Maurice Duruflé: Requiem

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    • Maurice Duruflé: Requiem

      Im Requiem von Maurice Duruflé ist die selbe Auswahl von Texten vertont wie im Requiem von Gabriel Fauré, nämlich: Introitus, Kyrie, Offertorium, Sanctus, Pie Jesu, Agnus Dei, Libera me, In paradisum. Der letzte Satz gehört streng genommen nicht mehr in die Liturgie der Totenmesse sondern entstammt dem Textrepertoire der Begräbnisfeier am offenen Grab, aber (nicht erst?) seit Verdi wird er häufig im Requiem mitvertont. Die Sequenz (Dies irae) haben Faure und Duruflé nicht mitvertont, was erstens ihr gutes Recht ist und zweitens die Kompositionen heute wieder besonders gottesdiensttauglich macht. Das Dies irae ist seit dem zweiten Vatikanischen Konzil sowieso kein verbindlicher Bestandteil des Requiems mehr.

      Duruflés Requiem ist dem von Fauré nicht nur in der Textauswahl vergleichbar. Es hat aber auch seinen eigenen Charakter, ist etwas strenger als das lieblichere (manchmal geradezu zu süßliche) Requiem von Fauré, hat aber auch dessen luftig-französischen Charakterzug. 1947 entstand die erste Fassung für Mezzosopran, Bariton, Chor, Orchester und Orgel. Zwei weitere Fassungen, die sich (ausschließlich???) durch ein anderes Begleitinstrumentarium bemerkbar machen, folgten 1948 und 1962. Die zweite Fassung ist für die genannten Gesangsstimmen bei ausschließlicher Orgelbegleitung, die Drittfassung wird als Kammerorchesterfassung oder reduzierte Fassung bezeichnet, wobei sie dabei sozusagen mehrere Unterfassungen anbietet mit Streichern (unbedingt) und weiteren Instrumenten ad lib. (3 Trompeten, Pauken, Orgel, Harfe).

      Duruflés Requiem basiert in den Gesangsstimmen auf dem uralten gregorianischen Requiem, wird hier aber polyphon verarbeitet. Die Instrumentalbegleitung webt einen spätromantisch-impressionistischen Teppich dazu. Es ist eines meiner liebsten Requiem-Vertonungen, vielleicht mein liebstes aus dem 20. Jahrhundert.

      Bei CD-Empfehlungen bitte die Fassung (1. / 2. / 3. mit oder ohne ad. lib.-Instrumente) angeben.

      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Vielen Dank für diesen Thread! Das Duruflé-Requiem gefällt mir auch sehr, und ich werde mich, wenn ich etwas mehr Zeit habe, sicherlich noch ausführlicher hier zu Wort melden. Für heute nur zur Textauswahl der Requiemvertonungen:

      ThomasBernhard schrieb:

      Im Requiem von Maurice Duruflé ist die selbe Auswahl von Texten vertont wie im Requiem von Gabriel Fauré, nämlich: Introitus, Kyrie, Offertorium, Sanctus, Pie Jesu, Agnus Dei, Libera me, In paradisum. Der letzte Satz gehört streng genommen nicht mehr in die Liturgie der Totenmesse sondern entstammt dem Textrepertoire der Begräbnisfeier am offenen Grab, aber (nicht erst?) seit Verdi wird er häufig im Requiem mitvertont. Die Sequenz (Dies irae) haben Faure und Duruflé nicht mitvertont, was erstens ihr gutes Recht ist und zweitens die Kompositionen heute wieder besonders gottesdiensttauglich macht. Das Dies irae ist seit dem zweiten Vatikanischen Konzil sowieso kein verbindlicher Bestandteil des Requiems mehr.


      Beim "Libera me" scheint es schon sehr früh Tendenzen zu geben, es mitzuvertonen: de Victoria und Cardoso tun das bereits 250-300 Jahre vor Verdi, und aus dem 19. Jh. ist vor Verdi neben dem apokryphen Drang Sigismund Neukomms, Mozarts Requiem ein solches zu verpassen, zumindest Franz von Suppé mit einem sehr interessanten und geradezu genialen mitvertonten "Libera me" zu nennen.

      Auch der "Entfall" der Sequenz (die dann halt gregorianisch oder sonstwie gesungen wurde) hat, soweit ich weiß, in der alten Musik zumindest zwei Vorläufer: Ockeghems zugegebenermaßen noch vor "Kanonisierung" der Requiemtextauswahl entstandene Missa pro defunctis, und Cristóbal de Morales' vierstimmige Missa pro defunctis (die fünfstimmige hat hingegen ein Dies irae!).

      Liebe Grüße,
      Areios
      "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
      Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.
    • Areios schrieb:


      Auch der "Entfall" der Sequenz (die dann halt gregorianisch oder sonstwie gesungen wurde) hat, soweit ich weiß, in der alten Musik zumindest zwei Vorläufer: Ockeghems zugegebenermaßen noch vor "Kanonisierung" der Requiemtextauswahl entstandene Missa pro defunctis, und Cristóbal de Morales' vierstimmige Missa pro defunctis (die fünfstimmige hat hingegen ein Dies irae!).


      Klar, weglassen geht beim Requiem immer, es gibt keinen Zwang zu einer vollständigen Auskomponierung. Ein komplett auskomponiertes Requiem mit allen Formteilen wäre dann eine Sonderform der Plenarmesse, in der alles von einem Komponisten vertont ist, was geht. Palestrinas Missa pro defunctis ist da beispielsweise ein ganz bemerkenswertes Häufchen Elend: Nur Kyrie, Offertorium, Sanctus, Agnus Dei - sonst nix, nichtmal den Introitus. Requiem-Vertonungen zur Palestrina-Zeit waren auch eher karg in ihren musikalischen Ausdrucksmitteln und orientierten sich am musikalischen Material des gregorianischen Requiems.

      So, aufgemerkt, erste Aufnahme:

      Duruflé spielte als Dirigent sein Requiem (erste Fassung für Orchester) 1959 selbst ein. Über das Lamoureux-Orchester, die Solisten (Heléne Bouvier (vielleicht am ehesten ein Schwachpunkt, was meint ihr?) & Xavier Depraz) und den Chor gibt es nichts zu klagen, im Gegenteil. Die Tonqualität ist für ihr Alter durchaus gut. Es spricht also nichts gegen diese Aufnahme, sie ist mindestens gut gelungen. Dass der Komponist am Ruder ist, macht die Aufnahme von vorne herein so interessant, dass sie bei manchen Besprechungen ausser Konkurrenz läuft. Meine anderen Aufnahmen habe ich jetzt noch nicht erneut gehört, ich bin gespannt, auf welche Position Drurflés eigene Aufnahme am Ende kommen wird.

      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.


    • In dieser Box - hier schlecht abgebildet, der Deckel = Oberteil ist schwarz, der Rest lila - befindet sich auf CD 24 das Fauré-Requiem und das von Duruflé "third version, for choir, small orchestra & organ". Ausgeführt wird die Totenmesse vom The Choir of Magdalen College Oxford, dir. Bill Ives.

      Nachdem ich hier inzwischen soviel über die beiden Requiem-Vertonungen gelesen habe, bin ich doch so neugierig geworden, mir diese CD mal anzuhören. Bin gespannt.

      lg vom eifelplatz, Chris.
    • Das Duruflé Requiem mag ich besonders gerne. Ich kenne es in dieser Aufnahme aus den 80er Jahren


      AnnMurray (Mezzosopran), Thomas Allen (Bariton), Thomas Trotter (Orgel) ,Corydon Singers, English Chamber Orchestra, Mathew Best (Dirigent)

      Gespielt wird die 3. Version. Alle Interpreten sind herausragend. Das etwas dumpfe Klangbild fällt nicht ins Gewicht.
      Sehr gerne mag ich auch die Zugabe auf dieser CD: "Vier Motetten über gregorianische Themen op. 10" , die einige Gänsehautstellen aufweist.

      Hudebux
    • wie ich erst heute erfahren habe, gibt es auch von der messe cum jubilo
      eine orchesterfassung (wie beim requiem für kleines wie großes
      orchester). kennt jemand eine aufnahme (primär für gr. orchester)?
      konnte heute einer probe lauschen in münchen ... grandios!!
      Muss es sein? - Es muss sein!
    • Roi_des_etoiles schrieb:

      wie ich erst heute erfahren habe, gibt es auch von der messe cum jubilo
      eine orchesterfassung (wie beim requiem für kleines wie großes
      orchester). kennt jemand eine aufnahme (primär für gr. orchester)?
      konnte heute einer probe lauschen in münchen ... grandios!!
      Diese Aufnahme ist mit Orchester:
      "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)