Simpson, Robert – Musikwissenschaftler, Komponist, Astronom und "Bruckner-Fan"

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    • Simpson, Robert – Musikwissenschaftler, Komponist, Astronom und "Bruckner-Fan"

      Liebes Forum,
      den folgenden Beitrag habe ich ursprünglich am 4.11.2007 in das "Brucknerforum" eingestellt. Leider war dort die Resonanz nicht so, wie ich es erhofft hatte.




      Am 2. März 1921 wurde der englische Komponist und Musikwissenschaftler Robert Wilfred Levick Simpson in Leamington in England geboren. Seine Eltern waren Robert Warren Simpson, ein Brite, und Helena Henrika Govaars, die aus den Niederlanden stammte. An der Westminster City School studierte er zuerst vier Semester lang Medizin. Mit diesem Studium folgte er dem eindringlichen Wunsch seiner Eltern, welcher nicht sein eigener war. Nach den zwei Jahren dieses Studiums entschloss er sich endgültig für die Musik und lernte während des Krieges bei Herbert Howells.

      Nach dem Krieg heiratete Simpson im Jahre 1946 Bessie Fraser. Neben der Leidenschaft für Musik liebte Simpson die Astronomie, für die er sich sehr engagierte. Sowohl in der Royal Astronomical Society als auch in der British Astronomical Association war er Mitglied.

      Als Musikwissenschaftler reflektierte und erforschte er alle Aspekte in den verschiedensten Bereichen der Musik, die so genannte Musiktechnologie und Musikwissenschaft bei Menschen, die neuerdings, zu seiner Zeit noch nicht üblich, auch bei Tieren erforscht wurde. Er analysierte Musik von Jean Sibelius, Carl Nielsen, Johann Sebastian Bach und nicht zuletzt von Anton Bruckner.

      "Heute können wir sehen, dass Haydns Musik ihrer Zeit angehört, und auch, dass Bachs Musik ihrer Zeit angehört. Aber keiner von beiden hat sich vorgenommen, den Zeitgeist in seiner Musik zu reflektieren. Sie haben das, was sie machten, einfach so gut und natürlich sie es konnten gemacht, dienten den Zwecken, die sie als erfüllend ansahen, taten ihren Job bestmöglich, usw. Ich würde sagen: Je mehr Komponisten heute in dieser Weise ihrer Arbeit nachgehen, desto besser, denn selbstbewusster Intellektualismus ist lange noch nicht dasselbe wie Intelligenz."
      Im Jahre 1952 wurde er mit dem Doctor of Music der University of Durham für deine Arbeiten ausgezeichnet. Noch im gleichen Jahr begann Simpson bei der BBC zu arbeiten. Er war dort als Produzent bis 1980 beschäftigt. Er war schnell einer der angesehensten und beliebtesten Musikredakteure. Er arbeitete stark mit dem BBC Symphony Orchestra zusammen, welches unter der Leitung von Adrian Boult stand. Er nutzte seine Position zur Förderung von vernachlässigter Musik. Aus diesem Grund stieß er auf Havergal Brians 9. Sinfonie von 1949, und ermutigte den damals fast Achtzigjährigen, weiter Symphonien zu komponieren. Allein von der Originalität und der abenteuerlichen Logik war er so überwältigt, die von einer anderen, nahezu höheren Welt zu sein schienen, sodass er alles versuchte, Brian weiter zu ermutigen.
      Simpson garantierte ihm durch seine Arbeit bei der BBC Aufführungen. Das tiefe Verständnis und die gnadenlose Begeisterung für seine Musik lösten in Brian den Drang aus, auch in seinem hohen Alter weitere Werke zu schreiben. Aus diesem Grund brachte es Brian am Ende auf 32 Symphonien, obwohl er bis dato erst sieben komponiert hatte. Simpson schaffte es, die BBC zu verpflichten, noch zu Lebzeiten Brians seine sämtlichen Sinfonien mit ihren Orchestern aufzunehmen. Zur gleichen Zeit etwa schrieb Simpson Bücher über viele Komponisten, beispielsweise über Carl Nielsen – „Carl Nielsen, Symphonist“ – für das er 1956 auch eine Ehrung erhielt, die Carl Nielsen Goldmedaille.

      Zudem verfasste Simson zwei Bücher über Anton Bruckner. 1960 erschien das erste unter dem Titel „Bruckner and the Symphony“ und sieben Jahre später das zweite, welches „The Essence of Bruckner“ hieß. Diese beiden Bücher führten zu einer ganz besonderen Ehrung, die er 1962 erhielt. Die Bruckner Society of America zeichnete ihn mit einer Ehrenmedaille aus.

      Das Aufrechterhalten der Musik von Carl Nielsen und Anton Bruckner ist Robert Simpson zu verdanken. Simpson ist nach den Klassikern der Musik außerdem sehr an Bruckner, seiner Musik und seinem Leben interessiert. In seiner ganz eigenen Art des Komponierens hat die Musik Bruckners allerdings nie offensichtlichen Einfluss genommen, mit einer kleinen Ausnahme in der 9. Sinfonie vielleicht, auch wenn Simpson seine Musik sehr faszinierend und bisweilen auch stimulierend fand. Dass Bruckners Eindrücke, die er durch seine Musik bei Simpson hinterlassen hat, in der 9. Sinfonie am ehesten zu hören sind, wurde auch von ihm in der dazugehörigen Einführung klar bestätigt. Einflüsse wie von Dvorák, den Simpson in seinen Werken zwar für einen vernachlässigten Symphoniker hielt, sowie Jean Sibelius und Carl Nielsen brachten ihn weiter. Viel wichtiger sind jedoch die nicht ganz offensichtlichen Einflüsse in seinem Leben.
      Simpson sagte einmal, als man ihn zum Thema Vorbilder befragte:
      "Beethoven war immer das Zentrum meiner Welt. Außerdem Mozart und Haydn: Für beide hege ich eine enorme Liebe. Die habe ich alle sehr viel studiert. Nach Beethoven haben mich die Symphoniker am meisten beeinflusst, die am wenigsten in die romantisch-expansionistische Bewegung involviert waren – in diese Übertreibung der persönlichen Gefühle des Künstlers: 'Hier bin ich, ich leide aufs Entsetzlichste. Ich bin mitten auf einer riesigen Bühne. Was für eine schreckliche Welt das ist! Wie unglücklich ich bin! Es ist grauenhaft!' Der Künstler, der mir mehr Befriedigung verschafft, ist einer, der mir sagt: 'Schau, was ich daraus machen kann, und wohin es sich entwickelt' – der sich nicht so sehr um das kümmert, was er sagt. Natürlich müssen Sie etwas zu sagen haben. Aber wenn sich das zu sehr im Persönlichen bewegt, geraten Sie schnell aus dem Gleis. Womit Sie sich befassen müssen, ist der Vorgang der Schöpfung. Wenn Sie etwas Menschliches zu sagen haben, etwas Individuelles, mit echtem Charakter, dann kommt es in jedem Fall ’raus. Sie können anstellen, was Sie wollen, es tritt sowieso zutage. Und wenn Sie das nicht haben, so werden Sie es auch mit keinen Mitteln produzieren können. Nach den Klassikern ist es Bruckner, der mich sehr interessiert. Bei ihm finde ich die architektonische Seite stimulierend und faszinierend, doch auf meine Musik hat er nie einen offensichtlichen Einfluß gehabt – die ist nicht sehr brucknerisch, vielleicht mit Ausnahme meiner Neunten Symphonie.“
      Simpson baute jedes seiner Werke mit einer freitonalen Sprache und Dissonanzen aller Grade in seiner ganz persönlichen Eigenart auf. Klassische Vorbilder waren es in diesen Fällen, die hier die architektonischen Rahmenbedingungen schufen, allerdings entstanden hierbei immer adäquate Werke aus absolut anderem Material. Er legte immer großen Wert auf das, was aus eigenen Motiven heraus der organischen Satzstruktur erwuchs. Dieser Plan des Entwicklungsprinzips wurde zum großen Teil von dem Studium seiner Vorbilder abgeleitet. Wenn man die Werke Simpsons genauer betrachtet hat man nie das Gefühl, dass sie zufällig entstanden sind. Wenn man also beispielsweise die Tonbeziehungen genauer beleuchtet stellt man fest, dass sie unergründlich motiviert fortschreiten. In seinen Werken ist bei Robert Simpson kaum Vokalmusik zu finden. Trotz dass er die menschliche Stimme für eines der vollkommensten Instrumente der Welt hielt, und er gegen diese keinerlei Abneigungen hegte, war es nicht seine Art, Musik zu machen. Für ihn war es nicht möglich, Musik mit Worten zu verknüpfen. Insgesamt schrieb Simpson zwei Chorwerke, von dem eines 1975 entstand.
      Nach dem Tod seiner Frau 1981 heiratete er schnell neu. Schon im darauf folgenden Jahr war er mit Angela Musgrave liiert, eine Verwandte einer Komponistenkollegin Simpsons. Zwischen 1986 und 1987 komponierte er die Neunte Symphonie in Dis, die sich in zwei Abschnitte unterteilt. Fünfzig Minuten umfasst dieses überzeugende Werk.

      "Etwas zu schaffen bedeutet, dem Tod zu trotzen. Der Gedanke an den Tod macht mich grimmig, wie überhaupt die Tatsache, dass das Leben so kurz ist. Ich will das Beste daraus machen, und ich möchte in der einen oder anderen Form überleben. Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Ich bin keine religiöse Person. Aber indem ich meine Werke hinterlasse, bleibt wenigstens etwas, wozu die Leute 'ja' oder 'nein' sagen können."

      Am 21 November 1997 starb Robert Wilfred Levick Simpson in Tralee, County Kerry in Irland an den Folgen eines Schlaganfalls, der ihn schon 1991 in einem ständigen Schmerzzustand hielt. Seitdem war er als Komponist auch schon längst verstummt, obwohl seine Werke nie verstummen werden.

      Robert Simpson verfasste in seinem Leben „nur“ 11 Sinfonien. Mit den Werken anderer Komponisten war er weit aus mehr beschäftigt, als mit seinen eigenen. Simpson sagte einst über das Thema Sinfonien:

      "Der Begriff der Symphonie ist zu unbestimmt geworden. Einige Komponisten nennen ihre Werke Symphonien, ohne dass sie bezwingend symphonisch konzipiert wären. Das geht zurück auf die so genannten Symphonien Strawinskijs, die sich meines Erachtens nicht grundsätzlich unterscheiden von seinen brillanten Ballettmusiken. Es sind ausgesprochen imaginative Werke, aber als Symphonien im Sinne einer organisch sich entfaltenden Gesamtheit kann ich sie nicht sehen. Diesen Sinn für organischen Zusammenhang lässt Musik unserer Zeit häufig vermissen, diese Kraft der Fortschreitung, die die Klassiker haben."

      Seine 1. Sinfonie war gleichzeitig seine Doktorarbeit für die University of Durham. Das Werk besteht aus einem einzigen Grundpuls, der halbiert wird, um ein langsames, und verdoppelt, um ein schnelles Tempo zu schaffen. Einzig und allein aus drei verbundenen Sätzen besteht diese, Tonarten As und Es gegenüberstellende Sinfonie. In Standartbesetzung wird das Orchester hier herangezogen, auch wenn anstatt B-Trompeten hier D-Trompeten verwendet werden. Das Danish State Radio Orchestra aus Kopenhagen übernahm hier die Uraufführung.

      Bei seiner 2. Sinfonie verwendete Simpson mit Entschlossenheit, wie vorher schon Ludwig van Beethoven bei seinen ersten beiden Sinfonien, die gleiche Besetzung. Wie auch schon bei seinem ersten Werk verwendete er wieder die hohen D-Trompeten. Die Uraufführung wurde vom Widmungsträger Anthony Bernard zusammen mit dem Londoner Chamber Orchestra vollzogen.

      Havergal Brian wurde die 1962 entstandene 3. Sinfonie gewidmet. Er beriet in musikalischen Fragen Simpson genauso, wie auch umgekehrt. In dieser Sinfonie werden C-Dur und B in 2 Sätzen in einem Konflikt gegenübergestellt, der zum Schluss in einem Septakkord aufgelöst wird. Er schuf hier mit ganz anderen Mitteln eine Art Sinfonie, wie sie vor ihm nur Sibelius in seiner fünften Sinfonie geschaffen hatte. Durch das City of Birmingham Symphony Orchestra erfolgte die Uraufführung.

      In seiner 4. Sinfonie schrieb Simpson zum ersten Mal ein Scherzo. Dieser Satz zitiert die 76. Sinfonie Joseph Haydn in Es-Dur.

      Die 5. Sinfonie beherrscht zumindest indirekt einen Ganztonakkord, auch wenn dieser nicht ständig zu hören ist. Das Werk besteht aus drei zusammengebundenen geschachtelten Dezimen (C und E, D und Fis sowie As und C) und ist vierzig Minuten lang. Repräsentieren soll dieser Akkord "den Teil des Verstandes, der einen selbst ständig beobachtet, unabhängig davon, welche Erfahrungen man gesammelt hat“. Gewidmet wurde das Werk dem Londoner Symphony Orchestra, welches dieses auch erstmals aufführte.

      In der 6. Sinfonie geht es um die genaue Beschreibung vom Wunder des Lebens. Aus diesem Grund liegt die Widmung des einsätzigen Werkes bei dem anerkannten Gynäkologen Ian Craft.

      Bei der 7. Sinfonie bestand die Idee darin, ein Werk zu komponieren, welches zuerst auf eine Langspielplatte gebracht werden sollte. Noch bevor es öffentlich für jeden bei der Aufführung zu hören war. Die Aufnahme der Platte wurde auf 30 Minuten eingeschränkt, da sich auf diese auch noch die 2. Sinfonie Simpsons befinden sollte. Diese Sinfonie war eigentlich gedacht, um von einem einzelnen Hörer zu einer bestimmten Zeit in eigener Umgebung gehört zu werden, statt an einem Fremden Ort und in großer Gesellschaft. Leider wurde aus dieser Idee nichts, da das Werk doch erst bei einem Konzert zum ersten Mal gespielt wurde.

      Die 8. Sinfonie wurde von der Royal Philharmonic Society, die durch das Arts Council of Great Britan finanziell unterstützt wird, in Auftrag gegeben. Das Werk wurde dem Maler Anthony Dorrell, der Simpson einst porträtierte, und seiner Frau Daphne gewidmet. Weiterhin war Simpson immer noch an der Idee interessiert ein Werk zu verfassen, das lediglich für einen einzelnen Hörer gedacht war. Aus diesem Grund führte Simpson einige Gespräche mit Dorrell um zu erfahren, welche Art von Sinfonien er mochte. Ein sehr großes Orchester mit vier Hörnern, verdoppelten Pauken sowie einer Es-Klarinette forderte diese Sinfonie. Die Uraufführung wurde vom Royal Danish Orchestra unter der Leitung von Jerzy Semkow gehalten.

      Seiner Frau Angela widmete Simpson seine 1982 entstandene 9. Sinfonie. Das aus einem Satz bestehende Werk wird von einem Grundpuls getragen, der durchgängig unverändert bleibt. Außergewöhnlich ist allerdings, dass die 3. Sinfonie d-Moll von Anton Bruckner zitiert wird, obwohl Simpson es zwar als noble aber mangelhafte Leistung angeprangert hatte. Simpson erklärte aber hierzu, in diesem Satz habe er "einiges von Bruckners Adagios lernen müssen". Unter der Leitung von Vernon Handley spielte das Bournemouth Symphony Orchestra die Uraufführung. Aufgenommen wurde diese Sinfonie 1989 und erhielt daraufhin einen Grammophon Award. Daraufhin wurde sein Schaffen in Großbritannien bekannt, aber internationale Erfolge sind bis heute nicht zu verbuchen.

      In der 10. Sinfonie von Robert Simpson wird Vernon Handley, der das Orchestra bei der Uraufführung seiner 9. Sinfonie leitete, geehrt. Alle vier Sätze des Werkes beginnen auf die gleiche Art und Weise. Auf einen Cis-Dur-Terzsextakkord folgt ein nach oben gerichteter Oktavsprung. Genauso wird das Werk zum Ende auch abgeschlossen.

      Gewidmet wurde die 11. Sinfonie, die auch Simpsons letzte war und in England uraufgeführt wurde, dem Dirigenten Matthew Taylow. Dieses Werk wurde, wie auch die 2. und 7. Sinfonie, für ein klassisch besetztes Orchester komponiert. „Es erscheint mir bemerkenswert, dass ich niemanden kenne, der fähig ist, eine Symphonie zu schreiben, und zugleich sagen würde: 'Die Symphonie ist tot!' Die meisten Leute, die davon reden, dass die Symphonie eine tote Form sei, sind solche, die keine Symphonien schreiben wollen – oder die es überhaupt nicht können. Es ist nicht sehr fair, allen übrigen einzutrichtern, dass die Symphonie tot sei und man keine mehr zu schreiben hätte. Ich betrachte die Symphonie als eine extreme Herausforderung, wie das immer gesehen wurde, seit sie sich als die am höchsten organisierte Form von Orchestermusik durchsetzte; und seit der Zeit Haydns und Mozarts, und natürlich seit Beethoven, verstehen wir die Symphonie als die größte Herausforderung, der sich ein Komponist stellen kann."

      Soviel also in Kurzform zu Simpson
      Vielleicht eine Anregung, sich das ein oder Andere Werk von Simpson zu Gemüte zu führen.

      CD-Empfehlungen sind Willkommen
      immer mehr Senioren verschwinden spurlos im Internet...., sie haben "ALT" und "ENTF" gedrückt.
      Darf man das? Ja, wenn man es kann.
    • Lieber Holger,

      vielen Dank für die ausführliche und informative Einführung in die Welt des Symphonikers Robert Simpson. Erst gestern Abend habe ich mir - zum ersten mal - seine 3. Symphonie angehört, zuvor kannte ich lediglich die 2. (die wohl seine beliebteste ist), die 4. und mit Abstrichen, da eine Ewigkeit nicht mehr gehört die 9.

      Ich hoffe, dass Du hier mit der Vorstellung und dem Eintreten für das Werk Simpsons auf mehr Resonanz stösst, zumindest im "Tamino"- Forum gab es eine erfreuliche Beteiligung - erfreulich natürlich nur in Bezug auf die allg. Unbekanntheit des Komponisten - mit Beiträgen zu allseits bekanntem Repertoire darf man die Quantität der Beiträge nicht vergleichen und die Wahrscheinlichkeit, dass Simpson hier der in den vorderen Rängen mitspielt, wird wohl sehr gering sein. Das wirst Du aber sicher auch nicht erwarten.

      Deinen musikalischen Betrachtungen bleibt wenig hinzuzufügen - vielleicht ein paar persönliche Eindrücke, wie die Musik Simpsons wirkt, wirst Du sicher teilen.
      Um es mal grob und vereinfachend zu formulieren: Simpson klingt nach einem Cocktail bestehend aus den Ingredenzien Beethoven, Bruckner, Nielsen aus dem ein ganz eigener Simpson wird. Warum? Weil m.E. die Ingredenzien die "inneren" Werte, die Struktur beeinflussen. Von Beethoven (und aus zweiter Hand von Nielsen) übernimmt er die häufig vorhandene überschäumende Energie, von Nielsen die Instrumentation, die so charakteristischen Bläsereinsätze etc. - deutlich schwieriger ortbar (bis auf vielleicht in der 9.) müsste der Bruckner-Einfluss sein. Doch hierzu sollen sich fachkundigere mit Kenntnis aller Simpson-Symphonien und der von Bruckner äußern (by the way: wo ist eigtl. Edwin?)

      Simpson schafft hie und da beeindruckende apokalyptisch anmutende Klangwelten. Ein großer Ochester"tumult" wird urplötzlich zurückgenommen, eine Instrumentengruppe, z.B. Holzbläser, bleiben mit einem lang ausgehaltenen, herb-dissonanten Akkord zurück - ein beeindruckendes Mittel, wie ich finde.

      Häufig wird zum Einstieg die mächtige 9. empfohlen. Ich tendiere dazu, die 2. zu empfehlen. Sie enthält prägnante Themen als auch die typischen Simpsonschen Merkmale. Die Beschäftigung mit diesem Symphoniker, der einen völlig eigenen Seitenpfad der Musikgeschichte betritt, lohnt allemal.

      Die Einspielungen unter Handley sind sehr gut, die 3. existiert allerdings in einer Einspielung, die wohl schwerlich zu überbieten sein dürfte:



      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Die Simpson-Sinfonien hatte ich durch Empfehlung von goercouer im November 2008 kennengelernt.

      Natürlich begann ich meine Hörsitzungen chronolisch mit der Sinfonie Nr.1.

      Beim ersten Hören stellt man fest, dass da große Werke vorliegen, die sich aber lange nicht alle durch ihre teils dissonate Grundgebung nicht sofort erschließen. Mehrmaliges Hören und das lesen der Hintergründe im Textheft ist erforderlich.
      Ein Forianer eines Klassik--Forums meinte mal vor längerer Zeit, das sich jedes Werk von selbst musikalisch erschließen müsste und man nichts nachzulesen braucht --- das geht hier gar nicht !

      Hätte ich nun chronologisch weitergemacht, hätte es wegen dem nicht einfachen Zugangs lange gedauert hier richtig gefallen zu finden und auf die Sinfonien 8-10 zu stoßen, die mir sehr liegen und mir sofortigen Zugang boten. Hier werden zunächst ungeniesbare Dissonanzen vermieden, oder zumindest so effektvoll platziert, das sie (für mich) geschmacklich angebracht erscheinen.

      Durch telefonische Rücksprache mit meinem TIPP-Geber kam dann zur Sprache, dass Johannes Ausschlag zum Kauf der Simpson-Sinfonien-GA wegen der Ersthörsitzung der Sinfonie Nr.9 bei einem uns auch wohlbekannten Capriccio erfolgte.

      Die **** Sinfonie Nr.9 war es denn auch die als Nächste bei mir dran kam. Und das war das Werk bei dem auch bei mir der „Megafunke“ für Simpson übergesprungen ist. Seidem gehört sie bei mir zu den meistgespielten Simpson-Sinfonien.

      Die Sinfonienzahl Nr.9 bedeutet bei vielen Komponisten eine magische Zahl, die bei der Neunten zu einen bekenntnishaften Werk führt (so als wenn es das letzte wäre). So auch bei Simpson, der mit diesem monumentalen Werk einen genialen Über-Bruckner mit einem Schuß Mahler, Sibelius, Nielsen und Schostakowitsch schuf, die einzigartig ist und wahnsinning zu begeistern vermag. Simpson liefert eine Musik von beethovenscher rhythmischer Kraft und Zielgerichtetheit; ein wahnsinniger Kraftakt einer stürmischen Orchesterkomposition.

      Die Sinfonie Nr.9 ist mit ihren 50 Minuten Spieldauer das längste Werk, das nur in einem Tempo komponiert wurde. Dieser Angabe aus dem Textheft sollte man aber nicht allzu viel Bedeutung beimessen, da die 3Teile schon verschiedene Tempi aufweisen.
      Die dreiteilige Form hat in der Mitte einen Scherzo-Abschnitt, der von „kosmisch“ langsamen Außenabschnitten umrahmt wird. Das abschließende Adagio besteht aus 2Phasen - 1.Fuge 2. Variationen.

      Allerspätestens, wenn man die Sinfonie Nr.9 hört begreift man, das der Komponist Simpson wiedermal bei Handley (wem sonst ?) als Dirigent in den allerbesten Händen ist.
      :angel: Wie er dieses Werk bis zum geht nicht mehr an die Grenzen der CD-Aufnahmefähigkeit treibt, ist fabalhaft und kann wohlmöglich nicht mehr getoppt werden. Alleine diese Sinfonie würde die Anschaffung der Hyperion – Box rechtfertigen, die klanglich absolut auf neustem Stand ist.

      http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0034571141916.jpg
      11 Sinfonien +Nielsen-Variationen
      Royal PO, Bournemouth SO, Liverpool PO, London Sinfonia, Vernon Handley
      Hyperion , DDD, 1987-2003


      Meine Begeisterung für den größten Teil der Simpson - Sinfonien war so groß, das ich seinerzeit (11/08) auch einen Thread an anderer Stelle gestartet hatte. :wink: Dank an Holger für die zahlreichen ergänzenden Informationen.

      :juhu: Die Sinfonie Nr.9 bleibt in ihrer Größe und Aussagekraft unangefochten an der Spitze.
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Das kann ich Dir sagen, Micha.

      Die eine ist "Special Limited Edition" (schon seit Jahren limited), die andere eben nicht. :rolleyes:

      Ob die 9. in Sachen Ausdruckskraft die unerreichte Spitze unter den Simpsonschen Symphonien ist, bleibt mal dahingestellt, die 3. finde ich nicht minder aussagekräftig. Aber das nur hinter vorgehaltener Hand, sonst bekomme ich erneut verbale Fingerkloppe.

      :wink:
      Wulf
      "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)
    • Hallo Holger,

      ich danke dir für deinen sehr informativen Beitrag zum Thema Simpson. Auch ich bin ein großer Anhänger seiner Musik, und dass ich mich an dieser Stelle nicht früher zu Worte gemeldet habe, ist nur einem gewissen Zeitmangel geschuldet, verbunden mit dem selbst gestellten Anspruch, zumindest zu versuchen, hier etwas Substantielles beizutragen.

      Ich beginne mit meiner persönlichen Simpson-Hörgeschichte (die ich anderenorts schon einmal geschildert hatte). Alles begann eigentlich per Zufall: vor einigen Jahren, als ich noch ein ziemlicher Internetneuling war, hatte ich die Angewohnheit, mir regelmäßig die Internetseiten von Labels, die mich besonders interessierten, anzuschauen. Ich hatte in all den vorherigen Jahren ja nur auf der Basis von gedruckten Katalogen bestellt und war daher einerseits von den unglaublichen Möglichkeiten, sich im Internet über erhältliche CDs zu informieren, beeindruckt, andererseits habe ich mich etliche Hörbeispiele einfach einmal angehört - auch das war ja ganz neu für mich. Irgendwann bin ich dann auf der Website von Hyperion unter den Neuerscheinungen des Monats auf Simpsons Elfte gestoßen. Weil ich irgendwie immer von einer gewissen Neugier getrieben worden bin, habe ich mir diese CD einmal näher angeschaut.

      Klickt man heute die entsprechende Seite bei Hyperion Records an, erhält man Soundsamples zu allen Tracks der CD; damals war die Situation anders: man konnte sich lediglich einen kurzen Ausschnitt aus dem Finale hören (es mögen vielleicht drei Minuten gewesen sein), und zwar die große hymnische Steigerung kurz vor Schluss, leise beginnend mit den unruhigen Streichergesten vor dissonierenden Bläserakkorden. Ich habe mir das Tonbeispiel also probeweise einmal angehört - und war völlig fasziniert. Ich fand diesen kurzen Ausschnitt einfach unglaublich aufregend, wie die Musik pulsierte, vor Energie zu bersten schien... Das Titelbild der CD regte meine Fantasie noch zusätzlich an, kosmische Explosionen, die Weiten des Weltalls... Hier ist es übrigens:



      Ich habe mir diese CD dann bei einer meiner nächsten Bestellungen gekauft, und mir wurde sehr schnell klar, dass ich die übrigen Sinfonien auch brauchte. Allerdings habe ich die mir zunächst nicht sofort gekauft: natürlich vorwiegend aus finanziellen Erwägungen, und es gab ja auch noch vieles anderes zu entdecken... Irgendwann war es dann aber doch so weit, und daran kann ich mich auch noch sehr genau erinnern: ich habe im Herbst 2006 ein Studium an der Universität Bielefeld begonnen. Um ehrlich zu sein, hatte ich damals schon ein wenig im Kopf, meine dann ja zwangsläufig häufigen Aufenthalte in Bielefeld auch für CD-Käufe im jpc-Laden zu nutzen, und es war noch vor dem eigentlichen Beginn des Semesters (im Vorkurs), dass ich mein Begierde nicht mehr zügeln konnte und zum Jahnplatz fuhr, um mich nach CDs umzusehen. Ich ging also in den Laden, und sofort fiel mein Blick auf die Simpson-Sinfonien-Box. Was folgte, war ein kurzer innerer Kampf (50 Euro ausgeben oder nicht), aus dem die Simpson-Sinfonien (natürlich) siegreich hervorgingen. Tja, und dieser Kauf erwies sich dann auch wie erwartet als extrem lohnenswert... So viel quasi aus dem Nähkästchen über meine Erfahrungen mit Simpson. Jetzt will ich mich aber zu musikalischen Sachverhalten äußern.

      Simpson ist für mich persönlich einer meiner persönlichen Fixsterne in meinem musikalischen Kosmos, seine elf Sinfonien sind (gerade auch als Zyklus, ich würde mich da ausdrücklich nicht auf einzelne beschränken wollen) grandios. Erstens, weil diese Musik wahnsinnig gut komponiert ist, "intelligente" Musik, die den Hörer zweifelsohne zum Mitdenken, zum aktiven Hören veranlasst, zweitens, weil mich ihre Kraft und ihre Größe beeindruckt, und drittens, weil der Zyklus so vielgestaltig ist (jede Sinfonie sagt etwas Neues - es gibt Komponisten, die mehr oder minder ein Muster haben, das sich in abgewandelter Form beständig wiederholen, und genau das ist bei Simpson eben nicht der Fall). Betonen möchte ich, dass man Simpson mitnichten nur als Sinfoniker betrachten sollte - er hat immerhin unter anderem auch fünfzehn Streichquartette komponiert (und noch etliches mehr)! Ich bin in letzter Zeit dabei, mir nach und nach alle seine Streichquartette zuzulegen - auch dies ist ein faszinierender Zyklus!

      Ich gehe nun auf einzelne Aspekte der obigen Diskussion etwas näher ein. Erstens, Wulfs "Cocktail-These". Das ist natürlich eine sehr grobe Vereinfachung, mit der ich offen gestanden nicht so glücklich bin, weil seine Musik letzten Endes doch vor allem nach Simpson klingt (eine sehr prägnante persönliche Note ist ja evident). Klar, man hört öfters diese Einflüsse, was ja aber auch ein sehr bewusster Vorgang ist - in Simpsons Schaffen ist, so würde ich es sehen, Neukomposition mit der Rezeption anderer (früherer Musik) zuweilen sehr eng verbunden. Das wird allein schon daran deutlich, dass Simpson oft Zitate verwendet, so etwa Haydn (dessen Sinfonie Nr. 74 in seiner eigenen Sinfonie Nr. 4) oder Bruckner (dessen Sinfonie Nr. 3 in seiner eigenen Sinfonie Nr. 9 - Edwin wies an anderer Stelle darauf hin, dass gerade diese Bruckner-Sinfonie selbst mit Zitaten angereichert ist, also eine sehr bewusste Entscheidung Simpsons). Weiterhin bezieht er sich im Scherzo seiner vierten Sinfonie sehr eindeutig auf Beethoven (Scherzo aus der Neunten), und seine Streichquartette Nr. 4, 5 und 6 orientieren sich direkt an Beethovens Rasumowski-Quartetten; Simpson übernimmt etwa gewisse Formstrukturen, Tonartenbeziehungen und dergleichen.

      Doch selbst, wenn Simpson direkt zitiert, wirkt das Resultat nie wie ein Einsprengsel oder stilfremdes Element: vielmehr gelingt es ihm, diese Stücke völlig organisch in seine Tonsprache einarbeiten, sodass der Musikfluss vollkommen natürlich wirkt. Ich würde seine Art und Weise, mit Stücken anderer Komponisten umzugehen, wie folgt beschreiben: er filtert aus diesen Werken die Essenz heraus, er reduziert sie auf ihre ureigensten Charakteristika und Eigenheiten. (Hier kommt wohl gerade auch der Musikwissenschaftler Simpson zum Tragen!) Auf diese Weise erhält man durch das Hören von Werken Simpsons sogar sehr interessante Ansätze für das Verständnis älterer Werke. Neben den erwähnten Streichquartetten ist in diesem Zusammenhang auch die Sinfonie Nr. 10 erwähnenswert: sie orientiert sich an Beethovens Hammerklaviersonate (eine Spielanweisung ist offenbar sogar "hammerklavieristisch"), sowohl, was ihren formalen Aufbau angeht, als auch in solchen Details wie dem kraftvoll "auffahrenden" Hauptthema. Am Ende steht eine gewaltige Fuge, die in elementarer Gewalt kulminiert.

      Zu diesem Themenkomplex abschließend: die Art und Weise, wie Simpson mit den Einflüssen und Anregungen älterer Meister umgeht, ist einzigartig und meines Erachtens brillant. Das ist Musik, die sehr bewusst mit ihren Vorgängern (und -bildern) umgeht, die diese Einflüsse regelrecht verarbeitet, und am Ende eine sehr starke Originalität besitzt. Deswegen: ich sehe das alles weder als Cocktail noch als Über-Bruckner, sondern vor allem als Simpson.

      Nun zur Frage, welche Sinfonie denn nun die beste sei. Ich habe mich ja schon mehrfach und in auch anderen Zusammenhängen dahingehend geäußert, dass ich diese Frage nicht sonderlich zielführend finde. Simpson hat elf Sinfonien komponiert, und mit welcher man nun anfangen sollte, hängt sicherlich auch vom Geschmack des Hörers ab. Ich zum Beispiel habe wie erwähnt über die Elfte meinen Einstieg gefunden. Ich strebe jedenfalls keine Rangordnung der Sinfonien an; stattdessen bemühe ich mich lieber darum, jede einzelne in ihrer Eigenheit zu erfassen, für mich eine ungleich lohnendere Beschäftigung. Speziell zur Neunten: ich halte sie innerhalb des Simpsonschen Sinfonienzyklus' nicht für die unerreichte Spitze, womit ich freilich nicht in Abrede stellen will, dass sie ein grandioses Werk ist. Mich stört bloß die damit verbundene "Herabsetzung" der übrigen, denn auch diese sind vorzüglich (ich habe zum Beispiel ein spezielles Faible für die sehr konfliktreiche Siebte).

      Die Neunte, um noch ein paar Worte über sie zu verlieren, beeindruckt besonders durch ihre Großdimensioniertheit: 50 Minuten Musik am Stück, mit zwei riesigen Steigerungen (am Ende des ersten Abschnittes und wenige Minuten vor Ende der Musik). Die Aussage des Beiheftes ist übrigens nicht, dass das Tempo stets gleich ist - was unverändert bleibt, ist der Grundpuls. Natürlich kann aber etwa im Scherzo-Abschnitt durch schnellere Notenwerte ein schnelleres Tempo erreicht werden! Ich stimme aber insofern mit Wolfgang überein, als dass dieser Kunstgriff für die Wirkung der Sinfonie wohl eher zweitrangig ist. Diese beruht eher auf der ihr innewohnenden Monumentalität, den "kosmischen" Klangkonglomeraten (Simpson interessierte sich ja sehr für Astronomie, was man vielen seiner Werke unbedingt anhört). Ich finde den gigantischen Höhepunkt im dritten Teil auch umwerfend - und wie dann alles in sich zusammenbricht, wie von der riesigen Sinfonie nur noch leere Skalen und Themenfragmente übrig bleiben. Übrig bleibt Stille, und die Musik "drifts away into space", wie Simpson es selbst formulierte. Es ist, als verliere sie sich in den unendlichen Weiten des Weltraums... Insofern ist es für mich daher absolut nachvollziehbar, wenn gerade diese Sinfonie besonderen Gefallen findet, nur möchte ich den Blick auch auf die übrigen lenken: jede lohnt sich! Übrigens ist es müßig, groß über Einspielungen zu debattieren: es gibt ja kaum Alternativen! Die Horenstein-CD werde ich mir bei Gelegenheit aber auf jeden Fall zulegen.

      Da ich mich in diesem Beitrag teilweise auf das bezogen habe, was ich vor einiger Zeit mal im Tamino-Forum geschrieben habe (schließlich ist vieles davon ja auch heute noch für mich aktuell), möchte ich abschließend noch ein Zitat bringen, das ich auch dort vorgestellt habe. Über den Schluss der Siebten Sinfonie schreibt das Beiheft der Hyperion-Edition folgendes: "Hier findet kein abschließender Sieg statt, und negative Kräfte wird es immer in der Welt geben. Man muss sich ihnen stellen und sich mit ihnen auseinandersetzen." Diese philosophische Komponente macht für mich die Beschäftigung mit der Musik Simpsons besonders reizvoll - Musik, die den Hörer dazu animiert, weiterzudenken, seinen Intellekt anspricht. Ich kann jedem Musikliebhaber Robert Simpson nur sehr ans Herz legen, die Beschäftigung mit seiner Musik lohnt sich ungemein.

      Viele Grüße
      Holger
    • Vielleicht lohnt es, diesen kurzen, aber äußerst interessanten Faden zum Leben zu erwecken - lohnen im Sinne von motivieren. Dank allen verschollenen wie allen höchst aktiven Beiträgern!

      Mein Einstiegstipp ist die Nummer vier - was gewiss nicht impliziert, dass man nicht auch mit der Nummer neun (oder drei oder zwei) einsteigen kann. Gegenpol nach der Nummer vier wäre dann als Zweiterfahrung die Nummer fünf. Was mich anspricht im unmittelbaren Vergleich bezüglich eines aufgeschlossenen Hörers, der Simpson nicht oder kaum kennt, ist die radikale emotionale Gegensätzlichkeit genau dieser beiden Sinfonien. Die neunte ist in gewisser Hinsicht dann das Monument, das nicht zwangsläufig die am meisten individuellen Züge bloßlegt.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Ich wäre hier sicher ein Profiteur, da es doch einigen Scheiben mit Simpson'schen Sinfonien gelungen ist, in mein CD-Regal vorzudringen oder sogar noch näher, an meinen Hörplatz.
      Leider bringe ich zur Zeit nicht die rechte Konzentration zum Hören auf, und die ist für Simpson wirklich nötig.

      Die 4. habe ich ;( ausgerechnet nicht.

      LG, Kermit :wink:
      Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.
    • Schau mal, Kermit, ob sich für Dich nicht die Gesamtaufnahme lohnt. Rein finanziell, meine ich. Ich kann die Doppelungen, zugegebenermaßen, nicht leiden. Doch es findet sich immer ein Liebhaber im Bekanntenkreis, der sie sich schenken lässt oder für einen symbolischen Preis (beziehungsweise etwas zum Naschen9 abnimmt. Das praktiziere ich öfters.

      Die Sinfonie sind genial - alle miteinander. Und nach dem zweiten Hören blickst Du auch durch! 8+)

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • andréjo schrieb:

      Vielleicht lohnt es, diesen kurzen, aber äußerst interessanten Faden zum Leben zu erwecken - lohnen im Sinne von motivieren.

      Ja es lohnt, Wolfgang. Eigendlich Schade, dass man mit solchen Motivationsversuchen immer nur wenige erreicht. Da nützt die persönliche Begeisterung wenig, wie ich auch schon oft erfahren musste.
      :wink: :thumbup: Immerhin hast Du mir einen Anreiz gegeben, wieder einmal einige Simpson-Sinfonien aufzulegen - und dann spare ich erst mal bei der Sinfonienauswahl meinen Favoriten 9 aus !

      :-OOOO- Für Kermit und alle Anderen könnte der Kauf der Simpson-GA mit Handley derzeit nicht günstiger sein - bei jpc kostest die 7CD-Box nur 22Euronen !!!

      Hier hole ich noch einmal die Abb nach, die in Beitrag 3 nicht gelungen war (warscheinlich weil ich dort nur das Bild und nicht das Bild mit dem LINK zur Quelle gepostet hatte):

      Hyperion, 1987-2003, DDD

      Diese Handley-Aufnahmen sind in jedem Fall erste Wahl, sowohl von der Int als auch vom Klang her.
      Bei amazon würde man das doppelte Zahlen - ;+) was sonst umgekehrt ist !
      ______________

      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Dein Kommentar freut mich, werter Namensvetter. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht auch Simpson ein wenig über Dich kennengelernt habe. Länger als fünf oder sieben Jahre (EDIT) kenne ich ihn nicht, das weiß ich. Heute ist dann auch mal wieder die Neunte dran.

      Was mir beim Klang wirklich imponiert, ist die große dynamische Bandbreite, die bei Simpson sehr wichtig ist.

      :wink: Wolfgang

      EDIT: Es sind doch eher acht bis zehn Jahre, denn ich hatte die Gesamtaufnahme 2008 gekauft und bin mir sicher, dass es nicht ganz spontan war und sie bereits auf einer Merkliste stand. ... ;( :pinch: Gut, es war bereits Weihnachten damals und die Gesamtausgabe ist von 2006, also acht Jahre höchstens. Wie schreibt man heute: *traenentrockne* ...
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Tja, schon fast wieder fünf Jahre seit dem letzten Eintrag her. Um Robert Simpson ist es still geworden. Wir können von Glück reden, dass es seine 11 Symphonien und 15 Streichquartette in erstklassigen Einspielungen gibt. Aber es fällt schon auf, dass es davon - mal von einigen wenigen historischen Aufnahmen abgesehen - jeweils nur die Aufnahme auf Hyperion gibt. Alwyn, Arnold, Bax etc können zumindest mit drei GA aufwarten, nicht so Simpson. Ist seine Musik verglichen damit doch zu sperrig? Wird sie wenigstens in GB überhaupt mal aufgeführt?

      Ich habe Simpson seinerzeit durch die preisgekrönte und zumindest in der einschlägigen britischen Presse sehr ausführlich angepriesene 9. Symphonie kennengerlernt, das war so um 1990 herum. Das Stück har mich damals sehr beeindruckt. Im Laufe der Zeit habe ich dann die Einspielungen der anderen Symphonien erworben, die 11. erst 2013 (wie mir amazon sagt, der das Kaufdatum noch immer abgespeichert hat). Ich kann nicht behaupten schon alle gut zu kennen, deshalb habe ich beschlossen, mal wieder durch die einzelnen Werke zu gehen. die 1. 2. und 4. habe ich gerade schon hinter mir.

      Mindestens so eindrucksvoll wie seine Symphonien sind seine Streichquartette. Außer Bartok und Schostakowitsch kenne ich kein umfangreicheres Streichquartett-Oeuvre im 20. Jahrhundert, das ich für so gewichtig halte. Auch hier ist eine echte Vertrautheit noch weit entfernt.

      Wer etwas ausführlicher über das Leben von Robert Simpson informiert werden möchte, dem kann ich diese Biographie empfehlen. Leider nur auf Englisch erhältlich, eine Übersetzung wird es vermutlich nie geben. als kindle Version ziemlich günstig. Auch Simpsons Biographie von Carl Nielsen habe ich mit Gewinn gelesen. Interessieren würde mich noch der Band mit Essays und Werkkommentaren, den Jürgen Schaarwächter herausgegeben hat, der Preis ist allerdings heftig.




      In GB kümmert sich eine Robert Simpson Society um das Erbe des Komponisten, aber allzuviel aktuelle Informationen findet man dort auch nicht. Vermutlich weil es nicht viel gibt.
    • Heute nachmittag war die 3. Symphonie von Robert Simpson dran. Das ist eine der wenigen Symphonien von denen es Alternativaufnahmen gibt, in diesem Fall sogar eine hervorragende, nämlich mit Jascha Horenstein und dem London SO. Ich habe jetzt die Handley-Aufnahme nicht gleich danach gehört, insofern kann ich derzeit die beiden Aufnahmen nicht direkt vergleichen, aber die Horenstein kommt schon stark rüber.



      In seinem Nielsen-Buch beschreibt Simpson recht ausführlich, welche Probleme er ursprünglich mit der 6. Symphonie von Carl Nielsen hatte, die er über lange Zeit für ein nicht so gelungenes Werk hielt. Interessanterweise muss ich beim zweiten Satz der auch nur zweisätzigen 3. Symphonie von Simpson unwillkürlich an diese Nielsen-Symphonie denken, die Ähnlichkeiten sind doch nicht zu überhören. Da hat die lange Beschäftigung wohl unbewusst (oder vielleicht auch bewusst) Früchte getragen. Aber Simpson ist keinesfalls ein Epigone, seine Musik ist so individuell und einzigartig, das sie meist nach wenigen Takten identifizierbar ist.