Barenboims multiple Millionen

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    • Barenboims multiple Millionen

      Daniel Barenboim sahnt für alles mögliche an allen möglichen Ecken alle möglichen Millionen ab.
      Neuester Reibach: Die Barenboim-Said-Akademie Berlin.
      Privates Denkmalsetzen en gros zuungunsten anderer Kulturprjoekte? Visionäre Pionierarbeit mit Vorbildcharakter? Geschicktes bis rücksichtsloses Geschäftsgebaren? Kampf für die Kultur? Kampf für die Monokultur?
      Was denkt Ihr?

      Einige Einblicke heute im Tagesspiegel:
      http://www.tagesspiegel.de/kultur/mehr-geld-fuer-die-kultur-die-friedensakademie/7371748.html
      "...es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen." - Johannes Brahms
    • Das SZ Magazin letzter Woche

      handelte von und über Barenboim.
      Sehr gut gemacht. Und informativ. Da muss man nicht lästern oder fragen. Einfach interpretierend lesen.
      Eben ganz und gar Maestro. Dazu passt eine Bemerkung eines berliner Opernszenekenners: "Nun ist in seiner Garderobe alles Wesentliche vergoldet"!

      Was Barenboim allerdings für den Frieden im nahen Osten unternimmt: Ich fürchte, er wird am Ende nicht erfolgreich sein, weil die Politiker aller Seiten seine Einmischung nicht mehr tolerieren werden.
      Doch, nur so wie er es macht, kann es was werden.
      Dafür kann ich ihn nicht genug loben!

      Barenboim ist aber auch jemand, an dem sich der deutsche Klein(st)bürger in seinem Neid abarbeiten kann.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Barenboim ist aber auch jemand, an dem sich der deutsche Klein(st)bürger in seinem Neid abarbeiten kann.
      Fantastischer Kommentar, so kann man natürlich jede Diskussion im Keim ersticken! Danke auch für die Tipps, wie man den SZ-Artikel lesen sollte...

      Nach dem Artikel war mir Barenboim genauso unsympathisch wie zuvor. Das ist aber natürlich keine Voraussetzung, um über seine Leistungen zu sprechen. Um's Musikalische (wo ich ihn sehr mag) geht's hier ja nicht, aber tatsächlich frage auch ich mich, ob eine solche Förderkanonade gerecht ist. Sollte der Konzertplan auf der HP des WEDO vollständig sein, wäre das ein peinliches Ergebnis. Ständig Konzerte in den großen Konzertsälen der Welt, aber in Israel oder arabischen Staaten? Teilweise nicht ein einziges pro Jahr!

      Sicher hat der "Tagesspiegel" recht, wenn er von einem "Projekt von internationaler Strahlkraft" spricht, aber wem (außer dem Kulturpolitiker mit Sehnsucht nach einfachen und öffentlichkeitswirksamen Förderprojekten) ist damit geholfen? Dass Deutschland (wie auch der Rest der Welt) ein Ende des Nahost-Konflikts begrüßen würde, ist doch bekannt. Und von welchen "Einmischungen" kann man beim WEDO reden? Soweit ich weiß, werden oft einfach Ausreiseverbote für einzelne Musiker ausgesprochen und wenn ein Land keinen Auftritt dieses Ensembles wünscht, kann es dort auch nicht auftreten. Ob das als politische "Einmischung" empfunden wird? Immerhin das Zusammenbringen von jungen Menschen aus verschiedenen im Konflikt lebenden Staaten ist sicherlich ein guter Gedanke.

      Die beiden Mitglieder des WEDO, mit denen ich zusammengespielt habe, studierten längst in Westeuropa. Man darf annehmen, dass das WEDO hier auch einfach als Türöffner an besser ausgerüstete Musikhochschulen funktioniert, und in Berlin wird jetzt eben eine besonders offene Tür eingerichtet. (Ist ja nichts dagegen zu sagen, aber ist das schon politische und vor allem förderwürdige Arbeit?)


      Wer sich fragt, wo die zusätzlichen 100 Millionen herkommen, die Bernd Neumann jetzt mehr im Bundeskulturetats hat und aus denen sich Barenboims Zuschuss speist, der lese einfach folgenden SPIEGEL-Artikel. Dirk Niebels Entwicklungsministerium wurden nämlich 125 Millionen € gekürzt - im Widerspruch zu selbst getroffenen EU-Verpflichtungen! Na, die kann Barenboim sicher besser verwenden...

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/koalition-kuerzt-entwicklungshilfe-um-125-millionen-euro-a-866293.html
    • Doc Stänker schrieb:


      Das SZ Magazin letzter Woche handelte von und über Barenboim.


      ich empfand den barenboim artikel ausgesprochen betrügerisch (geschrieben). die stärken barenboim´s wirken (mir) konstruiert, in der schilderung des artikels. tobias haberl beschränkt die betrachtung auf eine linie, die er dann wahrheit nennt, und diese eine spur wird zum urteil, das nicht den ganzen vorgang festhält. das licht, welches er um barenboim wirft, erhellt nicht, es blendet, und ich werde das gefühl nicht los, dass es blenden SOLL (statt den "star" herauszunehmen, fügt er mehr "star" hinzu). viel zu hübsch.
    • Jetzt haste mich aber falsch verstanden

      Ich muss was ergänzen, denn sonst...
      Der SZ Artikel liest sich auf erster Ebene recht nett, bei Lesen schwingt aber immer mit, das Danny Boy ein (fieser (mein Eindruck)) Egozentriker ist, der Privilegien beansprucht, die er anderen niemals zugestehen würde.
      Deshalb das interpretierende.... Damit man in diesem Artikel unter den Lack guckt.

      Im Übrigen sprechen seine Versuche, den Film über seine verstorbene 1. Frau zu verhindern Bände.

      Sein Engagement im nahen Osten finde ich nun mal gut. Und das könnte mehr bringen als alle Versuche Dirk Niebels und Konsorten. Dass die Politik ihn mit Geld bedient, geschenkt. Das ist ein Grundproblem in unserer Gesellschaft, dass man Kitas, Schulen und Kleinbühnen ignoriert, aber "sogenannter staatstragender" oder "systemrelevanter :thumbup: " Kunst das Geld hinten rein schiebt. Da ist er kein Deut schlechter oder besser als alle anderen, die ihr Revier bewachen müssen.

      Und das Du, lieber Duderino, Dich mit "dem Kleinbürger" angemacht fühlst, das hätte ich bei Deinem Nickname nie und nimmer gedacht.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Und das Du, lieber Duderino, Dich mit "dem Kleinbürger" angemacht fühlst, das hätte ich bei Deinem Nickname nie und nimmer gedacht.
      Tja, "El Duderino" ist das Ziel, nicht der Ist-Zustand... :D

      Sicher hat sich auch Niebel nicht mit Ruhm bekleckert, aber sich damit abzufinden, dass Barenboim ein Mega-Projekt nach dem anderen aus der Erde stampft und dabei das Ziel doch öfter aus den Augen verliert, wäre doch enttäuschend.

      Und ob gerade junge, inzwischen optimalst ausgebildete Orchestermusiker aus dem Nahen Osten Niebels Millionen verdienen... ?
    • Doc Stänker schrieb:

      schwingt aber immer mit, das Danny Boy ein (fieser (mein Eindruck)) Egozentriker ist, der Privilegien beansprucht, die er anderen niemals zugestehen würde


      das selektiv, an einzelne episoden erinnernde, und das speichern nicht identischer erinnerungen/erscheinungen. es gibt nichts neutrales. technik. der [haberl´sche] text verrät mehr über die subjektivität des geschriebenen als über die objektivität des beschriebenen.
    • nicht zuletzt ELENA

      MAIS NON von einem, an dem diese Börlin-Milano-Connection weitestgehend vorbeigepfiffen ist, naturalmente kein EIGENTLICHER Beitrag zur vom geschätzten nachbarschaftlichen Themeneröffner hochgebuddelten Frage... ...bloss Hoffnung und Gegenfrage...

      - sein Ehegespons, eben Dmitri`s Bashkirova, soll ja wirklich ne ganz Nette sein, die auch noch (selbst von mir im Rahmen irgendeines "Klavierfestivals Ruhr" überprüft) einen mehr als formidablen Schumann dazubieten weiss... ...möge sie es weiterhin verträglich finden an der Seite ihres "Egal-hab-überall-zu-tun-Daniel"!!

      - WEISS ÜBRIGENS WER, von wem und mit welcher Begründung er für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen ward?? Ist schliesslich büschen mehr als der Aachener Karlspreis (oder so) - da sollte mensch erwarten dürfen, dass besagte Begründung einer gewissen Substanz nicht entbehrt......

      - NOCH WAS!! ...Eures Wissens vergibt das WEDO (resp. dessen Management) auch keine Kompositionsaufträge an Leut`aus dem NahOstRaum?? Hmmpff ;(
      Alexa: Was ist ein gerechter Lohn? - Das weiß ich leider nicht!
      Peter Kessen "Disruptor Amazon"

      Hollywood ist ein Witz - nicht hassenswert...
      Aki Kaurismäki
    • Abseits seiner Öffentlichkeitsarbeit kenne ich eigentlich nur sehr wenig von ihm und alles, was ich bis dato gehört habe, hat mich entweder nicht begeistert oder gar gelangweilt. Sein außermusikalischen Engagement finde ich schon beachtenswert, aber er sollte aufpassen, dass er nicht der Bono Fox der Klassik-Sparte wird.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • WEISS ÜBRIGENS WER, von wem und mit welcher Begründung er für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen ward??

      u.a. hier nachzulesen:
      "http://www.focus.de/politik/ausland/nobelpreise-barenboim-fuer-friedensnobelpreis-vorgeschlagen_aid_656452.html"
      „Wahrscheinlich werden künftige Generationen sich erinnern, dass dieses Jahrhundert das ,Century of Recordings’ war, in dem die Menschen auf die seltsame Idee verfielen, man könne Musik in kleine Plastikteile einfrieren. Mich erinnert das an die Idee der Ägypter vom Leben nach dem Tod. Eine ungesunde Idee. Studiomusik ist eine Verirrung des 20. Jahrhunderts. Das wird verschwinden.“ (F. Rzewski, Komponist, in der FAZ vom 21.4.2012)
    • wes.walldorff schrieb:

      WEISS ÜBRIGENS WER, von wem und mit welcher Begründung er für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen ward?? Ist schliesslich büschen mehr als der Aachener Karlspreis (oder so) - da sollte mensch erwarten dürfen, dass besagte Begründung einer gewissen Substanz nicht entbehrt......
      Spätestens seit Henry Kissinger den Preis bekommen hat, ist dieser für mein Empfinden nur noch eine Lachnummer. Tom Lehrer hat völlig zu Recht gesagt: "Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Henry Kissinger hat sich jede Form von Satire erübrigt".

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • ChKöhn schrieb:

      wes.walldorff schrieb:

      WEISS ÜBRIGENS WER, von wem und mit welcher Begründung er für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen ward?? Ist schliesslich büschen mehr als der Aachener Karlspreis (oder so) - da sollte mensch erwarten dürfen, dass besagte Begründung einer gewissen Substanz nicht entbehrt......
      Spätestens seit Henry Kissinger den Preis bekommen hat, ist dieser für mein Empfinden nur noch eine Lachnummer. Tom Lehrer hat völlig zu Recht gesagt: "Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Henry Kissinger hat sich jede Form von Satire erübrigt".

      Christian

      :D Schöner Ausspruch.
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Doc Stänker schrieb:

      Das ist ein Grundproblem in unserer Gesellschaft, dass man Kitas, Schulen und Kleinbühnen ignoriert, aber "sogenannter staatstragender" oder "systemrelevanter " Kunst das Geld hinten rein schiebt.

      Ist es das? Ein Grundproblem? Sorry für die harten Worte: Das wäre mal mit Zahlen zu belegen, wenn's das Stammtischniveau verlassen soll...
      finden wir nicht das selbe Argument in einer Legion von Zeitungsartikelkommentaren, in denen es um die öffentliche Subvention von staatlichen Opernhäusern, Rundfunkorchestern und ähnlichen Einrichtungen geht? Dort allerdings exklusiv "Kleinbühnen". Na immerhin...
      (By the way: daß man mit mehr Geld bessere Ausbildungsbedingungen schafft, ist eine Aussage, die auch noch des empirischen Beweises bedürfte... Studiengebühren lassen grüßen.)
      viele Grüße

      Bustopher


      Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
      Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)
    • Warum denn keine multiple Million ?

      ChKöhn schrieb:

      Spätestens seit Henry Kissinger den Preis bekommen hat, ist dieser für mein Empfinden nur noch eine Lachnummer. Tom Lehrer hat völlig zu Recht gesagt: "Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Henry Kissinger hat sich jede Form von Satire erübrigt".
      Reines „Schwarz oder Weiß“ gibt es kaum bzw. nicht unter Politikern, die Träger dieses Preises sind/waren. Tom Lehrer kann mit diesem Bonmot niemals irren.

      Ja, es wurden unter der Regierung Nixon/Kissinger brutale Militärdiktaturen in Südamerika unterstützt/initiiert, und das war bereits schlimm genug.
      Aber auch Kritiker Kissingers/Nixons sollten keinesfalls folgende Fakten ignorieren:
      Sie tolerierten damals (Kissinger wurde erst später Außenminister, war aber Berater) die Bonner Ostpolitik, beendeten den schrecklichen Vietnamkrieg, die Öffnung Chinas wurde eingeleitet, sowie die Ägyptens unter Sadat. Letzteres bildete die Voraussetzung des kalten Friedens mit Israel (Camp David) und viele Jahre später zwischen Israel + Jordanien.
      Diese Politik bewahrte Zehn- bis Hunderttausende GIs, Israelis und auch Araber vor dem sicheren Tod auf dem Schlachtfeld oder vor dem Leben als Krüppel, und vermutlich gäbe es ohne diese sich hausgebildeten politischen Konstellationen im Nahem Osten auch kein West-Eastern Divan Orchestra, dass andererseits keine vergleichbare historische Bedeutung besitzt. Über die bescheidene Wirkung dürfte sich Barenboim wahrscheinlich im Klaren sein.

      Die außerkünstlerische Bedeutung von Barenboims Arbeit mit dem West-Eastern Divan Orchestra, der bekanntlich auch die palästinensische Staatsbürgerschaft besitzt, liegt m. E. vor allem darin, dass er durch sein Wirken als prominenter Israeli dem infamen Gift der Propaganda von Hamas, Hisbollah oder Fatah entschieden widerspricht, das tagtäglich über Gaza, Westbank und den arabischen Israelis ausgestreut wird und Hass kräftig nährt.

      Warum also Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra nicht finanziell großzügig unterstützen, wenn sie versuchen durch ihre künstlerisches Arbeit der allgegenwärtigen und furchtbaren Droge aus Hass + Gewalt (ihre Ausläufer sind auch z.B. auch in Frankreich, Belgien oder Berlin, in Form von antisemitische Gewalttaten gegenwärtig) einen Kontrapunkt zu setzen ?

      Succubus schrieb:

      Abseits seiner Öffentlichkeitsarbeit kenne ich eigentlich nur sehr wenig von ihm und alles, was ich bis dato gehört habe, hat mich entweder nicht begeistert oder gar gelangweilt.
      Es sollte die künstlerische Bedeutung Barenboims nicht unterschätzt werden, und ein Thread über diesen Aspekt bzw. sein höchst wichtiges Engagement für Musik außerhalb des sog. Mainstreams wäre sehr viel fruchtbarer als Debatten über Geld.

      Barenboim setzt sich – seit vielen Jahren - nachdrücklich, erfolgreich und international mit dem West-Eastern Divan Orchestra, aber auch mit der Berliner Staatskapelle, den Wiener + Berliner Philharmonikern für z.B. Arnold Schönberg, Elliott Carter und Pierre Boulez ein; auch für die nicht häufig gespielte Busoni-Oper Dr. Faust (2005) in Berlin. Die Hörschnipsel (DLF) seiner jüngsten „Berliner“ Lulu klingen vielversprechend.


      Somit ist Barenboims künstlerisches Engagement und Bedeutung vergleichbar z.B. mit David Tudor (Klavierkonzert), Grete Sultan, Sabine Liebner (Etudes australes), Irvine Arditti , Caroline Widman (Freeman Etudes) für John Cage, Ingo Metzmacher für Luigi Nono, Pfitzner, Cage und B.A. Zimmermann, dem Jack Quartet für die großartigen Lachenmann-Streichquartette, Arditti Quartet für Ferneyhough oder dem des Asasello Quartetts für Lachenmann und Schönberg....

      ...auch höchst unterstützenswert ....
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      Warum also Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra nicht finanziell großzügig unterstützen, wenn sie versuchen durch ihre künstlerisches Arbeit der allgegenwärtigen und furchtbaren Droge aus Hass + Gewalt (ihre Ausläufer sind auch z.B. auch in Frankreich, Belgien oder Berlin, in Form von antisemitische Gewalttaten gegenwärtig) einen Kontrapunkt zu setzen ?

      So schätzenswert und sympathisch ich den etwas naiven, ästhetisch aufgeladenen Humanismus Barenboims bei diesem Projekt finde, so wenig bin ich davon überzeugt, daß dieses Engagement wirkliche Strahlkraft in der Region entwickeln kann.

      Ich kann durchaus verstehen, wenn andere Kulturschaffende in Berlin ob dieser reichlich großzügigen Förderung (wieviel privates Geld von Barenboim fließt eigentlich in diese Akademie?) etwas irritiert sind, da die ganze Sache durchaus den Geruch des persönlichen Spleens Barenboims hat. Oder schießt die Hamas weniger Raketen auf Israel, seit einige wenige Palästinenser in Barenboims Orchester Beethoven spielen?

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler
    • bustopher schrieb:

      Zitat von »Doc Stänker«
      Das ist ein Grundproblem in unserer Gesellschaft, dass man Kitas, Schulen und Kleinbühnen ignoriert, aber "sogenannter staatstragender" oder "systemrelevanter " Kunst das Geld hinten rein schiebt.

      Ist es das? Ein Grundproblem? Sorry für die harten Worte: Das wäre mal mit Zahlen zu belegen, wenn's das Stammtischniveau verlassen soll...
      Hab leider keine Zahlen, aber ein aktuelles Beispiel: Die geplante Mehrwertbesteuerung privater Musikschulen erweckte kurzzeitig den Anschein, dass an kulturelle Grundausbildung nicht so intensiv gedacht wird. Aber tatsächlich muss man auch anerkennen, dass die Pläne (bestimmt auch wegen unserer Petitionsunterschriften :thumbsup: ) fallen gelassen wurden.

      Amfortas09 schrieb:

      Die außerkünstlerische Bedeutung von Barenboims Arbeit mit dem West-Eastern Divan Orchestra, der bekanntlich auch die palästinensische Staatsbürgerschaft besitzt, liegt m. E. vor allem darin, dass er durch sein Wirken als prominenter Israeli dem infamen Gift der Propaganda von Hamas, Hisbollah oder Fatah entschieden widerspricht, das tagtäglich über Gaza, Westbank und den arabischen Israelis ausgestreut wird und Hass kräftig nährt.
      Dafür bräuchte er streng genommen kein eigenes Jugendorchester. Das Ensemble macht auf mich den Eindruck einer Jungen Deutschen Philharmonie, nur eben mit Musikern aus der Nahost-Region. Vielleicht erklärt sich Deutschlands intensive Hilfe auch aus der Geschichte, das wäre ja tatsächlich ein Grund...

      Amfortas09 schrieb:

      Barenboim setzt sich – seit vielen Jahren - nachdrücklich, erfolgreich und international mit dem West-Eastern Divan Orchestra, aber auch mit der Berliner Staatskapelle, den Wiener + Berliner Philharmonikern für z.B. Arnold Schönberg, Elliott Carter und Pierre Boulez ein; auch für die nicht häufig gespielte Busoni-Oper Dr. Faust (2005) in Berlin. Die Hörschnipsel (DLF) seiner jüngsten „Berliner“ Lulu klingen vielversprechend.


      Somit ist Barenboims künstlerisches Engagement und Bedeutung vergleichbar z.B. mit David Tudor (Klavierkonzert), Grete Sultan, Sabine Liebner (Etudes australes), Irvine Arditti , Caroline Widman (Freeman Etudes) für John Cage, Ingo Metzmacher für Luigi Nono, Pfitzner, Cage und B.A. Zimmermann, dem Jack Quartet für die großartigen Lachenmann-Streichquartette, Arditti Quartet für Ferneyhough oder dem des Asasello Quartetts für Lachenmann und Schönberg....
      Du beziehst dich sicher auf Barenboims Wirken im Allgemeinen. Aber mit dem WEDO ist davon wenig bis nichts zu spüren, auch da verrät ein Blick auf die HP des Orchesters genug. Dafür dürften sie die Beethoven-Symphonien inzwischen dreimal komplett aufgeführt haben. (...und ob man sich für die genannten Komponisten noch "einsetzen" muss? Die sind doch alle schon anerkannt, und zwar größtenteils ohne Barenboims Hilfe...)
    • Das wäre mal mit Zahlen zu belegen, wenn's das Stammtischniveau verlassen soll...

      Ich memoriere ein Interview aus der FAZ (vielleicht findet es noch jemand), das mit einem Sportler geführt wurde, der sich jetzt um Förderung kümmert.
      "Heute kostet ein Sitzplatz beim Bundesligaspiel mehr als ein Platz mittlerer Güte in der Oper. Nebenkosten mal außen vor.
      Würde man in der Oper die Preise um 10€ pro Platz anheben, dann könnte man mit den Mehreinnahmen allein der Oper Köln etliche Kleinkunst erhalten."
      Ansonsten empfehle ich den Festvortrag von Jochen Malmsheimer zum Zeltfestival 2010.
      Der lässt an Deutlichkeit nix zu wünschen übrig, hat aber nix mit Barenboim zu tun, wäre also genauso off topic.

      Gruß aus Kiel
      Ich vergesse niemals ein Gesicht. Doch bei Ihnen mache ich eine Ausnahme! (Groucho Marx)
    • Doc Stänker schrieb:

      Ich memoriere ein Interview aus der FAZ (vielleicht findet es noch jemand), das mit einem Sportler geführt wurde, der sich jetzt um Förderung kümmert.
      "Heute kostet ein Sitzplatz beim Bundesligaspiel mehr als ein Platz mittlerer Güte in der Oper.
      Eintrittskarten zu Bundesligaspielen sind so teuer, weil die Gehälter so hoch sind, und zwar nicht nur die einiger weniger Stars (sie wären übrigens noch viel höher, wenn die Vereine zum Beispiel für die Polizei-Hundertschaften bezahlen müssten, die die "Fans" davor bewahren, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen). Wer sich Bundesliga-Fußball nicht leisten kann, kann problemlos Fußballspiele unterer Ligen für wenig bis gar kein Geld ansehen, im schlimmsten Fall sogar Frauenfußball. Das alles ist in der Oper anders: Ihre Kosten entstehen durch die unvermeidlich hohe Zahl an Mitwirkenden, von denen so gut wie alle weit unter dem Einstiegsgehalt eines durchschnittlichen Bundesligaprofis, und selbst die handvoll "Stars" weit unter dem Verdienst von Spitzensportlern liegen. Frag mal Michael, wie er es findet, wenn sein Gehalt als Orchester-Cellist in Münster gegen das eines Bundesligaprofis gegengerechnet wird... Und schließlich: Im Gegensatz zum Fußball gibt es keine Möglichkeit, auf "niedrigere Klassen" auszuweichen. Ohne öffentliche Finanzierung gibt es keine Oper. Die "öffentliche Meinung" wird es noch so weit bringen.

      Doc Stänker schrieb:

      Würde man in der Oper die Preise um 10€ pro Platz anheben, dann könnte man mit den Mehreinnahmen allein der Oper Köln etliche Kleinkunst erhalten.
      Völliger Blödsinn. Würde man die Preise um 10€ pro Platz anheben, kämen weniger Leute in die Oper, ohne dass damit der Kleinkunst in irgendeiner Weise geholfen wäre. Und den verbliebenen Opernbesuchern könnte man dann erst Recht vorwerfen, dass sie als Begüterte ja wohl auch noch 20€ mehr oder am besten gleich die ganzen Kosten bezahlen könnten. Wer immer auch dieses Interview gegeben hat: Er hätte besser geschwiegen.

      Christian
      Jeder Eindruck, den man macht, schafft Feinde. Um populär zu bleiben, muss man mittelmäßig sein.
      Oscar Wilde
    • Symbol schrieb:

      So schätzenswert und sympathisch ich den etwas naiven, ästhetisch aufgeladenen Humanismus Barenboims bei diesem Projekt finde, so wenig bin ich davon überzeugt, daß dieses Engagement wirkliche Strahlkraft in der Region entwickeln kann.

      Ich kann durchaus verstehen, wenn andere Kulturschaffende in Berlin ob dieser reichlich großzügigen Förderung (wieviel privates Geld von Barenboim fließt eigentlich in diese Akademie?) etwas irritiert sind, da die ganze Sache durchaus den Geruch des persönlichen Spleens Barenboims hat. Oder schießt die Hamas weniger Raketen auf Israel, seit einige wenige Palästinenser in Barenboims Orchester Beethoven spielen?
      Über den - von dir völlig zutreffend beschriebenen - fürchterlichen Hass und Gefährlichkeit des mörderischen Hamas-Terrors ist sich Barenboim im Klaren. Er ist doch kein Trottel. Mit Kunst können tödliche Raketen aus dem Gaza in Richtung Sderot leider nicht abgewehrt werden. Unter den Opfern von Selbstmordattentätern gab es auch jede Menge Araber. Selbst Issak Sterns Bach-Solo in Tel Aviv lenkten Saddam Husseins Scud-Raketen nicht in den Irak zurück.
      „www.youtube.com/watch?v=TZFWV0UiuNM“

      Das sind aber Allgemeinplätze.

      Entscheidender ist doch, dass Barenboim durch seine Präsenz und Arbeit mit dem WEDO die widerliche Propaganda-Lüge arabischer Medien vom „hässlichen und kriegsgeilen Israeli“ oder „Weltherrschaft von Juden“ konterkariert; selbstverständlich ohne das in seiner Wirkung überschätzen zu wollen. Und Barenboim macht sich sicherlich darüber auch keine Illusionen.

      El Duderino schrieb:

      Aber mit dem WEDO ist davon wenig bis nichts zu spüren,
      Doch, doch, glaub mir, eine nicht unbeträchtliche Menge. Natürlich könnte es mehr sein. Keine Frage !

      z.B.
      am 04.04.10: ein reines Boulez-Konzert mit dem WEDO; war komplett ausverkauft
      am 27.07.12 Le Marteau sans Maitre (Boulez) mit dem WEDO unter Roth
      am 13.08.07 und am 12.08.08 Schönbergs O-Variationen mit dem WEDO
      am 15.06.10 Schönbergs Fantasie op. 47 mit dem von Barenboim geförderten Karim Said (Klavier) und Michael Barenboim (Violine) ....etc...etc...

      .....dass Barenboim es schaffte, den Musikern vom WEDO Boulez und Schönberg so nahe zu bringen, dass z.B. die Schönbergschen Orchestervariationen (ein Werk, dessen Wiedergabe alles andere als leicht zu bewältigen ist) am 13.08.07 (in Stockholm) zu einer beeindruckenden Gestaltung geriet, die z.B. an Rosbaud mit dem SWR-O heranreicht und das mal ohne Mono-Ton-Quali, kann kaum hoch genug gepriesen werden...

      El Duderino schrieb:

      Das Ensemble macht auf mich den Eindruck einer Jungen Deutschen Philharmonie, nur eben mit Musikern aus der Nahost-Region.
      Ja. Da könnte durchaus was dran sein. (der Jungen Deutschen Philharmonie verdanken wir sehr gelungene Mahler-Aufführungen unter Barshai)

      El Duderino schrieb:

      auch da verrät ein Blick auf die HP des Orchesters genug. Dafür dürften sie die Beethoven-Symphonien inzwischen dreimal komplett aufgeführt haben. (...und ob man sich für die genannten Komponisten noch "einsetzen" muss? Die sind doch alle schon anerkannt, und zwar größtenteils ohne Barenboims Hilfe...)
      Dass Beethovens Sinfonien größeres Aufführungszahlen besitzt, muss keinen wundern und in den Beethoven-Wiedergaben liegt für mich auch nicht die Bedeutung von Barenboim + WEDO. Neue Wiener Schule oder Boulez dürften aber momentan in Ramallah auch sehr schwer vermittelbar sein. ....erstaunlich, dass es Beethoven überhaupt dorthin schaffte ...

      Und „anerkannt“ bedeutet nicht aufgeführt. Pfitzner ist anerkannt, wird aber noch seltener aufgeführt als z.B. Schönberg, Boulez oder Carter.
      ... insofern ist – jetzt mal ganz allgemein gesagt - Barenboims beharrliches Engagement für die Neue Wiener Schule und zeitgenössische Moderne ist nicht zu überschätzen..
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • Amfortas09 schrieb:

      Symbol schrieb:

      So schätzenswert und sympathisch ich den etwas naiven, ästhetisch aufgeladenen Humanismus Barenboims bei diesem Projekt finde, so wenig bin ich davon überzeugt, daß dieses Engagement wirkliche Strahlkraft in der Region entwickeln kann.

      Ich kann durchaus verstehen, wenn andere Kulturschaffende in Berlin ob dieser reichlich großzügigen Förderung (wieviel privates Geld von Barenboim fließt eigentlich in diese Akademie?) etwas irritiert sind, da die ganze Sache durchaus den Geruch des persönlichen Spleens Barenboims hat. Oder schießt die Hamas weniger Raketen auf Israel, seit einige wenige Palästinenser in Barenboims Orchester Beethoven spielen?
      Über den - von dir völlig zutreffend beschriebenen - fürchterlichen Hass und Gefährlichkeit des mörderischen Hamas-Terrors ist sich Barenboim im Klaren. Er ist doch kein Trottel. Mit Kunst können tödliche Raketen aus dem Gaza in Richtung Sderot leider nicht abgewehrt werden. Unter den Opfern von Selbstmordattentätern gab es auch jede Menge Araber. Selbst Issak Sterns Bach-Solo in Tel Aviv lenkten Saddam Husseins Scud-Raketen nicht in den Irak zurück.
      youtube.com/watch?v=TZFWV0UiuNM“

      Das sind aber Allgemeinplätze.

      Entscheidender ist doch, dass Barenboim durch seine Präsenz und Arbeit mit dem WEDO die widerliche Propaganda-Lüge arabischer Medien vom „hässlichen und kriegsgeilen Israeli“ oder „Weltherrschaft von Juden“ konterkariert; selbstverständlich ohne das in seiner Wirkung überschätzen zu wollen. Und Barenboim macht sich sicherlich darüber auch keine Illusionen.

      (Hervorhebung durch den Zitierenden)

      Ich stimme Dir zu - bis auf den letzten, von mir hervorgehobenen Satz. Ein eingefleischter Antisemit wird nicht beginnen Juden zu lieben, bloß weil ein Jude für ihn Beethoven oder was auch immer dirigiert.

      Meine Skepsis erhält - leider! - durch gewisse Vorgänge eine Bestätigung:

      "http://www.pacbi.org/etemplate.php?id=1961"

      LG :wink:
      "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler