Janáček: Die Klaviermusik

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    • [Die folgende Bitte (im Kaufberatungsthread) hat zu einer Reihe von Antworten geführt. Janáčeks Klaviermusik verdient sicher eine eigene Besprechung. Daher habe ich die folgenden 8 Beiträge hier zu einem neuen Faden verknüpft.
      :wink:
      Gurnemanz]



      Dankbar wäre ich für Hinweise auf empfehlenswerte Aufnahmen von Janacek: Auf verwachsendem Pfad. Mir ist die Musik noch unbekannt.

      Danke, Thomas
    • Auf die Schnelle zwei heiße Tips:

      Leif Ove Andsnes, z. B. hierin (gibt verschiedene Koppelungen, die Nielsen-Stücke finde ich übrigens ebenfalls vorzüglich):



      Alain Planès:



      Andsnes ist deutlich langsamer als Planès, er lotet die abgründigen Stimmungen bis ins Letzte aus. Bei Planès hört sich das etwas nüchterner und spröder an: klar, transparent, differenziert, die Kühle tut der eigenwilligen Klaviermusik Janáčeks gut. Ich mag beide Aufnahmen (die beiden Pianisten schätze ich ohnehin).

      Achtung: Andsnes hat nur Heft 1 von Po zarostlém chodníčku eingespielt, was ich allerdings nicht so tragisch finde, da ich die Stücke aus Heft 2 musikalisch nicht so, sagen wir: intensiv finde. Vgl. auch hier: "http://en.wikipedia.org/wiki/On_an_Overgrown_Path"

      Hoffentlich hilft's weiter... ;+)

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Meine Empfehlung lautet ebenfalls Firkusny. Nur halte ich diese spätere RCA-Einspielung für besser
      [Blockierte Grafik: http://g-ecx.images-amazon.com/images/G/02/ciu/df/8c/25a8c27a02a0388a7d3ec110.L._AA300_.jpg]

      Kennt eigentlich jemand Aldo Ciccolinis Auseinandersetzung mit Janacek?

      Schließe ich mal als Folgefrage an. Die CD ist hard to find, aber ich hatte schon länger mal vor, sie mir interessehalber zuzulegen.
      Er tut so gut.
      (Swjatoslaw Richter über Joseph Haydn)
    • Neben all den berühmten Namen nimmt ein weiterer Norweger eher eine Außenseiterrolle ein: Hakan Austbo. Für sein feinfühliges, verinnerlichtes, emotionales und nuanciertes Spiel ist das Klavierwerk Janaceks wie geschaffen. Dieses Doppelalbum ist für mich eine Perle im Brilliant Classics-Repertoire - auch weil man auf den 2 CDs alle wesentlichen Stücke, die man kennen sollte, gleich beisammen hat und einige reizvolle Miniaturen und Frühwerke noch obendrein bekommt. Ich kenne auch die Aufnahmen von Firkusny und Schiff. Sie gefallen mir auch, aber keineswegs könnte ich sagen, dass sie klar besser sind als Austbo.





      Cheers,

      Lavine :wink:
      "You gotta grab'em by Debussy" (DJ Trump)
    • Janáček Klavierwerke

      Hallo,
      nochmal zurück zu Janáček:
      Ich besitze bisher nur eine Aufnahme des Zyklus "Auf verwachsenem Pfade" mit Radoslav Kvapil (Calliope, rec. 1989)

      Dieser tschechische Pianist hat sich ja mit vielen Aufnahmen -besonders um die tschechische Klaviermusik- verdient gemacht. Die Aufnahme des Zyklus von Janáček halte ich ohne einen Vergleich durchaus für gelungen, begeistert mich aber nicht vollkommen. Deshalb würde ich mir gerne noch eine zweite Aufnahme zum Vergleich zulegen.
      Die bereits erwähnten A.Schiff, L.O.Andsnes, A.Planes und R.Firkušný sind da schon in meinen Fokus gerückt (da ich sie bereits in anderen Aufnahmen schätze).
      Besonders freuen würde ich mich allerdings über eine Veröffentlichung der Aufnahmen mit Ivan Moravec aus dem Jahr 1982 (LP bei nonesuch, noch nie auf CD erschienen?!), denn wer den Livemitschnitt der "Sonate" und des Zyklus "Im Nebel" aus dem Jahr 2000 kennt, wird sich wohl sehr noch dieser Aufnahmen sehnen...

      "http://www.ivanmoravec.net/discography/discography.html#ny1982a"


      music lover schrieb:

      Meine Empfehlung lautet ebenfalls Firkušný. Nur halte ich diese spätere RCA-Einspielung für besser


      Die CD scheint bereits preisgünstig wiederveröffentlicht wordens ein, siehe auch den Thread zu Firkušný:
      Rudolf Firkušný (1912-1994), "...begierig nach Musik, aber nicht nur nach Klaviermusik"

      PS: Ein eigener Thread zu Janáčeks Klavierwerken erscheint mir wünschenswert!
      W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
      Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)
    • pt_concours' Vorschlag habe ich gern aufgegriffen. Hier ist er, der neue Thread zu Janáčeks Klaviermusik.

      :wink:
      Es grüßt Gurnemanz
      ---
      Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
      Helmut Lachenmann
    • Was pt_concours wünscht, hätte er ja auch selbst verwirklichen können, aber nun gut, der Faden ist da und das ist das Wichtigste, vielen Dank Gurnemanz!

      Janaceks Klavierwerke sind :

      Zdenčiny variace (Zdenka-Variationen). Thema con variazioni (1880)
      Národní tance na Moravě (Volkstänze aus Mähren) (1891-93)
      Po zarostlém chodníčku (Auf verwachsenem Pfade) (1901-11)
      Sonata 1. X. 1905 „Z ulice“ (Sonate 1. X. 1905 „Von der Straße“) (1905)
      V mlhách (Im Nebel) (1912)
      Vzpomínka (Erinnerung) (1928)

      Auch in den Klavierwerken ist Janaceks unverwechselbarer Stil erkennbar, rhythmisch-melodische Prägnanz und rhapsodisch-impressionistische Klangbilder, deren Mischung diesen besonderen Janacek-Klang erzeugen. Während "Auf verwachsenem Pfad" und "Im Nebel" eher noch intimen Charakter haben zeigt sich in der Sonate "Von der Straße" schon ein klangreicheres Bild, dabei bleibt der stets kammermusikartige Ton aber erhalten.
      Wie weiter oben erwähnt, gehört "Im Nebel" dabei zu meinen persönlichen Favoriten, es klingt gleichzeitig geheimnisvoll, sehnsüchtig, aber genauso stürmisch-steigernd. Aufnahmen wurden hier ja achon erwähnt, meist zu finden, auf CDs, die auch eines der anderen Klavierwerke enthalten.
      "Allwissende! Urweltweise!
      Erda! Erda! Ewiges Weib!"
    • Diese Neuerscheinung:



      mit Klavierwerken Janáčeks wird auf »Klassik Heute« überschwänglich gelobt ("http://www.klassik-heute.de/kh/3cds/20130103_20639.shtml). Es handelt sich um die Debut-CD einer jungen, aus Wuppertal stammenden Pianistin namens Danae Dörken. Die Rezension hat mir Lust gemacht, die Scheibe zu erwerben (habe bisher nur Austbo mit diesem Repertoire). Hat schon jemand hier die Dörken-CD gehört und kann etwas dazu sagen?

      Adieu,
      Algabal
      Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.
    • nochmals Andras Schiff



      Andras Schiff hat sich auch im Rahmen seines Festivals mit Janacek auseinandergesetzt. Meine bevorzugte Komposition für Klavier ist der Zyklus "Auf verwachsenem Pfade", weil er meines Erachtens das breiteste stilistische Spektrum der Klavierwerke aufweist. Ausgeprägt Deklamatorisches bis hin zu Vogelstimmen, die den Geist Messiaens vorwegnehmen, dann wieder nachromantisches Klangempfinden, mild böhmisch gefärbt.

      Ich besitze mindestens eine weitere Aufnahme des Zyklus, die eingangs genannte mit Firkusny, müsste aber erst nachhören, um beschreiben oder werten zu können.

      Die anderen Stücke auf der CD sind ebenso wertvoll zum Vergleichen oder zum Kennenlernen, insbesondere die - wenn ich mich nicht irre - nicht so großer Konkurrenz ausgesetzte Violinsonate.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Janacek und seine eigenwillige Klaviersonate



      In das Lob, das Debussys General vor ziemlich genau einem runden Jahr in diesem Faden auf diese CD angestimmt hat, möchte ich einstimmen. Bislang habe ich die zu Weihnachten erworbene Gesamteinspielung mit Hakon Austbö zwar nur durch die Sonate kennengelernt, heute aber meine beiden Vergleichsaufnahmen ebenfalls mit diesem Werk angehört

      Die wichtigeren der quantitativ überschaubaren und qualitativ weitestgehend sehr wertvollen Klavierwerke stehen mir mittlerweile also drei, wenn nicht vier Male zur Verfügung.



      Der mir nicht weiter bekannte Pianist (- wenn er denn männlich ist - :| ) im Rahmen der Membran-Billigbox, Sachiko Kayahara hat die Sonate, Auf verwachsenem Pfade und Im Nebel eingespielt. Die anderen Pianisten Rudolf Firkusny und Andras Schiff - der die Sonate auf meiner im letzten Beitrag vorgestellten CD allerdings nicht spielt -, wurden mit den entsprechenden Coverbildern bereits aufgeführt.

      Die Sonate 1. X. 1905 - Von der Straße entstand ganz unmittelbar unter dem Eindruck von Unruhen bei einer Demonstration Jugendlicher für eine tschechische Universität in Brünn, Dabei kam an besagtem 1. Oktober ein junger Handwerker ums Leben. (Vergleiche zu Benno Ohnesorg 62 Jahre bieten sich möglicherweise an ...).

      Das vom Meister mehrmals bearbeitete und schließlich (wörtlich) in die Moldau geworfene Manuskript konnte von der Uraufführungspianistin 1924 als Kopie wieder zur Verfügung gestellt werden. Der mittlerweile bekehrte Komponist war dafür sehr dankbar; 1926 kam es zu einer neuen Aufführung.

      Die gänzlich unverwechselbaren zwei Sätze seiner Trauermusik sind sind mit Vorahnung und Tod überschrieben. Das rund zwölfminütige Werk ist auch auf YouTube, wie ich überrascht feststellen konnte, erstaunlich oft verfügbar. Namen wie Andsnes, Kvapil, Schuch, Ciccolini und weitere, die zum Teil schon genannt wurden, stehen neben nicht wenigen Mitschnitten von Halblaienaufführungen.

      Mag sein, dass Rudolf Firkusny eine besonders authentische Deutung bietet; ich würde aber Kayahara ebenso gelten lassen wie (auf jeden Fall!) Austbö. Firkusny spielt beseelt und lyrisch, unterstreicht das melodische Element und hält nicht hinter dem Berg bei den aggressiven Passagen im Verlauf des zweiten Satzes. Bisweilen gefallen mir aber die dynamischen Brüche bei Austbö besser.

      Man vergleiche auf YouTube nur die ersten zehn, zwanzig Takte, um feststellen zu können, welche Palette das Werk gestattet.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.
    • Danae Dörken spielt Janaceks Sonate

      Die SACD von 2012 habe ich erhalten und die Sonate mit Danae Dörken gehört.

      Doch, das ist dann augenblicks meine bevorzugte Einspielung.

      Wie kein anderer Pianist arbeitet sie vor allem im ersten Satz die dynamischen und die Licht-Kontraste auch durch Pedalgebrauch heraus. Der zweite Satz wird empfindsam dargeboten, weniger aggressiv in den herben Ostinatofiguren. Insgesamt ist dies eine melancholisch-lyrische Interpretation von großer Genauigkeit und Formstrenge.

      :wink: Wolfgang
      He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.