Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll – Dem lieben Gott gewidmet

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    • Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll – Dem lieben Gott gewidmet

      BRUCKNER, ANTON, Sinfonie Nr. 9 d-Moll, dem lieben Gott gewidmet

      Vorbemerkungen

      In diesem Thread möchte ich Euch eines der bedeutenden sinfonischen Werke des 19. Jahrhunderts näherbringen, vielleicht sogar das bedeutendste überhaupt. Seit ich vermehrt "klassische Musik" höre, habe ich als interessierter Laie ;+) verschiedene Methoden versucht, mir ein Werk zu erschließen und zugänglich zu machen.
      Dabei habe ich zwei Techniken gelernt, die unterschiedlicher nicht sein können:

      1. Die Analyse der Struktur
      2. Das reine "Erhören"

      Beim Erlernen der 1. Technik war mir der Musikwissenschaftler Dr. Stefan Schaub, zu dem ich mittlerweile eine fast freundschaftliche Beziehung pflege eine große Hilfe. Sein Buch "Hören mit Begeisterung" hat mir den ersten Einstieg in die Formanalyse vermittelt, wobei Schaub auch nie vergessen hat, daß es am Ende auf die "Lauschlappen" ankommt.
      Die 2. Technik haben mir Prof. Peter Jan Marthé und George Balan beigebracht.
      Soweit es mir möglich ist, werde ich hier in diesem Einführungsthread beide Methoden anwenden. Texte aus der "Erhörmethode" sind teilweise dem Marthé-workshop bei den Brucknerfreunden entnommen.

      Was dieser Thread NICHT sein soll:
      Ich möchte hier die dreisätzige 9. Sinfonie besprechen und keine Diskussion über die Rechtmäßigkeit, den Sinn und Unsinn der Rekonstruktion oder Neukomposition des Finalsatzes. Darüber ist an vielen anderen Stellen ausgiebig diskutiert worden.

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      I. Bruckner 9 - zur Entstehung

      Anton Bruckner begann mit der Komposition seiner Neunten nach Fertigstellung der 8. Sinfonie in der Urfassung (1877). Die harte Kritik des Dirigenten Hermann Levi an der 8. brachte Bruckner aber derart aus der Bahn, daß er über Entwürfe des Kopfsatzes nicht hinauskam. Bis 1892 überarbeitete Bruckner stattdessen frühere Werke.
      1889 skizzierte er den Hauptteil des Scherzos, aber erst im September 1891 entschloss er sich zur Ausarbeitung der Neunten, der überwiegende Teil der ersten drei Sätze entstand zwischen 1892 und 1894. Bis zu seinem Tod 1896 versuchte der schwerkranke Bruckner verzweifelt, den Finalsatz zu vollenden. Entsprechend seiner üblichen Arbeitsweise, in eine vollständigen Partiturvorlage die einzelnen Stimmen schrittweise einzufügen, lag bei seinem Tod ein mehr oder weniger ausgearbeiteter Satz bis zur Coda vor, darüber hinaus gab es Skizzen über das thematische Material der Coda.


      II. Untersuchung der Sätze

      II. a) 1. Satz: Feierlich, misterioso (d-Moll)

      Dynamische Höhepunkte sind vier Fortefortissimo-Stellen, die allesamt mit der ersten Gruppe in Verbindung stehen sowie der Fortefortissimo-Satzschluss. Ein weiteres Merkmal sind die „Minimotive“, die im Kern nur aus einem Intervallsprung bestehen. An einigen Stellen wird die erste Note zu einer Triole umgeformt. Bei der Analyse der formalen Struktur gibt es unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich des Beginns der Reprise. Beide Lösungen müssen Abweichungen vom „normalen“ Verlauf in Kauf nehmen. Details weiter unten.

      Grobstruktur des Satzes: Sonatensatzform


      Exposition: Takte 1 bis 226

      1. Gruppe: Takte 1 bis 96
      2. Gruppe: Takte 97 bis 166
      3. Gruppe: Takte 167 bis 190
      Epilog: Takte 191 bis 218
      Epilog-Coda: Takte 219 bis 226
      Durchführung: Takte 227 bis 420 (alternativ: Takte 227 bis 332)
      Reprise: Takte 421 bis 516 (alternativ: Takte 333 bis 516)
      Satz-Coda: Takte 517 bis 567

      Erste Gruppe Detailbeschreibung (formal)

      In der Fünften hatte Bruckner zum ersten Mal mit dem Beginn des Kopfsatzes experimentiert, indem er ihn mit einer Adagio-Introduktion begann. In der Achten hatte er diesen Gedanken aufgegriffen und weiter entwickelt, indem er das Thema erst nach 22 Takten in seiner endgültigen Gestalt vorstellte. In der Neunten erweiterte er diese Idee und präsentierte das Hauptthema erst nach 62 Takten, wodurch dieses ein besonderes Gewicht erhält und den Charakter des ganzen Satzes bestimmt.
      Der Satz beginnt mit einem Orgelpunkt auf d in den Kontrabässen. Hieraus entsteht ein erstes Motiv in den Hörnern.
      In den folgenden 9 Takten erklingt ein erstes Thema, ebenfalls in den Hörnern. Es folgt in den Streichern ein zweites Motiv, bevor ein drittes Motiv in den Holzbläsern auftaucht.
      Nun erscheint das mächtige Hauptthema in Fortefortissimo. Es wird bestimmt vom Oktavsprung des dritten und der rhythmischen Gruppe des ersten Motivs. Die erste Gruppe wird abgeschlossen durch eine Art Abgesang mit Pizzikato-Steichern und isolierten Intervallsprüngen erst in den Holzbläsern, dann auch im Horn. Beendet wird die erste Gruppe durch eine eintaktige Fast-Generalpause, nur Pauke und Violen tremolieren weiter.


      Erste Gruppe Detailbeschreibung ("erhörend")

      Schließt die Augen; stellt Euch vor, Ihr befindet Euch in einer freien, weiten Landschaft, Ihr seid von vollkommener Dunkelheit umschlossen.
      Da ist nichts außer der Stille, die Euch umgibt - bis plötzlich ein vibrierender Ton wie von fern her diese Stille und Dunkelheit durchbricht, wie am Beginn der Schöpfung.

      „Beobachtet“ aufmerksam die nun aufeinander folgenden, höchst differenzierten Klangereignisse, die Euer inneres Ohr nun zu öffnen beginnen.

      Aus dem ersten vibrierenden Streicher-Tremolo löst sich ein Hornruf (begleitet von Trompete und Pauke), der aus einer anderen Welt zu kommen scheint: ein prägnantes Motiv, das beschwörend den Grundton umkreist, bis es in einer plötzlichen, mächtigen Wendung nach oben ausbricht, um im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden. Das aber hat Konsequenzen, denn

      eine „Welt“ ruft eine andere….ein neues, melodisches Motiv in den Geigen (Sehnsucht) steigt in ständigem Wechselspiel zwischen Frage und Antwort auf (jeweils zwei Takte!), schraubt sich sehnsüchtig höher und höher, was wiederum eine neue Phase in diesem sich stetig entfaltenden Klangprozess auslöst..

      Jetzt betritt ein markantes, rhythmisch pulsierendes Motiv in den hohen Holzbläsern die Bühne, in einem neuerlichen Dialoghaften Wechselspiel schraubt sich alles wellenförmig höher, alles erhitzt sich, treibt in einem gewaltigen Crescendo einem ersten Ausbruch entgegen.

      Da öffnen sich gewaltige Flügel, der erste Höhepunkt ist erreicht und es offenbart sich vor Dir eine Macht von unvorstellbarer Größe.

      Danach ist nichts als das innere „Nachklingen“ der machtvollen „Vision. Eine abwärts gleitende Pizzikato-Linie - es bleibt nichts als… Herzklopfen, Luftholen, Ausatmen - bis alles allmählich wieder in den ersten Ton zurücksinkt, von dem alles ausgegangen ist…!
      Damit endet der erste große Bogen.


      Zweite und Dritte Gruppe Detailbeschreibung (formal)

      Die zweite Gruppe (in A-Dur) beginnt mit dem zwei Mal vorgestellten zweiten Thema (Takte 97 bis 104). Es folgt ein Zwischenspiel (Takte 105 bis 114), wobei durch die Intervallsprünge eine Verbindung zur ersten Gruppe hergestellt wird. in den Takten 115 bis 122 wird das zweite Thema in den Violoncelli mit Hornunterstützung variiert. Es mündet in eine weit gespannte Melodie in a-Moll in den Violinen und Hörnern (Takte 123 bis 130) und endet in einer Generalpause. Das zweite Thema wird zwei Mal wiederholt und variiert (Takte 131 bis 152), es endet schließlich in einem Abgesang (Takte 153 bis 166), das die dritte Gruppe mit der Umkehrung des Themenkopfes des dritten Themas ankündigt.
      Die dritte Gruppe (wieder in d-Moll) beginnt mit dem dritten Thema (Takte 167 bis 170), das fortgesponnen und wiederholt wird (Takte 171 bis 190). Auch in diesen Fortspinnungen stellen die Intervallsprünge ein wichtiges Element dar, so dass auch hier eine Verbindung zur ersten Gruppe vorhanden sind. Rhythmisch ist das dritte Thema mit dem zweiten verwandt.


      Zweite Gruppe Detailbeschreibung ("erhörend")

      Die kleinste Zelle bilden die ersten vier Takte (1 Takt hat vier Schläge!) -
      Takt eins und zwei schwingen hin und her wie ein Pendel, dann steigen Takt 3 und 4 in einer schönen melodischen Wendung höher.
      Dasselbe wiederholt sich bei den nächsten vier Takten - diesmal aber in einer etwas verschleierten Moll-Färbung - d.h. zwei Takte hin und herschwingen, dann zwei Takte melodischer Aufschung.
      Nach diesen ersten acht Takten dreht sich die Musik für vier Takte scheinbar um sich selbst, scheint nicht recht vom Fleck zu kommen, so als ob sie unschüssig wäre: ein Takt leise, ein Takt laut, dann nochmals dasselbe……
      Aber dann - nach diesem ersten Zögern - erscheint plötzlich ein Lichtschimmer am Horizont - und die Musik wird in einem wunderschönen melodischen Bogen in die Höhe gezogen! Hier bitte STOP.
      Hört Euch diese Sequenz öfters an.
      Dirigiert unbedingt mit. Wenn die Musik leise und fließend ist, macht kleine und fließende Bewegungen dazu; wenn sie stärker, powervoller wird, sollen Eure Bewegungen ebenso raumgreifender werden.
      Sodann geht bitte in einer neuen Rund noch mehr ins Detail, denn die ersten vier Takte haben es wahrlich in sich!
      Hier sind nämlich drei musikalische Linien übereinander geschichtet:

      1. eine untere Linie in den Bratschen schreitet - unterstützt von Celli und Kontrabässen - in ruhig-majestätischen Vierteln daher: versucht sie bei diesen ersten Takten herauszuhören.
      2. die mittlere Stimme (2. Geige) umspielt die untere in einem fließenden Wellen-Motiv in Achteln.
      3. In den ersten Geigen glänzt ein gehaltener Ton auf, der sodann im dritten und vierten Takt sich zur führenden Melodie entwickelt und verstärkt wird durch die Trompeten, die ein zartes Aufleuchten bewirken.

      Diese erste Sequenz will ich „WELLE 1“ nennen, da diese Musik sich wirklich anfühlt wie das Wogen der Meereswellen. „WELLE 1“ deshalb, weil diese WELLE noch zweimal jeweils leicht abgewandelt wiederkehrt.

      Der nächste Schritt: die WELLE 2

      Dort spielt sich Ähnliches ab wie schon bei WELLE 1, aber eben nur Ähnliches und nicht Gleiches.
      Denn der ausgehaltene Ton von Takt eins und zwei in den ersten Geigen wandert nun zu den Celli hinunter;
      die umspielende Wellenfigur wandert in die ersten Geigen hinauf - und die majestätisch ruhige Melodie wird nun auch durch die tiefen Kontrabässe verstärkt.

      Versucht auch die Anreicherung dieser melodischen Linien durch die hinzutretenden Klangfarben der Holzbläser zu ER-HÖREN.
      Also zunächst wieder die Pendelschwingung, dann die zwei Takte melodischer Aufstieg. Dasselbe nochmals in den nächsten vier Takten.
      Dann aber breitet sich die Musik in einem leuchtenden Klangstrom aus - ein erster Höhepunkt! - und löst sich schließlich wie eine verblassende Vision allmählich auf, wobei ein sehnsuchtsvolles Aufseufzen der Celli übrig bleibt……STOP!

      Danach hebt ein ähnliches Geschehen das dritte Mal an: die WELLE 3.
      Anfangs wie bei WELLE 1 wieder die Pendelbewegung, dann wieder der Aufstieg etc. - wie anders aber sind hier die Klangfarben! Versucht sie zu erhören!
      Dann schwingt sich die Musik zu unvergleichlichen Licht-Regionen auf, um in einem großen melodischen Höhepunkt aufzustrahlen, dem ein Schrittweiser Abstieg folgt, so dass wir wieder behutsam auf der Erde aufsetzen können!

      Hiernach ertönt die ÜBERLEITUNG zu Dritten Themengruppe:
      ein Dialog-Spiel zwischen mehreren Instrumenten, so als ob sich mehrer Vögel in einer Waldlichtung in geheimnisvoller Sprache etwas zurufen würden, das uns mit gespannter Erwartung erfüllt!



      Dritte Gruppe Detailbeschreibung ("erhörend")

      Die DRITTE THEMENGRUPPE soll uns anregen, eine Schwelle zu überschreiten.
      Welche Schwelle? Nun, das müsst Ihr selbst herausfinden.
      Die Schwelle, die in eine Kathedrale führt oder das mächtige Tor in einen Tempel oder in die unterirdischen Gewölbe eines archaischen Heiligtums oder einen "Raum" in der Natur.
      Lasst ganz einfach die Klänge dieser Dritten Themengruppe zu "Räumen" in Euch werden.

      Das bedarf natürlich wieder gewisser vorbereitender Schritte.

      1. Schritt:

      hört Euch die Sequenz 1. Satz ein oder mehrere Male an.
      Ihr werdet eine kaum entwirrbare Fülle von Linien und übereinander geschichteten "Ebenen" wahrnehmen.
      Was bedeutet nun diese Musik? Niemand vermag darauf eine Antwort zu geben, außer Ihr selbst!
      Deshalb werden wir uns wieder schrittweise diese Musik erschließen, die auch in Bruckners Gesamtwerk ihresgleichen sucht - zunächst mit dem

      2. Schritt:
      Greift wieder zu Euren Instrumenten versucht zunächst einmal die folgende melodische Linie zu "spielen", und zwar so lange, bis Ihr sie im Ohr habt und sie selbständig singen könnt. Also:

      D - *A -/ D - *A -/ D - *A -/ D - *D -;
      1 2 3 4 / 1 2 3 4 / 1 2 3 4 / 1 2 3 4 ;

      Erklärung: * vor dem Buchstaben (=Note) meint das jeweils tiefere A unter dem D, bzw. am Schluss das um eine Oktave tiefere D!
      Die unten mitlaufenden Zahlen geben den Takt an, also 4/4! (Da könnt Ihr sehen, wie einfach man Musik notieren kann.)
      Also auf jeden zweiten Schlag ein Ton!!!
      Singt sie immer wieder wie ein Mantra.
      Diese viertaktige "Melodie" ist nun nichts anderes als der "archaische Kern" der Dritten Themengruppe!
      Auch hier gilt: zuerst singen, dann mit dem ganzen Körper sanft mitschwingen, bis Ihr Euer natürliches Tempo gefunden habt - und dann auch noch die Hände dirigierend mitbewegen!
      Nur so wird diese "Melodie" ganz von Euch Besitz ergreifen. Hört und spürt tief in Euch hinein…
      WAS sagt Euch diese "Melodie", wie unterscheidet sie sich von den anderen "Melodien" Bruckners. Welche Empfindungen löst sie in Euch aus?

      Wenn Ihr in einem Konzertführer, Booklett-Text, Programmheft nachlest, was damit gemeint ist, seid Ihr schon am falschen Dampfer und habt die Chance vertan, dass sich diese unglaubliche Musik Euch ganz persönlich erschließt.

      Vielleicht tritt auch etwas ganz Anderes ein. Wenn diese "Melodie" Euch langweilt, anödet, vielleicht sogar ärgert oder was auch sonst noch immer, so nehmt es zur Kenntnis und sagt es frei heraus. O-Ton Bruckner: "Wos drinnen is, muaß aussa!"

      3. Schritt:

      Jetzt spielt nochmals die oben angegebene Sequenz und versucht die "Melodie" dort mitzusingen, wo sie hinpasst.

      4. Schritt:

      Versucht nun die "Architektur" dieser ganzen Sequenz zu erhören:
      Diese Sequenz besteht aus 2 Teilen, wobei ein jeder dieser Teile wieder aus 3 mal 4 Takten besteht (so "harmonisch" wie Bruckner seine Symphonien hat auch der Liebe Gott den Kosmos gebaut).
      Und jeder dieser beiden 12-taktigen Teile wird mit der Euch schon vertrauten "archaischen Melodie" (=4 Takte, wie Ihr schon wisst) eingeleitet, aber dann jedes Mal anders fortgesetzt. Versucht auch das nachzusingen!
      immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
      Darf man das? Ja, wenn man es kann.
    • Durchführung Detailbeschreibung (formal)

      Die Durchführung beginnt mit einer Bearbeitung der ersten 26 Takte. Zwei Mal leitet das erste Motiv über zum ersten Thema, dessen zweites Auftauchen überrascht, denn unmittelbar zuvor hört man Anklänge an das dritte Motiv, so dass eigentlich das Hauptthema folgen müsste.
      Generalpause.
      Das Epilogthema schließt sich an.

      Generalpause.

      Die zweite Gruppe beginnt, aber statt des Themas in den ersten Violinen erklingt das zweite Motiv aus der ersten Gruppe in den Violoncelli und den Bläsern.
      Elemente des dritten Motivs der ersten Gruppe tauchen unvermittelt auf und leiten zum Hauptthema über.
      Die Fortsetzung der Durchführung oder der erste Teil der Reprise ist eine Durchführung des Hauptthemas. Ständig ist der Oktavsprung präsent. Dieser Teil stellt den dramatischen Höhepunkt des ersten Satzes dar.
      Es beginnt mit einer dreimaligen Fortefortissimo-Wiederholung der ersten sechs Takte des Hauptthemas in den Bläsern auf steigenden Tonhöhen. Dazu spielen die Streicher schnelle fallende Linien. Die dritte Wiederholung endet in vier ausschwingenden Streicherachteln. Der nächste Abschnitt schließt sich nahtlos an. Dieser Teil wird geprägt von Variationen des dritten Motivs und endet mit dem dritten Forte-fortissimo-Entladung.
      Marschartige Rhythmen in den Streichern, dem ersten Motiv entnommen, bilden zunächst das Fundament, in den Bläsern dominiert die rhythmische Gruppe „Achteltriole auf vier – lange Note auf eins“ und der Themenkopf des Hauptthemas. Der Fluss wird unterbrochen durch eine einmal wiederholte Violinfigur, dann zwei Mal der Themenkopf des Hauptthemas in Fortissimo in den Blechbläsern, teilweise mit Oktavsprung, teilweise auf derselben Tonhöhe.
      Die Violinen stellen dann eine aufsteigende Dreiergruppe vor, die zunächst einzeln durch Pausen getrennt wiederholt wird, dann Stück für Stück zu einer Endlosschlange verbunden wird.
      Die Bläser setzen wieder ein, alles strebt dem Höhepunkt des Satzes in Fortefortissimo zu. Die Entwicklung hat ihren Höhepunkt im Oktavsprung des Hauptthemas, danach ist Verklingen. Nur die Pauken durchsetzen die Stille in Pianissimo. Zögernd setzen die Streicher mit einer immer dichter werdenden abfallenden Linie ein.

      Generalpause.

      Durchführung Detailbeschreibung (erhörend)

      Eine „Durchführung“ - was ist das? Wir alle haben ja brav in unserer musikalischen Ausbildung gelernt:

      „Durchführung“ bedeutet die vielfältige Kunst der Themen-Verarbeitung. No na!!!

      Was bedeutet Durchführung aber nun wirklich?
      Es wird etwas „durchgeführt“, durchgezogen, weitergeführt. Es wird „etwas“ einer Transformation, Verwandlung, profunden Veränderung unterworfen.
      Dieses „Etwas“ ist aber nicht irgendein „Objekt“, also ein so genanntes „Thema“, das mehr oder weniger hübsch zum Anhören ist, sondern dieses „Objekt“ hat mit uns zu tun, ja richtig - mit uns selbst! WIR sind das „Thema“, das abgehandelt, verändert, transformiert werden soll. Wie dies geschieht, was da passiert, das will uns Bruckners Musik hautnah vermitteln.


      Nach der spürbaren energetischen Erhitzung schraubt Bruckner den Energie-Label zunächst einmal wieder zurück. „Langsam“ heißt nun hier die Anweisung.
      Pulsierende Bässe, wiegende Linien in den Geigen und Bratschen.
      Die „Sehnsuchts-Melodie“ in den Celli tritt hinzu (wir kennen sie schon vom Anfang des Satzes, die sich jetzt höher und höher schraubt.

      Ab hier setzt sich ein ungeheures Energie-Potential in Gang. Die sich bisher spielerisch wiegende Geigen-Figur kehrt wieder als eine treibende, pulsierende Kraft in den Celli und Bässen. Es ist, als ob wir auf eine gewaltige Explosion zusteuern würden, die uns in bisher kaum geahnte Abgründe schleudern würde. Wir sind in den Sog einer „Grenzerfahrung“ geraten, die es zu bewältigen gilt.

      Reprise und Coda Detailbetrachtung (formal)

      Die Reprise beginnt mit einer verkürzten und veränderten Form der zweiten Gruppe.
      Generalpause.
      Die dritte Gruppe folgt, nahtlos verbunden mit dem Epilogthema. Dieses wird gesteigert zum vierten Fortefortissimo-Ausbruch, der in einem Hornruf abgeschlossen wird.
      Holzbläser, dann Blechbläser, zuletzt die Pauke schließen die Reprise ab und leiten zur Satz-Coda über.
      Die Coda beginnt mit der wiederholten Pianissimo-Violinfigur Achteltriole – Intervallsprungviertel aus dem Hauptthema in halbierten Notenwerten mit Holzbläsereinwürfen. Dann setzen Bässe und Violoncelli in Vierteltriolen ein, die Violinfigur bleibt, dazu kommen die Blechbläser mit dem Schluss des Hauptthemas zunächst im Grundrhythmus, dann wird die Aufwärtsbewegung rhythmisch in eine Vierteltriole gefasst. Die Entwicklung gipfelt in der letzten Forte-fortissimo des Satzes, in dem der punktierte Rhythmus des ersten Motivs in den Blechbläsern bestimmend ist, glanzvoll überstrahlt von den Trompeten, die das erste Thema intonieren.
      Das Ende ist ein Klang aus der leeren Quinte d-a.


      II. a) 2. Satz: Scherzo, Bewegt, lebhaft (d-moll). Trio. Schnell (fis-Dur). Scherzo da Capo


      Der zweite Satz ist hinsichtlich seines formalen Aufbaus recht übersichtlich. Er wird von markanten unverbundenen Vierteln beherrscht, die als Grundmuster das Scherzo vom ersten bis zum letzten Takt durchziehen.
      Den Beginn macht ein bis heute nicht erklärter Akkord in den Holzbläsern, über dem das Thema pizzikato in den ersten Violinen, dann in Violen und Violoncelli in der Umkehrung vorgestellt und durch mehrere Tonarten geführt wird. Dann erscheint es zwei Mal in Fortissimo und wird mehrfach in leicht veränderter Form wiederholt.
      Eine etwas ruhigere Passage schließt sich an, in der die Holzbläser ein Motiv des Themas umspielen. Die Themengruppe wird dann etwas verändert wiederholt.
      Das Trio besteht aus einem Themenkomplex mit Anhang, das drei Mal leicht verändert wiederholt wird mit einem Schluss, der das Thema noch einmal vorstellt. Das Scherzo wird dann unverändert wiederholt.
      immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
      Darf man das? Ja, wenn man es kann.
    • II. c) 3. Satz: Adagio. Langsam, feierlich (E-Dur)

      Das Adagio zeigt Bruckners Kunst, Themen kontrapunktisch miteinander zu verweben, in Vollendung. Die erste und dritte Gruppe werden in der Reprise verknüpft, in der Reprise und Coda erscheint ferner das „Miserere- Motiv“ aus der d-Moll Messe, das eng mit dem Themenkopf der zweiten Gruppe verwandt ist: Seine Umkehrung ist die Moll-Wendung dieses Motivs.

      Grobstruktur des Satzes: Sonatensatzform ohne Durchführung

      Exposition: Takte 1 bis 76
      1. Gruppe: Takte 1 bis 44
      2. Gruppe: Takte 45 bis 56
      3. Gruppe: Takte 57 bis 64
      Epilog: Takte 65 bis 76
      Reprise: Takte 77 bis 206
      Satz-Coda: Takte 207 bis 243

      Detailbeschreibungen

      Die erste Gruppe beginnt sehr bizarr mit einem Nonensprung aufwärts, es folgt eine rhythmische Gruppe, die an das Hauptthema des ersten Satzes erinnert, abwärts geführt mit Oktavsprung (Themenkopf). Anschließend geht es durch mehrere Tonarten in zwei Anläufen aufwärts, kommt Fortissimo in D-Dur zur Ruhe, um dann in zwei weiteren Aufwärtsbewegungen in E-Dur zu erstrahlen (Takte 1 bis 7). In Takt 9 setzt eine Art Zwischensatz ein, in dem der Themenkopf variiert wird, mit erstem Höhepunkt, einem Fortissimo-Ausbruch der Blechbläser. Die Hörner spielen den Themenkopf, die Trompeten setzen scharfe Akzente, schließlich verklingen die Trompeten im Pianissimo. Daran schließt sich eine ruhige Melodie abwärts in den Hörnern an, die Bruckner selbst als „Abschied vom Leben“ beschrieben hat.

      Die zweite Gruppe ist recht kurz, der Themenkopf aus den ersten vier Tönen hat die rhythmische Folge lang – kurz – lang – kurz. Dieser Rhythmus beherrscht danach den ganzen Satz. Außerdem ist zu beachten, dass auch in diesem Thema ein Oktavsprung vorkommt.

      Die dritte Gruppe ist ebenfalls sehr kurz. Das Thema erscheint in den ersten Violinen, charakterisiert wird die Gruppe allerdings von den Pizzikati in den Violen, Violoncelli und Kontrabässen sowie von den durchlaufenden Sechzehnteln in den zweiten Violinen.
      Der Epilog baut auf dem zweiten Thema auf.

      Generalpause.

      Die Reprise beginnt mit der ersten Gruppe. Das Thema wird zunächst noch einmal in voller Länge gespielt, dann in modulierter Form wiederholt, wobei der Beginn durch die Umkehrung in den Flöten kontrastiert wird, was zu harmonischen Reibungen führt. Es folgt eine Art Durchführung, in der die tiefen Streicher eine durchgehende Achtelbewegung spielen, die Bläser wiederholen den Themenkopf immer wieder in der Umkehrung in Fortissimo.
      Daran schließt sich eine kontrapunktische Verknüpfung der Themenköpfe des ersten und dritten Themas an:
      Das dritte Thema in den ersten Violinen, das erste Thema in den Violoncelli und Kontrabässen. Abgeschlossen wird dieser Abschnitt durch den Fortissimo-Ausbruch aus dem Zwischensatz der ersten Gruppe. Er wird gefolgt von einer Art Durchführung der dritten Themas.

      Generalpause.

      Danach werden kleine Abschnitte des ersten Themas variiert, höchst eindrucksvoll kontrastiert durch Intervallsprünge in Posaunen und der Kontrabasstuba. Der Teil schließt mit Intervallmodulationen des Themenkopfes der ersten Gruppe in Violen und Violoncelli, wobei zunächst nur die Oboen in Oktaven, dann mit den Klarinetten zusammen in Sekund-Reibungen taktweise denselben Ton wiederholen. Diese Bläserfigur leitet über zur Wiederholung des zweiten Themas in doppelt so langen Notenwerten. Es folgt eine Entwicklung zum Höhepunkt der Reprise und des Satzes, der in einem Fortefortissimo-Ausbruch, dem einzigen des Satzes, besteht.
      Zunächst wird nur der Themenkopf, dann der erste Teil des Thema in der Umkehrung in den Holzbläsern gespielt. Die Umkehrung des Themenkopfes ist fast identisch mit dem Miserere-Motiv aus der d-Moll Messe, der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Intervalle in Umkehrung des zweiten Themas Quarte abwärts – kleine Terz aufwärts – kleine Sekunde abwärts, im Miserere-Motiv dagegen Quarte abwärts – große Terz aufwärts – große Sekunde abwärts sind.
      Letzteres kann man daher als die Dur-Modulation der Umkehrung verstehen. Rhythmisch sind beide Motive völlig identisch. Anschließend setzt die Steigerungswelle ein. Die Violinen spielen eine unruhige Zweiunddreißigstel-Bewegung, Holzbläser und Hörner setzen in Achteltriolen und Achtelsextolen (was für den Laien dasselbe wie zwei Achteltriolengruppen sind!) ein, die Tenortuben, Trompeten, Posau-nen und die Kontrabasstuba (besonders effektvoll!) gehen vom leicht abge-wandelten Miserere-Motiv aus und spinnen es fort. Un-vermittelt erklingt der Themenkopf der ersten Gruppe in der Blechbläsergrup-pe erst in Fortissimo, dann in Fortefortissimo. Hier dominiert wieder die Kontrabasstuba, die bis in tiefste Regionen geführt wird. Die Reprise endet in einem vollständigen unaufgelösten Tredezimalakkord (einer Überlagerung von sechs Terzen in Folge, er enthält also alle sieben Noten der Tonleiter), für Bruckner die denkbar schärfste Dissonanz überhaupt.

      Generalpause.

      Die Coda wird thematisch aus dem Zwischensatz und dem Miserere-Motiv, dieses Mal im Original, gestaltet. Sie gipfelt in einer gleichmäßigen Achtelbewegung in den Violinen, dazu spielen die Hörner zu-nächst den Beginn des Adagiothemas aus der Achten (piano). Den Schluss bildet der Themenkopf aus dem ersten Satz der Siebten, wieder in den Hörnern (pianissimo).
      Der Satz verklingt einem in lang angehaltenen E-Dur Akkord.
      immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
      Darf man das? Ja, wenn man es kann.
    • Zur besseren Orientierung und für Hörer, die nicht über die Partitur verfügen, gibt es einen "Zeitfahrplan" für den ersten und dritten Satz erstellt. Die Struktur des zweiten ist so offensichtlich, dass man sie nicht überhören kann.
      Als Aufnahme: Die Wiener Philharmonikern unter Carlo Maria Giulini aus dem Jahre 1988.




      I. Erster Satz

      a) Exposition

      Erste Gruppe
      Erstes Motiv 0:12
      Erstes Thema 0:55
      Zweites Motiv 1:25
      Drittes Motiv 1:55
      Hauptthema 2:52
      Abgesang 3:31

      Zweite Gruppe
      Zweites Thema 4:16
      Zwischenspiel 4:45
      Melodie 5:55
      Zweites Thema 6:42
      Abgesang 8:06

      Dritte Gruppe
      Drittes Thema 9:01

      Epilog und Epilog-Coda
      Epilogthema 10:05
      Drittes Thema 10:47
      Epilog-Coda 11:20

      b) Durchführung
      Erstes Motiv – Erstes Thema 11:43
      Erstes Motiv – Drittes Motiv – Erstes Thema 12:54
      Epilogthema 13:58
      Zweites Thema mit zweitem Motiv 14:56
      Drittes Motiv 15:55

      c) Reprise
      Hauptthema 16:25
      Marschartige Streicher 17:15
      Violinfigur 17:55
      Aufsteigende Streicherfigur 18:18
      Steigerung zum Höhepunkt, Blechbläser 18:32
      Satzhöhepunkt 18:47
      Fallende Linie Streicher 19:20
      Zweites Thema 20:29
      Drittes Thema 23:12
      Epilogthema 24:03
      Zweiter Höhepunkt mit Hornruf 24:38
      Abgesang 25:10

      d) Coda
      Beginn 25:56
      Steigerung mit Vierteltriolen 26:27
      Schlusshöhepunkt 27:10

      II. Dritter Satz

      a) Exposition
      Erstes Thema 0:02
      D-Dur Zwischenstelle 0:37
      Zwischensatz 1:10
      Fortissimo-Ausbruch 2:07
      Abschied vom Leben 3:32
      Zweites Thema 5:18
      Drittes Thema 7:06
      Epilog 8:06

      b) Reprise
      Erstes Thema 9:41
      Umkehrung
      Durchführung
      Kontrapunkt erstes Thema – drittes Thema 13:22
      Fortissimo-Ausbruch 15:07
      Durchführung drittes Thema 16:07
      Variationen erstes Thema 17:38
      Intervallmodulationen erstes Thema 20:25
      Zweites Thema in doppelten Notenwerten 21:20
      Umkehrung zweites Thema / Miserere-Motiv 22:03
      Fortspinnung Miserere-Motiv 22:33
      Höhepunkt 23:44

      c) Coda
      Beginn 24:35
      Miserere-Motiv 26:05
      Adagiothema der Achten 27:36
      Themenkopf der Siebten 28:53
      immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
      Darf man das? Ja, wenn man es kann.
    • RE: Verschiedene Interpretationen und die Fassung mit dem 4.Satz

      Hallo Holger,

      Dein Einfürrungsbeitrag zu Bruckner Sinfonie Nr.9 geht wirklich in die Tiefe.
      :thumbsup: Sogar die Spielzeiten der Satzteile sind genau aufgeführt - das hatten wir noch nie - astrein !
      Damit kann man den Satz nun genau verfolgen.

      :D Aber nun gleich zu meinem Lieblingsthema, den verschiedenn Aufnahmen:
      Ich erzähle Dir persönlich nichts Neues, wenn ich hier schreibe, das ich mich der effektgeladenen und von TOP-Blechbläsern gezeichneten Interpretation mit Solti / Chicago SO (Decca) nach wie vor sehr verbunden fühle.

      Mein Weg dahin war allerdings ein ganz anderer:
      Ich habe die Sinfonie Nr.9 erstrmalig in der Jochum Aufnahme / Berliner PH (DG) gehört und über Jahre schätzen gelernt.
      Als die CD rauß kam kaufte ich eine Bruckner- Sinfonie (ich weis jetzt nicht mehr welche) in der Aufnahme mit Karajan (DG).
      Ich war so hingerissen über den Unterschied was Dramatik, Präzision, zupackender Gestus und letztendlich auch Klangqaulität anging, das ich mir so nach und nach alle Karajan-Aufnahmen der Bruckner- Sinfonien als Einzel-CD zugelegt habe.
      :thumbup: Jede CD war ein Volltreffer, natürlich auch die der Sinfonie Nr.9 Karajan / Berliner PH (DG, 1976, ADD).

      Mit beiden hochgeschätzten Aufnahmen Solti und Karajan kann ich bestens leben und bin damit sehr zufrieden. Der Wunsch eine andere Aufnahme zu haben lag eigendlich nie vor.

      *** Aber eine weitere Aufnahme der Bruckner: Sinf.Nr.9kam durch den Kauf der Mawrinsky-Brillant-10CD-Box doch bei mir an:
      Mrawinsky/ Leningrader PH, Brillant, Aufnahme LIVE 1982, ADD:

      Mrawinsky unerbittlich, aber scheinbar zunächst ohne Orchesterkultur - beim Hören gewöhnt man sich daran und stellt fest, dass Mrawinsky wiedermal packend interpretiert ------ Vielen wird diese Aufnahme nicht gefallen, da dies nicht der Bruckner ist, den man "aus dem heimischen Österreich" her kennt - das ist rohe Gewalt, aber ungemein packend dazu.
      Die Stereoaufnahme hat kaum Rauschpegel, klingt aber nicht profimäßig aufgenommen.
      Eine Wahnsinnsinterpretation --- welch eine laue Brise da im Vergleich Wildner bietet.
      :angel: Ich fands gut.


      *** Wegen der von Holger angestoßenen Diskussion der Marthe Aufnahme mit dem 4.neukomponierten (reloaded :faint: ) Satz durch Marthe und die rekonstruierte Version des 4.Satzes durch Chors/Samale erhielt und kaufte ich
      1. Marthe / European Philharmonic Orchestra (PreiserRecords, 2006, DDD)

      Es ist lange darüber diskutiert worden. Deshalb nur kurz: Mir sagt die langgezogene Interpretation der bekannten 3 Sätze mit Marthe nicht zu, da diese IMO total auseinanderfällt - schlimm das Scherzo !
      Und der 4.neukomponierte Satz ist eine Bruckner-Fantasy, die separat gespielt als Werk des 20.Jhd. OK und mitreißend ist, aber als 4.Satz in Bruckners 9 IMO nicht bestehen kann.

      2. Wildner / Westphälische PH (NAXOS).

      Die Interpretation der bekannten 3 ersten Brucknersätze der Sinfonie Nr.9 gefällt mir mit Wildner nicht so gut, wie einige meiner Favoritenaufnahmen.
      Ich führe das auf das Westfälische Orchester zurück, das einfach nicht den Klang der großen Spitzenorchester drauf hat; das ganze klingt ziemlich lau; außerdem liegen mir Wildners langsame Tempi nicht.
      Auch der 4.Satz hat mich nie restlos überzeugt - wegen Wildner ? Ja !

      3. Durch eine Besprechnung an anderer Stelle erhielt ich die Möglichkeit, die Live-Aufnahme aller 4.Sätze (4.Satz Version Chors/Smalle) mit Daniel Harding 2007 als MP3-datei herunterzuladen. Diese Interpretation hat mich auch als Ganzes und im 4.Satz erstmals stark überzeugt, da sie weit spannender interpretiert ist als von Wildner.

      ;) Aber ehrlich gesagt - ich finde die Sinfonie Nr.9, so wie sie Bruckner in 3 vollständigen Sätzen hinterlassen hat, absolut vollendet ..... ich brauche die ganze Reloaded + Rekonstruktionsgeschichte nicht.



      :wink: Wie findet ihr Mrawinsky´s Bruckner 9, soweit bekannt ?
      Aber auch - was haltet ihr von Karajan und Solti ?

      Was hat der 4.Satz in den verschieden Versionen in den Aufnahmen Marthe und Wildner (soweit bekannt) bei Euch gedanklich ausgelöst ?
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hallo Holger,

      vielen Dank für diesen ausführlichen und interessanten Einführungsbeitrag einer meiner Lieblingssinfonien.
      Mir dieser Arbeit hast Du bei mir wieder den Bruckner-Neun-Virus ausgelöst.

      Die Neunte war bei mir nicht “Liebe auf den ersten Ton”, es war vielmehr die Dritte und die Vierte Sinfonie die mich anfangs begeistern konnte, später dann die Fünfte und die Achte.

      Die Neunte hörte ich mir schon an, aber der Funke sprang nie rüber.

      Bis, ja bis ich anfing bei Brucknerfreunde zu lesen. Da habe ich den Virtuellen Workshop zu Bruckner IX Reloaded von Peter Jan Marthé entdeckt.

      Einfach eine großartige Arbeit für Leute wie mich, die nur die C-Dur Tonleiter kennen. Sehr schade daß dieses Projekt nicht vervollständigt wurde. Von Step 1 bis 4 reichten bei mir aber aus, daß ich immer mehr in die Tiefen dieser Sinfonie gelang und die Strukturen folgen konnte.



      Gestern habe ich mir dann dieses angeschaut. Naja, die Musik hört sich gut an, da gibt es nichts zu meckern, aber Karajans Gestik gefällt mir überhaupt nicht, nicht eines Blickes auf die Musiker würdig.

      Apropos, gibt es die VHS-Videoaufzeichnungen von Sony mit Celibidache in Japan nicht auf DVD?

      Na Gottseidank habe ich die Neunte mit Guilini, so daß ich dank dieses Beitrages mich wieder mehr dieser Sinfonie widmen werde.

      gruß
      romain
      Dieser Thread muß weitergeführt werden!!!
    • Mir persönlich wäre es lieber, wenn wir die Diskussion um die Möglichkeiten Bruckners Neunte viersätzig aufzuführen aus diesem Thread herauslassen könnten. Zwar habe ich das im OP kurz angesprochen, aber hier sollte es meiner Meinung nach um die Einspielungen gehen, die 99,79% der Diskografie (und des Konzertbetriebes) ausmachen, nämlich die mit dem Adagio endende gängige 3-sätzige Aufführungspraxis.
      Meiner Meinung nach wird die SPMC-Fassung nämlich zukünftig keine besondere Bedeutung haben, über Marthé, Létocart, Carragan und andere Komponisten, die sich an der "Vollendung" versucht haben brauchen wir glaube ich gar nicht zu diskutieren. Das soll natürlich nicht heissen, daß man sich das nicht anhören soll! Ich halte es da mit Johannes Wildner, der gesagt hat:
      "Man sollte diesen vierten Satz so oft wie möglich spielen, damit nicht in Vergessenheit gerät, daß Bruckner diese 9. viersätzig gewollt hat!" Soviel von mir zum Thema Bruckner9Finale :D . Sollte wider Erwarten da Gespächsbedarf bestehen, kann ich einige terrabytes liefern. Aber ich denke, das Thema ist durch, oder :D
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    • teleton schrieb:


      :wink: Wie findet ihr Mrawinsky´s Bruckner 9, soweit bekannt ?
      Aber auch - was haltet ihr von Karajan und Solti ?


      Mravinsky:
      Die Aufnahme habe ich in meinen Anfangsbrucknerzeiten von einem Bekannten geschenkt bekommen. Mrawinskys Herangehensweise an dieses Werk hat mir auf Anhieb zugesagt, da geht direkt bei der ersten Steigerung die Post ab, aber ohne offensichtlich auf "Effekte" aus zu sein. Und diese Sichtwese zieht sich auch bis zum Ende durch; die schrecklich schöne Dissonanz im 3. Satz lässt Mrawinsky so schauderlich ertönen, wis das sonst nur Bernstein geschafft hat. Klasse.
      An Mravinsky kann man widerum festmachen, daß meines Erachtens die ganze Werktreue-Diskussion hinfällig ist. Vergleicht man z.B. diese Aufnahme mit einer späten Celibidache-Einspielung, könnte man meinen, daß da zwei verschiedene Werke erklingen.Ich denke, daß beide Orchester die gleichen Noten auf dem Pult hatten.
      Bei anderen Komponisten ist mir das bisher in so einer Deutlichkeit noch nicht aufgefallen, vielleicht liegt das auch am Komponisten?

      Ich mag sowohl Mravinsky als auch Celi - um einmal zwei völlig gegensätzliche Sichtweisen in den Ring zu werfen. Die sind mit in jedem Falle lieber, als glattgebürstete, schönklingende aber nichtssagende Einspielungen.
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    • Jetzt muß ich doch noch einmal etwas zur Finalerekonstruktion schreiben:

      Im Oktober 2008 hat Nicolas Couton mit dem MAV-Orchester in Ungarn die Neunte mit einer Finalvervollständigung des Komponisten Sébastien Létocart eingespielt.
      Die CD kann man bei John Berky (abruckner.com) kaufen.

      "http://www.abruckner.com/store/abrucknercomcds/symphonyno9withseb2/cover_bsvd-0104.jpg,6"


      Mit freundlicher Genehmigung des Dirigenten und des Komponisten stelle ich hier einmal zwei Hörschnipsel aus dem Finalsatz ein. Die Coda dürfte besonders interessant für diejenigen sein, die sich für diesen Satz interessieren.





      Scherzo
      Fuge Finalsatz
      Finale Coda
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    • Bei mir im CD-Regal stehen folgende Aufnahmen der 9. Symphonie d-moll:

      Claudio Abbado
      Wiener Philharmoniker
      DGG CD 471 032-2
      Aufnahme: Großer Musikvereinssaal (Wien), Jänner 1996, VÖ erst 2001



      Für mich eine besonders klangschöne Aufnahme.

      Leonard Bernstein
      Wiener Philharmoniker
      DGG CD 435 350-2
      Aufnahme: Großer Musikvereinssaal (Wien), Februar und März 1990



      Genauso klangschön, aber etwas breiter (Scherzo!). Ich war damals in diesen letzten Konzerten Bernsteins in Wien dabei, es bleiben unvergessliche Konzerterinnerungen!

      Nikolaus Harnoncourt
      Wiener Philharmoniker
      Aufnahme: Großes Festspielhaus (Salzburg) , August 2002
      2 CDs BMG/RCA 82876 54332 2



      Dieser Aufnahme liegt die Kritische Neuausgabe von Benjamin Gunnar-Cohrs zugrunde. Wie fast immer bei Harnoncourt wird deutlich mehr Wert auf Differenziertheit gelegt, hört man viele Details, die man sonst im Gesamtfluss überhört. Auf der zweiten CD führt Harnoncourt mit Hörbeispielen durch die gemäß dem damaligen Wissensstand vorhandenen Partiturausschnitte des vierten Satzes, in einer deutschen und in einer englischsprachigen Fassung. Diese Produktion ist übrigens auch (dies nur nebenbei) von der Harnoncourt-Schallplattengeschichte her interessant, weil sie den Bruch mit Teldec/Telefunken markierte. Die Firma wollte die Produktion nicht finanzieren, und die Wiener Philharmoniker sprangen damals spontan ein. Ihnen war der historische Wert dieser Arbeit wichtig genug. Seit damals veröffentlicht Harnoncourt seine Aufnahmen bei anderen Firmen.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • The dark horse

      Ich kenne eine Menge Aufnahmen dieser Sinfonie. Meine absolute Lieblingseinspielung ist die frühe digitale Aufnahme (1981 oder so) von Haitink mit dem Concertgebouw Amsterdam. Das ist wohlgemerkt nicht die Aufnahme, die in seiner Gesamteinspielung enthalten ist (diese kenne ich überhaupt nicht). Leider ist diese Einspielung seit Jahren nicht mehr im Handel erhältlich, was meinem ästhetischen Urteil eine bequeme Unüberprüfbarkeit gibt. Trotzdem möchte ich hier die Werbetrommel schlagen: Haitink hat ja nicht ganz zu Unrecht mitunter den Ruf, gepflegte Langweile zu verbreiten. Doch diese Aufnahme ist sehr speziell. Der erste Satz, der meiner Erfahrung nach am schwierigsten zu gestalten ist (die meisten Aufnahme, die ich kenne, haben hier ihre Schwachstelle), schreitet mit einer unbezwingbaren Folgerichtigkeit voran (tut mir leid, besser kann ich es nicht formulieren). Dabei erzeugt Haitink einen modernen Spaltklang (Gegenbegriff zu Mischklang), der das geheimnisvolle dieses Satzes noch unterstreicht. Der zweite Satz, das Scherzo, wird sehr hart und modernistisch interpretiert, so dass man sich hier in einer ganz eigenen Klangwelt befindet. Das abschließende Adagio ist relativ unspektakulär, aber immer noch sehr, sehr gut. Hier können andere Aufnahmen aber mithalten (Karajan, Wand).

      Ich würde Haitink in die von Karajan entscheident mitgeprägte "esoterische" Bruckner-Interpretationstradition einordnen (den Begriff habe ich von einem amerikanischen Laienkriter auf amazon übernommen). In dieser Tradition werden kaum rubati und keine extremen Dynamikabstufungen gebraucht. Es wird eine majästetisch-schimmernde Klangästhetik gepflegt, die Tempi sind relativ langsam. Die Sinfonien erscheinen hier als von der übrigen neudeutschen Musik dieser Zeit sehr isoliert, gewissermaßen als erratische Blöcke. Furtwängeler und auch Jochum sowie die meisten älteren Aufnahmen würde ich einer "musikantischen" Bruckner-Interpretationstradition zuordnen, welche die Sinfonien entgegengesetzt interpretiert. Mehr Temporückungen und Dynamikabstufungen, schnellere Tempi. Hier erscheinen die Sinfonien eher in die neudeutsche Musiktradition eingebettet (das ist natürlich nur relativ, nach Wagner oder gar Liszt klingen sie auch nicht). Die Tempi sind schneller (es gibt aber Ausnahmen): Insgesamt klingen die Sinfonien in dieser Tradition etwas weniger geheimnisvoll. Da ich gerade das Geheimnissvolle bei diesen Sinfonien liebe, ziehe ich insgesamt die "esoterische" Interpretationsrichtung vor. Die Furtwängler-Kriegsaufnahme ist für eine "musikantische" Aufnahme sehr gelungen. Wie viele Furtwängler-Aufnahmen aus dieser Zeit sehr intensiv, fast schon dämonisch.

      Die dankenswerterweise von Holger mit einem analytischen Leitfaden versehenen Einspielungen kenne ich auch. Ich finde beide nicht ideal. Beide würde ich in die "esoterische" Brucknertradition einordnen. Giulini ist mir doch etwas zu langsam, auch klingen die Wiener zu hell und verwaschen. Vielleicht bin ich hier auch nur das Opfer einer Geschmacksverwirrung, da ich schon viele euphorische Urteile gehört haben, die ich aber nicht so recht nachvollziehen kann. Ähnlich geht es mir übrigens mit Giulinis Interpretation der 8. Toll finde ich aber seine 2. mit den Wiener Sinfonikern. Bei Wand bin ich mit dem ersten Satz unzufrieden. Irgendwie klingt er holprig und nicht zwingend, obwohl die Klangkultur der Beliner vorbildlich ist und das in einer Liveaufnahme.

      So dies war meine etwas gestelzte Kritikerprosa zu Bruckners 9. Ich verspreche, dass ich mich nicht allzu oft auf dieses Gebiet vorwagen werden.

    • RE: The dark horse

      malsehn schrieb:

      Ich kenne eine Menge Aufnahmen dieser Sinfonie. Meine absolute Lieblingseinspielung ist die frühe digitale Aufnahme (1981 oder so) von Haitink mit dem Concertgebouw Amsterdam. Das ist wohlgemerkt nicht die Aufnahme, die in seiner Gesamteinspielung enthalten ist (diese kenne ich überhaupt nicht). Leider ist diese Einspielung seit Jahren nicht mehr im Handel erhältlich, was meinem ästhetischen Urteil eine bequeme Unüberprüfbarkeit gibt. Trotzdem möchte ich hier die Werbetrommel schlagen: Haitink hat ja nicht ganz zu Unrecht mitunter den Ruf, gepflegte Langweile zu verbreiten. Doch diese Aufnahme ist sehr speziell. Der erste Satz, der meiner Erfahrung nach am schwierigsten zu gestalten ist (die meisten Aufnahme, die ich kenne, haben hier ihre Schwachstelle), schreitet mit einer unbezwingbaren Folgerichtigkeit voran (tut mir leid, besser kann ich es nicht formulieren). Dabei erzeugt Haitink einen modernen Spaltklang (Gegenbegriff zu Mischklang), der das geheimnisvolle dieses Satzes noch unterstreicht. Der zweite Satz, das Scherzo, wird sehr hart und modernistisch interpretiert, so dass man sich hier in einer ganz eigenen Klangwelt befindet. Das abschließende Adagio ist relativ unspektakulär, aber immer noch sehr, sehr gut. Hier können andere Aufnahmen aber mithalten (Karajan, Wand).


      Pech gehabt ;) .

      Ich kenne und schätze diese Aufnahme ebenfalls, und auch bei Amazon ist sie gelistet als US-Import.
      amazon.de/Bruckner-Symphony-No…ic&qid=1248514563&sr=1-15

      Ich teile grundsätzlich nicht die Meinung, dass Haitink "gepflegte Langeweile" verbreitet. Im Gegenteil, ich halte ihn für unterschätzt.
      Insbesondere lässt sich das Vorurteil anhand dieser Aufnahme nicht nachvollziehen. Haitink bevorzugt eine fast schon aggressiv anmutende Sichtweise der Partitur. Er begreift Bruckner als Komponisten des angehenden 20. Jahrhunderts und lässt wenig oberflächlichen Schönklang zu.
      Ein wenig zu theatralisch interpretiert Haitink den Schluss des ersten Satzes. Die Pauken stehen mir ein wenig zu aggressiv im Vordergrund. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Haitink diesen Effekt bewußt einsetzte, um die Modernität der Partitur zu betonen.
      Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.
      Leopold Stokowski
    • Hallo,

      ich möchte Holger sehr für diesen tollen Eröffnungsbeitrag danken, der mir das Verfolgen dieser Symphonie sehr erleichtert hat. Mit Bruckner hatte ich bisher immer etwas Probleme, weil ich die Größe erkennen konnte, aber bis auf einige Ausnahmen emotional nicht wirklich gefangen genommen wurde. Bis ich vor ein paar Tagen das erste Mal die 9. hörte. So etwas Großes, unglaublich. :juhu: :juhu: :juhu:

      Ich bin immer noch in der glücklichen Lage das Werk erst richtig kennenzulernen und jedes Mal stürzt es mich wieder in emotionales Chaos. Jetzt ist vielleicht auch ein Zugang zu Bruckners anderen Werken besser möglich. Das musste ich gerade einfach mal loswerden. :hide:

      Ich höre übrigens auch die Giulini-Aufnahme.

      Viele Grüße,
      Dedalus :wink:
      Every life is in many days, day after day. We walk through ourselves, meeting robbers, ghosts, giants, old men, young men, wives, widows, brothers-in-love. But always meeting ourselves (James Joyce)
    • Es folgen ein paar Gedanken zu drei in letzter Zeit angeschafften Aufnahmen der Neunten.



      Bernstein – New York Philharmonic (1969) - Spielzeiten: 25.02 / 11.35 / 24.36
      Sinopoli – Staatskapelle Dresden (1997) - Spielzeiten: 25.34 / 10.07 / 26.10
      Wand – Berliner Philharmoniker (1998) – Spielzeiten: 26.12 / 10.35 / 25.12

      Beginnen will ich mit Sinopoli, dessen Einspielungen insbesondere der Fünften und der Achten ich sehr gelungen finde. Nach einem sehr guten Höreindruck der ersten beiden Sätze, in denen er deren spezifischen Charakter – einmal also das Monumentale im ersten und das Mephistophelische im zweiten Satz – ausgesprochen überzeugend aufgreift und umsetzt, hinterlässt seine Interpretation des Adagios bei mir einen sehr problematischen Eindruck und zwar aus zwei Gründen: a) Sinopoli ist mir hier über weite Strecken zu partiturgetreu und dann b) an anderer Stelle wieder zu eigenwillig. Hört sich komisch an, ist aber so.

      Potzstern! mag der ein oder andere Leser jetzt denken. Bei der Achten ist dem Agravain keiner genau genug, ständig mäkelt er an den Abweichungen der Interpreten von den Anweisungen des Komponisten herum UND JETZT SO ETWAS. Das riecht nach Inkonsequenz! Tatsächlich, so entgegnet der Verfasser, mag das inkonsequent sein, willkürlich ist das aber nicht. Zur Erklärung.

      Mir scheinen Bruckners Achte und Neunte – obgleich im ersten Moment ähnlich – nicht wirklich vergleichbar, weil sich das musikalische Material - die Themen, die Motive und die Ausarbeitung derselben - im jeweiligen Charakter grundsätzlich unterscheidet. Kann man die Achte als bilanzierenden Gipfelpunkt des Lebenswerkes Bruckners verstehen, als „Mount Everest unter des Sinfonien des 19. Jahrhunderts“ (Osborne), so tritt uns während der Kompositionzeit der Neunten ein anderer Bruckner entgegen, ein Bruckner, der zur Kompositionszeit von sich als „gebrochener Mann“ (Brief an Gertrud Bollé) sprach, der krank war, wassersüchtig und sklerotisch und sich ängstigte, seine letzte Symphonie nicht vollenden zu können. Reflexe dieser Außensituation mögen sich eventuell im Werk finden, speziell im langsamen Satz, denn hier fehlt mittlerweile die formende Hand, die den großen Bogen schlagen kann, durch den so ein Satz zusammengehalten werden muss. Es wird zwar immer wieder zum Bogenschlag angesetzt, Theme, Motive und deren Fetzen werden ananeinandergereiht, die organische Einheit des langsamen Satzes der Achten wird aber nicht mehr erreicht, der Bogen nicht geschlagen, die dem Schema entsprechende emphatisch-euphorische Apotheose nicht mehr erzielt. Stattdessen kulminiert der Satz im vielleicht größen musikalischen und emotionalen Ausbruch vor Mahler in der sogenannten "verfehlten Oktave", dem großen Aufschrei und Kataklysmus dieser Symphonie.

      Ist es in der Achten – aus meiner Perspektive – nötig, sich in der Gestaltung sehr eng an die Vorgaben Bruckners zu halten, so verlangt die Neunte die Formung durch den Dirigenten, weil das Material selbst seine Kraft nicht mehr so einfach entfalten kann. Verlangt die Achte, dass sie als umfassendes Statement Bruckners zur Symphonie an sich verstanden und dargestellt wird, sodass der Interpret eher im Hintergrund verbleiben sollte, so gewinnt die Neunte für mich eher in der individuellen Auseinadersetzung des Interpreten mit Bruckner an Profil.

      Sinopoli versucht– so scheint es mir – eine schematische Herangehensweise an die letzten Symphonie Bruckners und somit auch an die Neunte, die er im Grunde genau so spielen lässt, wie die Achte. Problem ist, dass das Schema hier nicht so recht greifen will. Was im Adagio der Achten nicht nur funktioniert, sondern zu einer ganz exzellenten Interpretation führt (z.B. das unbedingt durchgehaltene Tempo), hat bei der Neunten zur Konsequenz, dass der Satz zwar nicht in sich zerfällt (was ja durchaus als sinnvoller Interpretationsansatz verstanden werden könnte), sondern dass er schlichtweg langweilig und spannungsarm verläuft. Hinzu kommt dann, dass Sinopoli bisweilen ganz überraschenderweise die Spannkraft fehlt (so sehr hölzern ab Buchstabe C und ab D), dass das Brucknersche „markig“ an zentralen Stellen (Buchstabe E) eher müde wirkt, es dann an anderer Stelle aber durch die Verkürzung von Notenwerten hineingezwungen werden soll (ab F in allen Bläsern Achtel statt Viertel). Dem Höhepunkt des Satzes (ein Takt vor R) fehlt dann die rechte Vehemenz, sodass auch der verklärte Abgesang auch an Bedeutung verliert. Insgesamt eine recht seltsame Darstellung.

      Bernstein – der ja nur die Neunte und die Sechste Bruckners dirigierte – macht seine Sache recht ordentlich. So ist seine frühe Einspielung aus New York – wen wundert’s – ausgesprochen emotional. Bernstein erfasst die spannungsvolle Textur des Werkes gut, arbeitet mit deutlichen Tempoveränderungen und kostet die Sanglichkeit und den Fluss mancher Themen und Motive genau so schön aus (z.B. in I, Buchstabe D oder F), wie die Wucht der großen Klangballungen (I / 8 vor H). Manchmal geht es aber auch etwas mit ihm durch, sodass das Ganze zu getrieben wirkt. Ist der erste Satz insgesamt gut zu hören, so ist mir sein Scherzo zwar wuchtig genug, aber gleichzeitig auch zu behäbig. Da ist mir zu wenig Hexensabbat, zuwenig Gespenstigkeit (die sich ja auch im Trio nicht auflöst) und ein Tuck zuviel an Ausblick auf Strawinskys „Sacre“ dabei. Zum Adagio kann ich nicht allzu viel sagen. Bernstein hat den Satz im Griff, gestaltet routiniert, aber eben auch nicht viel mehr. Da ist nichts dabei, was überdurchschnittlich wäre, aber auch nichts, was mäßig ist. Und das ist ja auch schon was. Ich hatte allerdings etwas mehr „Weltschmerz“ vom Weltschmerzler Bernstein erwartet. Dennoch hat die Aufnahme einen Schwachpunkt, auf den ich mich kaum traue hinzuweisen. Es ist das Blech der New Yorker Philharmoniker, das hier nicht besonders gut klingt, weniger nach New York als nach Philadelphia unter Ormandy, also etwas wabernd (besonders Tompeten und Tuben). Das mag bei Tschaikowsky gehen, hier hat der Klang jedoch etwas ganz eigentümlich Musicalmäßiges und das Spiel wirkt oft nicht so recht präzise.

      Da hat es der späte Wand besser, denn das Blech der Berliner Philharmoniker ist ganz ausgezeichnet. Überhaupt gehört die Aufnahme zu den besseren. Ingesamt gelingt Wand die Neunte hier recht emotional und bei Weitem nicht so professoral wie ich seine Interpretationen oft erlebe. Der erste Satz zeichnet sich (auch) bei Wand durch die Kombination von Wucht und Sanglichkeit aus. Dabei gestaltet er die dem Satz innewohnende Dramatik mit ähnlichen Mittel wie Bernstein, jedoch niemals so krass. Insgesamt erzielt er mit einer etwas moderateren Gangart eine deutlich organischere Wirkung. Daneben gelingt ihm besonders im ersten Satz eine Reihe von herausragenden Momenten, wie die geradezu Mahlersche Stelle bei Buchstabe „O“ oder die sonnendurchflutete bei „T“ oder der Parsifal’sche Holzbläserchoral in den Takten 505 – 508. Das Scherzo nimmt Wand deutlich zügiger als Bernstein, lässt sehr trockene Staccati spielen, sehr überzeugend den Gegensatz zwischen brachialer Gewalt und gespenstischem Huschen auskostend. Insgesamt ist das fast auf dem Niveau der Jochumschen Aufnahme mit den Berlinern. Wands Darstellung des Adagio fehlt das, was mir auch bei den anderen beiden Einspielungen fehlt: das Existenzielle. Ich habe mir da von dem greisen Dirigenten irgendwie mehr erwartet, mehr Blick auf Fragen, Abgründe, Risse. Stattdessen erlebt man einen durchweg kontrolliert geführten Satz, der ganz in den fähigen Händen seines Interpreten liegt, der aber eben auch genau weiß, wo er hin will. Die Orientierungslosigkeit, die aus diesem Satz sprechen kann, gibt es hier nicht, der große Aufschrei in Takt 206 scheint mir irgendwie nicht so recht gerechtfertigt. Das ändert natürlich nichts daran, dass der Satz grundsätzlich gut anzuhören ist, mich lässt er am Ende jedoch etwas unbefriedigt zurück.

      :wink: Agravain


    • Nach wiederholten Empfehlungen bin ich neugierig geworden, habe mir die Neunte mit Mravinsky und „seinen“ Leningradern pflichtschuldigst beschafft und sie nun mehrfach durchgehört. Meinem Eindruck nach handelt es sich bei der Aufnahme jedoch weder um eine überdurchschnittliche noch um eine unterdurchschnittliche, sondern – surprise, surprise – um eine in ihrer Gesamtheit durchschnittliche.

      Kommen wir erst kurz zum Klangbild. In der Tat ist der Ton des 1980 aufgezeichneten Konzertes besser als der bei der Achten aus dem Jahre 1959. Dennoch dominiert das Blech in Tutti-Passagen oft, sodass ein Großteil des musikalischen Geschehens (besonders im ersten Satz) wie hinter einer blechernen Wand verschwindet. Man mag das bei einer Präferenz für Blechbläser schön finden, ja man kann positiv denken und sich freuen, dass man endlich einmal den Bläsersatz gut durchhört (wabrig wird es nämlich nicht), mir ist das allerdings ein wenig zuviel des Guten.

      Daneben kann mich Mravinskys Herangehensweise nicht immer begeistern. Nehmen wir den Kopfsatz, der sehr eindrucksvoll beginnt. Mravinsky baut den ersten Themenkomplex eindrucksvoll auf, grundsätzlich mit scharfer, zackiger Punktierung, die er im weiteren Verlauf (z.B. Buchstabe C, Unisono-Thema) immer sehr auftaktig spielen lässt, also mit scharfer Zäsur zwischen dreifach punktierter Halber und der Schzehntel. Das wirkt beim ersten Hören noch sehr marzialisch, ermüdet als Gestaltungsprinzip dann aber im Verlaufe des Satzes ziemlich. Die sanglichen Stellen (Thema Buchstabe D ff. oder E ff.) nimmt Mravinsky geradezu erstaunlich lieblich, wenngleich er bisweilen wenig zwischen Forte und Piano differenziert (T. 105 ff.). Das gibt es im Verlauf des Satzes häufiger und mir ist nicht ganz klar, ob Mravinsky sich nicht die Mühe macht zu gestalten, oder die Tonregie verantwortlich ist. Ohnehin übergeht Mravinsky nicht selten Bruckners Angaben. Die Anweisung „breit“ in den Violinen übersieht er in der Regel, auch „langsamer“ findet sich eher selten berücksichtigt. Aber was soll es, schließlich finde ich derlei hier noch vertretbarer als in der Achten. Richtiggehend störend empfinde ich aber, dass er auch in diesem Satz (wie schon in der wesentlich älteren Achten) bisweilen ins Lapidare verfällt und wenig mehr an Gestaltung bringt als eben den Takt zu schlagen. Ganz besonders störend empfinde ich diese schwache Formung ab Buchstabe L, also bei dem an Mahler erinnernden Marschmotiv (Buchstabe O) oder bei dem plötzlich auftauchenden Choral (ab T. 505), den man hölzerner nicht spielen lassen kann.

      Der zweite Satz ist ebenso ordentlich wie durchschnittlich. Die Wucht des Scherzo liegt Mravinsky natürlich, das Trio bleibt für mich etwas gesichtslos, das Huschen und Sirren in diesem vielleicht spukhaftesten Stück Bruckners, will sich irgendwie nicht so recht einstellen, obgleich Mravinsky einen hübschen Einfall in T. 20 hat. Er lässt vor dem notierten dim. sempre kurz subito mf spielen lässt (ebenso an der Parallelstelle). Das gibt einen schönen Effekt, der die Interpretation dieses an sich selbstlaufenden Satzes allerdings nicht über andere erhebt.

      Das Adagio indes versöhnt mich weitgehend, da es sich – in bekenne es frei heraus – eindeutig um einer der größeren mir bekannten Deutungen. Mravinsky fängt tatsächlich vorschriftsmäßig, will sagen: ausgesprochen breit und markig an und führt das die ersten Takte ruhig und mächtig zum ersten großen Ausbruch bei Buchstabe A. Aber der Kopfsatz hatte ja auch schon recht gediegen angefangen und dann wurde es lasch. Ich blieb zwar kritisch, wurde jedoch bald eines besseren belehrt. Mravinsky entwickelt den Satz ausgesprochen stimmig weiter, bringt herrlich fließende Gestaltung bei Buchstabe G ff., bleibt im Grundtempo langsam, bricht nicht ins Zackige aus. Großartig gelingt ihm die Passage nach Buchstabe F, bei der er die tiefen Streichergänge mit einer derartigen Schwere spielen lässt, dass die Stelle etwas ausgesprochen Lebensmüdes gewinnt. Überhaupt nimmt die Interpretation zum Ausbruch bei Buchstabe R insgesamt an Gewicht (nicht Zähigkeit) zu. Man hat den Eindruck die Musik, die Motive und Themen und ihre Verarbeitung schleppen sich förmlich dahin: Selten zieht Marvinsky noch einmal an, stattdessen unterstreicht er die sich breit machende Erschöpfung durch überraschende Eingriffe in die Dynamik, beispielsweise wenn er Passagen, die Forte notiert sind und noch crescendieren sollen, zurücknimmt (wie T. 136 ff.). Auch der Spannungsaufbau zu Buchstabe R hin (ab Buchstabe O) gelingt Mravinsky ausgesprochen gut. Das klingt trotz der großen Bewegung im Satz nie schnell oder gehetzt, sondern wie eine nicht mehr aufzuhaltende Fahrt zum Höhepunkt des Satzes hin. Doch die „verfehlte Oktave“, deren Viertelnote Bruckner mit deutlichem Akzent versieht, akzentuiert Mravinsky kaum. Tatsächlich verhungert dieser Ton, als sei nach dem langen Aufsteig alle Kraft verbraucht um den Gipfel zu erreichen, sodass eine Konsonanz dann auch verfehlt wird. Sehr konsequent gemacht und wahrhaftig ganz großes Kino. Hätte ich nur diesen Satz gehört, ich hätte „Chapeau!“ gerufen und mich dankend verneigt. Schade, dass die Wiedergabe der ersten beiden Sätz nicht von einer solchen Intensität ist wie die des dritten. Doch eindruckvoller als seine Darstellung der Achten ist diese Aufnahme allemal.

      :wink: Agravain
    • Bruckners 9. unter dem Dirigat vpn Günter Wand

      Liebe Forianer,

      abgesehen von den bekannten RCA-Wand Aufnahmen dieser Symphonie mit den Kölner RSO, dem NDR-Orchester aus der Musikhalle Hamburg, der späten Aufnahme mit den Berlinern gibt es noch eine weitere Live-Einspielung vom Schleswig-Holstein Festival aus dem Lübecker Dom:



      Da die Live-Aufnahme der 8ten aus dem Lübecker Dom mit ihrem 'Nachhall' etwas Besonderes ist - der Klang verschwimmt dadurch nicht, wie man vermuten könnte - würde mich interessieren, ob diese hier abgebildete Aufnahme, die nur noch über den Marketplace zu beziehen ist, die Anschaffung lohnt. Und haben nicht auch die Aufnahmen aus St. Florian einen gewissen Nachhall (was mancher bestimmt auch problematisch einschätzen wird)?

      Viele Grüße,

      Christian
    • Hallo Christian,

      tontechnisch ist die Aufnahme nicht zu empfehlen.
      Bei Bruckners 8., da stimme ich zu, stört der Nachhall aus dem Lübecker Dom nicht. Bei Bruckners 9. hingegen werden viele wichtige Passagen wegen des Nachhalls "verschluckt". Besonders das Scherzo leidet darunter.

      Bei Bruckners 9. empfehle ich dir eine Live-Aufnahme aus der Basilika Ottobeuren, die 1979 entstanden ist.


      Die Kirchenakustik ist dort weit weniger problematisch als in der Lübecker Aufnahme, und die Interpretation ist einfach traumhaft.
      Es ist nicht erforderlich, Musik zu verstehen. Man braucht sie nur zu genießen.
      Leopold Stokowski
    • Telramund schrieb:

      Die Kirchenakustik ist dort weit weniger problematisch als in der Lübecker Aufnahme, und die Interpretation ist einfach traumhaft.


      Die Aufnahme kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Keine hallig-verschwommene Akustik - ich empfinde den Klang als relativ trocken. Die Durchhörbarkeit ist sehr gut, man kann viele Details wahrnehmen. Und ich muss sagen, mir gefällt diese Aufnahme besser, als die Neunte mit den Berliner Philharmonikern, obwohl ich noch nicht sagen kann, woran das genau liegt. Dazu muss ich die 79er Aufnahme schlicht noch einige mal mehr hören. Auch wenn ich jetzt einmal die These in den Raum stellen würde, dass sich Wands grundsätzlicher Interpretationsansatz nicht so sehr gewandelt haben dürfte.

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere
    • Kennt eigentlich schon wer die Neueinspielung der Neunten mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern (EMI, 2012)?



      Bemerkenswert ist natürlich, daß hier die viersätzige Fassung, also mit rekonstruiertem Finale, geboten wird. Rattle (laut JPC-Werbetext): „Alles, was an diesem Finale merkwürdig ist, ist 100% Bruckner. Und wir sehen hier den Schrecken, die Furcht und die Passion, die er zu dieser Zeit durchlebte.“

      JPC kündigt das Erscheinen zum 18.05.2012 an, doch manche kennen ja auch schneller sprudelnde Quellen...? :pfeif:

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Gurnemanz schrieb:

      JPC kündigt das Erscheinen zum 18.05.2012 an, doch manche kennen ja auch schneller sprudelnde Quellen...?


      In der digital concert hall der Berliner Philharmoniker kann man sich das Livekonzert ansehen- und hören. Ich kam leider noch nicht dazu. Aber vielleicht wird es nächste Woche etwas ;+)

      :wink: :wink:

      Christian
      Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

      Cato der Ältere