Carl Michael Ziehrer: auch ein Jahres-"Regent" 2013

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    • Carl Michael Ziehrer: auch ein Jahres-"Regent" 2013

      Einer meiner Lieblingskomponisten ist und bleibt Carl Michael Zieher der am 2.5.1843 geboren worden, also vor 170 Jahren. Sein Vater hatte einen Hutladen und wollte dass der Sohn ebenfalls das Handwerk erlernte.

      Den Aufgang zum Letzten Hofballmusikdirektor st schon bekannt, denke ich, denn der Flm "Wiener Mädeln" von Willi Forst geht hier recht genau, bis zu Weltausstellung in Christianenburg [heute Oslo], dem Leben und Erfolg nach.

      Leider hatte aber Ziehrer das "Pech" im "Schatten" Johann Strauss zu stehen und zuletzt das Unglück, nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918, am 14. Mai 1922, völlig verarmt zu sterben. Ein österreichisches Schicksal.

      Einspielungen von Ziehrer Operetten gibt es relativ wenig - finde ich. Ich habe grad nur drei Gesamtaufnahmen daheim, wie die Operette "Die drei Wünsche"



      aus dem das Lied von "Dünnen Leopoldine" ist, welches aber fast immer in den "Landstreichern"



      als Einlage vorkommt [die habe ich auch aber mit einem einfallsreicheren Cover] und seit gestern auch die Operette "Der Fremdenführer", welcher im Oktober 1978 an der Volksoper [mit recht vielen Einlagen aus anderen Ziehrer Operetten] recht erfolgreich aufgeführt wurde - seitdem ist "Funkstille"! Schade drum.

      Bei der ersten Ziehrer Operette "König Jerome" war auch kein gute Stern zugegen, denn das ganze Material brannte beim "Ringtheaterbrand" ab. Einzig die Romanze "Nur Dich allein hab ich erwählt" wird von guten Tenören noch gesungen, zuletzt hörte ich es bei einer Ziehrer - Gala im TV von Kms. Heinz Zednik - ist auch schon länger her.

      [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/81i4dmfEHyL._AA1500_.jpg]

      Zum Glück gibt es aber eine relativ große Auswahl Walzer und Polkas bei unseren Partnern - und auf Youtube kann man fündig werden.

      Noch was bei mir gefunden, außer den oben gezeigten


      Euer Peter aus Wien. :wink: :wink:
    • Danke, lieber Peter, mit Ziehrer werde ich mich noch mehr beschäftigen.

      Toll ist bei youtube Gottlob Fricks Interpretation des Liedes "Das Herz ist nur ein Uhrwerk" aus "Das dumme Herz":

      "http://www.youtube.com/watch?v=xObyAfvXKvo"

      ein wunderschönes Klangbeispiel.

      :wink:
      „Orchester haben keinen eigenen Klang,den macht der Dirigent"
      Herbert von Karajan


      „nicht zehn Prozent meiner Musikleute verstehen so viel von Musik wie diese beiden Buben“.
      Karajan nach einem Gespräch mit den Beatles George Harrison und Ringo Starr.
    • Eine kleine Lebensgeschichte eines großen Wiener Operetten- und Walzerkomponisten.

      Die Eltern Carl Michael Ziehres hatten in Nußdorf geheiratet, da die Mutter Barbara Anna Hauer eine Weinhauerstochter war, jedoch der Vater Carl Borromäus Ziehrer den Drang hatte nach Wien in die Vorstadt St. Ullrich zu ziehen und dort einen Hut- und Zylinderfertigung aufmachte. Ziehrers Zylinder waren in Wien bald berühmt, das Geschäft ging gut, und "auf der langen Gassen" in der Vorstadt nicht nur die Produktion sondern auch der Verkauf war. C. M. Ziehrer besuchte die Normalschule St. Anna und war ein guter Schüler, es herrschte in diesr Vorstadt, wie allgemein, recht viel Ruhe und es wurde Hausmusik betrieben, als es Abend wurde - da der junge Carl Michael von seinem Vater in die Lehre genommen wurde und so schaffte er Hüte, durch diese Huterer- Arbeit bekam er schwere Hände und hatte zeitlebens nie Violine gespielt und später mit dem Stab dirigiert. Das war, für damalige Zeit, unerhört, denn der Tanzdirigent mit dem Fidelbogen gab schwungvoll den Rhytmus an. Sonntag gegen Abend ging der junge Ziehrer in die Tanzschule von Josef Hofreiter, wo er manchmal den Klavierspieler ablöste. Michi [wie er auch daheim, und auch später von seiner Frau genannt wurde] war ein geschickter Pianist geworden, in der heimischen Werkstätt war er nicht ganz so tüchtig. Der alte Ziehrer merkte, dass sein Sohn musikalische Flausen hatte. Das war ihm gar nicht recht, er wollt dass Michi sein Nachfolger im Geschäft werden sollte, "Gegen ein bisschen Klavierspielen hab ich nichts, aber in der Werkstatt bleibt er!"so äußerte sich er gegenüber Geschäftsfreunden. Was sollte also Michi machen, gegen den Vater war nicht aufzukommen und so lernte er eben die Hutmacherei und machte sein Gesellenstück. Gern hat sich aber Ziehrer nicht an seine Gesellenzeit erinnert, jedoch erzählte er von den musikalischen Erlebnissen seiner Jugendzeit. Schon als Fünfzehnjähriger war er viel mit dem Verleger Carl Haslinger [1811 - 1886], dem Sohn des Hauptverlegers der Wiener Klassik Tobias Haslinger [1787 - 1842], bekannt geworden. So ware sie eimal beim "Grünsteidl" einem bekannten Wirtshaus in der Tuchlauben, versammelt um in Jubiläum Haslingers zu feiern. Michi begleitete die Volkssänger Ignaz Nagel und Anton Amon, beide waren ausgzeichnete Stegreifsänger, auf dem Klavier. Die Stimmung war sehr angeregt, als endlich auch Franz Liszt und der Klavierabrikant Ignaz Bösendorfer eintrafen und schnell hatte Nagel ein Gstanzl bereit:

      Bösendorfer und Liszt sind zwei schöne Nam', Klavier macht der ane - der andre haut's z'samm'!

      Es war wohl die Zeit um 1858, als Liszt seine "Graner Festmsse" dirigierte. Ein anderes Mal war der junge Ziehrer zu einer großen Soiree im Haus Haslinger geladen, zu der auch Franz Liszt und Richard Wagner erschienen. Toni Gerlich, die langjähige Sekretärin Haslingers, hat uns eine Episode dieses Abends, mit Ziehrers Worten, überliefert:

      "Unter den Gästen befanden sich Fanz Liszt, Richard Wagner und Johann Herbeck, der später Hofoperndiektor, ferner Prinz Coburg mit seiner Frau, der ehemals berühmten Pianistin Konstanze Geiger, anwesend war und Haslinger mich als Zukunftskomponisten vorstellte. Ich wurde alsbald zu Spielen aufgefordert war aber so aufgeregt, dass ich nicht de Tasten sah. Ich wusste am Schluss nicht mehr, was und wie ich gespielt habe, ich erinnere mich nur, dass mir jemand - entweder war es Liszt oder Wagner, beide standen hinter mir - auf die Schulter klopfte und "Bravo" rief."

      Wann gewünscht - gehts morgen weiter.
    • Ziehrer und die Wiener Philharmoniker

      Lieber Streifenpeter, danke für die interessante Eröffnung und den Beginn dieses so herzlich anekdotisch aufbereiteten Lebenslaufs, der neugierig macht auf die Fortsetzung. Mich hat dies inspiriert meine Wiener Philharmoniker CD Sammlung durchzusehen. Hier die persönlichen Eindrücke nach einer privaten Ziehrer Stunde.

      Als der Verleger Carl Haslinger 1863 Schwierigkeiten mit seinen Zugpferden, den Strauss Brüdern, bekam, holte er schon das nächste Talent in seinen Stall, den 1843 wie die Brüder in Wien geborenen Carl Michael Ziehrer. Schon 1864 erschien dessen op.1, der Walzer „Wiener Tanzweisen“, bei Haslinger. Ziehrers Musik kommt sehr direkt, er versteht sich gut auf die Suggestivität der Marschrhythmik, weiß durchaus knalligere, gut merkbar griffige Effekte und Motive zu finden, und wer so wie der Schreiber dieser Zeilen nicht nur durch den täglichen Schulweg mit dem Wiener Stadtpark heimatlich vertraut war, kam nicht umhin, die vielen bekannten Ziehrer Melodien etwa aus den Walzern „Herreinspaziert!“ oder „Wiener Bürger“ quasi als „ selbstverständliches, wohlvertrautes Lebenselixier“ fürs ganze Leben mitzutragen. Höre ich Ziehrers Musik, gibt es lauter Wiedererkennungsmomente, und es erstehen Bilder von Budenzauber, Ringelspiel, K&K Lebenslust, aber auch bereits der Nährboden für die Abgründigkeit der Zeitepoche, die Gustav Mahler in seinen Märschen durch die Symphonien verzerren wird, ist irgendwo spürbar.

      Zu Lebzeiten des Komponisten (also bis 1922) gab es mit den Wiener Philharmonikern keine musikalische Begegnung, nur spärlichen, aber freundlichen Briefkontakt, wie Philharmonikervorstand Dr. Hellsberg im Beiheft zur CD „Wiener Soirée“ ausführt. Hin und wieder werden seither Werke von Ziehrer im Neujahrskonzert gespielt.





      Im letztmals von Willi Boskovsky dirigierten Neujahrskonzert am 1.1.1979 (2 CDs Decca, nur in der 2CD Version enthalten, nicht auf der auch verfügbaren Einzel CD) erklang der Walzer „Herreinspaziert!“ op. 518 aus dem Jahr 1904, der auf Motiven aus der Operette „Der Schätzmeister“ basiert. Die zwei r, die im Titel vorgegeben sind, werden auch musikalisch (ganz dem Wiener Idiom verpflichtet) entsprechend ausgekostet, wie der ganze Walzer in dieser Interpretation genau die so typisch wienerische Mischung aus leichter Tanz- und konzertgerechter Vortragsmusik trifft.

      Gleich ein Jahr später dirigierte Lorin Maazel in seinem ersten Neujahrskonzert (CD DGG) die Polka schnell „Loslassen!“ op. 386. Wieder setzt sich Ziehrer hier auf seine Themenköpfe so richtig markant drauf.

      1996 war es wieder Maazel, der den Walzer „Wiener Bürger“ op. 419 im Neujahrskonzertprogramm dirigierte (2 CDs BMG/RCA Victor).

      Dieser am 12.2.1890 beim ersten Ball der Stadt Wien im Rathaus uraufgeführte Walzer mit für mich lauter „Ah ja, das ist von dem“-Themen erklang dann erneut am 1.1.2012 unter der Leitung von Mariss Jansons (2 CDs Sony).

      Zwischendurch dirigierte ihn John Eliot Gardiner im Februar 1999 im Großen Wiener Musikvereinssaal für die CD „Wiener Soirée“ (CD DGG 413 185-2), womit der Interpretationsvergleich immerhin dreier Aufnahmen dieses Walzers mit den Wiener Philharmonikern möglich wird.

      Maazel gelingt meinem Empfinden nach die schwungvollste, wienerischste Aufnahme. Der „Neujahrskonzertprofi“ weiß die Musik in seinem bereits neunten Neujahrskonzert musikantisch auszukosten, dass es eine echt wienerische Freude ist. Gardiner dirigiert den Walzer nicht ganz so schwungvoll, er wirkt bei ihm etwas stilisierter. Bei Jansons ist das „Timing“ wieder frisch wie bei Maazel, aber Jansons modelliert liebevoll sorgsam, mehr im Detail, man merkt hier, wie bei all diesen Dirigenten von Walzermelodie zu Walzermelodie durchaus unterschiedlich nuanciert wird. Der „natürliche Wienfluss“ kommt wie ich es höre bei Maazel am besten zur Geltung.

      Auf dieser CD „Wiener Soirée“ spielen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Gardiner auch zwei weitere Ziehrer Klassiker schlechthin, deren Themen der gelernte Wiener wie im Schlaf kennt, die „Fächer-Polonaise“ op. 525 (da assoziiere ich – bei Mozart ist KV 525 die „Kleine Nachtmusik“!) und den „Schönfeld-Marsch“ op. 422.

      Diese CD führt zu den Kompositionen drei Arrangeure an, für den Walzer Hans Schneider, für die Polonaise Max Schönherr und für den Marsch Martin Uhl. Ich nehme an, Ziehrer erstellte seine Sätze nur für kleinere Besetzungen, nicht für großes Symphonieorchester.
      Zur Info: Bis auf weiteres keine aktive Moderationstätigkeit meinerseits.
      Herzliche Grüße
      AlexanderK
    • Lieber AlexanderK!

      Danke für Deinen Beitrag und das Einstellen von Ziehrer CDs, denn er sollte wirklich nicht vergessen werden.

      Fortsetzung.

      Nach dem dieser "Ritterschlag" geschehen war hat Vater Ziehrer nicht mehr dagegen das Michi Musik studierte, und das tat bei Simon Sechter im Konservatorium, wo er ordentliches Klavierspel und Kompostion lernte, Instrumentation, damals Orchestrierung genannt, bei Emmerich Hanel. Dr Verleger Haslinger war bereit Ziehrers Erstlinge zu drucken, unter der Voraussetzung, dass Vater Ziehrr mitfinanzierte. Haslinger blieb dann sein Verleger bis Opus 209, er war ja auch der Verleger von Johann Strauss Sohn, bei dem bis Opus 278. Johann Strauss dirigierte damals schon in Pavlovsk. Der Vater finanzierte Michis Orchester von 50 Mann und der Sohn probte mit diesem fast bis zur Besessenheit. Das Debüt fand dann in den Dianasälen statt, dem damals berühmtesten Konzert- und Ballsaal in Wien. Auch seine Werke kamen da zur Aufführung und der junge Dirigent eroberte die Herzen der Anwesenen. Auch das von AlexanderK erwähnte Opus 1 - Wiener Tanzweisen - Walzer, war dabei. Es war nicht zu verwundern, dass, dass er mit seine Kapelle kaum Engagementschwiergkeiten hatte, überall war sie zu hören, in den Blumensälen im Gartenbau, im Volksgarten, beim Sperl, beim Schwender [das waren die "Discos" der damaligen Zeit]. Zwischen 1865 und 1866 dirigierte er mit seiner Kapelle den Sommer über in Badner Kurpark, daneben komponierte er fleißig denn die "Badner Polka" trägt schon die Opuszahl 65. Auch verbreitet sich der Ruhm seiner Kapelle in die Konländer, es kam zu ersten Kunstreisen. Vom Militärdienst war er befreit, der alte Ziehrer hatte ihn losgekauft, wie es damals für die Söhne reicher Leute üblich war. Er brauchte nicht drei Jahre zu dienen, sondern schlüpfte in die Uniform eines Miltärkapellmeisters des Infantrie - Regiments Nummer 55, Freiherr von Gondrecourt. Bald war die Regimentskapelle erstklassig, die besonders durch schneidige Defiliermärsche auffiel und bei aristokratischen Parkfesten und Bällen, oft auch beim Sperl, wo Adel und Bürgertum - sonst streng getrennt - sich zwanglos unterhielten. In diese Zeit fällt auch die Bekanntschaft mit Grillparzer. Er hat, später oft erzählt, wie er die Treppe des Hauses in der Spiegelgasse hinaufstieg, wo der Dichter seit 1849 wohnte, und die Schwestern Fröhlich, die den alten Herrn umhegten, ihn empfingen, einer strengen Musterung unterzogen und schließlich für würdig befunden, zur Audienz angemeldet zu werden, nachdem das "weibliche Ministerium", wie Ziehrer die alten Fräuleins nannte, nach längerem Hin und Her zu dieser Entscheidung gekommen war. Man kann sich vorstellen wie der griesgrämige, zugeknöpfte und schroffe Herr war. Es war nicht leicht mit ihm Kontakt aufzunehmen, auch der junge - durch seine schwungvollen Melodien bekannte Militärkapellmeister, musste die Reserve gefühlt haben. Was aber Worten nicht gelingen wollte, die beiden in Alter und Wesen so grundverschiedenen Menschen einander näherzubringen, gelang dem Klavierspiel. Grillparzer, der auch kompositorisch tätig war tätig war, taute auf ebenso sein Damenkränzchen, und Ziehrer wurde oft und gern gesehener Jausengast. Auf die Frage, was es bei Grillparzer gegeben habe, antwortete er gerne "Einen guten Kaffee" und wer weiter begierig fragte, erhielt die Abweisung "Einen Gugelhupf" [in Deutschland denke ich - Napfkuchen?]. Als Gillparzer zwei Jahre später starb, erwies ihm Ziehrer die letzte Ehre, indem er im Kondukt mit der Regimentskapelle mitmaschierte, eine Stunde lang auf den Währinger Friedhof, wo Beethoven lag, für den Grillparzer 1827 die Grabrede verfasst hatte. Das Illustrierte Wiener Extrablatt berichtet darüber am 23. Jänner 1872: "Eine nur in seltensten Fällen vorkommende Auszeichnung wird dem Kondukt zuteil werden, indem die Regimentskapelle des Infantrie-Regiements Graf Gondrecourt mit Kapellmeister C. M. Ziehrer denselben begleiten wird.". Am nächsten Tag: "De Initiatve ging von Herrn Kapellmeister Ziehrer aus, auf dessen Ansuchen das Offizierkorps einstimmig seine Einwilligung zu desem Akte der Kondolenz gab.....".

      1873: Ziehers Tätigkeit begann an höchsten Stellen bestätigt zu werden, als er von Kaiser Franz Josef I. mit der Großen Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde. Drei Jahre, von 1870 - 1873, blieb Zieher im Verbande des Regiments, bis dieses in eine Provinzstadt verlegt wurde. Da die Provinz keinerlei Anregung bieten konnte, und ein Kapellmeister von Ziehrers Begabung in die Großstadt gehörte, nahm er Abschied und wurde Zivilist und Dirigent eines eigenen Orchesters. Geschickte Musiker zu finden war damals nicht schwer. Es gab Berufsmusiker und gute Dilletanten in Fülle, die gerne bereit waren hier mitzumachen. Die Musik spielte damals die Rolle, die heute der Sport spielt.

      1873 war auch das Jahr der Weltausstellung in Wien. Die 84 Meter hohe Rotunde beherschte als Blickfang den Prater. Hier musizierte Zieher mit einer 50 Mann-Kapelle. Schlechtes Wetter beeinrächtigte leider die Konzerte und auch die Einnahmen, und der Börsenkrach brachte ihn um einen Großteil seines Vermögens. Im nächsten Jahr gründete er die "Deutsche Kunst- und Musikzeitung in Wien" die bis 1880 erschien. Sie war das Sprachrohr des "Landstrasser Mänerchor" der "MGV Werner von Siemens". 1875 zog Ziehrer wieder die Uniform an, diesmal des Infantrieregiments Freiherr von Knebel. Es folgten drei Jahre [1875 - 1978] ausgefüllt mit Konzerten, Bällen und Paraden. In diesen Jahren war die Zeit der Ringstrasse, die Basteien fielen und die Prunkbauten, Universität, Burgtheater, das neue Rathaus, die Museen entstanden. Die Staatsoper wurde schon 1869 eröffnet. Wieder war Ziehrers Tätigkeit als Militärkapellmeiser zu Ende, das Regiment wurde verlegt, doch die Trennung dürfte ihm nicht schwer gefallen sein, war er doch mit der Komposition seiner ersten gültigen Operette "König Jeróme" beschäftigt. Sie hatte ihre Premiere am 28. November 1878 am Ringtheater am heutigen Schottening [welches zu trauriger Berühmtheit kam, als es am 8. Dezember 1881, abbrannte - und auch die ganzen Partituren und sonstigen Unterlagen zu dieser Operette]. Nun ging es wieder auf Wanderschaft, diesmal nach Rumänien und er kehrte mit dem Titel "Königlich - Rumänischer Hofkapellmeister" nach Wien zurück, einem Titel der sich bis 1870 in seiner Korrespondenz findet. 1881 konzertierte er in Konstantinopel - wie immer mit eigener Wiener Kapelle - 1881 ging er in ein glänzendes Engagement nach Berlin, wo er die Sängerin Marianne Edelmann kennen und lieben lernte. Sie war die Tochter eines östereichischen Staatsbeamten, war früh zur Bühne gekommen und schon damals ein erfolgreicher Operettenstar. Als die Edelmann 1882 einen glänzenden Gastspielvertrag nach St. Petersburg erhalten hatte, begleitete er seine Verlobte.

      1883: Ziehrer war in den nächsten Jahren wieder mehr kompositorisch tätig. Die zweite Operette "Wiener Kinder" [1881] hatte nicht gerade Erfolg, deshalb komponierte er wieder mehr Gebrauchsmusik und hielt mit dem Walzer "Wiener Volksseele" bei Opus 314, aber nicht mehr beim Verlag Haslinger sondern im Verlag Doblinger, der Ziehrers Hauptverleger wurde. 1885 weilte der Meister in Hamburg, wo er selbst die etwas nüchternen Nordeutschen zu Beifallsstürmen hinriss. War ja auch das Programm danach "Eine Nacht in Wien" hat an der Waterkant gezündet wie kaum ein Werk vorher. Nach Wien zurückgekehrt, wurde er ein drittes Mal Militärkapellmeister, denn die Deutschmeister waren aus Dalmatein nach Wien verlegt worden, der Posten eines Kapellmeisters war frei. Ziehrer präsentierte sich dem Regimentskommandeur Oberst Dorner und trat am 1. Oktober 1885 die neue Stellung an. Er übernahm keine gute Kapelle, sie war von den Wienern "unterm Hund" bezeichnet worden. Aber schnell brachte er "Wiener Schmiss" ind die Gruppe. Er feuerte seine Musikanten auf wienerische Art an, jener unnachahmlichen Mischung von Können und distanzverhaltener Gemütlichkeit. Es gelang Ziehrer in kürzester Zeit, die Musikkapelle zur besten der ganzen Armee zu machen. Das erste Konzert war beim "Dreher" auf der Landstrasse und die Zuhörer waren elektrisiert, durch Presse und noch schneller durch Mundpropaganda war um das Orchester bald ein "Griss". Ziehrer hatte eine gute Hand Begabte und Willige zu finden, insbesonders unter den Soldaten des Regiments. Er setzte ihre Aufnahme in die Kapelle durch und ersparte ihnen den Kasernendrill. Besonders die Streicher unter der Mannschaft waren dankbar, weil schwere Handarbeit die Koordination und Sensibilität der Finger und Armmuskln stört.

      Um Ziehrer gerecht zu werden, muss man seien Zeit sehen. "Heut ist heut und morgen ist morgen", "Leben und leben lassen" ist die Philosophie, die die Gesichter da prägt, wie auch Weinheber in "Wien wörtlich" beschreibt. Die Schusterbuben pfeifen die neuen Walzer "Der Zauber der Montur" und dieser verdreht den Wienerinnen den Kopf, fahren ma "Euer Gnaden" um zum Burgmurrer [Wachablöse in der Burg] zu kommen. Walzer ist Trumpf. Ob Wäschermädelball oder Industriellenball, in seinem Rhythmus fand sich ganz Wien..

      In Bruck an der Leitha, da waren die Waffenübungen [zu meiner Zeit auch noch] und Ziehrer wurde Konprinz Rudolf vorgestellt, dessen Vorliebe für das Wienerlied und die flotte Gesellschaft bekannt war. Ziehrer war bald häufiger Gast im intimen Cercle des Kaiserhauses bei Unterhaltungsabenden und Familiendiners. Er sagt hierüber wörtlich "Ja der Konprinz Rudolf! Wie oft bin ich bei ihm gewesen, den ein Wienerlied so sehr zu Herzen ging, dass seine Augen feucht wurden, dem ein Wienerlied so glückselig machte, dass ich nächtelang mit ihm mutterseelenallein beim Klavier und ihm vorspielen musste". Die ungemein populär gewordene Kapelle konnte schließlch nicht allein die Arbeit bewältigen und wurde verdreifacht. Ziehrer musste in einer Nacht an drei verschiedenen Örtichkeiten ans Pult: Sophiensaal, Dianasaal, Sperl oder Redoutensaal, Schwender, Tivoli, Stalehner Wimberger, Wilder Mann, 3. Kaffehaus, Sträußlsäle, Volksgarten, Rosensäle mögen die Vergnügungsstätten der Wien ergänzen. Überall war was los und überall tanzte man mit Hingebung.

      Am 1. September 1888 heiratete Ziehrer seien Mitzi in der Pfarkirche St. Othmar ob den Weißgerbern. Das Schlagwort in Wien hieß "Der Ziehrer heiratet die Engelmann". Pfarrer Franz Riedlinger traute das Paar, die Deutschmeister spielte das gefühlvolle Engellied von Braya, in der Besetzung für Violine, Cello, und Harfe; die Landstrasser hatten ihre Sensation, ware doch die Brautleute Lieblinge der Wiener. Es wird berichtet, dass trotz des strömenden Regens der weite Platz und das Innere des Gotteshauses "voll" gewesen sein soll. Es wurde eine gute, leider kinderlose Ehe. Frau Ziehrer musste es gut verstanden haben den Wandertrieb ihres Mannes einzuschränken und seine Geldangelegenheiten zu führen, die er etwas sorglos führte. Er hatte zwar keine noblen Passionen, wie Kartenspielen, konnte nicht tanzen - wie viele bedeutende Musiker - besaß aber Freunde, die ihn ausnützten. Frau Ziehrer trat von der Bühne ab, ohne Nurhausfrau zu werden. Wir wissen, dass ihre künstlerische Prsönlichkeit weiterwirkte, wenn auch wesentlich auf den komponierenden Gatten gerichtet. Ziehrer berichtete oft, dass er von der Wirkung einer Komposition, im besonderen einer Gesangspartie, erst dann überzeugt sei, wenn "Die Mitzi sie vorgesungen" habe.

      Fortsetzung kommt morgen nach.
    • Fortsetzung.

      Am 21. November 1888 feierte C. M. Ziehrer sein 25jähriges Jubiläum als Dirigent. Er war Gegenstand herzlicher Ovationen, wo er doch mit nahezu 400 Kompositionen Mittler wienerischen Wesens geworden ist. Er ist auch der letzte Vertreter der spezifische Vertreter der spezifisch wienerischen Tanzmusik geblieben. Wenige Tage später, am 28. November 1888, folgte die Uraufführung von Ziehrers Operette "Ein Deutschmeister" am Carltheater. Das besondere war das Walzerlied "Holde Adelgunde" welches Carl Streitmann dreimal singen musste. Das Haus war überfüllt, im Parterre und in den Logen die Offiziere mit ihren Damen, auf der Galerien die "Edelknaben"[wie die Mitglieder der Ziehrer Orchester genannt wurden]. Auch Mitglieder des Erzhauses fehlten nicht, es war ein rauschenden Triumph, dem Zauber der Montur konnte sich niemand entziehen. Ziehrer traf so recht den Wiener Ton. Seine Musik ist von unwiderstehlichen Charme, sein Tonsprache unverfälschtes "Weanerisch". Er komponierte aus dem Wesen der Wienerstadt, aus dem Naturell ihrer Bewohner.

      Das Jahr 1889 stand unter ungünstigen und düsteren Zeichen. Am 30. Jänner starb mit 30 Jahren Kronprinz Rudolf in Mayerling. Wiens Fröhlichkeit war auf lange dahin, und damit auch alle musikalische Lustbarkeit. Am 9. Dezember starb Ziehres Vater. Am 2. Jänner 1890 kam Ziehrer Gesangsposse "Wiener Luft" im Theater an der Wien zur Aufführung. Der Publikumsliebling Alexander Girardi sang darin einen lang populär geblieben Walzer "Wenn im Mai die Rosen blühn". Die Nachrichten aus Ziehrers Leben beginnen nun etwas spärlicher zu werden. Am 5. Juli 1871 starb auch Ziehrers Mutter. 1872 konzentrierte er sich, während der Musik- und Theaterausstellung, auf dem Gelände der Weltausstellung von 1873, wo aus dem noch stehengebliebenen Pavillons eine Nachbildung Alt-Wiens improvisiert worden war. Das alte Wien mit seinen Basteien war inzwischen Vergangenheit geworden, nicht bei Ziehrer.

      1893: Als Fünfzigjähriger erst ging Ziehrer auf Tournee nach Amerika. Vom Regiment hatte er, vom Kaiser für sich und sein Musiker, fünf Monate Urlaub bekommen und das Recht Uniform zu tragen. Er reiste mit seiner 60 Mann starken Kapelle nach Chikago, wo eine internationale Ausstellung stattfand, das auch von Wiener Geschäftsleuten beschickt war. Die Wiener hatten sogar ein eigenes Ausstellungsgelände, in dem "Old Vienna" errichtet worden war. Die österreichische Kolonie war stark vertreten, der Gesamtbesuch in "Old Vienna" belief sich täglich auf 8.000 bis 10.000 Besucher. Die Presse überschlug sich an Lob und der Ziehrer Marsch "Heil Columbia" als freundliche Geste an die Amerikaner fand größte Anerkennung "Was den Wiener in Stimmung bringt, war uns bisher ein Rätsel. Man hört Ziehrer und seine Kapelle und versteht alles." Die Deutschmeister konzertierten bis zum letzten Ausstellungstag am 30. Oktober und gingen dann auf Nordamerikatournee, sie hatten um weiteren Urlaub bis 20. Jänner 1894 eingreicht und in der Annahme anstandsloser Bewilligung die weitere Konzertreise begonnen. Man konzertierte in New York, Boston, Pittsburg, Washington und vielen anderen Städten - als die Nachicht eintraf, sie war Ziehrer als Einschreibebrief gefolgt, dass der Urlaub nicht verlängert werden könne. Ziehrer unterbrach sofort, kam mit seiner Frau am 25. Dezember in Wien an und wurde von den Landstrassern, an seiner neuen Adresse, Landstrasser Hauptstrasse 51, herzlichst begrüßt. Nach den Feiertagen fuhr er gleich nach Iglau, wo nun die Deutschmeister stationiert waren. Die Kapellmeisterstelle war nun anderweitig besetzt. Ziehrer ergänzte nun seine Kapelle mit zivilen Musikern und ging mit ihr, ein Jahr nach der Amerikafahrt, am 15. Mai 1894 nach Deutschland, wo er in 42 Städten konzertierte. Nach seiner Heimkehr am 18. Oktober desselben Jahres begann er die Wintersaison in Wien. Ziehrer machte die Sonntagnachmittagskonzerte populär, zumals er die Lieblinge Wiens zu Mitwirkung heranzog. Noch war das Publikum eine große Gemeinde. Ziehrer dirigierte am Sonntag zweimal, am Nachmittag und am Abend. 1895 ging Ziehrer an das Olympiatheter nach Berlin, wo ein verregneter Sommer finanzielle Einbußen brachte. Während der Wintersaison war er wieder in Wien, im Sommer erstmals auch in den Sommerferien. 1896 bei der Milleniums-Ausstellung [1000 Jahr Feier] in Budapest. 1897 genoss er erstmals Sommerferien. Er hatte sich inzwischen am Mondsee, am Mariahilferberg, eingemietet.

      Ziehrers Tätigkeit verschob sich nun mehr zur Komposition und zur soziologischen Abeit im Dienste der Musiker. So entstand im November 1897 die "Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger", der Ziehrer als zweiter Vorstand und seit 1913 als Ehrenmitglied angehörte. Wichtig wird wieder das Jahr 1899. Ziehrer bringt im Juli seine berühmteste Operette "Die Landstreicher", zur sensationellen Uraufführung, der etwa 2000 Aufführung folgten. Die Uraufführung fand in "Venedig in Wien"statt, wo künstlich Kanäle venezianische Illusionen hervorzauberten [heute befindet sich dort der Prater mit dem Riesenrad]. "Wie in einer Vorahnung kommender Ereignisse hatte sich des Publikum noch vor der Ouvertüre eine angeregte Stimmung bemächtigt, welche dem sympathischen Empfang des Meisters, als er das Dirigentenpult betrat, zum Ausdruck gelangte und im Verlaufe der Vorstellung nach jeder Szene und jedem Aktschluss in stürmischen Applaussalven sich entlud", schrieb eine Zeitung.

      1899 übersiedelte Ziehrer in die Erdbergstrasse 1 und verlebte dort noch 25 Jahre bis zu seinem Tode. 1900 entstand am Mariahilferberg die Operette "Die drei Wünsche" mit der "Dünnen Leopoldine". 1900 entstand "Der Fremdenführer". Dieses Werk wurde am 24. Oktober 1902 im Theater an der Wien uraufgeführt.

      1903: Ziehrer feierte sein 40jähriges Dirigentenjubliäum beim Ronacher und erhält von der Stadt Wien die Große Salvatormedaille die ihm Dr. Karl Lueger überreichte. Ziehrer nun 60 Jahre alt geworden, begann sich nun ensthaft als Dirigent zurückzuziehen. Damit hatte er wieder Kräfte zur Kompositon frei. Am 10.Dezember 1904 kam der "Schätzmeister" zur Aufführung, am 7. Juli 1905 die Operette "Fesche Geister". Etwas leidend geworden ging er zur Kur nach Baden und Marienbad und in Ischl, wo ihn der Kaiser, gelegentlich, in seine Sommervilleggiatur kommen ließ, um ihn bei Festlichkeiten die dort stattfandenden Wiener Weisen zu hören. Da der Kaiser, Ziehrer, persönlich gut kannte wurde er, am 4. Jänner 1907, zum Leiter der Hofballmusik ernannt. Er dirigierte am 23. Jänner 1907, im goldbestickten Frack - der ihn sehr behinderte. Er durfte ihn später mit Erlaubnis des Kaisers mit dem Zivilfrack austauschen. Am 2. September 1907 ging eine neue Posse "Am Lido" im Colloseum in Szene, der am 8.Oktober 1908 die Operette "Ein tolles Mädel" im Orpheum folgte. 1908 wurde Ziehrer zum [letzten] Hofballmusikdiektor ernannt, einer Funktion, die ihn wohl zu der Operette "Ball bei Hof"angeregt haben dürfte. Sie entstand 1910 und erlebte 273 Aufführungen. Ihr folgte 1912 "Das Manöverkind". 1913 gab es viel zu feiern: Geburtstage, Silberne Hochzeit und 50jähriges Dirigentenjubiläum. Man veranstaltete ein Konzert im Großen Musikvereinssaal, eine Matinee im Carltheater, ein Festdiner bei den Deutschmeistern in der Rennwegkaserne, und die neue Operette "Fürst Kasimir" wurde am 13. September dieses Jahres am Carltheater uraufgeführt. Am 5. Februar 1914 dirigierte Ziehrer die Hofballmusik. Niemand ahnte, dass es der letzte Hofball war. Wieder folgte eine neue Operette am 27. Februar 1914. Es war "Das dumme Herz" [aus dem Boris das Lied "Das Herz ist nur ein Uhrwerk" hervorhob], die Uraufführung fand am Johann-Strauss-Thater statt. Der Sommer kam, Ziehrer erholte sich in Marienbad und schrieb schließlich am Attersee, wo er die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand d'Este und seiner Gemahlin erhielt. 1916 starb der alte Kaiser. Ziehrer komponierte seine neue Operette "Im siebenten Hmmel". Sie kam nach München, wo sie uraufgführt wurde. Am 20. April 1918 starb sein alter Freund Alexander Girardi. Am 2. Mai 1918 feierte man trotz der Not der Zeit den 75. Geburtstag des großen Meisters, dem kurz vorher durch Kaiser Karl das Ritterkeuz des Franz-Josefs-Orden verliehen worden. Als am 12. November 1918 die Republik ausgerufen wurde lag Ziehrer nach einem Schlaganfall gelähmt, erholte sich aber nochmals und konnte 1919 einer Auffühung seiner Operette "Liebeswalzer" im Ramundtheater beiwohnen, wenige Monate später, am 15. Februar 1920, verfasste er sein Testament. Zum 77. Geburtstag, am 2. Mai 1920, erhielt er noch taxfrei das Bürgerrecht der Stadt Wien. Die Angelobung durch Bürgermeister Reumann fand allerdings erst am 20. September 1920 statt, als es die Gesundheit des Meisters erst erlaubte. Aus diesem Anlass fand eine Festvorstellug seiner Operette "Die drei Wünsche" statt, bei dem Ziehrer die Ouvertüre dirigierte. Es war sein letztes Erscheinen im Theater. Ziehrer war noch weiter kompositorisch tätig, schrieb Walzer, stellte Potpouris zusammen und komponierte Lieder wie "Mein Herz lass ich in Wien zurück", befasste sich mit Ganghofers "Herrgottschnitzer" den er noch vertonen wollte. Als letzte Komposition schrieb er den Walzer Opus 564 "Studententäume", den Wiener Studenten gewidmet, der im Sophiensaal uraufgeführt wurde.

      1922: In diesem Jahr verstarb Carl Michael Ziehrer, am 14. November 1922 um die Mittagsstunde, an den Rollstuhl gefesselt und total verarmt. Wenn man auch schrieb, der Kreis seiner Freund blieb - aber die hatte ja selbst nichts.

      Die Stadt Wien hatte ihm aber ein Staatsbegräbnis angeordnet und so liegt er, mit seiner Frau, am Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab, Gruppe 32 C, Grab 1, zur letzten Ruhe.
    • Die C.M.Ziehrer-Stiftung in Wien kümmert sich nicht nur um das Werk des Komponisten (und veranstaltet auch Konzerte), sondern bietet auch etliche CDs an ("www.ziehrer.at").

      Die Ziehrer-Stiftung steht auch hinter dieser 4er-Box:


      Capriccio 2013

      Mit großer Sorgfalt und Qualitätsbewußtsein sind hier viele Höhepunkte aus Ziehrers Operettenschaffen vereint. Einmal mehr wird klar, wie schade es ist, daß dieser Teil seines Lebenswerks so sehr in Vergessenheit geraten ist. Man labt sich an wirklichen Gustostückerln, so etwa das mitunter noch populäre Couplet "So dünn, dünn, dünn war die Leopoldin" aus "Die drei Wünsche" (gern aber auch anderswo implantiert), herrlich vorgetragen von unserem unvergesslichen Ossy Kolmann, oder das berühmte "Sei gepriesen du lauschige Nacht" aus "Die Landstreicher" (eine großartige Aufnahme mit Anton Dermota!), die Auszüge aus "Der Liebeswalzer", "Das dumme Herz" und "Die verliebte Eskadron" - lauter Goldstücke der Wiener Operette.
      Historische Aufnahmen ab 1950 (für mich Murmelgreis muten sie freilich noch recht gegenwärtig an) finden sich ebenso wie neuere Einspielungen bis 2011 mit derzeit aktiven Sängern. Von Operettenkrise kann bei diesen Nummern keine Rede sein. Die "Jungen" machen ihre Sache ganz ausgezeichnet. Neben Max Schönherr (der über Ziehrer monographisch geforscht und publiziert hat) dirigieren Herbert Mogg und Hans Schadenbauer (dieser mit dem Ziehrer-Orchester). Man gerät ins Schwärmen, hört man die Stimmen von Peter Minich, Renate Holm, Peter Seiffert, Ruthilde Boesch, Karl Terkal, Herbert Prikopa, MIrjana Irosch usw. und bedauert, daß man von Künstlerinnen aus der Mitte und dem dritten Viertel des vorigen Jahrhunderts wie Maria Antonia Harvey, Maria Kytka und Eleonore Bauer (1927-1983, Minichs erste Gattin) kaum etwas weiß - und ich freue mich riesig, wenn Jörg Schneider (jetzt im Ensemble der Wiener Staatsoper), Nina Adlon-Berten, Andrea Bogner, Julia Koci, Rita-Lucia Schneider, Thomas Weinhappel etc. bewirken, daß man auch über sie ins Schwärmen kommt. Das sind keine großen Namen, aber derzeit doch in Mitteleuropa mehr oder weniger gut bekannt, teilweise sogar schon in unserem Forum lobend erwähnt.

      Das Wiener Label "Capriccio" hängt übrigens mit dem Forum nicht zusammen.
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      Homo sum, ergo inscius.