Größen der Popmusik - Prince

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    • ... das, was da am 21.09.2018 als posthum rauskommen soll empfinde ich nach nunmehr über 2 Jahren als ein wenig dünn (ein 35 min Piano-Album mit überwiegend älteren mehr oder weniger kammermusikalischen Jamsessions).

      Wir brauchen mal wieder einen Mendelsohn Bartholdy :D
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Ingo Richter schrieb:

      ...


      Prince Rogers Nelson
      "Last December"



      Aufbau:


      Diesen Song kann man am besten mit der Struktur einer Quasi-Sonatenhauptsatzform beschreiben:

      Das Stück beginnt mit einem kurzem sehr transparent gespieltem Intro auf der E-Gitarre.

      EXPOSITION:

      Danach folgt das Strophenthema (A), zunächst sehr klar und einfach vorgetragen

      "If ur Last December came
      What would u do?
      Would anybody remember
      2 remember u?


      Did u stand tall?
      Or did u fall?
      Did u give ur all?"

      Danach folgt eine Wiederholung des Strophenthemas bereits leicht variiert (A`), was sich auch im stärkeren Einsatz des Schlagzeugs äussert.


      "Did u ever find a reason
      Y u had 2 die?
      Or did u just plan on leaving
      Without wondering y?


      Was it everything it seemed?
      Or did it feel like a dream?
      Did u feel redeemed?"

      Danach das Refrainthema (B)


      "In the name of the Father
      In the name of the Son
      We need 2 come 2gether
      Come 2gether as one "

      (Eine "Schlussgruppe" gibt es nicht)

      Darauf folgt eine stärker variierte einmalige Wiederholung des Strophenthemas (A``) Diese Variationen finden dabei eher subtil im Hintergrund statt.

      "Did u love somebody
      But got no love in return?
      Did u understand the real meaning of love?
      That it just is and never yearns?


      When the truth arrives
      Will u b lost on the other side?
      Will u still b alive?"

      auf der das Refrainthema (B) folgt

      "In the name of the Father
      In the name of the Son
      We need 2 come 2gether
      Come 2gether as one"

      DURCHFÜHRUNG (Bridge)


      Dieser (im positiven Sinne) sehr ausladende Teil beginnt mit einem E-Bass-Solo, welches zwar durchaus prägnant ist, aber nicht konzertant in den Vordergrund rückt. Dieses bleibt der kurz darauf einsetzenden E-Gitarre vorbehalten, die zunächst sich mit dem Bass regelrecht duellierend in immer höhere Gefilde fast schon kadenzartig emporschwingt, ehe die ganze Musik regelrecht inne hält und mittels eines galanten Tonartenwechsels und einer rhythmischen Verlangsamung eine hymnische Gestalt annimmt. Über weitere überaus hörenswerte durchaus an "Progressive Rock" erinnernden Melodiebögen arbeitet sich das Klanggeschehen nach einem kurzen Schlagzeugsolo zu einer stark reduzierten instrumentalen Variation des Refrainthemas vor, ehe es mit der


      REPRISE weiter geht:

      Strophenthema (A```) - mit versetzten Begleitchoreffekten

      "In ur life did u just give a little
      Or did u give all that u had?
      Were us just somewhere in the middle?
      Not 2 good, not 2 bad?"

      gefolgt vom Refrainthema (B)

      "In the name of the Father
      In the name of the Son
      We need 2 come 2gether
      Come 2gether as ONE"

      CODA:


      Wiederkehrende Wiederholungen des Refrainthemas durchsetzt mit kurzen Gitarrensoli, danach das Refrainthema a capella begleitet von einem Geräusch, was sich ein wenig wie das Einschlagen einer Rakete anhört - danach eine Endlosschleife des Wortes "one", welches im Nichts verschwindet und dann nochmal kurz - immer noch in einer Endlosschleife - wieder hörbar wird.
      ...
      ... alle Menschen werden Brüder.
      ... We need 2 come 2gether, come 2gether as one.
    • Ingo, ich höre Prince auch sehr gern, weiß aber nicht, warum du hier so an einer Vergleichbarkeit einer ziemlich tradiert erscheinenden Popform mit "der" (welcher?) Sonatenhauptsatzform interessiert bist. Ganz abgesehen davon, dass ich auch im Detail zahlreiche Einwände hinsichtlich deiner Analyse hätte: "Die" (Welche?) Sonatenhauptsatzform wird - das ist jedenfalls mein Kenntnisstand - häufig als Entwicklungsform angesehen, der Aufbau eines Popsongs hingegen eher als Reihungsform. Erstere wird häufig als wesentlich von tonalen (Spannungs-)Konstellationen bestimmt angesehen. Letzterer hat mit sowas wesentlich nichts zu tun, würde ich mal behaupten.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • @ Benutzername:

      Oh, gerade dieser Song zeigt - insbesondere in der sehr ausholenden Bridge ("Durchführung") - mindestens einen sehr wirksamen Tonartenwechsel.

      Überhaupt hat es PRN sehr oft sogar bisweilen richtig mit "Chromatik".

      Sein für mich geniales "Curious Child" aus "Emancipation" (1996) beispielsweise ... :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

      Vielleicht sollte man mal - nicht hier in diesem Thread - mal den Unterschied zwischen "Sonatenhauptsatzform" und "Reihungsform" diskutieren.

      Für mich sieht es jedenfalls bis jetzt so aus, als wenn die Sonatenhauptsatzform irgendwann einmal aus einem Liedschema wie auch immer hervorgegangen ist.

      Entwicklung: Nun wenn gerade PRNs "Last December" keine musikalische Entwicklung sprich Spannung zeigt ... Klar, nicht so krass, wie in einem LvB - Kopfsatz, aber doch merklich und sicher auch nicht unbeabsichtigt.

      Ich finde sowieso, dass PRNs Musik bisweilen durchaus ob der reichhaltigen, dabei aber stets transparenten Instrumentierung und seiner einzigartig parallelmelodischen Kompositionstechnik etwas Symphonisches an sich hat.
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    • Ingo Richter schrieb:

      @ Benutzername:

      Oh, gerade dieser Song zeigt - insbesondere in der sehr ausholenden Bridge ("Durchführung") - mindestens einen sehr wirksamen Tonartenwechsel.

      Überhaupt hat es PRN sehr oft sogar bisweilen richtig mit "Chromatik".

      Sein für mich geniales "Curious Child" aus "Emancipation" (1996) beispielsweise ... :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1:

      Vielleicht sollte man mal - nicht hier in diesem Thread - mal den Unterschied zwischen "Sonatenhauptsatzform" und "Reihungsform" diskutieren.

      Für mich sieht es jedenfalls bis jetzt so aus, als wenn die Sonatenhauptsatzform irgendwann einmal aus einem Liedschema wie auch immer hervorgegangen ist.

      Entwicklung: Nun wenn gerade PRNs "Last December" keine musikalische Entwicklung sprich Spannung zeigt ... Klar, nicht so krass, wie in einem LvB - Kopfsatz, aber doch merklich und sicher auch nicht unbeabsichtigt.

      Ich finde sowieso, dass PRNs Musik bisweilen durchaus ob der reichhaltigen, dabei aber stets transparenten Instrumentierung und seiner einzigartig parallelmelodischen Kompositionstechnik etwas Symphonisches an sich hat.
      Da siehst du die Dinge erneut ganz anders als ich.
      Ich tue mich schon mit dem Begriff der "Bridge" hier schwer. Aber eine Durchführung ist das für mich auf keinen Fall, denn da wird nichts durchgeführt, sondern schlicht ein neuer Teil gespielt - ein für einen Popsong recht ausladender "Zwischenteil", "C-Teil", "Interlude"... wie auch immer. Aber er hat keine erkennbaren Anknüpfungspunkte an das Vorangegangene, das einer Sonatenexposition aber ebenfalls nicht entspricht: Der Refrain (dein Seitensatz) wird auf der exakt gleichen Akkordfolge gesungen wie die Strophen - das hat mit Haupt- und Seitensatz nichts zu tun. Es gibt ja auch gar keine Überleitung, sondern eine Gegenstrophe vor dem Refrain (vielleicht würden einige dazu 'Bridge' sagen). Den Song kann man ohne Weiteres mit tradierten Begriffen der Popularmusik erfassen.

      Reihungsform bedeutet m.E. übrigens nicht, dass keine Spannung im Spiel ist. Popsongs leben ja häufig davon, dass sich der Formverlauf im Wesentlichen jeweils zum Refrain als Höhepunkt hin steigert. Ist bei "Last December" auch so, wobei der Zwischenteil im Zentrum des Verlaufs da dann schon so eine Art Gegengewicht bildet.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Ja, es gibt in der Tat viele Songs, die ich als Rondo empfinde.

      Von iHM hier z. Bsp.: I never will Take the place of your man aus Sign Of The Times (1987).

      Aber The Last December (kann man auch in der Tube nachvollziehen) präsentiert sich mir doch eher als Sonaten Hauptsatzform, wie viele - nicht nur Prince - Songs - übrigens auch. Black Star von David Bowie beispielsweise - als Titelsong seines letzten Albums.

      Prince verzichtet übrigens bei vielen Songs auf die Wiederholung in der Exposition. Auch die Reprise versteckt er oft in der Coda. Aber seine Bridges (Durchführungen) sind sehr prägnant. Da gibt es eben diesen Freiraum, insbesondere auch für seine Interpretationskunst (Gitarre, besondere Gesangseigenheiten und so weiter).

      Dank seiner parallelmelodischen Schreibart hat Prince auch so tolle Sachen wie

      Love Thy Will Be Done geschrieben. Original veröffentlicht für eine gewisse Martika.

      In der Röhre kann man Martika und auch seine eigene Interpretation geniessen.

      Bei A Place in Heaven turnt er dort in der grossen Datenbank durch die Tonarten :verbeugung1:
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    • Ach so: In der "Durchführung" von Last December" kann man auf Anhieb gegen deren Ende eine stark reduzierte Variante des Refrainthemas erkennen.

      Da Prince ja auch im Jazz Zuhause ist gibt es in der Tat in seiner Musik ansonsten viel Improvisiertes, wo man den thematischen Zusammenhang oft nur sehr schwer - nach vielen Hördurchgängen findet.

      Sein instrumentales Fusion-Album n.e.w.s. kann ich deshalb zu meinem Leidwesen bis heute nicht richtig geniessen.
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    • Melione schrieb:

      Ich kenne zwar den diskutierten Song nicht, aber tendentiell kann man Songs (vor allem solche mit Refrain) vielleicht am ehesten mit der klassischen Rondoform vergleichen. :wink:
      Ja, vielleicht. Was das aber bringen sollte, ist mir schleierhaft. Prince bewegt sich hier deutlich in der Tradition der Rock-/Popmusik. Es gibt keine auffälligen Indizien für eine musikalische Rückbesinnung auf klassische Formensprache - außer dass Pop/Rock generell natürlich einige Abstammungslinien auch zur europäischen Klassik aufweist.
      Der von Ingo betonte Mittelteil ist sicher eine Auffälligkeit, weil er im Gegensatz zu vielen Popsongs nicht nur kurzes Zwischenspiel ist, sondern im Verhältnis viel Eigengewicht hat. Aber da von einer Durchführung zu sprechen, lässt sich im Kontext der Gesamtform m. E. keinesfalls aufrecht erhalten.
      ...schreibt Christoph :wink:
    • Letztendlich ist die ganze Formensache nicht entscheidend für die Rezeption an sich. Aber wie wir ja in einem anderen Grundsatzthema bereits versucht haben zu diskutieren kann so etwas schon helfen, um noch mehr von der Musik mitzubekommen.

      Im vorliegenden Beispiel treffen einfach - nicht zum ersten Mal - die Kluften zwischen sogenannter "Klassik" und anderer Musik aufeinander.

      Ich halte es - auch nicht zum ersten Mal - mit Bernstein zum Thema "E und U" : Sinngemäss : "Es gibt gute und weniger gute Musik."

      Gehört in diesen vorliegenden Thread nur übergeordnet, nicht aber im Detail rein.
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    • drive.google.com/file/d/13Lz1E…dPqiz6/view?usp=ddrivesdk






      Design: Ingo Richter, Berlin 13509, inspiriert von Prince Rogers Nelson's Erscheinungsbild.
      Dargestelltes Notenmotiv: Thema von Prince Rogers Nelson
      Schliff der Hydrothermalzucht-Amethystplatte: Schmucksteinschleiferei Volker Rupp, Essen
      Machbarkeitskorrigiert und gefertigt von Goldschmiede Schütze in Forchheim.
      Weitere Materialien: Gelb- und Weißgold 585, Brillanten.
      Foto und Besitzer: Ingo Richter, Berlin
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