Charles Gounod - Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile in G-Dur

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    • Charles Gounod - Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile in G-Dur

      Seine "Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile", zu deutsch auch kurz "Cäcilienmesse" genannt, schrieb Gounod mit 37 Jahren und wie der Name bereits anspricht, ist sie der Heiligen Cäcilia gewidmet, der Schutzpatronin der Kirchenmusik.
      Gounod, der sich selbst als christlicher Künstler begriff, schrieb eine ganze Reihe kirchlicher Werke; zwei Requien, Oratorien, zahllosen kleineren Werken für Liturgie und Gottesdienst, und schließlich 15 Messen von denen die Cäcilienmesse die bekannteste ist und seinen Ruhm als Kirchenkomponist begründete.
      Schon als junger Mann war er in Italien, hatte den Grand Prix de Rome gewonnen und den Chor der Sixtinischen Kapelle mit seinen Palestrina-Gesängen gehört. Von Beginn an war ihm an der Restauration alter kirchlicher Gesangsformen gelegen. Das dreiteilige Gebet im Schlusssatz seiner Cäcilienmesse gilt entsprechend „der Kirche, der Armee, der Nation“ und dem weltlichen Herrscher Napoleon III., als konservativer Bewahrer des Kirchenstaats unter französischer Protektion. Das Stück erlebte noch zu Lebzeiten des Komponisten zahlreiche Neuauflagen und Bearbeitungen, kaum ein anderes kirchenmusikalisches Werk war dermaßen populär.

      Gounods neigt dazu altrömische Simplizität mit opernhaften Pomp zu einer enorm farbenreichen Instrumentation zu verbinden. Dazu stehen in Kontrast das an gregorianische Melodik erinnernde Thema, mit dem das Kyrie umrahmt wird, die fast durchweg homophonen Chorsätze, die auffallend schlicht gehaltene Harmonik und die moderaten, auf einen großen Hall- und Kirchraum ausgerichteten Tempi.
      Das Werk ist komponiert für drei Solostimmen, vierstimmigen Chor, Orgel und Orchester, bestehend aus zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, vier Fagotten, vier Hörner, Trompeten, Posaunen, Schlagzeug und Streicher, begleitet von sechs Harfen.
      Besonderheiten der Besetzung finden sich aber nicht nur beim Harfen-Part, an herausgehobenen Stellen in Gloria und Sanctus verwendet er zwei für das französische romantische Orchester typische Pistons, weit mensurierte Trompeten, die dem deutschen Flügelhorn entsprechen. Im Benedictus und im Agnus Dei setzt Gounod als erster Komponist den 1850 in Paris neu entwickelten Oktobass ein, ein überdimensionales Streichinstrument der Violonen-Familie. Die große Kathedral-Orgel verwendet Gounod zumeist im Grand jeu ein, d.h. mit allen zur Verfügung stehenden Registern. Er erreicht damit die typische Wirkung eines Sakralklanges.
      Auch im Text gibt es einige Abweichungen zum Standard.

      Die Uraufführung fand am 22. November 1855, dem Jahrestag der Hl. Cäcilia, in St-Eustache de Paris statt. Der anwesende Komponist Camille Saint-Saëns schrieb später:

      "Die Aufführung der Cäcilienmesse rief eine Art Benommenheit hervor. Diese Einfachheit, diese Größe, dieses reine Licht, das sich über die Musikwelt wie eine Dämmerung breitete, setzte die Leute sehr in Erstaunen: Man fühlte, dass hier ein Genie tätig gewesen war ... glänzende Strahlen gingen von dieser Messe aus ... zunächst war man geblendet, dann berauscht und schließlich überwältigt."

      (Quelle : C. Filips 2012)

      Mit Aufnahmen dieses Werkes wird man nicht unbedingt überhäuft, ich selbst besitze diese :



      Irmgard Seefried – Gerhard Stolze – Hermann Uhde – Tschechischer Sängerchor Prag – Tschechische Philharmonie – Igor Marchevitch

      Eigentlich bin ich nicht so sehr für geistliche Musik zu haben und habe die Aufnahme seinerzeit auch nur gekauft, weil Hermann Uhde hier den Bass-Part singt ( :pfeif: ). Ich habe mir vom Werk an sich nicht mal viel erwartet bzw. versprochen, aber als ich die CD dann anhörte, konnte ich Saint-Saens Worte und die damalige Beliebheit der Messe auf jeden Fall nachvollziehen. Sie hat mich alsgleich innerlich angesprochen und mitgenommen, so sehr, dass ich es gleich noch ein zweites und drittes Mal gehört habe, und dabei wirkt sie so simpel. Wenn von reinem Licht gesprochen wird, kann ich das absolut nachvollziehen, das ganze Werk wirkt hell-durchsichtig und dringt quasi unbemerkt und luftig in einen ein.

      Kennt es hier sonst noch jemand? Wird es gemocht?
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Danke für den thread und die Erwähnung der Markevitch-Aufnahme.
      Ich habe mit der EMI-Aufnahme (Dirigent: Hartemann) erfolglos versucht, die Cäcilienmesse kennen und schätzen zu lernen, fand die Messe aber stets alsbald öde und nicht meinem Geschmack entsprechend. Nun habe ich mir Markevitch kommen lassen und fange an, diese Messe zu mögen.

      Ein Kommentar noch hierzu:

      Die große Kathedral-Orgel verwendet Gounod zumeist im Grand jeu ein, d.h. mit allen zur Verfügung stehenden Registern. Er erreicht damit die typische Wirkung eines Sakralklanges.


      Bei Anweisungen wie Grand jeu, Tutti oder Organum plenum ist nicht gemeint, dass sprichwörtlich alle Register gezogen werden. An einer großen Orgel wirklich alle Register zu ziehen verursacht einen hässlichen lauten undifferenzierten Klangmatsch, den man niemandem zumuten kann. Bei vernünftigen "Tutti"-Registrierungen ist für einen vollen Klang mit Schmackes gesorgt - einige tuttiuntaugliche Soloregister, die den vollen Klang verunreinigen würden, sollten unbedingt draussen bleiben. (Köche hauen auch nicht alle zur Verfügung stehenden Gewürze in ihre Töpfe)
      Bei der Markevitch-Aufnahme ist von einer Orgel aber nicht viel oder gar gar nichts* zu hören... :D
      *p.s.: Ah, zB im Benedictus hört man sie doch.

      :wink:
      Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.
    • Für mich ist die Markevitch-Einspielung auch die beste, die ich auf einer Kauf-CD habe. Das Problem bei der Gounod-Messe liegt im Sentiment, das zu leicht zur Sentimentalität wird. Markevitch lässt dafür keinen Raum, sein strenges Dirigat legt die kompositorischen Stränge frei und lässt keinen Weihrauch zu. Und das eben ist es, was die Cäcilienmesse braucht, um nicht im Sumpf des Cäciliarismus unterzugehen. Die Interpreten sind mE hervorragend. Verführungen zum Kitsch gibt es reichlich, aber davon hört man bei Markevitch nichts.

      Liebe Grüße Peter
      .
      Auch fand er aufgeregte Menschen zwar immer sehr lehrreich, aber er hatte dann die Neigung, ein bloßer Zuschauer zu sein, und es kam ihm seltsam vor, selbst mitzuspielen.
      (Hermann Bahr)
    • Nach den beiden letzten Kommentaren zu urteilen, hatte ich anscheinend richtiges Glück, dass ich das Werk gleich mit Markevitch kennen gelernt habe.
      Schön, auch Tb, dass du nun mit Markevitch auch einen gewissen Gefallen an der Messe gefunden hast.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Tja, heute latschte ich über einen Flohmarkt und fand genau ein Teil. Das hier:



      Die Hartemann-Einspielung von 1963. Und nachdem ich sie gehört hatte, gab es zwei Sachen zu berichten:

      1. Diese Komposition ist wirklich großartig! Wie hier Gounod alle Register zieht, um eine Überwältigung zu erzielen, ist in seiner entwaffnenden Art schon fast perfide (positiv gemeint ;+) ).

      2. Die Einspielung schwelgt tatsächlich in jeder Menge Sentimentalität, aber Kitsch kann ungeheuer wirksam sein, wenn er sehr gekonnt eingesetzt wird. Hartemann packt einen genau an der Stelle, wo unserereins das Herz aufgeht. Die Solisten, der Chor, das Orchester folgen alle dem Ziel, die Messe zu einem Akt der Erhöhung zu vollziehen. Insofern sehr konsequent.


      Irgendwann kam mir beim Hören dieser blöde Spruch in den Sinn:

      "Ach, ist das romantisch!"

      Kennt ihr den nicht auch... :D


      jd :wink:
      "Interpretation ist mein Gemüse."
      Hudebux
      "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
      Jean Paul
    • Tja, de gustibus...

      Ich kenne Gounods Cäcilienmesse ziemlich gut, da ich bei ihrer Aufführung schon etliche Male Mitwirkender war. Und im Gegensatz zu " "Ach, ist das romantisch!" habe ich bislang immer gedacht: "Nee, wattn aufgeblasener Schwulst!" Diese Musik ist für mich der Inbegriff des inhaltsleeren Pomps und Plüschs.

      Witzigerweise gehört das Werk trotzdem nicht zu denjenigen Kompositionen, bei denen ich im Orchester sitzend regelrecht leide (wie zum Beispiel im Falle des "Bolero" :D :pfeif: ). Zumindestens an der ersten Oboe macht das Herumschwulsten relativ viel Spass!

      Aber hörenderweisende muss ich diesen aufgedunsenen Schinken nicht wirklich erleben. Wenn mir jemand eine Aufnahme davon schenken würde, hätte dieselbige kaum Chancen, jemals in meinem CD-Spieler zu landen....

      Ich muss allerdings gestehen, dass ich mit Gounod insgesamt nur wenig anfangen kann. Ganz apart finde ich die "Petite Symphonie" für Bläserensemble, während ich in einer Aufführung von "Margarethe" (politisch korrekt "Faust") als Zuschauer und Zuhörer vor Langeweile fast gestorben wäre....

      Subjektive Grüße

      Bernd