Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll – Dem lieben Gott gewidmet

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    • Amfortas09 schrieb:

      BR-Klassik; Dienstag; 01.11.16; 20:00 – 22:00

      Anton Bruckner: Symphonie Nr. 9 d-Moll
      viersätzige Version, nach originalen Quellen ergänzt und vervollständigt von Gerd Schaller

      Philharmonie Festiva
      Gerd Schaller, Dirigent

      Vom 24.07.16 in Ebrach
      Diese Aufnahme ist jetzt als Doppel-CD erschienen ( oder zumindestens in Nordamerika bereits erhältlich). Für seinem Zyklus hatte Schaller die 9. mit dem von William Carragan vervollständigten Finale eingespielt . Nun präsentiert er seine eigene Fassung des Finales .

      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • Noch eine neue Finalversion?
      Ich habe bislang die Versionen von SMPC, Josephson, Carragan und Letocart gehört.
      Aber mit Abstand am besten finde ich immer noch die letzte Fassung von SMPC, die Rattle mit den Berlinern eingespielt hat.
      Aber herzlichen Dank für die Info - dann werde ich mir die Schaller-Version sicher zulegen und mal hören, wie die ist...
      Was heißt hier modern? Betonen Sie das Wort mal anders! Richard Strauss
    • Gneisenau schrieb:

      Noch eine neue Finalversion?
      Ich habe bislang die Versionen von SMPC, Josephson, Carragan und Letocart gehört.
      Aber mit Abstand am besten finde ich immer noch die letzte Fassung von SMPC, die Rattle mit den Berlinern eingespielt hat.
      Aber herzlichen Dank für die Info - dann werde ich mir die Schaller-Version sicher zulegen und mal hören, wie die ist...
      hab Mitschnitt inzwischen eingeschmissen. Werde mir diesen auf alle Fälle noch ein paar x gönnen.
      Die von mir momentan bevorzugten Mitschnitte (allerdings ohne Finalsatz) mit
      a.) Mix aus WDR-Sinfonieorchester + Landesjugendorchester NRW unter Buchberger v. 18.10.15,
      b.) SWR Sinfonieorchester unter Cambreling und
      c.) SWR Sinfonieorchester unter Gielen v. 20.12.13
      kommen mir - bei allen Unterschieden - doch noch prägnanter und deutlicher rüber als mit Philharmonie Festiva unter Schaller.

      Beim Finanlsatz drängt sich die Vermutung auf, dass Schaller viel stärker als Samale oder Carragan Eigenes hinzufügt. Kann ich aber kaum beurteilen, weil nicht mit Notentext vertraut... Schaller-Mitschnitt reinziehn lohnte sich auf alle Fälle...
      „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann
    • dvorakslavenskiples schrieb:

      Weil ich Kroate bin, interessiere ich mich natürlich für die Aufnahmen meines Landsmann Lovro von Matačić. Ich habe unter ihm die meisten Bruckner-Aufnahmen gehört (Nr.3&4 mit dem Philharmonia Orch., Nr.5&8 mit dem NHK Orch., Nr.7 mit Czech Phil. & seine letzte Aufnahme mit den Slovenischen Philharmonikern)
      Ist OT in diesem Thread :versteck1: , aber Lovro von Matačićs Siebte von Bruckner mit der Tschechischen Philharmonie Prag (rec. 20.-23.3.1967)



      ist bei mir letztes Jahr in einem intensiven zweiwöchigen Vergleichshören einer Vielzahl von Bruckner 7-Aufnahmen als klarer persönlicher Favorit hervorgegangen. Du erwähnst diese Aufnahme in Deinem Posting, deshalb erlaube ich mir hier, obwohl OT, einfach mal diese Anmerkung. Ein wirklich großartiger Bruckner-Dirigent!
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)
    • music lover schrieb:

      ist bei mir letztes Jahr in einem intensiven zweiwöchigen Vergleichshören einer Vielzahl von Bruckner 7-Aufnahmen als klarer persönlicher Favorit hervorgegangen. Du erwähnst diese Aufnahme in Deinem Posting, deshalb erlaube ich mir hier, obwohl OT, einfach mal diese Anmerkung. Ein wirklich großartiger Bruckner-Dirigent!

      OOOOO jaaaa!!! Diese Aufnahme is wirklich unglaublich! Matačić war einer der den Bruckner sehr geliebt und verehrt hat. In einem Interview für das Zagreber Fernsehen aus dem Jahre 1982 hat er eine sehr schöne Geschichte erzählt.

      Er war als Kind im alter von 8 Jahren im Wiener Sängerknaben-Chor aufgenommen (im Jahre 1907) und sagte das die Audition seeehr schwierig war (mann musste die Grundregeln des Latein wissen! :| ) und das erste Werk das er gesungen war: Mozarts Requiem!

      Der entscheidene Moment in seinem Leben (wie er weiter im Interview erzählte) war die Probe zu der Messe Nr. 1 in d-Moll von Anton Bruckner. Schon bei der Klavierproben fühlte er etwas merkwürdiges. Und dann kam es zur der ersten Orchesterprobe mit den Wiener Philharmonikern. Er unterbrach kurz das Gespräch, saß am Klavier und fing an zu spielen. Mit rauer Stimme sang er dann:
      "..et resurrexit tertia die, secundum Scripturas, [i]et ascendit in cælum..." . :pfeif: [/i]Dann unterbrach er und erzählte weiter wie er in diesem Moment bei der Orchesterprobe nicht mehr singen konnte und es wurde im bewusst was die Musik den Menschen übermitteln kann. Dieses Werk hatte einen solchen Eindruck auf ihn damals hinterlassen das er einige Nächte nicht schlaffen konnte. Dazu sagte er noch: "In diesem Moment wurde ich ein Musiker". :)

      Ich mag seinen Bruckner sehr. Die Tempi sind bei ihm fließend und doch hört mann sehr gut alle Orchesterstimmen (Vierte Sinfonie mit dem Philharmonia Orchestra!!! :love: ). Interessant ist das die meisten Bruckner-Aufnahmen die er hinterlassen hat mit Orchestern enstanden die nicht ganz als große Bruckner-Orchester bekannt waren: die erwähnte Siebte hat er mit den Tschechen aufgenommen (seine allerletzte Aufnahme ist die Siebte mit den Slowenischen Philharmonikern aus Ljubljana), die Vierte mit dem Philharmonia Orchestra aus London (ich glaube es ist die erste Bruckner-Aufnahme des Orchesters), die Fünfte mit den Tschechischen Philharmonikern (Schalk-Version) und eine Live Aufnahme mit dem Orchestre National de France (original-Version), die Achte mit dem NHK aus Japan etc... Leider ist Matačić (glaube ich) heute etwas vergessen, insbesondere in meinem Heimatland Kroatien. :( :( Die Siebte aus Prag ist die einzige sehr bekannte Aufnahme von ihm (eventuell ist den Leuten die Grieg/Schumann Einspielung mit Richter und das Violinkonzert Nr.1 von Prokofjew mit Oistrach bekannt).





    • Zu Bruckners Siebter gibt es übrigens - wie zu allen anderen Symphonien und auch zu den Symphonien insgesamt - Eigenes:
      Bruckner: Sinfonie Nr. 7 E-Dur – Bruckners größter Erfolg oder eine „abstoßende musikalische Stegreifkomödie?“

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Matacic und die Neunte

      Eingangs möchte ich darauf hinweisen , daß dieser Dirigent keinesfalls nur auf Bruckner reduziert werden sollte . Er hatte ein breites Repertoire , und auch als Operndirigent wurde er geschätzt . Neugierige sollten das einmal eruieren .

      Von der Neunten Sinfonie sind bislang 6 Einspielungen bekannt . Chronologisch sind dies

      17/1/1958 Staatskapelle Berlin 64:30
      29/1/1963 Orchestre National de l'ORTF 59:12
      6/9/1968 NHK Symphony Orchestra 65:45
      2278/1979 Zagreb Philharmonia Orchestra 59:45
      4&5/12/1980 Czech Philharmonic Orchestra 59:50
      12&13/3/1983 Wiener Symphoniker 59:19

      Ich kenne die Aufnahmen mit dem Czech Po, dem NHK SO und der Staatskapelle . Diese Reihenfolge spiegelt auch meine Wertschätzung wider , wobei zwischen den Erstgenannten und der Berliner Einspielung der Marianengraben liegt , den auch Matacic nicht überbrücken konnte . Nun gut , die Erinnerung verzerrt vielleicht , aber gut spielt die Kapelle wirklich nicht .

      Zwei Anmerkungen .
      Ich 'bastle' mir gern ergänzte Neunte , indem ich das Te Deum als letzten Satz hinzufüge . Das wäre hier möglich , denn es gibt eine Aufnahme des Te Deums mit dem NHK Symphony Orchestra vom 1/1071968 , also in zeitlicher Nähe zur 9. entstanden . Eine Einspielung mit den Wienern stammt von Anfang der 60er Jahre , da wären dann schon 20 Jahre dazwischen . ( Mit dem Orchestra RAI Milano gibt es auch noch eine Aufführung ).
      Ein reduzierter Bruckner-Zyklus ist realisierbar . Mit Matacic und den Wiener Symphonikern gibt es die Sinfonien 3,4,5,7,8,9 & das Te Deum , meist von Anfang der 80er Jahre . Ich kenne nur 2 davon , und nach meinem Eindruck klang das Orchester irgendwie unbeteiligt .
      Abschließend möchte ich meine Genugtuung darüber ausdrücken , daß Matacic - wie einige ausgewiesene Bruckner-Dirgenten vor ihm - einen Bogen um die 6.Sinfonie gemacht hat , jedenfalls gibt es keinen Hinweis darauf, daß er sie je spielte . Die Problematik dieser Sinfonie wird für mich sehr überzeugend von Robert Simpson in seinem Buch 'The Essence of Bruckner' dargelegt . Und die vielen - in meinen Ohren missglückten - Einspielungen der Sechsten sprechen eine deutliche Sprache , und die sagt : lieber gar nicht als so .
      Good taste is timeless / "Ach, ewig währt so lang " - Don't all thank me at once (Scott Miller) - Ich behalte mir das Recht vor , Fehler zu machen .
    • b-major schrieb:

      Die Problematik dieser Sinfonie wird für mich sehr überzeugend von Robert Simpson in seinem Buch 'The Essence of Bruckner' dargelegt .
      könntest du in ein paar Stichworten angeben, worin diese Problematik (der VI.) liegen soll?
      ---
      Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
      (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


      Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
      (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).
    • b-major schrieb:

      Eingangs möchte ich darauf hinweisen , daß dieser Dirigent keinesfalls nur auf Bruckner reduziert werden sollte . Er hatte ein breites Repertoire , und auch als Operndirigent wurde er geschätzt .
      Das möchte ich unterstreichen. Lovro von Matačić ist für mich einer der besten Dirigenten des 20. Jahrhunderts überhaupt, wobei ich ganz besonders seine Einspielung des Schlussgesangs aus “Salome” von Richard Strauss mit Ljuba Welitsch und dem Orchester des Österreichischen Rundfunks (rec. 1944) hervorheben möchte. Für mich eine Jahrhundertaufnahme.

      b-major schrieb:

      Mit Matacic und den Wiener Symphonikern gibt es die Sinfonien 3,4,5,7,8,9
      Das ist auch mein Matačić-Bestand, was die Bruckner-Sinfonien angeht, allerdings nicht mit den Wiener Symphonikern, sondern mit dem Philharmonia Orchestra London (Nr. 3 und 4), der Tschechischen Philharmonie Prag (Nr. 5, 7 und 9), dem Orchestre National de France (Nr. 5) und dem Prager Rundfunkorchester (Nr. 8). Ausnahmslos sehr gute, im Falle der Einspielungen mit der Tschechischen Philharmonie Prag (erhältlich auf Supraphon) sogar überragend gute Aufnahmen.

      Mit dem Wiener Symphonikern und Matačić gibt es übrigens auch einen im hier gegebenen Bruckner-Zusammenhang vielleicht interessierenden Live-Mitschnitt aus dem Großen Saal des Musikvereins vom 13. März 1983, nämlich Gottfried von Einems "Bruckner-Dialog" op. 39 (erhältlich auf Orfeo).
      "This is a song about love and loss. Which makes it exactly like every other song I've ever written."
      (Marc Cohn)
    • Nicht eigentlich Orchestermusik diese Aufnahme, ich tu´ das trotzdem hier rein:



      Am 15.8.2006 haben die Pianisten Matthias Giesen und Klaus Laczika bei den Brucknertagen im Kaiserzimmer im Stift St. Florian Anton Bruckners Symphonie Nr. 9 d-Moll in der 1911 von Dr. Karl Grunsky auf Basis der Bearbeitung von Ferdinand Löwe 1895 erstellten und von den beiden Pianisten rekonstruierten und an den Urtext adaptierten Fassung für zwei Klaviere aufgeführt. Der Livemitschnitt wurde 2015 zusammen mit einer aktuellen Orchesteraufnahme des Werks mit dem vom Rémy Ballot geleiteten Altomonte Orchester St. Florian auf CD veröffentlicht (2 CDs Gramola 99089).

      Persönlicher Höreindruck:

      Giesen spielt auf einem 1931 gebauten Blüthner Flügel, Laczika hingegen auf einem Yamaha Flügel von 1997, Klaviermarkenklänge, die von den beiden Interpreten akustisch ideal in Übereinstimmung gebracht werden und sich zu einem verschmelzenden „Zweiklavierorchester“ ergänzen. Im Begleitheft werden die Flügel von den Interpreten charakterisiert – Blüthner „voller Bass, singende Mittellage“, Yamaha „Präsenz im Diskant, transparentes Klangbild in allen Lagen“.

      Beim Hören fehlt etwas und gleichzeitig kommt etwas dazu. Hat man das Werk in der Orchesterfassung im Ohr fehlen natürlich alle so spezifischen Klangfarben Bruckners bzw. hört man diese innerlich automatisch mit. Andererseits hat die Version für zwei Klaviere etwas wieder ganz eigen Monumentales, noch Steinerneres, anders Wuchtiges. Und auf so manche Motivlinie wird man da aufmerksam gemacht, die im Orchesterstrom überhört werden könnte.

      Giesen und Laczika spielen toll aufeinander abgestimmt, sie wissen alle Spannungsbögen so packend wie bei Orchesteraufnahmen zu spannen und schaffen es dabei, aber auch eine unerhörte Ehrfurcht, einen immensen Respekt vor dem Werk zu vermitteln und ihm alle Größe, alle Aura damit vollkommen zu belassen.

      Und so versuchen auch die beiden Pianisten nach dem feierlich-mysteriösen 1. Satz und dem bewegt-lebhaften Scherzo mit seinem schnellen Trio im gewaltigen, langsam feierlichen Adagio-Finale immer wieder diese zehrenden Aufstiege wohin auch immer, in ein Irgendwo, oder doch „nur“ dorthin wo die Musik ganz zu Hause ist. Meinem Hörempfinden nach kommen die beiden am Ende auch dort an.

      Die Aufnahme ist nicht spektakulär, sie ist tief empfundene große Musik in heute ungewohnter Annäherung – oder auch eine Möglichkeit, sich in die Zeit etwa zwischen 1860 und 1900 in eine übliche Präsentation eines solchen Werks nach dem Kompositionsprozess aber noch vor den Orchesteraufführungen in privatem Rahmen hineinzuversetzen.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK