Händel: Welche Opern „muss“ man haben?

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    • Ich denke, nicht nur bei Händel sollte man - falls so etwas existiert - immer den wissenschaftlich erarbeiteten Werkverzeichnissen folgen, also hier dem (ergänzten) HWV. Das ist auch im Netz verfügbar:

      "http://www.gfhandel.org/" (Menü "Handel" - Untermenü "Worklist" - dann kann man sich die Kompositionen nach HWV-Nummer, Genre usw. sortieren lassen)

      Die Diskographie scheint auch sehr gewissenhaft erarbeitet zu sein, endet aber - soweit ich sehe - im Jahr 2007.

      Klar, für (allerdings editorisch nicht immer auf dem neuesten Stand befindliche) Noten im Schnellzugriff ist IMSLP unverzichtbar - wie schnell man sich daran gewöhnt hat...


      Viele Grüße

      Bernd
      Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)
    • Für Kurzinformation ist das ja auch alles in Ordnung und auch das Diskografie Verzeichnis , aber ich will mehr , deshalb liebe ich einfach das gedruckte , habe viele der Händeljahrbücher und div. andere Nachschlagewerke . Z.B für mich unentbehrlich .....




      übrigens der Oratorienführer ist im Allgemeinen sehr gut , für Händel speziell ist der Marx unentbehrlich !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • "Händel. Die Opern" von Silke Leopold ist nicht nur als Nachschlagewerk zu empfehlen. Das ist es zwar auch, aber der größere Teil des Buches widmet sich verschiedenen Aspekten der Händelschen Opern allgemein. So findet man etwa ein Plädoyer für die da-capo-Form ebenso wie sehr anschauliche Erläuterungen zu Händels ständigem Ringen, die opera seria lebendig zu gestalten -- und tatsächlich gibt es frappierend viele Beispiele, was Händel, zumindest punktuell, alles an Konventionen über Bord geworfen bzw. geschickt variiert hat. Interessant auch die Informationen zu den Libretti, die, je intensiver man sie betrachtet, gar nicht mehr sooo absurd scheinen wie auf den ersten Blick!

      Beste Grüße, Amaryllis

      PS: Pardon, ich sehe gerade, das geht ein bisschen in Richtung eines alten Fadens: Händel und die Opera Seria
    • palestrina schrieb:

      übrigens der Oratorienführer ist im Allgemeinen sehr gut , für Händel speziell ist der Marx unentbehrlich !


      Könnte man nicht einen "Händel-Bücher" Faden anlegen und die Bücher dort einzeln vorstellen...? (Wenn ihr Zeit u. Lust dazu habt...) Mich würde es interessieren...Hab' 2-3 Bücher zu Händel, aber keinen Werkführer :hide: :hide: :hide:
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • Amaryllis schrieb:

      genauso, um auf Händel zurückzukommen, macht der Oberto in der Alcina dramaturgisch erst so richtig Sinn, wenn man dafür einen Knaben findet. Die Alcina aus Aix war für mich die erste Inszenierung dieser Oper, in der ich mal keine Sopranistin in dieser Rolle gesehen habe. Zweifelsohne einer der vielen Pluspunkte dieser Produktion


      Ja, mir geht es bei vielen Opern/Oratorien so, in den Kinder eine tragende Rolle spielen...Bei Händel z.B. auch der Joas in Athalia...(Meiner Meinung nach ist dieses Oratorium nun wirklich eher ne Oper...) McCreesh besetzt diese Rolle mit Knabensopranen und auch Aled Jones hat die Rolle unter Hogwood gesungen...Wobei der Knabensopran Nicolas Champart schon eine sehr ungewöhnliche Aussprache ehh' franz. Akzent hat...Dennoch ist er ein sehr guter Schauspieler....

      Hier Einzelszenen:

      "https://www.youtube.com/watch?v=hESLdjig974"
      "https://www.youtube.com/watch?v=ayytOTgL53w"
      "https://www.youtube.com/watch?v=3LcX_H12OZc"

      Die ganze Produktion von McCreesh

      "https://www.youtube.com/watch?v=DD0f6kkXrKo"

      Die ganze CD mit Hogwood/Aled Jones

      "https://www.youtube.com/watch?v=vh19OKpp4Ng"
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960)
    • palestrina schrieb:

      für Händel speziell ist der Marx unentbehrlich !

      Dem kann ich mich in vollem Umfang anschließen.

      Dazu dann noch ein paar Biografien - Burrows, Hogwood, Rampe und Messmer etwa - und (wenn man es sich günstig schnappen kann) Winton Deans "Handels Dramatic Oratorios and Masques" sowie seine beiden Bände zur Oper Händels und schließlich Ruth Smiths "Handels Oratorio's and 18th Century Thought" und schon hat man die kleine Händel-Bibliothek gut bestückt. Auf Romain Rollands kleine Biografie kann ich übrigens aufgrund ihres Enthusiasmus auch nur schwer verzichten.

      :wink: Agravain
    • Trotzig-Verzagt-Ding schrieb:

      palestrina schrieb:

      übrigens der Oratorienführer ist im Allgemeinen sehr gut , für Händel speziell ist der Marx unentbehrlich !


      Könnte man nicht einen "Händel-Bücher" Faden anlegen und die Bücher dort einzeln vorstellen...? (Wenn ihr Zeit u. Lust dazu habt...) Mich würde es interessieren...Hab' 2-3 Bücher zu Händel, aber keinen Werkführer :hide: :hide: :hide:


      Hallo, Ihr Lieben,

      die Idee, einen Faden zu Händel-Büchern anzulegen, finde ich sehr gut :angel: -- so einen scheint es nämlich tatsächlich noch nicht zu geben. Ich kann gerne (heute im Laufe des Tages...) entsprechende Beiträge aus diesem Thread zusammensuchen und in einen neuen Faden kopieren. Das wäre, denke ich, ein guter Anfang...

      Bis dann, viele Grüße,
      Amaryllis

      :wink:
    • In Punkto Büchern geht es mir wie Dir, lieber Palestrina: Auch ich bevorzuge das auf Papier gedruckte Wort. Deshalb werde ich mir umgehend den Marx bestellen.

      Wie hier bereits aus meiner Sicht völlig richtig angesprochen wurde, interessiert "man" sich für Barockopern in erster Linie wegen der Musik und nicht wegen der oft hanebüchenen Libretti. Es ist also für eine erste Annäherung keineswegs falsch, z.B. bei Youtube "Händel" einzugeben, und bei den unterschiedlichen Werken reinzuhören. Die Werke, bei denen die Musik gefällt, können dann in die engere Wahl genommen werden. Bei der Wahl einer geeigneten Aufnahme darf man ruhig nach dem Erscheinungsdatum gehen: Die neueren Aufnahmen sind MEIST auch die besseren. Im Übrigen wurden hier ja bereits etliche Editionen vorgestellt, von denen ich viele besitze und fast alle kenne, und deren Empfehlung ich - ganz allgemein gesprochen - unterstützen würde.

      Für einen ersten Einstieg macht man nichts falsch, wenn man mit den drei Opern nach Ariosts "Orlando furioso" beginnt. Wobei ich einem absoluten Händel-Neuling eher die Oratorien empfehlen würde: Für mich ist Händel tatsächlich am stärksten in den konzertant aufzuführenden Werken. Wenn ich etwas nach meinem Herzen empfehlen sollte, wären das die früheren Werke:
      Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (1707) !!!
      Rinaldo Alessandrini + Concerto Italiano, Sara Mingardo, Deborah York
      Il Trionfo del Tempo e della Verità, HWV 46b (1737) !!!
      Joachim Carlos Martini + Junge Kantorei, Barockorch. Frankfurt, Claron McFadden, Elisabeth Scholl
      The Triumph of Time & Truth, HWV 71 (1757) (Ludus Baroque + Sophie u. Mary Bevan)
      La Resurrezione (1708) !!!
      1. Marc Minkowski + Les Musiciens du Louvre, Annick Massis, Laurent Naouri, John M. Ainsley
      2. Marco Vitale + Contrasto Armonico, Stefanie True, Kristine Gether, Marcel Beekman
      Alexander's Feast (1736) !!!
      1. Peter Neumann + Kölner Kammerchor, Collegium Cartusianum, Simone Kermes
      2. Harry Christopherus + The Sixteen, Nancy Argenta, Michael George, Ian Partridge

      Israel in Egypt (1739)

      Jürgen Budday + Maulbronner Kammerchor, Hannoversche Hofkapelle, Miriam Allan

      Saul (1739)

      1. Peter Neumann + Collegium Cartesianum, Simone Kermes, Grégory Reinhart, Mathias Koch

      2. Paul McCreesh + Gabrieli Consort, Andreas Scholl, Mark Padmore, Nancy Argenta
      L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato – Schäferode (1740) !!!

      Peter Neumann + Kölner Kammerchor, Collegium Cartusianum, Maria Keohane, Julia Doyle

      Messiah (1742/43) !!!

      1. William Christie + LAF, Barbara Schlick, Sandrine Piau, Andreas Scholl, Mark Padmore, Nathan Berg

      2. Emmanuelle Haim + Le Concert d’Astree, Lucy Crowe, Tim Mead, Andrew Staples
      3. Daniela Dolci + Musica Fiorita, Miriam Feuersinger, Flavio Ferri-Benedetti, Dino Lüthy, Raitis Grigalis

      Meine persönliche Hitliste habe ich mit !!! markiert.
      Natürlich spricht nicht das Geringste dagegen, ALLE Oratorien bis zu Jephtha (1752) anzuschaffen: Gerade die Oratorien besitzen musikalisch eine so unglaubliche Vielfalt, einen solchen Reichtum, dass keines der Werke langweilig wird!
    • P.S.: Anmerkung zu "L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato " - einem meiner absoluten Lieblingswerke überhaupt: Viele Jahre habe ich die berühmte Aufnahme von William Christie besessen, den ich selbstverständlich über die Maßen schätze und verehre (allerdings nicht immer für Händel - bei Charpentier und Rameau dagegen immer!). Vor einigen Jahren habe ich die Box allerdings gegen die wesentlich frischere und musikalischere Aufnahme von Neumann ausgetauscht. Da ich weiß, dass hier einige echte Experten und Barock-Kenner mitlesen und -schreiben: Das war eine rein persönliche Entscheidung! :)
    • Vincent Kluwe-Yorck schrieb:

      Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (1707) !!!

      Rinaldo Alessandrini + Concerto Italiano, Sara Mingardo, Deborah York
      Il Trionfo del Tempo e della Verità, HWV 46b (1737) !!!
      Joachim Carlos Martini + Junge Kantorei, Barockorch. Frankfurt, Claron McFadden, Elisabeth Scholl
      The Triumph of Time & Truth, HWV 71 (1757) (Ludus Baroque + Sophie u. Mary Bevan)
      La Resurrezione (1708) !!!
      1. Marc Minkowski + Les Musiciens du Louvre, Annick Massis, Laurent Naouri, John M. Ainsley
      2. Marco Vitale + Contrasto Armonico, Stefanie True, Kristine Gether, Marcel Beekman
      Alexander's Feast (1736) !!!
      1. Peter Neumann + Kölner Kammerchor, Collegium Cartusianum, Simone Kermes
      2. Harry Christopherus + The Sixteen, Nancy Argenta, Michael George, Ian Partridge

      Israel in Egypt (1739)

      Jürgen Budday + Maulbronner Kammerchor, Hannoversche Hofkapelle, Miriam Allan

      Saul (1739)

      1. Peter Neumann + Collegium Cartesianum, Simone Kermes, Grégory Reinhart, Mathias Koch

      2. Paul McCreesh + Gabrieli Consort, Andreas Scholl, Mark Padmore, Nancy Argenta
      L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato – Schäferode (1740) !!!

      Peter Neumann + Kölner Kammerchor, Collegium Cartusianum, Maria Keohane, Julia Doyle

      Messiah (1742/43) !!!

      1. William Christie + LAF, Barbara Schlick, Sandrine Piau, Andreas Scholl, Mark Padmore, Nathan Berg

      2. Emmanuelle Haim + Le Concert d’Astree, Lucy Crowe, Tim Mead, Andrew Staples
      3. Daniela Dolci + Musica Fiorita, Miriam Feuersinger, Flavio Ferri-Benedetti, Dino Lüthy, Raitis Grigalis

      Meine persönliche Hitliste habe ich mit !!! markiert.
      Natürlich spricht nicht das Geringste dagegen, ALLE Oratorien bis zu Jephtha (1752) anzuschaffen: Gerade die Oratorien besitzen musikalisch eine so unglaubliche Vielfalt, einen solchen Reichtum, dass keines der Werke langweilig wird!
      Krass. Wie unterschiedlich doch die Geschmäcker sind. Bitte nicht als Kritik verstehen, sondern als unmittelbaren Ausdruck des Erstaunens: Keine der genannten Aufnahmen wären von mir als überdurchnittlich herausragend empfohlen worden - von McCreeshs "Saul" mit Einschränkungen vielleicht abgesehen. ;(

      :wink: Agravain
    • Hallo zusammen,

      auch wenn es nicht der ganz optimale Faden für das Thema ist: Auf dieser Seite kann man 10 Händel Opern in Inszenierungen der Händel-Festspiele Göttingen in Ton und Bild nachverfolgen: ganz so, wie es in den Jahrgängen jeweils geboten worden ist: historisch korrekt oder modernes Regietheater. Ich kann alle Aufführungen aus Live-Erfahrungen dringend empfehlen. Ich habe seit 2012, wenn ich das recht erinnere, von diesen Inszenierungen regelmäßig berichtet, man kann meine, vom Live-Erlebnis (zumeist) begeisterten Ergüsse in den jeweiligen Jahresbeiträgen nachlesen.
      Es handelt sich um folgende Opern:
      - 2009 Admeto HWV 22, UA 1726: Nic McGegan, ML, Doris Dörrie, Regie
      - 2010 Tamerlano HWV 18, UA 1724: Nic McGegan, ML, Johanna Garpe, Regie
      - 2012 Amadigi di Gaula HWV 11, UA 1715: Andrew Parrott, ML, Sigrid t'Hooft, Regie
      - 2013 Siroe, Re di Persia HWV 24, UA 1728: Laurence Cummings, ML, Immo Karaman, Regie
      - 2014 Faramondo HWV 39, UA 1738: Laurence Cummings, ML, Paul Curran, Regie
      - 2015 Agrippina HWV 6, UA 1709: Laurence Cummings, ML, Laurence Dale, Regie
      - 2016 Imeneo HWV 41, UA 1740: Laurence Cummings, ML Sigrid t'Hooft, Regie
      - 2017 Lotario HWV 26, UA 1729: Laurence Cummings, ML, Carlos Wagner, Regie
      - 2018 Arminio HWV 36, UA 1737: Laurence Cummings, ML, Erich Sidler, Regie
      - 2019 Rodrigo HWV 5, UA 1707: Laurence Cummings, ML, Walter Sutcliffe, Regie

      Es wurde also in den Jahren immer brav hin- und hergesprungen im Opernschaffen des Genies aus Halle.

      Eine Reihenfolge der interessantesten Opern muss eigentlich jeder für sich selber bilden, vielleicht anhand dieser Frage: kenne ich die Oper in einer mich überzeugenden Aufführung?
      Wenn nein, dann lautet meine Empfehlung: alle anschauen, man hat ja in der Regel mehr Zeit angesichts der Einschränkungen des Öffentlichen Lebens.

      Die besten Opern in dieser Reihe sind mit Sicherheit Tamerlano, Agrippina, Arminio und Lotario.

      Mir am besten in Erinnerung geblieben sind die Aufführungen (in dieser absteigenden Reihenfolge): Arminio, Lotario, Agrippina, Imeneo (Vorsicht!, das Stück ist eine selbstironische Operette!), Rodrigo, Admeto, Faramondo, Tamerlano, Siroe und Amadigi

      Wer mag, kann meine Erinnerungen in den jeweiligen Chats gerne ergänzen ....

      Gruß Benno
      Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)