Edvard Grieg - "nur" ein "Meister der kleinen Form"?

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    • Edvard Grieg - "nur" ein "Meister der kleinen Form"?

      Edvard Grieg? Welche Kompositionen Griegs kennt man im Allgemeinen? Hätte ich diese Frage vor fünf oder sechs Jahren beantworten müssen - die Antwort wäre kurz ausgefallen. Das Klavierkonzert und eine Auswahl der Lyrischen Stücke. Und man tut Grieg Unrecht, wenn man sein Schaffen aus dieser verengten Perspektive und sein kompositorisches Schaffen mit den Genie-O-Meter misst. Bewusst wahrgenommen habe ich Grieg wohl zum ersten Mal bei einem Klaiverrecital Cyprien Katsaris und seitdem ist ein Interesse an diesen Miniaturen geblieben.

      Aber Griegs Schaffen ist weitaus umfangreicher dazu zählen seine Kompositionen für Chor oder auch seine Kammermusik: Da wären das Streichquartett zu nennen oder auch die drei Violinsonaten.

      Der Threadtitel ist natürlich mitnichten ernstzunehmen. Solche Kategorisierungen haben definitiv ihre Tücken ;+)

      Die Chormusik Griegs lernte ich durch folgende Aufnahme kennen:



      gesungen von dem Ensemble "Det Norske Soliskor" unter der Leitung von Grete Pedersen.

      Die folgenden Zeilen sind nicht neu ;+) Sie stammen aus einem anderen Forenleben. Grundsätzlich stimmen meine damaligen Eindrücke noch. Aber ich werde sie bei Gelegenheit ergänzen ;+)

      Auf der CD befindet sich ein Querschnitt durch Griegs Werken für Chor. Dabei handelt es ich sowohl um Orginalkompositionen für Chor- als auch um Arrangements für Chor- zumeist von Grete Pedersen. Unter letzteren befindet sich auch eines der berühmtesten Lieder Griegs: "Vaeren". Mir gefällt es in der Fassung für Chor ebeno gut wie als vom Orchester begleitetes Lied.

      Ebenfalls ein Arrangement (in dem Fall wirklich ein Lied ohne Worte) ist das Stück) "Im Volkston", nach dem gleichnamigen lyrischen Stück aus Opus 71: Ein Solosopran singt die Melodie zunächst solo, dann vom übrigen Chor begleitet. Sehr schön zur Geltung kommt hier die Fähigkeit des Chores für feinste dynamische Stärkegrade. Überhaupt der Chor: Ein voller runder Ensembleklang, weich- und mit einer blitzsauberen Intonation

      Den Schluss der CD bilden vier Psalmen Grieg, seine letzten Kompositionen: Hier schwelgt Grieg nicht in schlichter melodischer Schönheit. Scharf reiben sich da die Stimmen teilweise aneinander. Mir kommen diese Pslamen deutlicher herber vor, als manche der früheren Stücke.

      Völlig unbekannt war mir bisher Griegs Streichquartett op. 37 - das ich gestern zum ersten Mal mit dem Hagen-Quartett kennenlernte:





      Die Aufnahme möchte ich aber erst noch einmal hören, bevor ich darüber schreibe ;+)


      Wie geht es Euch mit Edvard Grieg? Was kennt Ihr? Was schätzt Ihr?

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Ich muss zugeben, dass der gute Herr Grieg mir durch etwaige "Klassik-Schmänkerl" und Klassik-Häppchen bis heute vergrätzt wurde, weil auf jeder dieser Pralinen-CDs die Holberg-Suite oder wenigestens ein Stück aus den Peer-Gynt-Suiten enthalten ist und man immer mit wieder "Anitras Tanz", "In der Halle des Bergkönigs", "Solvejgs Lied" und natürlich die obligatorische "Morgenstimmung" hört, gerade letztere erweckt in mir wegen all dem immer den Reflex zur Flucht oder noch Schlimmerem, weil es mir so abgegriffen erscheint. :thumbdown:
      Freilich kann Grieg selbst nichts dafür.

      Aber gestern erst habe ich mir seine "Ballade für Klavier g-Moll op. 24" und die finde ich dann doch wieder äußerst schön, fast schuberthaft
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Caesar73 schrieb:

      Und man tut Grieg Unrecht, wenn man sein Schaffen aus dieser verengten Perspektive und sein kompositorisches Schaffen mit den Genie-O-Meter misst.
      Das sind aber zwei Paar Schuhe: als Meister der kleinen Form würde ich ihn auch sehen, auch wenn es so großartige Sachen wie das Klavierkonzert gibt. Aber wenn ich das Genie-O-Meter anlege, brauche ich mir nur die Mittelstimmen aus ganz bekannten Suitensätzen anschauen und es schlägt aus!
      Das ist, z.B. in Solveigs Lied - mal von der genialen kleinen Form abgesehen - eine Harmonik, die typische Jazz-Voicings vorausnimmt. Also - Meister der kleinen Form ohne "nur"... Müssen ja nicht alle Symphonien komponieren...
      Hätte Schumann nur mal ein paar Orchestersuiten geschrieben, täte er sicher auch auf Klassik-Samplern auftauchen, aber so...

      Gruss
      Herr Maria
      Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
      daß Alles für Freuden erwacht
    • Ich finde die Suite "Aus Holbergs Zeit" op. 40 sehr hörenswert.

      Ferner die Kantate "Landskjenning" ("Landerkennung") op. 31 für Bariton, Männerchor und Orchester. Funktioniert auch mit Klavier - falls jemand einen leistungsfähigen Männerchor hat, ist das ein wirkungsvolles und dankbares Stück. Hat ein Gegenstück bei Sibelius: "Tulen Syntry" (= "Der Ursprung des Feuers") op. 32.



      Und wenn schon "Meister der kleinen Form": Na und? Her mit den "Lyrischen Stücken"! (Derzeit leider überteuert)



      Gruß
      MB

      :wink:
      "Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage." - Karl Amadeus Hartmann, aus seinem Artikel "Von meiner Arbeit" (1962)
    • Mauerblümchen schrieb:

      Und wenn schon "Meister der kleinen Form": Na und? Her mit den "Lyrischen Stücken"! (Derzeit leider überteuert)


      Der Meinung bin ich auch ;+)

      philmus schrieb:

      Das sind aber zwei Paar Schuhe: als Meister der kleinen Form würde ich ihn auch sehen, auch wenn es so großartige Sachen wie das Klavierkonzert gibt. Aber wenn ich das Genie-O-Meter anlege, brauche ich mir nur die Mittelstimmen aus ganz bekannten Suitensätzen anschauen und es schlägt aus!


      Natürlich. Aber ich habe bewusst etwas überspitzt formuliert ;+)

      Mauerblümchen schrieb:

      Ferner die Kantate "Landskjenning" ("Landerkennung") op. 31 für Bariton, Männerchor und Orchester. Funktioniert auch mit Klavier - falls jemand einen leistungsfähigen Männerchor hat, ist das ein wirkungsvolles und dankbares Stück. Hat ein Gegenstück bei Sibelius: "Tulen Syntry" (= "Der Ursprung des Feuers") op. 32.


      Das Stück findet sich übrigens auch auf der Aufnahme mit dem Norske Solistkor unter Grete Pedersen. Sehr gut gesungen finde ich ;+)

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Da ich seit Montag viel Zeit damit verbringe das virtuelle Klassenzimmer einzurichten, habe ich Zeit mich wieder einmal mit Grieg zu beschäftigen. Gestern hbae ich eine Auswahl der lyrischen Stücke gehört, jetzt gerade sind es ide Violinsonten in dieser neuen Aufnahme, die Geigerin kenne ich leider nicht, Trpceski habe ich schon zweimal im Konzert hören können :)



      Wie sind Eure Erfahrungen mit Gireg?

      Herzliche Grüße

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere