Klassiker-Lücken

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    • Radio Eriwan antwortet: In Louis Malles "Les amants". Nur ist es nicht das Klavierquintett, sondern das erste Streichsextett und nicht der 3. Satz sondern der 2.

      Gibt es eigentlich ein halbwegs bekanntes/regelmäßig gespieltes Trompetenkonzert zwischen Hummels und irgendwann Anfang des 20. Jhds.?
      ...a man who refuses to have his own philosophy will not even have the advantages of a brute beast, and be left to his own instincts. He will only have the used-up scraps of somebody else’s philosophy; which the beasts do not have to inherit; hence their happiness. Men have always one of two things: either a complete and conscious philosophy or the unconscious acceptance of the broken bits of some incomplete and shattered and often discredited philosophy. (G. K. Chesterton)
    • Kater Murr schrieb:

      Gibt es eigentlich ein halbwegs bekanntes/regelmäßig gespieltes Trompetenkonzert zwischen Hummels und irgendwann Anfang des 20. Jhds.?
      Nakariakov hat wohl so ziemlich alles für Trompete bearbeitet, was nicht bei "3" auf dem Baum war ...

      ... aber es gibt auch originale Trompetenkonzerte:



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!" (Paul Watzlawick)
    • Kater Murr schrieb:

      Gibt es eigentlich ein halbwegs bekanntes/regelmäßig gespieltes Trompetenkonzert zwischen Hummels und irgendwann Anfang des 20. Jhds.?
      So weit ICH es weiß, keine wirklich bekannten Trompetenkonzerte, aber interessante Werke. Verdi hat ein Adagio für Solo-Trompete und Orchester" geschrieben. Hier kam eine tiefe D-Trompete zum Einsatz. Es ist ein Jugendwerk von ihm. Das Wer kann man auf einer CD der Kölner Akademie unter Michael Alexander Wilms finden. Solist ist David Sinclair.

      Von Vassilij Brandt (1869-1923) gibt es zwei "Concertinos (F-Moll,op.11 von 1910 + Es-Dur,op.12), die aber ursprünglich für Klavier und Orchester waren.

      Oscar Böhme (1870-1938) schrieb 1899 ein "Konzert in E-Moll, was man auf der gleichen CD vertreten ist. Gustav Cords (1870-1951) schrieb um 1905 herum eine "Konzert-Fantasie in Es-Dur". Später wurde das Stück aber in F-Moll quasi "umgeschrieben", weil mit den modernen Trompeten es nun besser spielbar war und noch immer ist. Der Grund ist logisch, denn das für B-Trompete sehr tiefe kleine Fis ist der tiefste reguläre Ton dieses Instrumentes und klingt scheußlich.

      Sie wurden auch auf CD eingespielt. Besonders die CD von Giuliano Sommerhalder ist hier zu empfehlen. Dort findet man alle Werke , bis auf den Verdi.

      Von Otto Nicolai (1810-1849) gibt es ein "Concertino für Trompete und Orchester in Es-Dur". Wann es genau geschrieben wurde, ist unklar. Abschriften entstanden 1835 davon. Sie liegen auch vor.

      Es müssen weitere Trompetenkonzerte aus der Zeit der Romantik bis frühen Moderne existieren, da ich davon gelesen habe. Leider weiß ich nicht mal mehr wo. Ich meine, und das klingt jetzt völlig doof, aus einem Buch für Klaviermusik. Darin waren unzählig viele Komponisten aufgelistet samt ihrer Werke (auch jede Menge Sinfonien übrigens). Darunter waren auch um die 10-15 Trompetenkonzerte.

      Das allen erste bekannte Konzert dürfte das Trompetenkonzert von Alexander Arutjunian sein.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Nakariakov hat wohl so ziemlich alles für Trompete bearbeitet, was nicht bei "3" auf dem Baum war ...
      Teilweise sogar für ein spezielles Flügelhorn mit Quartventil, um nach Unten mehr Spielraum zu bekommen. Es gibt Einspielungen davon, die ich für sehr geschmackvoll halte, genau wie die Arrangements dazu. Wer da die Nase rümpft, sollte bedenken, dass das früher Gang und Gäbe war, von bekannten Werken Arrangements zu schreiben, damit mehr Musiker es spielen konnten, und man damit auch gutes Geld verdienen konnte.

      Alison Balsom und Kollegen machen das mit vielen Stücken aller Richtungen inzwischen. Es würde mir auch keinen Spaß machen, immer nur die gleichen Stücke zu spielen. Gerade in der Romantik hätte die Trompete eine gute Rolle spielen können, aber leider war dem nicht so gewesen. Immerhin gab es Ventile inzwischen, man war also durchaus in der Lage, entsprechend etwas zu komponieren.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      Wer da die Nase rümpft, sollte bedenken, dass das früher Gang und Gäbe war, von bekannten Werken Arrangements zu schreiben, damit mehr Musiker es spielen konnten, und man damit auch gutes Geld verdienen konnte.
      Kann man so sehen, wenn einem das in dieser Pauschalität reicht.

      Ich meine, dass es im 19. Jhd. durchaus Bestrebungen gab, sehr spezifisch für ein bestimmtes Soloinstrument zu schreiben und bspw. die klanglichen Besonderheiten seiner Lagen auszunutzen.

      Klar, Bach hat Violinkonzerte von Vivaldi für Orgel solo bearbeitet oder sein eigenes Doppelkonzert für zwei Violinen (BWV 1043) für zwei Cembali (im zweiten Satz fehlt da schon die Tragfähigkeit des Cembalo-Tons für das Hauptthema). Sogar Beethoven hat noch sein Violinkonzert für Klavier und Orchester bearbeitet. Was allerdings heute einige Pianisten zu spielen ablehnen.

      Bei Paganini scheint es mir bspw. ohne deutlichen Substanzverlust nicht möglich, seine Violinkonzerte für Klavier zu bearbeiten oder umgekehrt Chopins Klavierkonzerte für die Violine. Das ist einfach zu instrumentenspezifisch.

      Wenn man Tschaikowskys Rokoko-Variationen auf dem (meinetwegen erweiterten) Flügelhorn spielt, ist die Sache m. E. ähnlich. Was soll das Pendant zur sonoren tiefen Lage des Cellos auf dem Flügelhorn sein? Die tiefe Lage klingt dort verhältnismäßig schütter - kein Vergleich mit der satten Resonanz eines Cellos in dessen tiefer Lage. Und wie soll ein Flügelhorn den besonderen Reiz der hohen Tenor- bzw. Altlage auf dem Cello darstellen? Das liegt für das Blechblasinstrument einfach in der Mittellage. Und wo es auf dem Cello dann stratosphärisch und tendenziell dünn wird, da fängt das Flügelhorn dann an im höchsten Glanz zu strahlen.

      Dass Nakariakov das alles spielen kann - Hut ab. Dass die klanglichen Ideen des Komponisten weitgehend unerfüllt bleiben müssen, steht auf einem anderen Blatt.

      Ich will bestimmt nicht behaupten, dass es im Barock keine Berücksichtigung klanglicher Eigenheiten gegeben hätte. Aber man hat eben vor allem diejenigen Sachen bearbeitet, bei denen das halbwegs ging. - Eine Bearbeitung etwa von Bibers Rosenkranzsonaten mit ihren Skordaturen und damit völlig individuellen Klangwelten für ein anderes Soloinstrument ist mir bspw. nicht bekannt.

      Also die Aussage, früher wäre so etwas "gang und gäbe" gewesen, ist mir zu pauschal.

      Gruß
      MB

      :wink:
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    • Mauerblümchen schrieb:

      Wenn man Tschaikowskys Rokoko-Variationen auf dem (meinetwegen erweiterten) Flügelhorn spielt, ist die Sache m. E. ähnlich. Was soll das Pendant zur sonoren tiefen Lage des Cellos auf dem Flügelhorn sein? Die tiefe Lage klingt dort verhältnismäßig schütter - kein Vergleich mit der satten Resonanz eines Cellos in dessen tiefer Lage. Und wie soll ein Flügelhorn den besonderen Reiz der hohen Tenor- bzw. Altlage auf dem Cello darstellen? Das liegt für das Blechblasinstrument einfach in der Mittellage. Und wo es auf dem Cello dann stratosphärisch und tendenziell dünn wird, da fängt das Flügelhorn dann an im höchsten Glanz zu strahlen.
      Hast Du die Einspielung je gehört? So wie Du schreibst nicht. Deine Meinung sei Dir vorbehalten, aber vom Flügelhorn, was Nakariakov verwendet hat, hast Du offenbar keine klangliche Vorstellung oder Ahnung. Logisch, ein Flügelhorn klingt nicht wie ein Cello, und Tschaikowsky kannte das Flügelhorn nicht mal, aber Brahms schrieb seine "Ungarischen Tänze" auch nicht fürs Orchester, oder für Geige und Klavier, und trotzdem sind diese Einspielungen immer mal wieder zu hören oder liegen als Einspielung vor.


      Mauerblümchen schrieb:

      Also die Aussage, früher wäre so etwas "gang und gäbe" gewesen, ist mir zu pauschal.
      Sie trifft zu, und das ist das Entscheidende. Es wurden auch genug Werke rein orchestriert, etwa die "Ungarischen Tänze" von Brahms. "Gang und Gäbe" heißt nicht, dass jedes Werk auch als , ich nenne es einfach mal "Arrangement" für diverse Besetzungen angeboten wurde, sondern das besonders populäre Werke eben auch in weiteren Ausgaben erhältlich waren. Es ist also weder neu noch was Seltenes.

      Ob es jedem gefällt, ist eine andere Sache. Muss man Richard Wagner unbedingt für Solo-Orgel umschreiben? Oder Gustav Mahler für Violine und Orgel? Man muss es sich nicht anhören, wenn es einem nicht gefällt.


      Mauerblümchen schrieb:

      Bei Paganini scheint es mir bspw. ohne deutlichen Substanzverlust nicht möglich, seine Violinkonzerte für Klavier zu bearbeiten oder umgekehrt Chopins Klavierkonzerte für die Violine. Das ist einfach zu instrumentenspezifisch.
      Das kann ich nicht beurteilen. Bei Paganini könnte ich aber die Oboe aber vorstellen. Es macht auch nicht immer Sinn.
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • lothar schrieb:

      Mit etwas gutem Willen hat ein gewisser D. Schostakowitsch auch ein Trompetenkonzert geschrieben (naja gelegentlich klimpert jemand zwischendurch auf dem Klavier rum)
      Das entstand aber dicke im 20.Jahrhundert, und fällt damit nicht mehr in die Fragestellung mit rein
      Viele Grüße sendet Maurice

      Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)
    • Maurice schrieb:

      lothar schrieb:

      Mit etwas gutem Willen hat ein gewisser D. Schostakowitsch auch ein Trompetenkonzert geschrieben (naja gelegentlich klimpert jemand zwischendurch auf dem Klavier rum)
      Das entstand aber dicke im 20.Jahrhundert, und fällt damit nicht mehr in die Fragestellung mit rein
      stimmt, aber 1933 geschrieben, also rund 20 Jahre vor Arutjunjans Konzert und 32 Jahre vor dem Konzert von Vainberg, Dürfte damit eher den Titel "erstes populäres Trompetenkonzert des 20 Jahrhunderts" erhalten.