber wie gesagt: Ich werde das ganze am 10.11. ein zweites Mal ansehen, mal abwarten...

      Kleine Anekdote am Rande (OT, ich weiß): Beim Verlassen des Theaters nach der Uraufführung kamen wir an einer kleinen Gruppe vorbei, in der Wolfgang Rihm und Christian Gerhaher im Gespräch waren. Im Vorbeigehen konnten wir aus dem Kommentar Rihms zu dem Stück das Wort "zauberflötig" aufschnappen :sev: . Vielleicht kannst Du ihn bei Gelegenheit mal fragen, wie das zu verstehen ist ;+)

      Michel
      Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)
    • Die beiden, die ich auf Anhieb genannt hätte, wurden schon erwähnt (was natürlich äußerst positiv ist), nämlich Olga Neuwirth (letztens erst ihre "American Lulu" gehört) und Detlev Glanert, seine Oper "Der Spiegel des großen Kaisers" wurde weiter oben ja schon genannt, ich mag auch seinen "Caligula".
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Um es etwas genauer zu fassen:
      Die Musik von Saunders finde ich sehr schön, halte sie aber für zu wenig originell, um wirklich bedeutend zu sein.
      Schwartz ist vielleicht der eigenwilligste Kopf, bei dessen Musik sich natürlich die Frage stellt, ob die Überwältigung und Faszination nicht nachlassen wird.
      Sanchez-Verdu sehe ich ähnlich wie Saunders.
      Bei Romitelli halte ich für möglich, dass das spektral-rockige Crossover doch nur als Modeerscheinung im Gedächtnis bleiben wird.

      Am meisten interessieren mich also jetzt André, Widman und Schwartz.

      (Frauenanteil bei 15%?)
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    • Christian Josts Musik ist mir in den letzten zwei Jahren ziemlich ans Herz gewachsen. Besonders beeindruckt war ich von seiner Oper Hamlet, dem Violinkonzert und der Cocoon-Symphonie. Auch die Choroper Angst ist ein sehr fesselndes Stück, Phoenix resurrexit dagegen hat mich eher kalt gelassen.

      Ansonsten schätze ich eine ganze Reihe der hier schon genannten Leute: Saunders, Neuwirth, Pintscher, Widmann (der allerdings auch ganz schon exaltierten Schmonzes komponieren kann, etwa die Messe für großes Orchester; die Streichquartette sind aber ziemlich gut) und Glanert. Von Poppe und André habe ich noch nix gehört – jedenfalls keine Musik.

      Sehr angefixt hat mich letzthin auch Kammermusik der 1977 in Istanbul geborenen Zeynep Gedizlioglu.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • putto schrieb:


      Die Musik von Saunders finde ich sehr schön, halte sie aber für zu wenig originell, um wirklich bedeutend zu sein.


      Oben lautete die Frage doch, welche Komponisten wir »besonders schätzen«. Die von mir genannten »schätze« ich, ohne sie notwendig für »bedeutend« im Hinblick auf den Fortschitt musikhistorischer Entwicklungen oder so zu halten.


      @AlladinWunderlampe
      Viel kenne ich von Gedizlioglu auch nicht - nur die Werke auf der ColLegno-CD, die ihr gewidmet ist. Die Scheibe bietet aber einen schon ganz guten Überblick über ein sehr facettenreiches, vielseitiges und IMO ziemlich interessantes kammermusikalisches Werk. Ist naklar nix für orthodoxe Materialpuristen.

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • bustopher schrieb:

      Markus Zahnhausen. Und ausser Konkurrenz, weil bereits *1953: Violeta Dinescu

      Schön, dass jemand Markus Zahnhausen nennt. Ich kenne ihn persönlich (in dem Sinne, dass wir uns über Internet schon öfters mal ein paar Zeilen geschrieben haben und ich mit ihm außerdem im Rahmen der Uraufführung von Günter Kochans Sechster Sinfonie ein paar Worte gewechselt habe), und habe von ihm eine Hand voll seiner Werke in Aufnahmen bekommen, die mir ziemlich gut gefallen. Ich höre soeben mal wieder seine "Bylina" für Kammerorchester: ein Werk, das von traditionellen russischen Gesängen inspiriert ist und deren feierliche, erhabene Atmosphäre dieses Stück auch recht deutlich prägt. Musik, die (nach Aussage des Komponisten) von Schtschedrin und Tischtschenko beeinflusst ist.

      Ich kenne mich mit den in diesem Thread (und insbesondere auch in vorangegangenen Diskussionen) genannten Strömungen zeitgenössischer Musik viel zu wenig aus, um irgendwelche Bezüge herstellen zu können (meiner Einschätzung nach dürfte etwa die "Bylina" wohl deutlich konservativer sein als die meisten hier genannten Werke); Fakt ist aber, dass das Musik ist, die mich ziemlich unmittelbar anspricht, deren Linien und Entwicklungen ich sehr gut folgen kann und die ich persönlich ziemlich interessant finde, weil mir ihre Machart und ihre Atmosphäre eben gefallen.
    • ralphb schrieb:

      Zeynep Gedizlioglu hat noch mit mir studiert. "nix für orthodoxe Materialpuristen" - stimmt, Don Fatales Anforderungen an zeitgenössische Komposition dürfte sie nicht erfüllen. Widmann aber auch nicht, oder? ;+)


      Nee, Widmann auch nicht. Und Jost auch nicht. Und Pintscher eigentlich auch nicht. Und Glanert auch nicht (der erfüllt ungefähr die Anforderungen an zeitgenössische Musik, die Henze auch erfüllt hätte). ...

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • Holger Sambale schrieb:

      Fakt ist aber, dass das Musik ist, die mich ziemlich unmittelbar anspricht, deren Linien und Entwicklungen ich sehr gut folgen kann und die ich persönlich ziemlich interessant finde, weil mir ihre Machart und ihre Atmosphäre eben gefallen.

      "atmosphärisch" kommt der Sache, glaube ich schon recht nah. Gilt auch z.B. für "Horns of Elfland" auf das gleichnamige Gedicht von Tennyson.
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Da ich hauptsächlich an Klaviermusik interessiert bin, fällt mir gerade Fazil Say, Jahrgang 1970, ein, den ich bereits mehrere Male in hier in Düsseldorf live erleben durfte. Besonders gefallen mir seine Kompositionen Black Earth und Sevenlere Dair.

      Gruß
      Axinja
    • Ganz besonders schätze ich den Schweizer Dieter Ammann, den ich zunächst als Free-Jazz-Trompeter und Free-Funk-E-Bassisten kennenlernte. Ammann ist ein gründlicher, langsamer Tonsetzer von Orchester- und Kammermusikwerken mit dichtem, schulisch nicht zuordnenbarem Klanggeflecht. Uraufführungen von Orchesterwerken u.a. von Pierre Boulez.

      Überhaupt finde ich heute die Neue-Musik-Abstecher einiger primär Jazzmusiker gegenwärtig besonders interessant, z. B. von Elliott Sharp, John Zorn, Scott Fields, Uri Caine (z.B. dessen Viola da Gamba-Konzert), Fred Frith, Anthony Braxton, Guillermo Gregorio, oft spannender und ausdrucksvoller, als Vieles von jüngeren KomponistInnen der reinen "E-Musik-Szene. Die sind aber alle älter. Der schweizer Komponist und Free-Jazz- und Jazzcore-Schlagzeuger Michael Wertmüller jedoch gehört mit seinen Kompositionen mit zumeist völlig wahnwitziger Metrik in diesen Thread. Jazz und Jazzrock-Einflüsse gibt es auch in den Kompositionen von Mark-Anthony Turnage, die mir viel Spaß machen.

      Gerade noch in den Thread gehört George Benjamin (*1960). Unter den bereits genannten, schätze ich außerdem besonders Olga Neuwirth, Unsuk Chin, Rebecca Saunders, Alberto Posadas, Isabel Mundry und Bruno Mantovani. Was ich inzwischen von Yann Robin hören könnte, auf den mich erst ganz kürzlich Don Fatale hingewiesen hat, klingt für mich auch ganz besonders spannend. Außerdem würde ich noch Michel van der Aa nennen.

      Von Enno Poppe, Matthias Pintcher, Jörg Widmann, Mark André, Detlef Glanert, kenne ich teilweise mir als sehr gelungen Erscheinendes, aber auch mir schwächer Vorkommendes oder mir weniger Liegendes.

      Von anderen bisher Genannten kenne ich zu wenig oder gar nichts. Außerdem habe ich jetzt sicherlich Einige vergessen.

      :wink: Matthias